Version Diff

adaptations_1st_episode/Jugendhort_1st.txt(5511 tokens)
adaptations_1st_episode/Wachler_1st.txt(1881 tokens)
commonToBoth85
uniqueToFile15426
uniqueToFile21796
smallSpellingDifferences26
overlapFile11.54236980584
overlapFile24.51887293993
avgOverlap3.03062137288


[ ] [ Weiter wurde Jane verboten , die Familienzimmer sowohl , als auch die Bibliothek im ersten Stockwerk zu besuchen , sowie ihr Schlafzimmer oder die Küche zu verlassen , ja sie durfte nur mit Mistreß Reed ' s besonderer Bewilligung , welche durch Esther einzuholen war , in den Garten wie überhaupt ins Freie gehen , noch überhaupt mit Jemandem im Hause verkehren . Jane ' s weiches und tiefes Gemüt empfand diese Demütigungen und Beschränkungen bitter , namentlich schmerzte es sie aufs tiefste , daß sie von Bessie ' s Unterricht und vom Besuche des Bibliothekzimmers ausgeschlossen war - aber sie ertrug es still und ohne ein lautes Wort der Klage ; sie wußte sehr wohl , daß sie eine solche Behandlung nicht verdient hatte , und machte daher auch keinen Versuch , bei ihrer Tante um eine Aufhebung dieser Verbote bittweise nachzusuchen . Still und ergeben trug sie ihr einsames und trauriges Los , ja sie lebte nur glücklich in der Erinnerung an Onkel Reed , dessen Liebe und unaussprechliche Güte gegen sie mit lebhaften Zügen in ihr junges Herz eingeprägt war ; in solchen Stunden lebte sie glücklich allein unter Thränen . Die Köchin Esther war ein gutmütiges Geschöpf , das Mitleid mit dem stillen und sonst unverdrossenen Mädchen hatte und richtete nach etwa acht Tagen ihres Beisammenseins mit Jane , gerade an einem schönen Wintersonntag Nachmittag , als alle Arbeit in der Küche beendigt war , die mitleidige Frage an sie : Willst Dn die Tante nicht bitten , Jane , daß sie Dir erlaubt , mit mir einen kleinen Spaziergang zu machen ? Nein ! lautete die kurze Antwort . Und warum willst Du nicht mit mir gehen , Jane ? fragte Esther weiter . Sei nicht böse mit mir , Esther , sprach Jane weiter , ich weiß , Du meinst es gut mit mir , und ich möchte so gern hinaus in die frische , sonnenhelle Winterluft , aber die Tante Reed um diese Erlaubnis zu bitten - das vermag ich nicht über mich zu gewinnen . Und warum nicht , Du seltsames Geschöpf ? Weil sie mich für John ' s Unrecht , das er mir zugefügt hat , bestraft , ja grausam bestraft . So will ich die Tante in meinem Namen darum bitten ? Nein , liebe Esther , ich bitte Dich herzlich , thue das nicht . Ich mag nicht um Etwas bitten und auch keinen Menschen für mich bitten lassen um eine Sache , die man mir nicht freiwillig gewährt und auf welche ich so gut ein Recht habe , wie jedes andere Geschöpf , das seine Pflicht gethan hat . Nun , so gehe ich allein , sprach Esther verdrießlich ; ich will Dich nicht zum Vergnügen zwingen . Zu Ostern des kommenden Jahres verließ John Reed Gateshead , um eine Schule in London zu besuchen und sich für den Besuch der Universität weiter ausbilden zu lassen , während sich in Jane ' s Verhältnis zu ihrer Tante nicht das Geringste verändert hatte . Mistreß Reed erkundigte sich bei Esther nach Jane ' s Verhalten und mußte zu ihrer Verwunderung und mit Widerwillen vernehmen , daß sie sich fügsam , willig , unverdrossen und fleißig zeige , ohne im Geringsten zu klagen oder eine Bitte um Erleichterung ihrer Strafe auszusprechen . Daß ihre Abneigung und ihr Groll durch diese Mitteilungen sich nicht milderte , ist zwar sehr leicht begreiflich bei ihrem Charakter , aber sie hob doch , veranlaßt durch Esther ' s Bitten , das Verbot für den Besuch des Gartens gegen Jane freiwillig auf , und hoffte nun , daß auch Jane sich ihr wieder nähern und sie um Verzeihung für ihr Betragen gegen John bitten würde - hierin jedoch täuschte sie sich vollständig , denn Jane machte von dem Besuche des Gartens und der Umgebung so wenig wie möglich Gebrauch und zeigte auch nicht die kleinste Spur von einer Annäherung an ihre Tante , ja sie ging sogar so weit , ihre Nähe absichtlich zu meiden . ] Es war [ ] [ dies durchaus kein lobenswerter , wenn auch ein erklärlicher Zug in dem Charakter des sonderbar gearteten Mädchens , aber Jane fühlte Mistreß Reed ' s Haß gegen ihre Person beinahe instinktmäßig und wollte nicht , daß diesem durch irgend eine Berührung neue Nahrung gewährt werden sollte . In seinen Sommerferien kehrte John Reed nach Gateshead auf einige Wochen zurück und hiermit begann für Jane eine neue Zeit der Plage . Sie wich ihm aus , so viel sie konnte ; sie ging nicht ins Freie , wenn sie ihren Verfolger , der immer noch ] an [ einem rauhen Wintertage . In Gateshead - Hall , einem Schlosse in der Grafschaft . . shire im südlichen England ruhte die Besitzerin des Schlosses , Mrs . Reed , umgeben von ihren drei Lieblingen : Eliza ] [ ihr Rache zu nehmen suchte ] , [ John ] [ zu Hause wußte , ] und [ Georgina - ] [ nur in später Abendstunde huschte sie zuweilen ] auf [ einem Sofa ihres Salons . Glücklich betrachtete sie die Gesichtszüge ihrer Kinder , die in diesem Augenblick zufällig weder zankten noch schrien . An das Wohnzimmer stieß