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[ Erstes Kapitel ]
[ Des es schlechten Wetters wegen - denn es war kalt , windig und regnerisch - - mußte an diesem Tage der übliche Spaziergang unterbleiben ; ich freute mich darüber , war es doch draußen schon recht herbstlich ]
.
[ Es ]
[ Da man mich nicht so warm und sorglich kleidete , wie die Kinder des Hauses , so fror mich leicht , und wenn ich dann über die Kälte klagte , schalt man mich zimperlich . Frau Reed war mit ihren Kindern Hans , Elisa und Georgina , im Salon ; mich hatte sie hinausgeschickt , mit dem Bemerken , ich sei unwürdig , die gleichen Vorrechte zu genießen , die nur zufriedenen , glücklichen Kindern zukämen . Ich sollte mich erst eines freundlicheren , offenherzigeren , geselligeren Wesens befleißigen . Je nun , ich ]
war nicht
[ möglich ]
[ böse darüber ]
,
[ an dem Tage einen Spaziergang ]
[ daß ich allein sein sollte . Ich fühlte mich ja doch nicht wohl in der Gesellschaft dieser Menschen , die mich immer von oben herab behandelten und von denen besonders der etwa 14 Jahre alte Hans mir verhaßt war . So schlüpfte ich denn in das Frühstückszimmer . Ein großer Bücherschrank stand darin , und ich hatte nicht lange ]
zu
[ machen . Zwar waren wir während des Vormittags eine Stunde lang in der unbelaubten Eingangsallee umhergewandelt ; aber seit dem Mittagessen - - Frau Reed pflegte sehr früh zu Mittag zu speisen ]
[ suchen ]
,
[ wenn keine Gesellschaft da war - - - hatte der kalte , winterliche Wind so düstere Wolken und einen so durchdringenden Regen mit sich gebracht , daß von einem weiteren Spazierengehen im Freien nicht mehr die Rede sein konnte . Das war mir recht , denn ich hatte nie weite Spaziergänge gern , am wenigsten aber an kalten Nachmittagen : es war für mich etwas Schreckliches , mit halberfrorenen Fingern und Zehen in der öden Dämmerung nach Hause zu kommen ; das Schelten der Kindermuhme Bessie stimmte da mein Herz noch trauriger , und ich war durch das Bewußtsein gedemütigt , daß ich Elisa , John und Georgiana Reed in physischer Beziehung weit nachstand . Elisa , John und Georgiana hatten sich nun ]
[ ]
um
[ ihre Mama im Gesellschaftszimmer geschart : sie lag auf einem Sofa nahe beim Kamin , und fühlte sich , umgeben von ihren Lieblingen , - - - die für den Augenblick weder weinten , noch sich zankten - - - äußerst behaglich . Ich hatte mich der Gruppe nicht anschließen dürfen : Frau Reed sagte , sie bedaure , mich in einiger Entfernung halten zu müssen ; so lange sie aber nicht von Bessie höre , und selber sehe , daß ich mich ernstlich bestrebte , mir eine geselligere und kindlichere Gemütsart , ein anziehenderes , lebhafteres , leichteres , offneres und natürlicheres Wesen anzueignen , müsse sie mir entschieden Vorrechte versagen , die bloß zufriedenen und freundlichen Kindern zukämen , Was sagt denn Bessie , daß ich getan habe ? fragte ich . Jane , Leute , die immer widersprechen und immer fragen , mag ich nicht leiden ; zudem ist es gräßlich , ein Kind sich so gegen Erwachsene benehmen zu sehen . Setz ' dich irgendwohin , und schweig , so lange du nicht artig reden kannst . Ein kleines Zimmer , worin gewöhnlich das Frühstück eingenommen wurde , befand sich neben dem Gesellschaftszimmer , dort schlich ich mich hinein . Es war darin ein Bücherschrank . Bald nahm ich mir ]
[ ]
einen Band
[ heraus , einen mit Bildern . Ich stieg auf den Fenstersitz , kreuzte die Beine wie ein Türke , zog die rote Mohrgardine fast ganz ]
[ ]
zu
[ ]
[ finden ]
,
[ und sah mich in doppelter Weise geborgen . Die Falten der scharlachroten Draperie versteckten mich auf der rechten Seite vor jedem Blicke ; auf der linken waren die hellen Glasscheiben , die mich zwar vor dem trüben Novembertage schützten , aber nicht davon trennten . Von Zeit zu Zeit studierte ich den Anblick dieses Winternachmittages , während ich in meinem Buche blätterte . In der Ferne war es eine bleiche Wolken - und Nebelmasse ; in der Nähe eine Scene von sturmbewegten Gesträuchen und einem nassen Rasenplatze , mit nie endendem Regen , der vor lang gehaltenen , klagenden Windstößen wild daherjagte . ich kam zu meinem Buche zurück , - zu der Naturgeschichte der britischen Vögel von Bewick . Im allgemeinen kümmerte mich der Text wenig , und doch waren einige als Einleitung dienende Seiten da , die ich , wenn auch noch ein Kind , nicht ganz übergehen konnte . Es waren die Seiten , die von den Aufenthaltsorten der Seevögel handeln , von den einsamen Felsen und Vorgebirgen , die nur sie bewohnen , von der Küste von Norwegen nebst ihren unzähligen Buchten und Inseln , Wo des Nordmeers mächt ' ge Wirbel Um der nackten Inseln Felsenwehr - - - Dieses fernste Schule - - sieden , Wo sich wogend das Atlant ' sche Meer Durchzwängt durch die stürmischen Hebriden . Ebenso fesselte mich die Beschreibung der unwirklichen Küsten Lapplands , Sibiriens , Spitzbergens , Nowaja - Semljas , Islands , Grönlands . - - - samt dem weiten Kreise der kalten Zone , und den öden Räumen , wo Eis und Schnee , von vielen hundert Wintern zu Gebirgen angehäuft , den Pol umgeben und alle Strenge der äußersten Kälte in sich konzentrieren . Von diesen weißen Reichen des Todes hatte ich meine eigenen Vorstellungen , schattenhaft und nebelartig , wie alle halbverstandenen Dinge , die trübe durch das Gehirn der Kinder treiben , aber einen merkwürdig tiefen Eindruck machen . Die Worte in diesen einleitenden Bemerkungen verbanden sich mit den nachfolgenden Bildern und gaben dem in einer See von hochgehenden und schäumenden Wogen allein stehenden Felsen Bedeutung . sowie dem zertrümmerten , an öder Küste gestrandeten Boote , dem kalten und geisterähnlich durch Wolkengitter auf ein eben untersinkendes Wrack hindurchblickenden Monde . Die zwei auf einer trägen See von einer Windstille überfallenen Schiffe hielt ich für See - Phantome . Ebenso verhielt es sich ]
[ ]
mit dem
[ schwarzen gehörnten Dinge , das hoch auf einem Felsen saß , und eine ferne , einen Galgen umstehende Menschenmenge überschaute . Jedes Bild erzählte eine Geschichte , für meinen unentwickelten Verstand und meine unvollkommenen Gefühle oft geheimnisvoll , aber immer höchst interessant , so interessant , wie ]
[ ich mir ]
die
[ Märchen , die Bessie bisweilen an Winterabenden erzählte , wenn sie gerade bei guter Laune war , und nachdem sie ihren Bügeltisch in die Kinderstube gebracht hatte , uns erlaubte , uns um denselben herumzusetzen ]
[ Langeweile gut vertreiben konnte ]
.
