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[ 1 . Kapitel . Im Hause der Tante zu Gateshead ]
[ Des es schlechten Wetters wegen ]
-
[ Hall . Der kalte Winterwind hatte so düstere Wolken und einen so durchdringenden Regen mit sich gebracht , daß ]
[ denn ]
es
[ unmöglich ]
[ ]
war
[ ]
[ kalt ]
,
[ ]
[ windig und regnerisch - - mußte ]
an diesem Tage
[ einen ]
[ der übliche ]
Spaziergang
[ zu machen . Das war mir lieb : lange Spaziergänge , besonders an frostigen Tagen , waren mir stets unlieb ]
[ unterbleiben ]
;
[ widerwärtig ]
[ ich freute mich darüber , ]
war es
[ ]
[ doch draußen schon recht herbstlich . Da man mich nicht so warm und sorglich kleidete , wie die Kinder des Hauses , so fror mich leicht , und wenn ich dann über die Kälte klagte , schalt man mich zimperlich . Frau Reed war mit ihren Kindern Hans , Elisa und Georgina , im Salon ; mich hatte sie hinausgeschickt , mit dem Bemerken , ich sei unwürdig , die gleichen Vorrechte zu genießen , die nur zufriedenen , glücklichen Kindern zukämen . Ich sollte mich erst eines freundlicheren , offenherzigeren , geselligeren Wesens befleißigen . Je nun , ich war nicht böse darüber , daß ich allein sein sollte . Ich fühlte mich ja doch nicht wohl in der Gesellschaft dieser Menschen , die mich immer von oben herab behandelten und von denen besonders der etwa 14 Jahre alte Hans ]
mir
[ ]
[ verhaßt war . So schlüpfte ich denn in das Frühstückszimmer . Ein großer Bücherschrank stand darin ]
,
[ ]
[ und ich hatte nicht lange zu suchen , um einen Band zu finden , mit dem ich mir die Langeweile gut vertreiben konnte . Leider blieb ich nicht lange ungestört . Ich wurde ]
in der
[ rauhen Dämmerung nach Hause ]
[ Betrachtung der schönen , bunten Bilder plötzlich durch den Ruf unterbrochen : , Wo steckt sie denn , die Traumsuse ? Ich erschrak , denn ich erkannte Hans Reeds Stimme . Offenbar war er sehr verwundert , mich nicht im Zimmer ]
zu
[ kommen , mit halberfrorenen Händen ]
[ finden . Ich hatte mich in die Fensternische gesetzt ]
und
[ Füßen ]
[ den Vorhang vor mir zugezogen . ]
,
[ mit einem Herzen ]
[ Lise ]
,
[ das durch das Schelten der Kinderwärterin Bessie tieftraurig war , gedemütigt durch das Bewußtsein , unter Eliza , John und ]
[ ]
Georgina
[ Reed physisch so tief zu stehen . Eliza , John und Georgina hatten sich im Wohnzimmer um ihre Mama geschart : diese lag auf einem Sofa in der Nähe des Kamins und umgeben von ihren Lieblingen , die zufälligerweise in diesem Augenblick weder weinten noch sich zankten , sah sie vollkommen glücklich aus . Ich durfte mich nicht daran beteiligen , indem sie sagte , daß sie mir erst verzeihen würde , wenn sie es selbst sähe und durch Bessies Worte zu der Überzeugung gelangt sein würde , daß ich mich ernstlich bestrebte , mir ein kindlicheres , offenherzigeres , natürlicheres Benehmen anzueignen , wie es zufriedenen Kindern gezieme . , Was sagt denn Bessie , was ich getan habe ? fragte ich . , Jane , ich liebe weder Spitzfindigkeiten noch Fragen ; es ist mir widerlich , wenn ein Kind sich gegen ältere Leute in dieser Weise benimmt . Setze dich irgendwo hin und schweig , bis du freundlicher reden kannst . Ein kleines Frühstückszimmer stieß an das Wohnzimmer ; ich schlüpfte hinein . Hier stand ein Bücherschrank . Bald hatte ich mich eines großen Bandes bemächtigt , nachdem ich mich zuerst vorsichtig vergewissert hatte , daß Bilder darin waren . Ich stieg auf die Fensterbank , zog die Füße nach und kreuzte die Beine wie ein Türke ; dann zog ich die dunkelroten MoireeVorhänge fest zusammen und saß so in einer doppelten Verborgenheit . In Zwischenräumen , wenn ich die Blätter meines Buches wendete , betrachtete ich durch das Fenster das Bild dieses winterlichen Nachmittags . In der Ferne war nichts als blasser Nebel ; in der Nähe der feuchte platz vor dem Hause und ein unaufhörlicher vom heulenden Sturm getriebener Regen . Ich kehrte zu meinem Buche zurück - - , Bewicks Geschichte der britischen Vögel ' ' ; im allgemeinen kümmerte ich mich wenig um den gedruckten Text des Werkes , und doch waren da einige einleitende Seiten , welche ich , obgleich ich noch ein Kind war , nicht gänzlich übergehen konnte . Es waren jene , die von den Schlupfwinkeln der Seevögel handelten , von den einsamen Felsen und Klippen , welche nur sie bewohnen , von der Küste Norwegens , von ihrer äußersten Spitze , bem Lindesnäs , bis zum Nordkap mit seinen Inseln . Wo der nördliche Ozean , in wildem Wirbel Um die nackten , einsamen Inseln tobt , Dieses fernste Eiland ; und das Atlantische Meer Sich stürmisch zwischen die Hebriden wälzt . Auch konnte ich nicht unbeachtet lassen : die Beschreibung von den düsteren Küsten Lapplands , Sibiriens , Spitzbergens , Novazemblas , Islands , Grönlands , mit der arktischen Zone und den einsamen Regionen von Eis und Schnee , welche den Nordpol umgeben . Von diesen schauerlich kalten Regionen