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[ Erstes Kapitel ] [ Ich befand mich an einem regnerischen Nachmittage in einer tiefen Fensternische verborgen , wo ich auf meinen gekreuzten Beinen saß und in einem großen Buche blätterte , das ich mir aus der Bibliothek im Salon geholt hatte ] . Es [ war keine Möglichkeit , an jenem Tage einen Spaziergang zu machen . Wir ] [ ] waren [ freilich am Morgen eine Stunde in der entlaubten Anpflanzung umhergewandert , welche sich bis ans Haus zog ; aber seit ] [ die „Vögel Englands von Bowick“ . Ich betrachtete mit bewunderungsvoller Aufmerksamkeit die schönen colorirten Kupferstiche , und wenn meine Augen von ] dem [ zeitig eingenommenen Mittagessen hatte ] [ Buche aufblickten , suchten sie entweder die schweren grauen Wolken , die ] der [ kalte winterliche ] [ ] Wind [ so düstere Wolken und so durchdringenden Regen mit sich geführt , daß von einer weiteren Bewegung im Freien nicht die Rede sein konnte . Mir war das gelegen , denn ich fand kein Vergnügen an weiten Spaziergängen , besonders nicht an kalten Nachmittagen . Schrecklich war es mir , in der öden Dämmerung mit erstarrten Fingern und Zehen nach Hause zu kommen , wo ich dann durch das Schelten der Kindermuhme Bessie noch trauriger gestimmt und durch das Bewußtsein gedemüthigt wurde , daß ich in physischer Hinsicht Elise , John und Georgine Reed so weit nachstand . Elise , John und Georgine hatten sich jetzt im Gesellschaftszimmer um ihre Mama gedrängt ; sie lag auf einem Sopha in der Nähe des Kamins und schien , von ihren Lieblingen umgeben , vollkommen glücklich . mich hatte sie von dieser Gruppe ausgeschlossen , denn so lange sie nicht von Bessie hören werde , erklärte sie mir , daß ich ernstlich bemüht sei , mir eine geselligere und kindlichere Gemüthsart und ein anziehenderes und lebhafteres Wesen anzueignen , könne sie mir keine Vorrechte einräumen , die nur für zufriedene und frohe kleine Kinder bestimmt seien . , Was sagt Bessie , daß ich gethan habe ? fragte ich . , Johanna , ich liebe den Widerspruch und das Fragen nicht ; überdies ist es wirklich abscheulich , wenn ein Kind sich gegen ältere Personen so benimmt . Setze dich irgendwo nieder und schweige , bis du gelernt hast , dich angenehmer zu machen . ' Neben dem Gesellschaftszimmer befand sich ein kleines Frühstückzimmer , in dieses schlich ich mich . Dort stand ein Bücherschrank , ich nahm ein Buch heraus , natürlich eines mit Bildern , stieg auf den Fenstersitz , schlug meine Füße unter , wie ein Türke , und zog die Vorhänge von rothem Moire dicht zu . So war ich von beiden Seiten geschützt , auf der rechten durch die Draperie , auf der linken durch die Glasscheiben , vor dem unfreundlichen Novemberwetter . Von Zeit zu Zeit , während ich die Blätter meines Buches umschlug , versenkte ich mich in den Anblick dieses Winternachmittags . In der Ferne bot er eine bleiche Masse von Nebel und Gewölk dar ; in der Nähe eine Scene von nassen Rasenplätzen und sturmbewegten Gesträuchen mit unaufhörlichem Regen , den ein klagender Wind wild ] [ ] vor sich [ her peitschte . Ich kehrte zu meinem Buche zurück - - zu Bewick ' s Naturgeschichte der britischen Vögel . Um ] [ hertrieb , oder ] den [ Text kümmerte ich mich im Allgemeinen wenig ; doch waren einige einleitende Bemerkungen da , die ich , so sehr ich auch Kind war , nicht ganz übergehen konnte . Sie handelten von den Wanderungen der Seevögel , von den einsamen Felsen und Vorgebirgen , die nur von jenen Vögeln bewohnt werden , von der norwegischen Küste , die von ihrem südlichen Ende bis zum Nordkap mit Inseln besetzt ist . Auch fesselte mich die Beschreibung der öden Ufer von Lappland , Sibirien , Spitzbergen , Nowaja - Semlja , Island , Grönland mit dem weiten Kreise der nördlichen Zone von Frost und Schnee , wo feste Eisfelder , die Anhäufung von vielen tausend Wintern , den Pol umgeben und die Kälte den höchsten Grad erreicht . Von diesen schneeweißen Regionen bildete ich mir meine eigene Idee - - unklar , gleich allen halbBegriffenen Kenntnissen , die seltsam , aber lebhaft durch das kindliche Gehirn treiben . Die Worte in diesen einleitenden Bemerkungen verschmolzen sich mit den folgenden Bildern und gaben dem in einer See von Wogen und Schaum alleinstehenden Felsen , dem zertrümmerten , an der verlassenen Küste gescheiterten Boot , dem kalten und geisterhaften Monde , der durch Wolkenschleier auf ein eben untersinkendes Wrack niederblickt , ihre Bedeutung . Jedes Bild erzählte eine Geschichte ; oft geheimnisvoll für meinen unentwickelten Verstand und meine unvollkommenen Gefühle , doch sehr interessant , so interessant , wie die Märchen , die Bessie zuweilen an Winterabenden erzählte , wenn sie zufällig bei guter Laune war . Bewick ' s Buch auf meinem Knie , war ich also glücklich ; glücklich wenigstens auf meine Weise . Ich fürchtete nichts als Störung , ] [ traurigen Anblick eines noch laublosen ] und [ die kam nur zu bald ] [ vom Wasser triefenden Gartens ] . [ Die ] [ Plötzlich wurde die ] Thür des [ Frühstückzimmers öffnete sich ] [ Speisesaales mit Geräusch geöffnet und eine wohlbekannte Stimme schreckte mich auf ] . [ ] [ „Hierher ] , [ Heda ] [ Schläferin ] ! [ Jungfer Träumerin ! ] [ “ ] rief [ John Reed ' s Stimme . Er verstummte gleich wieder ] [ mein liebenswürdiger Vetter ] , [ da ] [ hielt aber inne , als ] er [ das ] [ Niemanden in dem scheinbar leeren ] Zimmer [ leer zu finden meinte ] [ erblickte ] . [ , Wo , zum Popanz , ] [ „Wo Teufel ] mag sie [ sein ] [ sich versteckt haben ] ? [ ] [ “ ] fuhr er fort [ und rief dann