[ Bei solchen Gelegenheiten wurden wir , während sie Frau Reeds Halskrausen und Nachthauben plättete , für unsere gespannte Aufmerksamkeit mit allerlei Krieg - , See - und Liebesabenteuern belohnt , die aus alten Feenmärchen und älteren Balladen , oder - - - wie ich später entdeckte - - - aus Pamela , oder aus Heinrich ]
[ Leider blieb ich nicht lange ungestört . Ich wurde in der Betrachtung der schönen ]
,
[ Graf von Moreland , geschöpft waren . Mit Bewick auf meinem Knie war ich nun glücklich ]
[ bunten Bilder plötzlich durch den Ruf unterbrochen ]
:
[ glücklich wenigstens auf meine Art . Ich fürchtete nichts als eine Störung ]
[ ]
,
[ und die kam nur zu bald . Die Tür des Frühstückszimmers ging auf . He ! Jungfer Träumerin ! rief die Stimme John Reeds ; dann hielt er einen Augenblick inne : offenbar meinte er , das Zimmer sei leer . ]
[ ]
Wo
[ zum Kuckuck ]
[ ]
steckt sie denn
[ ]
[ , die Traumsuse ]
?
[ fuhr ]
[ Ich erschrak , denn ich erkannte Hans Reeds Stimme . Offenbar war ]
er
[ fort . Lieschen ]
[ sehr verwundert ]
,
[ Georgy ]
[ mich nicht im Zimmer zu finden . Ich hatte mich in die Fensternische gesetzt und den Vorhang vor mir zugezogen . , Lise , Georgina ]
!
[ ]
[ ' ]
rief
[ er seinen Schwestern zu ]
[ Hans weiter . ]
,
[ Jane ]
[ Johanna ]
ist nicht hier
[ ; sagt ]
[ . Sagt doch der ]
Mama ,
[ sie ist ]
[ das Scheusal sei ]
in den Regen
[ hinaus ]
[ hinausgelaufen . ]
,
[ das böse Ding ! Ein wahres Glück ]
[ Gott bewahre , ' ' antwortete Elisa , die ein wenig aufgeweckter war , als der sowohl geistig wie körperlich schwerfällige Hans . , Sie sitzt gewiß wieder in der Nische . Guck nur nach , Hans . Nun trat ich von selbst heraus , wußte ich doch ]
, daß
[ ich den Vorhang zugezogen habe , dachte ich , und wünschte inbrünstig , daß er mein Versteck nicht entdecken möchte , auch ]
[ Hans mich im nächsten Augenblick gewaltsam hervorzerren ]
würde
[ es John allein nicht aufgefunden haben ]
[ . , Ja , hier bin ich ]
,
[ denn weder sein Auge noch sein Verstand warenscharf . Aber Elisa hatte kaum ihren Kopf durch die Tür gesteckt , als sie ]
[ ' ]
sagte
[ ]
[ ich , , was wünscht ihr ? , Sage gefälligst ]
:
[ Gewiß ist sie auf dem Fenstersitze , John ! Sogleich trat ich hervor , denn ich zitterte bei dem Gedanken , von besagtem John herausgezogen zu werden . Was willst du von mir ? fragte ich mit linkischer Schüchternheit . ]
[ ]
Was wünschen Sie , Herr Reed
[ ]
[ , antwortete er . , Gleich kommst du hierher , verstehst du ]
?
[ heißt es ! Du sollst hierher kommen ; und , sich in einen Lehnstuhl setzend , gab er durch eine Geberde zu verstehen , daß ich mich vor ihn hinstellen solle . John ]
[ Hans ]
Reed war
[ vierzehn Jahre alt , also ]
[ ]
vier Jahre älter als ich ,
[ ]
[ denn ich zählte erst zehn ; er war ]
groß und stark für sein Alter ,
[ von schmutzig grauer und ungesunder Gesichtsfarbe ]
[ sah aber nicht gesund ]
,
[ ]
[ sondern vielmehr aufgedunsen aus . Mit seiner vierschrötigen Gestalt , seiner unklaren Hautfarbe , seinem ]
groben
[ Zügen in einem breiten Gesichte , plumpen ]
[ Gesicht und seinen großen Füßen und ]
Händen
[ und Füßen . Gewöhnlich pfropfte ]
[ sah ]
er
[ sich ]
[ auch wirklich nichts weniger als sympathisch aus . Er aß ]
bei Tische
[ zum Platzen voll ]
[ gewöhnlich so viel ]
,
[ was ihm ein galliges Aussehen , trübe , glasige Augen und schlaffe Wangen zuzog ]
[ daß er schlechte Laune bekam ]
.
[ Er ]
[ Eigentlich ]
hätte
[ zu dieser Zeit in ]
[ er jet auf ]
der Schule sein
[ sollen ; ]
[ müssen , ]
aber seine Mama hatte ihn auf
[ einen oder zwei Monate wegen Kränklichkeit ]
[ ein paar Wochen ]
nach Hause genommen
[ ]
[ , seiner zarten Gesundheit wegen ]
.
[ Sein Lehrer ]
[ Der Direktor ]
versicherte allerdings ,
[ der Junge könnte gesund wie ein Fisch sein , wenn ]
[ ]
man
[ ]
[ brauche ]
ihm
[ ]
[ nur ]
weniger
[ Kuchen und Konfekt ]
[ Leckereien in die Pension « zu schicken , so würde er schon gesünder werden . Das fand die Mutter brutal . Nach ihrer Meinung rührte das schlechte Aussehen ihres Lieblings nur ]
von
[ Hause schicken würde , aber das Mutterherz lehnte sich gegen eine so lieblose Behauptung auf ]
[ Ueberanstrengung ]
und
[ neigte sich eher zu der Ansicht hin , daß Johns blasse Gesichtsfarbe von übertriebenem Fleiße und wohl ]
[ vielleicht ]
auch von Heimweh
[ herrühre ]
[ her ]
.
[ John ]
[ Hans durfte sich daheim alles erlauben ; nie ]
hatte
[ ]
[ die Mutter ein hartes Wort , einen Tadel oder gar eine Strafe ]
für
[ seine Mutter ]
[ ihn . Ich besonders war die Zielscheibe seiner Unart , ]
und
[ Schwestern herzlich wenig Liebe übrig ; mich aber haßte er geradezu . Er quälte und prügelte mich bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit ; ]
[ ]
jeder Nerv
[ , jede Faser an ]
[ in ]
mir
[ zitterte ]
[ zuckte vor Furcht ]
, wenn er
[ mir nahe ]
[ in meine Nähe ]
kam .
[ Es gab Augenblicke , wo der Schrecken , den er mir einflößte , mich ganz verwirrt machte , ]
[ Schutz vor ihm fand ich nirgend ; ]
denn
[ ich konnte gegen seine Drohungen oder Tätlichkeiten bei niemand Beschwerde erheben . Die ]
[ die ]
Dienerschaft
[ mochte ihren jungen Herrn ]
[ wagte es ]
nicht
[ beleidigen und Partei ]
[ , ]
gegen ihn
[ nehmen ]
[ aufzutreten ]
, und Frau Reed war
[ ]
[ in diesem Punkte taub und ]
blind
[ und taub ]
[ ]
,
[ ]
[ selbst ]
wenn er mich
[ ]
[ - was oft geschah - ]
in ihrer Gegenwart
[ ausschimpfte ]
[ beschimpfte ]
oder schlug
[ ]
[ . Auch diesmal gehorchte ich ihm und trat näher ]
;
[ noch häufiger allerdings peinigte ]
[ als ich weit genug bei ihm war , hieb ]
er
[ mich hinter ihrem Rücken . Meiner Gewohnheit gemäß , John zu gehorchen , näherte ich mich seinem Stuhle . Etwa drei Minuten lang streckte er die Zunge gegen mich so weit herau , als es angehen mochte , ohne deren Wurzel zu beschädigen . Ich wußte , daß er bald zuschlagen würde , und dachte , während ich mich zusammenkrümmte , wie garstig der Bengel doch aussähe . Vielleicht las er diesen Gedanken in meinem Gesichte , denn mit einem Male , und ohne ]
[ plötzlich auf mich ]
ein
[ Wort zu sagen , schlug er heftig auf mich los ]
[ ]
.
