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[ Ich befand mich ] [ Es war ] an einem [ regnerischen Nachmittage in einer tiefen Fensternische verborgen ] [ rauhen Wintertage . In Gateshead - Hall , einem Schlosse in der Grafschaft . . shire im südlichen England ruhte die Besitzerin des Schlosses , Mrs . Reed , umgeben von ihren drei Lieblingen : Eliza , John und Georgina - auf einem Sofa ihres Salons . Glücklich betrachtete sie die Gesichtszüge ihrer Kinder , die in diesem Augenblick zufällig weder zankten noch schrien . An das Wohnzimmer stieß ein kleines Frühstückszimmer , in welchem ein großer Bücherschrank stand . Auf dem Sitz in der Fenstervertiefung saß ein kleines Mädchen , die Beine gekreuzt wie ein Türke ; doch verdeckten dunkelrote Moire - Vorhänge das Kind fast vollständig . Scharlachrote Draperien schlossen die Aussicht zur rechten Hand ; links befanden sich die großen , klaren Fensterscheiben , die einen Ausblick in den düstern Novembertag gestatteten . Das Mädchen hatte ein Buch in der Hand , und wenn es die Blätter desselben wendete , fiel sein Blick auf das Bild dieses winterlichen Nachmittags . In der Ferne war nichts als ein blasser , leerer Nebel , Wolken ; im Vordergrunde der feuchte , freie Platz vor dem Hause , vom Winde entlaubte Gesträuche , und ein unaufhörlicher vom Sturm wildgepeitschter Regen . Wer war jenes Kind , und weshalb saß es so einsam dort ? Nun , meine liebe Leserin ] , [ wo ] [ ] ich [ auf meinen gekreuzten Beinen saß und in einem großen Buche blätterte ] [ will deine Wißbegierde gleich befriedigen . Dieses einsame Mädchen war Jane Eyre , eine elternlose Nichte der Mrs . Reed ] , [ das ich mir ] [ und von dieser - wie sie sagte - ] aus [ ] [ Gnade und Barmherzigkeit angenommen . Nichtsdestoweniger suchte Mrs . Reed ihre Nichte stets so weit wie möglich von sich fern zu halten . Als nun Jane nach dem Mittagsmähle sich ebenfalls ] der [ Bibliothek ] [ Familie zugesellen und ] im Salon [ geholt ] [ verweilen wollte , sprach ihre Tante zu ihr : , Ich bin gezwungen , dich von uns fern zu halten , bis du angenehmere und freundlichere Manieren , sowie ein offenherzigeres Wesen zeigst ; auch hat Bessie sich wieder über dich beklagt . , Wessen klagt mich denn Bessie an ? fragte das Kind dagegen . , Ich liebe weder Spitzfindigkeiten noch Fragen , erwiderte die Tante darauf , , und finde es geradezu häßlich , wenn ein Kind ältere Leute in solcher Weise zur Rede stellt . Augenblicklich setzest du dich irgendwo hin und schweigst , bis du freundlicher und liebenswürdiger sprechen kannst . Daraufhin ] hatte [ . Es waren ] [ sich Jane in ] die [ „Vögel ] [ Fensternische des Frühstückszimmers zurückgezogen , und so finden wir sie dort mit Bewicks Geschichte von ] Englands [ ] [ befiederten Bewohnern beschäftigt . Sie blätterte ] von [ Bowick“ ] [ Bild zu Bild , sah auf den stillen , einsamen Friedhof , auf jenes Tor , die beiden Bäume , den niedrigen Horizont , der durch eine zerfallene Mauer begrenzt war , auf die schmale Mondessichel , deren Aufgang die Stunde der Abendflut bezeichnete ] . [ Ich betrachtete ] [ Die beiden Schiffe , welche auf regungsloser See von einer Windstille befallen werden , hielt sie für Meergespenster . Über den Unhold , welcher das Bündel des Diebes auf dessen Rücken festband , eilte sie flüchtig hinweg ; er war ein Gegenstand des Schreckens für sie . Und ein gleiches Entsetzen flößte ihr das schwarze , gehörnte Etwas ein , das hoch auf einem Felsen saß und in weiter Ferne eine Menschenmasse beobachtete , die einen Galgen umgab . Jedes Bild erzählte eine Geschichte : oft war diese für ihren unentwickelten Verstand geheimnisvoll , ihrem Empfinden unverständlich , stets aber flößte sie ihr das tiefste Interesse ein : dasselbe Interesse , ] mit [ bewunderungsvoller Aufmerksamkeit die schönen colorirten Kupferstiche ] [ welchem sie den Erzählungen Bessies ] , [ und ] [ des Kindermädchens , horchte , ] wenn [ meine Augen ] [ diese zuweilen an Winterabenden in guter Laune war . Dann nämlich pflegte Bessie ihren Plättisch an das Kaminfeuer der Kinderstube zu bringen , und während sie dann Mrs . Reeds Spitzen bügelte und kräuselte , ergötzte sie die Kinder mit Erzählungen ] von [ dem Buche aufblickten , suchten sie entweder die schweren grauen Wolken , die der Wind vor sich hertrieb , oder ] [ alten Märchen und noch älteren Balladen . Mit Bewick auf ] den [ traurigen Anblick eines noch laublosen ] [ Knien saß Jane so glücklich da ; sie fürchtete nichts als eine Unterbrechung , eine Störung - ] und [ vom Wasser triefenden Gartens ] [ diese kam nur zu bald ] . [ Plötzlich ] [ Die Tür zum Frühstückszimmer ] wurde [ die Thür des Speisesaales mit Geräusch ] [ ] geöffnet [ und eine wohlbekannte ] [ . , Bah , Frau Träumerin ! ' ' ertönte John Reeds ] Stimme [ schreckte mich auf . „Hierher , Schläferin ! “ rief mein liebenswürdiger Vetter , ] [ ; dann ] hielt [ aber ] [ er ] inne [ , als ] [ ; augenscheinlich war ] er [ Niemanden in dem scheinbar leeren ] [ erstaunt , das ] Zimmer [ erblickte ] [ leer zu finden ] . [ „Wo ] [ , Wo zum ] Teufel [ mag ] [ ist ] sie [ sich versteckt haben ] [ denn ] ? [ “ ] [ ] fuhr er fort [ . „Lizzy ] [ , , Lizzy ] ! [ George ] [ Georgy ] ! [ ( dies waren ] [ ' rief er seinen Schwestern zu , , Jane ist nicht hier . Sagt doch Mama , daß sie in den Regen hinaus gelaufen ist - das böse Tier ! ' , Wie gut , daß ich den Vorhang zusammengezogen habe , dachte Jane ; und dann wünschte sie inbrünstig , daß er