machte ich mir meine eigene Vorstellung : schattenhaft , wie alle unverstandenen Gedanken , die durch eines Kindes Hirn gehen , aber einen seltsam tiefen Eindruck hinterlassend . Die Worte dieser einleitenden Seiten verbanden sich mit den darauffolgenden Bildern : jenem Felsen , der aus einem Meer von Wellen und Wogenschaum emporragte ; dem zertrümmerten Boote , das an öder Küste gestrandet ; dem kalten , geisterhaften Monde , der durch düstere Wolkenschichten auf ein sinkendes Wrack herabblickt . Jedes Bild erzählte eine Geschichte : oft war diese für meinen unentwickelten Verstand geheimnisvoll , stets aber interessant , so interessant wie die Erzählungen Bessies , wenn sie zuweilen an Winterabenden in guter Laune war ; dann pflegte sie ihren Plätttisch an dem Kaminfeuer der Kinderstube aufzustellen und erlaubte uns , unsere Stühle um denselben zu setzen , und während sie dann Mrs . Reeds Spitzenvolants bügelte und die Spitzen ihrer Nachthauben kräuselte , erzählte sie uns Abenteuer und uralte Märchen . Mit Bewick auf meinen Knien war ich glücklich : glücklich wenigstens auf meine Art . Ich fürchtete nichts als eine Störung - und diese kam nur zu bald . Die Tür zum Frühstückszimmer öffnete sich . , Heda , Träumerin ]
[ ]
! ' rief
[ John Reed ; dann hielt er inne ; offenbar war er erstaunt , das Zimmer leer zu finden ]
[ Hans weiter ]
. ,
[ Wo zum Teufel ist sie denn ? fuhr er fort , Lizzy ! Georgy ! ' rief er seinen Schwestern zu . , Jane ]
[ Johanna ]
ist nicht hier . Sagt doch
[ ]
[ der ]
Mama ,
[ daß sie ]
[ das Scheusal sei ]
in den Regen hinausgelaufen
[ ist - - das böse Tier ! ]
[ . , Gott bewahre , ]
' '
[ ]
[ antwortete Elisa ]
,
[ Wie gut ]
[ die ein wenig aufgeweckter war , als der sowohl geistig wie körperlich schwerfällige Hans . , Sie sitzt gewiß wieder in der Nische . Guck nur nach , Hans . Nun trat ich von selbst heraus , wußte ich doch ]
, daß
[ ich den Vorhang zusammengezogen habe , dachte ich ; und dann wünschte ich inbrünstig , daß er mein Versteck nicht entdecken möge ; er ]
[ Hans mich im nächsten Augenblick gewaltsam hervorzerren ]
würde
[ es auch niemals entdeckt haben ; er war langsam ]
[ . ]
,
[ sowohl von Begriffen wie in seinem Beobachtungsvermögen ; aber Eliza steckte den Kopf zur Tür hinein und ]
[ Ja , hier bin ich , ' ]
sagte
[ sofort : , Sie ist sicherlich im Fenstersitz . Ich trat sofort heraus , denn ich zitterte bei den Gedanken , daß der erwähnte Jack mich hervorziehen würde . ]
[ ich ]
,
[ Da bin ich ]
[ ]
, was
[ wünschst du ]
[ wünscht ihr ]
?
[ fragte ich mit Mißtrauen . ]
[ ]
,
[ Es heißt ]
[ Sage gefälligst ]
: Was wünschen Sie ,
[ Mr . ]
[ Herr ]
Reed ,
[ lautete seine Antwort ]
[ antwortete er ]
.
[ John ]
[ , Gleich kommst du hierher , verstehst du ? Hans ]
Reed war
[ ein Schuljunge von vierzehn Jahren ; ]
[ ]
vier Jahre älter als ich , denn ich
[ war ]
[ zählte ]
erst zehn
[ Jahre alt ]
[ ]
;
[ ]
[ er war ]
groß und stark für sein Alter ,
[ mit einer ungesunden Gesichtsfarbe ; große Züge in einem breiten ]
[ sah aber nicht gesund , sondern vielmehr aufgedunsen aus . Mit seiner vierschrötigen Gestalt , seiner unklaren Hautfarbe , seinem groben ]
Gesicht
[ , plumpe Gliedmaßen ]
[ ]
und
[ große Hände und Füße . Gewöhnlich pflegte ]
[ seinen großen Füßen und Händen sah ]
er
[ sich ]
[ auch wirklich nichts weniger als sympathisch aus . Er aß ]
bei Tische
[ ]
[ gewöhnlich ]
so
[ vollzuessen ]
[ viel ]
, daß er
[ gallig wurde ; dadurch wurden seine Augen trübe und seine Wangen schlaff ]
[ schlechte Laune bekam ]
.
[ Er ]
[ Eigentlich ]
hätte
[ jetzt in ]
[ er jet auf ]
der Schule sein müssen , aber seine Mama hatte ihn
[ für ]
[ auf ]
ein
[ bis zwei Monate ]
[ paar Wochen ]
nach Hause genommen
[ , ]
[ ]
, seiner zarten Gesundheit wegen
[ ' ' ]
[ ]
.
[ Mr . Miles , sein Lehrer , ]
[ Der Direktor ]
versicherte
[ ]
[ allerdings ]
,
[ daß es ihm außerordentlich gut gehen würde , wenn ]
[ ]
man
[ ]
[ brauche ]
ihm nur weniger
[ Kuchen und Konfekt ]
[ Leckereien in die Pension « zu schicken , so würde er schon gesünder werden . Das fand die Mutter brutal . Nach ihrer Meinung rührte das schlechte Aussehen ihres Lieblings nur ]
von
[ Hause schicken wollte ; aber das Herz der Mutter empörte sich bei einer so lieblosen Meinung und neigte mehr zu der Ansicht hin , daß Johns blasse Farbe von allzu großem Fleiße ]
[ Ueberanstrengung ]
und vielleicht auch von Heimweh
[ herrühre ]
[ her ]
.
[ John ]
[ Hans durfte sich daheim alles erlauben ; nie ]
hatte
[ wenig Liebe ]
[ die Mutter ein hartes Wort , einen Tadel oder gar eine Strafe ]
für
[ seine Mutter und seine Schwestern und eine starke Abneigung gegen mich . Er quälte und schlug mic ; nicht etwa dann und wann ]
[ ihn . Ich besonders war die Zielscheibe seiner Unart ]
,
[ sondern fortwährend ]
[ ]
und
[ unaufhörlich ; ]
[ ]
jeder Nerv in mir
[ fürchtete ihn ]
[ zuckte vor Furcht ]
, wenn er in meine Nähe kam .