[ Ich taumelte und zog mich ]
[ ]
,
[ sobald ich mein Gleichgewicht wieder erlangt hatte , ein bis zwei Schritte von seinem Stuhle zurück . ]
[ ]
Das ist für die
[ unverschämte ]
[ freche ]
Antwort , die du vor
[ einiger Zeit ]
[ einer halben Stunde meiner ]
Mama gegeben hast ,
[ sagte ]
[ rief ]
er
[ , und dafür , daß du dich immer wegschleichst und dich hinter Vorhänge verkriechst , und für den Blick , den du vor ein paar Minuten in deinem Auge zeigtest , du falsche Katze ! An John Reeds Schmähungen und Mißhandlungen gewöhnt , kam es mir nie in den Sinn , mich dagegen zu wehren , meine einzige Sorge war , wie ich die Schläge , die auf die Schmähung noch folgen würden , ertragen sollte ]
[ ]
.
[ ]
[ , ]
Was hast du
[ hinter dem Vorhange getan ]
[ da für ein Buch ]
?
[ fragte er . ich habe gelesen . Zeige ]
[ Er entriß es ]
mir
[ das Buch . ich ging an das Fenster zurück ]
[ ]
und
[ brachte es ihm . ]
[ fuhr fort : , ]
Wer
[ ]
[ hat dir denn ]
erlaubt
[ dir ]
[ ]
,
[ unsere ]
[ meine ]
Bücher zu
[ lesen ]
[ benützen ]
?
[ Du bekommst bei uns das Gnadenbrod ]
[ Denn sie sind mein . Alles hier ist mein ]
,
[ ]
[ oder wird es wenigstens bald sein . Dir gehört gar nichts , Mama ]
sagt
[ Mama ; ]
[ es immer . Geld hast ]
du
[ hast kein Geld ]
[ keins ]
, dein Vater hat dir
[ keins ]
[ doch nichts ]
hinterlassen
[ ; eigentlich ]
[ , und von Rechts wegen ]
solltest du betteln gehen ,
[ und nicht ]
[ statt ]
hier
[ bei vornehmen ]
[ mit den ]
Kindern
[ ]
[ eines Gentleman zusammenzuleben ]
,
[ wie wir , wohnen und dasselbe ]
[ am gleichen Tische zu ]
essen
[ , wie wir , ]
[ ]
und
[ ]
[ die ]
Kleider
[ ]
[ zu ]
tragen , die
[ unsere ]
[ dir meine ]
Mama
[ bezahlen ]
[ kaufen ]
muß .
[ Nun will ich ]
[ Marsch ! stell ]
dich
[ lehren , in meinem Bücherschrank herumzusuchen , denn die Bücher und der Schrank gehören mir , das ganze Haus gehört mir , oder wird mir in einigen Jahren gehören . Geh , und stelle dich ]
[ dort ]
an die Tür
[ , vom Spiegel und von den Fenstern weg ]
[ ! Ich tat es ]
.
[ ich gehorchte , da ich seine Absicht nicht gleich merkte ; als ich ihn aber ]
[ Er hob ]
das Buch
[ in die Höhe heben sah , sprang ich mit einem Schrei des Schreckens auf die Seite , indessen ]
[ und zielte nach mir . Ich wich ]
nicht
[ zeitig ]
[ rasch ]
genug
[ . Das Buch flog schon auf mich zu ]
[ aus ]
und
[ traf mich , und ich fiel mit dem Kopfe gegen die Tür . Das Loch , das ich mir in ]
[ wurde so heftig an ]
den Kopf
[ fiel ]
[ getroffen ]
,
[ schmerzte mich heftig ]
[ daß ich ]
,
[ und es floß Blut daraus hervor ; mein Schrecken war übermäßig , und nun folgten andere Gefühle ]
[ eine blutende Wunde bekam und vor Schmerz laut aufschrie ]
.
[ Böser ]
[ ]
,
[ ]
[ Du ]
grausamer
[ Junge sagte ich . Du bist wie ein Mörder , wie ein Sklaventreiber , du gleichst den römischen Kaisern ich hatte Goldsmith ' s römische Geschichte gelesen , und mir über Nero , Caligul u . s . w . eine Meinung gebildet . Auch hatte ich im stillen Parallelen gezogen , von denen ich nie glaubte , daß ich sie einst so laut aussprecen würde . Was , was ]
[ Bengel ]
! rief
[ ]
[ ich . , Was ? schrie ]
er
[ ]
[ nun ]
.
[ Hat ]
[ , Habt ihr das gehört , Elisa und Georgina ? Das sagt ]
sie
[ das ]
[ ]
zu mir
[ gesagt ]
[ ]
?
[ Habt ihr es gehört , Elisa und Georgiana ! Soll ich es nicht ]
[ Das will ich gleich der ]
Mama
[ agen ? Aber vorerst - - - ]
[ erzählen . Erst aber noch ]
Er
[ rannte ]
[ packte mich beim Haar , doch nun wehrte ich mich verzweifelt . Während er ]
auf mich
[ zu ; ich fühlte ]
[ einschlug ]
,
[ wie er mich bei ]
[ arbeitete auch ich blindlings mit ]
den
[ Haaren und den Schultern packte ; er hatte sich mit einem verzweifelten Geschöpfe in einen Kampf eingelassen , und ich sah wirklich in ihm einen Tyrannen , einen Mörder ]
[ Fäusten ]
.
[ Ich fühlte Blutstropfen von meinem Kopfe auf meinen Hals herabträufeln und verspürte einen stechenden Schmerz . Diese Empfindungen gewannen für den Augenblick die Oberhand über die Furcht , und so empfing ich ihn denn wie eine Wahnsinnige . Ich weiß nicht mehr genau , was ich mit meinen Händen tat , aber er brüllte laut auf , und bald erhielt er Hilfe . Elisa und Georgiana waren zu ]
[ ]
Frau Reed
[ gelaufen ]
[ eilte herbei ]
,
[ die die Treppe hinaufgegangen war ; nun erschien sie mit ]
[ ]
Bessie
[ ]
[ , das Hausmädchen , ]
und
[ ihrem Kammermädchen ]
[ ]
Abbot
[ auf dem Kampfplatze ]
[ , die Kammerzofe , folgten ihr ]
.
[ Man trennte ]
[ Sie rissen ]
uns
[ ; ]
[ auseinander , und ]
ich hörte
[ folgende ]
[ nur noch die ]
Worte :
[ Hilf Himmel ]
[ ]
,
[ welche ]
[ So eine ]
Furie
[ , so auf den jungen Herrn loszustürzen ]
[ ]
!
[ Hat man je einen solchen Zorn gesehen ]
[ So eine Giftblase ! - ]
Dann
[ fügte ]
[ setzte ]
Frau Reed hinzu :
[ ]
[ , ]
Bringt sie in das rote Zimmer und schließt sie
[ ]
[ dort ]
ein
[ Alsbald wurde ich von vier Händen ergriffen ]
[ . - Vier Hände packten mich ]
und
[ ]
[ schleppten mich ]
die Treppe
[ hinaufgetragen ]
[ hinauf ]
.