ihren Versteck nicht entdecken möge ; John Reed selbst würde es auch niemals entdeckt haben , aber Eliza steckte den Kopf zur Tür hinein und sagte sofort : , Sie ist gewiß wieder in die Fenstervertiefung gekrochen , sieh nur nach , John . Jetzt trat Jane sofort heraus , denn sie zitterte bei dem Gedanken , daß John sie hervorzerren würde . , Da bin ich , was wünscht ihr ? sagte sie mit schlecht erheuchelter Gleichgültigkeit . , Ich will , daß du hierher kommst , lautete seine Antwort , und indem er in einem Lehnstuhl Platz nahm , gab er ihr durch eine Geste zu verstehen , daß sie näher kommen und vor ihn treten solle . John Reed war ein Schuljunge von vierzehn Jahren ; vier Jahre älter als Jane , denn diese war erst zehn Jahre alt ; der Knabe war groß und stark für sein Alter , mit einer ungesunden Hautfarbe , schwerfälligen Gliedmaßen und großen Händen und Füßen . Gewöhnlich pflegte er sich bei Tische so voll zu pfropfen , daß er schlecht gelaunt wurde ; das machte seine Augen trübe und seine Wangen schlaff . Eigentlich hätte er jetzt in der Schule sein müssen , aber seine Mama hatte ihn für ein bis zwei Monate nach Hause geholt , , seiner zarten Gesundheit wegen . Mr Miles , der Direktor der Schule , versicherte , daß es ihm außerordentlich gut gehen würde , wenn man ihm nur weniger Kuchen und Leckerbissen von Hause schicken wollte ; aber das Herz der Mutter empörte sich Überanstrengung beim Lernen und vielleicht auch von Heimweh herrühre . John hegte wenig Liebe für seine Mutter und ] seine Schwestern [ ) ] [ , und eine starke Antipathie gegen seine Cousine . Er quälte und strafte sie ; nicht zwei - oder dreimal in der Woche , nicht ein - oder zweimal am Tage , sondern fortwährend und unaufhörlich ; jeder Nerv in dem Kinde fürchtete ihn , und sie schauderte , wenn er in ihre Nähe kam . Es gab Augenblicke , wo der Schrecken , den er ihr einflößte , sie ganz besinnungslos machte , denn sie hatte niemanden , der sie gegen seine Drohungen und seine Tätlichkeiten verteidigte ; die Dienerschaft wagte es nicht , ihren jungen Herrn zu beleidigen , indem sie für ] Jane [ ] [ gegen ihn Partei ergriff , und Mrs . Reed war in diesem Punkte blind und taub : sie sah niemals , wenn er ihre Nichte schlug , sie hörte niemals , wenn er sie beschimpfte , obgleich er beides gar oft in ihrer Gegenwart tat : häufiger zwar noch hinter ihrem Rücken . Jane gehorchte John auch diesesmal und näherte sich seinem Stuhl : ungefähr zwei bis drei Minuten brachte er damit zu , ihr seine Zunge so weit entgegenzustrecken , wie er es nur bewerkstelligen konnte ; und obgleich Jane eine tödliche Angst vor dem gewöhnlich folgenden Schlage empfand , vermochte sie es doch nicht , ihren Abscheu über die häßliche Erscheinung des Burschen zu unterdrücken . Plötzlich schlug er heftig und brutal auf das Kind los . Jane taumelte ; dann gewann sie das Gleichgewicht wieder und trat einige Schritte von seinem Stuhl zurück . , Das ] ist [ also nicht hier . Mama glaubt , sie ist im Regen ausgegangen , ] [ für ] die [ nichtswürdige kleine Hexe . “ Dieser Eingang ermuthigte mich nicht ] [ Frechheit ] , [ zum Vorschein zu kommen und ich verhielt mich daher ganz still , indem ich glaubte , Master John , dessen physischer und moralischer Scharfblick auf gleicher Höhe standen , werde mich in meinem Versteck nicht auffinden . Aber Elisa kam auf seinen Ruf herbei und leitete ihn sehr bald auf meine Spur . Ich konnte nicht mehr zurückweichen , ich schob daher ] [ dich hinter ] den Vorhang [ zurück ] [ zu verkriechen ] , [ der mich verhüllte ] [ ] und [ ] [ für den Blick ] , [ das nervöse Zittern , das mich bereits ergriffen hatte , unter einem Schein kalter Ruhe verbergend , erschien ] [ den ] ich vor [ meinem jungen Tyrannen . „Was willst Du von mir ? “ fragte ich ihn in einem Tone , aus welchem schon Mißtrauen hervorblickte . „Was willst Du von mir , Master Reed ? “ wiederholte er , einen besonderen Nachdruck auf die beiden letzten Worte legend . „So mußt Du mit mir sprechen . Ich will , Du sollst hierher kommen . Indem er sich in einen großen Lehnstuhl warf , winkte er mir , . näher zu treten und vor ihm stehen zu bleiben . John war damals ein plumper Bursche von etwa vierzehn Jahren , von zugleich robusten und ungesundem Aussehen , mit bleicher , fahler Gesichtsfarbe , überhaupt allen äußeren Merkmalen der zügellosen Unmäßigkeit im Essen . Er aß in der That unglaublich viel , und seine Mutter , welche stets um die , wie sie sagte , äußerst zarte Körperconstitution dieses verzogenen Knaben besorgt war , konnte ihm gleichwohl die täglichen Ausschweifungen im Genusse von Speisen nicht verbieten , die seinen nichts weniger als zarten Organismus erschlafften . Gewöhnt , mich dem Willen dieses Menschen zu unterwerfen , dessen bloßer Anblick einen peinlichen Eindruck auf mich machte , näherte ich mich ihm , ohne ein Wort zu sagen . Er heftete seine ] [ zwei Minuten in deinen ] Augen [ auf die meinigen und als er sah ] [ gewahrte ] , [ daß sich diese nicht zu Boden senkten , schnitt er mir ein abscheuliches Gesicht , der gewöhnliche Vorbote seiner Mißhandlungen . Ich ahnte , daß er mich schlagen würde , aber ich weiß nicht , welche geheime Kraft mich unbeweglich bleiben ließ , indem ich mit kalter Geringschätzung dieses häßliche Gesicht betrachtete . Wahrscheinlich verstand er diese stumme Sprache , denn er zögerte nicht länger , mir einen so heftigen Faustschlag zu geben , daß ich einen oder zwei Schritte zurücktaumelte und Mühe