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[ Erstes Kapitel . Es ] [ Weiter wurde Jane verboten , die Familienzimmer sowohl , als auch die Bibliothek im ersten Stockwerk zu besuchen , sowie ihr Schlafzimmer oder die Küche zu verlassen , ja sie durfte nur mit Mistreß Reed ' s besonderer Bewilligung , welche durch Esther einzuholen ] war [ nicht möglich ] [ ] , [ an dem Tage einen Spaziergang zu machen ] [ in den Garten wie überhaupt ins Freie gehen , noch überhaupt mit Jemandem im Hause verkehren ] . [ Zwar waren wir während ] [ Jane ' s weiches und tiefes Gemüt empfand diese Demütigungen und Beschränkungen bitter , namentlich schmerzte es sie aufs tiefste , daß sie von Bessie ' s Unterricht und vom Besuche ] des [ Vormittags eine Stunde lang in der unbelaubten Eingangsallee umhergewandelt ; aber seit dem Mittagessen - - Frau Reed pflegte sehr früh zu Mittag zu speisen , wenn keine Gesellschaft da ] [ Bibliothekzimmers ausgeschlossen ] war - [ ] [ aber sie ertrug es still und ohne ein lautes Wort der Klage ; sie wußte sehr wohl , daß sie eine solche Behandlung nicht verdient hatte , und machte daher auch keinen Versuch , bei ihrer Tante um eine Aufhebung dieser Verbote bittweise nachzusuchen . Still und ergeben trug sie ihr einsames und trauriges Los , ja sie lebte nur glücklich in der Erinnerung an Onkel Reed , dessen Liebe und unaussprechliche Güte gegen sie mit lebhaften Zügen in ihr junges Herz eingeprägt war ; in solchen Stunden lebte sie glücklich allein unter Thränen . Die Köchin Esther war ein gutmütiges Geschöpf , das Mitleid mit dem stillen und sonst unverdrossenen Mädchen hatte und richtete nach etwa acht Tagen ihres Beisammenseins mit Jane , gerade an einem schönen Wintersonntag Nachmittag , als alle Arbeit in der Küche beendigt war , die mitleidige Frage an sie : Willst Dn die Tante nicht bitten , Jane , daß sie Dir erlaubt , mit mir einen kleinen Spaziergang zu machen ? Nein ! lautete die kurze Antwort . Und warum willst Du nicht mit mir gehen , Jane ? fragte Esther weiter . Sei nicht böse mit mir , Esther , sprach Jane weiter , ich weiß , Du meinst es gut mit mir , und ich möchte so gern hinaus in die frische , sonnenhelle Winterluft , aber die Tante Reed um diese Erlaubnis zu bitten ] - [ - hatte der kalte , winterliche Wind so düstere Wolken und einen so durchdringenden Regen mit sich gebracht , daß von einem weiteren Spazierengehen im Freien ] [ das vermag ich ] nicht [ mehr die Rede sein konnte ] [ über mich zu gewinnen ] . [ Das war ] [ Und warum nicht , Du seltsames Geschöpf ? Weil sie mich für John ' s Unrecht , das er ] mir [ recht ] [ zugefügt hat ] , [ denn ] [ bestraft , ja grausam bestraft . So will ] ich [ hatte nie weite Spaziergänge gern ] [ die Tante in meinem Namen darum bitten ? Nein ] , [ am wenigsten aber an kalten Nachmittagen : es war ] [ liebe Esther , ich bitte Dich herzlich , thue das nicht . Ich mag nicht um Etwas bitten und auch keinen Menschen ] für mich [ etwas Schreckliches ] [ bitten lassen um eine Sache ] , [ mit halberfrorenen Fingern ] [ die man mir nicht freiwillig gewährt ] und [ Zehen in der öden Dämmerung nach Hause zu kommen ; ] [ auf welche ich so gut ein Recht habe , wie jedes andere Geschöpf , ] das [ Schelten der Kindermuhme Bessie stimmte da mein Herz noch trauriger ] [ seine Pflicht gethan hat . Nun ] , [ und ] [ so gehe ] ich [ war durch das Bewußtsein gedemütigt , daß ich Elisa , John und Georgiana Reed in physischer Beziehung weit nachstand . Elisa , John und Georgiana hatten sich nun um ihre Mama im Gesellschaftszimmer geschart : sie lag auf einem Sofa nahe beim Kamin , und fühlte sich , umgeben von ihren Lieblingen , - - - die für den Augenblick weder weinten , noch sich zankten - - - äußerst behaglich . Ich hatte mich der Gruppe nicht anschließen dürfen : Frau Reed sagte , sie bedaure , mich in einiger Entfernung halten zu müssen ; so lange sie aber nicht von Bessie höre , und selber sehe , daß ich mich ernstlich bestrebte , mir eine geselligere und kindlichere Gemütsart , ein anziehenderes , lebhafteres , leichteres , offneres und natürlicheres Wesen anzueignen , müsse sie mir entschieden Vorrechte versagen , die bloß zufriedenen und freundlichen Kindern zukämen , Was sagt denn Bessie , daß ich getan habe ? fragte ich . Jane , Leute , die immer widersprechen und immer fragen , mag ich nicht leiden ; zudem ist es gräßlich , ein Kind sich so gegen Erwachsene benehmen zu sehen . Setz ' dich irgendwohin , und schweig , so lange du nicht artig reden kannst . Ein kleines Zimmer , worin gewöhnlich das Frühstück eingenommen wurde , befand sich neben dem Gesellschaftszimmer , dort schlich ich mich hinein . Es war darin ein Bücherschrank . Bald nahm ich mir einen Band heraus , einen mit Bildern . Ich stieg auf den Fenstersitz , kreuzte die Beine wie ein Türke , zog die rote Mohrgardine fast ganz zu , und sah mich in doppelter Weise geborgen . Die Falten der scharlachroten Draperie versteckten mich auf der rechten Seite vor jedem Blicke ; auf der linken waren die hellen Glasscheiben , die mich zwar vor dem trüben Novembertage schützten , aber nicht davon trennten . Von Zeit zu Zeit studierte ich den Anblick dieses Winternachmittages , während ich in meinem Buche blätterte . In der Ferne war es eine bleiche Wolken - und Nebelmasse ; in der Nähe eine Scene von sturmbewegten Gesträuchen und