[ Zweites Kapitel . ich leistete auf dem ganzen Wege ]
[ Unterwegs wehrte ich mich mit allen Kräften . Das hatte ich bisher noch nie getan ; stets hatte ich schweigsam und geduldig alles hingenommen . Mein ]
Widerstand
[ : etwas Neues bei mir und ein Umstand , welcher die schlimme ]
[ bestärkte nun die beiden Mädchen in der schlechten ]
Meinung
[ bedeutend verstärkte ]
[ ]
, die
[ Bessie und Fräulein Abbot ]
[ sie ohnehin ]
von mir
[ zu hegen geneigt waren ]
[ hegten ]
.
[ Tatsache ist ]
[ - - ]
,
[ daß ich außer mir war : wußte ich doch , daß ich mich so wie so schweren Strafen ausgesetzt hatte , und wie jeder andere rebellische Sklave , war ich in meiner Verzweiflung entschlossen , auch vor dem Äußersten nicht zurück zu weichen . Halten Sie ihre Arme fest , Fräulein ]
[ Wie eine wilde Katze , ' sagte Bessie . - , Schäme dich ? rief ]
Abbot
[ ; sie gebärdet sich wie eine tolle Katze ]
[ ]
.
[ Pfui ]
[ ]
,
[ ]
[ Schlägt den Sohn ihrer Wohltäterin ! O ]
pfui !
[ rief die Kammerjungfer . Welch garstige Aufführung , Fräulein Eyre , den jungen Herrn zu schlagen , den Sohn Ihrer Wohltäterin , Ihren jungen Herrn ! Meinen Herrn ! Bin ich denn eine Magd ? Nein , ]
[ - ]
Sie
[ sind weniger als eine Magd , denn Sie tun durch aus nichts für Ihren Unterhalt . Da setzen Sie sich hin und denken Sie über Ihre Bosheit nach . Unterdessen hatte sie mich in das von Frau Reed bezeichnete Zimmer gebracht und ]
[ drückten ]
mich auf einen
[ niedrigen ]
[ ]
Stuhl
[ geworfen ; gleich einer Feder wollte ]
[ nieder , doch ]
ich
[ ]
[ sprang sofort ]
wieder
[ in die Höhe schnellen , ihre vier Hände aber ]
[ auf . Da ]
hielten
[ ]
[ sie ]
mich
[ ]
[ von neuem ]
fest
[ ]
[ . - - ]
, Wenn
[ Sie ]
[ du ]
nicht
[ ruhig sitzen bleiben ]
[ still sitzest ]
,
[ müssen Sie ]
[ wirst du ]
angebunden
[ werden ]
[ ]
,
[ ]
[ ' ]
sagte Bessie
[ ]
[ und löste auch schon ihre Strumpfbänder ]
.
[ Fräulein Abbot ]
[ ]
,
[ leihen ]
[ Nein , lassen ]
Sie
[ mir Ihre Strumpfbänder ; meine würde sie zerreißen . Die Abbot traf Anstalten , das nötige Band von einem runden , derben Beine loszumachen . Diese Vorbereitung zu meiner Fesselung , sowie der Gedanke an die neue Schmach mäßigten meine Aufregung ein wenig . Lassen Sie das , rief ]
[ ! ' bat ]
ich
[ ; ich ]
[ nun erschrocken . , Ich ]
will
[ ruhig ]
[ auch ganz still und artig ]
sein .
[ Und zum Beweise ]
[ ]
,
[ daß ich mich ruhig verhalten würde , klammerte ich mich mit den Händen an den Stuhl an . Rühren Sie sich ja nicht ]
[ Das rat ich dir auch ]
, sagte Bessie
[ ; ]
[ , ]
und als sie
[ die Ueberzeugung gewonnen hatte ]
[ sah ]
, daß
[ meine Aufregung sich ]
[ ich ]
wirklich
[ gelegt hatte ]
[ ruhiger wurde ]
, ließ sie mich
[ ]
[ denn auch ]
los
[ ; dann stellte sie ]
[ . Dann stellten ]
sich
[ ]
[ die beiden Mädchen vor mich hin und musterten mich ]
mit
[ der ]
[ finsterer Miene . , Das ist ja was ganz Neues von ihr , meinte ]
Abbot
[ ]
[ . ]
,
[ die Arme übereinander gekreuzt , vor mich hin ]
[ Es steckt aber schon lange in ihr ]
,
[ und beide sahen mich mit düsterer Miene an , als ob sie zweifelten : , ob ich bei Sinnen wäre . So ist sie noch nie gewesen , sagte ]
[ ' ' antwortete ]
Bessie
[ zu der Zofe ]
[ ]
.
[ Aber es lag immer in ihr ]
[ ]
,
[ war die Antwort . ]
[ ]
Ich
[ habe ]
[ hab ' s ]
der gnädigen Frau
[ ]
[ schon ]
oft
[ meine Meinung über das Mädchen ]
[ ]
gesagt ,
[ und ]
[ ]
die
[ gnädige Frau denkt ebenso . Es ]
[ Hanne ]
ist
[ eine bösartige ]
[ ein ganz verstocktes ]
,
[ hinterlistige , kleine Kröte ]
[ giftiges Ding und furchtbar durchtrieben für ihr Alter ]
.
[ Bessie gab keine Antwort , bald aber wendete ]
[ Dann wandte ]
sie sich
[ zu mir ]
[ an mich ]
und
[ sagte ]
[ setzte hinzu ]
:
[ Sie sollten bedenken , Fräulein ]
[ , Nun denke mal ein bißchen darüber nach ]
, daß
[ Sie Frau Reed zu Dank verpflichtet sind : sie ist ]
[ ]
es
[ , die Sie ernährt ; wollte sie Sie wegjagen , so bliebe Ihnen nichts weiter übrig , als in einem Armenhause ein Unterkommen zu suchen . Hierauf hatte ich nichts zu erwidern ; solche Redensarten waren mir ]
[ dir ]
nicht
[ neu . Dieser Vorwurf der Abhängigkeit hatte stets in meinem Ohr geklungen ; so schmerzlich und niederdrückend aber die Sache für mich war , so war sie mir doch nur halb verständlich . Die Abbot fiel ein Und Sie sollten sich keinen Augenblick den Gedanken beifallen lassen , daß Sie ]
[ zukommt , dich ]
mit
[ ]
[ dem jungen Herrn und ]
dem gnädigen Fräulein
[ ]
[ auf eine Stufe zu stellen , ]
und
[ dem jungen Herrn ]
[ du ins Armenhaus wandern müßtest , wenn Frau ]
Reed
[ auf gleichem Fuße stehen ]
[ sich nicht deiner annähme . Wenn du noch länger so schlecht und undankbar bist ]
,
[ weil die gnädige ]
[ wird dich ]
Frau
[ in ihrer Güte Sie mit ihnen erziehen läßt . Die werden mal viel Geld bekommen , und Sie keins ]
[ Reed eines schönen Tages fortschicken ]
.
[ Sie sollten ]
[ Sei ]
also
[ recht ]
[ demütig und ]
bescheiden
[ sein ]
[ ]
und
[ sich ]
[ mache dich nützlich und angenehm . , Und bete vor allem , fügte Abbot ]
bei
[ Ihren Wohltätern beliebt zu machen suchen . Was wir Ihnen da sagen , bezweckt ja Ihr Bestes , setzte Bessie in einem Ton hinzu , der nichts weniger als rauh war . Sie sollten es versuchen , gefällig und nützlich zu sein , dann würden Sie vielleicht eher eine Heimat haben ]
[ , , daß dir deine Unart verziehen werde ]
,
[ sind Sie aber jähzornig ]
[ sonst kommt am Ende ein Gespenst zum Kamin herunter ]
und
[ grob , so wird die gnädige Frau Sie ganz gewiß fortschicken ]
[ holt dich ]
.