[ Es gab Augenblicke , wo der Schrecken , den er mir einflößte , mic ganz verwirrt machte ]
[ Schutz vor ihm fand ich nirgend ]
; denn
[ ich fand niemand , der mich gegen seine Drohungen und Tätlichkeiten verteidigte ; ]
[ ]
die Dienerschaft
[ mochte ihren jungen Herrn ]
[ wagte es ]
nicht
[ beleidigen ]
[ ]
,
[ indem sie für mich ]
[ ]
gegen ihn
[ Partei ergriff ]
[ aufzutreten ]
, und
[ Mrs . ]
[ Frau ]
Reed war
[ ]
[ in diesem Punkte taub und ]
blind
[ und taub . Sie sah niemals ]
[ ]
,
[ ]
[ selbst ]
wenn er mich
[ schlug , sie hörte niemals , wenn er mich beschimpfte , obgleich er beides gar ]
[ - was ]
oft
[ ]
[ geschah - ]
in ihrer Gegenwart
[ tat ]
[ beschimpfte oder schlug . Auch diesmal gehorchte ich ihm und trat näher ]
;
[ häufiger noch peinigte ]
[ als ich weit genug bei ihm war , hieb ]
er
[ mich hinter ihrem Rücken . Aus Gewohnheit gehorchte ich John auch dieses Mal und näherte mich seinem Stuhl : ungefähr drei Minuten streckte er mir seine Zunge so weit entgegen , wie er es ermöglichen konnte ; ich wußte , daß er mich jetzt gleich schlagen würde , und obgleich ich den Schlag fürchtete , vermochte ich doch über das häßliche Gesicht des Burschen meine Betrachtungen anzustellen . Ich weiß nicht , ob er diese Gedanken ]
[ plötzlich ]
auf
[ meinem Gesichte las , denn plötzlich , ohne ]
[ mich ]
ein
[ Wort zu sagen , schlug er heftig auf mich los . Ich taumelte ; dann gewann ich das Gleichgewicht wieder und trat einige Schritte von seinem Stuhl zurück ]
[ ]
. , Das ist für die
[ Frechheit ]
[ freche Antwort ]
,
[ mit der ]
[ die ]
du vor einer
[ Weile ]
[ halben Stunde meiner ]
Mama
[ eine Antwort ]
[ ]
gegeben hast ,
[ ' ! sagte ]
[ rief ]
er
[ , , und dafür , daß du dich hinter den Vorhang verkriechst und für den Blick , den ich vor zwei Minuten in deinen Augen gewahrte , du Ratte , du ! ' An Johns Beschimpfungen gewöhnt , fiel es mir niemals ein , irgend etwas auf dieselben zu erwidern ; ich dachte nur daran , wie ich den Schlag aushalten sollte , der unfehlbar auf die Schmähung folgen würde ]
[ ]
. , Was hast du da
[ hinter dem Vorhang gemacht ]
[ für ein Buch ]
?
[ fragte er weiter . , Ich habe gelesen . ' Zeige ]
[ Er entriß es ]
mir
[ das Buch . Ich ging an das Fenster zurück ]
[ ]
und
[ holte es . ]
[ fuhr fort : ]
,
[ Du hast keine Erlaubnis , unsere ]
[ Wer hat dir denn erlaubt , meine ]
Bücher zu
[ nehmen ; ]
[ benützen ? Denn sie sind mein . Alles hier ist mein , oder wird es wenigstens bald sein . Dir gehört gar nichts , Mama sagt es immer . Geld hast ]
du
[ bist eine Untergebene , hat Mama gesagt ; du hast kein Geld ; ]
[ keins , ]
dein Vater hat dir
[ ]
[ doch ]
nichts hinterlassen
[ ; eigentlich ]
[ , und von Rechts wegen ]
solltest du betteln
[ und ]
[ gehen , statt ]
hier
[ nicht ]
[ ]
mit
[ vornehmen ]
[ den ]
Kindern
[ , wie wir es sind , zusammenleben und dieselben Mahlzeiten ]
[ eines Gentleman zusammenzuleben , am gleichen Tische zu ]
essen
[ wie wir ]
[ ]
und
[ ]
[ die ]
Kleider
[ ]
[ zu ]
tragen , die
[ ]
[ dir meine ]
Mama
[ bezahlen ]
[ kaufen ]
muß .
[ Nun , ich will ]
[ Marsch ! stell ]
dich
[ lehren , zwischen meinen Büchern umherzustöbern , denn sie gehören mir , und das ganze Haus gehört mir oder wird mir wenigstens in einigen Jahren gehören . Geh ' und stell ' dich ]
[ dort ]
an die Tür !
[ r ]
[ ]
Ich
[ gehorchte , da ich keine Ahnung von seiner Absicht hatte ; als ich aber gewahrte , daß er ]
[ tat es . Er hob ]
das Buch
[ emporhob ]
[ ]
und
[ mit demselben ]
[ ]
zielte
[ , sprang ich unwillkürlich zur Seite und stieß einen Schreckensschrei ]
[ nach mir . Ich wich nicht rasch genug ]
aus
[ , jedoch nicht früh genug ; das Buch traf mich , ]
[ ]
und
[ ich fiel mit dem ]
[ wurde so heftig an den ]
Kopf
[ gegen die Tür und verletzte mich . Die ]
[ getroffen , daß ich , eine blutende ]
Wunde
[ blutete , der ]
[ bekam und vor ]
Schmerz
[ war heftig ]
[ laut aufschrie ]
. ,
[ Böser , ]
[ Du ]
grausamer
[ Bube ]
[ Bengel ]
!
[ ' ' schrie ]
[ rief ]
ich
[ . , Du bist wie ein Mörder - - du bist wie ein Sklaventreiber - - du bist wie die römischen Kaiser ! Ich hatte Goldsmiths Geschichte Roms gelesen und mir meine eigene Ansicht über Nero , Caligula und andere gebildet . Im stillen hatte ich Vergleiche angestellt , welche laut zu äußern ich mir allerdings niemals vorgenommen hatte ]
[ ]
. , Was
[ ! Was ! ' ]
[ ? ]
schrie er
[ ]
[ nun ]
. ,
[ Hat sie das zu mir gesagt ? ]
[ ]
Habt ihr
[ es ]
[ das ]
gehört ,
[ Eliza ]
[ Elisa ]
und Georgina ? Das
[ werde ]
[ sagt sie zu mir ? Das will ]
ich
[ ]
[ gleich ]
der Mama erzählen
[ ! Aber zuvor - ]
[ . Erst aber noch ]
Er
[ rannte ]
[ packte mich beim Haar , doch nun wehrte ich mich verzweifelt . Während er ]
auf mich
[ zu ; ich fühlte ]
[ einschlug ]
,
[ wie er mein Haar und meine Schulter faßte ; er kämpfte ]
[ arbeitete auch ich blindlings ]
mit
[ einer Verzweifelten . Ich sah wirklich in ihm einen Tyrannen , - einen Mörder . Ich fühlte dann , wie Blutstropfen von meinem Kopfe auf ]
[ ]
den
[ Hals herabträufelten und empfand einen stechenden Schmerz ]
[ Fäusten ]
.
