Version Diff

adaptations_1st_episode/Bartels_1st.txt(2418 tokens)
adaptations_1st_episode/Wachler_1st.txt(1881 tokens)
commonToBoth69
uniqueToFile12349
uniqueToFile21812
smallSpellingDifferences31
overlapFile12.85359801489
overlapFile23.668261563
avgOverlap3.26092978894


[ Ich befand mich ] [ Weiter wurde Jane verboten , die Familienzimmer sowohl , als auch die Bibliothek im ersten Stockwerk zu besuchen , sowie ihr Schlafzimmer oder die Küche zu verlassen , ja sie durfte nur mit Mistreß Reed ' s besonderer Bewilligung , welche durch Esther einzuholen war , in den Garten wie überhaupt ins Freie gehen , noch überhaupt mit Jemandem im Hause verkehren . Jane ' s weiches und tiefes Gemüt empfand diese Demütigungen und Beschränkungen bitter , namentlich schmerzte es sie aufs tiefste , daß sie von Bessie ' s Unterricht und vom Besuche des Bibliothekzimmers ausgeschlossen war - aber sie ertrug es still und ohne ein lautes Wort der Klage ; sie wußte sehr wohl , daß sie eine solche Behandlung nicht verdient hatte , und machte daher auch keinen Versuch , bei ihrer Tante um eine Aufhebung dieser Verbote bittweise nachzusuchen . Still und ergeben trug sie ihr einsames und trauriges Los , ja sie lebte nur glücklich in der Erinnerung an Onkel Reed , dessen Liebe und unaussprechliche Güte gegen sie mit lebhaften Zügen in ihr junges Herz eingeprägt war ; in solchen Stunden lebte sie glücklich allein unter Thränen . Die Köchin Esther war ein gutmütiges Geschöpf , das Mitleid mit dem stillen und sonst unverdrossenen Mädchen hatte und richtete nach etwa acht Tagen ihres Beisammenseins mit Jane , gerade ] an einem [ regnerischen Nachmittage ] [ schönen Wintersonntag Nachmittag , als alle Arbeit ] in [ einer tiefen Fensternische verborgen ] [ der Küche beendigt war , die mitleidige Frage an sie : Willst Dn die Tante nicht bitten , Jane , daß sie Dir erlaubt , mit mir einen kleinen Spaziergang zu machen ? Nein ! lautete die kurze Antwort . Und warum willst Du nicht mit mir gehen ] , [ wo ] [ Jane ? fragte Esther weiter . Sei nicht böse mit mir , Esther , sprach Jane weiter , ] ich [ ] [ weiß , Du meinst es gut mit mir , und ich möchte so gern hinaus in die frische , sonnenhelle Winterluft , aber die Tante Reed um diese Erlaubnis zu bitten - das vermag ich nicht über mich zu gewinnen . Und warum nicht , Du seltsames Geschöpf ? Weil sie mich für John ' s Unrecht , das er mir zugefügt hat , bestraft , ja grausam bestraft . So will ich die Tante in meinem Namen darum bitten ? Nein , liebe Esther , ich bitte Dich herzlich , thue das nicht . Ich mag nicht um Etwas bitten und auch keinen Menschen für mich bitten lassen um eine Sache , die man mir nicht freiwillig gewährt und ] auf [ meinen gekreuzten Beinen saß und in einem großen Buche blätterte ] [ welche ich so gut ein Recht habe , wie jedes andere Geschöpf ] , das [ ] [ seine Pflicht gethan hat . Nun , so gehe ] ich [ mir aus ] [ allein , sprach Esther verdrießlich ; ich will Dich nicht zum Vergnügen zwingen . Zu Ostern des kommenden Jahres verließ John Reed Gateshead , um eine Schule in London zu besuchen und sich für den Besuch ] der [ Bibliothek ] [ Universität weiter ausbilden zu lassen , während sich in Jane ' s Verhältnis zu ihrer Tante nicht das Geringste verändert hatte . Mistreß Reed erkundigte sich bei Esther nach Jane ' s Verhalten und mußte zu ihrer Verwunderung und mit Widerwillen vernehmen , daß sie sich fügsam , willig , unverdrossen und fleißig zeige , ohne ] im [ Salon geholt hatte . Es waren die „Vögel Englands von Bowick“ . Ich betrachtete mit bewunderungsvoller Aufmerksamkeit die schönen colorirten Kupferstiche , und wenn meine Augen ] [ Geringsten zu klagen oder eine Bitte um Erleichterung ihrer Strafe auszusprechen . Daß ihre Abneigung und ihr Groll durch diese Mitteilungen sich nicht milderte , ist zwar sehr leicht begreiflich bei ihrem Charakter , aber sie hob doch , veranlaßt durch Esther ' s Bitten , das Verbot für den Besuch des Gartens gegen Jane freiwillig auf , und hoffte nun , daß auch Jane sich ihr wieder nähern und sie um Verzeihung für ihr Betragen gegen John bitten würde - hierin jedoch täuschte sie sich vollständig , denn Jane machte ] von dem [ Buche aufblickten , suchten sie entweder die schweren grauen Wolken , die ] [ Besuche des Gartens und ] der [ Wind ] [ Umgebung so wenig wie möglich Gebrauch und zeigte auch nicht die kleinste Spur von einer Annäherung an ihre Tante , ja sie ging sogar so weit , ihre Nähe absichtlich zu meiden . Es war dies durchaus kein lobenswerter , wenn auch ein erklärlicher Zug in dem Charakter des sonderbar gearteten Mädchens , aber Jane fühlte Mistreß Reed ' s Haß gegen ihre Person beinahe instinktmäßig und wollte nicht , daß diesem durch irgend eine Berührung neue Nahrung gewährt werden sollte . In seinen Sommerferien kehrte John Reed nach Gateshead auf einige Wochen zurück und hiermit begann für Jane eine neue Zeit der Plage . Sie wich ihm aus , so viel sie konnte ; sie ging nicht ins Freie , wenn sie ihren Verfolger , der immer noch an ihr Rache zu nehmen suchte , zu Hause wußte , und nur in später Abendstunde huschte sie zuweilen auf kurze Zeit wie ein scheues Reh in die Gänge des Parkes . Trotz aller ihrer Vorsicht stieß sie bei einem solchen Versuche auf ihren Gegner , der ihr mit einem Hammer in der Hand plötzlich entgegentrat ; sie wich ihm rasch aus , John aber fuhr heftig mit den Worten auf sie los : Habe ich Dich endlich einmal erwischt , um Dich für Deine Kratzerei nach Gebühr züchtigen zu können ! und faßte sie hart am Arme . Laß mich los , John , sprach Jane finster und entschlossen - ich habe mit Dir nichts zu schaffen . Aber ich muß mit Dir , Du falsche Katze , Abrechnung halten , höhnte sie der rohe Bursche ; Du sollst und mußt jetzt büßen für alles Unheil , das Du in unserem Hause angestiftet hast . Laß mich los , John , rief Jane ernster und dringender , oder Du zwingst mich wieder , Gewalt gegen Gewalt zu brauchen und mir zu helfen , wie ich kann . Das wollen wir doch sehen ! schrie John wild und hob den Hammer zum Schlage aus , flog aber , von einem unerwarteten Stoße von Jane ' s freier Hand getroffen , an einen Baum und mußte des Mädchens andere ganz wider seinen Willen freilassen . Jane benutzte diesen Augenblick und suchte zu entkommen , während John , wütend geworden durch den erhaltenen Stoß , ihr nachsetzte und sie auch wirklich einholte . Hastiger als zuvor bei der Hand , packte er sie am Haar und schwang den Hammer über ihrem Kopfe ; doch wie ein Blitz fing Jane seine Hand auf und versetzte während ihres Ringens mit John denselben , da sie sich nicht weiter zu helfen wußte , einen kräftigen Biß in die Finger seiner rechten Hand , so daß er den Hammer fallen laßen mußte - schrie er nun laut : Hilfe ! Hilfe ! Jane hat mich überfallen und blutig gebissen . Hilfe ! Hilfe ! sie droht mir mit dem Hammer . Auf diesen Ruf hin wurde es lebendig im Garten . Bessie , Esther , Jack , Alle liefen