Version Diff

adaptations_1st_episode/Bartels_1st.txt(2418 tokens)
adaptations_1st_episode/Weichert_1st.txt(2581 tokens)
commonToBoth164
uniqueToFile12254
uniqueToFile22417
smallSpellingDifferences47
overlapFile16.78246484698
overlapFile26.35412630763
avgOverlap6.56829557731


[ Ich befand mich ] [ Des es schlechten Wetters wegen - denn es war kalt , windig und regnerisch - - mußte ] an [ einem regnerischen Nachmittage in einer tiefen Fensternische verborgen , wo ich auf meinen gekreuzten Beinen saß und in einem großen Buche blätterte , das ich mir aus ] [ diesem Tage ] der [ Bibliothek ] [ übliche Spaziergang unterbleiben ; ich freute mich darüber , war es doch draußen schon recht herbstlich . Da man mich nicht so warm und sorglich kleidete , wie die Kinder des Hauses , so fror mich leicht , und wenn ich dann über die Kälte klagte , schalt man mich zimperlich . Frau Reed war mit ihren Kindern Hans , Elisa und Georgina , ] im Salon [ geholt ] [ ; mich ] hatte [ ] [ sie hinausgeschickt , mit dem Bemerken , ich sei unwürdig , die gleichen Vorrechte zu genießen , die nur zufriedenen , glücklichen Kindern zukämen ] . [ Es waren ] [ Ich sollte mich erst eines freundlicheren , offenherzigeren , geselligeren Wesens befleißigen . Je nun , ich war nicht böse darüber , daß ich allein sein sollte . Ich fühlte mich ja doch nicht wohl in der Gesellschaft dieser Menschen , ] die [ „Vögel Englands ] [ mich immer ] von [ Bowick“ ] [ oben herab behandelten und von denen besonders der etwa 14 Jahre alte Hans mir verhaßt war . So schlüpfte ich denn in das Frühstückszimmer . Ein großer Bücherschrank stand darin , und ich hatte nicht lange zu suchen , um einen Band zu finden , mit dem ich mir die Langeweile gut vertreiben konnte . Leider blieb ich nicht lange ungestört ] . Ich [ betrachtete mit bewunderungsvoller Aufmerksamkeit die ] [ wurde in der Betrachtung der ] schönen [ colorirten Kupferstiche ] [ ] , [ und wenn meine Augen von dem Buche aufblickten ] [ bunten Bilder plötzlich durch den Ruf unterbrochen : ] , [ suchten ] [ Wo steckt ] sie [ entweder die schweren grauen Wolken ] [ denn ] , die [ der Wind ] [ Traumsuse ? Ich erschrak , denn ich erkannte Hans Reeds Stimme . Offenbar war er sehr verwundert , mich nicht im Zimmer zu finden . Ich hatte mich in die Fensternische gesetzt und den Vorhang ] vor [ sich hertrieb , oder den traurigen Anblick eines noch laublosen und vom Wasser triefenden Gartens ] [ mir zugezogen ] . [ Plötzlich wurde die Thür des Speisesaales mit Geräusch geöffnet und eine wohlbekannte Stimme schreckte mich auf . „Hierher ] [ ] , [ Schläferin ] [ Lise , Georgina ] ! [ “ ] [ ' ] rief [ mein liebenswürdiger Vetter , hielt aber inne , als er Niemanden in dem scheinbar leeren Zimmer erblickte ] [ Hans weiter ] . [ „Wo Teufel mag sie sich versteckt haben ? “ fuhr er fort . „Lizzy ! George ! ( dies waren seine Schwestern ) Jane ] [ , Johanna ] ist [ also ] [ ] nicht hier . [ ] [ Sagt doch der ] Mama [ glaubt ] [ ] , [ sie ist ] [ das Scheusal sei in den Regen hinausgelaufen . , Gott bewahre , ' ' antwortete Elisa , die ein wenig aufgeweckter war , als der sowohl geistig wie körperlich schwerfällige Hans . , Sie sitzt gewiß wieder in der Nische . Guck nur nach , Hans . Nun trat ich von selbst heraus , wußte ich doch , daß Hans mich ] im [ Regen ausgegangen , die nichtswürdige kleine Hexe ] [ nächsten Augenblick gewaltsam hervorzerren würde ] . [ “ Dieser Eingang ermuthigte mich ] [ , Ja , hier bin ich , ' sagte ich , , was wünscht ihr ? , Sage gefälligst : Was wünschen Sie , Herr Reed , antwortete er . , Gleich kommst du hierher , verstehst du ? Hans Reed war vier Jahre älter als ich , denn ich zählte erst zehn ; er war groß und stark für sein Alter , sah aber ] nicht [ ] [ gesund ] , [ zum Vorschein zu kommen und ich verhielt mich daher ganz still ] [ sondern vielmehr aufgedunsen aus . Mit seiner vierschrötigen Gestalt ] , [ indem ich glaubte ] [ seiner unklaren Hautfarbe ] , [ Master John , dessen physischer und moralischer Scharfblick auf gleicher Höhe standen , werde mich in meinem Versteck nicht auffinden . Aber Elisa kam auf ] [ seinem groben Gesicht und ] seinen [ Ruf herbei ] [ großen Füßen ] und [ leitete ihn sehr bald auf meine Spur . Ich konnte nicht mehr zurückweichen , ich schob daher den Vorhang zurück , der mich verhüllte und , das nervöse Zittern , das mich bereits ergriffen hatte , unter einem Schein kalter Ruhe verbergend , erschien ich vor meinem jungen Tyrannen . „Was willst Du von mir ? “ fragte ich ihn in einem Tone , aus welchem schon Mißtrauen hervorblickte . „Was willst Du von mir , Master Reed ? “ wiederholte ] [ Händen sah ] er [ , einen besonderen Nachdruck auf die beiden letzten Worte legend . „So mußt Du mit mir sprechen . Ich will , Du sollst hierher kommen . Indem er sich in einen großen Lehnstuhl warf , winkte er mir , . näher zu treten und vor ihm stehen zu bleiben . John war damals ein plumper Bursche von etwa vierzehn Jahren , von zugleich robusten und ungesundem Aussehen , mit bleicher , fahler Gesichtsfarbe , überhaupt allen äußeren Merkmalen der zügellosen Unmäßigkeit im Essen . Er aß in der That unglaublich viel , und seine Mutter , welche stets um die , wie sie sagte , äußerst zarte Körperconstitution dieses verzogenen Knaben besorgt war , konnte ihm gleichwohl die täglichen Ausschweifungen im Genusse von Speisen nicht verbieten , die seinen ] [ auch wirklich ] nichts weniger als [ zarten Organismus erschlafften . Gewöhnt , mich dem Willen dieses Menschen zu unterwerfen , dessen bloßer Anblick einen peinlichen Eindruck auf mich machte , näherte ich mich ihm , ohne ein Wort zu sagen ] [ sympathisch aus ] . Er [ heftete seine Augen auf die meinigen und als er sah , daß sich diese nicht zu Boden senkten , schnitt er mir ein abscheuliches Gesicht , der gewöhnliche Vorbote seiner Mißhandlungen . Ich ahnte ] [ aß bei Tische gewöhnlich so viel ] , daß er [ mich schlagen ] [ schlechte Laune bekam . Eigentlich hätte er jet auf der Schule sein müssen , aber seine Mama hatte ihn auf ein paar Wochen nach Hause genommen , seiner zarten Gesundheit wegen . Der Direktor versicherte allerdings , man brauche ihm nur weniger Leckereien in die Pension « zu schicken , so ] würde [ , aber ich weiß ] [ er schon gesünder werden . Das fand die Mutter brutal . Nach ihrer Meinung rührte das schlechte Aussehen ihres Lieblings nur von Ueberanstrengung und vielleicht auch von Heimweh her . Hans durfte sich daheim alles erlauben ; nie hatte die Mutter ein hartes Wort , einen Tadel oder gar eine Strafe für ihn . Ich besonders war die Zielscheibe seiner Unart , und jeder Nerv in mir zuckte vor Furcht , wenn er in meine Nähe kam . Schutz vor ihm fand ich nirgend ; denn die Dienerschaft wagte es ] nicht , [ welche geheime Kraft mich unbeweglich bleiben ließ ] [ gegen ihn aufzutreten ] , [ indem ich mit kalter Geringschätzung dieses häßliche Gesicht betrachtete . Wahrscheinlich verstand ] [ und Frau Reed war in diesem