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[ Erster Teil . Erstes Kapitel . Es ]
[ Des es schlechten Wetters wegen - denn es ]
war
[ ganz unmöglich ]
[ kalt ]
,
[ ]
[ windig und regnerisch - - mußte ]
an diesem Tage
[ einen ]
[ der übliche ]
Spaziergang
[ zu machen . Am Morgen waren wir allerdings während einer ganzen Stunde in den blätterlosen , jungen Anpflanzungen umhergewandert ]
[ unterbleiben ]
;
[ aber seit dem Mittagessen – Mrs . Reed speiste stets zu früher Stunde , wenn keine Gäste zugegen waren – hatte der kalte Winterwind so düstere , schwere Wolken und einen so durchdringenden Regen heraufgeweht , daß von weiterer Bewegung in frischer Luft nicht mehr die Rede sein konnte . Ich war von Herzen froh ]
[ ich freute mich ]
darüber
[ : lange Spaziergänge ]
[ ]
,
[ besonders an frostigen Nachmittagen , waren mir stets zuwider : – ein Greuel ]
[ ]
war es
[ mir , in der rauen Dämmerstunde nach Hause zu kommen ]
[ doch draußen schon recht herbstlich . Da man mich nicht so warm und sorglich kleidete , wie die Kinder des Hauses ]
,
[ ]
[ so fror mich leicht , und wenn ich dann über die Kälte klagte , schalt man mich zimperlich . Frau Reed war ]
mit
[ fast erfrorenen Händen und Füßen ]
[ ihren Kindern Hans ]
,
[ – mit einem Herzen , das durch das Schelten Bessie ' s , der Kinderwärterin , bis zum Brechen schwer war , – gedemütigt durch das Bewußtsein , physisch so tief unter Eliza , John ]
[ Elisa ]
und Georgina
[ Reed zu stehen . Die soeben erwähnten Eliza ]
[ ]
,
[ John und Georgina hatten sich in diesem Augenblick ]
[ ]
im Salon
[ um ihre Mama versammelt : diese ruhte auf einem Sofa in der Nähe des Kamins und umgeben von ihren Lieblingen , die zufälligerweise in diesem Moment weder zankten noch schrieen , sah sie vollkommen glücklich aus . Mich ]
[ ; mich ]
hatte sie
[ davon dispensiert ]
[ hinausgeschickt ]
,
[ mich ]
[ mit dem Bemerken , ich sei unwürdig , die gleichen Vorrechte zu genießen , die nur zufriedenen , glücklichen Kindern zukämen . Ich sollte mich erst eines freundlicheren , offenherzigeren , geselligeren Wesens befleißigen . Je nun , ich war nicht böse darüber , daß ich allein sein sollte . Ich fühlte mich ja doch nicht wohl in ]
der
[ Gruppe anzuschließen ]
[ Gesellschaft dieser Menschen ]
,
[ indem sie sagte , daß es sie tief unglücklich mache , gezwungen zu sein , ]
[ die ]
mich
[ fern zu halten ; daß sie mich aber ]
[ immer ]
von
[ Vorrechten ausschließen müsse , zu deren Genuß nur zufriedene , glückliche , kleine Kinder berechtigt seien , und daß sie ]
[ oben herab behandelten und von denen besonders der etwa 14 Jahre alte Hans ]
mir
[ erst verzeihen würde , wenn sie sowohl durch eigene Wahrnehmung wie durch Bessie ' s Worte zu der Überzeugung gelangt sein würde , daß ich in allem Ernst versuche , mir anziehendere und freundlichere Manieren , einen kindlicheren , geselligeren Charakter – ein leichteres , offenherzigeres , natürlicheres Benehmen anzueignen ]
[ verhaßt war ]
.
[ » Was sagt ]
[ So schlüpfte ich ]
denn
[ Bessie , daß ich gethan habe ? « fragte ich . » Jane , ich liebe weder Spitzfindigkeiten noch Fragen ; außerdem ist es gradezu widerlich , wenn ein Kind ältere Leute in dieser Weise zur Rede stellt . Augenblicklich setzest du dich irgendwo hin und schweigst , bis du freundlicher und liebenswürdiger reden kannst . « An ]
[ in ]
das
[ Wohnzimmer stieß ein kleines ]
[ ]
Frühstückszimmer
[ : ich schlüpfte hinein ]
[ ]
.