ein kleines Frühstückszimmer , in welchem ein großer Bücherschrank stand . Auf dem Sitz in der Fenstervertiefung saß ein kleines Mädchen , die Beine gekreuzt ] [ kurze Zeit ] wie ein [ Türke ; doch verdeckten dunkelrote Moire - Vorhänge das Kind fast vollständig . Scharlachrote Draperien schlossen die Aussicht zur rechten Hand ; links befanden sich die großen , klaren Fensterscheiben , die einen Ausblick in den düstern Novembertag gestatteten . Das Mädchen hatte ein Buch ] [ scheues Reh in die Gänge des Parkes . Trotz aller ihrer Vorsicht stieß sie bei einem solchen Versuche auf ihren Gegner , der ihr mit einem Hammer ] in der Hand [ ] [ plötzlich entgegentrat ; sie wich ihm rasch aus ] , [ und wenn es die Blätter desselben wendete , fiel sein Blick ] [ John aber fuhr heftig mit den Worten ] auf [ ] [ sie los : Habe ich Dich endlich einmal erwischt , um Dich für Deine Kratzerei nach Gebühr züchtigen zu können ! und faßte sie hart am Arme . Laß mich los , John , sprach Jane finster und entschlossen - ich habe mit Dir nichts zu schaffen . Aber ich muß mit Dir , Du falsche Katze , Abrechnung halten , höhnte sie der rohe Bursche ; Du sollst und mußt jetzt büßen für alles Unheil , ] das [ Bild dieses winterlichen Nachmittags . In der Ferne war nichts als ein blasser , leerer Nebel , Wolken ; im Vordergrunde der feuchte , freie Platz vor dem ] [ Du in unserem ] Hause [ ] [ angestiftet hast . Laß mich los ] , [ vom Winde entlaubte Gesträuche ] [ John ] , [ ] [ rief Jane ernster ] und [ ein unaufhörlicher vom Sturm wildgepeitschter Regen . Wer war jenes Kind , ] [ dringender , oder Du zwingst mich wieder , Gewalt gegen Gewalt zu brauchen ] und [ weshalb saß es so einsam dort ? Nun ] [ mir zu helfen ] , [ meine liebe Leserin , ] [ wie ] ich [ will deine Wißbegierde gleich befriedigen ] [ kann ] . [ Dieses einsame Mädchen war Jane Eyre , eine elternlose Nichte der Mrs . Reed , und von dieser - wie sie sagte - aus Gnade und Barmherzigkeit angenommen . Nichtsdestoweniger suchte Mrs . Reed ihre Nichte stets so weit wie möglich von sich fern zu halten . Als nun Jane nach dem Mittagsmähle sich ebenfalls der Familie zugesellen und im Salon verweilen wollte , sprach ihre Tante zu ihr : , Ich bin gezwungen , dich von uns fern zu halten , bis du angenehmere und freundlichere Manieren , sowie ein offenherzigeres Wesen zeigst ; auch hat Bessie sich wieder über dich beklagt . , Wessen klagt mich denn Bessie an ? fragte das Kind dagegen . , Ich liebe weder Spitzfindigkeiten noch Fragen , erwiderte die Tante darauf , , und finde es geradezu häßlich , wenn ein Kind ältere Leute in solcher Weise zur Rede stellt . Augenblicklich setzest du dich irgendwo hin und schweigst , bis du freundlicher und liebenswürdiger sprechen kannst . Daraufhin hatte sich Jane in die Fensternische des Frühstückszimmers zurückgezogen , und so finden ] [ Das wollen ] wir [ sie dort mit Bewicks Geschichte von Englands befiederten Bewohnern beschäftigt . Sie blätterte von Bild zu Bild , sah auf den stillen , einsamen Friedhof , auf jenes Tor , die beiden Bäume , den niedrigen Horizont , der durch eine zerfallene Mauer begrenzt war , auf die schmale Mondessichel , deren Aufgang die Stunde der Abendflut bezeichnete . Die beiden Schiffe , welche auf regungsloser See von einer Windstille befallen werden , hielt sie für Meergespenster . Über den Unhold , welcher das Bündel des Diebes auf dessen Rücken festband , eilte sie flüchtig hinweg ; er war ein Gegenstand des Schreckens für sie . Und ein gleiches Entsetzen flößte ihr das schwarze , gehörnte Etwas ein , das hoch auf einem Felsen saß und in weiter Ferne eine Menschenmasse beobachtete , die einen Galgen umgab . Jedes Bild erzählte eine Geschichte : oft war diese für ihren unentwickelten Verstand geheimnisvoll , ihrem Empfinden unverständlich , stets aber flößte sie ihr das tiefste Interesse ein : dasselbe Interesse , mit welchem sie den Erzählungen Bessies , des Kindermädchens , horchte , wenn diese zuweilen an Winterabenden in guter Laune war . Dann nämlich pflegte Bessie ihren Plättisch an das Kaminfeuer der Kinderstube zu bringen , und während sie dann Mrs . Reeds Spitzen bügelte und kräuselte , ergötzte sie die Kinder mit Erzählungen von alten Märchen und noch älteren Balladen . Mit Bewick auf den Knien saß Jane so glücklich da ; sie fürchtete nichts als eine Unterbrechung , eine Störung - und diese kam nur zu bald . Die Tür zum Frühstückszimmer wurde geöffnet . , Bah , Frau Träumerin ! ' ' ertönte John Reeds Stimme ; dann hielt er inne ; augenscheinlich war er erstaunt , das Zimmer leer zu finden . , Wo zum Teufel ist sie denn ? fuhr er fort , , Lizzy ! Georgy ! ' rief er seinen Schwestern zu , , Jane ist nicht hier . Sagt ] [ ] doch [ Mama , daß sie in den Regen hinaus gelaufen ist - das böse Tier ! ' , Wie gut , daß ich den Vorhang zusammengezogen habe , dachte Jane ; und dann wünschte sie inbrünstig , daß er ihren Versteck nicht entdecken möge ; John Reed selbst würde es auch niemals entdeckt haben , aber Eliza steckte den Kopf zur Tür hinein und sagte