seinen ] [ . „Lizzy ! George ! ( dies waren seine ] Schwestern [ zu : , Lizzy ! Georgy ! Hannchen ] [ ) Jane ] ist [ ] [ also ] nicht hier . [ Sagt ] [ ] Mama [ ] [ glaubt ] , sie [ sei in den ] [ ist im ] Regen [ hinaus gelaufen - - das böse Geschöpf ! ] [ ausgegangen ] , [ Es ist gut , daß ich ] [ die nichtswürdige kleine Hexe . “ Dieser Eingang ermuthigte mich nicht , zum Vorschein zu kommen und ich verhielt mich daher ganz still , indem ich glaubte , Master John , dessen physischer und moralischer Scharfblick auf gleicher Höhe standen , werde mich in meinem Versteck nicht auffinden . Aber Elisa kam auf seinen Ruf herbei und leitete ihn sehr bald auf meine Spur . Ich konnte nicht mehr zurückweichen , ich schob daher ] den Vorhang [ zugezogen habe ] [ zurück ] , [ ' dachte ich ] [ der mich verhüllte ] und [ wünschte inbrünstig ] [ ] , [ ] [ das nervöse Zittern , das mich bereits ergriffen hatte , unter einem Schein kalter Ruhe verbergend , erschien ich vor meinem jungen Tyrannen . „Was willst Du von mir ? “ fragte ich ihn in einem Tone , aus welchem schon Mißtrauen hervorblickte . „Was willst Du von mir , Master Reed ? “ wiederholte er , einen besonderen Nachdruck auf die beiden letzten Worte legend . „So mußt Du mit mir sprechen . Ich will , Du sollst hierher kommen . Indem er sich in einen großen Lehnstuhl warf , winkte er mir , . näher zu treten und vor ihm stehen zu bleiben . ] John [ möge mein Versteck ] [ war damals ein plumper Bursche von etwa vierzehn Jahren , von zugleich robusten und ungesundem Aussehen , mit bleicher , fahler Gesichtsfarbe , überhaupt allen äußeren Merkmalen der zügellosen Unmäßigkeit im Essen . Er aß in der That unglaublich viel , und seine Mutter , welche stets um die , wie sie sagte , äußerst zarte Körperconstitution dieses verzogenen Knaben besorgt war , konnte ihm gleichwohl die täglichen Ausschweifungen im Genusse von Speisen ] nicht [ entdecken ; ] [ verbieten , die seinen nichts weniger als zarten Organismus erschlafften . Gewöhnt , mich dem Willen dieses Menschen zu unterwerfen , dessen bloßer Anblick einen peinlichen Eindruck auf mich machte , näherte ich mich ihm , ohne ein Wort zu sagen . Er heftete seine Augen auf die meinigen und als ] er [ ] [ sah , daß sich diese nicht zu Boden senkten , schnitt er mir ein abscheuliches Gesicht , der gewöhnliche Vorbote seiner Mißhandlungen . Ich ahnte , daß er mich schlagen ] würde [ mich auch ] [ , aber ich weiß ] nicht [ gefunden haben ] [ , welche geheime Kraft mich unbeweglich bleiben ließ , indem ich mit kalter Geringschätzung dieses häßliche Gesicht betrachtete . Wahrscheinlich verstand er diese stumme Sprache ] , denn er [ hatte weder ] [ zögerte nicht länger , mir ] einen [ raschen Blick , noch einen scharfen Verstand . Aber umso mehr war Elise ] [ so heftigen Faustschlag ] zu [ fürchten , und in der That , kaum steckte sie ihren Kopf durch die Thür , da rief sie auch schon : , Sie ist gewiß auf dem Fenstersitze , John . Ich kam sogleich hervor , denn ich zitterte be dem Gedanken , von John herausgezerrt zu werden . , Was willst du von mir ? fragte ich ihn mit linkischer Schüchternheit . , Was wollen Sie , Monsieur Reed , heißt es , war die Antwort . , Ich will ] [ geben ] , daß [ du hierher kommst . Hierauf setzte er sich in einen Lehnsessel und gab mir durch eine gebieterische Bewegung zu verstehen , daß ich mich vor ihn hinstellen sollte . John Reed war ein Schulknabe von vierzehn Jahren - - vier Jahre älter als ich , denn ich war erst zehn - - groß und stark für sein Alter , von ungesunder Gesichtsfarbe , mit markirten Linien in seinem breiten Gesichte , plumpen Gliedern und großen Händen und Füßen . Er aß sich bei Tische gewöhnlich sehr voll , wodurch er gallsüchtig wurde und sich ein trübes , gläsernes Auge und welke Backen zuzog . Er hätte jetzt in der Schule sein sollen ; doch seine Mutter hatte ihn wegen seiner zarten Gesundheit auf ] [ ich ] einen oder zwei [ Monate nach Hause genommen . Herr Miles , sein Lehrer , versicherte , es würde sehr gut sein , wenn ihm weniger Kuchen ] [ Schritte zurücktaumelte ] und [ Leckerbissen von Hause geschickt würden ; doch das Mutterherz empörte sich über eine so harte Ansicht und war eher zu der milderen AuFassung geneigt , daß John ' s abgefallenes Gesicht von übergroßer geistiger Anstrengung und vielleicht auch vom Heimweh herrühre . John zeigte nicht viel Zärtlichkeit für Mutter und Schwestern und ] [ Mühe ] hatte [ einen besonderen Widerwillen gegen mich . Er verfolgte und bestrafte mich beständig ] [ ] , [ jeder Nerv , ] [ mich auf ] den [ ich hatte , fürchtete ihn , und jedes Glied meines Körpers zitterte , wenn er mir nahe kam . Es gab Augenblicke , wo mich der Schrecken , den er mir einflößte , ganz verwirrt machte ; ich konnte mich bei Niemandem über seine Drohungen und Tätlichkeiten beschweren , Mistreß Reed war in dieser Hinsicht taub und blind , sie sah nie , wenn er mich schlug , und hörte nicht , wenn er mich schalt , obgleich er zuweilen beides in ihrer Gegenwart that . Gewohnt , John ] [ Füßen ] zu [ gehorchen , näherte ich mich seinem Stuhle ; er brachte etwa drei Minuten damit zu , seine Zunge herauszustrecken ; während ich jeden Augenblick fürchtete , daß er zuschlagen werde , betrachtete ich mit Abscheu und Ekel sein rohes Gesicht ] [ erhalten ] . [ Vielleicht las er diese Empfindung in meiner Miene , denn plötzlich schlug er heftig zu . Ich taumelte , und als ich mein gleichgewicht wieder erlangt hatte , zog ich mich von seinem Stuhle zurück . , Daß ] [ „Das ] ist für [ deine Unverschämtheit ] [ Dein