hatte ] [ du Ratte ] , [ mich auf den Füßen zu erhalten . „Das ist für Dein ungebürliches Benehmen ] [ du ! An Johns Beschimpfungen gewöhnt , fiel es Jane niemals ein ] , [ nicht zu antworten , wenn ich Dich rufe , “ sagte er zu mir , „und für Dein schlangenartiges Verkriechen hinter unsere Vorhänge , so wie für den verbissenen Zorn , der seit zwei langen Minuten aus Deinen Augen spricht , boshafte Spinne . “ Ich entgegnete nie ] [ irgend ] etwas auf [ John Reeds Schimpfworte , denn ich war immer damit beschäftigt , mich auf den Schlag gefaßt ] [ dieselben ] zu [ machen , der ihnen folgen konnte ] [ erwidern ] . [ „Was machtest Du dort ] [ , Was hast du da hinter dem Vorhange gemacht ] ? fragte er weiter [ , indem er nach dem Fenster zeigte , an welchem ich eine so traurige und zugleich angenehme Stunde zugebracht hatte ] [ ] . [ „Ich las ] [ , Ich habe gelesen , erwiderte sie ] . [ “ „Zeige ] [ , Zeige ] mir das Buch [ ] [ , gebot John ] . [ “ Ich ] [ Das Mädchen ging an das Fenster zurück und ] holte es [ herbei ] [ von dort ] . [ „Ich will Dich ] [ , Du hast kein Recht , unsere Bücher zu nehmen ; du bist eine Untergebene , hat Mama gesagt ; du hast kein Geld ; dein Vater hat dir keins hinterlassen ; eigentlich solltest du betteln und hier nicht mit den Kindern eines Gentleman , wie wir es sind , zusammen leben , und dieselben Mahlzeiten essen wie wir , und Kleider tragen , die unsere Mama dir kaufen muß . Nun , ich werde dich ] lehren [ . “ fuhr er fort in ] [ , zwischen ] meinen [ Bibliotheken herumzustöbern und meine Bücher zu besudeln ] [ Büchern umherzustöbern ] , [ kleine Betteldirne ] [ denn sie gehören mir , und das ganze Haus gehört mir , oder wird mir wenigstens in einigen Jahren gehören ] . Geh [ dorthin , neben ] [ und stell dich an die Tür ; nicht vor ] den Spiegel [ ] [ oder die Fenster , ' ' rief John wütend ] . [ ] [ Jane tat , wie ihr geheißen wurde ] . [ . nicht ] [ Da gewahrte sie aber , daß er das Buch emporhob und mit demselben zielte ; instinktiv sprang sie zur Seite und stieß einen Schreckensschrei aus ; doch das Buch wurde geschleudert und traf das Kind , ] so [ nahe ans Fenster ] [ daß es mit dem Kopf gegen die Tür schlug und sich verletzte ] . [ Ich ] [ Die Wunde blutete , der Schmerz war heftig . , Du böser , grausamer Bube ! schrie Jane jetzt . , Du bist wie ein Mörder - - du bist wie ein Sklaventreiber - - du bist wie die römischen Kaiser ! ' ' Sie ] hatte [ ] [ nämlich Goldsmiths Geschichte Roms gelesen und so von ] den [ Zweck dieses Befehls anfangs nicht errathen ] [ Schandtaten Neros , Caligulas und anderer erfahren ] . [ Als ] [ , Was ! Was ! schrie er . , Hat sie das zu mir gesagt ? Habt ihr es gehört , Eliza und Georgina ? Das will ] ich [ mich aber an der bezeichneten Stelle befand , wurde mir Alles klar , denn ich sah ] [ der Mama erzählen ! - Aber erst noch - Er stürzte auf Jane zu . Sie fühlte ] , wie er [ ] [ ihr Haar und ihre Schulter faßte ; sie bemerkte , wie einzelne Blutstropfen von ihrem Kopfe auf ] den [ dicken Band ] [ Hals herabfielen ] , [ ] [ und empfand einen stechenden Schmerz , und für ] den [ ] [ Augenblick siegte wahnsinnige Wut über den Schmerz . Sie schlug und kratzte , während er fortwährend , ate ! Rate ! ' ' schrie und aus Leibeskräften brüllte . Eliza und Georgina holten Mrs . Reed . Diese erschien sofort und ihr folgten Bessie und ihre Kammerjungfer Abbot . Man trennte die Kämpfenden und dann ertönten die Worte : , Du liebe Zeit ! Welch eine Furie , so auf Mr . John loszustürzen ! ? , Hat man jemals ein so leidenschaftliches Geschöpf gesehen ! ? Mrs . Reed aber gebot : , Führt sie in das rote Zimmer und schließt sie dort ein . Vier Hände bemächtigten sich sofort des Mädchens und man trug sie nach oben . Zweites Kapitel . Das rote Zimmer . Auf dem ganzen Wege leistete Jane Widerstand ; dies war etwas neues und ein Umstand , der viel dazu beitrug , Bessie und Miß Abbot in der schlechten Meinung zu bestärken , welche diese ohnehin schon von ihr hegten ; aber das Kind war vollständig außer sich und trotzdem es wohl wußte , daß diese Empörung ihm außergewöhnliche Strafen zuziehen mußte , war es in seiner Verzweiflung fest entschlossen , bis ans äußerste zu gehen . , Halten Sie ihre Arme , Miß Abbot ; sie ist wie eine wilde Katze . , Schämen Sie sich ! Schämen Sie sich ! ' rief die Kammerjungfer . , Welch ein abscheuliches Betragen , Miß Eyre , einen jungen Gentleman zu schlagen ! Den Sohn Ihrer Wohltäterin ! Ihren jungen Herrn ! ' ' , Herr ! Wie ist er mein Herr ? Bin ] ich [ ihm ] [ denn eine Dienerin ? ? , Nein . Sie sind weniger als eine Dienerin , denn Sie tun nichts , Sie arbeiten nicht für Ihren Unterhalt . Da ! Setzen Sie sich und denken Sie über Ihre Schlechtigkeit und Bosheit nach ! Inzwischen hatten sie Jane in das von Mrs . Reed bezeichnete Gemach ] gebracht [ hatte , emporhob und in der Luft schwenkte . Mit einem Angstschrei sprang ich auf die Seite , aber es war zu spät . John hatte richtig gezielt . Das Buch traf mich an die Stirn und ich fiel gegen die Thür , deren Kante mir die Haut verletzte . Ich fühlte einen empfindlichen Schmerz und als ich die Hand , mit der ich mechanisch nach meiner Wunde gegriffen , wieder zurückzog , war sie mit Blut befleckt . Eine unwiderstehliche Entrüstung folgte dem Gefühle , das mich anfangs beherrscht hatte . Und da ich damals die römische Geschichte las , da ich John Reed oft im Stillen mit Nero , Caligula und andern , fast eben so verabscheungswürdigen Tyrannen