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[ ] [ 1 . Kapitel . Im Hause der Tante zu Gateshead - Hall . Der kalte Winterwind hatte so düstere Wolken und einen so durchdringenden Regen mit sich gebracht , daß es unmöglich war , an diesem Tage einen Spaziergang zu machen . Das war mir lieb : lange Spaziergänge , besonders an frostigen Tagen , waren mir stets unlieb ; widerwärtig war es mir , in der rauhen Dämmerung nach Hause zu kommen , mit halberfrorenen Händen und Füßen , mit einem Herzen , das durch das Schelten der Kinderwärterin Bessie tieftraurig war , gedemütigt durch das Bewußtsein , unter Eliza , John und Georgina Reed physisch so tief zu stehen . Eliza , John und Georgina hatten sich im Wohnzimmer um ihre Mama geschart : diese lag auf einem Sofa in der Nähe des Kamins und umgeben von ihren Lieblingen , die zufälligerweise in diesem Augenblick weder weinten noch sich zankten , sah sie vollkommen glücklich aus . ] Ich [ befand mich ] [ durfte mich nicht daran beteiligen , indem sie sagte , daß sie mir erst verzeihen würde , wenn sie es selbst sähe und durch Bessies Worte zu der Überzeugung gelangt sein würde , daß ich mich ernstlich bestrebte , mir ein kindlicheres , offenherzigeres , natürlicheres Benehmen anzueignen , wie es zufriedenen Kindern gezieme . , Was sagt denn Bessie , was ich getan habe ? fragte ich . , Jane , ich liebe weder Spitzfindigkeiten noch Fragen ; es ist mir widerlich , wenn ein Kind sich gegen ältere Leute in dieser Weise benimmt . Setze dich irgendwo hin und schweig , bis du freundlicher reden kannst . Ein kleines Frühstückszimmer stieß ] an [ ] [ das Wohnzimmer ; ich schlüpfte hinein . Hier stand ein Bücherschrank . Bald hatte ich mich eines großen Bandes bemächtigt , nachdem ich mich zuerst vorsichtig vergewissert hatte , daß Bilder darin waren . Ich stieg auf die Fensterbank , zog die Füße nach und kreuzte die Beine wie ein Türke ; dann zog ich die dunkelroten MoireeVorhänge fest zusammen und saß so in einer doppelten Verborgenheit . In Zwischenräumen , wenn ich die Blätter meines Buches wendete , betrachtete ich durch das Fenster das Bild dieses winterlichen Nachmittags . In der Ferne war nichts als blasser Nebel ; in der Nähe der feuchte platz vor dem Hause und ein unaufhörlicher vom heulenden Sturm getriebener Regen . Ich kehrte zu meinem Buche zurück - - , Bewicks Geschichte der britischen Vögel ' ' ; im allgemeinen kümmerte ich mich wenig um den gedruckten Text des Werkes , und doch waren da einige einleitende Seiten , welche ich , obgleich ich noch ein Kind war , nicht gänzlich übergehen konnte . Es waren jene , die von den Schlupfwinkeln der Seevögel handelten , von den einsamen Felsen und Klippen , welche nur sie bewohnen , von der Küste Norwegens , von ihrer äußersten Spitze , bem Lindesnäs , bis zum Nordkap mit seinen Inseln . Wo der nördliche Ozean , in wildem Wirbel Um die nackten , einsamen Inseln tobt , Dieses fernste Eiland ; und das Atlantische Meer Sich stürmisch zwischen die Hebriden wälzt . Auch konnte ich nicht unbeachtet lassen : die Beschreibung von den düsteren Küsten Lapplands , Sibiriens , Spitzbergens , Novazemblas , Islands , Grönlands , mit der arktischen Zone und den einsamen Regionen von Eis und Schnee , welche den Nordpol umgeben . Von diesen schauerlich kalten Regionen machte ich mir meine eigene Vorstellung : schattenhaft , wie alle unverstandenen Gedanken , die durch eines Kindes Hirn gehen , aber einen seltsam tiefen Eindruck hinterlassend . Die Worte dieser einleitenden Seiten verbanden sich mit den darauffolgenden Bildern : jenem Felsen , der aus ] einem [ regnerischen Nachmittage in einer tiefen Fensternische verborgen ] [ Meer von Wellen und Wogenschaum emporragte ; dem zertrümmerten Boote , das an öder Küste gestrandet ; dem kalten , geisterhaften Monde , der durch düstere Wolkenschichten auf ein sinkendes Wrack herabblickt . Jedes Bild erzählte eine Geschichte : oft war diese für meinen unentwickelten Verstand geheimnisvoll ] , [ wo ich ] [ stets aber interessant , so interessant wie die Erzählungen Bessies , wenn sie zuweilen an Winterabenden in guter Laune war ; dann pflegte sie ihren Plätttisch an dem Kaminfeuer der Kinderstube aufzustellen und erlaubte uns , unsere Stühle um denselben zu setzen , und während sie dann Mrs . Reeds Spitzenvolants bügelte und die Spitzen ihrer Nachthauben kräuselte , erzählte sie uns Abenteuer und uralte Märchen . Mit Bewick ] auf meinen [ gekreuzten Beinen saß und in einem großen Buche blätterte ] [ Knien war ich glücklich : glücklich wenigstens auf meine Art . Ich fürchtete nichts als eine Störung - und diese kam nur zu bald . Die Tür zum Frühstückszimmer öffnete sich . , Heda , Träumerin ! ' rief John Reed ; dann hielt er inne ; offenbar war er erstaunt ] , das [ ich mir aus der Bibliothek im Salon geholt hatte . Es waren die „Vögel Englands von Bowick“ . Ich betrachtete mit bewunderungsvoller Aufmerksamkeit die schönen colorirten Kupferstiche , und wenn meine Augen von dem Buche aufblickten , suchten