ungebürliches Benehmen ] , [ womit du Mama vor einiger Zeit geantwortet hast ] [ nicht zu antworten ] , [ ] [ wenn ich Dich rufe , “ ] sagte er [ ] [ zu mir ] , [ , dafür , daß du dich fortschleichst und dich ] [ „und für Dein schlangenartiges Verkriechen ] hinter [ den Vorhängen verbirgst ] [ unsere Vorhänge ] , [ und ] [ so wie ] für den [ Blick ] [ verbissenen Zorn ] , [ mit dem du mich soeben angesehen hast ] [ der seit zwei langen Minuten aus Deinen Augen spricht ] , [ du Ratte ] [ boshafte Spinne ] . [ An ] [ “ Ich entgegnete nie etwas auf ] John [ Reed ' s üble Behandlung gewöhnt ] [ Reeds Schimpfworte ] , [ fiel es mir nie ein , etwas darauf zu erwidern ; meine Sorge ] [ denn ich ] war [ jetzt nur ] [ immer damit beschäftigt ] , [ wie ich ] [ mich auf ] den [ neuen ] [ ] Schlag [ ertragen sollte ] [ gefaßt zu machen ] , der [ gewiß ] [ ihnen ] folgen [ würde ] [ konnte ] . [ , Was thatest du ] [ „Was machtest Du ] dort [ hinter dem Vorhange ] [ ] ? fragte er [ . ] [ weiter ] , [ Ich ] [ indem er nach dem Fenster zeigte , an welchem ich eine so traurige und zugleich angenehme Stunde zugebracht hatte . „Ich ] las . [ , Zeige ] [ “ „Zeige mir ] das Buch . [ ] [ “ ] Ich [ kehrte zum Fenster zurück und ] [ ] holte es [ von dort her . , Du hast kein Recht , unsere ] [ herbei . „Ich will Dich lehren . “ fuhr er fort in meinen Bibliotheken herumzustöbern und meine ] Bücher zu [ nehmen ] [ besudeln ] , [ Mama sagt , du bist abhängig ; du hast kein Geld ; dein Vater hat dir keins hinterlassen ; du solltest betteln und hier ] [ kleine Betteldirne . Geh dorthin , neben den Spiegel . . . ] nicht [ mit anständigen Kindern ] [ so nahe ans Fenster . Ich hatte den Zweck dieses Befehls anfangs nicht errathen . Als ich mich aber an der bezeichneten Stelle befand , wurde mir Alles klar , denn ich sah ] , wie [ wir sind , zusammen leben auf Kosten unserer Mutter . Nun will ich dich lehren , meinen Bücherschrank zu durchstöbern , denn ] [ ] er [ ist mein , das ganze Haus ist mein , oder wird mir doch in wenigen Jahren gehören . Geh und stelle dich an die Thür , fern von dem Spiegel und ] [ ] den [ Fenstern ] [ dicken Band , den ich ihm gebracht hatte , emporhob und in der Luft schwenkte ] . [ Ich that ] [ Mit einem Angstschrei sprang ich auf die Seite , aber ] es [ , da ich nicht gleich wußte , was seine Absicht ] [ ] war [ ; als ich ihn aber das Buch erheben und gegen mich schwingen sah , sprang ich instinctmäßig mit einem Schrei des Schreckens auf die Seite ; doch nicht früh genug , das ] [ zu spät . John hatte richtig gezielt . Das ] Buch traf mich [ , ] [ an die Stirn und ] ich fiel [ hin und ] [ gegen die Thür , deren Kante mir die Haut ] verletzte [ meinen Kopf an ] [ . Ich fühlte einen empfindlichen Schmerz und als ich die Hand , mit ] der [ Thür . Die ] [ ich mechanisch nach meiner ] Wunde [ blutete ] [ gegriffen ] , [ der Schmerz ] [ wieder zurückzog , ] war [ heftig ] [ sie mit Blut befleckt . Eine unwiderstehliche Entrüstung folgte dem Gefühle ] , [ mein Schrecken groß . , Böser , ] [ das mich anfangs beherrscht hatte . Und da ich damals die römische Geschichte las , da ich John Reed oft im Stillen mit Nero , Caligula und andern , fast eben so verabscheungswürdigen Tyrannen verglichen hatte , so rief ich aus : „Du bist ein böser und ] grausamer [ Junge ! ' rief ich ] [ Mensch ] . [ , Du ] [ . . Tu ] gleichst einem Mörder [ , du gleichst ] [ . . . ] einem [ Sclavenaufseher - - du gleichst ] [ Sklavenhändler . . . ] den [ römischen ] [ ] Kaisern [ ] [ von Rom ] ! [ Ich hatte Goldsmith ] [ “ Diese Beleidigung mußte John Reed überraschen . Sie erbitterteihn auf ] ' s [ Geschichte von Rom gelesen ] [ Höchste ] und [ mir meinen VegriF von Nero und Caligula gebildet und diese ] [ ] in [ der Stille oft mit John verglichen , obwohl ich es nie laut auszusprechen beabsichtigte . , Was ! was ! rief ] [ rasender Wuth stürzte ] er [ . , Sagte sie das zu mir ? Hörtet Ihr es , Elise und Georgine ? Soll ich es nicht Mama sagen ? Aber vorher - - Er lief plötzlich auf mich ] [ auf mich ] zu [ und ergriff mich am Haar und an der Schulter . Er hatte sich an ein verzweifeltes Geschöpf gewagt . Ich sah in der That einen Tyrannen , einen Mörder in ihm ] [ ] . Ich fühlte [ einige ] [ , daß er mich zugleich bei den Schultern und bei den Haaren faßte . Einige warme ] Blutstropfen [ von meinem Kopfe auf ] [ flossen über ] meinen Hals [ herabrinnen und empfand ] [ : mein glühender Kopf , meine iu diesem Augenblicke heftigeren Schmerzen , ganz besonders aber der Gedanke , daß ich ein wirkliches Ungeheuer , ähnlich den Kaisern Goldsmiths vor mir hatte , raubten mir alle Selbstbeherrschung . Ich leistete ] einen [ stechenden Schmerz . Diese Empfindungen besiegten für den Augenblick die Furcht , ] [ verzweifelten ] und [ ich empfing meinen Peiniger auf wahnsinnige Weise . Ich weiß nicht recht , was ich mit meinen Händen that ] [ siegreichen Widerstand , ohne zu wissen , welche Rolle meine Nägel und vielleicht auch meine Zähne dabei spielten . Bald sah sich Master John in die Nothwendigkeit versetzt ] , [ doch er brüllte laut auf und nannte mich Ratte ! Ratte ! Elise und Georgine holten ] [ um Hülfe zu rufen . Sobald der Ton seiner Stimme in das Nebenzimmer drang , kamen die beiden vertrautesten Dienerinnen der ] Mistreß Reed herbei [ ] [ und als ihnen mit großer Mühe gelungen war , uns zu trennen , , vernahm ich die rauhe und kreischende Stimme meiner Tante ] , welche [ die Treppe hinaufgegangen war und jetzt auf dem Schauplatze erschien ] [ den Lärm übertönte ] . [ Bessie ] [ „Mutter , sieh nur , wie