verglichen hatte , so rief ich aus : „Du bist ein böser und grausamer Mensch . . . Tu gleichst einem Mörder . . . einem Sklavenhändler . . . den Kaisern von Rom ! “ Diese Beleidigung mußte John Reed überraschen . Sie erbitterteihn auf ' s Höchste und in rasender Wuth stürzte er auf mich zu . Ich fühlte , daß er mich zugleich bei den Schultern und bei den Haaren faßte . Einige warme Blutstropfen flossen über meinen Hals : mein glühender Kopf , meine iu diesem Augenblicke heftigeren Schmerzen , ganz besonders aber der Gedanke , daß ich ein wirkliches Ungeheuer , ähnlich den Kaisern Goldsmiths vor mir hatte , raubten mir alle Selbstbeherrschung . Ich leistete einen verzweifelten und siegreichen Widerstand , ohne zu wissen , welche Rolle meine Nägel und vielleicht auch meine Zähne dabei spielten . Bald sah sich Master John in die Nothwendigkeit versetzt , um Hülfe zu rufen . Sobald der Ton seiner Stimme in das Nebenzimmer drang , kamen die beiden vertrautesten Dienerinnen der Mistreß Reed herbei und als ihnen mit großer Mühe gelungen war , uns zu trennen , , vernahm ich die rauhe und kreischende Stimme meiner Tante , welche den Lärm übertönte . „Mutter , sieh nur , wie Jane mich zugerichtet hat“ - - - rief John ihr entgegen - - - sie hat mich geschlagen , gekratzt und gebissen , und - - was meinst Du , weshalb ? Weil ich ihr verbot , mir meine Bücher zu verderben . „Der Bube hat ohne Veranlassung mich arg gemißhandelt ! “ - - - wollte ich entgegnen , aber meine Stimme wurde von der meiner . Tante übertönt . „Wie , Du hast Dich unterstanden , Dich an meinen Sohn thätlich zu vergreifen ? Ist das der Respekt , den Du ihm schuldig bist ? Ist das der Dank für die Wohlthaten , die wir Dir gewähren ? “ Sie ließ mich nicht zu Worte kommen . „In die rothe Kammer ! “ rief sie , „schließt sie ein und lasst sie dort ! “ Ich hätte nie geglaubt , daß ich mich je gegen diese gefürchtete Stimme auflehnen könnte . Aber in diesem Augenblicke gab es auf der ganzen Welt keinen Herrn für mich , und nur mit Gewalt brachte man mich aus dem Zimmer , in welchem der eben erzählte Auftritt stattgefunden hatte . Selbst in der rothen Kammer , als ich ] [ und sie ] auf einen Stuhl [ gesetzt worden war , wollte ich ] [ geworfen ; doch wie eine Sprungfeder schnellte sie ] wieder [ aufspringen und den Kampf ] [ von demselben empor . Vier Hände hielten sie jedoch augenblicklich wieder wie ] mit [ meinem Vetter erneuern ] [ eisernen Klammern ] . [ Die beiden Dienerinnen wußten ] [ , Wenn Sie ] nicht [ mehr ] [ still sitzen ] , [ welchen Heiligen sie anrufen und wie sie die wüthende Katze bändigen sollten , die ihnen soviel zu schaffen machte . Endlich hatte die Eine von ihnen einen glücklichen Einfall ; es war Bessie , das einzige Wesen das mir in diesem fluchwürdigen Hause zuweilen Beweise von einer Art Freundschaft gegeben hatte . „Wenn Sie sich noch länger sträuben , Miß , “ sagte sie zu mir , „so müssen ] [ werden ] wir Sie [ binden . ] [ festbinden , ' sagte Bessie und bat ] Miß Abbot [ ] [ einen Strick zu holen . Schon wollte diese gehen ] , [ “ setzte sie hinzu ] [ als die Aufregung Janes sich ein wenig minderte . ] , [ „leihen ] [ Gehen ] Sie [ mir doch ihre Strumpfbänder ] [ nicht ] , [ denn die meinigen würde ] [ schrie sie , , ich werde ganz still sitzen , und ] sie [ bald zerreißen . “ Miß Abbot wendete ] [ hielt ] sich [ um und löste die mir bestimmten Fesseln von den kräftigen Pfeilern , auf denen ihr gewaltiger Körper ruhte . Ich sah einen neuen Schimpf voraus , woran der Gedanke mich empörte und mir eine gewisse gezwungene Ruhe gab . „Bemühen Sie sich nicht , Miß Abbot ! “ rief ich aus , „ich verspreche Ihnen , mich nicht von der Stelle zu rühren . “ Zur Bekräftigung meines Versprechens klammerte ich mich ] [ ] mit beiden Händen an [ dem Stuhle ] [ ihrem Sitz ] fest [ ] [ . Als sich Bessie überzeugt hatte ] , [ auf den ] [ daß sich Jane wirklich etwas beruhigte , ließ sie sie los ; dann stellten sie und Miß Abbot sich mit gekreuzten Armen vor Jane hin und blickten finster und zweifelnd in ihr Gesicht , als glaubten sie nicht an ihren gesunden Verstand . , Das hat sie bis jetzt noch niemals getan , ' sagte endlich Bessie zu Abigail Abbot gewendet . , Aber es hat schon lange in ihr gesteckt , lautete die Antwort . , Ich habe der gnädigen Frau schon oft meine Meinung über das Kind gesagt , und sie hat mir auch beigestimmt . Sie ist ein verstecktes , kleines Ding : ] ich [ wider meinen Willen gesetzt worden war ] [ habe noch nie ein Mädchen in ihrem Alter gesehen , das so schlau wäre ] . Bessie [ sah ] [ antwortete nicht ; nach einer Weile wandte sie sich zu Jane und sagte : , Fräulein , Sie sollten doch wissen ] , daß [ ich im Ernst sprach und es war daher ] [ Sie Mrs . Reed zu Dank verpflichtet sind , sie erhält Sie . Wenn sie Sie fortschickte , so müßten Sie ins Armenhaus gehen . Auf diese Worte erwiderte Jane nichts ; sie waren ihr ] nicht mehr [ die Rede ] [ neu ; so weit sie in ihrem Leben zurückdenken konnte , hatte sie Reden desselben Inhalts gehört . Nun fiel auch Miß Abbot ein : , Und Sie sollten auch nicht denken , daß Sie mit den Fräulein Reed und Mr . Reed auf gleicher Stufe stehen , weil Mrs . Reed Ihnen gütig erlaubt , mit ihren Kindern erzogen zu werden . Diese werden einmal ein großes Vermögen haben , und Sie sind arm . Sie müssen demütig und bescheiden sein und versuchen , sich den andern angenehm zu machen . , Was wir Ihnen sagen , ist zu Ihrem Besten , ' ' fügte Bessie hinzu , ohne