[ Diese Gefühle siegten für den Augenblick über die Furcht , und ich trat ihm in wahnsinniger Wut entgegen . Was ich mit meinen Händen tat , kann ich jetzt nicht mehr sagen , aber er schrie fortwährend laut : , Ratte , Ratte ! ? Bald kam ihm Hilfe . Mrs . ]
[ Frau ]
Reed
[ erschien auf der Szene ]
[ eilte herbei ]
,
[ ]
[ Bessie , das Hausmädchen , ]
und
[ ]
[ Abbot , die Kammerzofe , folgten ]
ihr
[ folgten Bessie und ihr Kammermädchen Abbot ]
[ ]
.
[ Man trennte ]
[ Sie rissen ]
uns
[ ; dann vernahm ]
[ auseinander , und ]
ich
[ ]
[ hörte nur noch ]
die Worte : ,
[ Um des Himmels willen ! Welch ]
[ So ]
eine Furie
[ , so auf Mr . John loszustürzen ]
[ ]
!
[ ' , Hat man jemals ein so wütendes Geschöpf gesehen ]
[ So eine Giftblase ]
!
[ ' ]
[ - ]
Dann
[ fügte Mrs . ]
[ setzte Frau ]
Reed hinzu : ,
[ Führt ]
[ Bringt ]
sie in das rote Zimmer und schließt sie dort ein .
[ ' ]
[ - ]
Vier Hände
[ ergriffen mich , und ich wurde ]
[ packten mich und schleppten mich ]
die Treppe
[ hinaufgetragen ]
[ hinauf ]
.
[ 2 ]
[ Unterwegs wehrte ich mich mit allen Kräften ]
.
[ Kapitel ]
[ Das hatte ich bisher noch nie getan ; stets hatte ich schweigsam und geduldig alles hingenommen ]
.
[ Meine Hausgenossen . Auf dem ganzen Wege leistete ich ]
[ Mein ]
Widerstand
[ ; dies war etwas Neues bei mir und ein Umstand , der Bessie und Miß Abbot ]
[ bestärkte nun die beiden Mädchen ]
in der schlechten Meinung
[ bestärkte ]
[ ]
,
[ welche diese ]
[ die sie ]
ohnehin
[ schon ]
[ ]
von mir hegten .
[ Tatsache ist ]
[ - - ]
,
[ daß ich vollständig außer mir war . Ich wußte sehr wohl , daß die Empörung dieses einen Augenblicks mir schon schwere Strafen zugezogen haben mußte , und wie viele rebellische Sklaven war ich fest entschlossen , bis zum Äußersten zu gehen . , Halten Sie ihre Arme , Miß Abbot ; sie ist wie ]
[ Wie ]
eine wilde
[ Kate . ]
[ Katze ]
,
[ Schämen Sie sich ! Schämen Sie sich ! ]
[ ]
'
[ ' ]
[ sagte Bessie . - , Schäme dich ? ]
rief
[ das Kammermädchen ]
[ Abbot ]
. ,
[ Welch ein abscheuliches Betragen , Miß Eyre , ]
[ Schlägt ]
den
[ jungen Herrn zu schlagen ! Den ]
[ ]
Sohn
[ Ihrer ]
[ ihrer ]
Wohltäterin !
[ Ihren Herrn ]
[ O pfui ]
!
[ ' , Herr ! Wie , ist er mein Herr ? Bin ich denn eine Dienerin ? , Nein . ]
[ - ]
Sie
[ sind weniger als eine Dienerin , denn Sie tun nichts , Sie arbeiten nicht für Ihren Unterhalt . Da ! Setzen Sie sich und denken Sie über Ihre Bosheit nach ! Unterdessen hatten sie mich in das von Mrs . Reed bezeichnete Gemach gebracht und ]
[ drückten ]
mich auf einen Stuhl
[ geworfen ; wie eine Sprungfeder wollte ]
[ nieder , doch ]
ich
[ ]
[ sprang sofort ]
wieder
[ ]
[ auf . Da hielten sie mich ]
von
[ demselben emporschnellen ; vier Hände hielten mich jedoch augenblicklich wie mit eisernen Klammern ]
[ neuem ]
fest .
[ ]
[ - - ]
, Wenn
[ Sie ]
[ du ]
nicht
[ stillsitzen ]
[ still sitzest ]
,
[ werden wir Sie anbinden ]
[ wirst du angebunden ]
,
[ ' ]
[ ]
' sagte Bessie
[ ]
[ und löste auch schon ihre Strumpfbänder ]
. ,
[ Miß Abbot ]
[ Nein ]
,
[ leihen ]
[ lassen ]
Sie
[ mir Ihre Strumpfbänder ; denn die meinen würde sie bald zerreißen . Diese Vorbereitungen zu meiner Fesselung und die neue Schande minderten meine Aufregung ein wenig . , Machen Sie sich keine Mühe ]
[ ! ' bat ich nun erschrocken . ]
,
[ schrie ich , , ich werde ]
[ Ich will auch ]
ganz
[ stillsitzen ]
[ still und artig sein ]
.
[ Zum Beweise hielt ich mich mit beiden Händen an meinem Sitz fest . ]
[ , Das rat ich dir auch ]
,
[ Rühren Sie sich ja nicht , ' ]
[ ]
sagte Bessie
[ ; ]
[ , ]
und als sie
[ sich überzeugt hatte ]
[ sah ]
, daß ich wirklich
[ anfing , mich zu beruhigen ]
[ ruhiger wurde ]
, ließ sie mich
[ ]
[ denn auch ]
los
[ ; dann ]
[ . Dann ]
stellten
[ sie ]
[ sich die beiden Mädchen vor mich hin ]
und
[ Miß ]
[ musterten mich mit finsterer Miene . , Das ist ja was ganz Neues von ihr , meinte ]
Abbot
[ sich mit gekreuzten Armen vor mich und blickten mich finster an , als zweifelten sie an meinem gesunden Verstande ]
[ ]
. ,
[ Das hat sie bis jetzt noch niemals getan ]
[ Es steckt aber schon lange in ihr ]
, ' '
[ sagte endlich ]
[ antwortete ]
Bessie
[ zur Abigail gewendet ]
[ ]
. ,
[ Aber es hat schon lange in ihr gelegen , ]
[ Ich hab ]
'
[ ' war die Antwort . , Ich habe ]
[ s ]
der gnädigen Frau schon oft
[ meine Meinung über das Kind ]
[ ]
gesagt ,
[ und sie denkt ebenso . Sie ]
[ die Hanne ]
ist
[ ]
[ ein ganz verstocktes , giftiges Ding und furchtbar durchtrieben ]
für ihr Alter
[ ein verstocktes und verschlossenes Ding ]
[ ]
.