einem nassen Rasenplatze , mit nie endendem Regen , der vor lang gehaltenen , klagenden Windstößen wild daherjagte . ich kam zu meinem Buche zurück , - zu der Naturgeschichte der britischen Vögel von Bewick . Im allgemeinen kümmerte mich der Text wenig , und doch waren einige als Einleitung dienende Seiten da , die ich , wenn auch noch ein Kind , nicht ganz übergehen konnte . Es waren die Seiten , die von den Aufenthaltsorten der Seevögel handeln , von den einsamen Felsen und Vorgebirgen , die nur sie bewohnen , von der Küste von Norwegen nebst ihren unzähligen Buchten und Inseln , Wo des Nordmeers mächt ' ge Wirbel Um der nackten Inseln Felsenwehr - - - Dieses fernste Schule - - sieden , Wo sich wogend das Atlant ' sche Meer Durchzwängt durch die stürmischen Hebriden . Ebenso fesselte mich die Beschreibung der unwirklichen Küsten Lapplands , Sibiriens , Spitzbergens , Nowaja - Semljas , Islands , Grönlands . - - - samt dem weiten Kreise der kalten Zone , und den öden Räumen , wo Eis und Schnee , von vielen hundert Wintern zu Gebirgen angehäuft , den Pol umgeben und alle Strenge der äußersten Kälte in sich konzentrieren . Von diesen weißen Reichen des Todes hatte ich meine eigenen Vorstellungen , schattenhaft und nebelartig , wie alle halbverstandenen Dinge , die trübe durch das Gehirn der Kinder treiben , aber einen merkwürdig tiefen Eindruck machen . Die Worte in diesen einleitenden Bemerkungen verbanden sich mit den nachfolgenden Bildern und gaben dem in einer See von hochgehenden und schäumenden Wogen ] [ ] allein [ stehenden Felsen Bedeutung . sowie dem zertrümmerten ] [ ] , [ an öder Küste gestrandeten Boote , dem kalten und geisterähnlich durch Wolkengitter auf ein eben untersinkendes Wrack hindurchblickenden Monde . Die zwei auf einer trägen See von einer Windstille überfallenen Schiffe hielt ich für See - Phantome . Ebenso verhielt es sich mit dem schwarzen gehörnten Dinge , das hoch auf einem Felsen saß , und eine ferne , einen Galgen umstehende Menschenmenge überschaute . Jedes Bild erzählte eine Geschichte , für meinen unentwickelten Verstand und meine unvollkommenen Gefühle oft geheimnisvoll , aber immer höchst interessant , so interessant , wie die Märchen , die Bessie bisweilen an Winterabenden erzählte , wenn sie gerade bei guter Laune war , und nachdem sie ihren Bügeltisch in die Kinderstube gebracht hatte , uns erlaubte , uns um denselben herumzusetzen . Bei solchen Gelegenheiten wurden wir , während sie Frau Reeds Halskrausen und Nachthauben plättete , für unsere gespannte Aufmerksamkeit mit allerlei Krieg - , See - und Liebesabenteuern belohnt , die aus alten Feenmärchen und älteren Balladen , oder - - - wie ich später entdeckte - - - aus Pamela , oder aus Heinrich , Graf von Moreland , geschöpft waren . Mit Bewick auf meinem Knie war ich nun glücklich : glücklich wenigstens auf meine Art . Ich fürchtete nichts als eine Störung , und die kam nur zu bald . Die Tür des Frühstückszimmers ging auf . He ! Jungfer Träumerin ! rief die Stimme John Reeds ; dann hielt er einen Augenblick inne : offenbar meinte er , das Zimmer sei leer . Wo zum Kuckuck steckt sie denn ? fuhr er fort . Lieschen , Georgy ! rief er seinen Schwestern zu , Jane ist nicht hier ; sagt Mama , sie ist in den Regen hinaus , das böse Ding ! Ein wahres Glück , daß ich den Vorhang zugezogen habe , dachte ich , und wünschte inbrünstig , daß er mein Versteck nicht entdecken möchte , auch würde es John allein nicht aufgefunden haben , denn weder sein Auge noch sein Verstand warenscharf . Aber Elisa hatte kaum ihren Kopf durch die Tür gesteckt , als sie sagte : Gewiß ist sie auf dem Fenstersitze , John ! Sogleich trat ich hervor , denn ich zitterte bei dem Gedanken , von besagtem John herausgezogen zu werden . Was willst du von mir ? fragte ich mit linkischer Schüchternheit . Was wünschen Sie , Herr Reed ? heißt es ! Du sollst hierher kommen ; und , sich in einen Lehnstuhl setzend , gab er durch eine Geberde zu verstehen , daß ich mich vor ihn hinstellen solle . John Reed war vierzehn Jahre alt , also vier Jahre älter als ich , groß und stark für sein Alter , von schmutzig grauer und ungesunder Gesichtsfarbe , groben Zügen in einem breiten Gesichte , plumpen Händen und Füßen . Gewöhnlich pfropfte er sich bei Tische zum Platzen voll , was ihm ein galliges Aussehen , trübe , glasige Augen und schlaffe Wangen zuzog . Er hätte zu dieser Zeit in der Schule sein sollen ; aber seine Mama hatte ihn auf einen oder zwei Monate wegen Kränklichkeit nach Hause genommen . Sein Lehrer versicherte allerdings , der Junge könnte gesund wie ein Fisch sein , wenn man ihm weniger Kuchen und Konfekt von Hause schicken würde , aber das Mutterherz lehnte sich gegen eine so lieblose Behauptung auf und neigte sich eher zu der Ansicht hin , daß Johns blasse Gesichtsfarbe von übertriebenem Fleiße und wohl auch von Heimweh herrühre . John hatte für seine Mutter und Schwestern herzlich wenig Liebe übrig ; mich aber haßte er geradezu . Er quälte und prügelte mich bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit ; jeder Nerv , jede Faser an mir zitterte , wenn er mir nahe kam . Es gab Augenblicke , wo der Schrecken , den er mir einflößte , mich ganz verwirrt machte , denn ich konnte gegen seine Drohungen oder Tätlichkeiten bei niemand Beschwerde erheben . Die Dienerschaft mochte ihren jungen Herrn nicht