in hartem Ton zu reden , , Sie sollten versuchen , sich nützlich und angenehm zu machen , dann würden Sie hier vielleicht eine Heimat finden ; wenn Sie aber heftig und roh und ungezogen werden , so wird Mrs . Reed Sie fortschicken , ] davon [ , mich zu binden . Die beiden Mädchen hielten es nun für angemessen , mir eine lange Predigt zu halten über mein thörichtes Benehmen und über die Nothwendigkeit , daß ] [ bin ] ich [ mich ] [ fest überzeugt . ] , [ da ] [ Außerdem , sagte Miß Abbot , , wird Gott Sie strafen . Er könnte Sie mitten in Ihrem Trotz tot zu Boden fallen lassen , und wohin kämen Sie dann ? Kommen Sie , Bessie , wir wollen sie allein lassen : um keinen Preis der Welt möchte ] ich [ arm und schutzlos war , dem Willen derjenigen unterwerfen müsse , die mir Brot gaben ] [ ihr Herz haben ] . [ In trotzigem Stillschweigen und ohne meine fast herrische Stellung zu verändern ] [ Sagen Sie Ihr Gebet ] , [ hörte ich Alles mit an ] [ Miß Eyre , wenn Sie allein sind ; denn wenn Sie nicht bereuen , könnte etwas Schreckliches durch den Kamin herunterkommen . und Sie holen ] . Sie gingen [ endlich ] [ ] und [ verschlossen ] [ schlossen ] die [ Thür . Die Augenblicke , welche auf ihre Entfernung folgten , habe ich nicht vergessen ] [ Türe hinter sich ab ] . Das [ rothe ] [ rote ] Zimmer war ein [ großes ] [ Fremdenzimmer ] , [ ] [ in dem nur ] selten [ bewohntes Ge mach , denn Besuche waren in ] [ jemand schlief ; man könnte beinahe sagen niemals oder nur dann , wenn zufällig sehr viel Besucher auf ] Gateshead - Hall [ eben nicht häufig . In der Mitte dieses öden und stillen Zimmers , das etwas Majestätisches hatte , wie das Tabernakel eines jüdischen Tempels , ] [ anwesend waren ; trotzdem war es eins der schönsten und prächtigsten Gemächer im Herrenhause . Im Mittelpunkt desselhen ] stand [ auf ] [ ein Bett von ] massiven [ , dunkelbraunen Mahagonyfüßen ein großes Bett , ] [ Mahagonipfeilern getragen und ] mit Vorhängen von [ rothem ] [ dunkelrotem ] Damast [ . Gardinen von dem nämlichen ] [ behängt ; die beiden großen Fenster , deren Rouleaux immer herabgelassen waren , wurden durch Gehänge und Faltendraperien vom selben ] Stoffe [ und der nämlichen Farbe hingen vor den zwei hohen Fenstern , deren Läden nie geschlossen wurden . Der Fußboden ] [ halb verhüllt ; der Teppich war rot ; der Tisch am Fußende des Bettes ] war mit [ ] [ einer hochroten Decke belegt ; die Wände waren mit ] einem [ rothen Teppich bedeckt ] [ Stoffe behängt , der auf lichtbraunem Grunde ein zartes rosa Muster trug ; die Garderobe , der Toilettetisch , die Stühle waren aus dunklem , poliertem Mahagoni angefertigt . Aus diesen düsteren Schatten erhoben sich hoch und glänzend die aufgehäuften Matratzen und Kopfkissen des Bettes , über die eine schneeweiße Decke gebreitet war . Ebenso unheimlich stak ein großer , gepolsterter , ebenfalls weißer Lehnstuhl hervor , der am Kopfende des Bettes stand und vor dem sich ein Fußschemel befand . Das Zimmer war dumpf , weil nur selten ein Feuer in demselben angezündet wurde ; es war still , weil es weit von der Kinderstube und den Küchen entfernt lag ; unheimlich , weil fast niemals jemand dasselbe betrat . Nur am Sonnabend kam das Hausmädchen hierher , um den Staub einer Woche von den Möbeln und den Spiegeln zu wischen ; und in langen Zwischenräumen kam auch Mrs . Reed hierher , um den Inhalt einer gewissen Schieblade zu revidieren , in welcher sich verschiedene Urkunden , ihre Juwelenschatulle und ein Miniaturbild ihres verstorbenen Gatten befand . In diesen letzten Worten liegt das Geheimnis des roten Zimmers . der Zauberbann ] , [ ] [ weshalb es trotz seiner Pracht so einsam und verlassen war . Mr . Reed war seit neun Jahren tot ; in diesem Gemache hatte er seinen letzten Atemzug getan ; hier lag er aufgebahrt ; von hier hatten die Leichenträger ihn hinausgetragen - - und seit jenem Tage hatte ein Gefühl trauriger Weihe jeden unberufenen Besucher von seiner Schwelle fern gehalten . Der Sitz , auf welchen Bessie und die bitterböse Miß Abbot die Kleine gebannt hatten , war eine niedrige Ottomane , welche nahe dem weißen Marmorkamin stand ; das Bett türmte sich davor auf ; zur Rechten Janes befand sich ein hoher dunkler Garderobenschrank ; zu ihrer Linken waren die verhängten Fenster ; ein großer Spiegel zwischen denselben wiederholte die totenstille Majestät des Bettes und des Zimmers . Jane war nicht ganz sicher , ob die Tür zugeschlossen war ; und als sie wieder Mut genug hatte , um sich zu bewegen , stand sie auf und sah nach . Ach ja ! Keine Kerkertür war jemals sicherer verschlossen ! Als sie wieder an die Ottomane zurückging , mußte sie an dem Spiegel vorüber , und ihr gebannter Blick bohrte sich unwillkürlich in die Tiefe desselben ein . In ihm sah alles noch hohler und düsterer aus als in Wirklichkeit , und Janes seltsame , kleine Gestalt , die ihr aus dem Spiegel entgegenblickte , mit weißem Gesicht und Armen , die grell aus der Dunkelheit hervorleuchteten , mit Augen , die vor Furcht hin - und herrollten , während sonst alles bewegungslos war diese kleine Gestalt . sah aus , wie ein wirkliches Gespenst , halb Elfe , halb Kobold , wie sie in Bessies Dämmerstundengeschichten auftraten . Erschreckt kehrte Jane auf ihren Sitz zurück . Aber noch wurde die Furcht des Aberglaubens von der Empörung zurückgehalten . Aus dem bewegten und aufgeregten Gemüt des Kindes stiegen alle ihre Leiden an die Oberfläche . John Reeds wilde Tyrannei , die hochmütige