translations_1st_episode/Hartleben_1st.txt(6886 tokens)
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[ I . Es war an jenem Tag rein unmöglich ]
[ Weiter wurde Jane verboten ]
,
[ einen Spaziergang ]
[ die Familienzimmer sowohl , als auch die Bibliothek im ersten Stockwerk ]
zu
[ machen . Wir waren in der That des Morgens eine Stunde lang in dem entblätterten Gesträuch herumgegangen ]
[ besuchen , sowie ihr Schlafzimmer oder die Küche zu verlassen ]
,
[ aber nach Tische - - ]
[ ja sie durfte nur mit ]
Mistreß Reed
[ pflegte sehr zeitlich zu Mittag zu essen ]
[ ' s besonderer Bewilligung ]
,
[ wenn sie keine Gäste hatte - - brachte der kalte Winterwind so düstere Wolken ]
[ welche durch Esther einzuholen war ]
,
[ einen so durchdringenden Regen ]
[ in den Garten wie überhaupt ins Freie gehen , noch überhaupt ]
mit
[ sich ]
[ Jemandem im Hause verkehren . Jane ' s weiches und tiefes Gemüt empfand diese Demütigungen und Beschränkungen bitter , namentlich schmerzte es sie aufs tiefste ]
, daß
[ von einem weiteren Spazierengehen im Freien nicht die Rede sein konnte . Ich war froh , denn ich war nie eine Freundin von weiten Spaziergängen , am wenigsten an kalten Nachmittagen . Es war mir immer schrecklich zu Muthe , wenn ich im düsteren Zwielicht nach Hause kam , die Finger und Zehen starr vor Frost , das Herz trübe und schwer ]
[ sie ]
von Bessie ' s
[ , ]
[ Unterricht und vom Besuche ]
des
[ Kindermädchens ]
[ Bibliothekzimmers ausgeschlossen war - aber sie ertrug es still und ohne ein lautes Wort der Klage ; sie wußte sehr wohl ]
,
[ unaufhörlichen Gezänken ]
[ daß sie eine solche Behandlung nicht verdient hatte ]
,
[ gedemüthigt durch ]
[ und machte daher auch keinen Versuch , bei ihrer Tante um eine Aufhebung dieser Verbote bittweise nachzusuchen . Still und ergeben trug sie ihr einsames und trauriges Los , ja sie lebte nur glücklich in der Erinnerung an Onkel Reed , dessen Liebe und unaussprechliche Güte gegen sie mit lebhaften Zügen in ihr junges Herz eingeprägt war ; in solchen Stunden lebte sie glücklich allein unter Thränen . Die Köchin Esther war ein gutmütiges Geschöpf , ]
das
[ Bewußtsein ]
[ Mitleid mit dem stillen und sonst unverdrossenen Mädchen hatte und richtete nach etwa acht Tagen ihres Beisammenseins mit Jane ]
,
[ wie sehr ]
[ gerade an einem schönen Wintersonntag Nachmittag , als alle Arbeit in der Küche beendigt war , die mitleidige Frage an sie : Willst Dn die Tante nicht bitten , Jane , daß sie Dir erlaubt , mit mir einen kleinen Spaziergang zu machen ? Nein ! lautete die kurze Antwort . Und warum willst Du nicht mit mir gehen , Jane ? fragte Esther weiter . Sei nicht böse mit mir , Esther , sprach Jane weiter , ]
ich
[ in physischer Beziehung Elisen ]
[ weiß ]
,
[ ]
[ Du meinst es gut mit mir , und ich möchte so gern hinaus in die frische , sonnenhelle Winterluft , aber die Tante Reed um diese Erlaubnis zu bitten - das vermag ich nicht über mich zu gewinnen . Und warum nicht , Du seltsames Geschöpf ? Weil sie mich für ]
John
[ und Georginen Reed nachstand . Die erwähnten Kinder , Elisa , John und Georgine , waren in diesem Augenblicke um ihre Mama im Besuchzimmer versammelt , sie lehnte im Sopha in der Caminecke und sah , im Kreise ihrer Lieblinge , welche während dieser Zeit weder zankten , noch schrien , vollkommen heiter und glücklich aus . Meine eigene kleine Person durfte sich dieser Gruppe nicht anschließen ; Mama fagte , es thäte ihr sehr leid , mich in der Entfernung halten zu müssen , aber sie könne nicht anders , bis sie sich durch Bessie ]
[ ]
' s
[ Aussagen ]
[ Unrecht , das er mir zugefügt hat , bestraft , ja grausam bestraft . So will ich die Tante in meinem Namen darum bitten ? Nein , liebe Esther , ich bitte Dich herzlich , thue das nicht . Ich mag nicht um Etwas bitten ]
und
[ ]
[ auch keinen Menschen für mich bitten lassen um eine Sache , die man mir nicht freiwillig gewährt und auf welche ich so gut ein Recht habe , wie jedes andere Geschöpf , das seine Pflicht gethan hat . Nun , so gehe ich allein , sprach Esther verdrießlich ; ich will Dich nicht zum Vergnügen zwingen . Zu Ostern des kommenden Jahres verließ John Reed Gateshead , um eine Schule in London zu besuchen und sich für den Besuch der Universität weiter ausbilden zu lassen , während sich in Jane ' s Verhältnis zu ihrer Tante nicht das Geringste verändert hatte . Mistreß Reed erkundigte sich bei Esther nach Jane ' s Verhalten und mußte zu ihrer Verwunderung und mit Widerwillen vernehmen , daß sie sich fügsam , willig , unverdrossen und fleißig zeige , ohne im Geringsten zu klagen oder eine Bitte um Erleichterung ihrer Strafe auszusprechen . Daß ihre Abneigung und ihr Groll ]
durch
[ eigene Anschauung überzeugt hätte ]
[ diese Mitteilungen sich nicht milderte , ist zwar sehr leicht begreiflich bei ihrem Charakter , aber sie hob doch , veranlaßt durch Esther ' s Bitten , das Verbot für den Besuch des Gartens gegen Jane freiwillig auf , und hoffte nun ]
, daß
[ ich den reinsten Willen habe , ein geselligeres ]
[ auch Jane sich ihr wieder nähern ]
und
[ kindlicheres , anmuthigeres , leichteres , freieres und natürlicheres ]
[ sie um Verzeihung für ihr ]
Betragen
[ anzunehmen ; bis dahin müsse ]
[ gegen John bitten würde - hierin jedoch täuschte ]
sie
[ mich wirklich ]
[ sich vollständig , denn Jane machte ]
von dem
[ Mitgenusse solcher Vortheile ausschließen , welche nur braven ]
[ Besuche des Gartens ]
und
[ darum ]
[ der Umgebung so wenig wie möglich Gebrauch und zeigte ]
auch
[ zufriedenen und glücklichen Kindern gebührten . ' Was sagt denn Bessie , daß ich verbrochen habe ? ' fragte ich . ' Jane ]
[ nicht die kleinste Spur von einer Annäherung an ihre Tante ]
,
[ ich kann das Forschen und Fragen nicht leiden ]
[ ja sie ging sogar so weit , ihre Nähe absichtlich zu meiden ]
.