sofort : , Sie ist gewiß wieder in die Fenstervertiefung gekrochen , sieh nur nach , John . Jetzt trat Jane sofort heraus , denn sie zitterte bei dem Gedanken , daß John sie hervorzerren würde . , Da bin ich , was wünscht ihr ? sagte sie mit schlecht erheuchelter Gleichgültigkeit . , Ich will , daß du hierher kommst , lautete seine Antwort , und indem er in einem Lehnstuhl Platz nahm , gab er ihr durch eine Geste zu verstehen , daß sie näher kommen und vor ihn treten solle . John Reed war ein Schuljunge von vierzehn Jahren ; vier Jahre älter als Jane , denn diese war erst zehn Jahre alt ; der Knabe war groß und stark für sein Alter , mit einer ungesunden Hautfarbe , schwerfälligen Gliedmaßen und großen Händen und Füßen . Gewöhnlich pflegte er sich bei Tische so voll zu pfropfen , daß er schlecht gelaunt wurde ; das machte seine Augen trübe und seine Wangen schlaff . Eigentlich hätte er jetzt in der Schule sein müssen , aber seine Mama hatte ihn für ein bis zwei Monate nach Hause geholt , , seiner zarten Gesundheit wegen . Mr Miles , der Direktor der Schule , versicherte , daß es ihm außerordentlich gut gehen würde , wenn man ihm nur weniger Kuchen und Leckerbissen von Hause schicken wollte ; aber das Herz der Mutter empörte sich Überanstrengung beim Lernen und vielleicht auch von Heimweh herrühre . John hegte wenig Liebe für seine Mutter und seine Schwestern , und eine starke Antipathie gegen seine Cousine . Er quälte und strafte sie ; nicht zwei - oder dreimal in der Woche , nicht ein - oder zweimal am Tage , sondern fortwährend und unaufhörlich ; jeder Nerv in dem Kinde fürchtete ihn , und sie schauderte , wenn er in ihre Nähe kam . Es gab Augenblicke , wo der Schrecken , den er ihr einflößte , sie ganz besinnungslos machte , denn sie hatte niemanden , der sie gegen seine Drohungen und seine Tätlichkeiten verteidigte ; die Dienerschaft wagte es nicht , ihren jungen Herrn zu beleidigen , indem sie für Jane gegen ihn Partei ergriff , und Mrs . Reed war in diesem Punkte blind und taub : sie sah niemals , wenn er ihre Nichte schlug , sie hörte niemals , wenn er sie beschimpfte , obgleich er beides gar oft in ihrer Gegenwart tat : häufiger zwar noch hinter ihrem Rücken . Jane gehorchte John auch diesesmal und näherte sich seinem Stuhl : ungefähr zwei bis drei Minuten brachte er damit zu , ihr seine Zunge so weit entgegenzustrecken , wie er es nur bewerkstelligen konnte ; und obgleich Jane eine tödliche Angst vor dem gewöhnlich folgenden Schlage empfand , vermochte sie es doch nicht , ihren Abscheu über die häßliche Erscheinung des Burschen zu unterdrücken . Plötzlich schlug er heftig und brutal auf das Kind los . Jane taumelte ; dann gewann sie das Gleichgewicht wieder und trat einige Schritte von seinem Stuhl zurück . , Das ist für die Frechheit , dich hinter den Vorhang zu verkriechen , und für den Blick , den ich vor zwei Minuten in deinen Augen gewahrte , du Ratte , du ! An Johns Beschimpfungen gewöhnt , fiel es Jane niemals ein , irgend etwas auf dieselben zu erwidern . , Was hast du da hinter dem Vorhange gemacht ? fragte er weiter . , Ich habe gelesen , erwiderte sie . , Zeige mir das Buch , gebot John . Das Mädchen ging an das Fenster zurück und holte es von dort . , Du hast kein Recht , unsere Bücher zu nehmen ; du bist eine Untergebene , hat Mama gesagt ; du hast kein Geld ; dein Vater hat dir keins hinterlassen ; eigentlich solltest du betteln und hier nicht mit den Kindern eines Gentleman , wie wir es sind , zusammen leben , und dieselben Mahlzeiten essen wie wir , und Kleider tragen , die unsere Mama dir kaufen muß . Nun , ich werde dich lehren , zwischen meinen Büchern umherzustöbern , denn sie gehören mir , und das ganze Haus gehört mir , oder wird mir wenigstens in einigen Jahren gehören . Geh und stell dich an die Tür ; nicht vor den Spiegel oder die Fenster , ' ' rief John wütend . Jane tat , wie ihr geheißen wurde . Da gewahrte sie aber , daß er das Buch emporhob und mit demselben zielte ; instinktiv sprang sie zur Seite und stieß einen Schreckensschrei aus ; doch das Buch wurde geschleudert und traf das Kind , so daß es mit dem Kopf gegen die Tür schlug und sich verletzte . Die Wunde blutete , der Schmerz war heftig . , Du böser , grausamer Bube ] [ sehen ] ! schrie [ Jane jetzt . ] [ John wild und hob den Hammer zum Schlage aus ] , [ Du bist wie ein Mörder - - du bist wie ein Sklaventreiber - - du bist wie die römischen Kaiser ! ] [ flog aber , von einem unerwarteten Stoße von Jane ] ' [ ' Sie hatte nämlich Goldsmiths Geschichte Roms gelesen ] [ s freier Hand getroffen , an einen Baum ] und [ so von ] [ mußte des Mädchens andere ganz wider seinen Willen freilassen . Jane benutzte diesen Augenblick und suchte zu entkommen , während John , wütend geworden durch ] den [ Schandtaten Neros ] [ erhaltenen Stoß ] , [ Caligulas ] [ ihr nachsetzte ] und [ anderer erfahren ] [ sie auch wirklich einholte ] . [ ] [ Hastiger als zuvor bei der Hand ] , [ Was ! Was ! schrie ] [ packte ] er [ . , Hat ] [ ] sie [ das zu mir gesagt ? Habt ihr es gehört , Eliza