Punkte taub und blind , selbst wenn ] er [ diese stumme Sprache ] [ mich - was oft geschah - in ihrer Gegenwart beschimpfte oder schlug . Auch diesmal gehorchte ich ihm und trat näher ; als ich weit genug bei ihm war ] , [ denn ] [ hieb ] er [ zögerte nicht länger , mir einen so heftigen Faustschlag zu geben , daß ich einen oder zwei Schritte zurücktaumelte und Mühe hatte , mich ] [ plötzlich ] auf [ den Füßen zu erhalten ] [ mich ein ] . [ „Das ] [ , Das ] ist für [ Dein ungebürliches Benehmen , nicht zu antworten ] [ die freche Antwort ] , [ wenn ich Dich rufe ] [ die du vor einer halben Stunde meiner Mama gegeben hast ] , [ “ sagte ] [ rief ] er [ zu ] [ . , Was hast du da für ein Buch ? Er entriß es ] mir [ , „und für Dein schlangenartiges Verkriechen hinter unsere Vorhänge ] [ und fuhr fort : ] , [ so wie für den verbissenen Zorn , der seit zwei langen Minuten aus Deinen Augen spricht , boshafte Spinne . “ Ich entgegnete nie etwas auf John Reeds Schimpfworte , ] [ Wer hat dir ] denn [ ich war immer damit beschäftigt ] [ erlaubt ] , [ mich auf den Schlag gefaßt zu machen , der ihnen folgen konnte . „Was machtest Du dort ? fragte er weiter , indem er nach dem Fenster zeigte , an welchem ich eine so traurige und zugleich angenehme Stunde zugebracht hatte . „Ich las . “ „Zeige mir das Buch . “ Ich holte es herbei . „Ich will Dich lehren . “ fuhr er fort in meinen Bibliotheken herumzustöbern und ] [ ] meine Bücher zu [ besudeln , kleine Betteldirne ] [ benützen ? Denn sie sind mein ] . [ Geh dorthin ] [ Alles hier ist mein ] , [ neben ] [ oder wird es wenigstens bald sein . Dir gehört gar nichts , Mama sagt es immer . Geld hast du keins , dein Vater hat dir doch nichts hinterlassen , und von Rechts wegen solltest du betteln gehen , statt hier mit ] den [ Spiegel ] [ Kindern eines Gentleman zusammenzuleben , am gleichen Tische zu essen und die Kleider zu tragen , die dir meine Mama kaufen muß ] . [ ] [ Marsch ! stell dich dort an die Tür ! Ich tat es ] . [ ] [ Er hob das Buch und zielte nach mir ] . [ ] [ Ich wich ] nicht [ ] [ rasch genug aus und wurde ] so [ nahe ans Fenster . Ich hatte ] [ heftig an ] den [ Zweck dieses Befehls anfangs nicht errathen . Als ich mich ] [ Kopf getroffen , daß ich , eine blutende Wunde bekam und vor Schmerz laut aufschrie . , Du grausamer Bengel ! rief ich . , Was ? schrie er nun . , Habt ihr das gehört , Elisa und Georgina ? Das sagt sie zu mir ? Das will ich gleich der Mama erzählen . Erst ] aber [ an der bezeichneten Stelle befand , wurde mir Alles klar , denn ich sah ] [ noch Er packte mich beim Haar ] , [ wie er den dicken Band , den ich ihm gebracht hatte , emporhob und in der Luft schwenkte . Mit einem Angstschrei sprang ich auf die Seite , aber es war zu spät . John hatte richtig gezielt . Das Buch traf mich an die Stirn und ich fiel gegen die Thür , deren Kante mir die Haut verletzte ] [ doch nun wehrte ich mich verzweifelt ] . [ Ich fühlte einen empfindlichen Schmerz und als ich die Hand , mit der ich mechanisch nach meiner Wunde gegriffen , wieder zurückzog , war sie mit Blut befleckt . Eine unwiderstehliche Entrüstung folgte dem Gefühle , das mich anfangs beherrscht hatte . Und da ich damals die römische Geschichte las , da ich John Reed oft im Stillen mit Nero , Caligula und andern , fast eben so verabscheungswürdigen Tyrannen verglichen hatte , so rief ich aus : „Du bist ein böser und grausamer Mensch . . . Tu gleichst einem Mörder . . . einem Sklavenhändler . . . den