[ Zudem , sagte Fräulein Abbot , wird Gott ]
[ Nach diesen Worten gingen ]
sie
[ strafen : er kann sie einmal in ihrem Zorn und ihrer Unart töten , und wo kommt sie dann hin ? Komm , Bessie , wir wollen sie allein lassen : um nichts in der Welt möchte ich ihr Herz haben . Beten Sie , Fräulein Eyre , wenn Sie allein und wieder ganz bei Besinnung sind , denn wenn Sie über Ihr Betragen keine Reue empfinden so kann etwas den Kamin herunterkommnen und Sie mitnehmen . Sie entfernten sich ]
[ ]
und schlossen die Tür zu .
[ ich war allein ]
[ Das rote Zimmer , ]
in dem
[ kalten und öden roten Zimmer , vor dem ich mich immer entsetzlich gegrauelt hatte , denn hier , in jenem pompösen Himmelbett , mit den dunkelroten Damastvorhängen , war vor neun Jahren mein Onkel Reed gestorben , und seitdem war es so gut wie unbewohnt geblieben . Aber Augenblicklich empfand ich keine Furcht ]
[ ich mich befand ]
,
[ denn noch wallte mein Blut zu heftig , noch tobte in mir die wilde Wut einer rebellischen Sklavin , und so war meine erste Regung nun rasch aufzustehen und mich zu vergewissern , ob ich wirklich eine Gefangene sei . Ja leider ! Kein Kerker konnte besser verschlossen sein . Als ich von der Tür zurückkam , mußte ich an dem Spiegel vorüber ; aber mein Blick blieb wie bezaubert daran haften und suchte die Tiefe zu ergründen , die sich da vor mir auftat . Alles sah darin noch kälter und düsterer aus , als es in Wirklichkeit war ; und die unschöne kleine Gestalt , die mich daraus anschaute , mit dem weißen Gesicht und mit Armen , die sich von der Dunkelheit scharf abhoben , und mit ihren grellen , verängstigten Augen , die sich bewegten , wo sonst alles ruhig war , brachte einen Eindruck hervor , als sähe sie einen Geist , eines jener Gespenster , die Bessies Abenderzählungen aus einsamen , mit Farnkräutern bewachsenen Sümpfen vor unserm innern Auge heraufzubeschwören pflegten . Ich ging zu meinem Stuhle zurück . In diesem Augenblicke regte sich der Aberglaube in mir ; war aber die Stunde seines vollständigen Sieges nicht gekommen ; mein Blut war noch heiß , noch hatte die Stimmung des empörten Sklaven in mir die Oberhand : ich mußte mich erst vor dem Ansturm der zurückgebliebenen Gedanken entgegenstemmen , bevor ich die traurige Gegenwart recht fühlen konnte . Alle tyrannischen Handlungen John Reeds , die ganze stolze Gleichgültigkeit seiner Schwestern , die ganze Abneigung seiner Mutter , die ganze Parteilichkeit der Dienerschaft stieg in meinem verstörten Geiste auf , wie ein trüber Bodensatz in einem aufgerührten Brunnen . Warum mußte ich stets leiden , warum stets beschuldigt , verurteilt und eingeschüchtert werden ? Warum konnte ich es niemand recht machen ? Elisa , die halsstarrig und selbstsüchtig war , achtete man . Georgiana mit ihrer Tücke , ihrem zänkischen und frechen Wesen sah man stets alles nach . Ihre Schönheit , ihre roten Wangen und goldenen Locken entzückten jedermann und erkauften ihr für jeden Fehler Straflosigkeit . John vollends legte niemand etwas in den Weg , geschweige denn , daß er je bestraft ]
[ ]
wurde
[ ]
[ nur benutzt ]
, wenn
[ er den Tauben die Hälfte umdrehte , die Hunde hinter die Schafe hetzte , die Treibhäuser plünderte ; seine Mutter nannte er das alte Kamel ; nicht selten zerriß oder beschmutzte er ihr seidenes Kleid , und doch war er bei all dem stets ihr Liebling . Ich wagte mir keinen Fehler zu Schulden kommen zu lassen , ich bestrebte mich , jede Pflicht zu erfüllen , und man nannte mich unartig , verdrießlich und niederträchtig , vom frühen Morgen bis zum späten Abend . Mein Kopf tat mir weh und blutete von dem Schlage und von dem Falle gegen die Tür . Niemand hatte John deswegen gescholten , daß er mich geschlagen ; und weil ich mich gegen ihn gewehrt hatte , überschüttete mich jedermann mit Vorwürfen . Wie ungerecht ! sagte meine Vernunft , die der so qualvolle Stachel zu früher , wenn auch vorübergehender Energie antrieb ; und der Entschluß , der gleichfalls angespornt ward , feuerte zu irgend einem außergewöhnlichen Auskunftsmittel an , um dem unerträglichen Drucke zu entgehen : z . B . davonzulaufen , oder wenn das nicht anginge , nicht mehr zu essen und zu trinken , und so den Tod herbeizurufen . Wie gross war meine Niedergeschlagenheit an jenem unheilvollen Nachmittag ! Welche Aufregung tobte in meinem Hirn , wie war mein ganzes Herz empört ! In welcher Dunkelheit , in welch dichter Unwissenheit indessen wurde der geistige Kampf ausgefochten ! Ich konnte die stets wiederkehrende innerliche Frage nicht beantworten - warum ich so leiden mußte . Jetzt sehe ich es klar ein . In ]
[ Gäste in ]
Gateshead - Hall
[ ]
[ weilten ; dennoch ]
war
[ ich eine Dissonanz ]
[ es eins der schönsten im Herrenhause . Die Mitte nahm ein großes Mahagoni - Bett ein ]
,
[ ich glich niemandem , ich hatte nichts , wodurch ich ]
[ das ]
mit
[ ]
[ roten Vorhängen versehen war ; vom selben Stoffe waren auch die Rouleaus an den Fenstern , die Tapeten und der Teppich . Die Möbel waren alle aus dunkelpoliertem Mahagoni . In dem düstern Ton , den diese Gegenstände verbreiteten , stachen nur die schneeweiße Decke , die über das Bett gebreitet war , und das ebenfalls weiße Polster eines großen Lehnstuhls hervor , der mir damals wie ein geisterhafter Thron erschien . Es war still hier oben , denn das Zimmer lag abseits von der Küche und den bewohnten Räumen . Mir wurde bald recht unheimlich zumute , indem ich daran dachte , wie selten diese Stube betreten wurde . Nur alle Sonnabend stieg Bessie herauf , um Staub zu wischen ; und hin und wieder weilte ]
Frau Reed
[ oder ]
[ hier , um den Inhalt einer gewissen Schatulle zu prüfen , die ihre Papiere und Urkunden , ]
ihren
[ Kindern , oder ihrer Dienerschaft harmonierte . Liebten sie mich nicht , so liebte ich sie ebenso wenig . Es ]
[ Schmuck und ein Bildnis ihres verstorbenen Gatten enthielt Denn in diesem Zimmer ]
war
[ nicht ihre Pflicht , ein Wesen , das mit niemand von ihnen sympathisierte , mit Zuneigung zu betrachten ; war dieses Wesen nicht , was Temperament , Fähigkeiten und Neigungen betrifft , himmelweit von ihnen verschieden ? War es nicht nutzlos und unfähig , einem Interesse zu dienen oder zu ihrem Vergnügen beizutragen ? Ich weiß , wäre ich ein leichtblütiges , mit glänzenden Eigenschaften begabtes , nachlässiges , anspruchsvolles , schönes , wildes Kind gewesen - - wenn auch abhängig und aller Freunde bar - - Frau ]
[ Herr ]
Reed
[ hätte meine Gegenwart mit mehr Geduld ertragen ]
[ ]
,
[ ihre Kinder würden gegen mich freundschaftlicher , und das Gesinde endlich nicht so geneigt gewesen sein , mich zum Sündenbocke der Kinderstube zu machen . Das Tageslicht begann das rote Zimmer zu verlassen ; es war vier Uhr vorüber , und der bewölkte Nachmittag machte allmählig einer trüben Dämmerung Platz . Ich hörte den Regen immer noch an das Treppenfenster schlagen und den Wind in dem Lustwäldchen hinter der Halle pfeifen ; nach und nach wurde ich so kalt wie ein Stein , und nun fing ]
[ ]
mein
[ Mut zu sinken an . Meine gewöhnliche demütige Stimmung ]
[ Onkel ]
,
[ der Zweifel an mir selbst , meine Trostlosigkeit und Niedergeschlagenheit fielen feucht auf die allmählig verglühende Asche meines Zorns ]
[ gestorben ]
.