und Georgina ? Das will ich der Mama erzählen ! - Aber erst noch - Er stürzte auf Jane zu . Sie fühlte , wie er ihr ] [ am ] Haar und [ ihre Schulter faßte ; sie bemerkte , wie einzelne Blutstropfen von ] [ schwang den Hammer über ] ihrem Kopfe [ auf den Hals herabfielen , und empfand einen stechenden Schmerz , und für den Augenblick siegte wahnsinnige Wut über den Schmerz . Sie schlug und kratzte , während er fortwährend , ate ! Rate ! ' ' schrie und aus Leibeskräften brüllte . Eliza und Georgina holten Mrs . Reed . Diese erschien sofort und ihr folgten Bessie und ihre Kammerjungfer Abbot . Man trennte die Kämpfenden und dann ertönten die Worte : , Du liebe Zeit ! Welch eine Furie , so auf Mr . John loszustürzen ! ? , Hat man jemals ein so leidenschaftliches Geschöpf gesehen ! ? Mrs . Reed aber gebot : , Führt sie in das rote Zimmer und schließt sie dort ein . Vier Hände bemächtigten sich sofort des Mädchens und man trug sie nach oben . Zweites Kapitel . Das rote Zimmer . Auf dem ganzen Wege leistete Jane Widerstand ; dies war etwas neues und ein Umstand , der viel dazu beitrug , Bessie und Miß Abbot in der schlechten Meinung zu bestärken , welche diese ohnehin schon von ihr hegten ; aber das Kind war vollständig außer sich und trotzdem es wohl wußte , daß diese Empörung ihm außergewöhnliche Strafen zuziehen mußte , war es in seiner Verzweiflung fest entschlossen , bis ans äußerste zu gehen . , Halten Sie ihre Arme , Miß Abbot ; sie ist wie eine wilde Katze . , Schämen Sie sich ! Schämen Sie sich ! ' rief die Kammerjungfer . , Welch ein abscheuliches Betragen , Miß Eyre , einen jungen Gentleman zu schlagen ! Den Sohn Ihrer Wohltäterin ! Ihren jungen Herrn ! ' ' , Herr ! Wie ist er mein Herr ? Bin ich denn eine Dienerin ? ? , Nein . Sie sind weniger als eine Dienerin , denn Sie tun nichts , Sie arbeiten nicht für Ihren Unterhalt . Da ! Setzen Sie sich und denken Sie über Ihre Schlechtigkeit und Bosheit nach ! Inzwischen hatten sie Jane in das von Mrs . Reed bezeichnete Gemach gebracht und sie auf einen Stuhl geworfen ] [ ] ; doch wie [ eine Sprungfeder schnellte ] [ ein Blitz fing Jane seine Hand auf und versetzte während ihres Ringens mit John denselben , da ] sie [ ] [ sich nicht weiter zu helfen wußte , einen kräftigen Biß in die Finger seiner rechten Hand , so daß er den Hammer fallen laßen mußte - schrie er nun laut : Hilfe ! Hilfe ! Jane hat mich überfallen und blutig gebissen . Hilfe ! Hilfe ! sie droht mir mit dem Hammer . Auf diesen Ruf hin wurde es lebendig im Garten . Bessie , Esther , Jack , Alle liefen herbei und traten zwischen die bleiche noch zornfunkelnde Jane und den schreienden Burschen , der jetzt ] wieder [ ] [ Courage bekam und Jane zu seiner Mutter zu führen befahl . Was hat das unheilvolle Geschöpf schon wieder ausgeführt ? fragte Mistreß Reed streng , als Jane stumm und niedergeschlagenen Blickes vor ihr in der Stube stand . Sie hat mich überfallen , mich in die Hand gebissen und mit dem Hammer bedroht , berichtete John mit augenscheinlicher Lügenhaftigkeit und unverschämter Dreistigkeit . Du hast es gewagt , Dich wieder an John zu vergreifen und ihn hinterrücks zu überfallen ? rief Mistreß Reed heftig , obwohl sie halb und halb der Überzeugung war , daß es umgekehrt stattgefunden hatte ; aber ihr Haß gegen Jane war durch deren Unbeugsamkeit zu einer Höhe bereits gesteigert , ] von [ demselben empor ] [ welcher keine Umkehr mehr möglich war ] . [ Vier Hände hielten sie jedoch augenblicklich wieder wie mit eisernen Klammern . , Wenn Sie nicht still sitzen ] [ Sieh ] , [ werden wir Sie festbinden ] [ Mama , hier meine blutende Hand ! sprach John listig , die Elende wagt es nicht , Dich oder mich anzusehen und ihre Schuld zu bekennen . Laß sie büßen dafür , liebe Mama . Wirst Du Antwort geben , freches Geschöpf ! herrschte die immer heftiger werdende Frau das duldende Mädchen an . Bekenne Dein Vergehen offen ] , [ ] [ oder zittre vor meinem Zorn . Eine unheimliche Pause trat ein , während deren nur Sarah Reed ] ' [ sagte Bessie und bat Miß Abbot einen Strick zu holen ] [ s erregte Atemzüge deutlich vernehmbar waren ] . [ Schon wollte diese gehen , als die Aufregung Janes sich ein wenig minderte . , Gehen Sie nicht , schrie sie , , ich werde ganz still sitzen , ] [ Jane bewegte kein Glied ] und [ sie hielt sich mit beiden Händen an ihrem Sitz fest . Als sich Bessie überzeugt hatte , daß sich Jane wirklich etwas beruhigte , ließ sie sie los ; dann stellten sie und Miß Abbot sich mit gekreuzten Armen vor Jane hin und blickten finster und zweifelnd ] [ blickte nicht vom Boden auf . Weißt Du , Mama , rief John , es dunkelt schon , stecke das böse Mädchen , das mir nach dem Leben getrachtet , ] in [ ] [ Papa ' s Sterbezimmer - dort soll ja sein Geist umgehen und uns schrecken wollen ! Dort kann sie zubringen , bis sie ihre schlechte That eingestanden und bekannt hat . Recht so ! Mit diesem Worte erfaßte Mistreß Reed Jane ' s Arm und zog sie nach dem Kabinet , in dem ] ihr [ Gesicht , als glaubten sie nicht an ihren gesunden Verstand . , Das