[ Hier stand ein ]
[ Ein ]
großer Bücherschrank
[ . Bald ]
[ stand darin , und ich ]
hatte
[ ich mich eines großen Bandes bemächtigt , nachdem ich mich zuerst vorsichtig vergewissert hatte , daß er Bilder enthalte . Ich stieg auf den Sitz in der Fenstervertiefung , zog die Füße nach und kreuzte die Beine wie ein Türke ; dann zog ich die dunkelroten Moiree - Vorhänge fest zusammen und saß so in einem doppelten Versteck . Scharlachrote Draperien schlossen mir die Aussicht zur rechten Hand ; links befanden sich die großen , klaren Fensterscheiben , die mich vor dem düstern Novembertag wohl schützten , mich aber ]
[ ]
nicht
[ von ihm trennten . In kurzen Zwischenräumen , wenn ich die Blätter meines Buches wendete , fiel mein Blick auf das Bild dieses winterlichen Nachmittags . In der Ferne war nichts als ein blasser , leerer Nebel , Wolken ; im Vordergrunde der feuchte , freie Platz vor dem Hause , vom Winde entlaubte Gesträuche , und ein unaufhörlicher vom Sturm wildgepeitschter Regen . Ich kehrte ]
[ lange ]
zu
[ meinem Buche zurück – Bewicks Geschichte von Englands gefiederten Bewohnern ; im allgemeinen kümmerte ich mich wenig ]
[ suchen , ]
um
[ den gedruckten Text des Werkes , und doch waren da einige einleitende Seiten , welche ich , obgleich nur ein Kind , nicht gänzlich übergehen konnte . Es waren jene , die von den Verstecken der Seevögel handelten , von jenen einsamen Felsen und Klippen , welche nur sie allein bewohnen , von der Küste Norwegens , die von ihrer äußersten südlichen Spitze , dem Lindesnäs bis zum Nordkap mit Inseln besäet ist . Wo der nördliche Ozean , in wildem Wirbel Um die nackten , öden Inseln tobt Des ultima Thule ; und das atlantische Meer Sich stürmisch zwischen die Hebriden wälzt . Auch konnte ich nicht unbeachtet lassen , was dort stand von den düsteren Küsten Lapplands , Sibiriens , Spitzbergens , Novazemblas , Islands , Grönlands ]
[ einen Band zu finden ]
, mit dem
[ weiten Bereich ]
[ ich mir die Langeweile gut vertreiben konnte . Leider blieb ich nicht lange ungestört . Ich wurde in ]
der
[ arktischen Zone und jenen einsamen Regionen des öden Raums – jenem Reservoir von Eis und Schnee ]
[ Betrachtung der schönen ]
,
[ wo fest gefrorene Felder – die Anhäufung von Jahrhunderten von Wintern – alpine Höhen auf Höhen erfroren , ]
[ bunten Bilder plötzlich durch ]
den
[ Nordpol umgeben und die vervielfachte Strenge der äußersten Kälte konzentrieren . Von diesen todesweißen Regionen machte ich mir meinen eigenen Begriff ]
[ Ruf unterbrochen ]
:
[ schattenhaft ]
[ ]
,
[ wie all jene nur halb verstandenen Gedanken , die eines Kindes Hirn kreuzen , aber einen seltsam tiefen Eindruck hinterlassend . Die Worte dieser einleitenden Seiten verbanden sich mit den darauf folgenden Vignetten und gaben allen eine Bedeutung : jenem Felsen ]
[ Wo steckt sie denn ]
,
[ der aus einem Meer von Wellen und Wogenschaum emporragte ; dem zertrümmerten Boote , das an traurig wüster Küste gestrandet ; dem kalten , geisterhaften Monde , der durch düstere Wolkenmassen auf ein sinkendes Wrack herabblickt . ]
[ die Traumsuse ? ]
Ich
[ weiß nicht mehr ]
[ erschrak ]
,