beleidigen und Partei gegen ihn nehmen , und Frau Reed war blind und taub , wenn er mich in ihrer Gegenwart ausschimpfte oder schlug ; noch häufiger allerdings peinigte er mich hinter ihrem Rücken . Meiner Gewohnheit gemäß , John zu gehorchen , näherte ich mich seinem Stuhle . Etwa drei Minuten lang streckte er die Zunge gegen mich so weit herau , als es angehen mochte , ohne deren Wurzel zu beschädigen . Ich wußte , daß er bald zuschlagen würde , und dachte , während ich mich zusammenkrümmte , wie garstig der Bengel doch aussähe . Vielleicht las er diesen Gedanken in meinem Gesichte , denn mit einem Male , und ohne ein Wort zu sagen , schlug er heftig auf mich los . Ich taumelte und zog mich , sobald ich mein Gleichgewicht wieder erlangt hatte , ein bis zwei Schritte von seinem Stuhle zurück . Das ist für die unverschämte Antwort , die du vor einiger Zeit Mama gegeben hast , sagte er , und dafür , daß du dich immer wegschleichst und dich hinter Vorhänge verkriechst , und für den Blick , den du vor ein paar Minuten in deinem Auge zeigtest , du falsche Katze ! An John Reeds Schmähungen und Mißhandlungen gewöhnt , kam es mir nie in den Sinn , mich dagegen zu wehren , meine einzige Sorge war , wie ich die Schläge , die auf die Schmähung noch folgen würden , ertragen sollte . Was hast du hinter dem Vorhange getan ? fragte er . ich habe gelesen . Zeige mir das Buch . ich ging an das Fenster zurück und brachte es ihm . Wer erlaubt dir , unsere Bücher zu lesen ? Du bekommst bei uns das Gnadenbrod , sagt Mama ; du hast kein Geld , dein Vater hat dir keins hinterlassen ; eigentlich solltest du betteln gehen , und nicht hier bei vornehmen Kindern , wie wir , wohnen und dasselbe essen , wie wir , und Kleider tragen , die unsere Mama bezahlen muß . Nun will ich dich lehren , in meinem Bücherschrank herumzusuchen , denn die Bücher und der Schrank gehören mir , das ganze Haus gehört mir , oder wird mir in einigen Jahren gehören . Geh , und stelle dich an die Tür , vom Spiegel und von den Fenstern weg . ich gehorchte , da ich seine Absicht nicht gleich merkte ; als ich ihn aber das Buch in die Höhe heben sah , sprang ich mit einem Schrei des Schreckens auf die Seite , indessen nicht zeitig genug . Das Buch flog schon auf mich zu und traf mich , und ich fiel mit dem Kopfe gegen die Tür . Das Loch , das ich mir in den Kopf fiel , schmerzte mich heftig , und es floß Blut daraus hervor ; mein Schrecken war übermäßig , und nun folgten andere Gefühle . Böser , grausamer Junge sagte ich . Du bist wie ein Mörder , wie ein Sklaventreiber , du gleichst den römischen Kaisern ich hatte Goldsmith ' s römische Geschichte gelesen , und mir über Nero , Caligul u . s . w . eine Meinung gebildet . Auch hatte ich im stillen Parallelen gezogen , von denen ich nie glaubte , daß ich sie einst so laut aussprecen würde . Was , was ! rief er . Hat sie das zu mir gesagt ? Habt ihr es gehört , Elisa und Georgiana ! Soll ich es nicht Mama agen ? Aber vorerst - - - Er rannte auf mich zu ; ich fühlte , wie er mich bei den Haaren und den Schultern packte ; er hatte sich mit einem verzweifelten Geschöpfe in einen Kampf eingelassen , und ich sah wirklich in ihm einen Tyrannen , einen Mörder . Ich fühlte Blutstropfen von meinem Kopfe auf meinen Hals herabträufeln und verspürte einen stechenden Schmerz . Diese Empfindungen gewannen für den Augenblick die Oberhand über die Furcht , und so empfing ich ihn denn wie eine Wahnsinnige . Ich weiß nicht mehr genau , was ich mit meinen Händen tat , aber er brüllte laut auf , und bald erhielt er Hilfe . Elisa und Georgiana waren zu Frau Reed gelaufen , die die Treppe hinaufgegangen war ; nun erschien sie mit Bessie und ihrem Kammermädchen Abbot auf dem Kampfplatze . Man trennte uns ; ich hörte folgende Worte : Hilf Himmel , welche Furie , so auf den jungen Herrn loszustürzen ! Hat man je einen solchen Zorn gesehen Dann fügte Frau Reed hinzu : Bringt sie in das rote Zimmer und schließt sie ein Alsbald wurde ich von vier Händen ergriffen und die Treppe hinaufgetragen . Zweites Kapitel . ich leistete auf dem ganzen Wege Widerstand : etwas Neues bei mir und ein Umstand , welcher die schlimme Meinung bedeutend verstärkte , die Bessie und Fräulein Abbot von mir zu hegen geneigt waren . Tatsache ist , daß ich außer mir war : wußte ich doch , daß ich mich so wie so schweren Strafen ausgesetzt hatte , und wie jeder andere rebellische Sklave , war ich in meiner Verzweiflung entschlossen , auch vor dem Äußersten nicht zurück zu weichen . Halten Sie ihre Arme fest , Fräulein Abbot ; sie gebärdet sich wie eine tolle Katze . Pfui , pfui ! rief die Kammerjungfer . Welch garstige Aufführung , Fräulein Eyre , den jungen Herrn zu schlagen , den Sohn Ihrer Wohltäterin , Ihren jungen Herrn ! Meinen Herrn ! Bin ich denn eine Magd ? Nein , Sie sind weniger als eine Magd , denn Sie tun durch aus nichts für Ihren Unterhalt . Da setzen Sie sich hin und denken Sie über Ihre Bosheit nach . Unterdessen hatte sie mich in das von Frau Reed bezeichnete Zimmer gebracht und mich auf einen niedrigen Stuhl geworfen ; gleich einer Feder wollte ich wieder in die Höhe schnellen , ihre vier Hände aber hielten mich fest , Wenn Sie nicht ruhig sitzen bleiben , müssen Sie angebunden werden , sagte Bessie . Fräulein Abbot , leihen Sie mir Ihre Strumpfbänder ; meine würde sie zerreißen . Die Abbot traf