hat sie ] [ Gatte verschieden und das ] bis jetzt noch [ niemals getan ] [ nicht wieder bewohnt worden war . Jane zuckte jetzt entsetzt zusammen ; eine unerklärbare Furcht ] , [ ' sagte endlich Bessie zu Abigail Abbot gewendet . , Aber es hat schon ] [ ein nicht zu bekämpfendes Entsetzen überfiel sie und raubten ihr beinahe die Besinnung . Erst als die verhängnisvolle Thür sich hinter ihr geschlossen , ward sie sich ihrer Lage klar und mit bittender herzzerreißender Stimme flehte sie : Tante Reed , haben Sie Mitleid ! Tante Reed , haben Sie Erbarmen ! Ich bin ja völlig unschuldig , aber man glaubt mir ja nicht . Bei dem Andenken an meinen gütigen verstorbenen Onkel lassen Sie mich aus diesem Zimmer ! Ich kann hier nicht bleiben ! Ich sterbe hier . Kannst Du nun sprechen und gute Worte geben , Du Undankbare ? rief ihre Tante . Nein , Du bleibst zur Strafe so ] lange in [ ihr gesteckt ] [ diesem Zimmer ] , [ lautete die Antwort ] [ bis Du Deine Schuld bekannt hast ] . [ , ] [ ] Ich habe [ der gnädigen Frau schon oft meine Meinung ] [ nichts gethan ! Ich bin unschuldig ! jammerte Jane . John hat es Alles selbst gethan , dessen er mich mit unverschämter Bosheit beschuldigt . Glauben Sie mir nur diesmal , Tante Reed , und Sie sollen niemals wieder ] über [ das Kind gesagt , und sie hat mir auch beigestimmt . Sie ist ein verstecktes , kleines Ding : ich habe noch nie ein Mädchen in ihrem Alter gesehen , das so schlau wäre ] [ mich im Geringsten zu klagen haben . Bekenne , Jane ! Ich bin unschuldig ! Tante Reed ] . [ Bessie antwortete nicht ; nach einer Weile wandte sie ] [ So bleibst Du , wo Du bist . Mutter und Sohn entfernten ] sich [ zu Jane und sagte : , Fräulein , Sie sollten doch wissen , daß Sie Mrs . Reed zu Dank verpflichtet sind , sie erhält Sie . Wenn sie Sie fortschickte , so müßten Sie ins Armenhaus gehen . Auf diese Worte erwiderte Jane nichts ; sie waren ihr nicht mehr neu ; so weit sie in ihrem Leben zurückdenken konnte , hatte sie Reden desselben Inhalts gehört . Nun fiel auch Miß Abbot ein : , Und Sie sollten auch nicht denken , daß Sie mit den Fräulein Reed und Mr . Reed auf gleicher Stufe stehen , weil Mrs . Reed Ihnen gütig erlaubt , mit ihren Kindern erzogen zu werden . Diese werden einmal ein großes Vermögen haben , und Sie sind arm . Sie müssen demütig und bescheiden sein und versuchen , sich den andern angenehm zu machen . , Was wir Ihnen sagen , ist zu Ihrem Besten , ' ' fügte Bessie hinzu , ohne in hartem Ton zu reden , , Sie sollten versuchen , sich nützlich und angenehm zu machen , dann würden Sie hier vielleicht eine Heimat finden ; wenn Sie aber heftig und roh und ungezogen werden , so wird Mrs . Reed Sie fortschicken , davon bin ich fest überzeugt . , Außerdem , sagte Miß Abbot , , wird Gott Sie strafen . Er könnte Sie mitten in Ihrem Trotz tot zu Boden fallen lassen , und wohin kämen Sie dann ? Kommen Sie , Bessie , wir wollen sie allein lassen : um keinen Preis der Welt möchte ich ihr Herz haben . Sagen Sie Ihr Gebet , Miß Eyre , wenn Sie allein sind ; denn wenn Sie nicht bereuen , könnte etwas Schreckliches durch den Kamin herunterkommen . und Sie holen . Sie gingen und schlossen die Türe hinter sich ab . Das rote Zimmer war ein Fremdenzimmer , in dem nur selten jemand schlief ; man könnte beinahe sagen niemals oder nur dann , wenn zufällig sehr viel Besucher auf Gateshead - Hall anwesend waren ; trotzdem war es eins der schönsten und prächtigsten Gemächer im Herrenhause . Im Mittelpunkt desselhen stand ein Bett von massiven Mahagonipfeilern getragen und mit Vorhängen von dunkelrotem Damast behängt ; die beiden großen Fenster , deren Rouleaux immer herabgelassen waren , wurden durch Gehänge und Faltendraperien vom selben Stoffe halb verhüllt ; der Teppich war rot ; der Tisch am Fußende des Bettes war mit einer hochroten Decke belegt ; die Wände waren mit einem Stoffe behängt , der auf lichtbraunem Grunde ein zartes rosa Muster trug ; die Garderobe , der Toilettetisch , die Stühle waren aus dunklem , poliertem Mahagoni angefertigt . Aus diesen düsteren Schatten erhoben sich hoch und glänzend die aufgehäuften Matratzen und Kopfkissen des Bettes , über die eine schneeweiße Decke gebreitet war . Ebenso unheimlich stak ein großer , gepolsterter , ebenfalls weißer Lehnstuhl hervor , der am Kopfende des Bettes stand und vor dem sich ein Fußschemel befand . Das Zimmer war dumpf , weil nur selten ein Feuer in demselben angezündet wurde ; es war still , weil es weit von der Kinderstube und den Küchen entfernt lag ; unheimlich , weil fast niemals jemand dasselbe betrat . Nur am Sonnabend kam das Hausmädchen hierher , um den Staub einer Woche von den Möbeln und den Spiegeln zu wischen ; und in langen Zwischenräumen kam auch Mrs . Reed hierher , um den Inhalt einer gewissen Schieblade zu revidieren , in welcher sich verschiedene Urkunden , ihre Juwelenschatulle und ein Miniaturbild ihres verstorbenen Gatten befand . In diesen letzten Worten liegt das Geheimnis des roten Zimmers . der Zauberbann , weshalb es trotz seiner Pracht so einsam und