[ mit welchem Empfinden ich auf den stillen , einsamen Friedhof mit seinem beschriebenen Leichenstein sah , auf jenes Thor , die beiden Bäume , den niedrigen Horizont , der durch eine zerfallene Mauer begrenzt war , auf die schmale Mondessichel , deren Aufgang die Stunde der Abendflut bezeichnete . Die beiden Schiffe , welche auf regungsloser See von einer Windstille befallen werden , hielt ich für Meergespenster . Über den Unhold , welcher das Bündel des Diebes auf dessen Rücken fest band , eilte ich flüchtig hinweg ; er war ein Gegenstand des Schreckens für mich . Und ein gleiches Entsetzen flößte mir das schwarze , gehörnte Etwas ein , das hoch auf einem Felsen saß und in weiter Ferne eine Menschenmasse beobachtete , die einen Galgen umgab . Jedes Bild erzählte eine Geschichte : oft war diese für meinen unentwickelten Verstand geheimnisvoll , meinem unbestimmten Empfinden unverständlich , – stets aber flößte sie mir das tiefste Interesse ein : dasselbe Interesse , mit welchem ich den Erzählungen Bessie ' s horchte , wenn sie zuweilen an Winterabenden in guter Laune war ; dann pflegte sie ihren Plätttisch an das Kaminfeuer der Kinderstube zu bringen , erlaubte uns , unsere Stühle an denselben zu rücken , und während sie dann Mrs . Reeds Spitzenvolants bügelte und die Spitzen ihrer Nachthauben kräuselte , ergötzte sie unsere Ohren mit Erzählungen von Liebesgram und Abenteuern aus alten Märchen und noch älteren Balladen , oder – wie ich erst viel später entdeckte – aus den Blättern von Pamela , und Henry , Graf von Moreland . Mit Bewick auf meinen Knieen war ich damals glücklich : glücklich wenigstens auf meine Art . Ich fürchtete nichts als eine Unterbrechung , eine Störung – und diese kam nur zu bald . Die Thür zum Frühstückszimmer wurde geöffnet . » Bah , Frau Träumerin ! « ertönte John ]
[ denn ich erkannte Hans ]
Reeds Stimme
[ ; dann hielt er inne ; augenscheinlich ]
[ . Offenbar ]
war er
[ erstaunt ]
[ sehr verwundert ]
,
[ das ]
[ mich nicht im ]
Zimmer
[ leer ]
[ ]
zu finden .
[ » Wo zum Teufel ist sie denn ? « fuhr er fort ]
[ Ich hatte mich in die Fensternische gesetzt und den Vorhang vor mir zugezogen . ]
,
[ » Lizzy ]
[ Lise , Georgina ]
!
[ Georgy ! « ]
[ ' ]
rief
[ er seinen Schwestern zu ]
[ Hans weiter . ]
,
[ » Joan ]
[ Johanna ]
ist nicht hier . Sagt doch
[ ]
[ der ]
Mama ,
[ daß sie ]
[ das Scheusal sei ]
in den Regen
[ hinaus gelaufen ist – das böse Tier ! « » Wie gut ]
[ hinausgelaufen . ]
,
[ daß ich den Vorhang zusammengezogen habe ]
[ Gott bewahre ]
,
[ « dachte ich ; und dann wünschte ich inbrünstig ]
[ ' ' antwortete Elisa ]
,
[ daß er mein Versteck nicht entdecken möge ; John Reed selbst würde es auch niemals entdeckt haben ; er ]
[ die ein wenig aufgeweckter ]
war
[ langsam ]
[ ]
,
[ ]
[ als der ]
sowohl
[ von Begriffen ]
[ geistig ]
wie
[ in seinem Wahrnehmungsvermögen ; aber Eliza steckte den Kopf zur Thür hinein und sagte sofort : » ]
[ körperlich schwerfällige Hans . , ]
Sie
[ ist ]
[ sitzt ]
gewiß wieder in
[ die Fenstervertiefung gekrochen , sieh ]
[ der Nische . Guck ]
nur nach ,
[ Jack , « Ich ]
[ Hans . Nun ]
trat
[ sofort ]
[ ich von selbst ]
heraus ,
[ denn ]
[ wußte ]
ich
[ zitterte bei dem Gedanken ]
[ doch ]
, daß
[ der erwähnte Jack ]
[ Hans ]
mich
[ ]
[ im nächsten Augenblick gewaltsam ]
hervorzerren würde .