Gleichgültigkeit seiner Schwestern , die Abneigung seiner Mutter , die Parteilichkeit der Dienstboten ! Weshalb mußte sie stets leiden , stets mit verächtlichen Blicken angesehen werden , immer beschuldigt , immer verurteilt werden ? Weshalb konnte sie niemals etwas recht machen ? Weshalb war es immer nutzlos , wenn sie versuchte , irgendeines Menschen Gunst zu erringen ? Man hatte Achtung vor Eliza , die doch so eigensinnig und selbstsüchtig war . Jedermann hatte Nachsicht mit Georgina , die stets übelgelaunt und trotzig war . Ihre Schönheit , ihre rosigen Wangen und goldigen Locken schienen jeden zu entzücken , der sie anblickte und ihr Vergebung für all ihre Mängel und Fehler zu erkaufen . John wurde niemals bestraft , niemand widersprach ihm jemals , obgleich er den Tauben die Hälse umdrehte , die jungen Hühner umbrachte , die Hunde auf die Schafe hetzte , den Weinstock im Treibhause seiner Trauben beraubte und von den seltensten Pflanzen die Knospen abriß ; er nannte seine Mutter sogar , liebe Alte ' ' ; nahm durchaus keine Rücksicht auf ihre Wünsche ; zerriß und beschmutzte ihre seidenen Kleider nicht selten , - und doch war er , ihr einziger Liebling ' . Sie wagte niemals , einen Fehler zu begehen , bemühte sich stets , ihre Pflicht zu tun , und trotzdem nannte man sie unartig und unerträglich , mürrisch und hinterlistig . Ihr Kopf schmerzte noch und blutete nach dem erhaltenen Schlage und dem Falle , welchen sie getan ; niemand hatte John einen Verweis erteilt , weil er sie grundlos geschlagen ; aber weil sie sich gegen ihn aufgelehnt hatte , um seiner weiteren , unvernünftigen Heftigkeit zu entgehen , hatten sie alle mit den lautesten Schmähungen überhäuft . , Ungerecht ! - ungerecht ! ' ' sagte das arme Mädchen zu sich selbst , und ihr Geist sann auf allerhand Mittel , um eine Flucht aus diesem schier unerträglich gewordenen Drucke zu bewerkstelligen - - sie dachte daran , auf und davon zu laufen , oder wenn dies nicht möglich , wenigstens niemals wieder Speise und Trank zu sich zu nehmen und auf diese Weise zu Tode zu hungern . , Ach , ' fragte sich die arme , verzweifelte Jane , , warum muß ich soviel leiden ? Währenddessen begann das Tageslicht aus dem roten Zimmer zu schwinden ; es war nach vier Uhr , und auf den bewölkten Nachmittag folgte die trübe Dämmerung . Jane hörte , wie der Regen noch unaufhörlich gegen das Fenster der Treppe schlug , wie der Wind in den Laubgängen hinter dem Herrenhause heulte ; nach und nach wurde ihr so kalt wie Marmor , und dann begann ihr Mut zu sinken . Hilflose Traurigkeit bemächtigte sich ihrer und ihr Herz wurde voller Zweifel . Alle sagten ja , daß sie boshaft sei - vielleicht war es der Fall , denn hatte sie nicht soeben den Gedanken gehegt , sich zu Tode zu hungern ? Das war doch gewiß ein Verbrechen : denn war sie bereit zu sterben ? oder war das Grabgewölbe unter der Kanzel in der Kirche von Gateshead ein so einladendes Ende ? In diesem Gewölbe lag Mr . Reed begraben , wie man ihr gesagt hatte , und dieser Gedanke führte Jane dazu , sein Andenken herauf zu beschwören und mit wachsendem Grauen bei demselben zu verweilen . Sie konnte sich seiner nicht erinnern , aber sie wußte , daß er ihr Onkel gewesen , der einzige Bruder ihrer Mutter - daß er sie in sein Haus aufgenommen , als sie ein armes , elternloses Kind gewesen ; und daß er noch in seinen letzten Augenblicken Mrs . Reed das Vorsprechen abgenommen hatte , sie wie ihr eigenes Kind zu erziehen und zu versorgen . So zweifelte Jane jetzt nicht , daß Mr . Reed , wenn er am Leben geblieben , sie mit Güte behandelt haben würde ; und als sie so dasaß und auf die dunklen Wände und das weiße Bett blickte , zuweilen auch wie gebannt ein Auge auf den trübe blinkenden Spiegel warf da begann sie sich an das zu erinnern , was sie von Toten gehört hatte , die im Grabe keine Ruhe finden konnten , weil man ihre letzten Wünsche unerfüllt gelassen , und jetzt auf die Erde zurückkehrten , um die Meineidigen zu strafen und die Bedrückten zu rächen ; sie dachte , wie Mr . Reeds Geist , gequält durch das Unrecht , welches man dem Kinde seiner Schwester zufügte , seine Ruhestätte verließ - und in diesem Zimmer vor ihr erscheinen könne . Sie trocknete ihre Tränen und unterdrückte ihr Schluchzen ; denn sie fürchtete , daß diese lauten Äußerungen ihres Grams eine übernatürliche Stimme zu ihrem Troste erwecken oder aus dem sie umgebenden Dunkel ein Antlitz mit einem Heiligenschein hervorleuchten lassen könne , das sich mit wundersamem Mitleid über sie beugen werde . Das würde entsetzlich sein , und Jane bemühte sich deshalb , solche Gedanken zu unterdrücken . Sie strich das Haar von Stirn und Augen , erhob den Kopf und versuchte , in dem dunklen Zimmer umher zu blicken : in diesem Augenblick erglänzte der Widerschein eines Lichtes an der Wand ! - - War es vielleicht der Mondesstrahl , der durch eine Öffnung in dem Vorhang drang . fragte sich Jane ? Nein , das konnte nicht sein ; die Mondesstrahlen waren ruhig und dies Licht bewegte sich ; während sie noch hinblickte , glitt es zur Decke hinauf und erzitterte über ihrem Kopfe . Wahrscheinlich waren diese Lichtstreifen der Schimmer einer Laterne , welche jemand ] über den [ ] [ freien platz ] vor dem [ Bett stehenden Tisch ] [ Hause trug ; aber das erschreckte und aufgeregte Gemüt des Kindes hielt den sich schnell bewegenden Strahl für eine Erscheinung aus einer anderen Welt . Ihr Herz pochte laut , ihr Kopf wurde heiß ; in den Ohren spürte sie ein