verlassen war . Mr . Reed war seit neun Jahren tot ; in diesem Gemache hatte er seinen letzten Atemzug getan ; hier lag er aufgebahrt ; von hier hatten die Leichenträger ihn hinausgetragen - - und seit jenem Tage hatte ein Gefühl trauriger Weihe jeden unberufenen Besucher von seiner Schwelle fern gehalten . Der Sitz , auf welchen Bessie und die bitterböse Miß Abbot die Kleine gebannt hatten , war eine niedrige Ottomane , welche nahe dem weißen Marmorkamin stand ; das Bett türmte sich davor auf ; zur Rechten Janes befand sich ein hoher dunkler Garderobenschrank ; zu ihrer Linken waren die verhängten Fenster ; ein großer Spiegel zwischen denselben wiederholte die totenstille Majestät des Bettes und des Zimmers . Jane war nicht ganz sicher , ob die Tür zugeschlossen war ; und als sie wieder Mut genug hatte , um sich zu bewegen , stand sie auf und sah nach . Ach ja ! Keine Kerkertür war jemals sicherer verschlossen ! Als sie wieder an die Ottomane zurückging , mußte sie an dem Spiegel vorüber , und ihr gebannter Blick bohrte sich unwillkürlich in die Tiefe desselben ein . In ihm sah alles noch hohler und düsterer aus als in Wirklichkeit , und Janes seltsame , kleine Gestalt , die ihr ] [ ] aus dem [ Spiegel entgegenblickte , mit weißem Gesicht und Armen , die grell aus der Dunkelheit hervorleuchteten , mit Augen , die vor Furcht hin - und herrollten , während sonst alles bewegungslos war diese kleine Gestalt . sah aus , wie ein wirkliches Gespenst , halb Elfe , halb Kobold , wie sie in Bessies Dämmerstundengeschichten auftraten . Erschreckt kehrte Jane auf ihren Sitz zurück . Aber noch wurde die Furcht des Aberglaubens von der Empörung zurückgehalten . Aus dem bewegten und aufgeregten Gemüt des Kindes stiegen alle ihre Leiden an die Oberfläche . John Reeds wilde Tyrannei , die hochmütige Gleichgültigkeit seiner Schwestern , die Abneigung seiner Mutter , die Parteilichkeit der Dienstboten ! Weshalb mußte sie stets leiden , stets mit verächtlichen Blicken angesehen werden , immer beschuldigt , immer verurteilt werden ? Weshalb konnte sie niemals etwas recht machen ? Weshalb war es immer nutzlos , wenn sie versuchte , irgendeines Menschen Gunst zu erringen ? Man hatte Achtung vor Eliza , die doch so eigensinnig und selbstsüchtig war . Jedermann hatte Nachsicht mit Georgina , die stets übelgelaunt und trotzig war . Ihre Schönheit , ihre rosigen Wangen und goldigen Locken schienen jeden zu entzücken , der sie anblickte und ihr Vergebung für all ihre Mängel und Fehler zu erkaufen . John wurde niemals bestraft , niemand widersprach ihm jemals , obgleich er den Tauben die Hälse umdrehte , die jungen Hühner umbrachte , die Hunde auf die Schafe hetzte , den Weinstock im Treibhause seiner Trauben beraubte und von den seltensten Pflanzen die Knospen abriß ; er nannte seine Mutter sogar , liebe Alte ' ' ; nahm durchaus keine Rücksicht auf ihre Wünsche ; zerriß und beschmutzte ihre seidenen Kleider nicht selten , - und doch war er , ihr einziger Liebling ' . Sie wagte niemals , einen Fehler zu begehen , bemühte sich stets , ihre Pflicht zu tun , und trotzdem nannte man sie unartig und unerträglich , mürrisch und hinterlistig . Ihr Kopf schmerzte noch und blutete nach dem erhaltenen Schlage und dem Falle , welchen sie getan ; niemand hatte John einen Verweis erteilt , weil er sie grundlos geschlagen ; aber weil sie sich gegen ihn aufgelehnt hatte , um seiner weiteren , unvernünftigen Heftigkeit zu entgehen , hatten sie alle mit den lautesten Schmähungen überhäuft . , Ungerecht ! - ungerecht ! ' ' sagte ] [ Vorgemach und ließen ] das arme Mädchen [ zu ] [ mit ihrem Jammer und ihrer Angst unbarmherzig allein zurück ; eine ganze Zeit lang bat und flehte Jane , dann verstummte sie auf einen Augenblick , ein Fall ward hörbar , und in heftigen Krämpfen wand sie ] sich [ ] [ auf dem Fußboden umher . Niemand kümmerte sich um sie . Am nächsten Morgen mußte Bessie nach ihr sehen und fand sie ganz wie leblos an der Erde liegen , aber an ihren fieberhaft geröteten Wangen , an ihren zuckenden Lippen gewahrte sie , daß noch Leben in dem jungen Körper war . Mitleidig , wie die Gouvernante war , welche nach John ' s Abgang zur Schule als Gesellschafterin in Gateshead bleiben mußte , nahm sie , ohne ihrer Herrin Befehl abzuwarten , Jane auf ihre Arme , trug sie nach ihrem Zimmer , entkleidete sie und legte sie zu Bett . Jane begann heftig zu phantasieren , ja ] selbst [ , und ihr Geist sann auf allerhand Mittel , um eine Flucht aus diesem schier unerträglich gewordenen Drucke ] [ ] zu [ bewerkstelligen - - sie dachte daran ] [ toben ] , [ auf und davon zu laufen , oder wenn dies nicht möglich , wenigstens niemals wieder Speise und Trank zu sich zu nehmen und auf diese Weise zu Tode zu hungern . , Ach , ' fragte sich die arme , verzweifelte Jane , , warum muß ich soviel leiden ? Währenddessen begann das Tageslicht aus dem roten Zimmer zu schwinden ; es ] [ sodaß man gezwungen ] war nach [ vier Uhr , und auf den bewölkten Nachmittag folgte die trübe Dämmerung . Jane hörte , wie der Regen noch