Anstalten , das nötige Band von einem runden , derben Beine loszumachen . Diese Vorbereitung zu meiner Fesselung , sowie der Gedanke an die neue Schmach mäßigten meine Aufregung ein wenig . Lassen Sie das , rief ich ] [ sprach Esther verdrießlich ] ; ich will [ ruhig sein . Und ] [ Dich nicht ] zum [ Beweise ] [ Vergnügen zwingen . Zu Ostern des kommenden Jahres verließ John Reed Gateshead ] , [ daß ich mich ruhig verhalten würde , klammerte ich mich mit ] [ um eine Schule in London zu besuchen und sich für ] den [ Händen an den Stuhl an . Rühren Sie ] [ Besuch der Universität weiter ausbilden zu lassen , während ] sich [ ja ] [ in Jane ' s Verhältnis zu ihrer Tante ] nicht [ , sagte Bessie ; und als sie die Ueberzeugung gewonnen ] [ das Geringste verändert ] hatte [ , daß meine Aufregung sich wirklich gelegt hatte , ließ sie mich los ; dann stellte sie sich mit der Abbot , die Arme übereinander gekreuzt , vor mich hin , und beide sahen mich mit düsterer Miene an , als ob sie zweifelten : , ob ich bei Sinnen wäre ] [ ] . [ So ist sie noch nie gewesen , sagte Bessie zu der Zofe . Aber es lag immer in ihr , war die Antwort . Ich habe der gnädigen Frau oft meine Meinung über das Mädchen gesagt , und die gnädige Frau denkt ebenso . Es ist eine bösartige , hinterlistige , kleine Kröte . Bessie gab keine Antwort , bald aber wendete sie sich zu mir und sagte : Sie sollten bedenken , Fräulein , daß Sie Frau ] [ Mistreß ] Reed [ zu Dank verpflichtet sind : sie ist es , die Sie ernährt ; wollte sie Sie wegjagen , so bliebe Ihnen nichts weiter übrig , als in einem Armenhause ein Unterkommen zu suchen . Hierauf hatte ich nichts zu erwidern ; solche Redensarten waren mir nicht neu . Dieser Vorwurf der Abhängigkeit hatte stets in meinem Ohr geklungen ; so schmerzlich und niederdrückend aber die Sache für mich war , so war sie mir doch nur halb verständlich . Die Abbot fiel ein Und Sie sollten sich keinen Augenblick den Gedanken beifallen lassen , daß Sie mit dem gnädigen Fräulein und dem jungen Herrn Reed auf gleichem Fuße stehen , weil die gnädige Frau in ihrer Güte Sie mit ihnen erziehen läßt . Die werden mal viel Geld bekommen , und Sie keins . Sie sollten also recht bescheiden sein und ] [ erkundigte ] sich bei [ Ihren Wohltätern beliebt ] [ Esther nach Jane ' s Verhalten und mußte ] zu [ machen suchen . Was wir Ihnen da sagen ] [ ihrer Verwunderung und mit Widerwillen vernehmen , daß sie sich fügsam ] , [ bezweckt ja Ihr Bestes ] [ willig ] , [ setzte Bessie in einem Ton hinzu ] [ unverdrossen und fleißig zeige ] , [ der nichts weniger als rauh war . Sie sollten es versuchen , gefällig und nützlich zu sein , dann würden Sie vielleicht eher ] [ ohne im Geringsten zu klagen oder ] eine [ Heimat haben ] [ Bitte um Erleichterung ihrer Strafe auszusprechen . Daß ihre Abneigung und ihr Groll durch diese Mitteilungen sich nicht milderte ] , [ sind Sie ] [ ist zwar sehr leicht begreiflich bei ihrem Charakter , ] aber [ jähzornig und grob , so wird die gnädige Frau Sie ganz gewiß fortschicken . Zudem , sagte Fräulein Abbot , wird Gott ] [ ] sie [ strafen : er kann sie einmal in ihrem Zorn ] [ hob doch , veranlaßt durch Esther ' s Bitten , das Verbot für den Besuch des Gartens gegen Jane freiwillig auf , und hoffte nun , daß auch Jane sich ihr wieder nähern ] und [ ihrer Unart töten , und wo kommt ] [ ] sie [ dann hin ? Komm , Bessie , wir wollen sie allein lassen : ] [ ] um [ nichts in der Welt möchte ich ] [ Verzeihung für ] ihr [ Herz haben . Beten Sie , Fräulein Eyre , wenn Sie allein und wieder ganz bei Besinnung sind ] [ Betragen gegen John bitten würde - hierin jedoch täuschte sie sich vollständig ] , denn [ wenn Sie über Ihr Betragen keine Reue empfinden so kann etwas den Kamin herunterkommnen und Sie mitnehmen . Sie entfernten sich und schlossen die Tür zu . ich war allein in dem kalten und öden roten Zimmer , vor dem ich mich immer entsetzlich gegrauelt hatte , denn hier , in jenem pompösen Himmelbett , mit den dunkelroten Damastvorhängen , war vor neun Jahren mein Onkel Reed gestorben , und seitdem war es so gut wie unbewohnt geblieben . Aber Augenblicklich empfand ich keine Furcht , denn noch wallte mein Blut zu heftig , noch tobte in mir die wilde Wut einer rebellischen Sklavin , und so war meine erste Regung nun rasch aufzustehen und mich zu vergewissern , ob ich wirklich eine Gefangene sei . Ja leider ! Kein Kerker konnte besser verschlossen sein . Als ich von der Tür zurückkam , mußte ich an dem Spiegel vorüber ; aber mein Blick blieb wie bezaubert daran haften und suchte die Tiefe zu ergründen , die sich da vor mir auftat . Alles sah darin noch kälter und düsterer aus , als es in Wirklichkeit war ; und die unschöne kleine Gestalt , die mich daraus anschaute , mit dem weißen Gesicht und mit Armen , die sich von der Dunkelheit scharf abhoben , und mit ihren grellen , verängstigten Augen , die sich bewegten , wo sonst alles ruhig war , brachte einen Eindruck hervor , als sähe sie einen Geist , eines jener Gespenster , die Bessies Abenderzählungen aus einsamen , mit Farnkräutern bewachsenen Sümpfen vor unserm innern Auge heraufzubeschwören pflegten . Ich ging zu meinem Stuhle zurück . In diesem Augenblicke regte sich der Aberglaube in mir ; war aber die Stunde seines vollständigen Sieges nicht gekommen ; mein Blut war noch heiß , noch hatte die Stimmung des empörten