Jane mich zugerichtet hat“ - - - rief John ihr entgegen - - - sie hat mich geschlagen , gekratzt ] und [ ] [ gebissen , und - - was meinst Du , weshalb ? Weil ich ihr verbot , mir meine Bücher zu verderben . „Der Bube hat ohne Veranlassung mich arg gemißhandelt ! “ - - - wollte ich entgegnen , aber meine Stimme wurde von der meiner . Tante übertönt . „Wie , Du hast Dich unterstanden , Dich an meinen Sohn thätlich zu vergreifen ? Ist ] das [ Kammermädchen Abbot folgten ihr . John und ich wurden getrennt und ich hörte die ] [ der Respekt , den Du ihm schuldig bist ? Ist das der Dank für die Wohlthaten , die wir Dir gewähren ? “ Sie ließ mich nicht zu ] Worte [ : , O Himmel ] [ kommen . „In die rothe Kammer ] ! [ welch ' eine Furie ] [ “ rief sie ] , [ auf Monsieur John loszustürzen ! ' , Sah je ] [ „schließt sie ] ein [ Mensch eine solche Leidenschaft ? Dann fügte Mistreß Reed hinzu : , Bringt sie in das rothe Zimmer ] [ ] und [ schließt ] [ lasst ] sie dort [ ein . ' ' Vier Hände ergriffen mich sogleich und trugen mich die Treppe hinauf . Zweites Kapitel . ] [ ! “ ] Ich [ widersetzte mich ] [ hätte nie geglaubt , daß ich mich je gegen diese gefürchtete Stimme auflehnen könnte . Aber in diesem Augenblicke gab es auf der ganzen Welt keinen Herrn für mich , und nur mit Gewalt brachte man mich aus dem Zimmer , in welchem der eben erzählte Auftritt stattgefunden hatte . Selbst in der rothen Kammer , als ich auf einen Stuhl gesetzt worden war , wollte ich wieder aufspringen und ] den [ ganzen Weg über ] [ Kampf mit meinem Vetter erneuern . Die beiden Dienerinnen wußten nicht mehr ] , [ was bei mir etwas Neues ] [ welchen Heiligen sie anrufen und wie sie die wüthende Katze bändigen sollten , die ihnen soviel zu schaffen machte . Endlich hatte die Eine von ihnen einen glücklichen Einfall ; es ] war [ und sehr dazu beitrug , die schlimme Meinung zu verstärken , die ] [ ] Bessie [ und Miß Abbot ] [ , das einzige Wesen das mir in diesem fluchwürdigen Hause zuweilen Beweise ] von [ mir zu hegen geneigt waren . Ich war in der That außer mir . Da ich wußte , daß ich für meine Empörung eine schwere Strafe zu erwarten ] [ einer Art Freundschaft gegeben ] hatte [ , so war ich , gleich jedem anderen rebellischen Sclaven , in meiner Verzweiflung entschlossen , noch weiterzugehen ] [ ] . [ , Halten Sie ihr die Arme fest , Miß Abbot ; sie ist wie eine wilde Katze . , Pfui ! pfui ! ' rief die Kammerjungfer . , Welch ' ein garstiges Betragen , Miß Eyre , einen jungen Herrn zu schlagen , den Sohn Ihrer Wohlthäterin ! Ihren jungen Herrn ! ' , Meinen Herrn ! Wie ist er denn mein Herr ? Bin ich denn eine Dienerin ? , Nein , Sie sind noch weniger als eine Dienerin , denn Sie thun nichts für Ihren Unterhalt . Da setzen ] [ „Wenn ] Sie sich [ nieder und denken Sie über Ihre Bosheit nach . ' Sie hatten mich jetzt in das von Mistreß Reed angedeutete Zimmer gebracht und mich auf einen Stuhl geworfen . Mein erster Antrieb war ] [ noch länger sträuben ] , [ wieder aufzuspringen ] [ Miß ] , [ doch die vier Hände hielten mich augenblicklich wieder fest . ] [ “ sagte sie zu mir ] , [ Wenn Sie nicht still sitzen , so ] [ „so ] müssen wir Sie [ festbinden , sagte Bessie ] [ binden ] . [ ] [ Miß Abbot , “ setzte sie hinzu , „leihen ] Sie [ war im Begriffe , ] [ mir doch ] ihre [ Drohung wahr zu machen ] [ Strumpfbänder , denn die meinigen würde sie bald zerreißen ] . [ Dieser Schande wollte ich mich ] [ “ Miß Abbot wendete sich um und löste die mir bestimmten Fesseln von den kräftigen Pfeilern , auf denen ihr gewaltiger Körper ruhte . Ich sah einen neuen Schimpf voraus , woran der Gedanke mich empörte und mir eine gewisse gezwungene Ruhe gab . „Bemühen Sie sich ] nicht [ ] [ , Miß Abbot ! “ rief ich ] aus [ setzen . Daher mäßigte ich mich ein wenig . ] [ , „ich verspreche Ihnen ] , [ Lassen Sie nur , ' rief ich , , ich will ruhig sitzen bleiben ] [ mich nicht von der Stelle zu rühren ] . [ Zum Beweise hielt ] [ “ Zur Bekräftigung meines Versprechens klammerte ] ich mich mit [ den ] [ beiden ] Händen an [ meinem ] [ dem ] Stuhle fest [ . ] [ ] , [ Halten Sie Wort ! ' sagte ] [ auf den ich wider meinen Willen gesetzt worden war . ] Bessie [ , und als sie sich überzeugt hatte ] [ sah ] , daß ich [ wirklich ruhiger wurde ] [ im Ernst sprach und es war daher nicht mehr die Rede davon ] , [ ließ sie mich los ; dann standen sie ] [ mich zu binden . Die beiden Mädchen hielten es nun für angemessen , mir eine lange Predigt zu halten über mein thörichtes Benehmen und über die Nothwendigkeit , daß ich mich , da ich arm ] und [ Miß Abbot ] [ schutzlos war , dem Willen derjenigen unterwerfen müsse , die mir Brot gaben . In trotzigem Stillschweigen und ohne meine fast herrische Stellung zu verändern , hörte ich Alles ] mit [ übereinandergeschlagenen Armen da und sahen mir ins Gesicht , als ob sie ] [ ] an [ meinem Verstande zweifelten . , Sie ist noch nie so gewesen , sagte Bessie endlich zu Miß Abbot . , Doch es lag immer in ihr , war die Antwort . , Ich habe Missis oft meine Meinung über das Kind gesagt , und Missis stimmte mir bei . Sie ist ein boshaftes kleines Ding , ich sah noch nie ein Mädchen in ihrem Alter mit so viel versteckter List . Bessie antwortete nicht , sondern wendete sich zu mir und sagte : , Sie sollten bedenken , Miß , was Sie Mistreß Reed für Dank schuldig sind , sie ernährt Sie ; wenn sie Sie wegjagte , müßten Sie ins Waisenhaus gehen - - ich schwieg zu diesen Worten , sie waren mir nicht neu , denn meine ersten Erinnerungen waren mit Andeutungen dieser Art verschmolzen . Der Vorwurf