sie entweder die schweren grauen Wolken , die der Wind vor sich hertrieb , oder den traurigen Anblick eines noch laublosen und vom Wasser triefenden Gartens . Plötzlich wurde die Thür des Speisesaales mit Geräusch geöffnet und eine wohlbekannte Stimme schreckte mich auf . „Hierher , Schläferin ! “ rief mein liebenswürdiger Vetter , hielt aber inne , als er Niemanden in dem scheinbar leeren ] [ ] Zimmer [ erblickte ] [ leer zu finden ] . [ „Wo ] [ , Wo zum ] Teufel [ mag ] [ ist ] sie [ sich versteckt haben ] [ denn ] ? [ “ ] [ ] fuhr er fort [ . „Lizzy ] [ , Lizzy ] ! [ George ] [ Georgy ] ! [ ( dies waren ] [ ' rief er seinen Schwestern zu . , Jane ist nicht hier . Sagt doch Mama , daß sie in den Regen hinausgelaufen ist - - das böse Tier ! ' ' , Wie gut , daß ich den Vorhang zusammengezogen habe , dachte ich ; und dann wünschte ich inbrünstig , daß er mein Versteck nicht entdecken möge ; er würde es auch niemals entdeckt haben ; er war langsam , sowohl von Begriffen wie in seinem Beobachtungsvermögen ; aber Eliza steckte den Kopf zur Tür hinein und sagte sofort : , Sie ist sicherlich im Fenstersitz . Ich trat sofort heraus , denn ich zitterte bei den Gedanken , daß der erwähnte Jack mich hervorziehen würde . , Da bin ich , was wünschst du ? fragte ich mit Mißtrauen . , Es heißt : Was wünschen Sie , Mr . Reed , lautete seine Antwort . John Reed war ein Schuljunge von vierzehn Jahren ; vier Jahre älter als ich , denn ich war erst zehn Jahre alt ; groß und stark für sein Alter , mit einer ungesunden Gesichtsfarbe ; große Züge in einem breiten Gesicht , plumpe Gliedmaßen und große Hände und Füße . Gewöhnlich pflegte er sich bei Tische so vollzuessen , daß er gallig wurde ; dadurch wurden seine Augen trübe und seine Wangen schlaff . Er hätte jetzt in der Schule sein müssen , aber seine Mama hatte ihn für ein bis zwei Monate nach Hause genommen , , seiner zarten Gesundheit wegen ' ' . Mr . Miles , sein Lehrer , versicherte , daß es ihm außerordentlich gut gehen würde , wenn man ihm nur weniger Kuchen und Konfekt von Hause schicken wollte ; aber das Herz der Mutter empörte sich bei einer so lieblosen Meinung und neigte mehr zu der Ansicht hin , daß Johns blasse Farbe von allzu großem Fleiße und vielleicht auch von Heimweh herrühre . John hatte wenig Liebe für seine Mutter und ] seine Schwestern [ ) Jane ] [ und eine starke Abneigung gegen mich . Er quälte und schlug mic ; nicht etwa dann und wann , sondern fortwährend und unaufhörlich ; jeder Nerv in mir fürchtete ihn , wenn er in meine Nähe kam . Es gab Augenblicke , wo der Schrecken , den er mir einflößte , mic ganz verwirrt machte ; denn ich fand niemand , der mich gegen seine Drohungen und Tätlichkeiten verteidigte ; die Dienerschaft mochte ihren jungen Herrn nicht beleidigen , indem sie für mich gegen ihn Partei ergriff , und Mrs . Reed war blind und taub . Sie sah niemals , wenn er mich schlug , sie hörte niemals , wenn er mich beschimpfte , obgleich er beides gar oft in ihrer Gegenwart tat ; häufiger noch peinigte er mich hinter ihrem Rücken . Aus Gewohnheit gehorchte ich John auch dieses Mal und näherte mich seinem Stuhl : ungefähr drei Minuten streckte er mir seine Zunge so weit entgegen , wie er es ermöglichen konnte ; ich wußte , daß er mich jetzt gleich schlagen würde , und obgleich ich den Schlag fürchtete , vermochte ich doch über das häßliche Gesicht des Burschen meine Betrachtungen anzustellen . Ich weiß nicht , ob er diese Gedanken auf meinem Gesichte las , denn plötzlich , ohne ein Wort zu sagen , schlug er heftig auf mich los . Ich taumelte ; dann gewann ich das Gleichgewicht wieder und trat einige Schritte von seinem Stuhl zurück . , Das ] ist [ also nicht hier . ] [ für die Frechheit , mit der du vor einer Weile ] Mama [ glaubt , sie ist im Regen ausgegangen , die nichtswürdige kleine Hexe . “ Dieser Eingang ermuthigte mich nicht , zum Vorschein zu kommen und ich verhielt mich daher ganz still , indem ich glaubte , Master John , dessen physischer und moralischer Scharfblick auf gleicher Höhe standen , werde mich in meinem Versteck nicht auffinden . Aber Elisa kam auf seinen Ruf herbei und leitete ihn sehr bald auf meine Spur . Ich konnte nicht mehr zurückweichen ] [ eine Antwort gegeben hast ] , [ ich schob daher ] [ ' ! sagte er , , und dafür , daß du dich hinter ] den Vorhang [ zurück , der mich verhüllte und , das nervöse Zittern , das mich bereits ergriffen hatte , unter einem Schein kalter Ruhe verbergend , erschien ich vor meinem jungen Tyrannen . „Was willst Du von mir ? “ fragte ich ihn in einem Tone , aus welchem schon Mißtrauen hervorblickte . „Was willst Du von mir , Master Reed ? “ wiederholte er , einen besonderen Nachdruck auf die beiden letzten Worte legend . „So mußt Du mit mir sprechen . Ich will , Du sollst hierher kommen . Indem er sich in einen großen Lehnstuhl warf , winkte er mir , . näher zu treten und vor ihm stehen zu bleiben . John war damals ein plumper Bursche von etwa vierzehn Jahren , von zugleich robusten und ungesundem Aussehen , mit bleicher , fahler Gesichtsfarbe , überhaupt allen äußeren Merkmalen der zügellosen Unmäßigkeit im Essen . Er aß in der That unglaublich viel , und seine Mutter , welche stets um die , wie sie sagte , äußerst zarte Körperconstitution dieses verzogenen Knaben besorgt war , konnte ihm gleichwohl die täglichen Ausschweifungen im Genusse von Speisen nicht verbieten , die seinen nichts weniger als zarten Organismus erschlafften . Gewöhnt , mich dem Willen dieses Menschen zu unterwerfen , dessen bloßer Anblick einen peinlichen Eindruck auf mich machte , näherte ich mich ihm , ohne ein Wort zu sagen . Er heftete seine Augen auf die meinigen und als er sah , daß sich diese nicht zu Boden senkten , schnitt er mir ein abscheuliches Gesicht , der gewöhnliche Vorbote seiner Mißhandlungen . Ich ahnte , daß er mich schlagen würde , aber ich weiß nicht , welche geheime Kraft mich unbeweglich bleiben ließ , indem ich mit kalter Geringschätzung dieses häßliche Gesicht betrachtete . Wahrscheinlich verstand er diese stumme Sprache , denn er zögerte nicht länger , mir einen so heftigen Faustschlag zu geben , daß ich einen oder zwei Schritte zurücktaumelte und Mühe hatte , mich auf den Füßen zu erhalten . „Das ist für Dein ungebürliches Benehmen , nicht zu antworten , wenn ich Dich rufe , “ sagte er zu mir , „und für Dein schlangenartiges Verkriechen hinter unsere Vorhänge , so wie ] [ verkriechst und ] für den [ verbissenen Zorn ] [ Blick ] , [ der seit ] [ den ich vor ] zwei [ langen ] [ ] Minuten [ aus Deinen ] [ in deinen ] Augen [ spricht ] [ gewahrte ] , [ boshafte Spinne . “ Ich entgegnete nie ] [ du Ratte , du ! ' An Johns Beschimpfungen gewöhnt , fiel es mir niemals ein , irgend ] etwas auf [ John Reeds Schimpfworte , denn ich war immer damit beschäftigt , mich auf ] [ dieselben zu erwidern ; ich dachte nur daran , wie ich ] den Schlag [ gefaßt zu machen ] [ aushalten sollte ] , der [ ihnen ] [ unfehlbar auf die Schmähung ] folgen [ konnte ] [ würde ] . [ „Was machtest Du dort ] [ , Was hast du da hinter dem Vorhang gemacht ] ? fragte er weiter [ , indem er nach dem Fenster zeigte , an welchem ich eine so traurige und zugleich angenehme Stunde zugebracht hatte ] [ ] . [ „Ich las ] [ , Ich habe gelesen ] . [ “ „Zeige ] [ ' Zeige ] mir das Buch . [ “ ] [ ] Ich [ ] [ ging an das Fenster zurück und ] holte es [ herbei ] [ ] . [ „Ich ] [ , Du hast keine Erlaubnis , unsere Bücher zu nehmen ; du bist eine Untergebene , hat Mama gesagt ; du hast kein Geld ; dein Vater hat dir nichts hinterlassen ; eigentlich solltest du betteln und hier nicht mit vornehmen Kindern , wie wir es sind , zusammenleben und dieselben Mahlzeiten essen wie wir und Kleider tragen , die Mama bezahlen muß . Nun , ich ] will [ Dich ] [ dich ] lehren [ ] [ , zwischen meinen Büchern umherzustöbern , denn sie gehören mir , und das ganze Haus gehört mir oder wird mir wenigstens in einigen Jahren gehören ] . [ “ fuhr ] [ Geh ' und stell ' dich an die Tür ! r Ich gehorchte , da ich keine Ahnung von seiner Absicht hatte ; als ich aber gewahrte , daß ] er [ fort in meinen Bibliotheken herumzustöbern und meine Bücher zu besudeln ] [ das Buch emporhob und mit demselben zielte , sprang ich unwillkürlich zur Seite und stieß einen Schreckensschrei aus ] , [ kleine Betteldirne . Geh dorthin , neben den Spiegel . . . ] [ jedoch ] nicht [ so nahe ans Fenster ] [ früh genug ; das Buch traf mich , und ich fiel mit dem Kopf gegen die Tür und verletzte mich ] . [ ] [ Die Wunde blutete , der Schmerz war heftig . , Böser , grausamer Bube ! ' ' schrie ich . , Du bist wie ein Mörder - - du bist wie ein Sklaventreiber - - du bist wie die römischen Kaiser ! ] Ich hatte [ den Zweck dieses Befehls anfangs nicht errathen . Als ich mich aber an der bezeichneten Stelle befand , wurde ] [ Goldsmiths Geschichte Roms gelesen und ] mir [ Alles klar ] [ meine eigene Ansicht über Nero ] , [ denn ich sah ] [ Caligula und andere gebildet . Im stillen hatte ich Vergleiche angestellt , welche laut zu äußern ich mir allerdings niemals vorgenommen hatte . , Was ! Was ! ' schrie er . , Hat sie das zu mir gesagt ? Habt ihr es gehört , Eliza und Georgina ? Das werde ich der Mama erzählen ! Aber zuvor - Er rannte auf mich zu ; ich fühlte ] , wie er [ den dicken Band , den ich ] [ mein Haar und meine Schulter faßte ; er kämpfte mit einer Verzweifelten . Ich sah wirklich in ] ihm [ gebracht hatte , emporhob und in der Luft schwenkte . Mit einem Angstschrei sprang ich auf die Seite ] [ einen Tyrannen ] , [ aber es war zu spät . John hatte richtig gezielt . Das Buch traf mich an die Stirn und ich fiel gegen die Thür , deren Kante mir die Haut verletzte ] [ - einen Mörder ] . Ich fühlte [ ] [ dann , wie Blutstropfen von meinem Kopfe auf den Hals herabträufelten und empfand ] einen [ empfindlichen ] [ stechenden ] Schmerz [ ] [ . Diese Gefühle siegten für den Augenblick über die Furcht , ] und [ ] [ ich trat ihm in wahnsinniger Wut entgegen . Was ich mit meinen Händen tat , kann ich jetzt nicht mehr sagen , aber er schrie fortwährend laut : , Ratte , Ratte ! ? Bald kam ihm Hilfe . Mrs . Reed erschien auf der Szene , und ihr folgten Bessie und ihr Kammermädchen Abbot . Man trennte uns ; dann vernahm ich die Worte : , Um des Himmels willen ! Welch eine Furie , so auf Mr . John loszustürzen ! ' , Hat man jemals ein so wütendes Geschöpf gesehen ! ' Dann fügte Mrs . Reed hinzu : , Führt sie in das rote Zimmer und schließt sie dort ein . ' Vier Hände ergriffen mich , und ich wurde die Treppe hinaufgetragen . 