Kaisern von Rom ! “ Diese Beleidigung mußte John Reed überraschen . Sie erbitterteihn auf ' s Höchste und in rasender Wuth stürzte ] [ Während ] er auf mich [ zu . Ich fühlte ] [ einschlug ] , [ daß er mich zugleich bei ] [ arbeitete auch ich blindlings mit ] den [ Schultern und bei den Haaren faßte ] [ Fäusten ] . [ Einige warme Blutstropfen flossen über meinen Hals ] [ Frau Reed eilte herbei , Bessie , das Hausmädchen , und Abbot , die Kammerzofe , folgten ihr . Sie rissen uns auseinander , und ich hörte nur noch die Worte ] : [ mein glühender Kopf ] [ ] , [ meine iu diesem Augenblicke heftigeren Schmerzen ] [ So eine Furie ! So eine Giftblase ! - Dann setzte Frau Reed hinzu : ] , [ ganz besonders aber ] [ Bringt sie in das rote Zimmer und schließt sie dort ein . - Vier Hände packten mich und schleppten mich die Treppe hinauf . Unterwegs wehrte ich mich mit allen Kräften . Das hatte ich bisher noch nie getan ; stets hatte ich schweigsam und geduldig alles hingenommen . Mein Widerstand bestärkte nun die beiden Mädchen in ] der [ Gedanke ] [ schlechten Meinung ] , [ daß ich ein wirkliches Ungeheuer , ähnlich den Kaisern Goldsmiths vor ] [ die sie ohnehin von ] mir [ hatte , raubten mir alle Selbstbeherrschung ] [ hegten ] . [ Ich leistete einen verzweifelten und siegreichen Widerstand , ohne zu wissen , welche Rolle meine Nägel und vielleicht auch meine Zähne dabei spielten . Bald sah sich Master John in die Nothwendigkeit versetzt , um Hülfe zu rufen . Sobald der Ton seiner Stimme in das Nebenzimmer drang , kamen die beiden vertrautesten Dienerinnen der Mistreß Reed herbei und als ihnen mit großer Mühe gelungen war , uns zu trennen , , vernahm ich die rauhe und kreischende Stimme meiner Tante , welche den Lärm übertönte . „Mutter , sieh nur , wie Jane mich zugerichtet hat“ ] [ ] - - [ ] [ , Wie eine wilde Katze , ' sagte Bessie . ] - [ ] [ , Schäme dich ? ] rief [ John ihr entgegen ] [ Abbot . , Schlägt den Sohn ihrer Wohltäterin ! O pfui ! ] - [ - - sie hat mich geschlagen , gekratzt und gebissen , und - - was meinst Du , weshalb ? Weil ich ihr verbot , mir meine Bücher zu verderben . „Der Bube hat ohne Veranlassung mich arg gemißhandelt ! “ - - - wollte ich entgegnen , aber meine Stimme wurde von der meiner . Tante übertönt . „Wie , Du hast Dich unterstanden , Dich an meinen Sohn thätlich zu vergreifen ? Ist das der Respekt , den Du ihm schuldig bist ? Ist das der Dank für die Wohlthaten , die wir Dir gewähren ? “ ] [ ] Sie [ ließ mich nicht zu Worte kommen . „In die rothe Kammer ! “ rief sie , „schließt sie ein und lasst sie dort ! “ Ich hätte nie geglaubt , daß ich mich je gegen diese gefürchtete Stimme auflehnen könnte . Aber in diesem Augenblicke gab es auf der ganzen Welt keinen Herrn für mich , und nur mit Gewalt brachte man mich aus dem Zimmer , in welchem der eben erzählte Auftritt stattgefunden hatte . Selbst in der rothen Kammer , als ich ] [ drückten mich ] auf einen Stuhl [ gesetzt worden war ] [ nieder ] , [ wollte ] [ doch ] ich [ ] [ sprang sofort ] wieder [ aufspringen ] [ auf . Da hielten sie mich von neuem fest . - - , Wenn du nicht still sitzest , wirst du angebunden , ' sagte Bessie ] und [ den Kampf ] [ löste auch schon ihre Strumpfbänder . , Nein , lassen Sie ! ' bat ich nun erschrocken . , Ich will auch ganz still und artig sein . , Das rat ich dir auch , sagte Bessie , und als sie sah , daß ich wirklich ruhiger wurde , ließ sie mich denn auch los . Dann stellten sich die beiden Mädchen vor