meiner Abhängigkeit war meinen Ohren längst ein gewohntes Lied , schmerzlich und niederdrückend , obwohl nur halb verständlich . , Und Sie sollten sich nicht für gleichberechtigt mit den Misses Reed und Monsieur Reed halten . ' fiel Miß Abbot ein , weil Missis so gütig ist , Sie mit ihnen erziehen zu lassen . Jene werden viel Geld bekommen und Sie keins . ' , Was wir Ihnen sagen , geschieht zu Ihrem Besten , ' fügte Bessie in mildem Tone hinzu , , Sie sollten versuchen , sich nützlich und angenehm zu machen , dann würden Sie vielleicht hier eine Heimat haben ; aber wenn Sie leidenschaftlich und roh werden , so bin ich gewiß , daß Missis Sie fortschicken wird . , Und wohin würden Sie dann gehen ? sagte Miß Abbot . , Ich möchte um die Welt nicht Ihr Herz haben . Sprechen Sie Ihr Gebet , Miß Eyre , wenn Sie wieder zu sich gekommen sind , denn wenn Sie nicht bereuen , so könnte ein böser Geist im Kamin herabfahren und Sie mitnehmen ] [ ] . Sie gingen [ fort ] [ endlich ] und [ machten ] [ verschlossen ] die Thür [ zu ] [ . Die Augenblicke , welche auf ihre Entfernung folgten , habe ich nicht vergessen ] . Das rothe Zimmer war [ unbewohnt , und es schlief nur dann Jemand darin , wenn eine ungewöhnliche Anzahl von Gästen ] [ ein großes , selten bewohntes Ge mach , denn Besuche waren ] in Gateshead [ ] [ - ] Hall [ es nöthig machte ] [ eben nicht häufig . In der Mitte dieses öden und stillen Zimmers ] , [ alle Räume zu benutzen , die ] [ ] das [ Haus besaß . Und doch war es ] [ etwas Majestätisches hatte , wie ] das [ größte und stattlichste Zimmer in dem ganzen Gebäude . Ein ] [ Tabernakel eines jüdischen Tempels , stand auf massiven , dunkelbraunen Mahagonyfüßen ein großes ] Bett , [ von Säulen aus Mahagoniholz getragen und ] [ ] mit Vorhängen von [ dunkelrothem ] [ rothem ] Damast [ versehen , stand in ] [ . Gardinen von dem nämlichen Stoffe und ] der [ Mitte ; ] [ nämlichen Farbe hingen vor den ] zwei [ große Fenster ] [ hohen Fenstern ] , deren [ Laden beständig ] [ Läden nie ] geschlossen [ waren , zeigten eine reiche Draperie von ähnlicher Farbe ; auch der Fußteppich und die Tapeten an den Wänden waren roth ; der Tisch am Fuße des Bettes ] [ wurden . Der Fußboden ] war mit [ einer karmoisinrothen Decke belegt ; der ] [ einem rothen Teppich bedeckt , über den vor dem Bett stehenden Tisch war ein ähnliches Tuch gebreitet und die Wände mit einem lichten Stoffe bekleidet , auf dem sich einzelne rothe Streifen befanden . Der ] Kleiderschrank , der [ Toilettentisch ] [ Toilettenschrank ] und die Stühle [ waren ] [ ] von [ dunkel polirtem ] [ ] altem [ Mahagoniholz . In dieser ] [ , dunklen Mahagony glänzten in der ] Dunkelheit [ erhoben sich hoch ] [ , von der besonders noch zwei Gegenstände grell abstachen : ] die [ aufgethürmten ] [ ] Matratzen und Kissen des Bettes [ , welches ] [ ] mit [ einer schneeweißen Decke belegt war . Kaum weniger in die Augen fallend war ] [ blendendweißen Ueberzügen , und dann ] ein [ großer ] [ Krankenlehnstuhl ] , [ mit Kissen belegter Lehnstuhl am Kopfende des Bettes ] [ ] mit einem [ Fußschemel davor ] [ gleichen Ueberzuge und einem Auftritte ] , [ so daß er ] [ der ] mir [ ] [ in diesem feierlichen Augenblicke ] wie ein [ Thron vorkam ] [ „bleicher Thron“ erschien ] . [ Dieses ] [ Es war empfindlich kalt in diesem ] Zimmer [ war kalt ] [ ] , [ weil es selten geheizt ] [ wo nie ein Feuer angezündet ] wurde [ ; es war still , weil ] [ . Da ] es von [ der ] [ die ] Kinderstube und der Küche [ ] [ ziemlich weit ] entfernt lag , [ und feierlich , weil selten Jemand hineinkam ] [ so herrschte fortwährend eine tiefe Stille darin ] . [ Nur ] [ Endlich war in diesem gespensterhaften Bett mein Oheim vor einigen Jahren verschieden , eine Erinnerung , welche ] das [ Hausmädchen betrat es jeden Samstag ] [ Schauerliche des mysteriösen Ganzen noch erhöhte . Bald fühlte ich mich beängstigt in diesem öden Raume ] , [ um ] [ der mir ein Grabgewölbe erschien ; ich stand daher von meinem Sitze auf ging nach der Thür , die , wie ich wähnte , vielleicht offen geblieben konnte . Ein kalter Schauder ergriff mich , als ich sah , daß sie wirklich fest verschlossen war . Um auf meinen Platz zurückzukehren , mußte ich bei einem großen Spiegel vorüber , in welchem ich schon die geisterhafte Form des weißen Todtenbettes erblickt hatte . Mein Blick versenkte sich unwillkürlich in die trügerischen Tiefen , die er mir darbot , und ich sah nun darin ein wunderliches kleines Geschöpf , das mir die schottischen Feen ins Gedächtniß rief , deren boshafte Streiche mir Bessie erzählte , wenn man uns in der Wäschkammer allein ließ und ich auf ihre Bügeleisen Acht gab . – In diesem kleinen mageren und blassem Geschöpf , dessen scheue Augen blitzten , dessen schwache weiße Arme sich auf dem dunklen Hintergrunde abzeichneten und das eine Art stummes Gebet flüsterte , erkannte ich erst nach einiger Zeit . . . die unglückliche Nichte der Mistreß Reed . Es wurde mir fast noch ängstlicher zu Muthe , als ich mich mit dieser seltsamen Transfiguration meiner eigenen Person allein sah . Ich sage Ihnen nichts ] von den [ Spiegeln und Möbeln den Staub abzuwischen ] [ tausend sonderbaren Bildern ] , [ und Mistreß Reed selber besuchte es nur zu bestimmten Zeiten , um den Inhalt eines gewissen geheimen Faches in dem Kleiderschranke zu untersuchen , worin sie verschiedene Documente , ihr Juwelenkästchen und ein Miniaturbild ihres verstorbenen Mannes aufbewahrte . Hier war der Punkt , worin das Geheimnisvolle des rothen Zimmers beruhte , der mystische Zauber , der es ungeachtet seiner Pracht