Sklaven in mir die Oberhand : ich mußte mich erst vor dem Ansturm der zurückgebliebenen Gedanken entgegenstemmen , bevor ich die traurige Gegenwart recht fühlen konnte . Alle tyrannischen Handlungen John Reeds , die ganze stolze Gleichgültigkeit seiner Schwestern , die ganze Abneigung seiner Mutter , die ganze Parteilichkeit der Dienerschaft stieg in meinem verstörten Geiste auf , wie ein trüber Bodensatz in einem aufgerührten Brunnen . Warum mußte ich stets leiden , warum stets beschuldigt , verurteilt und eingeschüchtert werden ? Warum konnte ich es niemand recht machen ? Elisa , die halsstarrig und selbstsüchtig war , achtete man . Georgiana mit ihrer Tücke , ihrem zänkischen und frechen Wesen sah man stets alles nach . Ihre Schönheit , ihre roten Wangen und goldenen Locken entzückten jedermann und erkauften ihr für jeden Fehler Straflosigkeit . John vollends legte niemand etwas in den Weg , geschweige denn , daß er je bestraft wurde , wenn er den Tauben die Hälfte umdrehte , die Hunde hinter die Schafe hetzte , die Treibhäuser plünderte ; seine Mutter nannte er das alte Kamel ; nicht selten zerriß oder beschmutzte er ihr seidenes Kleid , und doch war er bei all dem stets ihr Liebling . Ich wagte mir keinen Fehler zu Schulden kommen zu lassen , ich bestrebte mich , jede Pflicht zu erfüllen , und man nannte mich unartig , verdrießlich und niederträchtig , vom frühen Morgen bis zum späten Abend . Mein Kopf tat mir weh und blutete ] [ Jane machte ] von dem [ Schlage ] [ Besuche des Gartens ] und [ ] [ der Umgebung so wenig wie möglich Gebrauch und zeigte auch nicht die kleinste Spur ] von [ dem Falle gegen die Tür . Niemand hatte John deswegen gescholten , daß er mich geschlagen ; und weil ich mich gegen ihn gewehrt hatte , überschüttete mich jedermann mit Vorwürfen . Wie ungerecht ! sagte meine Vernunft ] [ einer Annäherung an ihre Tante ] , [ die der ] [ ja sie ging sogar ] so [ qualvolle Stachel ] [ weit , ihre Nähe absichtlich ] zu [ früher ] [ meiden . Es war dies durchaus kein lobenswerter ] , wenn auch [ vorübergehender Energie antrieb ] [ ein erklärlicher Zug in dem Charakter des sonderbar gearteten Mädchens , aber Jane fühlte Mistreß Reed ' s Haß gegen ihre Person beinahe instinktmäßig und wollte nicht , daß diesem durch irgend eine Berührung neue Nahrung gewährt werden sollte . In seinen Sommerferien kehrte John Reed nach Gateshead auf einige Wochen zurück und hiermit begann für Jane eine neue Zeit der Plage . Sie wich ihm aus , so viel sie konnte ] ; [ und ] [ sie ging nicht ins Freie , wenn sie ihren Verfolger , ] der [ Entschluß , der gleichfalls angespornt ward , feuerte zu irgend einem außergewöhnlichen Auskunftsmittel an , um dem unerträglichen Drucke zu entgehen : z . B . davonzulaufen , oder wenn das nicht anginge , nicht mehr zu essen und zu trinken , und so den Tod herbeizurufen . Wie gross war meine Niedergeschlagenheit an jenem unheilvollen Nachmittag ! Welche Aufregung tobte in meinem Hirn , wie war mein ganzes Herz empört ! In welcher Dunkelheit , in welch dichter Unwissenheit indessen wurde der geistige Kampf ausgefochten ! Ich konnte die stets wiederkehrende innerliche Frage nicht beantworten - warum ich so leiden mußte . Jetzt sehe ich es klar ein . In Gateshead - Hall war ich eine Dissonanz , ich glich niemandem , ich hatte nichts , wodurch ich mit Frau Reed oder ihren Kindern , oder ihrer Dienerschaft harmonierte . Liebten sie mich nicht , so liebte ich sie ebenso wenig . Es war nicht ihre Pflicht , ein Wesen , das mit niemand von ihnen sympathisierte , mit Zuneigung zu betrachten ; war dieses Wesen nicht , was Temperament , Fähigkeiten und Neigungen betrifft , himmelweit von ihnen verschieden ? War es nicht nutzlos und unfähig , einem Interesse zu dienen oder zu ihrem Vergnügen beizutragen ? Ich weiß , wäre ich ein leichtblütiges , mit glänzenden Eigenschaften begabtes , nachlässiges , anspruchsvolles , schönes , wildes Kind gewesen - - wenn auch abhängig und aller Freunde bar - - Frau Reed hätte meine Gegenwart mit mehr Geduld ertragen , ihre Kinder würden gegen mich freundschaftlicher , und das Gesinde endlich nicht so geneigt gewesen sein , mich zum Sündenbocke der Kinderstube zu machen . Das Tageslicht begann das rote Zimmer zu verlassen ; es war vier Uhr vorüber , und der bewölkte Nachmittag machte allmählig einer trüben Dämmerung Platz . Ich hörte den Regen ] [ ] immer noch an [ das Treppenfenster schlagen ] [ ihr Rache zu nehmen suchte , zu Hause wußte , ] und [ den Wind ] [ nur ] in [ dem Lustwäldchen hinter der Halle pfeifen ; nach und nach wurde ich so kalt ] [ später Abendstunde huschte sie zuweilen auf kurze Zeit ] wie ein [ Stein , und nun fing mein Mut zu sinken an . Meine gewöhnliche demütige Stimmung , der Zweifel an mir selbst , meine Trostlosigkeit und Niedergeschlagenheit fielen feucht auf die allmählig verglühende Asche meines Zorns . Jedermann sagte , ich sei boshaft , und vielleicht war es auch so . Wie hatte ich nur soeben noch den Gedanken fassen können , mich zu Tode zu hungern ? Das war gewiß ein Verbrechen , und war ich zum Sterben vorbereitet ? Oder war das Gewölbe unter dem Chor in der Kirche zu Gateshead ein so einladendes Ziel ? In ] [ scheues Reh in die Gänge des Parkes . Trotz aller ihrer Vorsicht stieß sie bei ] einem solchen [ Gewölbe liege Herr ] [ Versuche auf ihren Gegner , der ihr mit