[ Uebrigens schickt es sich für ]
[ Es war dies durchaus kein lobenswerter , wenn auch ]
ein
[ kleines Mädchen gar nicht , sich älteren Personen so entgegen zu stellen . Setze Dich irgendwo nieder und sei so lange still , bis Du wieder artiger sprechen willst . ' Ein kleines Frühstückzimmer stieß an das Besuchzimmer ; dort hinein schlüpfte ich . Es enthielt einen Bücherschrank ; ich bemächtigte mich sofort eines Buches , natürlich eines Bilderbuches . Darauf begab ich mich in die Fensterbrüstung , kreuzte die Füße nach türkischer Manier übereinander und nachdem ich die rothen Moirevorhänge zugezogen hatte , war ich von beiden Seiten abgeschlossen . Rechts zeigten sich mir die malerischen Falten der scharlachrothen Draperie , links die hellen , durchsichtigen Glasscheiben , die mich vor ]
[ erklärlicher Zug in ]
dem
[ kühlen Novembertage schützten , ohne mir die Aussicht auf die frostige Außenwelt zu benehmen . Von Zeit zu Zeit , während ich die Blätter ]
[ Charakter ]
des
[ Buches umschlug , stellte ich Betrachtungen über den Anblick dieses Wintertages an . In der Ferne bot derselbe ein fahles Weiß von Nebeln und Wolken , in der Nähe eine Scenerie von nassem Grasgrund und sturmgepeitschtem Gesträuch ; ein immerwährender Regenschauer floh vor dem scharfen Athemzuge der Windsbraut über die Fläche hin . Wieder blickte ich in mein Buch - - Bewick ' s Naturgeschichte der Vögel Großbritanniens - - das Gedruckte interessirte mich im Allgemeinen sehr wenig , indessen konnte ich , so sehr ich auch Kind war , einige Seiten der Einleitung nicht ganz unbeachtet überschlagen . Sie handelten von den Aufenthaltsorten der Seevögel , den , einsamen Felsen und Vorgebirgen ' , die von ihnen allein bewohnt sind ; von den der Länge nach vom Cap Lindenäs bis zum Nordcap mit Inseln bekränzten Küsten Norwegens - - , Wo das nord ' sche Meer mit wüstem Tosen Das Felseneiland , schen von Sterblichen gemieden , Des fernen Thule wild umbraust und die Atlantis Hinein schäumt in die stürmischen Hebriden . - - ' Ebenso wenig konnte ich die Beschreibung der eisigen , schneebedeckten Ufer Lapplands , Sibiriens , Spitzbergens , Novaja - Semljas und Grönlands übergehen , , jene trostlosen Regionen des ödesten Raumes , vom arktischen Gürtel umfangen , jener Urbehälter von Frost und Schnee , wo feste Eisfelder , die Erzeugnisse von Jahrhunderten , zur Höhe der Alpen emporgethürmt , den Pol umgeben und die vielfältigen Schrecknisse der äußersten Kälte gleichsam in einen Mittelpunkt zusammenfassen ' . Von diesen in der Weiße des Todes erglänzenden Landstrichen bildete ich mir nun eine Idee nach meiner Weise ; sie war freilich ein bloßer Schatten , wie dies bei allen unreifen Vorstellungen der Fall ist , welche nebelartig die Seele eines Kindes durchziehen ]
[ sonderbar gearteten Mädchens ]
, aber
[ sie hinterließ einen merkwürdigen , dauernden Eindruck . Die Worte dieser Einleitung verbanden sich mit den beigegebenen Bildern und gaben dem einsamen Felsen in einer stürmischen , wildschäumenden See , dem zerschellten , an einer trostlosen Küste gestrandeten Boote , dem kalt und geisterhaft durch finstere Wolken auf ein eben versinkendes Wrack herabscheinenden Monde eine ganz besondere Bedeutung . Ich kann ' s nicht bestimmt sagen , was für ein Gefühl der einsame Kirchhof in mir erweckte , mit seiner Ueberschrift , seinem Gitterthor , den beiden Bäumen , dem niedrigen , rings von der zerfallenen Mauer begrenzten Horizont , dem eben aufgegangenen Halbmond , welcher die späte Abendzeit verkündete . Die beiden Schiffe , welche auf träger See stillstanden , hielt ich für Seegespenster . Den Gottseibeiuns mit Schweif und Pferdefuß überschlug ich als einen Gegenstand des Entsetzens , desgleichen das schwarze , gehörnte Wesen , das von der Spitze eines Felsens eine um einen Galgen versammelte Menge musterte . Ein jedes Bild erzählte mir eine Geschichte , oft lautete dieselbe meinem unentwickelten Verstande und unvollkommenen Gefühlen sehr geheimnißvoll , aber immer war sie interessant , so interessant wie die Märchen , welche Bessie an langen Winterabenden zu erzählen pflegte , wenn sie zufällig guter Laune war . Dann brachte sie wohl das Bügelbrett zum Camine der Kinderstube , erlaubte uns , uns um sie herumzusetzen und während sie ]
[ Jane fühlte ]
Mistreß Reed ' s
[ Halskrause herrichtete ]
[ Haß gegen ihre Person beinahe instinktmäßig ]
und
[ ]
[ wollte nicht , daß diesem durch irgend eine Berührung neue Nahrung gewährt werden sollte . In seinen Sommerferien kehrte John Reed nach Gateshead auf einige Wochen zurück und hiermit begann für Jane eine neue Zeit der Plage . Sie wich ihm aus , so viel sie konnte ; sie ging nicht ins Freie , wenn sie ihren Verfolger , der immer noch an ihr Rache zu nehmen suchte , zu Hause wußte , und nur in später Abendstunde huschte sie zuweilen auf kurze Zeit wie ein scheues Reh in ]
die
[ Spitzen ]
[ Gänge des Parkes . Trotz aller ]
ihrer
[ Nachtmütze ausplättete , fütterte sie unsere gierige Aufmerksamkeit ]
[ Vorsicht stieß sie bei einem solchen Versuche auf ihren Gegner , der ihr ]
mit
[ Liebesbegebenheiten und Abenteuern ]
[ einem Hammer in der Hand plötzlich entgegentrat ; sie wich ihm rasch ]
aus
[ alten Feenmärchen ]
[ , John aber fuhr heftig mit den Worten auf sie los : Habe ich Dich endlich einmal erwischt , um Dich für Deine Kratzerei nach Gebühr züchtigen zu können ! und faßte sie hart am Arme . Laß mich los , John , sprach Jane finster und entschlossen - ich habe mit Dir nichts zu schaffen . Aber ich muß mit Dir , Du falsche Katze , Abrechnung halten , höhnte sie der rohe Bursche ; Du sollst ]
und
[ ]
[ mußt jetzt büßen für alles Unheil , das Du in unserem Hause angestiftet hast . Laß mich los , John , rief Jane ernster und dringender , oder Du zwingst mich wieder , Gewalt gegen Gewalt zu brauchen und mir zu helfen , wie ich kann . Das wollen wir doch sehen ! schrie John wild und hob den Hammer zum Schlage aus , flog aber , von einem unerwarteten Stoße von Jane ' s freier Hand getroffen , an einen Baum und mußte des Mädchens andere ganz wider seinen Willen freilassen . Jane benutzte diesen Augenblick und suchte zu entkommen , während John , wütend geworden durch den erhaltenen Stoß , ihr nachsetzte und sie auch wirklich einholte . Hastiger als zuvor bei der Hand , packte er sie am Haar und schwang den Hammer über ihrem Kopfe ; doch wie ein Blitz fing Jane seine Hand auf und versetzte während ihres Ringens mit John denselben , da sie sich nicht weiter zu helfen wußte , einen kräftigen Biß in die Finger seiner rechten Hand , so daß er den Hammer fallen laßen mußte - schrie er nun laut : Hilfe ! Hilfe ! Jane hat mich überfallen und blutig gebissen . Hilfe ! Hilfe ! sie droht mir mit dem Hammer . Auf diesen Ruf hin wurde es lebendig im Garten . Bessie , Esther , Jack , Alle liefen herbei und traten zwischen die bleiche ]
noch
[ älteren Balladen ]
[ zornfunkelnde Jane und den schreienden Burschen , der jetzt wieder Courage bekam und Jane zu seiner Mutter zu führen befahl . Was hat das unheilvolle Geschöpf schon wieder ausgeführt ? fragte Mistreß Reed streng , als Jane stumm und niedergeschlagenen Blickes vor ihr in der Stube stand . Sie hat mich überfallen , mich in die Hand gebissen und mit dem Hammer bedroht , berichtete John mit augenscheinlicher Lügenhaftigkeit und unverschämter Dreistigkeit . Du hast es gewagt , Dich wieder an John zu vergreifen und ihn hinterrücks zu überfallen ? rief Mistreß Reed heftig , obwohl sie halb und halb der Überzeugung war , daß es umgekehrt stattgefunden hatte ]
;
[ später entdeckte ich , daß sie ]
[ aber ihr Haß gegen Jane war durch deren Unbeugsamkeit zu einer Höhe bereits gesteigert , von welcher keine Umkehr mehr möglich war . Sieh , Mama , hier meine blutende Hand ! sprach John listig , die Elende wagt es nicht , Dich oder mich anzusehen und ]
ihre
[ Erzählungen Pamela und Heinrich , Grafen von Moreland , entnommen hatte ]
[ Schuld zu bekennen ]
.