Brausen , das sie für das Rauschen der Flügel hielt ; ein Etwas schien sich ihr zu nähern ; sie fühlte sich bedrückt , erstickt , ihr Widerstandsvermögen gab nach ; sie stürzte auf die Tür zu und rüttelte mit verzweifelter Anstrengung am Schlosse . Eilende Schritte kamen : durch den äußeren Korridor daher ; der Schlüssel wurde im Schlosse umgedreht , Bessie und Miß Abbot traten ein . , Miß Eyre , sind Sie krank ? fragte Bessie . , Welch ein fürchterlicher Lärm ! Ich bin ganz außer mir ! ' ' rief Abbot aus . , Nehmt mich mit hinaus ! Laßt mich in die Kinderstube gehen ! ' schrie Jane ununterbrochen . , Weshalb denn ? Ist Ihnen irgend etwas geschehen ? Haben Sie etwas gesehen ? ' fragte Bessie wiederum . , O , ich sah ein Licht und ich meinte , daß ein Geist kommen würde , ' ' erwiderte Jane und hatte sich jetzt Bessies Hand bemächtigt . , Sie hat mit Absicht so geschrien , erklärte Abbot mit Abscheu . , Und welch ein Geschrei ! Wenn sie große Schmerzen gehabt hätte , so könnte man es noch entschuldigen , aber sie wollte weiter nichts , als uns alle herbeilocken . Ich kenne ihre bösen Streiche schon . ' ' , Was gibt es denn hier ? ? fragte eine andere Stimme gebieterisch ; und Mrs . Reed kam mit flatternden Haubenbändern und wehendem Kleide durch den Korridor daher . , Abbot und Bessie , ich glaube , daß ich Befehl gegeben habe , Jane Eyre in dem roten Zimmer zu lassen , bis ich selbst sie holen würde ? ? , Miß Jane schrie so laut , Madame , ' ! wandte Bessie zögernd ein . , Laßt sie los , ] war [ ein ähnliches Tuch gebreitet und die Wände ] [ die einzige Antwort . , Laß Bessies Hand los , Kind : verlaß dich darauf , auf diese Weise wirst du nicht hinaus gelangen . Ich verabscheue solche List , besonders bei Kindern ; es ist meine Pflicht , dir zu beweisen , daß du ] mit [ einem lichten Stoffe bekleidet ] [ derartigen Ränken und Schlichen nicht weit kommst . Jetzt wirst du noch eine ganze Stunde hierbleiben ] , [ ] [ und auch dann gebe ich dich nur frei , wenn du mir das Versprechen gibst , vollkommen ruhig und unterwürfig zu sein . , O , Tante , hab Erbarmen ! Vergib mir doch ! Ich kann , ich kann es nicht ertragen . Bestrafe mich doch auf andere Weise ! Ich komme um , wenn - - , schrie Jane . , Sei still ! Diese Heftigkeit ist ganz widerlich und empörend ! entgegnete die Tante . Schnell warf sie Jane in das Zimmer zurück und schloß sie ohne weitere Erklärungen und Worte wieder ein . Jane hörte noch , wie sie davon rauschte , und bald darauf verfiel die Ärmste in Krämpfe und Bewußtlosigkeit . Drittes Kapitel . Der gute Mr . Lloyd . Als Jane wieder erwachte , war es mit dem Gefühl eines schrecklichen Alpdrückens , vor sich sah sie eine unheimliche rote Glut , von der sich dicke , schwarze Stangen abhoben . Sie hörte Stimmen , die hohl an ihr Ohr klangen , als würden sie durch das Rauschen des Wassers oder Toben des Windes übertönt . Aufregung , Ungewißheit und Entsetzen hielten alle ihre Sinne gefangen . Nach einigen Augenblicken gewahrte sie , daß jemand sie berührte , aufhob und in eine sitzende Stellung brachte , und zwar viel zärtlicher und sorgsamer , als sie bis jetzt irgend jemand gestützt oder emporgehoben hatte . Sie lehnte ihren Kopf gegen einen Arm oder ein Polster und fühlte sich unendlich wohl . Noch fünf Minuten und die Wolken der Bewußtlosigkeit begannen zu schwinden . jetzt wußte sie sehr wohl , daß sie in ihrem eigenen Bette lag , und daß die rote Glut nichts anderes war , als das Feuer im Kamin der Kinderstube . Es war Nacht , eine Kerze brannte ] auf dem [ ] [ Tische ; Bessie stand am Fußende ihres Bettes und hielt eine Waschschüssel in der Hand , ein Herr saß auf einem Lehnstuhle neben ihr und beugte ] sich [ einzelne rothe Streifen befanden . Der Kleiderschrank ] [ über sie . Jane empfand ein wohltuendes Gefühl des Beschütztseins , als sie sah , daß sich ein Fremder im Zimmer befand ] , [ ] [ ein Mensch , ] der [ Toilettenschrank und die Stühle ] [ nicht zum Haushalt ] von [ altem ] [ Gateshead ] , [ dunklen Mahagony glänzten in der Dunkelheit , ] [ nicht zu den Verwandten ] von [ der besonders ] [ Mrs . Reed gehörte . Sich von Bessie abwendend , prüfte sie die Gesichtszüge des Herrn ; sie kannte ihn , es war Mr . Lloyd , ein Apotheker , den Mrs . Reed zuweilen rufen ließ , wenn ihre Dienstboten krank waren . Für sich selbst und ihre Kinder nahm sie immer nur die Hilfe des Arztes in Anspruch . , Nun , wer bin ich ? fragte er . Jane sprach seinen Namen aus und streckte ihm zu gleicher Zeit die Hand entgegen ; er nahm sie , lächelte und sagte : , Ah , wir werden uns jetzt langsam erholen . Dann legte er sie nieder , wandte sich zu Bessie , empfahl ihr , sehr vorsichtig zu sein undJane während der Nacht nicht zu stören . Nachdem er ] noch [ zwei Gegenstände grell abstachen ] [ weitere Weisungen erteilt und gesagt hatte , daß er am folgenden Tage wiederkommen würde , ging er fort zu Janes größter Betrübnis , denn als die Tür sich hinter ihm schloß , verzagte ihr Herz von neuem . , Glauben Sie , daß Sie schlafen können , Miß ? fragte Bessie sie ungewöhnlich sanft . , Ich will es versuchen , ' ' sagte Jane leise . , Möchten Sie nicht irgend etwas essen oder trinken ? , Nein , ich danke , Bessie . , Nun , dann werde ich auch schlafen gehen , denn es ist schon nach Mitternacht ; aber Sie können mich rufen , wenn Sie während , der Nacht irgend etwas brauchen . Durch Bessies Sanftmut beruhigt , wagte das Kind jetzt eine Frage zu stellen . , Bessie , was ist denn