einem Hammer in der Hand plötzlich entgegentrat ; sie wich ihm rasch aus , John aber fuhr heftig mit den Worten auf sie los : Habe ich Dich endlich einmal erwischt , um Dich für Deine Kratzerei nach Gebühr züchtigen zu können ! und faßte sie hart am Arme . Laß mich los , John , sprach Jane finster und entschlossen - ich habe mit Dir nichts zu schaffen . Aber ich muß mit Dir , Du falsche Katze , Abrechnung halten , höhnte sie der rohe Bursche ; Du sollst und mußt jetzt büßen für alles Unheil , das Du in unserem Hause angestiftet hast . Laß mich los , John , rief Jane ernster und dringender , oder Du zwingst mich wieder , Gewalt gegen Gewalt zu brauchen und mir zu helfen , wie ich kann . Das wollen wir doch sehen ! schrie John wild und hob den Hammer zum Schlage aus , flog aber , von einem unerwarteten Stoße von Jane ' s freier Hand getroffen , an einen Baum und mußte des Mädchens andere ganz wider seinen Willen freilassen . Jane benutzte diesen Augenblick und suchte zu entkommen , während John , wütend geworden durch den erhaltenen Stoß , ihr nachsetzte und sie auch wirklich einholte . Hastiger als zuvor bei der Hand , packte er sie am Haar und schwang den Hammer über ihrem Kopfe ; doch wie ein Blitz fing Jane seine Hand auf und versetzte während ihres Ringens mit John denselben , da sie sich nicht weiter zu helfen wußte , einen kräftigen Biß in die Finger seiner rechten Hand , so daß er den Hammer fallen laßen mußte - schrie er nun laut : Hilfe ! Hilfe ! Jane hat mich überfallen und blutig gebissen . Hilfe ! Hilfe ! sie droht mir mit dem Hammer . Auf diesen Ruf hin wurde es lebendig im Garten . Bessie , Esther , Jack , Alle liefen herbei und traten zwischen die bleiche noch zornfunkelnde Jane und den schreienden Burschen , der jetzt wieder Courage bekam und Jane zu seiner Mutter zu führen befahl . Was hat das unheilvolle Geschöpf schon wieder ausgeführt ? fragte Mistreß ] Reed [ begraben ] [ streng ] , [ - - - ] [ als Jane stumm und niedergeschlagenen Blickes vor ihr in der Stube stand . Sie hat mich überfallen , mich in die Hand gebissen und mit dem Hammer bedroht , berichtete John mit augenscheinlicher Lügenhaftigkeit und unverschämter Dreistigkeit . Du hast es gewagt , Dich wieder an John zu vergreifen und ihn hinterrücks zu überfallen ? rief Mistreß Reed heftig , obwohl sie halb und halb der Überzeugung war , daß es umgekehrt stattgefunden ] hatte [ man mir gesagt ; und so auf ihn zurückgeführt , verweilte ich mit steigendem Schrecken bei diesem Gedanken . Ich konnte mich seiner nicht mehr erinnern ] [ ] ; aber [ ich wußte , daß er mein Oheim , daß er meiner Mutter Bruder ] [ ihr Haß gegen Jane ] war [ ] [ durch deren Unbeugsamkeit zu einer Höhe bereits gesteigert ] , [ daß er ] [ von welcher keine Umkehr mehr möglich war . Sieh , Mama , hier meine blutende Hand ! sprach John listig , die Elende wagt es nicht , Dich oder ] mich [ als elternloses Kind in sein Haus aufgenommen , ] [ anzusehen ] und [ daß er in seinen letzten Augenblicken seiner ] [ ihre Schuld zu bekennen . Laß sie büßen dafür , liebe Mama . Wirst Du Antwort geben , freches Geschöpf ! herrschte die immer heftiger werdende ] Frau das [ Versprechen abgenommen hatte ] [ duldende Mädchen an . Bekenne Dein Vergehen offen , oder zittre vor meinem Zorn . Eine unheimliche Pause trat ein , während deren nur Sarah Reed ' s erregte Atemzüge deutlich vernehmbar waren . Jane bewegte kein Glied und blickte nicht vom Boden auf . Weißt Du , Mama , rief John , es dunkelt schon , stecke das böse Mädchen , das mir nach dem Leben getrachtet , in Papa ' s Sterbezimmer - dort soll ja sein Geist umgehen und uns schrecken wollen ! Dort kann sie zubringen , bis sie ihre schlechte That eingestanden und bekannt hat . Recht so ! Mit diesem Worte erfaßte Mistreß Reed Jane ' s Arm und zog sie nach dem Kabinet , in dem ihr Gatte verschieden und das bis jetzt noch nicht wieder bewohnt worden war . Jane zuckte jetzt entsetzt zusammen ; eine unerklärbare Furcht ] , [ ] [ ein nicht zu bekämpfendes Entsetzen überfiel sie und raubten ihr beinahe die Besinnung . Erst als die verhängnisvolle Thür sich hinter ihr geschlossen , ward sie sich ihrer Lage klar und mit bittender herzzerreißender Stimme flehte sie : Tante Reed , haben Sie Mitleid ! Tante Reed , haben Sie Erbarmen ! Ich bin ja völlig unschuldig , aber man glaubt mir ja nicht . Bei dem Andenken an meinen gütigen verstorbenen Onkel lassen Sie ] mich [ wie eines ihrer eigenen Kinder halten zu wollen . Frau Reed glaubte wahrscheinlich , sie habe dieses ihr Versprechen erfüllt , und ich kann wohl sagen , sie hatte es auch getan , so weit ihr Wesen dies zuließ . Wie konnte sie aber einen Eindringling , der nicht zu ihrer Familie gehörte , und nach ihres Mannes Tode durch kein Band an sie geknüpft war , wahrhaft lieben ? Höchst lästig und ärgerlich mußte es ihr sein , sich durch ein mit vieler Mühe erzwungenes Versprechen gebunden zu finden , an einem fremden Kinde , das sie nicht zu lieben vermochte , Mutterstelle zu vertreten , und eine nicht gleich gestimmte Fremde beständig in ihrem Familienkreise zu dulden . Sonderbare Gedanken dämmerten in mir auf . Ich zweifelte nicht , und hatte nie gezweifelt , daß , wenn Herr Reed am Leben geblieben wäre , er mich gütig behandelt haben würde ; und jetzt , als ich so dasaß und das weiße Bett und die überschatteten Wände ansah , während ich auch dann und wann mein bezaubertes Auge dem trübe schimmernden Spiegel zukehrte , fing ich an , mir ins Gedächtnis zurückzurufen , was ich von Toten gehört , die durch die Nichtbeachtung ihrer Wünsche in ihrer Grabesruhe gestört würden und wieder auf die Erde kämen , um die Meineidigen zu strafen und die Unterdrückten zu rächen ; und ich dachte , Herrn Reeds Geist könnte , durch das am Kinde seiner Schwester verübte Unrecht gequält , seinen Aufenthaltsort , sei es in dem Grabgewölbe der Kirche , oder in der unbekannten Welt der Abgeschiedenen , verlassen und in ] [ aus ] diesem Zimmer [ vor mir auferstehen . Ich trocknete meine Tränen und unterdrückte mein Schluchzen , in der Furcht , es möchte irgend ein Zeichen heftigen Kummers eine übernatürliche Stimme wecken , um mich zu trösten , oder aus der Dunkelheit ein mit einem schimmernden Scheine umgebenes Gesicht hervorrufen , das mit seltsamem Mitleid sich über mich hinbeugte . Diese an und für sich trostreiche Idee müßte , dachte ich , schrecklich sein , wenn sie verwirklicht würde ; mit aller Macht bemühte ich mich , sie zu unterdrücken . Ich wollte um jeden Preis standhaft sein . Mein Haar aus den Augen schüttelnd , hob ich den Kopf in die Höhe und versuchte es , kühn in dem finstern Zimmer umherzusehen . In diesem Augenblicke schimmerte ein Licht an der Wand . Ist es , fragte ich mich , ein Mondstrahl , der durch eine Oeffnung des Fensterladens bricht ? Nein , dachte ich wieder , das Mondlicht ist ruhig , und dieses bewegt sich . Während ich es so Anblickte , fuhr es an die Zimmerdecke hinauf und zitterte über meinem Kopfe . Ich kann mir jetzt leicht denken , daß dieser Lichtstreifen höchst wahrscheinlich von einer Laterne herkam , die jemand über den Rasenplatz trug ; aber damals , wo mein Geist auf das schrecklichste vorbereitet , wo meine Nerven durch die heftige Aufregung erschüttert waren , hielt ich den schnell dahinfahrenden Strahl für den Vorboten einer Erscheinung aus der andern Welt . Mein Herz schlug heftig , mein Kopf brannte ; ein Geräusch erfüllte mein Ohr , das mir wie das Rauschen von Flügeln vorkam . Etwas schien mir nahe zu sein ; ich konnte nicht mehr atmen , ich erstickte , länger konnte ich es nicht mehr aushalten , und so stürzte ich auf die Tür zu und rüttelte an dem Schlosse mit verzweifelter Anstrengung . In dem äußeren Gange ließen sich eilige Schritte vernehmen ; der Schlüssel drehte sich um , und Bessie trat mit der Abbot herein . Fräulein Eyre , sind Sie unwohl ? fragte Bessie . Welch schrecklicher Lärm ! Es ist mir in alle Glieder gefahren ! rief die Abbot aus . Laßt mich heraus ! Laßt mich in die Kinderstube ! schrie ich . Weshalb ? Ist Ihnen etwas geschehen ? Haben Sie etwas gesehen ? fragte Bessie wiederum . O ! Ich sah ein Licht und dachte , es würde ein Geist kommen . ich hatte nun Bessies Hand ergriffen , und sie entzog sie mir nicht . Sie hat mit Fleiß so geschrieen , erklärte die Abbot mit einigem Widerwillen . Und was für ein Schrei ! Wäre sie in großer Not gewesen , so hätte man ihn allenfalls hingehen lassen können ; allein ihr einziger Zweck war , uns alle hierher zu bringen . Ich kenne ihre Unarten . Was soll das heißen ? fragte eine andere gebieterische Stimme ; und Frau Reed kam den Gang daher mit flatternder Haube und rauschendem Gewande . Abbot und Bessie , ich hatte doch befohlen , Jane Eyre in dem roten Zimmer zu lassen , bis ich sie selbst holen würde . Fräulein Jane schrie so laut , gnädige Frau ! wandte Bessie entschuldigend ein . Lassen Sie sie gehen , war die Antwort . Laß Bessies Hand fahren , Kind , auf diese Weise kommst du nicht durch . ich verabscheue alle List , besonders aber bei Kindern ; es ist meine Pflicht , dir zu zeigen , daß Kniffe hier nicht verfangen , nur wenn du dich ganz unterwirfst und dich ruhig verhältst werde ich dich in Freiheit setzen . O Tante , haben Sie doch Mitleid vergeben Sie mir ] [ ] ! Ich kann [ es ] [ hier ] nicht [ aushalten ; bestrafen Sie mich auf irgend eine andere Art ] [ bleiben ] ! Ich [ komme um ] [ sterbe hier . Kannst Du nun sprechen und gute Worte geben ] , [ wenn - - Still : Still ] [ Du Undankbare ? rief ihre Tante . Nein , Du bleibst zur Strafe so lange in diesem Zimmer , bis Du Deine Schuld bekannt hast . Ich habe nichts gethan ] ! [ Diese Heftigkeit ist ja empörend ] [ Ich bin unschuldig ] ! [ Und so kam ] [ jammerte Jane . John hat ] es [ ihr auch ohne Zweifel vor . In ihren Augen war ich ] [ Alles selbst gethan , dessen er mich mit unverschämter Bosheit beschuldigt . Glauben Sie mir nur diesmal , Tante Reed , und Sie sollen niemals wieder über mich im Geringsten zu klagen haben . Bekenne , Jane ! Ich bin unschuldig ! Tante Reed . So bleibst Du , wo Du bist . Mutter und Sohn entfernten sich aus dem Vorgemach und ließen das arme Mädchen mit ihrem Jammer und ihrer Angst unbarmherzig allein zurück ; ] eine [ frühreife Schauspielerin ; in allem Ernste sah sie in mir die heftigsten Leidenschaften ] [ ganze Zeit lang bat und flehte Jane ] , [ ] [ dann verstummte sie auf ] einen [ niedrigen Geist ] [ Augenblick , ein Fall ward hörbar , ] und [ gefährliche Falschheit vereinigt Nachdem Bessie und die Abbot ] [ in heftigen Krämpfen wand sie ] sich [ zurückgezogen hatten , stieß mich Frau Reed , die meine wahnsinnige Angst und mein Geschluchze nicht länger ertragen mochte , rasch wieder in das