mich hin und musterten mich ] mit [ meinem Vetter erneuern ] [ finsterer Miene . , Das ist ja was ganz Neues von ihr , meinte Abbot ] . [ Die beiden Dienerinnen wußten ] [ , Es steckt aber schon lange in ihr , ' ' antwortete Bessie . , Ich hab ' s der gnädigen Frau schon oft gesagt , die Hanne ist ein ganz verstocktes , giftiges Ding und furchtbar durchtrieben für ihr Alter . Dann wandte sie sich an mich und setzte hinzu : , Nun denke mal ein bißchen darüber nach , daß es dir ] nicht [ mehr ] [ zukommt ] , [ welchen Heiligen sie anrufen ] [ dich mit dem jungen Herrn ] und [ wie sie die wüthende Katze bändigen sollten , die ihnen soviel ] [ dem gnädigen Fräulein auf eine Stufe ] zu [ schaffen machte . Endlich hatte die Eine von ihnen einen glücklichen Einfall ; es war Bessie ] [ stellen ] , [ das einzige Wesen das mir in diesem fluchwürdigen Hause zuweilen Beweise von einer Art Freundschaft gegeben hatte . „Wenn Sie ] [ und du ins Armenhaus wandern müßtest , wenn Frau Reed ] sich [ ] [ nicht deiner annähme . Wenn du ] noch länger [ sträuben ] [ so schlecht und undankbar bist ] , [ Miß ] [ wird dich Frau Reed eines schönen Tages fortschicken . Sei also demütig und bescheiden und mache dich nützlich und angenehm . ] , [ “ sagte ] [ Und bete vor allem , fügte Abbot bei , , daß dir deine Unart verziehen werde , sonst kommt am Ende ein Gespenst zum Kamin herunter und holt dich . Nach diesen Worten gingen ] sie [ ] [ und schlossen die Tür ] zu [ mir , „so müssen wir Sie binden ] [ ] . [ Miß Abbot ] [ Das rote Zimmer ] , [ “ setzte sie hinzu , „leihen Sie mir doch ihre Strumpfbänder , denn die meinigen würde sie bald zerreißen . “ Miß Abbot wendete sich um und löste die mir bestimmten Fesseln von den kräftigen Pfeilern , auf denen ihr gewaltiger Körper ruhte . Ich sah einen neuen Schimpf voraus , woran der Gedanke mich empörte und mir eine gewisse gezwungene Ruhe gab . „Bemühen Sie sich nicht , Miß Abbot ! “ rief ich aus , „ich verspreche Ihnen , mich nicht von der Stelle zu rühren . “ Zur Bekräftigung meines Versprechens klammerte ich mich mit beiden Händen an ] [ in ] dem [ Stuhle fest , auf den ich wider meinen Willen gesetzt worden war . Bessie sah , daß ich im Ernst sprach und es war daher nicht mehr die Rede davon , mich zu binden . Die beiden Mädchen hielten es nun für angemessen , mir eine lange Predigt zu halten über mein thörichtes Benehmen und über die Nothwendigkeit , daß ich mich ] [ ich mich befand ] , [ da ich arm und schutzlos war ] [ wurde nur benutzt ] , [ dem Willen derjenigen unterwerfen müsse , die mir Brot gaben . In trotzigem Stillschweigen und ohne meine fast herrische Stellung zu verändern , hörte ich Alles mit an . Sie gingen endlich und verschlossen die Thür . Die Augenblicke , welche auf ihre Entfernung folgten , habe ich nicht vergessen . Das rothe Zimmer war ein großes , selten bewohntes Ge mach , denn Besuche waren ] [ wenn Gäste ] in Gateshead - Hall [ eben nicht häufig . In ] [ weilten ; dennoch war es eins ] der [ ] [ schönsten im Herrenhause . Die ] Mitte [ dieses öden und stillen Zimmers , das etwas Majestätisches hatte , wie das Tabernakel eines jüdischen Tempels , stand auf massiven , dunkelbraunen Mahagonyfüßen ] [ nahm ] ein großes [ ] [ Mahagoni - ] Bett [ ] [ ein ] , [ ] [ das ] mit [ ] [ roten ] Vorhängen [ ] [ versehen war ; vom selben Stoffe waren auch die Rouleaus an den Fenstern , die Tapeten und der Teppich . Die Möbel waren alle aus dunkelpoliertem Mahagoni . In dem düstern