[ Bessie antwortete nicht ; nach einer Weile ]
[ Dann ]
wandte sie sich
[ ]
[ an mich und setzte hinzu : , Nun denke mal ein bißchen darüber nach , daß es dir nicht zukommt , dich mit dem jungen Herrn und dem gnädigen Fräulein auf eine Stufe ]
zu
[ mir und sagte : ]
[ stellen ]
,
[ Fräulein , Sie sollten doch bedenken , daß Sie Mrs . Reed verpflichtet sind , sie erhält Sie . Wenn sie Sie fortjagte , so müßten Sie ]
[ und du ]
ins Armenhaus
[ gehen . ' Auf diese Wort fand ich nichts zu erwidern ; ]
[ wandern müßtest , wenn Frau Reed sich nicht deiner annähme . Wenn du noch länger so schlecht und undankbar bist , wird dich Frau Reed eines schönen Tages fortschicken . Sei also demütig und bescheiden und mache dich nützlich und angenehm . , Und bete vor allem , fügte Abbot bei , , daß dir deine Unart verziehen werde , sonst kommt am Ende ein Gespenst zum Kamin herunter und holt dich . Nach diesen Worten gingen ]
sie
[ waren mir nicht mehr neu . Dieser Vorwurf meiner Abhängigkeit war in meinen Ohren fast zum leeren Singsang geworden . Nun fiel auch Miß Abbot ein : , Und Sie sollten auch nicht denken , daß Sie den Damen Reed und Mr . Reed ebenbürtig sind , weil Mrs . Reed Ihnen gütig erlaubt , mit ihren Kindern erzogen zu werden . Diese werden einmal sehr reich werden , und Sie sind arm . Sie müssen bescheiden sein und versuchen , sich bei ihnen beliebt zu machen . ' , Was wir Ihnen sagen , ist nur zu Ihrem Besten , fügte Bessie hinzu , , Sie sollten versuchen , sich nützlich und angenehm zu machen , dann würden Sie hier vielleicht eine Heimat finden ; wenn Sie aber heftig und ungezogen werden , so wird Mrs . Reed Sie zweifellos fortschicken . , Außerdem , sagte Miß Abbot , , wird Gott Sie strafen . Er könnte Sie in Ihrem Zorn tot zu Boden fallen lassen , und wohin kämen Sie dann ? Kommen Sie , Bessie , wir wollen sie allein lassen ; um nichts in der Welt möchte ich ihr Herz haben . Sagen Sie Ihr Gebet , Miß Eyre , wenn Sie allein sind ; denn wenn Sie nicht bereuen , könnte etwas durch den Kamin herunterkommen und Sie mitnehmen . Sie gingen ]
[ ]
und schlossen die Tür
[ hinter sich ]
[ ]
zu . Das rote Zimmer
[ war ein Gemach ]
[ ]
, in dem
[ ]
[ ich mich befand , wurde ]
nur
[ selten jemand schlief . Und doch ]
[ benutzt , wenn Gäste in Gateshead - Hall weilten ; dennoch ]
war es eins der schönsten
[ und prächtigsten Gemächer in Gateshead ]
[ im Herrenhause . Die Mitte nahm ein großes Mahagoni ]
-
[ Hall . Im Mittelpunkt stand ]
[ Bett ]
ein
[ Bett von Mahagoni ]
[ ]
,
[ ]
[ das ]
mit
[ ]
[ roten ]
Vorhängen
[ von dunkelrotem Damast behängt ]
[ versehen war ]
;
[ die beiden großen Fenster wurden durch Draperien von demselben ]
[ vom selben ]
Stoffe
[ halbverhüllt ; ]
[ waren auch die Rouleaus an den Fenstern , die Tapeten und ]
der Teppich
[ ]
[ . Die Möbel waren alle aus dunkelpoliertem Mahagoni . In dem düstern Ton , den diese Gegenstände verbreiteten , stachen nur die schneeweiße Decke , die über das Bett gebreitet ]
war
[ rot ; ]
[ , und das ebenfalls weiße Polster eines großen Lehnstuhls hervor , ]
der
[ Tisch am Fußende des Bettes war mit einer roten Decke belegt ; die Wände waren mit einem Stoffe behängt , der auf lichtbraunem Grunde ein zartes rosa Muster trug ; der Kleiderschrank , der Toilettetisch , die Stühle waren aus dunklem , poliertem Mahagoni angefertigt . Aus diesen düsteren Schatten erhoben sich weiß und glänzend die Kopfkissen unheimlich stach ein ebenfalls weißer Lehnstuhl hervor . Damals erschien er ]
[ ]
mir
[ ]
[ damals ]
wie ein geisterhafter Thron
[ ]
[ erschien ]
.
[ Das ]
[ Es war still hier oben , denn das Zimmer lag abseits von der Küche und den bewohnten Räumen . Mir wurde bald recht unheimlich zumute , indem ich daran dachte , wie selten diese Stube betreten wurde . Nur alle Sonnabend stieg Bessie herauf , um Staub zu wischen ; und hin und wieder weilte Frau Reed hier , um den Inhalt einer gewissen Schatulle zu prüfen , die ihre Papiere und Urkunden , ihren Schmuck und ein Bildnis ihres verstorbenen Gatten enthielt Denn in diesem ]
Zimmer war
[ eisigkalt , weil nur selten ein Feuer in demselben angezündet wurde ; es war still , weil es weit von der Kinderstube und den Küchen entfernt lag ; unheimlich , weil niemals jemand dasselbe betrat . Mr . ]
[ Herr ]
Reed
[ war seit neun Jahren tot ; in diesem Gemache hatte er seinen letzten Atemzug getan ; hier lag er aufgebahrt ; von hier hatten die Leichenträger ihn hinausgetragen - und seit jenem Tage wurde dieser Raum ängstlich gemieden . Auch mich ergriff bald die Angst in diesem unheimlichen Aufenthaltsorte . Ich stand auf ]
[ ]
,
[ um nachzusehen , ob die Tür zu öffnen sei . Ach ! Keine Kerkertür konnte sicherer verschlossen sein ! Als ich wieder zurückging , mußte ich an dem Spiegel vorüber . In ihm sah alles noch kühler und hohler und düsterer aus als in Wirklichkeit , und die wunderliche , kleine Gestalt , die mir aus ihm entgegen blickte , mit blassem Gesicht und Armen , die scharf aus der Dunkelheit hervorleuchteten , sah aus , wie ein wirkliches Gespenst ; ich dachte an einen jener Kobolde , wie sie in Bessies Dämmerstunden - Geschichten aus wilden Schluchten und düsteren Mooren hervorkamen . Ich kehrte auf meinen Sit zurück , Mancherlei Empfindungen stiegen jetzt in mir auf : John Reeds rohe Tyrannei die hochmütige Gleichgültigkeit seiner Schwestern , die Abneigung seiner Mutter , die Parteilichkeit der Dienstboten ! Weshalb mußte ich stets leiden , stets mit verächtlichen Blicken angesehen werden , immer beschuldigt , immer verurteilt werden ? Weshalb konnte ich es niemand recht machen ? Vor Eliza , die so eigensinnig und selbstsüchtig war , hatte man Achtung . Jedermann hatte Nachsicht mit Georgina , die stets übelgelaunt und trotzig und boshaft war . Ihre Schönheit , ihre rosigen Wangen und goldigen Locken schienen jeden zu entzücken , der sie anblickte , und ihk Nachsicht für all ihre Mängel und Fehler zu erkaufen . John wurde niemals bestraft , niemand widersprach ihm jemals , obgleich er den Tauben die Hälse umdrehte , die jungen Hühner umbrachte , die Hunde auf die Schafe hetze ; er nannte seine Mutter sogar , alte Tante ' ' ; zerriß und beschmutzte ihre seidenen Kleider nicht selten , - und doch war er , ihr einziger Lieb ling ' . I ch wagte niemals , einen Fehler zu begehen ; ich gab mir Mühe , meine Pflicht zu tun , und mich nannte man unartig , mürrisch und hinterlistig , vom Morgen bis zum Abend . Mein Kopf schmerzte noch und blutete nach dem erhaltenen Schlage und dem Falle , welchen ich getan hatte ; niemand hatte John einen Verweis erteilt , weil er mich grundlos geschlagen ; aber weil ich mich gegen ihn aufgelehnt hatte , hatten alle mich mit den lautesten Schmähungen überschüttet . Wie erregt war ]
[ ]
mein
[ Gemüt ]
[ Onkel ]
,
[ wie furchtbar empört mein Herz ! Ich hatte keine Antwort auf die unaufhörlich wiederkehrende Frage , weshalb ich so viel leiden mußte ]
[ gestorben ]
.