[ Jedermann sagte , ich sei boshaft , und vielleicht war es auch so . Wie hatte ich nur soeben noch den Gedanken fassen können , mich zu Tode zu hungern ? ]
[ ]
Das war
[ gewiß ein Verbrechen ]
[ nun neun Jahre her . Unwillkürlich legte ich mir die Frage vor ]
,
[ und war ich zum Sterben vorbereitet ? Oder war das Gewölbe unter dem Chor in ]
[ ob es mir wohl besser erginge , wenn dieser Mann noch lebte , den ich nie kennen gelernt hatte . Ich wußte - woher , kann ich nicht sagen - daß Reed , ]
der
[ Kirche zu Gateshead ein so einladendes Ziel ? In einem solchen Gewölbe liege Herr Reed begraben , - - - hatte man mir gesagt ; und so auf ihn zurückgeführt , verweilte ich mit steigendem Schrecken bei diesem Gedanken . Ich konnte mich seiner nicht mehr erinnern ; aber ich wußte , daß er mein Oheim , daß er ]
[ einzige Bruder ]
meiner Mutter
[ Bruder war ]
[ ]
,
[ daß er mich als elternloses Kind in sein Haus aufgenommen , und daß er in seinen letzten Augenblicken ]
[ auf dem Sterbebette ]
seiner Frau das Versprechen abgenommen hatte ,
[ ]
[ für ]
mich
[ ]
[ zu sorgen , ]
wie
[ eines ihrer ]
[ für ihre ]
eigenen Kinder
[ halten zu wollen ]
[ ]
.
[ ]
[ Ich wußte auch , er hatte mich als ganz kleines Kindchen in sein Haus aufgenommen , als seine Schwester , meine Mutter , gestorben war . Sie hatte gegen den Willen ihrer Eltern einen armen Prediger geheiratet und war von ihrem Vater verstoßen , von ihrem Bruder aber heimlich unterstützt worden . Mein Vater starb bald nach der Eheschließung , und meine Mutter folgte ihm binnen Jahresfrist . An das alles mußte ich nun denken , und ich fragte mich , ob wirklich ]
Frau Reed
[ glaubte wahrscheinlich ]
[ ]
,
[ ]
[ meine Tante , das ihrem Gatten gegebene Versprechen hielte . Weshalb durfte Hans sich alles gegen mich erlauben , weshalb durften seine Schwestern mich mit vornehmer Gleichgültigkeit behandeln , weshalb hegte Frau Reed selbst eine so große Abneigung gegen mich ? Nichts konnte ich recht machen , beim geringsten Versehen wurde ich mit Schmähungen überhäuft . Elisa konnte eigensinnig und selbstsüchtig , Georgina trotzig und launenhaft sein , Hans durfte die Haustiere quälen , die schönsten Früchte von den Obstbäumen nehmen , die Blumenbeete verwüsten ihnen war alles erlaubt , wurde alles nachgesehen . Ich aber gab mir alle Mühe , meine Pflicht zu tun , und trotzdem nannte man mich unartig , hinterlistig , mürrisch und schalt mich vom Mor gen bis zum Abend . Damals fand ich freilich auf diese Fragen keine Antwort : jetzt nach vielen Jahren aber habe ich ]
sie
[ habe dieses ihr Versprechen erfüllt , ]
[ gefunden . Ich war ein Mißton in Gateshead - Hall ; ich war dort ganz am falschen Plate . Ich hatte keine innere Gemeinschaft mit Frau Reed , ihren Kindern ]
und
[ ich kann wohl sagen ]
[ ihrem Dienstpersonal . Sie liebten mich nicht ]
,
[ ]
[ und ich liebte ]
sie
[ ]
[ ebensowenig . Kein Fädchen Sympathie konnte sich zwischen uns spinnen , wir waren in Temperament , in Fähigkeiten , in Gefühlen und Neigungen grundverschieden . Der Kopf schmerzte mich noch nach dem Wurf mit dem Buche , und niemand ]
hatte
[ es auch getan ]
[ Hans getadelt ]
,
[ ]
[ daß er mich grundlos mißhandelte , vielmehr wurde ich hier oben eingesperrt , weil ich mich gegen ihn verteidigt hatte . - - , Wie ungerecht ! ’ sprach ich zu mir selbst . Es wurde dunkel im roten Zimmer . Draußen herrschte Dämmerung , und Regen schlug an das Fenster . Mir wurde kalt , der Mut sank , und tiefe Traurigkeit bemächtigte sich meiner ; und indem ich auf das im Halblicht verschwimmende Zimmer , auf die dunkeln Wände blickte , beschlich mich heimliches Grauen , Ich weinte und schluchzte , und je mehr ich mich gewaltsam beruhigen wollte , um ]
so
[ weit ihr Wesen dies zuließ ]
[ größer wurde meine Aufregung ]
.
[ Wie konnte sie ]
[ Ich vergrub das Gesicht in den Händen und überließ mich kraftlos meinem Gram . Nach einer Weile ]
aber
[ einen Eindringling , der nicht zu ihrer Familie gehörte , und nach ihres Mannes Tode durch kein Band an sie geknüpft war , wahrhaft lieben ? Höchst lästig und ärgerlich mußte es ihr sein , sich durch ein mit vieler Mühe erzwungenes Versprechen gebunden zu finden , an einem fremden Kinde , das sie nicht zu lieben vermochte , Mutterstelle zu vertreten , und eine nicht gleich gestimmte Fremde beständig in ihrem Familienkreise zu dulden . Sonderbare Gedanken dämmerten in mir ]
[ sah ich ]
auf .