mit mir geschehen ? Bin ich sehr krank ? , Ich vermute , daß Sie vor Schreien im roten Zimmer krank geworden sind ; aber Sie werden ohne Zweifel bald wieder ganz gesund sein . Bessie ging in das anstoßende Zimmer der Hausmädchen . Jane hörte , wie sie dort sagte ] : [ die Matratzen ] [ , Sarah , komm ] und [ Kissen des Bettes ] [ schlaf bei mir in der Kinderstube , und wenn es mein Leben gälte , so könnte ich diese Nacht nicht ] mit [ blendendweißen Ueberzügen ] [ dem armen Kinde allein bleiben ; es könnte sterben ! Wie sonderbar ] , [ ] [ daß - Miß Jane einen solchen Anfall haben mußte ! Ich möchte doch wissen , ob sie irgend etwas gesehen hat . Mrs . Reed war dieses Mal aber auch zu hart gegen sie . Sarah kam mit ihr zurück ; beide gingen zu Bett ; sie flüsterten wenigstens noch eine halbe Stunde miteinander , ] und [ ] [ Jane hörte noch einige Bruchstücke ihrer Unterhaltung , deren Hauptgegenstand sie selbst war . , Etwas ist an ihr vorübergeschwebt , ganz in Weiß gekleidet , ] dann [ ein Krankenlehnstuhl , mit einem gleichen Ueberzuge und einem Auftritte , der mir in diesem feierlichen Augenblicke wie ein „bleicher Thron“ erschien . Es war empfindlich kalt in diesem Zimmer , wo nie ein Feuer angezündet wurde . Da ] [ ist ] es [ von die Kinderstube und der Küche ziemlich weit entfernt lag , so herrschte fortwährend eine tiefe Stille darin . Endlich war in diesem gespensterhaften Bett mein Oheim vor einigen Jahren verschieden , eine Erinnerung , welche das Schauerliche des mysteriösen Ganzen noch erhöhte ] [ verschwunden ] . [ Bald fühlte ich mich beängstigt in diesem öden Raume ] [ ' - - ] , [ der mir ein Grabgewölbe erschien ; ich stand daher von meinem Sitze auf ging nach der Thür , die , wie ich wähnte , vielleicht offen geblieben konnte . ] [ ] Ein [ kalter Schauder ergriff mich , als ich sah , daß sie wirklich fest verschlossen war . Um auf meinen Platz zurückzukehren , mußte ich bei einem großen Spiegel vorüber ] [ großer ] , [ in welchem ich schon die geisterhafte Form des weißen Todtenbettes erblickt ] [ schwarzer Hund hinter ihm . , Dreimal ] hatte [ . Mein Blick versenkte sich unwillkürlich in die trügerischen Tiefen , die er mir darbot , und ich sah nun darin ein wunderliches kleines Geschöpf , das mir die schottischen Feen ins Gedächtniß rief , deren boshafte Streiche mir Bessie erzählte , wenn man uns in der Wäschkammer allein ließ und ich auf ihre Bügeleisen Acht gab . – In diesem kleinen mageren und blassem Geschöpf , dessen scheue Augen blitzten , dessen schwache weiße Arme sich ] [ es laut an der Zimmertür geklopft . - - , Ein Licht ] auf dem [ dunklen Hintergrunde abzeichneten und das eine Art stummes Gebet flüsterte , erkannte ich erst nach einiger Zeit . . . die unglückliche Nichte der Mistreß Reed . Es wurde mir fast noch ängstlicher zu Muthe , als ich mich mit dieser seltsamen Transfiguration meiner eigenen Person allein sah . Ich sage Ihnen nichts von den tausend sonderbaren Bildern , die an meiner überreizten Phantasie vorüberzogen und welche die heftige Aufregung meines Kopfes und die so lange unterdrückte Empörung meines Herzens in mir hervorriefen . Ich weiß nur , daß eine klare Idee von meiner Lage , von der Ungerechtigkeit , unter der ich seufzte , von der Abneigung , deren unschuldiges Opfer ich war , von meiner kränklichen Häßlicheit , die meinen Verwandten ein Gräuel war , und von meiner angeborenen Menschenscheu , welche noch dadurch vermehrt wurde , daß man mir keine Liebe und keine Aufmunterung zu Theil werden ließ , sich zum ersten Male in meinem Geiste festsetzte . Auch weiß ich noch , daß die äußere Dunkelheit nach und nach die spärlichen Lichtstrahlen verlöschte , die in das rothe Zimmer drangen , daß der Himmel noch fortwährend seine Schmerzensthränen vergoß , daß der Wind traurig in den Bäumen des Parkes seufzte , daß mich allmälig eine entsetzliche Angst und eine gänzliche Muthlosigkeit ergriffen , und daß einer meiner letzten Gedanken , ehe ich völlig das Bewußtsein verlor , der feste Vorsatz war , auf diesem nämlichen Bette , wo Herr Reed entschlafen war , Hungers zu sterben . Dann war es mir . als bewegte sich eine menschliche Gestalt unter der Decke des Geisterbettes . . . dies war der Gnadenstoß für mich . ] [ Friedhofe gerade über seinem Grabe ' ] - - [ - - Es scheint ] [ usw . ] , [ daß ich ganz ohne Besinnung gefunden wurde und daß ich erst nach langer Zeit aus dieser Betäubung erwachte , in welche mich ] [ usw . Endlich schliefen beide ein . Feuer und Licht erloschen . In schaurigem Wachen ging ] die [ ] [ Nacht für Jane langsam hin ; Entsetzen und ] Angst [ versetzt hatte ] [ hielten alle ihre Sinne wach ] . [ Man mußte den Arzt rufen , ihm die meiner Ohnmacht voraufgegangenen Scenen erzählen ] [ Diesem Zwischenfall im roten Zimmer folgte keine lange , ernste , körperliche Krankheit ] und [ ] [ am nächsten Tage gegen Mittag war sie bereits aufgestanden und saß in einen warmen Schal gehüllt vor dem Kaminfeuer . Sie fühlte ] sich [ wegen der gegen mich angewendeten Strenge rechtfertigen . Dies Alles war keineswegs geeignet ] [ wohl körperlich schwach und gebrochen ] , [ mir das Herz meiner Tante Reed zu gewinnen . Wir geriethen noch mehrere Male in Streit miteinander und bei jeder solchen Gelegenheit steigerte sich mit meiner Widersetzlichkeit gegen ihren Willen der Haß ] [ aber ein unaussprechlicher Jammer erfüllte ihre Seele ] , [ den ich ] [ ein Jammer , der ] ihr [ einflößte ] [ fortwährend stille Tränen entlockte ] .