[ jetzt nach Verlauf von vielen Jahren ist mir alles klar . Ich war in Gateshead - Hall ein Stein des Anstoßes . Sie liebten mich nicht , und in der Tat , ich liebte sie ebensowenig . Es war auch nicht ihre Pflicht , mit Liebe auf ein Wesen zu blicken , welches mit niemand sympathisieren konnte ; ein nutzloses Wesen , welches ihrem Interesse nicht dienen , zu ihrem Vergnügen nichts beitragen konnte . Ich weiß wohl , daß , wenn ich ein geistreiches , schönes , wildes Kind gewesen wäre - wenn auch ebenso abhängig und freundlos - - so würde Mrs . Reed meine Gegenwart mit mehr Geduld ertragen haben ; ihre Kinder hätten für mich ein freundlicheres Gefühl der Gemeinsamkeit gehegt ; die Dienstboten wären weniger geneigt gewesen , mich zum Sündenbock der Kinderstube zu machen . Auf den bewölkten Nachmittag folgte die trübe Dämmerung . Ich hörte den Regen noch unaufhörlich gegen das Fenster der Treppe schlagen , wie den Wind in den Gebüschen hinter dem Herrenhause heulen ; nach und nach wurde ich so kalt wie Stein , und dann begann mein Mut zu sinken . Die gewöhnliche Demut , Zweifel an mir selbst , einsame Traurigkeit bemächtigten sich meiner und schlugen die Asche meiner dahinschwindenden Wut nieder . Alle sagten ja , daß ich boshaft sei - - vielleicht war es der Fall , denn hatte ich nicht soeben den Gedanken gefaßt , mich zu Tode zu hungern ? ]
[ ]
Das war
[ doch gewiß ein Verbrechen : war ]
[ nun neun Jahre her . Unwillkürlich legte ]
ich
[ bereit zu sterben ? oder war das Gewölbe unter der Kanzel in der Kirche von Gateshead ein so einladendes Ziel ? In diesem Gewölbe lag Mr ]
[ mir die Frage vor , ob es mir wohl besser erginge , wenn dieser Mann noch lebte , den ich nie kennen gelernt hatte ]
.
[ ]
[ Ich wußte - woher , kann ich nicht sagen - daß ]
Reed
[ begraben ]
[ ]
,
[ wie man mir gesagt hatte . Ich konnte mich seiner nicht erinnern ; aber ich wußte , daß er mein Onkel gewesen , - ]
[ ]
der einzige Bruder meiner Mutter
[ - daß er mich in sein Haus aufgenommen ]
[ ]
,
[ als ich ein armes , elternloses Kind gewesen ; und daß er noch in seinen letzten Augenblicken Mrs . Reed ]
[ auf dem Sterbebette seiner Frau ]
das Versprechen abgenommen hatte ,
[ ]
[ für ]
mich
[ ]
[ zu sorgen , ]
wie
[ ihr eigenes Kind ]
[ für ihre eigenen Kinder . Ich wußte auch , er hatte mich als ganz kleines Kindchen in sein Haus aufgenommen , als seine Schwester , meine Mutter , gestorben war . Sie hatte gegen den Willen ihrer Eltern einen armen Prediger geheiratet und war von ihrem Vater verstoßen , von ihrem Bruder aber heimlich unterstützt worden . Mein Vater starb bald nach der Eheschließung , und meine Mutter folgte ihm binnen Jahresfrist . An das alles mußte ich nun denken , und ich fragte mich , ob wirklich Frau Reed , meine Tante , das ihrem Gatten gegebene Versprechen hielte . Weshalb durfte Hans sich alles gegen mich erlauben , weshalb durften seine Schwestern mich mit vornehmer Gleichgültigkeit behandeln , weshalb hegte Frau Reed selbst eine so große Abneigung gegen mich ? Nichts konnte ich recht machen , beim geringsten Versehen wurde ich mit Schmähungen überhäuft . Elisa konnte eigensinnig und selbstsüchtig , Georgina trotzig und launenhaft sein , Hans durfte die Haustiere quälen , die schönsten Früchte von den Obstbäumen nehmen , die Blumenbeete verwüsten ihnen war alles erlaubt , wurde alles nachgesehen . Ich aber gab mir alle Mühe , meine Pflicht ]
zu
[ erziehen ]
[ tun , und trotzdem nannte man mich unartig , hinterlistig , mürrisch und schalt mich vom Mor gen bis zum Abend ]
.
[ Mrs ]
[ Damals fand ich freilich auf diese Fragen keine Antwort : jetzt nach vielen Jahren aber habe ich sie gefunden ]
.