[ Mit Bewick auf dem Schoße fühlte ich mich glücklich ]
[ Laß sie büßen dafür ]
,
[ wenigstens glücklich nach meiner Weise ]
[ liebe Mama . Wirst Du Antwort geben , freches Geschöpf ! herrschte die immer heftiger werdende Frau das duldende Mädchen an . Bekenne Dein Vergehen offen , oder zittre vor meinem Zorn ]
.
[ Nichts fürchtete ich als eine Unterbrechung und die letztere störte mich ]
[ Eine unheimliche Pause trat ein , während deren ]
nur
[ zu bald auf . Die Thür des Frühstückzimmers öffnete sich . , Holla ! Madame Trotzkopf ! ' rief die Stimme John ]
[ Sarah ]
Reed ' s
[ ; dann trat eine Pause ein ; der Junge fand die Stube anscheinend leer . , Wo der Teufel steckt sie ! ' fuhr er fort . , Lieschen , Georgy ! ' - - seinen Schwestern rufend - - , Hanne ist nicht hier ; geht ]
[ erregte Atemzüge deutlich vernehmbar waren . Jane bewegte kein Glied ]
und
[ sagt der ]
[ blickte nicht vom Boden auf . Weißt Du , ]
Mama ,
[ daß sie im Regen auf die Straße gelaufen ist ]
[ rief John ]
,
[ ]
[ es dunkelt schon , stecke ]
das
[ garstige Thier . ' ]
[ böse Mädchen ]
,
[ Ein Glück , daß ich den Vorhang zuzog , ' dachte ich bei ]
[ das ]
mir
[ selbst , und vom Grunde meines Herzens betete ich , er möchte mein Versteck nicht ausfindig machen . In der That wäre auch John Reed bei der Blödigkeit seiner Augen und seines Verstandes nicht dahinter gekommen ; aber im selben Augenblicke steckte Elise ihren Kopf zur Thür herein und sagte : , Sie ist in der Fensterbrüstung , ganz gewiß , Jack ! ' Sofort trat ich auch heraus , denn ich zitterte bei ]
[ nach ]
dem
[ bloßen Gedanken ]
[ Leben getrachtet ]
,
[ vom besagten Jack hervorgezogen zu werden . , Was willst Du ? frug ich mit scheuer Aengstlichkeit . , Was wünschen Sie , junger Herr Reed , sollst Du sagen , war die Antwort . , Ich will , daß Du herkommst . Bei diesen Worten setzte er sich in einen Armstuhl und bedeutete mir mit der Hand , näherzutreten und mich vor ihn zu stellen . John Reed war ein Schuljunge von vierzehn Jahren , vier Jahre älter als ich , denn ich zählte deren bloß zehn ; groß und stämmig für sein Alter , von fahler , ungesunder Gesichtsfarbe , groben Zügen , einem breiten Gesicht ; seine Glieder waren überhaupt massiv , seine Hände und Füße unverhältnißmäßig groß . Bei Tische pflegte er sich über Gebühr vollzupfropfen , was sein Temperament gallig , seine Augen blöde und umflort , seine Wangen schwammig machte . Er hätte dazumal eigentlich in der Schule sein sollen , aber seine Mama hatte ihn , seiner schwachen Gesundheit wegen ' auf ein oder zwei Monate nach Hause genommen . Sein Lehrer , Mister Miles , behauptete zwar , John würde sich recht wohl befinden , wenn er weniger Kuchen und Süßigkeiten von Hause geschickt bekäme ; seiner Mutter Herz konnte indessen einen so barbarischen Gedanken gar nicht fassen und so blieb sie bei der ihrer Zärtlichkeit entsprechenderen Idee stehen , John ]
[ in Papa ]
' s
[ ungesunde Gesichtsfarbe sei seinem allzugroßen Fleiße und vielleicht auch dem Heimweh zuzuschreiben . John hatte weder für seine Mutter , noch für seine Schwestern eine große Zuneigung , gegen mich hingegen eine ausgesprochene Antipathie . Er neckte und schlug mich , nicht etwa zwei ]
[ Sterbezimmer ]
-
[ oder dreimal die Woche oder ein - oder zweimal des Tages , sondern ohne Unterlaß ; jeder Nerv meines Körpers zitterte vor ihm und jede Muskel zog sich zusammen , wenn er näher kam . Es gab Augenblicke , wo mir der Schreck , den er mir einflößte , alle Besinnung raubte , da ich gegen seine Drohungen ]
[ dort soll ja sein Geist umgehen ]
und
[ Bosheiten weder Schutz noch Rückhalt hatte . Das Gesinde wollte dem jungen Herrn nicht zu nahe treten ]
[ uns schrecken wollen ! Dort kann sie zubringen ]
,
[ indem es mich vertheidigte , ]
[ bis sie ihre schlechte That eingestanden ]
und
[ ]
[ bekannt hat . Recht so ! Mit diesem Worte erfaßte ]
Mistreß Reed
[ war in dieser Beziehung taub und blind , sie sah es nie , wenn er mich schlug und hörte nicht , daß er mich schmähte , obwohl er sich das eine oder das andere dann und wann sogar in ihrer Gegenwart erlaubte , wenn es gleich am häufigsten hinter ihrem Rücken geschah . John gegenüber an Unterwürfigkeit gewöhnt , stellte ich mich sofort vor seinen Stuhl ; etwa drei Minuten brachte er damit zu , die Zunge so weit auf mich herauszustrecken , als er dies , ohne die Zungenwurzel zu beschädigen , füglich thun konnte ; ich sah voraus , daß er alsbald auf mich losschlagen würde , und während ich dem Schlage entgegenzitterte , konnte ich mich nicht enthalten , das eklige und häßliche Gesicht meines Henkers näher ins Auge zu fassen . Wahrscheinlich mochte er meine Gedanken in meinen Blicken gelesen haben , denn plötzlich und ohne ein Wort zu verlieren , schlug er nach mir mit aller Kraft . Ich schwankte und , mein Gleichgewicht wieder gewinnend , trat ich einen oder zwei Schritte zurück . , Nimm das für Deine Unverschämtheit , meiner Mama vor einer Weile so zu antworten , sagte er , , und für Deinen heimlichen Rückzug hinter den Vorhang und für den Blick , den Du mir vor zwei Minuten zuwarfst , Du abscheuliche Ratte , Du ! Ich war John ]
[ Jane ]
' s