vereinsamen ließ . Herr Reed war vor neun Jahren in diesem Zimmer gestorben , hier hatte er auf dem Paradebette gelegen ; von hier hatte man seinen Sarg weggetragen , und seit jenem Tage schützte ein Gefühl der Furcht das Zimmer vor häufigem Besuche . Mein Sitz , auf den mich Bessie und die boshafte Miß Abbot gebannt hatten , war eine niedrige Ottomane in der Nähe des marmornen Kamins . Das Bett erhob sich vor mir ; zu ] [ die an ] meiner [ Rechten stand der hohe dunkle Kleiderschrank , an dessen glänzenden Verzierungen sich das matte Licht brach ; zu meiner Linken befanden sich die verhüllten Fenster ] [ überreizten Phantasie vorüberzogen ] und [ ein großer Spiegel zwischen ihnen . Ich war nicht ganz gewiß , ob sie ] [ welche ] die [ Thür verschlossen hatten , und als ich mich zu bewegen wagte , stand ich auf , um nachzusehen . Ach ja , kein Kerkermeister war je gewissenhafter in seinem Amte . Als ich zurückkehrte , mußte ich an dem Spiegel vorüber ; wie von einem Zauber angezogen , blickte ich hinein . Alles erschien darin kälter und dunkler , als in der Wirklichkeit , und die fremde kleine Gestalt , die ich daraus anschaute und deren Gesicht und Arme gespenstig weiß gegen die Dunkelheit absNachen , machte auf mich den Eindruck eines Geistes . Ich meinte , sie sei jenen winzigen Phantomen , halb Fee , halb Zwerg , ähnlich , die in Bessie ' s Abenderzählungen aus einsamen Schluchten hervorkamen und verspäteten Wanderern erschienen . Ich kehrte zu meinem Sitze zurück . Abergläubische Furcht war in diesem Augenblicke mächtig in mir ; doch die Stimmung des empörten Sclaven behielt die Oberhand . Alle Tyranneien John Reed ' s , alle stolze Gleichgültigkeit seiner Schwestern , alle Abneigung seiner Mutter , alle Parteilichkeit der Diener vergegenwärtigte ich mir in meinem verstörten Geiste . Warum mußte ich immer leiden , immer hart behandelt , immer beschuldigt und immer verurtheilt werden ? Warum konnte ich nie gefallen ? Warum war es nutzlos , zu versuchen , irgend Jemandes Gunst zu erwerben ? Elise , die halsstarrig und selbstsüchtig war , wurde geachtet . Georgine , die eine verdorbene Gemüthsart , einen sehr scharfen Spott , ein naseweises und freches Benehmen hatte , wurde überall geduldet . Ihre Schönheit , ihre rothen Wangen und ihre goldenen Locken schienen Alle , die sie ansahen , in Entzücken zu versetzen und ihr Straflosigkeit für jeden Fehler zu erkaufen . John wurde von Niemand getadelt oder gar gestraft , obgleich er den Tauben die Hälse umdrehte , die kleinen Pfauen tödtete , die Hunde hinter ] [ heftige Aufregung meines Kopfes und ] die [ Schafe hetzte , die Weinstöcke im Treibhause ihrer Früchte beraubte und die Knospen der seltensten Pflanzen im Gewächshause abbrach . Obgleich er seine Mutter , ein altes Weib ' nannte , sie wegen ihrer dunkeln Haut , die der seinen glich , verspottete , ihren Wünschen sich frech widersetzte , ] [ ] so [ war und blieb er doch immer ihr Liebling . Ich bemühte mich , jede Pflicht zu erfüllen , und dafür wurde ich vom Morgen bis Mittag und vom Mittag bis Abend unartig und lästig gescholten . Mein Kopf schmerzte noch und blutete von dem Schlage und dem Falle . Niemand hatte John Vorwürfe gemacht , weil er mich aus Uebermuth geschlagen hatte ; ich aber , weil ich mich gewehrt , um mich vor weiteren Gewaltthätigkeiten zu schützen , ich wurde mit allgemeinem Tadel überhäuft . , Ungerecht ! - - ungerecht ! ' sagte meine Vernunft , die durch den quälenden SNachel zu frühzeitiger Reife gelangt war . Dieses bittere Gefühl der Ungerechtigkeit brachte mich , um dem unerträglichen Drucke zu entfliehen , auf den seltsamen Entschluß , davonzulaufen oder , wenn das nicht zu bewerkstelligen war , nicht mehr zu essen und zu trinken und so zu sterben . Welch ' eine tiefe Trostlosigkeit empfand ich an jenem traurigen Nachmittage . Wie war mein ganzes Gehirn im Tumult und mein ganzes Herz im Aufruhr ! Doch in welcher Dunkelheit , in welcher Unwissenheit wurde der Kampf gekämpft ! Ich konnte die unaufhörliche innere Frage nicht beantworten , warum ich o litt , jetzt freilich , nach einem Zeitraum - - ich will nicht sagen , von wie vielen Jahren - - weiß ich es sehr wohl . Ich war in Gateshead Hall Allen unähnlich , ich hatte nichts Uebereinstimmendes mit Mistreß Reed , ihren Kindern oder ihrer auserwählten Dienerschaft . Wenn sie mich nicht liebten , so liebte ich sie in der That ebenso wenig . Sie waren nicht verpflichtet , ein Wesen mit Zärtlichkeit zu behandeln , welches mit keiner Person unter ihnen harmonirte ; ich war ihnen an Temperament und Neigung entgegengesetzt , unfähig ihrem Interesse zu dienen oder ihr Vergnügen zu erhöhen ; ein schädliches Wesen , welches ihre Behandlung mit Unwillen ertrug ihr Urtheil verachtete ] [ lange unterdrückte Empörung meines Herzens in mir hervorriefen ] . Ich weiß [ ] [ nur ] , [ wenn ] [ daß eine klare Idee von meiner Lage , von der Ungerechtigkeit , unter der ] ich [ ] [ seufzte , von der Abneigung , deren unschuldiges Opfer ich war , von meiner kränklichen Häßlicheit , die meinen Verwandten ] ein [ sanguinisches ] [ Gräuel war ] , [ leichtsinniges , nachlässiges , anspruchsvolles , schönes ] [ ] und [ wildes Kind gewesen wäre , so hätte Mistreß Reed meine Gegenwart geduldiger ertragen ] [ von meiner angeborenen Menschenscheu ] , [ ihre Kinder würden mehr Freundschaft für mich empfanden haben und die Diener weniger versucht gewesen sein , mich ] [ welche noch dadurch vermehrt wurde , daß man mir keine Liebe und keine Aufmunterung zu Theil werden ließ , sich ] zum [ Sündenbock der