[ » Da ]
[ , Ja , hier ]
bin ich
[ ]
[ , ' sagte ich , ]
, was wünscht
[ Ihr ]
[ ihr ]
?
[ « fragte ich mit schlecht erheuchelter Gleichgültigkeit . » Sag ]
[ , Sage gefälligst ]
:
[ was ]
[ Was ]
wünschen Sie ,
[ Mr . ]
[ Herr ]
Reed ,
[ « lautete seine Antwort ]
[ antwortete er ]
.
[ » Ich will ]
[ ]
,
[ daß ]
[ Gleich kommst ]
du hierher
[ kommst ]
[ ]
,
[ « und indem er in einem Lehnstuhl Platz nahm , gab er mir durch eine Geste zu verstehen , daß ich näher kommen und vor ihn treten solle . John ]
[ verstehst du ? Hans ]
Reed war
[ ein Schuljunge von vierzehn Jahren ; ]
[ ]
vier Jahre älter als ich , denn ich
[ war ]
[ zählte ]
erst zehn
[ Jahr alt ]
[ ]
;
[ ]
[ er war ]
groß und stark für sein Alter ,
[ mit einer unreinen ]
[ sah aber nicht gesund , sondern vielmehr aufgedunsen aus . Mit seiner vierschrötigen Gestalt ]
,
[ ungesunden ]
[ seiner unklaren ]
Hautfarbe
[ ; große Züge in einem breiten ]
[ , seinem groben ]
Gesicht
[ , schwerfällige Gliedmaßen ]
[ ]
und
[ große Hände und Füße . Gewöhnlich pflegte ]
[ seinen großen Füßen und Händen sah ]
er
[ sich ]
[ auch wirklich nichts weniger als sympathisch aus . Er aß ]
bei Tische
[ ]
[ gewöhnlich ]
so
[ vollzupfropfen ]
[ viel ]
, daß er
[ gallig wurde ; das machte seine Augen trübe und seine Wangen schlaff ]
[ schlechte Laune bekam ]
. Eigentlich hätte er
[ jetzt in ]
[ jet auf ]
der Schule sein müssen , aber seine Mama hatte ihn
[ für ]
[ auf ]
ein
[ bis zwei Monate ]
[ paar Wochen ]
nach Hause
[ geholt » ]
[ genommen , ]
seiner zarten Gesundheit wegen
[ « ]
[ ]
.
[ Mr . Miles , der ]
[ Der ]
Direktor
[ der Schule ]
[ ]
versicherte
[ ]
[ allerdings ]
,
[ daß es ihm außerordentlich gut gehen würde , wenn ]
[ ]
man
[ ]
[ brauche ]
ihm nur weniger
[ Kuchen und Leckerbissen ]
[ Leckereien in die Pension « zu schicken , so würde er schon gesünder werden . Das fand die Mutter brutal . Nach ihrer Meinung rührte das schlechte Aussehen ihres Lieblings nur ]
von
[ Hause schicken wollte ; aber das Herz der Mutter empörte sich bei einer so roh ausgesprochenen Meinung und neigte mehr zu der feineren und zarteren Ansicht , daß Johns blaßgelbe Farbe von Überanstrengung beim Lernen ]
[ Ueberanstrengung ]
und vielleicht auch von Heimweh
[ herrühre ]
[ her ]
.
[ – John hegte wenig Liebe ]
[ Hans durfte sich daheim alles erlauben ; nie hatte die Mutter ein hartes Wort , einen Tadel oder gar eine Strafe ]
für
[ seine Mutter und seine Schwestern ]
[ ihn . Ich besonders war die Zielscheibe seiner Unart ]
, und
[ eine starke Antipathie gegen mich . Er quälte und bestrafte mich ; nicht zwei - oder dreimal in der Woche , nicht ein - oder zweimal am Tage , sondern fortwährend und unaufhörlich ; ]
[ ]
jeder Nerv in mir
[ fürchtete ihn , und jeder Zollbreit Fleisch auf meinen Knochen schauderte und ]
[ ]
zuckte
[ ]
[ vor Furcht ]
, wenn er in meine Nähe kam .