[ Schmähungen zu sehr gewöhnt , um irgend eine Entgegnung versuchen zu wollen ; meine nächste Sorge bestand bloß darin , wie ich den zweiten Schlag ertragen könnte , welcher der Beschimpfung unausweichlich folgen würde . , Was thatest Du hinter dem Vorhange ? war John ' s nächste Frage . , Ich las . , Zeig ' das Buch her . Ich ging zum Fenster und holte es . , Du hast mit unseren Büchern gar nichts zu schaffen . Du ißt bei uns das Gnadenbrot , wie Mama sagt , Du hast kein Geld , Dein Vater hinterließ Dir nichts , Du solltest eigentlich betteln gehen und nicht mit vornehmer Leute Kindern , wie unsereins , zusammenleben , mit uns von denselben Speisen essen und Kleider tragen , die Dir unsere Mama schaffen muß . Ich will Dich lehren , in meinen Büchern herumzukramen ; denn die Bücher sind mein und das ganze Haus gehört mir oder wird mir in wenigen Jahren gehören . Packe Dich und stelle Dich zur Thür , außer den Bereich der Spiegel und Fenster . Ich that , wie mir geheißen wurde , ohne im ersten Augenblick die Absicht des Buben zu erfassen ; als ich ihn aber das Buch aufheben und zum Wurfe schwingen sah , fuhr ich instinctmäßig mit einem Angstrufe beiseite ; doch nicht zeitig genug , denn der Band traf mich , ich fiel , schlug mit dem Kopfe gegen die Thür und zerschellte mir den Schädel . Die Wunde blutete , der Schmerz war heftig ; mein Schrecken hatte die höchste Stufe überschritten und machte anderen Gefühlen Plat . , O , Du böser , Du grausamer Bube ! rief ich . , Du handelst ja wie ein Mörder - - ein Sklaventreiber - - wie die römischen Kaiser ! Ich hatte vordem Goldsmith ' s Geschichte Roms gelesen und mir über Nero und Caligula eine Meinung gebildet , auch , wie natürlich , im Stillen Vergleiche gezogen , freilich ohne daran zu denken , sie je in dieser Weise laut werden zu lassen . , Wie ! Was ! schrie er auf . , Zu wem sagt sie das ? Doch nicht zu mir ? Elisa , Georgina , habt Ihr es gehört ? Warte , ich will es der Mama sagen ! Doch zuvor - - Bei diesen Worten stürzte er wie ein Rasender auf mich los ; ich fühlte , wie er mich bei den Haaren und bei den Schultern packte ; die Verzweiflung gab mir Kraft . Ich sah in ihm einen Tyrannen , einen Mörder ; ich fühlte einige Blutstropfen von meinem Kopfe den Nacken herabrinnen , dies und ein stechender Schmerz hatten in diesem Momente die Oberhand über jedwede Furcht und ich empfing den Burschen mit einer Art entschlossener Raserei . Was ich ihm mit meinen Händen zufügte , das weiß ich nicht mehr , ich hörte nur , wie er mich eine böse Ratte nannte und laut aufschrie . Man war ihm bald zu Hilfe gekommen ; Elisa und Georgina hatten Mistreß Reed geholt , die sofort auf den Schauplatz eilte , gefolgt von Bessie und Abbot , ihren Kammerzofen . Man trennte uns und ich hörte die Worte : , Du lieber Himmel ! Welche Bosheit , den jungen Herrn derart anzufallen ! , Hat man je ein so boshaftes Geschöpf gesehen ! Worauf Mistreß Reed erwiderte : , Bringt sie ins rothe Zimmer und schließt sie dort ein . Vier Hände faßten mich zu gleicher Zeit und ich wurde die Treppe hinauf getragen . II . Den ganzen Weg über leistete ich nach Kräften Widerstand , für mich eine ungewohnte Sache und für Bessie und Jungfer Abbot ein Anhaltspunkt mehr , die schlechte Meinung , die sie bereits von mir gefaßt hatten , zu begründen . Der einzige Grund meines Betragens bestand indessen darin , daß ich ganz außer mir war ; die augenblickliche Auflehnung gegen meine Quäler , welche natürlicherweise schreckliche Strafen nach sich ziehen mußte , hatte mich , wie irgend einen meuterischen Sklaven , zu dem Entschlusse gebracht , so weit als möglich zu gehen . , Halten Sie ihr die Hände , Mamsell Abbot ; sie geberdet sich ja wie eine wüthende Katze . , Pfui ! Schämen Sie sich ! rief die Herrenmagd . , Welch abscheuliche Aufführung , Miß Eyre , nach einem jungen Gentleman , dem Sohne Ihrer Wohlthäterin , Ihrem jungen Gebieter zu schlagen ! , Gebieter ? Wieso ist er mein Gebieter ? Bin ich eine Dienstmagd ? , Nein ! Sie sind noch weniger als eine Dienstmagd , denn Sie thun nichts für Ihren Unterhalt . Da , setzen Sie sich nieder , und denken Sie über Ihre Nichtswürdigkeiten nach . Indessen hatten mich die beiden Mädchen in die bezeichnete Stube gebracht und dort auf einen Stuhl niedergeworfen . Mein erster Gedanke war , wie eine Feder emporzuschnellen , aber zwei Paar Hände brachten mich augenblicklich zum Stillsitzen . , Wenn Sie nicht sitzen bleiben , so müssen wir Sie anbinden , sagte Bessie . , Mamsell Abbot , leihen Sie mir einmal Ihre Strumpfbänder , die meinigen würde sie gleich zerreißen . Mamsell Abbot machte sich bereit , das geforderte Bindemittel von ihren dicken Beinen abzulösen . Die Bereitung von Fesseln und der Gedanke an die damit verbundene neue Schmach benahm mir etwas von meiner Aufregung . , Lassen Sie sie daran , rief ich . , Ich will mich nicht rühren . Und zur besseren Bekräftigung des Gesagten hielt ich mich mit beiden Händen am Stuhle fest . , Ich wollte es Ihnen auch nicht gerathen haben , erwiderte Bessie , indem sie , nach gewonnener Ueberzeugung , daß ich fest saß , ihre Hände von mir nahm . Darauf stellte sie sich mit Jungfer Abbot mit unterschlagenen Armen vor mich hin , und Beide blickten mir düster und forschend ins Antlitz , als hielten sie mich für verrückt . Sie war früher nie so , begann nach einer Weile Bessie . Oh , es hat schon immer in ihr gesteckt . Ich habe der gnädigen Frau schon öfter meine Meinung über das Kind gesagt , und sie hat mir ganz Recht gegeben . Es ist ein kleiner Wechselbalg ! mein Lebtag habe ich noch kein Mädchen ihres Alters so heimtückisch gesehen ! Bessie antwortete nicht . Nach einer kurzen Pause wandte sie sich zu mir . , Sie sollten am besten wissen , Miß , was Sie Mistreß Reed zu danken haben ; sie allein erhält Sie . Wenn sie Sie verstößt , so kommen Sie geraden Weges ins Armenhaus . Auf solche Reden konnte ich nichts erwidern . Sie waren mir nichts neues ; mit den ersten Vorstellungen meines Daseins hatten sich ähnliche Andeutungen gepaart . Der Vorwurf meiner Armuth und Abhängigkeit tönte mir in den Ohren , peinlich zwar und drückend , aber nur halb verständlich . Nun ließ sich auch Jungfer Abbot vernehmen . , Und Sie dürfen sich gar nicht einbilden , daß Sie ebenso viel sind , als die Fräuleins Reed und der junge Herr Reed ; etwa darum , weil Mistreß