Kinderstube zu machen ] [ ersten Male in meinem Geiste festsetzte ] . [ Das Tageslicht begann ] [ Auch weiß ich noch , daß die äußere Dunkelheit nach und nach die spärlichen Lichtstrahlen verlöschte , die in ] das rothe Zimmer [ zu verlassen ; es war vier Uhr vorbei ] [ drangen ] , [ und ] [ daß ] der [ trübe Nachmittag ging in graue Dämmerung über . Ich hörte den Regen ] [ Himmel ] noch [ beständig an das Fenster auf ] [ fortwährend seine Schmerzensthränen vergoß , daß ] der [ Treppe schlagen und den ] [ ] Wind [ ] [ traurig ] in den Bäumen [ der Allee heulen . Nach und nach wurde mir eiskalt und dann sank mein Muth . Meine gewohnte demüthige Stimmung ] [ des Parkes seufzte , daß mich allmälig eine entsetzliche Angst und eine gänzliche Muthlosigkeit ergriffen ] , [ der Zweifel an mir selbst , löschten die glühenden Kohlen meines Zornes . Alle sagten , ich sei boshaft , und vielleicht mochte ich es auch sein , wie hatte ich auch erst eben auf den ] [ und daß einer meiner letzten ] Gedanken [ kommen können ] [ ] , [ mich todtzuhungern ? Das ] [ ehe ich völlig das Bewußtsein verlor , der feste Vorsatz ] war [ offenbar ein Verbrechen . Und war ich den vorbereitet zu sterben ? Oder war das Gewölbe unter dem Chor in der Kirche zu Gateshead ein einladendes Ziel ? In solch ' einem Gewölbe ] [ ] , [ hatte man mir gesagt ] [ auf diesem nämlichen Bette ] , [ liege ] [ wo ] Herr Reed [ begraben ; und bei diesem Gedanken verweilte ich mit Schrecken . Ich erinnerte mich ] [ entschlafen war , Hungers zu sterben . Dann war es mir . als bewegte sich eine menschliche Gestalt unter der Decke ] des [ Verstorbenen nicht mehr ; aber ich wußte , daß er mein Oheim ] [ Geisterbettes . . . dies war der Gnadenstoß für mich . ] - - [ meiner Mutter Bruder ] [ ] - - [ ] [ Es scheint , daß ich ganz ohne Besinnung gefunden wurde und daß ich erst nach langer Zeit aus dieser Betäubung erwachte , in welche mich die Angst versetzt hatte . Man mußte den Arzt rufen , ihm die meiner Ohnmacht voraufgegangenen Scenen erzählen und sich wegen der gegen mich angewendeten Strenge rechtfertigen . Dies Alles ] war [ ] [ keineswegs geeignet ] , [ daß er mich als elternloses Kind ] [ mir das Herz meiner Tante Reed zu gewinnen . Wir geriethen noch mehrere Male ] in [ sein Haus genommen ] [ Streit miteinander ] und [ in seinen letzten Augenblicken ] [ bei jeder solchen Gelegenheit steigerte ] sich [ von Mistreß Reed das Versprechen hatte geben lassen , mich wie eins ihrer eigenen Kinder zu erziehen und zu unterhalten . Mistreß Reed dachte wahrscheinlich , diese Versprechen erfüllt zu haben , und sie hatte es auch nach ihrer Art gethan , aber sie mußte es sehr lästig finden , durch ein erzwungenes Versprechen gebunden zu sein , an einem fremden Kinde , welches sie nicht lieben konnte , Mutterstelle zu vertreten und eine Fremde beständig ihrer Familie aufgedrängt zu sehen . Ich zweifelte nicht und hatte nie gezweifelt , daß behandelt haben ; und nun , als ich da saß und das weiße Bett und die dunkelnden Wände ansah , mich auch von Zeit zu Zeit von dem Zauber des trübeschimmernden Spiegels angezogen fühlte , begann ich mich zu erinnern , was ich von Verstorbenen gehört , die durch die Verletzung ihrer letzten Wünsche in ] [ mit meiner Widersetzlichkeit gegen ] ihren [ Gräbern beunruhigt , die Erde wieder besuchten , um die Meineidigen zu bestrafen und die Unterdrückten zu rächen ; und ich dachte , Herrn Reed ' s Geist , durch das Unrecht empört , welches dem Kinde seiner Schwester widerfuhr , könne sich in diesem Zimmer war mir erheben . ich trocknete meine Thränen und unterdrückte mein Schluchzen , da ich fürchtete , es könne mich plötzlich eine übernatürliche Stimme nach der Ursache meines Kummers fragen und mich trösten , oder es könne in der Dunkelheit ein geisterhaftes Gesicht erscheinen und sich mitleidig über mich beugen . Ich fühlte ] [ Willen der Haß ] , [ daß diese an sich tröstliche Idee in der Wirklichkeit schrecklich sein werde , und bemühte mich mit aller Macht , sie zu unterdrücken . Ich schüttelte mein Haar aus meinen Augen , erhob ] [ ] den [ Kopf und versuchte , mich kühn in dem dunklen Zimmer umzusehen . In diesem Augenblick schimmerte ein Licht an der Wand . , Sollte es ein Strahl des Mondes ein , der durch eine Oeffnung des Fensterladens fällt ? fragte ich mich ? , Nein , das Mondlicht steht still aber dieses hier bewegt sich . Während ich noch hinblickte . erhob es sich zur Decke und bebte über meinem Haupte . Ich vermuthete jetzt , daß dieser Lichtschimmer von einer Laterne herrührte , die Jemand über den Rasenplatz trug ; aber da mein Geist auf etwas Entsetzliches vorbereitet und meine Nerven durch Aufregung erschüttert waren , hielt ich den wandelnden Strahl für den Vorboten einer Erscheinung aus der anderen Welt . Mein Herz schlug heftig , ich glaubte , ein Geräusch wie das Rauschen von Flügeln zu vernehmen ; es schien etwas in meiner Nähe zu sein ; ich war athemlos und glaubte zu ersticken . Das konnte ich nicht länger ertragen , ich stürzte mich auf die Thür zu und schüttelte das Schloß mit verzweifelter Anstrengung . Es eilte Jemand den äußeren Gang daher , der Schlüssel wurde umgedreht und Bessie und Abbot traten ein . , Welch ' ein schrecklicher Lärm ! Es ist mir in alle Glieder gefahren ! rief Abbot . , Laßt mich heraus ! schrie ich . , Weshalb ? Ist Ihnen etwas geschehen ? Haben Sie etwas gesehen ? fragte Bessie . , O ! ich sah ein Licht und glaubte , es würde ein Geist kommen . , Sie hat absichtlich geschrieen , ' behauptete Abbot gehässig , , sie wollte uns nur hierher locken , ich