[ Ich zweifelte nicht , und hatte nie gezweifelt , daß , wenn Herr Reed am Leben geblieben wäre , er mich gütig behandelt haben würde ; und jetzt , als ich so dasaß und das weiße Bett und die überschatteten Wände ansah , während ich auch dann und wann mein bezaubertes Auge dem trübe schimmernden Spiegel zukehrte , fing ich an , mir ins Gedächtnis zurückzurufen , was ich von Toten gehört , die durch die Nichtbeachtung ihrer Wünsche in ihrer Grabesruhe gestört würden und wieder auf die Erde kämen , um die Meineidigen zu strafen und die Unterdrückten zu rächen ; und ich dachte , Herrn Reeds Geist könnte , durch das am Kinde seiner Schwester verübte Unrecht gequält , seinen Aufenthaltsort , sei es in dem Grabgewölbe der Kirche , oder in der unbekannten Welt der Abgeschiedenen , verlassen und in diesem Zimmer vor mir auferstehen . Ich trocknete meine Tränen und unterdrückte mein Schluchzen , in der Furcht , es möchte irgend ein Zeichen heftigen Kummers eine übernatürliche Stimme wecken , um mich zu trösten , oder aus der Dunkelheit ein mit einem schimmernden Scheine umgebenes Gesicht hervorrufen , das mit seltsamem Mitleid sich über mich hinbeugte . Diese an und für sich trostreiche Idee müßte , dachte ich , schrecklich sein , wenn sie verwirklicht würde ; mit aller Macht bemühte ich mich , sie zu unterdrücken . Ich wollte um jeden Preis standhaft sein . Mein Haar aus den Augen schüttelnd , hob ich den Kopf in die Höhe und versuchte es , kühn in dem finstern Zimmer umherzusehen . In diesem Augenblicke schimmerte ein Licht ]
[ Da bemerkte ich ]
an der Wand
[ . Ist es , fragte ich mich , ein Mondstrahl ]
[ einen Lichtschein ]
, der
[ durch eine Oeffnung des Fensterladens bricht ? Nein , dachte ich wieder , das Mondlicht ist ruhig , und dieses bewegt ]
[ ]
sich
[ . Während ich es so Anblickte ]
[ bewegte ]
,
[ fuhr es ]
[ ]
an
[ die Zimmerdecke hinauf ]
[ der Decke hinaufglitt ]
und
[ zitterte über ]
[ dann übet ]
meinem Kopfe
[ . Ich kann mir jetzt leicht denken ]
[ her ]
,
[ daß dieser Lichtstreifen höchst wahrscheinlich von einer Laterne herkam , ]
[ ]
die
[ jemand ]
[ ]
über den
[ Rasenplatz trug ]
[ Hof getragen wurde ]
;
[ aber ]
[ doch ]
damals
[ , wo mein Geist auf das schrecklichste vorbereitet ]
[ konnte ich mir sein Erscheinen nicht erklären ]
,
[ wo meine Nerven durch die heftige Aufregung erschüttert waren , hielt ich den schnell dahinfahrenden Strahl für den Vorboten ]
[ und große Angst befiel mich bei seinem Anblick . Er war in meinen Augen ein Gespenst aus ]
einer
[ Erscheinung aus der ]
[ ]
andern Welt
[ . Mein Herz schlug heftig ]
[ ]
,
[ mein Kopf brannte ; ein Geräusch erfüllte mein Ohr , ]
[ und ich hatte wirklich ]
das
[ ]
[ Gefühl , als wenn Flügel durch das Zimmer rauschten und sich ]
mir
[ wie das Rauschen von Flügeln vorkam ]
[ näherten ]
.
[ Etwas schien mir nahe zu sein ; ich ]
[ Ich rang nach Luft , ich wollte schreien , ]
konnte
[ nicht mehr atmen , ich erstickte , länger konnte ich es nicht mehr aushalten , und so ]
[ aber keinen Laut hervorbringen . Ich ]
stürzte
[ ich auf die ]
[ zur ]
Tür
[ zu ]
[ ]
und rüttelte an
[ dem Schlosse mit verzweifelter Anstrengung ]
[ der Klinke ]
.
[ In dem äußeren Gange ließen sich eilige ]
[ Gleich darauf hörte ich ]
Schritte
[ vernehmen ; ]
[ , ]
der Schlüssel
[ drehte sich um ]
[ wurde herumgedreht ]
, und Bessie
[ trat mit der ]
[ und ]
Abbot
[ herein ]
[ traten ein ]
.
[ Fräulein Eyre ]
[ ]
,
[ sind Sie unwohl ]
[ Johanna , bist du krank ]
?
[ ]
[ ' ]
fragte Bessie .
[ Welch schrecklicher ]
[ , Was für ein ]
Lärm !
[ Es ist mir in alle Glieder gefahren ]
[ Ich bin zu Tode erschrocken ]
!
[ rief die ]
[ ' setzte ]
Abbot
[ aus ]
[ hinzu ]
.
[ Laßt mich heraus ! Laßt mich ]
[ , Nehmt mich mit hinaus , ich will ]
in die Kinderstube !
[ ]
[ ' ]
schrie ich
[ ]
[ in einem fort ]
.
[ ]
[ , ]
Weshalb
[ ]
[ denn ]
?
[ ]
[ rief Bessie . , ]
Ist
[ Ihnen ]
[ ]
etwas geschehen ?
[ Haben Sie etwas gesehen ]
[ Hast du was gesehn ]
?
[ fragte Bessie wiederum . O ! Ich sah ]
[ Ja , ]
ein Licht
[ und dachte , ]
[ ]
es
[ würde ]
[ war ]
ein Geist
[ kommen . ]
[ ! rief ]
ich
[ hatte nun Bessies Hand ergriffen ]
[ . , Ach was , Bessie ]
,
[ und sie entzog sie mir nicht ]
[ ' sagte Abbot , , das ist Komödie ]
. Sie hat
[ mit Fleiß so geschrieen , erklärte die Abbot mit einigem Widerwillen . Und was für ein Schrei ! Wäre sie in großer Not gewesen , so hätte man ihn allenfalls hingehen lassen können ; allein ihr einziger Zweck war , ]
[ ]
uns
[ alle hierher zu bringen . Ich ]
[ bloß herrufen wollen , ich ]
kenne
[ ]
[ schon ]
ihre
[ Unarten ]
[ Schliche ]
.
[ Was soll das heißen ? fragte eine andere gebieterische Stimme ; und ]
[ ]
Frau Reed kam
[ den Gang daher ]
[ ]
mit
[ flatternder Haube ]
[ flatternden Haubenbändern ]
und
[ rauschendem Gewande ]
[ wehendem Kleide herbeigelaufen ]
.
[ Abbot und Bessie ]
[ ]
,
[ ich hatte ]
[ Was gibt es ? fragte sie . , Ich habe ]
doch befohlen ,
[ Jane Eyre in dem roten Zimmer zu lassen , bis ich sie selbst holen würde ]
[ Johanna nicht ohne meinen ausdrücklichen Befehl heraus plassen ]
.
[ Fräulein Jane schrie ]
[ , Sie hat ]
so laut
[ ]
[ geschrien ]
,
[ gnädige Frau ! ]
[ Madame , ]
wandte Bessie
[ entschuldigend ]
[ ]
ein .
[ Lassen Sie sie gehen ]
[ ]
,
[ war die Antwort . ]
[ ]
Laß Bessies Hand
[ fahren ]
[ los ]
,
[ Kind ]
[ Johanna ! gebot Frau Reed barsch . ]
,
[ auf ]
[ Auf ]
diese Weise
[ kommst ]
[ erreichst ]
du
[ nicht durch . ]
[ nichts , das sage ]
ich
[ verabscheue alle ]
[ dir . Solche ]
List , besonders
[ aber ]
[ ]
bei Kindern
[ ; ]
[ , ist zu verabscheuen , und ich muß dich fühlen lassen , daß du mit solchen Ränken nicht weit kommst . Du bleibst jetzt noch eine Stunde hier , und dann lasse ich dich auch nur unter der Bedingung heraus , daß du ganz ruhig und unterwürfig sein wirst . , O , Tante , habe doch Erbarmen und verzeih mir . Oder bestrafe mich auf andere Weise - ich halte ]
es
[ ist meine Pflicht , dir zu zeigen , daß Kniffe ]
[ ]
hier nicht
[ verfangen , nur wenn du dich ganz unterwirfst und dich ruhig verhältst werde ich dich in Freiheit setzen ]
[ länger aus ]
.