Reed die Gnade hat , Sie mit ihren Kindern aufzuziehen ? Die haben sehr viel Geld , und Sie haben gar nichts , daher ziemt Ihnen Demuth , und Sie werden wohl daran thun , etwas leidlicher zu werden . , Was wir Ihnen sagen , ist zu Ihrem Besten , fügte Bessie etwas freundlicher hinzu ; , versuchen Sie es mit Dienstfertigkeit und Zuvorkommenheit , vielleicht haben sie dann eine Heimat in diesem Hause ; aber wenn Sie sie sich roh und leidenschaftlich betragen , so wird Sie die gnädige Frau ganz gewiß fortschicken . , Zudem , meinte Miß Abbot , , wird sie unser Herrgott strafen , vielleicht schickt er ihr einmal mitten in den Ergüssen ihrer Bosheit den Tod , und wo soll dann ihre arme Seele hinkommen ? Kommen Sie , Bessie , wir wollen sie allein lassen . Um alles in der Welt wollte ich nicht ihr Herz haben . Sagen Sie Ihre Gebete her , Miß Eyre , wenn Sie allein sind ; denn wenn Sie keine Reue zeigen , so möchte am Ende irgend ein Gespenst den Camin herunter kommen und Sie holen . Beide entfernten sich nun , stießen die Thür zu , und sperrten sie hinter sich ab . Das rothe Zimmer war eine unbenutzte Stube , in der selten , ich möchte beinahe sagen nie , jemand die Nacht zubrachte , es wäre denn , daß zufällig ein großer Schwarm von Gästen Gatesheadhall überschwemmte , und es nothwendig machte , alle Räumlichkeiten des Hauses zu verwenden . Dessen ungeachtet war die rothe Stube eine der größten und stattlichsten der Wohnung . Eine auf massiven Säulen von Mahagoni ruhende Bettstatt mit einem Himmel von dunkelrothem Damast stand , der Bundeslade ähnlich , in der Mitte ; die zwei großen Fenster , die Fensterladen stets geschlossen , waren von Garnituren und Draperien von derselben Farbe halb verhüllt ; über den Fußboden breitete sich ein rother Teppich ; auch den Tisch am Fuße des Bettes deckte ein carmoisinrothes Tuch ; die Wände waren lichtroth , mit einem zarten Hauche von Feuerroth gemalt , der Kleiderschrank , die Toilette , die Stühle sämmtlich von dunkel politirtem Mahagoni . Aus diesen tiefen Schatten ringsum erhoben sich hoch und blüthenweiß die aufeinander geschichteten Matratzen und Federpölster des Bettes mit einer schneeigen Marseiller Steppdecke überkleidet ; am Kopfe des Bettes ragte , wohl nicht ganz so hoch wie das erstere , ein weiter , gepolsterter Sorgenstuhl , gleichfalls weiß überzogen und vorne mit einem Fußschemel versehen , empor , der mir wie ein weißer Thron vorkam . Die Stube war kalt , weil man sie selten heizte ; still , weil sie von der Kinderstube und der Küche gleich weit entfernt lag ; feierlich und unheimlich , weil man wußte , sie werde selten betreten . Bloß am Sonnabend kam das Stubenmädchen hinein , um von den Spiegeln und Möbeln den ungestört angesammelten Staub einer ganzen Woche abzuwischen ; Mistreß Reed selbst besuchte die Stube nur in seltenen Zwischenräumen , um eine geheime Schublade im Kleiderkasten zu untersuchen , welche verschiedene Pergamente , ihr Juwelenkästchen und ein Miniaturporträt ihres verstorbenen Mannes enthielt . Ihres verstorbenen Mannes - - in diesen Worten lag das Geheimniß der rotten Stube , der Zauberbann , welcher dieselbe trotz ihrer Größe öde und verlassen erhielt . Mister Reed war vor neun Jahren gestorben ; in der rothen Stube hatte er seinen Geist ausgehaucht ; dort hatte er am Paradebett gelegen , von dort hatten die Leichenmänner seinen Sarg abgeholt , und von jenem Tage an hatte eine gewisse Weihe das Zimmer vor häufigem und längerem Aufenthalte bewahrt . Der Sitz , auf welchen mich Bessie und die bitterböse Mamsell Abbot festgebannt hatten , war eine niedrige Ottomane nächst dem marmornen Caminmantel . Vor mir erhob sich das Bett , zu meiner Rechten stand der hohe , finstere Kleiderschrank , in dessen politirten Thüren sich die verschiedenartig gebrochenen Reflexe abspiegelten ; links präsentirten sich die verhüllten Fenster und ein zwischen den letzteren angebrachter Spiegel gab das unheimlich großartige Bild des Bettes und der ganzen Stube wieder . Ich wußte nicht ganz gewiß , ob man die Thür zugesperrt hatte ; ich nahm mir die Freiheit aufzustehen und sah nach . Ach , ja ! Nie war der Ausgang eines Kerkers besser verwahrt . Zu meinem Sitze zurückkehrend , mußte ich vor dem Spiegel vorbei ; mein Blick fiel , unwillkürlich gefesselt , darauf , gleichsam um die Tiefe zu ergründen , die das Glas zu decken schien . Alles sah in dieser eingebildeten Vertiefung frostiger und finsterer aus als in der Wirklichkeit , und die sonderbare kleine Gestalt , mit weißem Gesicht und Armen , mit vor Furcht zwinkernden Augen , welche , sich im düsteren Hintergrunde der Spiegelfläche abzeichnend , mir in der unbeweglichen Umgebung zitternd entgegenblickte , gemahnte mich an ein wirkliches Gespenst . Sie kam mir vor , wie eines jener nebelhaften Phantome , halb Fee , halb Nixe , von denen uns Bessie in ihren Märchen erzählt hatte , sie stiegen in fernen , dunstigen Sümpfen vor den Augen verspäteter Wanderer aus der Erde empor . Ich setzte mich wieder auf meinen alten Platz . In diesem Augenblicke kam der Aberglaube über mich , aber noch hatte die Stunde seines vollständigen Sieges nicht geschlagen . Noch rann mein Blut warm durch die Adern ; noch erhielt mich der trotz der empörten Sklavin in aufrechter Spannung ; ich mußte eine wilde Fluth von Gedanken aus der Vergangenheit vorbeiströmen lassen , bevor der Wellenschlag der Gegenwart an mich gelangen konnte . Alle Martern und Qualen , die ich von John Reed erduldet , alle die stolze Verachtung seiner Schwestern , die offene Abneigung seiner Mutter , die Parteilichkeit des Gesindes kamen in meinem wild erregten Gemüthe auf die Oberfläche , wie der Schlamm in den Fluthen einer aufgetrübten Quelle . Warum mußte denn gerade ich immer