[ ]
[ Ich war ein Mißton in Gateshead - Hall ; ich war dort ganz am falschen Plate . Ich hatte keine innere Gemeinschaft mit Frau ]
Reed
[ war höchstwahrscheinlich der Überzeugung ]
[ ]
,
[ daß ]
[ ihren Kindern und ihrem Dienstpersonal . Sie liebten mich nicht , und ich liebte ]
sie
[ dieses Versprechen gehalten habe ]
[ ebensowenig . Kein Fädchen Sympathie konnte sich zwischen uns spinnen ]
,
[ und soweit ihr Charakter ihr dies erlaubte , hatte sie es auch getan ; aber wie sollte sie denn auch ]
[ wir waren ]
in
[ Wirklichkeit für einen Eindringling Liebe hegen ]
[ Temperament ]
,
[ der nicht zu ihrer Familie gehörte ]
[ in Fähigkeiten , in Gefühlen ]
und
[ ]
[ Neigungen grundverschieden . Der Kopf schmerzte mich noch ]
nach dem
[ Tode ihres Gatten durch keine Bande ]
[ Wurf mit dem Buche , und niemand hatte Hans getadelt , daß er mich grundlos mißhandelte , vielmehr wurde ich hier oben eingesperrt , weil ich mich gegen ihn verteidigt hatte . - - , Wie ungerecht ! ’ sprach ich zu mir selbst . Es wurde dunkel im roten Zimmer . Draußen herrschte Dämmerung , und Regen schlug an das Fenster . Mir wurde kalt , der Mut sank , und tiefe Traurigkeit bemächtigte sich meiner ; und indem ich auf das im Halblicht verschwimmende Zimmer , auf die dunkeln Wände blickte , beschlich mich heimliches Grauen , Ich weinte und schluchzte , und je ]
mehr
[ an sie geknüpft war ? Es mußte allerdings ärgerlich sein , sich durch ein unter solchen Umständen gegebenes Versprechen gebunden zu sehen ]
[ ich mich gewaltsam beruhigen wollte ]
,
[ an einem fremden Kinde , ]
[ um so größer wurde meine Aufregung . Ich vergrub ]
das
[ sie nicht lieben konnte , Mutterstelle zu vertreten . Eine sonderbare Idee stieg in mir ]
[ Gesicht in den Händen und überließ mich kraftlos meinem Gram . Nach einer Weile aber sah ich ]
auf .
[ Ich dachte , wie Mr . Reeds Geist , gequält durch das Unrecht , welches man dem Kinde seiner Schwester zufügte , seine Ruhestätte verließ - entweder in dem Gewölbe der Kirche oder in dem unbekannten Lande der Abgeschiedenen und in diesem Zimmer mir erscheinen könne . Ich trocknete meine Tränen und unterdrückte mein Schluchzen ; denn ich fürchtete , daß diese lauten Äußerungen meines Kummers eine übernatürliche Stimme zu meinem Troste wachrufen könnten , oder aus dem mich umgebenden Dunkel ein Antlitz hervorleuchten lassen könnten , das sich mit wundersamem Mitleid über mich beugte . Mein Haar von Stirn und Augen streichend , erhob ich den Kopf und versuchte in dem dunklen Zimmer umherzublicken . In diesem Augenblick sah ich einen Lichtschein ]
[ Da bemerkte ich ]
an der Wand
[ ! - - War es vielleicht ]
[ einen Lichtschein , ]
der
[ Mondstrahl ]
[ sich bewegte ]
,
[ ]
[ an ]
der
[ durch eine Öffnung in dem Vorhang drang , fragte ich mich ? Nein , die Mondstrahlen waren ruhig , und dies Licht bewegte sich ; während ich noch hinblickte , glitt es zur ]
[ ]
Decke
[ hinauf ]
[ hinaufglitt ]
und
[ erzitterte über ]
[ dann übet ]
meinem Kopfe
[ . jetzt kann ich freilich begreifen ]
[ her ]
,
[ daß dieser Lichtstreifen wahrscheinlich der Schimmer einer Laterne war , welche jemand ]
[ die ]
über den
[ freien Plat vor dem Hause trug ]
[ Hof getragen wurde ]
;
[ aber ]
[ doch ]
damals
[ hielt ich in meinem aufgeregten Gemüt den sich schnell bewegenden Strahl für den Vorboten einer Erscheinung ]
[ konnte ich mir sein Erscheinen nicht erklären , und große Angst befiel mich bei seinem Anblick . Er war in meinen Augen ein Gespenst ]
aus einer
[ anderen ]
[ andern ]
Welt
[ . Mein Herz pochte laut ]
[ ]
,
[ mein Kopf wurde heiß ; in meinen Ohren spürte ]
[ und ]
ich
[ ein Brausen , ]
[ hatte wirklich ]
das
[ ich für ]
[ Gefühl , als wenn Flügel durch ]
das
[ Rauschen ]
[ Zimmer rauschten und sich mir näherten . Ich rang nach Luft , ich wollte schreien , konnte aber keinen Laut hervorbringen . Ich stürzte zur Tür und rüttelte an ]
der
[ Flügel hielt ]
[ Klinke ]
.
[ Ich fühlte meinen Atem stocken , ]
[ Gleich darauf hörte ]
ich
[ stürzte auf die Tür zu und rüttelte mit verzweifelter Anstrengung am Schlosse . Eilende ]
[ ]
Schritte
[ kamen durch den äußeren Korridor daher ; ]
[ , ]
der Schlüssel wurde
[ im Schlosse umgedreht ]
[ herumgedreht ]
,
[ ]
[ und ]
Bessie und
[ Miß ]
[ ]
Abbot traten ein . ,
[ Miß Eyre ]
[ Johanna ]
,
[ sind Sie ]
[ bist du ]
krank ?
[ ]
[ ' ]
fragte Bessie . ,
[ Welch ]
[ Was für ]
ein
[ schrecklicher ]
[ ]
Lärm ! Ich bin
[ ganz außer mir ]
[ zu Tode erschrocken ]
! '
[ ' rief ]
[ setzte ]
Abbot
[ aus ]
[ hinzu ]
. , Nehmt mich mit hinaus
[ ! Laßt mich ]
[ , ich will ]
in die Kinderstube !
[ ]
[ ' ]
schrie ich
[ ]
[ in einem fort ]
. , Weshalb denn ?
[ ]
[ rief Bessie . , ]
Ist
[ Ihnen irgend ]
[ ]
etwas geschehen ?
[ Haben Sie etwas gesehen ]
[ Hast du was gesehn ]
?