[ O Tante ]
[ ]
,
[ haben Sie doch Mitleid vergeben Sie mir ]
[ Ruhe ]
!
[ Ich kann es nicht aushalten ; bestrafen Sie mich auf irgend eine andere Art ! Ich komme um , wenn - - Still : Still ! Diese Heftigkeit ]
[ Ein so ungestümes Betragen ]
ist
[ ja ]
[ geradezu ]
empörend
[ ! ]
[ , antwortete sie . ]
Und
[ so kam es ihr ]
[ sie mochte wohl ]
auch
[ ohne Zweifel vor . In ihren Augen war ich ]
[ tatsächlich Anstoß an meinem Wesen nehmen und mich für ]
eine frühreife
[ Schauspielerin ; in allem Ernste sah sie in mir die heftigsten Leidenschaften , einen niedrigen Geist und gefährliche Falschheit vereinigt Nachdem Bessie und die Abbot sich zurückgezogen hatten , ]
[ Komödiantin halten . Sie ]
stieß mich
[ Frau Reed , die meine wahnsinnige Angst und mein Geschluchze nicht länger ertragen mochte , rasch wieder ]
[ ]
in das Zimmer zurück und schloß mich
[ ]
[ ohne weiteres wieder ]
ein
[ , ohne etwas Weiteres zu sagen ]
[ ]
. Ich hörte sie
[ davonrauschen ]
[ hinwegeilen ]
;
[ und ]
[ ]
bald
[ , nachdem sie fortgegangen , umfing mich eine wohltätige ]
[ darauf muß ich in ]
Ohnmacht
[ ]
[ gefallen sein ]
.
[ Drittes Kapitel ]
[ Ich weiß nicht , was nachher geschah ]
. Als ich erwachte ,
[ war mir zu Mute , als hätte ich ein furchtbares Alpdrücken gehabt . Ich sah ein rotes von breiten schwarzen Streifen durchzogenes Licht immer vor mir und hörte Stimmen , die , gleichsam durch das Rauschen des Windes oder des Wassers gedämpft , in hohlem Tone sprachen ; die Aufregung , die Ungewißheit und ein alles beherrschendes Gefühl des Schreckens verwirrte meine Sinne . Es währte nicht lange , so fühlte ich , daß jemand mich anrührte , mich in die Höhe hob und mich in einer sitzenden Stellung erhielt , und zwar sanfter , als ich je zuvor aufgerichtet oder gehalten worden war . Mein Kopf ruhte auf einem Kissen oder auf einem Arme , und ich fühlte mich ganz behaglich . Nach weiteren fünf Minuten schwand die Wolke der Betäubung ; ich erkannte , daß ]
[ lag ]
ich in meinem
[ Bette lag , und daß der rote Schein das Kaminfeuer ]
[ eigenen Bett ]
in der Kinderstube
[ war . Es war Nacht ]
[ ]
,
[ ]
[ und ]
ein
[ Licht ]
[ helles Feuer ]
brannte
[ auf dem Tische , Bessie stand am Fußende des Bettes , mit einem Becken in der Hand , und ein Herr saß auf einem Stuhle neben meinem Kopfkissen , und beugte sich über mich hin . ich verspürte eine wohltuende Ueberzeugung der Sicherheit , als ich sah , daß sich in dem Zimmer jemand befand , der nicht zu der Familie Reed gehörte . Ich kannte ihn , es war Herr Lloyd , ein Apotheker , den Frau Reed kommen ließ , wenn einem von der Dienerschaft etwas fehlte ; für sich und ihre Kinder aber gebrauchte sie stets einen Arzt . Nun wer bin ich ? fragte er . ich nannte ihn bei seinem Namen und gab ihm die Hand . Er nahm sie lächelnd und sagte : Es wird bald besser mit uns werden . Dann legte er mich auf das Bett nieder und befahl Bessie , ja dafür zu sorgen , daß ich während der Nacht nicht gestört würde . Nachdem er noch weiteres angeordnet und bemerkt hatte , er würde am andern Tage wiederkommen , ging er zu meinem großen Kummer davon . Ich fühlte mich so sicher , während er auf dem Stuhle neben meinem Kopfkissen saß ; als aber die Tür hinter ihm zuging , verfinsterte sich das ganze Zimmer , mein Mut sank abermals , und ein unaussprechlicher Gram drückte mich nieder . Ist Ihnen , als ob Sie schlafen könnten , Fräulein ? fragte Bessie mit sanfter Stimme . Kaum wagte ich ihr zu antworten ; ich befürchtete , sie möchte gleich wieder einen rauhen Ton anschlagen . ich will ' s versuchen , sagte ich . Wollen Sie etwas trinken oder essen ? Nein , ich danke Ihnen , Bessie . Dann will ich mich ins Bett machen , denn es ist zwölf Uhr vorbei ; Sie brauchen mich aber nur zu rufen , wenn Sie in der Nacht etwas nötig haben . Fürwahr , eine wunderbare Höflichkeit ! sie gab mir Mut , eine Frage zu tun . Bessie , wie steht es mit mir ? bin ich krank ? ich denke , Ihr vieles Schreien ]
[ ]
im
[ roten Zimmer hat Sie krank gemacht ; ohne Zweifel wird Ihnen bald wohler sein ]
[ Kamin ]
.
[ Bessie ging in das naheliegende Zimmer des Stubenmädchens . Ich hörte sie sagen : Sarah , kommen Sie und schlafen Sie mit mir in der Kinderstube ; ich mag diese Nacht ums Leben nicht allein bei dem armen Kinde bleiben ; sie könnte sterben ; es ist so sonderbar , daß sie diese Ohnmacht bekam . Ich möchte wohl wissen , ob sie etwas gesehen hat . Die gnädige Frau war doch etwas zu hart gegen sie . Sarah kam mit ihr zurück ; sie gingen beide zu Bette , bevor sie aber einschliefen , flüsterten sie wohl noch eine halbe Stunde zusammen . Nur abgerissene Stücke von ihrer Unterhaltung drangen bis zu meinen Ohren ; indessen konnte ich daraus deutlich erkennen , wovon sie sprachen . Etwas ist ihr erschienen , schneeweiß gekleidet , und wieder verschwunden - - Ein großer schwarzer Hund hinter ihm - - - Drei starke Schläge an die Zimmertür - - Ein Licht auf dem Kirchhofe gerade über seinem Grabe u . s . w . Endlich schliefen beide : Feuer und Licht gingen aus . Was mich betrifft , so brachte ich die ganze lange Nacht in schaurigem Wachen zu ; Ohr , Auge und Geist waren durch die Furcht , - - - eine Furcht , wie sie nur Kinder empfinden können , - - - in gleich außerordentlicher Weise geschärft . Die Schreckensnacht zog keine schwerere Krankheit nach sich ; aber sie gab meinen Nerven einen Stoß , den ich noch heute empfinde . Ja , Frau Reed , Ihnen verdanke ich einige furchtbare Seelenqualen . Aber ich muß es Ihnen vergeben , denn Sie wußten nicht , was Sie taten . ]
[ ]