2 . Kapitel . Meine Hausgenossen . Auf dem ganzen Wege leistete ich Widerstand ; dies war etwas Neues bei mir und ein Umstand , der Bessie und Miß Abbot in der schlechten Meinung bestärkte , welche diese ohnehin schon von mir hegten . Tatsache ist , daß ich vollständig außer mir war . Ich wußte sehr wohl , daß die Empörung dieses einen Augenblicks mir schon schwere Strafen zugezogen haben mußte , und wie viele rebellische Sklaven war ich fest entschlossen , bis zum Äußersten zu gehen . , Halten Sie ihre Arme , Miß Abbot ; sie ist wie eine wilde Kate . , Schämen Sie sich ! Schämen Sie sich ! ' ' rief das Kammermädchen . , Welch ein abscheuliches Betragen , Miß Eyre , den jungen Herrn zu schlagen ! Den Sohn Ihrer Wohltäterin ! Ihren Herrn ! ' , Herr ! Wie , ist er mein Herr ? Bin ich denn eine Dienerin ? , Nein . Sie sind weniger ] als [ ich die Hand , mit der ich mechanisch ] [ eine Dienerin , denn Sie tun nichts , Sie arbeiten nicht für Ihren Unterhalt . Da ! Setzen Sie sich und denken Sie über Ihre Bosheit ] nach [ meiner Wunde gegriffen , wieder zurückzog , war ] [ ! Unterdessen hatten ] sie [ mit Blut befleckt . Eine unwiderstehliche Entrüstung folgte dem Gefühle , ] [ mich in ] das [ mich anfangs beherrscht hatte ] [ von Mrs ] . [ Und da ich damals die römische Geschichte las , da ich John ] [ ] Reed [ oft im Stillen mit Nero , Caligula ] [ bezeichnete Gemach gebracht ] und [ andern , fast eben so verabscheungswürdigen Tyrannen verglichen hatte , so rief ich aus : „Du bist ein böser und grausamer Mensch . . . Tu gleichst einem Mörder . . . einem Sklavenhändler . . . den Kaisern von Rom ! “ Diese Beleidigung mußte John Reed überraschen . Sie erbitterteihn auf ' s Höchste und in rasender Wuth stürzte er auf mich zu . Ich fühlte , daß er mich zugleich bei den Schultern und bei den Haaren faßte . Einige warme Blutstropfen flossen über meinen Hals : mein glühender Kopf , meine iu diesem Augenblicke heftigeren Schmerzen , ganz besonders aber der Gedanke , daß ich ein wirkliches Ungeheuer , ähnlich den Kaisern Goldsmiths vor mir hatte , raubten mir alle Selbstbeherrschung . Ich leistete einen verzweifelten und siegreichen Widerstand , ohne zu wissen , welche Rolle meine Nägel und vielleicht auch meine Zähne dabei spielten . Bald sah sich Master John in die Nothwendigkeit versetzt , um Hülfe zu rufen . Sobald der Ton seiner Stimme in das Nebenzimmer drang , kamen die beiden vertrautesten Dienerinnen der Mistreß Reed herbei und als ihnen mit großer Mühe gelungen war , uns zu trennen , , vernahm ich die rauhe und kreischende Stimme meiner Tante , welche den Lärm übertönte . „Mutter , sieh nur , wie Jane mich zugerichtet hat“ - - - rief John ihr entgegen - - - sie hat mich geschlagen , gekratzt und gebissen , und - - was meinst Du , weshalb ? Weil ich ihr verbot , mir meine Bücher zu verderben . „Der Bube hat ohne Veranlassung mich arg gemißhandelt ! “ - - - wollte ich entgegnen , aber meine Stimme wurde von der meiner . Tante übertönt . „Wie , Du hast Dich unterstanden , Dich an meinen Sohn thätlich zu vergreifen ? Ist das der Respekt , den Du ihm schuldig bist ? Ist das der Dank für die Wohlthaten , die wir Dir gewähren ? “ Sie ließ mich nicht zu Worte kommen . „In die rothe Kammer ! “ rief sie , „schließt sie ein und lasst sie dort ! “ Ich hätte nie geglaubt , daß ich mich je gegen diese gefürchtete Stimme auflehnen könnte . Aber in diesem Augenblicke gab es auf der ganzen Welt keinen Herrn für mich , und nur mit Gewalt brachte man mich aus dem Zimmer , in welchem der eben erzählte Auftritt stattgefunden hatte . Selbst in der rothen Kammer , als ich ] [ mich ] auf einen Stuhl [ gesetzt worden war , ] [ geworfen ; wie eine Sprungfeder ] wollte ich wieder [ aufspringen und den Kampf ] [ von demselben emporschnellen ; vier Hände hielten mich jedoch augenblicklich wie ] mit [ meinem Vetter erneuern ] [ eisernen Klammern fest ] . [ Die beiden Dienerinnen wußten ] [ , Wenn Sie ] nicht [ mehr ] [ stillsitzen ] , [ welchen Heiligen sie anrufen und wie sie die wüthende Katze bändigen sollten ] [ werden wir Sie anbinden ] , [ die ihnen soviel zu schaffen machte . Endlich hatte die Eine von ihnen einen glücklichen Einfall ; es war ] [ ' ' sagte ] Bessie [ ] [ . ] , [ das einzige Wesen das ] [ Miß Abbot , leihen Sie ] mir [ in diesem fluchwürdigen Hause zuweilen Beweise von einer Art Freundschaft gegeben hatte ] [ Ihre Strumpfbänder ; denn die meinen würde sie bald zerreißen . Diese Vorbereitungen zu meiner Fesselung und die neue Schande minderten meine