unaufhörlich gegen das Fenster der Treppe schlug , wie der Wind in den Laubgängen hinter ] [ ] dem [ Herrenhause heulte ; nach und nach wurde ] [ Arzte zu senden . Mister Fowler erklärte , Jane ' s Zustand sei sehr bedenklich - es könne möglicher Weise bei ] ihr [ so kalt wie Marmor , und dann begann ihr Mut zu sinken . Hilflose Traurigkeit bemächtigte sich ihrer und ihr Herz wurde voller Zweifel . Alle sagten ja , daß sie boshaft sei - vielleicht war es der Fall , denn hatte sie nicht soeben den Gedanken gehegt , sich zu Tode zu hungern ? Das war doch gewiß ein Verbrechen : denn war sie bereit zu sterben ? oder war das Grabgewölbe unter der Kanzel in der Kirche von Gateshead ein so einladendes Ende ? In diesem Gewölbe lag Mr . Reed begraben , wie man ihr gesagt hatte , und dieser Gedanke führte Jane dazu , sein Andenken herauf zu beschwören und mit wachsendem Grauen bei demselben zu verweilen . Sie konnte sich seiner nicht erinnern , aber sie wußte , daß er ihr Onkel gewesen , der einzige Bruder ihrer Mutter - daß er sie in sein Haus aufgenommen , als sie ein armes , elternloses Kind gewesen ; und daß er noch in seinen letzten Augenblicken Mrs . Reed das Vorsprechen abgenommen hatte , sie wie ihr eigenes Kind zu erziehen und zu versorgen . So zweifelte Jane jetzt nicht , daß Mr . Reed ] [ eine geistige Störung zurückbleiben ] , wenn [ er am ] [ sie überhaupt mit dem ] Leben [ geblieben , sie mit Güte behandelt haben würde ; und als sie so dasaß und auf die dunklen Wände und das weiße Bett blickte , zuweilen auch wie gebannt ein Auge auf den trübe blinkenden Spiegel warf da begann sie sich an das zu erinnern , was sie von Toten gehört hatte , die im Grabe keine Ruhe finden konnten , weil man ihre letzten Wünsche unerfüllt gelassen , und jetzt auf die Erde zurückkehrten , um die Meineidigen zu strafen und die Bedrückten zu rächen ; sie dachte , wie Mr . Reeds Geist , gequält durch das Unrecht , welches man dem Kinde seiner Schwester zufügte , seine Ruhestätte verließ - und in diesem Zimmer vor ihr erscheinen könne . Sie trocknete ihre Tränen und unterdrückte ihr Schluchzen ; denn sie fürchtete , daß diese lauten Äußerungen ihres Grams eine übernatürliche Stimme zu ihrem Troste erwecken oder aus dem sie umgebenden Dunkel ein Antlitz mit einem Heiligenschein hervorleuchten lassen könne , das sich mit wundersamem Mitleid über sie beugen werde . Das würde entsetzlich sein , und Jane bemühte sich deshalb , solche Gedanken zu unterdrücken . Sie strich das Haar von Stirn und Augen , erhob den Kopf und versuchte , in dem dunklen Zimmer umher zu blicken : in diesem Augenblick erglänzte der Widerschein eines Lichtes an der Wand ! - - War es vielleicht der Mondesstrahl , der durch eine Öffnung in dem Vorhang drang . fragte sich Jane ? Nein , das konnte nicht sein ; die Mondesstrahlen waren ruhig und dies Licht bewegte sich ; während sie noch hinblickte , glitt es zur Decke hinauf und erzitterte über ihrem Kopfe . Wahrscheinlich waren diese Lichtstreifen der Schimmer einer Laterne , welche jemand über den freien platz vor dem Hause trug ; aber das erschreckte und aufgeregte Gemüt des Kindes hielt den sich schnell bewegenden Strahl für eine Erscheinung aus einer anderen Welt . Ihr Herz pochte laut , ihr Kopf wurde heiß ; in den Ohren spürte sie ein Brausen , das sie für das Rauschen der Flügel hielt ; ein Etwas schien sich ihr zu nähern ; sie fühlte sich bedrückt , erstickt , ihr Widerstandsvermögen gab nach ; sie stürzte auf die Tür zu und rüttelte mit verzweifelter Anstrengung am Schlosse . Eilende Schritte kamen : durch den äußeren Korridor daher ; der Schlüssel wurde im Schlosse umgedreht , Bessie und Miß Abbot traten ein . , Miß Eyre , sind Sie krank ? fragte Bessie . , Welch ein fürchterlicher Lärm ! Ich bin ganz außer mir ! ' ' rief Abbot aus . , Nehmt mich mit hinaus ! Laßt mich in die Kinderstube gehen ! ' schrie Jane ununterbrochen . , Weshalb denn ? Ist Ihnen irgend etwas geschehen ? Haben Sie etwas gesehen ? ' fragte Bessie wiederum . , O , ich sah ein Licht und ich meinte , daß ein Geist ] [ davon ] kommen [ würde , ' ' erwiderte Jane und hatte sich jetzt Bessies Hand bemächtigt . , Sie hat mit Absicht so geschrien , erklärte Abbot mit Abscheu . , Und welch ein Geschrei ! Wenn sie große Schmerzen gehabt hätte , so könnte man es noch entschuldigen , aber sie wollte weiter nichts , als uns alle herbeilocken ] [ sollte ] . [ Ich kenne ihre bösen Streiche schon . ' ' , Was gibt es denn hier ? ? fragte eine andere Stimme gebieterisch ; und Mrs . Reed kam mit flatternden Haubenbändern und wehendem Kleide durch den Korridor daher . , Abbot und Bessie , ich glaube , daß ich Befehl gegeben habe , Jane Eyre in dem roten Zimmer zu lassen , bis ich selbst sie holen würde ? ? , Miß Jane schrie so laut , Madame , ' ! wandte Bessie zögernd ein . , Laßt sie los , war die einzige Antwort . , Laß Bessies Hand los , Kind : verlaß dich darauf , auf diese Weise wirst du nicht hinaus gelangen . Ich verabscheue solche List , besonders bei Kindern ; es ist meine Pflicht , dir zu beweisen , daß du mit derartigen Ränken und Schlichen nicht weit kommst . Jetzt wirst du noch eine ganze Stunde hierbleiben , und auch dann gebe ich dich nur frei , wenn du mir das Versprechen gibst , vollkommen ruhig und unterwürfig zu sein . , O , Tante , hab Erbarmen ! Vergib mir doch ! Ich kann , ich kann es nicht ertragen . Bestrafe mich doch auf andere Weise ! Ich komme um , wenn - - , schrie Jane . , Sei still ! Diese Heftigkeit ist ganz widerlich und empörend ! entgegnete die Tante . Schnell warf sie Jane in das Zimmer zurück und schloß sie ohne weitere Erklärungen und Worte wieder ein . Jane hörte noch , wie sie davon rauschte , und bald darauf verfiel die Ärmste in Krämpfe und Bewußtlosigkeit . Drittes Kapitel . Der gute Mr . Lloyd . Als Jane wieder erwachte , war es mit dem Gefühl eines schrecklichen Alpdrückens , vor sich sah sie eine unheimliche rote Glut , von der sich dicke , schwarze Stangen abhoben . Sie hörte Stimmen , die hohl an ihr Ohr klangen , als würden sie durch das Rauschen des Wassers oder Toben des Windes übertönt . Aufregung , Ungewißheit und Entsetzen hielten alle ihre Sinne gefangen . Nach einigen Augenblicken gewahrte sie , daß jemand sie berührte , aufhob und in eine sitzende Stellung brachte , und zwar viel zärtlicher und sorgsamer , als sie bis jetzt irgend jemand gestützt oder emporgehoben hatte . Sie lehnte ihren Kopf gegen einen Arm oder ein Polster und fühlte sich unendlich wohl . Noch fünf Minuten und die Wolken der Bewußtlosigkeit begannen zu schwinden . jetzt wußte sie sehr wohl , daß sie in ihrem eigenen Bette lag , und daß die rote Glut nichts anderes war , als das Feuer im Kamin der Kinderstube . Es war Nacht , eine Kerze brannte auf dem Tische ; Bessie stand am Fußende ihres Bettes und hielt eine Waschschüssel in der Hand , ein Herr saß auf einem Lehnstuhle neben ihr und beugte sich über sie . Jane empfand ein wohltuendes Gefühl des Beschütztseins , als sie sah , daß sich ein Fremder im Zimmer befand , ein Mensch , der nicht zum Haushalt von Gateshead , nicht zu den Verwandten von Mrs . Reed gehörte . Sich von Bessie abwendend , prüfte sie die Gesichtszüge des Herrn ; sie kannte ihn , es war Mr . Lloyd , ein Apotheker , den Mrs . Reed zuweilen rufen ließ , wenn ihre Dienstboten krank waren . Für sich selbst und ihre Kinder nahm sie immer nur die Hilfe des Arztes in Anspruch . , Nun , wer bin ich ? fragte er . Jane sprach seinen Namen aus und streckte ihm zu gleicher Zeit die Hand entgegen ; er nahm sie , lächelte und sagte : , Ah , wir werden uns jetzt langsam erholen . Dann legte er sie nieder , wandte sich zu Bessie , empfahl ihr , sehr vorsichtig zu sein undJane während der Nacht nicht zu stören . Nachdem er noch weitere Weisungen erteilt und gesagt hatte , daß er am folgenden Tage wiederkommen würde , ging er fort zu Janes größter Betrübnis , denn als die Tür sich hinter ihm schloß , verzagte ihr Herz von neuem . , Glauben Sie , daß Sie schlafen können , Miß ? fragte Bessie sie ungewöhnlich sanft . , Ich will es versuchen , ' ' sagte Jane leise . , Möchten Sie nicht irgend etwas essen oder trinken ? , Nein , ich danke , Bessie . , Nun , dann werde ich auch schlafen gehen , denn es ist schon nach Mitternacht ; aber Sie können mich rufen , wenn Sie während , der Nacht irgend etwas brauchen . Durch Bessies Sanftmut beruhigt , wagte das Kind jetzt eine Frage zu stellen . , Bessie , was ist denn mit mir geschehen ? Bin ich sehr krank ? , Ich vermute , daß Sie vor Schreien im roten Zimmer krank geworden sind ; aber Sie werden ohne Zweifel bald wieder ganz gesund sein . Bessie ging in das anstoßende Zimmer der Hausmädchen . Jane hörte , wie sie dort sagte : , Sarah , komm und schlaf bei mir in der Kinderstube , und wenn es mein Leben gälte , so könnte ich diese Nacht nicht mit dem armen Kinde allein bleiben ; es könnte sterben ! Wie sonderbar , daß - Miß Jane einen solchen Anfall haben mußte ! Ich möchte doch wissen , ob sie irgend etwas gesehen hat . Mrs . Reed war dieses Mal aber auch zu hart gegen sie . Sarah kam mit ihr zurück ; beide gingen zu Bett ; sie flüsterten wenigstens noch eine halbe Stunde miteinander , und Jane hörte noch einige Bruchstücke ihrer Unterhaltung , deren Hauptgegenstand sie selbst war . , Etwas ist an ihr vorübergeschwebt , ganz in Weiß gekleidet , dann ist es verschwunden . ' - - , Ein großer , schwarzer Hund hinter ihm . , Dreimal hatte es laut an der Zimmertür geklopft . - - , Ein Licht auf dem Friedhofe gerade über seinem Grabe ' - - usw . , usw . Endlich schliefen beide ein . Feuer und Licht erloschen . In schaurigem Wachen ging die Nacht für Jane langsam hin ; Entsetzen und Angst hielten alle ihre Sinne wach . Diesem Zwischenfall im roten Zimmer folgte keine lange , ernste , körperliche Krankheit und am nächsten Tage gegen Mittag war sie bereits aufgestanden und saß in einen warmen Schal gehüllt vor dem Kaminfeuer . Sie fühlte sich wohl körperlich schwach und gebrochen , aber ein unaussprechlicher Jammer erfüllte ihre Seele , ein Jammer , der ihr fortwährend stille Tränen entlockte . ] [ ]