[ Es gab Augenblicke , wo der Schrecken , den er mir einflößte , mich ganz besinnungslos machte ]
[ Schutz vor ihm fand ich nirgend ]
; denn
[ ich hatte niemanden , der mich gegen seine Drohungen und seine Thätlichkeiten verteidigte ; ]
[ ]
die Dienerschaft wagte es nicht ,
[ ihren jungen Herren zu beleidigen , indem sie für mich ]
[ ]
gegen ihn
[ Partei ergriff ]
[ aufzutreten ]
, und
[ Mrs . ]
[ Frau ]
Reed war in diesem Punkte
[ ]
[ taub und ]
blind
[ und taub : sie sah niemals ]
[ ]
,
[ ]
[ selbst ]
wenn er mich
[ schlug , sie hörte niemals , wenn er mich beschimpfte , obgleich er beides gar ]
[ - was ]
oft
[ ]
[ geschah - ]
in ihrer Gegenwart
[ that : häufiger zwar noch hinter ihrem Rücken ]
[ beschimpfte oder schlug ]
.
[ Aus Gewohnheit ]
[ Auch diesmal ]
gehorchte ich
[ John auch dieses Mal ]
[ ihm ]
und
[ näherte mich seinem Stuhl : ungefähr zwei bis drei Minuten brachte ]
[ trat näher ; als ich weit genug bei ihm war , hieb ]
er
[ damit zu , mir seine Zunge so weit entgegenzustrecken , wie er es ohne Gefahr für seine Zungenbänder bewerkstelligen konnte ; ich fühlte , daß er mich jetzt gleich schlagen würde , und obgleich ich eine tödliche Angst vor dem Schlage empfand , vermochte ich doch über die ekelerregende und häßliche Erscheinung des Burschen , der denselben austeilen würde , meine Betrachtungen anzustellen . Ich weiß nicht , ob er diese Gedanken ]
[ plötzlich ]
auf
[ meinem Gesichte las , denn plötzlich , ohne ]
[ mich ]
ein
[ Wort zu sagen , schlug er heftig und brutal auf mich los ]
[ ]
.
[ Ich taumelte ; dann gewann ich das Gleichgewicht wieder und trat einige Schritte von seinem Stuhl zurück . » ]
[ , ]
Das ist für die
[ Frechheit ]
[ freche Antwort ]
,
[ daß ]
[ die ]
du vor einer
[ Weile gewagt ]
[ halben Stunde meiner Mama gegeben ]
hast ,
[ Mama eine Antwort zu geben , « sagte ]
[ rief ]
er
[ , » und daß du gewagt hast , dich hinter den Vorhang zu verkriechen , und für den Blick , den ich vor zwei Minuten in deinen Augen gewahrte , du Ratze , du ! « An Johns Beschimpfungen gewöhnt , fiel es mir niemals ein , irgend etwas auf dieselben zu erwidern ; ich dachte nur daran , wie ich den Schlag ertragen sollte , der unfehlbar auf die Schimpfworte folgen würde ]
[ ]
.
[ » ]
[ , ]
Was hast du da
[ hinter dem Vorhange gemacht ]
[ für ein Buch ]
?
[ « fragte er weiter . » Ich habe gelesen . « » Zeige ]
[ Er entriß es ]
mir
[ das Buch . « Ich ging an das Fenster zurück ]
[ ]
und
[ holte es von dort . » Du hast kein Recht ]
[ fuhr fort : , Wer hat dir denn erlaubt ]
,
[ unsere ]
[ meine ]
Bücher zu
[ nehmen ; ]
[ benützen ? Denn sie sind mein . Alles hier ist mein , oder wird es wenigstens bald sein . Dir gehört gar nichts , Mama sagt es immer . Geld hast ]
du
[ bist eine Untergebene , hat Mama gesagt ; du hast kein Geld ; ]
[ keins , ]
dein Vater hat dir
[ keins ]
[ doch nichts ]
hinterlassen
[ ; eigentlich ]
[ , und von Rechts wegen ]
solltest du betteln
[ und ]
[ gehen , statt ]
hier
[ nicht ]
[ ]
mit den Kindern eines Gentleman
[ ]
[ zusammenzuleben ]
,
[ wie wir es sind , zusammen leben , und dieselben Mahlzeiten ]
[ am gleichen Tische zu ]
essen
[ wie wir , ]
[ ]
und
[ ]
[ die ]
Kleider
[ ]
[ zu ]
tragen , die
[ unsere ]
[ dir meine ]
Mama
[ dir ]
[ ]
kaufen muß .