Aufregung ein wenig ] . [ „Wenn ] [ , Machen ] Sie sich [ noch länger sträuben , Miß , “ sagte sie zu mir , „so müssen wir Sie binden . Miß Abbot , “ setzte sie hinzu , „leihen Sie mir doch ihre Strumpfbänder , denn die meinigen würde sie bald zerreißen . “ Miß Abbot wendete sich um und löste die mir bestimmten Fesseln von den kräftigen Pfeilern , auf denen ihr gewaltiger Körper ruhte . Ich sah einen neuen Schimpf voraus , woran der Gedanke mich empörte und mir eine gewisse gezwungene Ruhe gab . „Bemühen Sie sich nicht ] [ keine Mühe , schrie ich ] , [ Miß Abbot ! “ rief ich aus ] [ ] , [ „ich verspreche Ihnen , mich nicht von der Stelle zu rühren ] [ ich werde ganz stillsitzen ] . [ “ Zur Bekräftigung meines Versprechens klammerte ] [ Zum Beweise hielt ] ich mich mit beiden Händen an [ dem Stuhle ] [ meinem Sitz ] fest [ ] [ . ] , [ auf den ich wider meinen Willen gesetzt worden ] [ Rühren Sie sich ja nicht , ' sagte Bessie ; und als sie sich überzeugt hatte , daß ich wirklich anfing , mich zu beruhigen , ließ sie mich los ; dann stellten sie und Miß Abbot sich mit gekreuzten Armen vor mich und blickten mich finster an , als zweifelten sie an meinem gesunden Verstande . , Das hat sie bis jetzt noch niemals getan , ' ' sagte endlich Bessie zur Abigail gewendet . , Aber es hat schon lange in ihr gelegen , ' ' ] war [ ] [ die Antwort . , Ich habe der gnädigen Frau schon oft meine Meinung über das Kind gesagt , und sie denkt ebenso . Sie ist für ihr Alter ein verstocktes und verschlossenes Ding ] . Bessie [ sah ] [ antwortete nicht ; nach einer Weile wandte sie sich zu mir und sagte : , Fräulein , Sie sollten doch bedenken ] , daß [ ] [ Sie Mrs . Reed verpflichtet sind , sie erhält Sie . Wenn sie Sie fortjagte , so müßten Sie ins Armenhaus gehen . ' Auf diese Wort fand ] ich [ im Ernst sprach und es war daher ] [ nichts zu erwidern ; sie waren mir ] nicht mehr [ die Rede davon , mich zu binden ] [ neu . Dieser Vorwurf meiner Abhängigkeit war in meinen Ohren fast zum leeren Singsang geworden . Nun fiel auch Miß Abbot ein : , Und Sie sollten auch nicht denken , daß Sie den Damen Reed und Mr . Reed ebenbürtig sind , weil Mrs . Reed Ihnen gütig erlaubt , mit ihren Kindern erzogen zu werden ] . [ Die beiden Mädchen hielten es nun für angemessen ] [ Diese werden einmal sehr reich werden , und Sie sind arm . Sie müssen bescheiden sein und versuchen ] , [ mir ] [ sich bei ihnen beliebt zu machen . ' , Was wir Ihnen sagen , ist nur zu Ihrem Besten , fügte Bessie hinzu , , Sie sollten versuchen , sich nützlich und angenehm zu machen , dann würden Sie hier vielleicht ] eine [ lange Predigt zu halten über mein thörichtes Benehmen ] [ Heimat finden ; wenn Sie aber heftig ] und [ über die Nothwendigkeit ] [ ungezogen werden ] , [ daß ich mich , da ich arm und schutzlos war , dem Willen derjenigen unterwerfen müsse , die mir Brot gaben ] [ so wird Mrs . Reed Sie zweifellos fortschicken . , Außerdem , sagte Miß Abbot , , wird Gott Sie strafen . Er könnte Sie in Ihrem Zorn tot zu Boden fallen lassen , und wohin kämen Sie dann ? Kommen Sie , Bessie , wir wollen sie allein lassen ; um nichts in der Welt möchte ich ihr Herz haben ] . [ In trotzigem Stillschweigen und ohne meine fast herrische Stellung zu verändern ] [ Sagen Sie Ihr Gebet ] , [ hörte ich Alles mit an ] [ Miß Eyre , wenn Sie allein sind ; denn wenn Sie nicht bereuen , könnte etwas durch den Kamin herunterkommen und Sie mitnehmen ] . Sie gingen [ endlich ] [ ] und [ verschlossen ] [ schlossen ] die [ Thür . Die Augenblicke , welche auf ihre Entfernung folgten , habe ich nicht vergessen ] [ Tür hinter sich zu ] . Das [ rothe ] [ rote ] Zimmer war ein [ großes ] [ Gemach ] , [ ] [ in dem nur ] selten [ bewohntes Ge mach , denn Besuche waren ] [ jemand schlief . Und doch war es eins der schönsten und prächtigsten Gemächer ] in Gateshead - Hall [ eben nicht häufig ] [ ] . [ In der Mitte dieses öden und stillen Zimmers , das etwas Majestätisches hatte , wie das Tabernakel eines jüdischen Tempels , ] [ Im Mittelpunkt ] stand [ auf massiven , dunkelbraunen Mahagonyfüßen ] [ ] ein [ großes ] [ ] Bett [ ] [ von Mahagoni ] , mit Vorhängen von [ rothem ] [ dunkelrotem ] Damast [ . Gardinen ] [ behängt ; die beiden großen Fenster wurden durch Draperien ] von [ dem nämlichen ] [ demselben ] Stoffe [ und der nämlichen Farbe hingen vor den zwei hohen Fenstern , deren Läden nie geschlossen wurden . Der Fußboden ] [ halbverhüllt ; der Teppich war rot ; der Tisch am Fußende des Bettes ] war mit [ ] [ einer roten Decke belegt ; die Wände waren mit ] einem [ rothen Teppich bedeckt ] [ Stoffe behängt , der auf lichtbraunem Grunde ein zartes rosa Muster trug ; der Kleiderschrank , der Toilettetisch , die Stühle waren aus dunklem , poliertem Mahagoni angefertigt . Aus diesen düsteren Schatten erhoben sich weiß und glänzend die Kopfkissen unheimlich stach ein ebenfalls weißer Lehnstuhl hervor . Damals erschien er mir wie ein geisterhafter Thron . Das Zimmer war eisigkalt , weil nur selten ein Feuer in