herbei und traten zwischen die bleiche noch zornfunkelnde Jane und den schreienden Burschen , der jetzt wieder Courage bekam und Jane zu seiner Mutter zu führen befahl . Was hat das unheilvolle Geschöpf schon wieder ausgeführt ? fragte Mistreß Reed streng , als Jane stumm und niedergeschlagenen Blickes ] vor [ sich hertrieb ] [ ihr in der Stube stand . Sie hat mich überfallen ] , [ ] [ mich in die Hand gebissen und mit dem Hammer bedroht , berichtete John mit augenscheinlicher Lügenhaftigkeit und unverschämter Dreistigkeit . Du hast es gewagt , Dich wieder an John zu vergreifen und ihn hinterrücks zu überfallen ? rief Mistreß Reed heftig , obwohl sie halb und halb der Überzeugung war , daß es umgekehrt stattgefunden hatte ; aber ihr Haß gegen Jane war durch deren Unbeugsamkeit zu einer Höhe bereits gesteigert , von welcher keine Umkehr mehr möglich war . Sieh , Mama , hier meine blutende Hand ! sprach John listig , die Elende wagt es nicht , Dich ] oder [ den traurigen Anblick eines noch laublosen und vom Wasser triefenden Gartens . Plötzlich wurde die Thür des Speisesaales mit Geräusch geöffnet und eine wohlbekannte Stimme schreckte ] [ ] mich [ auf ] [ anzusehen und ihre Schuld zu bekennen ] . [ „Hierher ] [ Laß sie büßen dafür ] , [ Schläferin ] [ liebe Mama . Wirst Du Antwort geben , freches Geschöpf ] ! [ “ rief mein liebenswürdiger Vetter , hielt aber inne , als er Niemanden in dem scheinbar leeren Zimmer erblickte . „Wo Teufel mag sie sich versteckt haben ? “ fuhr er fort . „Lizzy ! George ! ( dies waren seine Schwestern ) Jane ist also nicht hier . Mama glaubt , sie ist im Regen ausgegangen , die nichtswürdige kleine Hexe . “ Dieser Eingang ermuthigte mich nicht , zum Vorschein zu kommen und ich verhielt mich daher ganz still , indem ich glaubte , Master John , dessen physischer und moralischer Scharfblick auf gleicher Höhe standen , werde mich in meinem Versteck nicht auffinden . Aber Elisa kam auf seinen Ruf herbei und leitete ihn sehr bald auf meine Spur . Ich konnte nicht mehr zurückweichen , ich schob daher den Vorhang zurück , der mich verhüllte und , ] [ herrschte die immer heftiger werdende Frau ] das [ nervöse Zittern ] [ duldende Mädchen an . Bekenne Dein Vergehen offen ] , [ das mich bereits ergriffen hatte , unter einem Schein kalter Ruhe verbergend , erschien ich ] [ oder zittre ] vor meinem [ jungen Tyrannen ] [ Zorn ] . [ „Was willst ] [ Eine unheimliche Pause trat ein , während deren nur Sarah Reed ' s erregte Atemzüge deutlich vernehmbar waren . Jane bewegte kein Glied und blickte nicht vom Boden auf . Weißt ] Du [ von ] [ , Mama , rief John , es dunkelt schon , stecke das böse Mädchen , das ] mir [ ] [ nach dem Leben getrachtet , in Papa ' s Sterbezimmer - dort soll ja sein Geist umgehen und uns schrecken wollen ! Dort kann sie zubringen , bis sie ihre schlechte That eingestanden und bekannt hat . Recht so ! Mit diesem Worte erfaßte Mistreß Reed Jane ' s Arm und zog sie nach dem Kabinet , in dem ihr Gatte verschieden und das bis jetzt noch nicht wieder bewohnt worden war . Jane zuckte jetzt entsetzt zusammen ; eine unerklärbare Furcht , ein nicht zu bekämpfendes Entsetzen überfiel sie und raubten ihr beinahe die Besinnung . Erst als die verhängnisvolle Thür sich hinter ihr geschlossen , ward sie sich ihrer Lage klar und mit bittender herzzerreißender Stimme flehte sie : Tante Reed , haben Sie Mitleid ! Tante Reed , haben Sie Erbarmen ! Ich bin ja völlig unschuldig , aber man