leiden , die Augen traurig zu Boden senken ; warum verklagte , warum verdammte man denn gerade nur mich ? Warum war es mir denn unmöglich zu gefallen , warum nutlos , irgend Jemandes Zuneigung erlangen zu wollen ? Elise , das eigensinnige , selbstsüchtige Mädchen ward verehrt ; Georgine mit ihrem launischen Wesen , ihrer herben Bissigkeit , ihrem herausfordernden und kecken Betragen war bei Allen wohlgelitten . Ihre Schönheit , ihre rothen Wangen , ihre goldenen Locken schienen jedermann zu entzücken und für die Fehler des Kindes schadlos zu haben . John wurde nicht das Mindeste in den Weg gelegt , geschweige denn , daß er gestraft worden wäre , wiewohl er den Tauben den Hals umdrehte , die kleinen Hühnchen todtschlug , die Hunde auf die Schafe hetzte , die Trauben aus dem Treibhause stahl , die Knospen der seltensten Pflanzen im Gewächshause abriß . Seine Mutter nannte er nicht anders als , altes Mensch ' , machte sich zuweilen über ihre unreine , seiner eigenen ähnliche Gesichtsfarbe lustig . Ihre Wünsche und Bitten beachtete er nicht im Geringsten ; nicht selten verdarb und zerriß er aus Muthwillen ihre seidenen Kleider und dennoch war und blieb er , ihr liebes , theures Söhnchen . Ich dagegen machte mich keines Fehlers schuldig ; ich bemühte mich , allen meinen Pflichten nachzukommen ; und doch nannte man mich nichtswürdig , eklig , verstockt und heimtückisch von Früh bis Mittag und von Mittag bis in die Nacht . Mein Kopf schmerzte mich noch immer und die Wunde , die ich mir im Fallen geschlagen , blutete ohne Unterlaß . Kein Mensch hatte es John verwiesen , daß er mich ohne Ursache mißhandelte , und weil ich mich gegen ihn wandte , um weitere unvernünftige Martern von mir abzulenken , wurde ich von Allen verdammt und mit Schmach überhäuft . Das ist Unrecht - - himmelschreiendes Unrecht ! ' rief mir mein durch die erlittenen Mißhandlungen frühzeitig , wiewohl vorübergehend gereifter Verstand zu , und meine gleichfalls unnatürlich gesteigerte Willenskraft trieb mich zu irgend einem ungewöhnlichen Ausweg , um weiterer Unterdrückung zu entgehen etwa indem ich davonlief oder weder aß noch trank und mich so zu Tode hungerte . Wie groß war meine Bestürzung an jenem düsteren Nachmittage , wie sehr mein Geist aufgeregt und mein Herz empört ! Und inmitten welch finsterer Unwissenheit wurde dieser geistige Kampf ausgekämpft ! Ich war nicht im Stande , auf die unausgesetzte Frage in meinem Innern , , warum ich denn so viel erleiden müßte ' , eine Antwort zu finden . Nun , nach einem Zeitraume von , ich will nicht sagen , wie vielen Jahren ist mir alles klar . Meine Existenz in Gatesheadhall war ein Mißton ; mein Wesen stimmte dort mit niemand überein , weder mit Mistreß Reed und ihren Kindern , noch mit ihren erkorenen Vasallen . Ich liebte ]
[ Arm und zog ]
sie
[ ebenso wenig , als sie mich leiden konnten . Sie fühlten sich nicht zu einem Wesen hingezogen , das mit ihnen nicht sympathisiren konnte , ein Wesen , das nach Temperament , geistigen Anlagen und Fähigkeiten so himmelweit von ihnen verschieden war ; ein unnützes Geschöpf , welches weder ihren Vortheil fördern , noch zu ihrem Vergnügen beitragen mochte , welches sogar insofern als schädlich erschien , als es einen beständigen Unwillen über ihre Behandlung nähren , ihren Blödsinn mitleidig belächeln mußte . Ich bin überzeugt , daß , wäre ich ein munteres , hübsches , sorgloses , eigensinniges , ja polterndes - - wenngleich ebenso von fremden Gnaden abhängiges , freudeloses - - Kind gewesen , Mistreß Reed meine Gegenwart mit weit mehr gutem Willen ertragen hätte . Die Kinder selbst wären mir , als Spielkameraden wenigstens , mehr zugethan gewesen ; die Dienstboten würden es nicht gewagt haben , mich zur Zielscheibe der Neckereien in der Kinderstube zu machen . Das Tageslicht begann aus der rothen Stube zu schwinden . Es schlug vier Uhr und der umwölkte Himmel ließ die schaurige Dämmerung zeitlich hereinbrechen . Ich hörte den Regen ohne Unterlaß an die Fenster des Treppenhauses anschlagen und den Wind durch das Lustwäldchen hinter dem Hause heulen ; nach und nach wurde ich kalt wie Marmor und der Muth sank mir immer tiefer . Mein gewöhnliches Bewußtsein des eigenen Unwerthes , der Ohnmacht , des Drückenden meiner Lage , fiel gleichsam feucht auf die glimmenden Kohlen meines verlöschenden Zornes nieder . , Alles nennt mich schlecht , ' dachte ich , , vielleicht bin ich es auch in der That . Wie konnte es mir eben einfallen , mich durch Hunger tödten zu wollen ? Das wäre ja eine Sünde ! Und dann , wäre ich denn auch zum Tode vorbereitet ? Oder wäre etwa das Gewölbe unter der Kanzel der Kirche von Gateshead eine so einladende Ruhestätte ? Ich wußte , daß Herr Reed in einer solchen Gruft beigesetzt wurde , und durch diese Vorstellung auf den Gedanken an ihn selbst gebracht , verweilte ich bei dieser Idee mit wachsender Furcht . Ich konnte mich seiner nicht mehr entsinnen ; aber ich hatte gehört , er sei mein leiblicher Onkel , meiner Mutter Bruder gewesen ; er habe mich als eine elternlose Waise zu sich genommen und in seinen letzten Augenblicken sich von Mistreß Reed feierlich versprechen lassen , sie wolle mich auch ferner wie ihr eigenes Kind halten . Mistreß Reed war jedenfalls der Ansicht , sie erfülle ihr Versprechen pünktlich ; und die Wahrheit zu sagen , that sie dies auch , so gut als es ihr Charakter zuließ ; aber wie konnte sie denn auch einen Einschübling , der nicht ihres Stammes und nach ihres Gatten Tode mit ihr in keiner weiteren Verbindung war , irgendwie lieben ? Im Gegentheile mußte es für sie sehr drückend sein , sich durch ein mit Widerstreben gegebenes Wort verbunden zu wissen , an einem fremden , ungeliebten Kinde Mutterstelle zu vertreten , einen fremden