[ Nun , ich werde dich lehren , zwischen meinen Büchern umherzustöbern , denn sie gehören mir , und das ganze Haus gehört mir , oder wird mir wenigstens in einigen Jahren gehören . Geh und ]
[ Marsch ! ]
stell dich
[ ]
[ dort ]
an die
[ Thür ; nicht vor den Spiegel oder die Fenster . « ]
[ Tür ! ]
Ich
[ that , wie mir geheißen , ohne eine Ahnung von seiner Absicht zu haben ; als ich aber gewahrte , daß er ]
[ tat es . Er hob ]
das Buch
[ emporhob ]
[ ]
und
[ mit demselben ]
[ ]
zielte
[ , sprang ich instinktiv zur Seite und stieß einen Schreckensschrei ]
[ nach mir . Ich wich nicht rasch genug ]
aus
[ ; jedoch nicht schnell genug ; das Buch ]
[ und ]
wurde
[ geschleudert , es traf mich , und ich fiel , indem ich mit dem ]
[ so heftig an den ]
Kopf
[ gegen die Thür schlug und mich verletzte . Die ]
[ getroffen , daß ich , eine blutende ]
Wunde
[ blutete , der ]
[ bekam und vor ]
Schmerz
[ war heftig ; mein Entsetzen war über den Höhepunkt hinausgegangen ; andere Empfindungen bemächtigten sich meiner ]
[ laut aufschrie ]
.
[ » ]
[ , ]
Du
[ böser , ]
[ ]
grausamer
[ Bube ]
[ Bengel ]
!
[ « schrie ]
[ rief ]
ich
[ , » Du bist wie ein Mörder – du bist wie ein Sklaventreiber – du bist wie die römischen Kaiser ! « Ich hatte Goldsmiths Geschichte Roms gelesen und mir meine eigene Ansicht über Nero , Caligula und andere gebildet ]
[ ]
.
[ Im Stillen hatte ich Vergleiche gezogen ]
[ ]
,
[ welche laut zu äußern allerdings niemals meine Absicht gewesen , » ]
[ ]
Was
[ ! Was ! « ]
[ ? ]
schrie er
[ ]
[ nun . ]
,
[ » Hat sie das zu mir gesagt ? ]
[ ]
Habt ihr
[ es ]
[ das ]
gehört ,
[ Eliza ]
[ Elisa ]
und Georgina ? Das
[ ]
[ sagt sie zu mir ? Das ]
will ich
[ ]
[ gleich ]
der Mama erzählen
[ ! – Aber erst ]
[ . Erst aber ]
noch
[ – – « ]
[ ]
Er
[ stürzte ]
[ packte mich beim Haar , doch nun wehrte ich mich verzweifelt . Während er ]
auf mich
[ zu : ich fühlte ]
[ einschlug ]
,
[ wie er mein Haar und meine Schulter faßte ; er kämpfte ]
[ arbeitete auch ich blindlings ]
mit
[ einem verzweifelten Geschöpfe . Ich sah wirklich in ihm einen Tyrannen , – einen Mörder . Dann fühlte ich , wie einzelne Blutstropfen von meinem Kopfe auf ]
[ ]
den
[ Hals herabfielen , und empfand einen stechenden Schmerz : diese Empfindungen siegten für den Augenblick über die Furcht und ich trat ihm in wahnsinniger Wut entgegen ]
[ Fäusten ]
.
[ Was ich mit meinen Händen that , kann ich jetzt nicht mehr sagen , aber er schrie fortwährend » Ratze ! Ratze ! « und brüllte aus Leibeskräften . Hilfe war ihm nahe : Eliza und Georgina waren gelaufen , um Mrs . ]
[ Frau ]
Reed
[ zu holen ]
[ eilte herbei ]
,
[ die nach oben gegangen war . Jetzt erschien sie auf der Scene ]
[ Bessie ]
,
[ ]
[ das Hausmädchen , ]
und
[ ]
[ Abbot , die Kammerzofe , folgten ]
ihr
[ folgten Bessie und ihre Kammerjungfer Abbot ]
[ ]
.