Zimmer zurück und schloß mich ein , ohne etwas Weiteres zu sagen . Ich hörte sie davonrauschen ; und bald , nachdem sie fortgegangen , umfing mich eine wohltätige Ohnmacht . Drittes Kapitel . Als ich erwachte , war mir zu Mute , als hätte ich ein furchtbares Alpdrücken gehabt . Ich sah ein rotes von breiten schwarzen Streifen durchzogenes Licht immer vor mir und hörte Stimmen , die , gleichsam durch das Rauschen des Windes oder des Wassers gedämpft , in hohlem Tone sprachen ; die Aufregung , die Ungewißheit und ein alles beherrschendes Gefühl des Schreckens verwirrte meine Sinne . Es währte nicht lange , so fühlte ich , daß jemand mich anrührte , mich in die Höhe hob und mich in einer sitzenden Stellung erhielt , und zwar sanfter , als ich je zuvor aufgerichtet oder gehalten worden war . Mein Kopf ruhte auf einem Kissen oder auf einem Arme , und ich fühlte mich ganz behaglich . Nach weiteren fünf Minuten schwand die Wolke der Betäubung ; ich erkannte , daß ich in meinem Bette lag , und daß der rote Schein das Kaminfeuer in der Kinderstube war . Es war Nacht , ein Licht brannte ] [ ] auf dem [ Tische , ] [ Fußboden umher . Niemand kümmerte sich um sie . Am nächsten Morgen mußte ] Bessie [ stand am Fußende des Bettes , mit einem Becken in ] [ nach ihr sehen und fand sie ganz wie leblos an ] der [ Hand ] [ Erde liegen ] , [ und ein Herr saß auf einem Stuhle neben meinem Kopfkissen , und beugte sich über mich hin . ich verspürte eine wohltuende Ueberzeugung der Sicherheit ] [ aber an ihren fieberhaft geröteten Wangen ] , [ als ich sah ] [ an ihren zuckenden Lippen gewahrte sie ] , daß [ sich ] [ noch Leben ] in dem [ Zimmer jemand befand , der nicht zu der Familie Reed gehörte . Ich kannte ihn , es ] [ jungen Körper ] war [ Herr Lloyd , ein Apotheker , den Frau Reed kommen ließ , wenn einem von der Dienerschaft etwas fehlte ; für sich und ihre Kinder aber gebrauchte sie stets einen Arzt ] [ ] . [ Nun wer bin ich ? fragte er . ich nannte ihn bei seinem Namen und gab ihm ] [ Mitleidig , wie ] die [ Hand . Er nahm sie lächelnd und sagte : Es wird bald besser mit uns werden . Dann legte er mich auf das Bett nieder und befahl Bessie , ja dafür zu sorgen , daß ich während der Nacht nicht gestört würde . Nachdem er noch weiteres angeordnet und bemerkt hatte , er würde am andern Tage wiederkommen , ging er zu meinem großen Kummer davon . Ich fühlte mich so sicher , während er auf dem Stuhle neben meinem Kopfkissen saß ; als aber die Tür hinter ihm zuging , verfinsterte sich das ganze Zimmer , mein Mut sank abermals , und ein unaussprechlicher Gram drückte mich nieder . Ist Ihnen , als ob Sie schlafen könnten , Fräulein ? fragte Bessie mit sanfter Stimme . Kaum wagte ich ihr zu antworten ; ich befürchtete , sie möchte gleich wieder einen rauhen Ton anschlagen . ich will ] [ Gouvernante war , welche nach John ] ' s [ versuchen , sagte ich . Wollen Sie etwas trinken oder essen ? Nein , ich danke Ihnen , Bessie . Dann will ich mich ins ] [ Abgang zur Schule als Gesellschafterin in Gateshead bleiben mußte , nahm sie , ohne ihrer Herrin Befehl abzuwarten , Jane auf ihre Arme , trug sie nach ihrem Zimmer , entkleidete sie und legte sie zu ] Bett [ machen ] [ . Jane begann heftig zu phantasieren ] , [ denn ] [ ja selbst zu toben , sodaß man gezwungen war nach dem Arzte zu senden . Mister Fowler erklärte , Jane ' s Zustand sei sehr bedenklich - ] es [ ist zwölf Uhr vorbei ; Sie brauchen mich aber nur zu rufen ] [ könne möglicher Weise bei ihr eine geistige Störung zurückbleiben ] , wenn [ Sie in der Nacht etwas nötig haben . Fürwahr , eine wunderbare Höflichkeit ! ] [ ] sie [ gab mir Mut , eine Frage zu tun . Bessie , wie steht es ] [ überhaupt ] mit [ mir ? bin ich krank ? ich denke , Ihr vieles Schreien im roten Zimmer hat Sie krank gemacht ; ohne Zweifel wird Ihnen bald wohler sein . Bessie ging in das naheliegende Zimmer des Stubenmädchens . Ich hörte sie sagen : Sarah , ] [ dem Leben davon ] kommen [ Sie und schlafen Sie mit mir in der Kinderstube ; ich mag diese Nacht ums Leben nicht allein bei dem armen Kinde bleiben ; sie könnte sterben ; es ist so sonderbar , daß sie diese Ohnmacht bekam ] [ sollte ] . [ Ich möchte wohl wissen , ob sie etwas gesehen hat . Die gnädige Frau war doch etwas zu hart gegen sie . Sarah kam mit ihr zurück ; sie gingen beide zu Bette , bevor sie aber einschliefen , flüsterten sie wohl noch eine halbe Stunde zusammen . Nur abgerissene Stücke von ihrer Unterhaltung drangen bis zu meinen Ohren ; indessen konnte ich daraus deutlich erkennen , wovon sie sprachen . Etwas ist ihr erschienen , schneeweiß gekleidet , und wieder verschwunden - - Ein großer schwarzer Hund hinter ihm - - - Drei starke Schläge an die Zimmertür - - Ein Licht auf dem Kirchhofe gerade über seinem Grabe u . s . w . Endlich schliefen beide : Feuer und Licht gingen aus . Was mich betrifft , so brachte ich die ganze lange Nacht in schaurigem Wachen zu ; Ohr , Auge und Geist waren durch die Furcht , - - - eine Furcht , wie sie nur Kinder empfinden können , - - - in gleich außerordentlicher Weise geschärft . Die Schreckensnacht zog keine schwerere Krankheit nach sich ; aber sie gab meinen Nerven einen Stoß , den ich noch heute empfinde . Ja , Frau Reed , Ihnen verdanke ich einige furchtbare Seelenqualen . Aber ich muß es Ihnen vergeben , denn Sie wußten nicht , was Sie taten . ] [ ]