Eindringling fortwährend in der Mitte ihrer eigenen Kinder zu sehen . Ein sonderbarer Gedanke tauchte in mir auf . Ich zweifelte nicht und hatte nie daran gezweifelt , daß Mister Reed - - wenn er am Leben geblieben wäre - - mich gewiß gut behandelt hätte . Und nun , wie ich so dasaß , die Augen auf das weiße Bett und die dunklen Wände , gelegenheitlich auch auf den schwach erglänzenden Spiegel gerichtet , erinnerte ich mich an alles , was ich bisher von Abgeschiedenen gehört hatte , die , weil sie die Uebertretung ihrer letzten Wünsche aus der letzten Ruhe aufgescheucht , wieder auf der Erde erschienen waren , um die Eids brüchigen zu strafen und die Unterdrückten zu rächen ; auch Mister Reed ' s Geist müsse , so dachte ich , über das dem Kinde seiner Schwester angethane Unrecht empört , seinen Aufenthalt - - die Gruft in der Kirche , oder die unbekannte Wohnung der Seligen - - verlassen und mir in diesem Zimmer erscheinen . Ich trocknete meine Thränen und ließ das Seufzen ; denn wie leicht konnte irgend ein Ausbruch heftigen Schmerzes eine übernatürliche Stimme zu meinem Troste wecken , oder der Finsternis die Erscheinung eines lichtumflossenen Antlitzes entlocken , das sich voll himmlischen Mitgefühles über mich herniederneigte . So sehr auch diese Idee in der Vorstellung Trost einflößte , so sehr fühlte ich das Grauenhafte einer möglichen Verwirklichung ; ich bekämpfte sie daher mit aller Macht und versuchte es , Muth zu fassen . Mir die wirren Haare aus dem Gesichte streichend , hob ich den Kopf in die Höhe und bemühte mich , keck in dem finsteren Zimmer herumzublicken . In diesem Augenblicke erglänzt ein Lichtstrahl an der Wand . War es das Mondlicht , das sich durch eine Ritze des Fensterladens hereinstahl ! Unmöglich ; das Mondlicht ist unbeweglich und jener Strahl irrte unstet hin und her ; während ich ihn ins Auge faßte , glitt er zur Zimmerdecke hinauf und zitterte über meinem Haupte . Jetzt kann ich mir freilich erklären , daß die ganze Erscheinung ihren Ursprung aller Wahrscheinlichkeit ]
[ ]
nach dem
[ Lichte einer Laterne verdankte ]
[ Kabinet ]
,
[ die irgend jemand über den Grasplatz vor ]
[ in ]
dem
[ Hause trug ]
[ ihr Gatte verschieden und das bis jetzt noch nicht wieder bewohnt worden war . Jane zuckte jetzt entsetzt zusammen ]
;
[ aber in jener Stunde , wo mein Geist für alle Schrecknisse empfänglich war , meine Nerven in der ungeheuersten Aufregung zuckten ]
[ eine unerklärbare Furcht ]
,
[ hielt ich den wandernden Lichtschein für den Vorboten einer kommenden Vision aus dem fernen Jenseits . Mein Herz pochte hörbar , meine Stirne brannte wie Feuer ; ]
[ ]
ein
[ Geräusch , welches mir das Rauschen von Fittichen dünkte , schlug an mein Ohr ; irgend etwas näherte ]
[ nicht zu bekämpfendes Entsetzen überfiel sie und raubten ihr beinahe die Besinnung . Erst als die verhängnisvolle Thür ]
sich
[ ; der Athem verging mir ]
[ hinter ihr geschlossen ]
,
[ die Angst drückte mich nieder ; ich rannte zur Thür und zog an der Klinke mit der Kraft der Verzweiflung . Schritte kamen heran , der Schlüssel drehte ]
[ ward sie ]
sich
[ im Schlosse , Bessie und Abbot traten in die Stube . Sind Sie krank , Miß Eyre ? frug Bessie . Welch ein schreckliches Geschrei ! rief Abbot ; , es ging mir ordentlich durch Mark und Bein ! , Führt mich fort , bringt mich in die Kinderstube ! schrie ich ohne Unterlaß . , Weswegen ? Haben Sie sich verletzt ? Ist Ihnen etwas zu Gesicht gekommen ? frug Bessie wieder . , Oh ! ich sah ein Licht und ich dachte , ein Gespenst werde kommen . ? Dabei faßte ich Bessie ' s Hand , welche sie nicht zurückzog . , Sie hat absichtlich aufgeschrien , erklärte Abbot , offenbar sehr übel gelaunt . , Und was das für ein Lärm war ! Hätte sie große Schmerzen , so könnte man es noch entschuldigen , aber sie wollte uns nur Alle auf die Beine bringen , ich kenne ihre boshaften Streiche nur zu gut . , Was soll das alles bedeuten ? ließ sich eine andere ]
[ ihrer Lage klar und mit bittender herzzerreißender ]
Stimme
[ in gebieterischem Tone vernehmen , und Mistreß ]
[ flehte sie : Tante ]
Reed
[ kam mit fliegender Haube und flatterndem Gewand den Gang heraufgerauscht . , Abbot ! Bessie ! Habe ich nicht befohlen , Jane soll so lange in der rothen Stube bleiben , bis ich sie selbst abhole ? , Aber Miß Jane schrie so laut auf , entschuldigte sich Bessie . , Lasset sie gehen , war die Antwort . , Lass ' Bessie ' s Hand los ; es wird Dir nicht gelingen , Dich durch solche Mittel frei zu machen , das kannst Du mir glauben . Ich hasse und verachte Verstellung , besonders bei Kindern , es ist meine Pflicht , Dir zu beweisen , daß Kunstgriffe nicht zum Ziele führen . Du wirst nunmehr eine Stunde länger hier bleiben und nur unter der Bedingung will ich Dich dann in Freiheit setzen , daß Du Dich vollkommen unterwürfig zeigst und ganz still verhältst . , Liebe Tante ]
[ ]
, haben Sie Mitleid !
[ Vergeben ]
[ Tante Reed , haben Sie Erbarmen ! Ich bin ja völlig unschuldig , aber man glaubt mir ja nicht . Bei dem Andenken an meinen gütigen verstorbenen Onkel lassen Sie mich aus diesem Zimmer ! Ich kann hier nicht bleiben ! Ich sterbe hier . Kannst Du nun sprechen und gute Worte geben , Du Undankbare ? rief ihre Tante . Nein , Du bleibst zur Strafe so lange in diesem Zimmer , bis Du Deine Schuld bekannt hast . Ich habe nichts gethan ! Ich bin unschuldig ! jammerte Jane . John hat es Alles selbst gethan , dessen er mich mit unverschämter Bosheit beschuldigt . Glauben ]
Sie mir
[ . Ich halte es nicht aus - - strafen ]
[ nur diesmal , Tante Reed , und ]
Sie
[ ]
[ sollen niemals wieder über ]
mich
[ auf eine andere Weise ]
[ im Geringsten zu klagen haben ]
.
[ ]
[ Bekenne , Jane ! ]
Ich bin
[ des Todes , wenn - - , Stille , sage ich ]
[ unschuldig ]
!