Ton , den diese Gegenstände verbreiteten , stachen nur die schneeweiße Decke , die über das Bett gebreitet war , und das ebenfalls weiße Polster eines großen Lehnstuhls hervor , der mir damals wie ein geisterhafter Thron erschien . Es war still hier oben , denn das Zimmer lag abseits ] von [ rothem Damast ] [ der Küche und den bewohnten Räumen ] . [ Gardinen ] [ Mir wurde bald recht unheimlich zumute , indem ich daran dachte , wie selten diese Stube betreten wurde . Nur alle Sonnabend stieg Bessie herauf , um Staub zu wischen ; und hin und wieder weilte Frau Reed hier , um den Inhalt einer gewissen Schatulle zu prüfen , die ihre Papiere und Urkunden , ihren Schmuck und ein Bildnis ihres verstorbenen Gatten enthielt Denn in diesem Zimmer war Herr Reed , mein Onkel , gestorben . Das war nun neun Jahre her . Unwillkürlich legte ich mir die Frage vor , ob es mir wohl besser erginge , wenn dieser Mann noch lebte , den ich nie kennen gelernt hatte . Ich wußte - woher , kann ich nicht sagen - daß Reed , der einzige Bruder meiner Mutter , auf dem Sterbebette seiner Frau das Versprechen abgenommen hatte , für mich zu sorgen , wie für ihre eigenen Kinder . Ich wußte auch , er hatte mich als ganz kleines Kindchen in sein Haus aufgenommen , als seine Schwester , meine Mutter , gestorben war . Sie hatte gegen den Willen ihrer Eltern einen armen Prediger geheiratet und war ] von [ ] [ ihrem Vater verstoßen , von ihrem Bruder aber heimlich unterstützt worden . Mein Vater starb bald nach der Eheschließung , und meine Mutter folgte ihm binnen Jahresfrist . An das alles mußte ich nun denken , und ich fragte mich , ob wirklich Frau Reed , meine Tante , das ihrem Gatten gegebene Versprechen hielte . Weshalb durfte Hans sich alles gegen mich erlauben , weshalb durften seine Schwestern mich mit vornehmer Gleichgültigkeit behandeln , weshalb hegte Frau Reed selbst eine so große Abneigung gegen mich ? Nichts konnte ich recht machen , beim geringsten Versehen wurde ich mit Schmähungen überhäuft . Elisa konnte eigensinnig und selbstsüchtig , Georgina trotzig und launenhaft sein , Hans durfte die Haustiere quälen , die schönsten Früchte von den Obstbäumen nehmen , die Blumenbeete verwüsten ihnen war alles erlaubt , wurde alles nachgesehen . Ich aber gab mir alle Mühe , meine Pflicht zu tun , und trotzdem nannte man mich unartig , hinterlistig , mürrisch und schalt mich vom Mor gen bis zum Abend . Damals fand ich freilich auf diese Fragen keine Antwort : jetzt nach vielen Jahren aber habe ich sie gefunden . Ich war ein Mißton in Gateshead - Hall ; ich war dort ganz am falschen Plate . Ich hatte keine innere Gemeinschaft mit Frau Reed , ihren Kindern und ihrem Dienstpersonal . Sie liebten mich nicht , und ich liebte sie ebensowenig . Kein Fädchen Sympathie konnte sich zwischen uns spinnen , wir waren in Temperament , in Fähigkeiten , in Gefühlen und Neigungen grundverschieden . Der Kopf schmerzte mich noch nach ] dem [ nämlichen Stoffe ] [ Wurf mit dem Buche , ] und [ ] [ niemand hatte Hans getadelt , daß er mich grundlos mißhandelte , vielmehr wurde ich hier oben eingesperrt , weil ich mich gegen ihn verteidigt hatte . - - , Wie ungerecht ! ’ sprach ich zu mir selbst . Es wurde dunkel im roten Zimmer . Draußen herrschte Dämmerung , und Regen schlug an das Fenster . Mir wurde kalt , ] der [ nämlichen Farbe hingen vor ] [ Mut sank , und tiefe Traurigkeit bemächtigte sich meiner ; und indem ich auf das im Halblicht verschwimmende Zimmer , auf die