demselben angezündet wurde ; es war still , weil es weit von der Kinderstube und den Küchen entfernt lag ; unheimlich , weil niemals jemand dasselbe betrat . Mr . Reed war seit neun Jahren tot ; in diesem Gemache hatte er seinen letzten Atemzug getan ; hier lag er aufgebahrt ; von hier hatten die Leichenträger ihn hinausgetragen - und seit jenem Tage wurde dieser Raum ängstlich gemieden . Auch mich ergriff bald die Angst in diesem unheimlichen Aufenthaltsorte . Ich stand auf , um nachzusehen , ob die Tür zu öffnen sei . Ach ! Keine Kerkertür konnte sicherer verschlossen sein ! Als ich wieder zurückging , mußte ich an dem Spiegel vorüber . In ihm sah alles noch kühler und hohler und düsterer aus als in Wirklichkeit , und die wunderliche , kleine Gestalt , die mir aus ihm entgegen blickte , mit blassem Gesicht und Armen , die scharf aus der Dunkelheit hervorleuchteten , sah aus , wie ein wirkliches Gespenst ; ich dachte an einen jener Kobolde , wie sie in Bessies Dämmerstunden - Geschichten aus wilden Schluchten und düsteren Mooren hervorkamen . Ich kehrte auf meinen Sit zurück , Mancherlei Empfindungen stiegen jetzt in mir auf : John Reeds rohe Tyrannei die hochmütige Gleichgültigkeit seiner Schwestern ] , [ ] [ die Abneigung seiner Mutter , die Parteilichkeit der Dienstboten ! Weshalb mußte ich stets leiden , stets mit verächtlichen Blicken angesehen werden , immer beschuldigt , immer verurteilt werden ? Weshalb konnte ich es niemand recht machen ? Vor Eliza , die so eigensinnig und selbstsüchtig war , hatte man Achtung . Jedermann hatte Nachsicht mit Georgina , die stets übelgelaunt und trotzig und boshaft war . Ihre Schönheit , ihre rosigen Wangen und goldigen Locken schienen jeden zu entzücken , der sie anblickte , und ihk Nachsicht für all ihre Mängel und Fehler zu erkaufen . John wurde niemals bestraft , niemand widersprach ihm jemals , obgleich er den Tauben die Hälse umdrehte , die jungen Hühner umbrachte , die Hunde auf die Schafe hetze ; er nannte seine Mutter sogar , alte Tante ' ' ; zerriß und beschmutzte ihre seidenen Kleider nicht selten , - und doch war er , ihr einziger Lieb ling ' . I ch wagte niemals , einen Fehler zu begehen ; ich gab mir Mühe , meine Pflicht zu tun , und mich nannte man unartig , mürrisch und hinterlistig , vom Morgen bis zum Abend . Mein Kopf schmerzte noch und blutete nach dem erhaltenen Schlage und dem Falle , welchen ich getan hatte ; niemand hatte John einen Verweis erteilt , weil er mich grundlos geschlagen ; aber weil ich mich gegen ihn aufgelehnt hatte , hatten alle mich mit den lautesten Schmähungen überschüttet . Wie erregt war mein Gemüt , wie furchtbar empört mein Herz ! Ich hatte keine Antwort auf die unaufhörlich wiederkehrende Frage , weshalb ich so viel leiden mußte . jetzt nach Verlauf von vielen Jahren ist mir alles klar . Ich war in Gateshead - Hall ein Stein des Anstoßes . Sie liebten mich nicht , und in der Tat , ich liebte sie ebensowenig . Es war auch nicht ihre Pflicht , mit Liebe auf ein Wesen zu blicken , welches mit niemand sympathisieren konnte ; ein nutzloses Wesen , welches ihrem Interesse nicht dienen , zu ihrem Vergnügen nichts beitragen konnte . Ich weiß wohl , daß , wenn ich ein geistreiches , schönes , wildes Kind gewesen wäre - wenn auch ebenso abhängig und freundlos - - so würde Mrs . Reed meine Gegenwart mit mehr Geduld ertragen haben ; ihre Kinder hätten für mich ein freundlicheres Gefühl der Gemeinsamkeit gehegt ; die Dienstboten wären weniger geneigt gewesen , mich zum Sündenbock der Kinderstube zu machen . Auf den bewölkten Nachmittag folgte die trübe Dämmerung . Ich hörte den Regen noch unaufhörlich gegen das Fenster der Treppe schlagen , wie den Wind in den Gebüschen hinter dem Herrenhause heulen ; nach und nach wurde ich so kalt wie Stein , und dann begann mein Mut zu sinken . Die gewöhnliche Demut , Zweifel an mir selbst , einsame Traurigkeit bemächtigten sich meiner und schlugen die Asche meiner dahinschwindenden Wut nieder . Alle sagten ja , daß ich boshaft sei - - vielleicht war es der Fall , denn hatte ich nicht soeben den Gedanken gefaßt , mich zu Tode zu hungern ? Das war doch gewiß ein Verbrechen : war ich bereit zu sterben ? oder war das Gewölbe unter der Kanzel in der Kirche von Gateshead ein so einladendes Ziel ? In diesem Gewölbe lag Mr . Reed begraben , wie man mir gesagt hatte . Ich konnte mich seiner nicht erinnern ; aber ich wußte , daß er mein Onkel gewesen , - der einzige Bruder meiner Mutter - daß er mich in sein Haus aufgenommen , als ich ein armes , elternloses Kind gewesen ; und daß er noch in seinen letzten Augenblicken Mrs . Reed das Versprechen abgenommen hatte , mich wie ihr eigenes Kind zu erziehen . Mrs . Reed war höchstwahrscheinlich der Überzeugung , daß sie dieses Versprechen gehalten habe , und soweit ihr Charakter ihr dies erlaubte , hatte sie es auch getan ; aber wie sollte sie denn auch in Wirklichkeit für einen Eindringling Liebe hegen , der nicht zu ihrer Familie gehörte und nach dem Tode ihres Gatten durch keine