[ Diese Heftigkeit ist wirklich anwidernd ! Wie sie sprach , so fühlte sie auch ohne Zweifel . In ihren Augen erschien ich als ]
[ Tante Reed . So bleibst Du , wo Du bist . Mutter und Sohn entfernten sich aus dem Vorgemach und ließen das arme Mädchen mit ihrem Jammer und ihrer Angst unbarmherzig allein zurück ; ]
eine
[ frühreife Schauspielerin , als ein Ausbund von bösen Leidenschaften , gemeiner Gesinnung und gefährlicher Doppelzüngigkeit . Nachdem sich Bessie und Abbot zurückgezogen hatten , warf sich Mistreß Reed , ungeduldig über den erneuerten Ausbruch meiner Furcht und über mein wildes Gestöhne , ohne alle Umstände und ohne ein Wort zu verlieren in die Stube hinein , die sie nach mir absperrte . Ich hörte sie hinwegrauschen und bald nachdem sie abgegangen war , muß ich in eine Art Ohnmacht gefallen sein , denn Bewußtlosigkeit schloß diese Scene . III . Der Umstand , auf den ich mich zunächst erinnere , war mein Erwachen , nachdem , wie es mir vorkam , lange ]
[ ganze ]
Zeit
[ der Alp auf mir lag und ein rother Schein hinter einem dicken , dunklen Gitter meine Augen geblendet hatte . Ich hörte Stimmen , deren Ton mir ungewöhnlich hohl klang , als hätte ihnen das Rauschen des Windes ]
[ lang bat ]
und
[ des Wassers ihren Klang benommen . Aufregung ]
[ flehte Jane ]
,
[ Unsicherheit und ein alles beherrschendes Gefühl der Angst verwirrte mir die Sinne . Später wurde ich gewahr , daß sich jemand mit mir beschäftigte , mich in die Höhe hob und zum Sitzen brachte , und zwar in weit zarterer Weise , als man dies je mit mir gethan . Ich legte meinen Kopf bald auf ein Kissen , bald ]
[ dann verstummte sie ]
auf einen
[ Arm ]
[ Augenblick , ein Fall ward hörbar , ]
und
[ fühlte mich wohl . Beiläufig fünf Minuten nachher lösten ]
[ in heftigen Krämpfen wand sie ]
sich
[ die Fesseln der Bewußtlosigkeit ; ich erkannte , daß ich in meinem Bette lag und der rothe Glanz von dem Caminfeuer der Kinderstube herrührte . Es war Nacht , eine Kerze brannte ]
[ ]
auf dem
[ Tische ; ]
[ Fußboden umher . Niemand kümmerte sich um sie . Am nächsten Morgen mußte ]
Bessie
[ stand am Fuße des Bettes , ein Becken in ]
[ nach ihr sehen und fand sie ganz wie leblos an ]
der
[ Hand ]
[ Erde liegen ]
,
[ und ein Herr , in einem Armstuhle nächst meinem Kopfkissen Sitzend , beugte sich über mich . Ein unaussprechliches Wohlsein , die beruhigende Ueberzeugung von Schutz und Sicherheit bemächtigten sich meiner , als ich einen Fremden ]
[ aber ]
an
[ meiner Seite sah ]
[ ihren fieberhaft geröteten Wangen ]
,
[ eine Person ]
[ an ihren zuckenden Lippen gewahrte sie ]
,
[ ]
[ daß noch Leben in dem jungen Körper war . Mitleidig , wie ]
die
[ nicht ]
[ Gouvernante war , welche ]
nach
[ Gatesheadhall gehörte und zur Familie Reed in keiner Beziehung stand . Meine Blicke von Bessie , deren Gegenwart mir indessen lieber war , als diejenige Abbot ]
[ John ]
' s
[ ]
[ Abgang zur Schule als Gesellschafterin in Gateshead bleiben mußte ]
,
[ abwendend ]
[ nahm sie ]
,
[ sah ich mir den Herrn genauer an . Ich kannte ihn ; es ]
[ ohne ihrer Herrin Befehl abzuwarten , Jane auf ihre Arme , trug sie nach ihrem Zimmer , entkleidete sie und legte sie zu Bett . Jane begann heftig zu phantasieren , ja selbst zu toben , sodaß man gezwungen ]
war
[ ]
[ nach dem Arzte zu senden . ]
Mister
[ Lloyd ]
[ Fowler erklärte ]
,
[ ein Apotheker , den Mistreß Reed zeitweilig holen ließ , wenn den Dienstboten etwas zustieß ; für sich und ihre Kinder nahm sie einen ordentlichen Arzt . , Nun , wer bin ich denn ? fragte er mich . Ich nannte seinen Namen und reichte ihm meine Hand . Er nahm sie in die seinige und sagte freundlich lächelnd : Es wird nach und nach schon besser werden . Dann legte er mich zurecht und trug Bessie auf , Acht zu geben , damit ich in der Nacht nicht gestört würde . Nachdem er noch einige weitere Verhaltungsvorschriften angegeben und versprochen hatte , am nächsten Morgen wiederzukommen , empfahl er sich . Mit inniger Trauer sah ich ihn sich entfernen ; ich fühlte mich so sicher und so heimlich , während er an meinem Bette saß , und als er die Thür hinter sich zuzog , schien sich die Stube zu verfinstern , mein Herz stand still und tiefe Betrübniß erfüllte meine Seele . , Glauben Sie wohl , daß Sie schlafen können , Miß ? frug Bessie ungewöhnlich sanft . Ich wagte es kaum zu antworten ; ich fürchtete , ihre nächste Ansprache müßte rauh ausfallen . , Ich will sehen , sagte ich . , Wollen Sie trinken , oder vielleicht etwas essen ? , Nein , liebe Bessie , ich danke . , Dann will ich zu Bette gehen , denn es ist Mitternacht vorüber . Sie mögen mich indessen nur rufen , wenn Sie in der Nacht etwas wünschen . Eine wunderbare Freundlichkeit , das ! Ich faßte Muth , eine Frage zu stellen . , Was ist ]
[ Jane ]
' s
[ denn eigentlich mit mir , Bessie ? Bin ich krank ? , Es wurde Ihnen in der rothen Stube übel vor lauter Schreien und Weinen , denke ich . Es wird ohne Zweifel bald wieder gut werden . Bessie begab sich fortan in die Dienstmädchenstube . Ich hörte sie mit einem der Mädchen sprechen . , Sarah , komm ' , schlaf mit mir in der Kinderstube ; ich möchte heut ' Nacht um alles in der Welt nicht mit dem armen Kinde allein bleiben . Es könnte am Ende sterben ; denn der Anfall , den Sie hatte , war sonderbar . Sie muß irgend ein Gesicht gehabt haben und die gnädige Frau verfuhr auch viel zu hart mit ihr . Bessie kam in Sarah ' s Begleitung zurück ; die beiden Mädchen legten sich nieder und flüsterten noch fast eine halbe Stunde miteinander , bevor sie einschliefen . Ich faßte bloß Bruchstücke ihrer Unterredung auf , die indessen hinlängliches Licht über den Hauptgegenstand verbreiteten . , Irgend ein Gespenst erschien ihr , ganz weiß gekleidet , und verschwand dann wieder . . . ein schwarzer Hund lief hinterher - ]
[ Zustand sei sehr bedenklich ]
- es
[ pochte dreimal an die Stubenthür - - am Kirchhof zeigte sich ein Licht über seinem Grabe - - und so weiter . Endlich waren sie eingeschlafen ; das Feuer ging aus , die Kerze verlosch . Ich selbst brachte die Stunden der Nacht in träumerischem Halbschlummer zu , Ohren , Augen und Geist gleich sehr von Furcht gespannt , jener Furcht , deren nur Kinder empfänglich sind . Der Unfall im rothen Zimmer zog keine heftige und langwierige körperliche Krankheit nach sich , aber meine Nerven erlitten ]
[ könne möglicher Weise bei ihr ]
eine
[ Erschütterung , deren Nachhalt ich noch bis auf den heutigen Tag verspüre . Ja , Mistreß Reed , Sie allein haben die Qualen meines geistigen Siechthums zu verantworten ; aber ich vergebe Ihnen ]
[ geistige Störung zurückbleiben ]
,
[ denn Sie wußten nicht , was Sie thaten ; indem Sie mir das Herz aus ]
[ wenn sie überhaupt mit ]
dem
[ Leibe rissen , dachten Sie bloß meine bösen Neigungen mit der Wurzel auszurotten ]
[ Leben davon kommen sollte ]
.