glaubt mir ja nicht . Bei dem Andenken an meinen gütigen verstorbenen Onkel lassen Sie mich aus diesem Zimmer ! Ich kann hier nicht bleiben ! Ich sterbe hier . Kannst Du nun sprechen und gute Worte geben , Du Undankbare ] ? [ “ fragte ich ihn in einem Tone , aus welchem schon Mißtrauen hervorblickte ] [ rief ihre Tante ] . [ „Was willst ] [ Nein , ] Du [ von mir ] [ bleibst zur Strafe so lange in diesem Zimmer ] , [ Master Reed ? “ wiederholte er , einen besonderen Nachdruck auf die beiden letzten Worte legend . „So mußt ] [ bis ] Du [ mit mir sprechen ] [ Deine Schuld bekannt hast ] . Ich [ will , Du sollst hierher kommen . Indem er sich in einen großen Lehnstuhl warf , winkte er mir , . näher zu treten und vor ihm stehen zu bleiben ] [ habe nichts gethan ! Ich bin unschuldig ! jammerte Jane ] . John [ war damals ein plumper Bursche von etwa vierzehn Jahren , von zugleich robusten und ungesundem Aussehen , mit bleicher , fahler Gesichtsfarbe , überhaupt allen äußeren Merkmalen der zügellosen Unmäßigkeit im Essen . Er aß in der That unglaublich viel , und seine Mutter , welche stets um die , wie sie sagte , äußerst zarte Körperconstitution dieses verzogenen Knaben besorgt war , konnte ihm gleichwohl die täglichen Ausschweifungen im Genusse von Speisen nicht verbieten , die seinen nichts weniger als zarten Organismus erschlafften . Gewöhnt , mich dem Willen dieses Menschen zu unterwerfen ] [ hat es Alles selbst gethan ] , dessen [ bloßer Anblick einen peinlichen Eindruck auf mich machte , näherte ich mich ihm , ohne ein Wort zu sagen . Er heftete seine Augen auf die meinigen und als er sah , daß sich diese nicht zu Boden senkten , schnitt er mir ein abscheuliches Gesicht , der gewöhnliche Vorbote seiner Mißhandlungen . Ich ahnte , daß ] [ ] er mich [ schlagen würde ] [ mit unverschämter Bosheit beschuldigt . Glauben Sie mir nur diesmal ] , [ aber ich weiß nicht , welche geheime Kraft ] [ Tante Reed , und Sie sollen niemals wieder über ] mich [ unbeweglich bleiben ließ , indem ich mit kalter Geringschätzung dieses häßliche Gesicht betrachtete . Wahrscheinlich verstand er diese stumme Sprache , denn er zögerte nicht länger , mir einen so heftigen Faustschlag ] [ im Geringsten ] zu [ geben , daß ich einen oder zwei Schritte zurücktaumelte und Mühe hatte , mich auf den Füßen zu erhalten . „Das ist für Dein ungebürliches Benehmen , nicht zu antworten , wenn ich Dich rufe , “ sagte er zu mir , „und für Dein schlangenartiges Verkriechen hinter unsere Vorhänge , so wie für den verbissenen Zorn , der seit zwei langen Minuten aus Deinen Augen spricht , boshafte Spinne ] [ klagen haben ] . [ “ ] [ Bekenne , Jane ! ] Ich [ entgegnete nie etwas auf John Reeds Schimpfworte , denn ich war immer damit beschäftigt , mich auf den Schlag gefaßt zu machen , der ihnen folgen konnte ] [ bin unschuldig ! Tante Reed ] . [ „Was machtest ] [ So bleibst ] Du [ dort ? fragte er weiter ] [ ] , [ indem er nach dem Fenster zeigte , an welchem ich eine so traurige und zugleich angenehme Stunde zugebracht hatte . „Ich las . “ „Zeige mir das Buch . “ Ich holte es herbei . „Ich will Dich lehren . “ fuhr er fort in meinen Bibliotheken herumzustöbern und meine Bücher zu besudeln , kleine Betteldirne . Geh dorthin , neben den Spiegel . . . nicht so nahe ans Fenster . Ich hatte den Zweck dieses Befehls anfangs nicht errathen . Als ich mich aber an der bezeichneten Stelle befand , wurde mir Alles klar , denn ich sah , wie er den dicken Band , den