Bande mehr an sie geknüpft war ? Es mußte allerdings ärgerlich sein , sich durch ein unter solchen Umständen gegebenes Versprechen gebunden zu sehen , an einem fremden Kinde , das sie nicht lieben konnte , Mutterstelle zu vertreten . Eine sonderbare Idee stieg in mir auf . Ich dachte , wie Mr . Reeds Geist , gequält durch das Unrecht , welches man dem Kinde seiner Schwester zufügte , seine Ruhestätte verließ - entweder in dem Gewölbe der Kirche oder in dem unbekannten Lande der Abgeschiedenen und in diesem Zimmer mir erscheinen könne . Ich trocknete meine Tränen und unterdrückte mein Schluchzen ; denn ich fürchtete , daß diese lauten Äußerungen meines Kummers eine übernatürliche Stimme zu meinem Troste wachrufen könnten , oder aus dem mich umgebenden Dunkel ein Antlitz hervorleuchten lassen könnten , das sich mit wundersamem Mitleid über mich beugte . Mein Haar von Stirn und Augen streichend , erhob ich den Kopf und versuchte in dem dunklen Zimmer umherzublicken . In diesem Augenblick sah ich einen Lichtschein an der Wand ! - - War es vielleicht der Mondstrahl , der durch eine Öffnung in dem Vorhang drang , fragte ich mich ? Nein , die Mondstrahlen waren ruhig , und dies Licht bewegte sich ; während ich noch hinblickte , glitt es zur Decke hinauf und erzitterte über meinem Kopfe . jetzt kann ich freilich begreifen , daß dieser Lichtstreifen wahrscheinlich der Schimmer einer Laterne war , welche jemand ] über den [ ] [ freien Plat ] vor dem [ Bett stehenden Tisch ] [ Hause trug ; aber damals hielt ich in meinem aufgeregten Gemüt den sich schnell bewegenden Strahl für den Vorboten einer Erscheinung aus einer anderen Welt . Mein Herz pochte laut , mein Kopf wurde heiß ; in meinen Ohren spürte ich ein Brausen , das ich für das Rauschen der Flügel hielt . Ich fühlte meinen Atem stocken , ich stürzte auf die Tür zu und rüttelte mit verzweifelter Anstrengung am Schlosse . Eilende Schritte kamen durch den äußeren Korridor daher ; der Schlüssel wurde im Schlosse umgedreht , Bessie und Miß Abbot traten ein . , Miß Eyre , sind Sie krank ? fragte Bessie . , Welch ein schrecklicher Lärm ! Ich bin ganz außer mir ! ' ' rief Abbot aus . , Nehmt mich mit hinaus ! Laßt mich in die Kinderstube ! schrie ich . , Weshalb denn ? Ist Ihnen irgend etwas geschehen ? Haben Sie etwas gesehen ? ' fragte Bessie wiederum . , O , ich sah ein Licht und ich meinte , daß ein Geist kommen würde . Ich hatte mich jetzt Bessies Hand bemächtigt , und sie entzog sie mir nicht . , Sie hat mit Absicht so geschrien , ' erklärte Abbot mit einigem Widerwillen . , Und welch ein Geschrei ! Wenn sie Schmerzen gehabt hätte , so könnte man es noch entschuldigen , aber ihre einzige - Absicht ] war [ ein ähnliches Tuch gebreitet ] [ , uns alle herbeizulocken . Ich kenne ihre Unarten schon . ' , Was geht hier vor ? fragte eine andere Stimme gebieterisch ; ] und [ die Wände ] [ Mrs . Reed kam ] mit [ einem lichten Stoffe bekleidet ] [ flatternden Haubenbändern und wehendem Kleide durch den Korridor daher . , Abbot und Bessie , ich glaube , daß ich befohlen habe , Jane Eyre in dem roten Zimmer zu lassen , bis ich selbst sie holen würde ? ein . , Miß Jane schrie so laut , Madame , wandte Bessie zögernd , Laß sie los , war die einzige Antwort . , Laß Bessies Hand los , Kind : verlaß dich darauf , auf diese Weise wirst du nicht durchkommen . Ich verabscheue solche List , besonders bei Kindern ; es ist meine Pflicht , dir zu beweisen , daß du mit solchen Kniffen nicht weit kommst . jetzt wirst du noch eine Stunde hierbleiben , und nur unter der Bedingung gebe ich dich frei , wenn du mir das Versprechen gibst , vollkommen ruhig und unterwürfig zu sein . ' , O , Tante hab ' Erbarmen ! Vergib mir doch ! Ich kann es nicht ertragen . - - Bestrafe mich doch auf andere Weise ! Ich komme , Sei still ! Diese Heftigkeit ist ganz empörend ! Ohne Zweifel hegte sie auch Abscheu gegen mein Betragen . In lhren Augen war ich eine frühreife Schauspielerin . Als Bessie und Abbot sich zurückgezogen hatten , warf Mrs . Reed , die meiner wahnsinnigen Angst und meines lauten Schluchzens wohl überdrüssig geworden sein mochte , mich rasch in das Zimmer zurück und schloß mich ohne weitere Worte wieder ein . Ich hörte sie davonrauschen ; und bald , nachdem sie gegangen war , umfing mich Bewußtlosigkeit . 