kenne ihre listigen Ränke . , Was soll das heißen ? fragte eine gebieterische Stimme , und Mistreß Reed kam mit flatternder Haube und stürmisch rauschendem Kleide den Corridor daher . , Abbot und Bessie , ich meine doch befohlen zu haben , Johanna Eyre solle in dem rothen Zimmer bleiben , bis ich sie selber herauslasse . , Miß Johanna schrie so laut , Madame , ' sagte Bessie entschuldigend . , Laß sie nur , ' war die Antwort . , Laß Bessie ' s Hand los , Kind , es wird dir nicht gelingen , auf solche Weise herauszukommen . Ich verabscheue die List , besonders bei Kindern ; es ist meine Pflicht , dir zu zeigen , daß du durch Ränke nicht deinen Zweck erreichst . Du wirst jetzt eine Stunde hier länger bleiben , und nur unter der Bedingung der vollkommenen Unterwürfigkeit werde ich dich dann befreien . , O Tante , haben Sie Mitleid ! Verzeihen Sie mir ! Ich fürchte mich so sehr in diesem Zimmer - - bestrafen Sie mich auf eine andere Weise ! Ich werde sterben , wenn - - ' , Still ! ' gebot Mistreß Reed , , diese Heftigkeit ist schändliche Verstellung ! ' So kam es ] [ ich ] ihr [ ohne Zweifel vor ] [ einflößte ] . [ Ich war in ihren Augen eine frühreife Schauspielerin , in deren Charakter sich glühende Leidenschaften mit gefährlicher Falschheit vereinigten . Als Bessie und Abbot sich zurückgezogen hatten , schob mich Mistreß Reed , aufgebracht über meine wahnsinnige Angst und mein heftiges Schluchzen , ohne Weiteres in das Zimmer zurück und schloß mich ein . Ich hörte sie fortrauschen , und dann sank ich in Ohnmacht . Drittes Kapitel . Als ich wieder erwachte , geschah es mit einem Gefühl , als hätte ich ein furchtbares Alpdrücken gehabt , und ich sah vor mir einen schrecklichen rothen Schein , der von starken schwarzen Stangen durchkreuzt war . Ich hörte auch Stimmen , die in hohlem Ton sprachen , als würden sie von dem Rauschen des Windes erstickt . Die Ungewißheit und die vorherrschende Empfindung des Schreckens verwirrten meinen Geist . Bald wurde ich gewahr , daß mich Jemand anfaßte und mich in sitzende Stellung hob , und zwar sanfter , als man mich je vorher aufgerichtet oder unterstützt hatte . Mein Kopf lag auf einem Kissen oder auf einem Arme und ruhte weich . Nach wenigen Minuten verschwand die Wolke der Verwirrung , ich wußte , daß ich in meinem Bette lag und daß der rothe Schein von dem Feuer des Kamins in der Kinderstube herrührte . Es war Nacht , ein Licht brannte auf dem Tische . Bessie stand , ein Becken in der Hand , am Fußende des Bettes ; ein Herr saß auf einem Stuhle neben meinem Kopfkissen und neigte sich über mich . Ich empfand eine unaussprechliche Erleichterung , eine besänftigende Ueberzeugung des Schutzes und der Sicherheit , als ich wußte , daß ein Fremder im Zimmer war , eine Person , die nicht zu Gateshead gehörte und nicht mit Mistreß Reed verwandt war . Mich von Bessie abwendend , obgleich ihre Gegenwart mir viel weniger lästig war , als es die der Miß Abbot gewesen sein würde , beobachtete ich das Gesicht des Herrn . Ich kannte ihn ; es war Herr Lloyd , ein Apotheker und Wundarzt , der zuweilen von Mistreß Reed gerufen wurde , wenn ihre Diener krank waren , wogegen sie und ihre Kinder einen Arzt gebrauchten . , Nun , wer bin ich ? fragte er . Ich nannte seinen Namen und reichte ihm zugleich meine Hand . Er nahm sie , lächelte und sagte : , Es wird schon nach und nach besser mit uns werden . Dann legte er mich nieder und trug Bessie auf , dafür zu sorgen , daß ich während der Nacht nicht gestört werde . Nachdem er noch einige weitere Anordnungen gegeben , sagte er , er werde am nächsten Tage wiederkommen , und entfernte sich zu meinem Kummer . Ich hatte mich beschützt und sicher gefühlt , während er auf dem Stuhle neben meinem Bette gesessen ; als er die Thür hinter sich zumachte , sank mein Muth , und eine unaussprechliche Traurigkeit beschlich mein Herz . , Meinen Sie , daß Sie schlafen könnten , Miß ? fragte Bessie ziemlich sanft . Kaum wagte ich zu antworten , denn ihr nächstes Wort konnte rauh sein . , Ich will es versuchen , sagte ich . , Möchten Sie vielleicht trinken oder etwas essen ? , Nein , ich danke Ihnen , Bessie . , Dann , denke ich , will ich zu Bette gehen , denn es ist schon über zwölf ; aber Sie können mich rufen , wenn Sie in der Nacht etwas bedürfen . ' Das war eine wunderbare Höflichkeit ! Sie machte mich so kühn , eine Frage zu thun . , Bessie , was ist mit mir geschehen ? , Ich vermuthe , Sie wurden im rothen Zimmer vom vielen Schreien ohnmächtig . Es wird ihnen bald besser sein . Bessie ging in das Zimmer des Hausmädchens , welches an die Kinderstube stieß , und ich hörte sie sagen : , Sara , komm ' und schlafe mit mir in der Kinderstube ; ich möchte um ' s Leben nicht die Nacht mit dem armen Kinde allein sein ; sie könnte sterben . Es ist ein seltsamer Vorfall , diese Ohnmacht , es soll mich wundern , ob sie wohl etwas gesehen hat ; Missis war doch zu hart gegen sie . ' Sara und Bessie legten sich zu Bette und flüsterten noch eine halbe Stunde zusammen , ehe sie einschliefen . Ich vernahm einige abgerissene Worte von ihrer Unterhaltung . , Es ist ihr etwas erschienen , ganz weiß gekleidet , und dann verschwunden - - ein großer , schwarzer Hund hinter ihm - - drei starke Schläge an die Kammerthür - - ein Licht auf dem Kirchhofe gerade über seinem Grabe u . s . w . ' Endlich schliefen Beide , das Feuer und das Licht gingen aus . Ich brachte die lange Nacht in schrecklichem Wachen zu ; Ohr , Auge und Geist waren gleich geschärft durch die Furcht - - solche Furcht , wie sie nur Kinder empfinden können . ] [ ]