ich ihm gebracht hatte , emporhob und in der Luft schwenkte . Mit einem Angstschrei sprang ich auf die Seite , aber es war zu spät . John hatte richtig gezielt . Das Buch traf mich an die Stirn und ich fiel gegen die Thür , deren Kante mir die Haut verletzte . Ich fühlte einen empfindlichen Schmerz und als ich die Hand , mit der ich mechanisch nach meiner Wunde gegriffen , wieder zurückzog , war sie mit Blut befleckt . Eine unwiderstehliche Entrüstung folgte dem Gefühle , das mich anfangs beherrscht hatte . Und da ich damals die römische Geschichte las , da ich John Reed oft im Stillen mit Nero , Caligula und andern , fast eben so verabscheungswürdigen Tyrannen verglichen hatte , so rief ich aus : „Du ] [ wo Du ] bist [ ein böser und grausamer Mensch ] [ ] . [ . . Tu gleichst einem Mörder . . . einem Sklavenhändler . . . den Kaisern von Rom ! “ Diese Beleidigung mußte John Reed überraschen . Sie erbitterteihn auf ' s Höchste und in rasender Wuth stürzte er auf mich zu . Ich fühlte , daß er mich zugleich bei den Schultern und bei den Haaren faßte . Einige warme Blutstropfen flossen über meinen Hals : mein glühender Kopf , meine iu diesem Augenblicke heftigeren Schmerzen , ganz besonders aber der Gedanke , daß ich ein wirkliches Ungeheuer , ähnlich den Kaisern Goldsmiths vor mir hatte , raubten mir alle Selbstbeherrschung . Ich leistete einen verzweifelten und siegreichen Widerstand , ohne zu wissen , welche Rolle meine Nägel und vielleicht auch meine Zähne dabei spielten . Bald sah ] [ Mutter und Sohn entfernten ] sich [ Master John in die Nothwendigkeit versetzt , um Hülfe zu rufen . Sobald der Ton seiner Stimme in das Nebenzimmer drang , kamen die beiden vertrautesten Dienerinnen der Mistreß Reed herbei und als ihnen mit großer Mühe gelungen war , uns zu trennen , , vernahm ich die rauhe und kreischende Stimme meiner Tante , welche den Lärm übertönte . „Mutter , sieh nur , wie Jane mich zugerichtet hat“ - - - rief John ihr entgegen - - - sie hat mich geschlagen , gekratzt und gebissen , und - - was meinst Du , weshalb ? Weil ich ihr verbot , mir meine Bücher zu verderben . „Der Bube hat ohne Veranlassung mich arg gemißhandelt ! “ - - - wollte ich entgegnen , aber meine Stimme wurde von der meiner . Tante übertönt . „Wie , Du hast Dich unterstanden , Dich an meinen Sohn thätlich zu vergreifen ? Ist das der Respekt , den Du ihm schuldig bist ? Ist das der Dank für die Wohlthaten , die wir Dir gewähren ? “ Sie ließ mich nicht zu Worte kommen . „In die rothe Kammer ! “ rief sie , „schließt sie ein und lasst sie dort ! “ Ich hätte nie geglaubt , daß ich mich je gegen diese gefürchtete Stimme auflehnen könnte . Aber in diesem Augenblicke gab es auf der ganzen Welt keinen Herrn für mich , und nur mit Gewalt brachte man mich ] [ ] aus dem [ Zimmer , in welchem der eben erzählte Auftritt stattgefunden hatte . Selbst in der rothen Kammer ] [ Vorgemach und ließen das arme Mädchen mit ihrem Jammer und ihrer Angst unbarmherzig allein zurück ; eine ganze Zeit lang bat und flehte Jane ] , [ als ich ] [ dann verstummte sie ] auf einen [ Stuhl gesetzt worden war , wollte ich wieder aufspringen und den Kampf mit meinem Vetter erneuern . Die beiden Dienerinnen wußten nicht mehr , welchen Heiligen sie anrufen und wie sie die wüthende Katze bändigen sollten , die ihnen soviel zu schaffen machte . Endlich hatte die Eine von ihnen einen glücklichen Einfall ; es war Bessie , das einzige Wesen das mir in diesem fluchwürdigen