3 . Kapitel . Bessie , die einzige mitleidige Seele . Als ich erwachte , hörte ich Stimmen , die hohl an mein Ohr klangen , als würden sie durch das Rauschen des Wassers oder Toben des Windes übertönt . Die Aufregung , die Ungewißheit und ein alles beherrschendes Gefühl des Entsetzens hielt alle meine Sinne gefangen . Nach einiger Zeit fühlte ich , daß jemand mich berührte , mich aufrichtete und mich in eine sitzende Stellung brachte , und zwar viel liebreicher und sorgsamer , als mich bis jetzt irgend jemand emporgehoben hatte . Ich lehnte meinen Kopf gegen einen Arm oder ein Polster und fühlte mich behaglich . Fünf Minuten später wurde es mir klar , daß ich in meinem eigenen Bette lag . Es war Nacht ] , [ ] [ eine Kerze brannte ] auf dem [ ] [ Tische ; Bessie stand am Fußende meines Bettes und hielt ein Waschbecken in der Hand , ein Herr saß auf einem Lehnstuhle neben mir und beugte ] sich [ einzelne rothe Streifen befanden . Der Kleiderschrank ] [ über mich . Ich empfand eine wohltuende Sicherheit , als ich sah , daß sich ein Fremder im Zimmer befand ] , der [ Toilettenschrank und die Stühle ] [ nicht zum Haushalt ] von [ altem ] [ Gateshead ] , [ dunklen Mahagony glänzten in der Dunkelheit , ] [ nicht zu den Verwandten ] von [ der besonders noch zwei Gegenstände grell abstachen : die Matratzen und Kissen des Bettes mit blendendweißen Ueberzügen , und dann ein Krankenlehnstuhl , mit einem gleichen Ueberzuge und einem Auftritte , der mir in diesem feierlichen Augenblicke wie ein „bleicher Thron“ erschien ] [ Mrs . Reed gehörte ] . Es war [ empfindlich kalt in diesem Zimmer ] [ Mr . Lloyd , ein Apotheker ] , [ wo nie ein Feuer angezündet wurde ] [ den Mrs . Reed zuweilen rufen ließ , wenn ihre Dienstboten krank waren . Für sich selbst und die Kinder nahm sie einen Arzt ] . [ Da ] [ , Nun , wer bin ich ? fragte er . Ich sprach seinen Namen aus und streckte ihm zu gleicher Zeit meine Hand entgegen ; er nahm sie lächelnd und sagte : , Ah , ] es [ ] [ wird langsam besser mit uns werden . Dann legte er mich nieder und befahl Bessie , mich während der Nacht nicht zu stören . Nachdem er noch weitere Weisungen erteilt und gesagt hatte , daß er am folgenden Tage wiederkommen würde , ging er zu meiner größten Betrübnis fort . Als er fortgegangen war , verzagte mein Herz ] von [ die Kinderstube und der Küche ziemlich weit entfernt lag , so herrschte fortwährend eine tiefe Stille darin ] [ neuem ] . [ Endlich war in diesem gespensterhaften Bett mein Oheim vor einigen Jahren verschieden , eine Erinnerung , welche das Schauerliche des mysteriösen Ganzen noch erhöhte . Bald fühlte ich mich beängstigt in diesem öden Raume , der mir ein Grabgewölbe erschien ; ich stand daher von meinem Sitze auf ging nach der Thür , die , wie ich wähnte , vielleicht offen geblieben konnte . Ein kalter Schauder ergriff mich , als ich sah , daß sie wirklich fest verschlossen war . Um auf meinen Platz zurückzukehren , mußte ich bei einem großen Spiegel vorüber , in welchem ich schon die geisterhafte Form des weißen Todtenbettes erblickt hatte . Mein Blick versenkte sich unwillkürlich in die trügerischen Tiefen , die er mir darbot , und ich sah nun darin ein wunderliches kleines Geschöpf , das mir die schottischen Feen ins Gedächtniß rief , deren boshafte Streiche mir Bessie erzählte , wenn man uns in der Wäschkammer allein ließ und ich auf ihre Bügeleisen Acht gab . – In diesem kleinen mageren und blassem Geschöpf , dessen scheue Augen blitzten , dessen schwache weiße Arme sich auf dem dunklen Hintergrunde abzeichneten und das eine Art stummes Gebet flüsterte , erkannte ich erst nach einiger Zeit . . . die unglückliche Nichte der Mistreß Reed . Es wurde mir fast noch ängstlicher zu Muthe , als ich mich mit dieser seltsamen Transfiguration meiner eigenen Person allein sah . Ich sage Ihnen nichts von den tausend sonderbaren Bildern , die an meiner überreizten Phantasie vorüberzogen und welche die heftige Aufregung meines Kopfes und die so lange unterdrückte Empörung meines Herzens in mir hervorriefen . Ich weiß nur , daß eine klare Idee von meiner Lage , von der Ungerechtigkeit , unter der ich seufzte , von der Abneigung , deren unschuldiges Opfer ich war , von meiner kränklichen Häßlicheit , die meinen Verwandten ein Gräuel war , und von meiner angeborenen Menschenscheu , welche noch dadurch vermehrt wurde , daß man mir keine Liebe und keine Aufmunterung zu Theil werden ließ , sich zum ersten Male in meinem Geiste festsetzte . Auch weiß ich noch , daß die äußere Dunkelheit nach und nach die spärlichen Lichtstrahlen verlöschte , die in das rothe Zimmer drangen , daß der Himmel noch fortwährend seine Schmerzensthränen vergoß , daß der Wind traurig in den Bäumen des Parkes seufzte , daß mich allmälig eine entsetzliche Angst und eine gänzliche Muthlosigkeit ergriffen , und daß einer meiner letzten Gedanken , ehe ich völlig das Bewußtsein verlor , der feste Vorsatz war , auf diesem nämlichen Bette , wo Herr Reed entschlafen war , Hungers zu sterben . Dann war es mir . als bewegte sich eine menschliche Gestalt unter der Decke des Geisterbettes . . . dies war der Gnadenstoß für mich . - - - - Es scheint , daß ich ganz ohne Besinnung gefunden wurde und daß ich erst nach langer Zeit aus dieser Betäubung erwachte , in welche mich die Angst versetzt hatte . Man mußte den Arzt rufen , ihm die meiner Ohnmacht voraufgegangenen Scenen erzählen und sich wegen der gegen mich angewendeten Strenge rechtfertigen . Dies Alles war keineswegs geeignet , mir das Herz meiner Tante Reed zu gewinnen . Wir geriethen noch mehrere Male in Streit miteinander und bei jeder solchen Gelegenheit steigerte sich mit meiner Widersetzlichkeit gegen ihren Willen der Haß , den ich ihr einflößte . ] [ ]