[ Man trennte ]
[ Sie rissen ]
uns
[ : dann vernahm ]
[ auseinander , und ]
ich
[ ]
[ hörte nur noch ]
die Worte :
[ » Du liebe Zeit ! Du liebe Zeit ! Welch ]
[ , So ]
eine Furie
[ , so auf Mr . John loszustürzen ]
[ ]
!
[ « » Hat man jemals ein so leidenschaftliches Geschöpf gesehen ]
[ So eine Giftblase ]
!
[ « – ]
[ - ]
Dann
[ fügte Mrs . ]
[ setzte Frau ]
Reed hinzu :
[ » Führt ]
[ , Bringt ]
sie in das rote Zimmer und schließt sie dort ein .
[ « ]
[ - ]
Vier Hände
[ bemächtigten sich meiner sofort und man trug mich nach oben . Zweites Kapitel Auf dem ganzen Wege leistete ich ]
[ packten mich und schleppten mich die Treppe hinauf . Unterwegs wehrte ich mich mit allen Kräften . Das hatte ich bisher noch nie getan ; stets hatte ich schweigsam und geduldig alles hingenommen . Mein ]
Widerstand
[ ; dies war etwas Neues und ein Umstand , der viel dazu beitrug , Bessie und Miß Abbot ]
[ bestärkte nun die beiden Mädchen ]
in der schlechten Meinung
[ zu bestärken ]
[ ]
,
[ welche diese ]
[ die sie ]
ohnehin
[ schon ]
[ ]
von mir hegten .
[ Thatsache ist ]
[ - - ]
,
[ daß ich vollständig außer mir war , wie die Franzosen zu sagen pflegen ; ich wußte sehr wohl , daß die Empörung dieses einen Augenblicks mir schon außergewöhnliche Strafen zugezogen haben mußte , und wie viele andere rebellische Sklaven war ich in meiner Verzweiflung fest entschlossen , bis ans Äußerste zu gehen . » Halten Sie ihre Arme , Miß Abbot ; sie ist wie ]
[ Wie ]
eine wilde Katze
[ ]
[ , ' sagte Bessie ]
.
[ « » Schämen ]
[ - , Schäme dich ? rief Abbot . , Schlägt den Sohn ihrer Wohltäterin ! O pfui ! - ]
Sie
[ sich ! Schämen Sie sich ! « rief die Kammerjungfer . » Welch ein abscheuliches Betragen , Miß Eyre , einen jungen Gentleman zu schlagen ! Den Sohn Ihrer Wohlthäterin ! Ihren jungen Herrn ! « » Herr ! Wie ist er mein Herr ? Bin ich denn eine Dienerin ? « » Nein . Sie sind weniger als eine Dienerin , denn Sie thun nichts , Sie arbeiten nicht für Ihren Unterhalt . Da ! Setzen Sie sich und denken Sie über Ihre Schlechtigkeit und Bosheit nach ! « Inzwischen hatten sie mich in das von Mrs . Reed bezeichnete Gemach gebracht und ]
[ drückten ]
mich auf einen Stuhl
[ geworfen ; mein erster Impuls war ]
[ nieder ]
,
[ wie eine Sprungfeder ]
[ doch ich sprang sofort ]
wieder
[ ]
[ auf . Da hielten sie mich ]
von
[ demselben empor zu schnellen ; vier Hände hielten mich jedoch augenblicklich wieder wie mit eisernen Klammern ]
[ neuem fest ]
.
[ » ]
[ - - , ]
Wenn
[ Sie ]
[ du ]
nicht still
[ sitzen ]
[ sitzest ]
,
[ werden wir Sie festbinden ]
[ wirst du angebunden ]
,
[ « ]
[ ' ]
sagte Bessie
[ ]
[ und löste auch schon ihre Strumpfbänder ]
.