Hause zuweilen Beweise von einer Art Freundschaft gegeben hatte . „Wenn Sie sich noch länger sträuben , Miß , “ sagte sie zu mir , „so müssen wir Sie binden . Miß Abbot , “ setzte sie hinzu , „leihen Sie mir doch ihre Strumpfbänder , denn die meinigen würde sie bald zerreißen . “ Miß Abbot wendete sich um und löste die mir bestimmten Fesseln von den kräftigen Pfeilern , auf denen ihr gewaltiger Körper ruhte . Ich sah einen neuen Schimpf voraus , woran der Gedanke mich empörte und mir eine gewisse gezwungene Ruhe gab . „Bemühen Sie sich nicht , Miß Abbot ! “ rief ich aus , „ich verspreche Ihnen , mich nicht von der Stelle zu rühren . “ Zur Bekräftigung meines Versprechens klammerte ich mich mit beiden Händen an dem Stuhle fest , auf den ich wider meinen Willen gesetzt worden war . Bessie sah , daß ich im Ernst sprach und es war daher nicht mehr die Rede davon , mich zu binden . Die beiden Mädchen hielten es nun für angemessen , mir eine lange Predigt zu halten über mein thörichtes Benehmen und über die Nothwendigkeit , daß ich mich , da ich arm und schutzlos war , dem Willen derjenigen unterwerfen müsse , die mir Brot gaben . In trotzigem Stillschweigen und ohne meine fast herrische Stellung zu verändern , hörte ich Alles mit an . Sie gingen endlich und verschlossen die Thür . Die Augenblicke ] [ Augenblick ] , [ welche auf ihre Entfernung folgten , habe ich nicht vergessen . Das rothe Zimmer war ] [ ] ein [ großes , selten bewohntes Ge mach , denn Besuche waren in Gateshead - Hall eben nicht häufig . In der Mitte dieses öden und stillen Zimmers , das etwas Majestätisches hatte , wie das Tabernakel eines jüdischen Tempels , stand auf massiven , dunkelbraunen Mahagonyfüßen ein großes Bett , mit Vorhängen von rothem Damast . Gardinen von dem nämlichen Stoffe und der nämlichen Farbe hingen vor den zwei hohen Fenstern , deren Läden nie geschlossen wurden . Der Fußboden war mit einem rothen Teppich bedeckt ] [ Fall ward hörbar ] , [ über den vor dem Bett stehenden Tisch war ein ähnliches Tuch gebreitet und die Wände mit einem lichten Stoffe bekleidet , auf dem sich einzelne rothe Streifen befanden . Der Kleiderschrank , der Toilettenschrank und die Stühle von altem , dunklen Mahagony glänzten in der Dunkelheit , von der besonders noch zwei Gegenstände grell abstachen : die Matratzen und Kissen des Bettes mit blendendweißen Ueberzügen , und dann ein Krankenlehnstuhl , mit einem gleichen Ueberzuge und einem Auftritte , der mir in diesem feierlichen Augenblicke wie ein „bleicher Thron“ erschien . Es war empfindlich kalt in diesem Zimmer , wo nie ein Feuer angezündet wurde . Da es von die Kinderstube und der Küche ziemlich weit entfernt lag , so herrschte fortwährend eine tiefe Stille darin . Endlich war in diesem gespensterhaften Bett mein Oheim vor einigen Jahren verschieden , eine Erinnerung , welche das Schauerliche des mysteriösen Ganzen noch erhöhte . Bald fühlte ich mich beängstigt in diesem öden Raume , der mir ein Grabgewölbe erschien ; ich stand daher von meinem Sitze auf ging nach der Thür , die , wie ich wähnte , vielleicht offen geblieben konnte . Ein kalter Schauder ergriff mich , als ich sah , daß ] [ und in heftigen Krämpfen wand ] sie [ wirklich fest verschlossen war . Um auf meinen Platz zurückzukehren , mußte ich bei einem großen Spiegel vorüber , in welchem ich schon die geisterhafte Form des weißen Todtenbettes erblickt hatte . Mein Blick versenkte sich unwillkürlich in die trügerischen Tiefen , die er mir darbot , und ich sah nun darin ein wunderliches kleines Geschöpf , das mir die schottischen Feen ins Gedächtniß rief , deren boshafte Streiche mir Bessie erzählte , wenn man uns in der Wäschkammer allein ließ und ich auf ihre Bügeleisen Acht gab . – In diesem kleinen mageren und blassem Geschöpf , dessen scheue Augen blitzten , dessen schwache weiße Arme ] [ ] sich auf dem [ dunklen Hintergrunde abzeichneten ] [ Fußboden umher . Niemand kümmerte sich um sie . Am nächsten Morgen mußte Bessie nach ihr sehen ] und [ das ] [ fand sie ganz wie leblos an der Erde liegen , aber an ihren fieberhaft geröteten Wangen , an ihren zuckenden Lippen gewahrte sie , daß noch Leben in dem jungen Körper war . Mitleidig , wie die Gouvernante war , welche nach John ' s Abgang zur Schule als Gesellschafterin in Gateshead bleiben mußte , nahm sie , ohne ihrer Herrin Befehl abzuwarten , Jane auf ihre Arme , trug sie nach ihrem Zimmer , entkleidete sie und legte sie zu Bett . Jane begann heftig zu phantasieren , ja selbst zu toben , sodaß man gezwungen war nach dem Arzte zu senden . Mister Fowler erklärte , Jane ' s Zustand sei sehr bedenklich - es könne möglicher Weise bei ihr ] eine [ Art stummes Gebet flüsterte ] [ geistige Störung zurückbleiben ] , [ erkannte ich erst nach einiger Zeit . . . die unglückliche Nichte der Mistreß Reed . Es wurde mir fast noch ängstlicher zu Muthe , als ich mich ] [ wenn sie überhaupt ] mit [ dieser seltsamen Transfiguration meiner eigenen Person allein sah . Ich sage Ihnen nichts von den tausend sonderbaren Bildern , die an meiner überreizten Phantasie vorüberzogen und welche die heftige Aufregung meines Kopfes und die so lange unterdrückte Empörung meines Herzens in mir hervorriefen . Ich weiß nur , daß eine klare Idee von meiner Lage , von der Ungerechtigkeit , unter der ich seufzte , von der Abneigung , deren unschuldiges Opfer ich war , von meiner kränklichen Häßlicheit , die meinen Verwandten ein Gräuel war , und von meiner angeborenen Menschenscheu , welche noch dadurch vermehrt wurde , daß man mir keine Liebe und keine Aufmunterung zu Theil werden ließ , sich zum ersten Male in meinem Geiste festsetzte ] [ dem Leben davon kommen sollte ] . [ Auch weiß ich noch , daß die äußere Dunkelheit nach und nach die spärlichen Lichtstrahlen verlöschte , die in das rothe Zimmer drangen , daß der Himmel noch fortwährend seine Schmerzensthränen vergoß , daß der Wind traurig in den Bäumen des Parkes seufzte , daß mich allmälig eine entsetzliche Angst und eine gänzliche Muthlosigkeit ergriffen , und daß einer meiner letzten Gedanken , ehe ich völlig das Bewußtsein verlor , der feste Vorsatz war , auf diesem nämlichen Bette , wo Herr Reed entschlafen war , Hungers zu sterben . Dann war es mir . als bewegte sich eine menschliche Gestalt unter der Decke des Geisterbettes . . . dies war der Gnadenstoß für mich . - - - - Es scheint , daß ich ganz ohne Besinnung gefunden wurde und daß ich erst nach langer Zeit aus dieser Betäubung erwachte , in welche mich die Angst versetzt hatte . Man mußte den Arzt rufen , ihm die meiner Ohnmacht voraufgegangenen Scenen erzählen und sich wegen der gegen mich angewendeten Strenge rechtfertigen . Dies Alles war keineswegs geeignet , mir das Herz meiner Tante Reed zu gewinnen . Wir geriethen noch mehrere Male in Streit miteinander und bei jeder solchen Gelegenheit steigerte sich mit meiner Widersetzlichkeit gegen ihren Willen der Haß , den ich ihr einflößte . ] [ ]