[ ' fragte Bessie wiederum . ]
[ Ja ]
,
[ O , ich sah ]
[ ]
ein Licht
[ und ich meinte , daß ]
[ es war ]
ein Geist
[ kommen würde . Ich hatte mich jetzt Bessies Hand bemächtigt ]
[ ! rief ich . , Ach was , Bessie ]
,
[ und sie entzog sie mir nicht . ]
[ ' sagte Abbot ]
,
[ ]
[ , das ist Komödie . ]
Sie hat
[ mit Absicht so geschrien ]
[ uns bloß herrufen wollen ]
,
[ ' erklärte Abbot mit einigem Widerwillen . , Und welch ein Geschrei ! Wenn sie Schmerzen gehabt hätte , so könnte man es noch entschuldigen , aber ]
[ ich kenne schon ]
ihre
[ einzige - Absicht war , uns alle herbeizulocken ]
[ Schliche ]
.
[ Ich kenne ihre Unarten schon . ' , Was geht hier vor ? fragte eine andere Stimme gebieterisch ; und Mrs . ]
[ Frau ]
Reed kam mit flatternden Haubenbändern und wehendem Kleide
[ durch den Korridor daher ]
[ herbeigelaufen ]
. ,
[ Abbot und Bessie ]
[ Was gibt es ? fragte sie . ]
,
[ ich glaube , daß ich ]
[ Ich habe doch ]
befohlen
[ habe ]
[ ]
,
[ Jane Eyre in dem roten Zimmer zu lassen , bis ich selbst sie holen würde ? ein ]
[ Johanna nicht ohne meinen ausdrücklichen Befehl heraus plassen ]
. ,
[ Miß Jane schrie ]
[ Sie hat ]
so laut
[ ]
[ geschrien ]
, Madame , wandte Bessie
[ zögernd , Laß sie los , war die einzige Antwort ]
[ ein ]
. , Laß Bessies Hand los ,
[ Kind : verlaß dich darauf ]
[ Johanna ! gebot Frau Reed barsch . ]
,
[ auf ]
[ Auf ]
diese Weise
[ wirst ]
[ erreichst ]
du
[ nicht durchkommen ]
[ nichts , das sage ich dir ]
.
[ Ich verabscheue solche ]
[ Solche ]
List , besonders bei Kindern
[ ; es ]
[ , ]
ist
[ meine Pflicht , dir ]
[ ]
zu
[ beweisen ]
[ verabscheuen , und ich muß dich fühlen lassen ]
, daß du mit solchen
[ Kniffen ]
[ Ränken ]
nicht weit kommst .
[ ]
[ Du bleibst ]
jetzt
[ wirst du ]
[ ]
noch eine Stunde
[ hierbleiben ]
[ hier ]
, und
[ ]
[ dann lasse ich dich auch ]
nur unter der Bedingung
[ gebe ich dich frei ]
[ heraus ]
,
[ wenn ]
[ daß ]
du
[ ]
[ ganz ruhig und unterwürfig sein wirst . , O , Tante , habe doch Erbarmen und verzeih ]
mir
[ das Versprechen gibst , vollkommen ruhig und unterwürfig zu sein ]
[ ]
.
[ ' , O , Tante hab ' Erbarmen ! Vergib mir doch ! Ich kann es nicht ertragen . - - Bestrafe ]
[ Oder bestrafe ]
mich
[ doch ]
[ ]
auf andere Weise
[ ]
[ - ich halte es hier nicht länger aus . , Ruhe ]
!
[ Ich komme , Sei still ! Diese Heftigkeit ]
[ Ein so ungestümes Betragen ]
ist
[ ganz ]
[ geradezu ]
empörend
[ ! Ohne Zweifel hegte ]
[ , antwortete ]
sie
[ ]
[ . Und sie mochte wohl ]
auch
[ Abscheu gegen mein Betragen . In lhren Augen war ich ]
[ tatsächlich Anstoß an meinem Wesen nehmen und mich für ]
eine frühreife
[ Schauspielerin . Als Bessie und Abbot sich zurückgezogen hatten , warf Mrs ]
[ Komödiantin halten ]
.
[ Reed , die meiner wahnsinnigen Angst und meines lauten Schluchzens wohl überdrüssig geworden sein mochte , ]
[ Sie stieß ]
mich
[ rasch ]
[ ]
in das Zimmer zurück und schloß mich ohne
[ weitere Worte ]
[ weiteres ]
wieder ein . Ich hörte sie
[ davonrauschen ]
[ hinwegeilen ]
;
[ und ]
[ ]
bald
[ , nachdem sie gegangen war , umfing mich Bewußtlosigkeit ]
[ darauf muß ich in Ohnmacht gefallen sein ]
.
[ 3 . Kapitel . Bessie ]
[ Ich weiß nicht ]
,
[ die einzige mitleidige Seele ]
[ was nachher geschah ]
. Als ich erwachte ,
[ hörte ich Stimmen , die hohl an mein Ohr klangen , als würden sie durch das Rauschen des Wassers oder Toben des Windes übertönt . Die Aufregung , die Ungewißheit und ein alles beherrschendes Gefühl des Entsetzens hielt alle meine Sinne gefangen . Nach einiger Zeit fühlte ich , daß jemand mich berührte , mich aufrichtete und mich in eine sitzende Stellung brachte , und zwar viel liebreicher und sorgsamer , als mich bis jetzt irgend jemand emporgehoben hatte . Ich lehnte meinen Kopf gegen einen Arm oder ein Polster und fühlte mich behaglich . Fünf Minuten später wurde es mir klar , daß ]
[ lag ]
ich in meinem eigenen
[ Bette lag . Es war Nacht ]
[ Bett in der Kinderstube ]
,
[ eine Kerze ]
[ und ein helles Feuer ]
brannte
[ auf dem Tische ; Bessie stand am Fußende meines Bettes und hielt ein Waschbecken in der Hand , ein Herr saß auf einem Lehnstuhle neben mir und beugte sich über mich . Ich empfand eine wohltuende Sicherheit , als ich sah , daß sich ein Fremder ]
[ ]
im
[ Zimmer befand , der nicht zum Haushalt von Gateshead , nicht zu den Verwandten von Mrs ]
[ Kamin ]
.
[ Reed gehörte . Es war Mr . Lloyd , ein Apotheker , den Mrs . Reed zuweilen rufen ließ , wenn ihre Dienstboten krank waren . Für sich selbst und die Kinder nahm sie einen Arzt . , Nun , wer bin ich ? fragte er . Ich sprach seinen Namen aus und streckte ihm zu gleicher Zeit meine Hand entgegen ; er nahm sie lächelnd und sagte : , Ah , es wird langsam besser mit uns werden . Dann legte er mich nieder und befahl Bessie , mich während der Nacht nicht zu stören . Nachdem er noch weitere Weisungen erteilt und gesagt hatte , daß er am folgenden Tage wiederkommen würde , ging er zu meiner größten Betrübnis fort . Als er fortgegangen war , verzagte mein Herz von neuem . ]
[ ]