dunkeln Wände blickte , beschlich mich heimliches Grauen , Ich weinte und schluchzte , und je mehr ich mich gewaltsam beruhigen wollte , um so größer wurde meine Aufregung . Ich vergrub das Gesicht in ] den [ zwei hohen Fenstern , deren Läden nie geschlossen wurden . Der Fußboden war mit einem rothen Teppich bedeckt ] [ Händen und überließ mich kraftlos meinem Gram . Nach einer Weile aber sah ich auf . Da bemerkte ich an der Wand einen Lichtschein ] , [ ] [ der sich bewegte , an der Decke hinaufglitt und dann übet meinem Kopfe her , die ] über den [ vor dem Bett stehenden Tisch ] [ Hof getragen wurde ; doch damals konnte ich mir sein Erscheinen nicht erklären , und große Angst befiel mich bei seinem Anblick . Er war in meinen Augen ein Gespenst aus einer andern Welt , und ich hatte wirklich das Gefühl , als wenn Flügel durch das Zimmer rauschten und sich mir näherten . Ich rang nach Luft , ich wollte schreien , konnte aber keinen Laut hervorbringen . Ich stürzte zur Tür und rüttelte an der Klinke . Gleich darauf hörte ich Schritte , der Schlüssel wurde herumgedreht , und Bessie und Abbot traten ein . , Johanna , bist du krank ? ' fragte Bessie . , Was für ein Lärm ! Ich bin zu Tode erschrocken ! ' setzte Abbot hinzu . , Nehmt mich mit hinaus , ich will in die Kinderstube ! ' schrie ich in einem fort . , Weshalb denn ? rief Bessie . , Ist etwas geschehen ? Hast du was gesehn ? Ja , ein Licht es ] war ein [ ähnliches Tuch gebreitet und die Wände ] [ Geist ! rief ich . , Ach was , Bessie , ' sagte Abbot , , das ist Komödie . Sie hat uns bloß herrufen wollen , ich kenne schon ihre Schliche . Frau Reed kam ] mit [ einem lichten Stoffe bekleidet ] [ flatternden Haubenbändern und wehendem Kleide herbeigelaufen . , Was gibt es ? fragte sie . , Ich habe doch befohlen , Johanna nicht ohne meinen ausdrücklichen Befehl heraus plassen . , Sie hat so laut geschrien , Madame , wandte Bessie ein . , Laß Bessies Hand los , Johanna ! gebot Frau Reed barsch . , Auf diese Weise erreichst du nichts , das sage ich dir . Solche List , besonders bei Kindern , ist zu verabscheuen , und ich muß dich fühlen lassen , daß du mit solchen Ränken nicht weit kommst . Du bleibst jetzt noch eine Stunde hier ] , [ ] [ und dann lasse ich dich auch nur unter der Bedingung heraus , daß du ganz ruhig und unterwürfig sein wirst . , O , Tante , habe doch Erbarmen und verzeih mir . Oder bestrafe mich ] auf [ dem sich einzelne rothe Streifen befanden . Der Kleiderschrank , der Toilettenschrank und die Stühle von altem , dunklen Mahagony glänzten in der Dunkelheit , von der besonders noch zwei Gegenstände grell abstachen : die Matratzen und Kissen des Bettes mit blendendweißen Ueberzügen ] [ andere Weise - ich halte es hier nicht länger aus . ] , [ ] [ Ruhe ! Ein so ungestümes Betragen ist geradezu empörend , antwortete sie . Und sie mochte wohl auch tatsächlich Anstoß an meinem Wesen nehmen ] und [ dann ] [ mich für eine frühreife Komödiantin halten . Sie stieß mich in das Zimmer zurück und schloß mich ohne weiteres wieder ] ein [ Krankenlehnstuhl , mit einem gleichen Ueberzuge und einem Auftritte , der mir in diesem feierlichen Augenblicke wie ein „bleicher Thron“ erschien ] [ ] . [ Es war empfindlich kalt in diesem Zimmer , wo nie ein Feuer angezündet wurde . Da es von die Kinderstube und der Küche ziemlich weit entfernt lag , so herrschte fortwährend eine tiefe Stille darin . Endlich war in diesem gespensterhaften Bett mein Oheim vor einigen Jahren verschieden , eine Erinnerung , welche das Schauerliche des mysteriösen Ganzen noch erhöhte . Bald fühlte ich mich beängstigt in diesem öden Raume , der mir ein Grabgewölbe erschien ] [ Ich hörte sie hinwegeilen ] ; [ ich stand daher von meinem Sitze auf ging nach der Thür , die , wie ich wähnte , vielleicht offen geblieben konnte . Ein kalter Schauder ergriff mich , als ich sah , daß sie wirklich fest verschlossen war . Um auf meinen Platz zurückzukehren , mußte ich bei einem großen Spiegel vorüber , ] [ bald darauf muß ich ] in [ welchem ich schon die geisterhafte Form des weißen Todtenbettes erblickt hatte . Mein Blick versenkte sich unwillkürlich in die trügerischen Tiefen , die er mir darbot , und ich sah nun darin ein wunderliches kleines Geschöpf , das mir die schottischen Feen ins Gedächtniß rief , deren boshafte Streiche mir Bessie erzählte , wenn man uns in der Wäschkammer allein ließ und ich auf ihre Bügeleisen Acht gab . – In diesem kleinen mageren und blassem Geschöpf , dessen scheue Augen blitzten , dessen schwache weiße Arme sich auf dem dunklen Hintergrunde abzeichneten und das eine Art stummes Gebet flüsterte , erkannte ich erst nach einiger Zeit . . . die unglückliche Nichte der Mistreß Reed . Es wurde mir fast noch ängstlicher zu Muthe , als ich mich mit dieser seltsamen Transfiguration meiner eigenen Person allein sah . Ich sage Ihnen nichts von den tausend sonderbaren Bildern , die an meiner überreizten Phantasie vorüberzogen und welche die heftige Aufregung meines Kopfes und die so lange unterdrückte Empörung meines Herzens in mir hervorriefen ] [ Ohnmacht gefallen sein ] . Ich weiß [ nur ] [ nicht ] , [ daß eine klare Idee von meiner Lage , von ] [ was nachher geschah . Als ich erwachte , lag ich in meinem eigenen Bett in ] der [ Ungerechtigkeit ] [ Kinderstube ] , [ unter der ich seufzte , von der Abneigung , deren unschuldiges Opfer ich war , von meiner kränklichen Häßlicheit , die meinen Verwandten ] [ und ] ein [ Gräuel war , und von meiner angeborenen Menschenscheu , welche noch dadurch vermehrt wurde , daß man mir keine Liebe und keine Aufmunterung zu Theil werden ließ , sich zum ersten Male in meinem Geiste festsetzte . Auch weiß ich noch , daß die äußere Dunkelheit nach und nach die spärlichen Lichtstrahlen verlöschte , die in das rothe Zimmer drangen , daß der Himmel noch fortwährend seine Schmerzensthränen vergoß , daß der Wind traurig in den Bäumen des Parkes seufzte , daß mich allmälig eine entsetzliche Angst und eine gänzliche Muthlosigkeit ergriffen , und daß einer meiner letzten Gedanken , ehe ich völlig das Bewußtsein verlor , der feste Vorsatz war , auf diesem nämlichen Bette , wo Herr Reed entschlafen war , Hungers zu sterben . Dann war es mir . als bewegte sich eine menschliche Gestalt unter der Decke des Geisterbettes . . . dies war der Gnadenstoß für mich . - - - - Es scheint , daß ich ganz ohne Besinnung gefunden wurde und daß ich erst nach langer Zeit aus dieser Betäubung erwachte , in welche mich die Angst versetzt hatte . Man mußte den Arzt rufen , ihm die meiner Ohnmacht voraufgegangenen Scenen erzählen und sich wegen der gegen mich angewendeten Strenge rechtfertigen ] [ helles Feuer brannte im Kamin ] . [ Dies Alles war keineswegs geeignet , mir das Herz meiner Tante Reed zu gewinnen . Wir geriethen noch mehrere Male in Streit miteinander und bei jeder solchen Gelegenheit steigerte sich mit meiner Widersetzlichkeit gegen ihren Willen der Haß , den ich ihr einflößte . ] [ ]