[ » Miß Abbot ]
[ ]
,
[ borgen ]
[ Nein , lassen ]
Sie
[ mir Ihre Strumpfbänder ; die meinen würde sie augenblicklich zerreißen . « Miß Abbot wandte sich ab , um ein starkes Bein von den notwendigen Banden zu befreien ]
[ ! ' bat ich nun erschrocken ]
.
[ Diese Vorbereitungen ]
[ ]
,
[ um mir Fesseln anzulegen , und die neue Schande , die dies für mich bedeutete , diente dazu , meine Aufregung ein wenig zu mindern . » Nehmen Sie sie nicht ab , « schrie ich , » ich werde ]
[ Ich will auch ]
ganz still
[ sitzen . « Um ihnen für dies Versprechen eine Garantie zu bieten , hielt ich mich mit beiden Händen an meinem Sitz fest ]
[ und artig sein ]
.
[ » ]
[ , ]
Das
[ möchte ]
[ rat ]
ich
[ Ihnen ]
[ dir ]
auch
[ raten ]
[ ]
,
[ « ]
[ ]
sagte Bessie
[ ; ]
[ , ]
und als sie
[ sich überzeugt hatte ]
[ sah ]
, daß ich wirklich
[ anfing , mich zu beruhigen ]
[ ruhiger wurde ]
, ließ sie mich
[ ]
[ denn auch ]
los
[ ; dann ]
[ . Dann ]
stellten
[ sie ]
[ sich die beiden Mädchen vor mich hin ]
und
[ Miß ]
[ musterten mich mit finsterer Miene . , Das ist ja was ganz Neues von ihr , meinte ]
Abbot
[ sich mit gekreuzten Armen vor mich und blickten finster und zweifelnd in mein Gesicht , als glaubten sie nicht an meinen gesunden Verstand , » Das hat sie bis jetzt noch niemals gethan , « sagte endlich Bessie zu Abigail gewendet ]
[ ]
.
[ » Aber es hat ]
[ , Es steckt aber ]
schon lange in ihr
[ gesteckt ]
[ ]
,
[ « lautete die Antwort ]
[ ' ' antwortete Bessie ]
.
[ » ]
[ , ]
Ich
[ habe ]
[ hab ' s ]
der gnädigen Frau schon oft
[ meine Meinung über das Kind ]
[ ]
gesagt ,
[ und sie hat mir auch beigestimmt . Sie ]
[ die Hanne ]
ist ein
[ verstecktes ]
[ ganz verstocktes ]
,
[ kleines ]
[ giftiges ]
Ding
[ : ich habe noch nie ein Mädchen in ihrem ]
[ und furchtbar durchtrieben für ihr ]
Alter
[ gesehen , das so schlau wäre ]
[ ]
.
[ « Bessie antwortete nicht ; nach einer Welle ]
[ Dann ]
wandte sie sich
[ ]
[ an mich und setzte hinzu : , Nun denke mal ein bißchen darüber nach , daß es dir nicht zukommt , dich mit dem jungen Herrn und dem gnädigen Fräulein auf eine Stufe ]
zu
[ mir und sagte : » Fräulein ]
[ stellen ]
,
[ Sie sollten doch wissen , daß Sie Mrs . Reed verpflichtet sind , sie erhält Sie . Wenn sie Sie fortschickte , so müßten Sie ]
[ und du ]
ins Armenhaus
[ gehen . « Auf diese Worte fand ich nichts ]
[ wandern müßtest , wenn Frau Reed sich nicht deiner annähme . Wenn du noch länger so schlecht und undankbar bist , wird dich Frau Reed eines schönen Tages fortschicken . Sei also demütig und bescheiden und mache dich nützlich und angenehm . , Und bete vor allem , fügte Abbot bei , , daß dir deine Unart verziehen werde , sonst kommt am Ende ein Gespenst zum Kamin herunter und holt dich . Nach diesen Worten gingen sie und schlossen die Tür ]
zu
[ erwidern ; sie waren mir nicht mehr neu ; so weit ich in meinem Leben zurückdenken konnte , hatte ich Winke desselben Inhalts gehört . Dieser Vorwurf meiner Abhängigkeit war in meinen Ohren fast zum leeren , bedeutungslosen Singsang geworden , sehr schmerzlich und bedrückend , aber nur halb verständlich . Nun fiel auch Miß Abbot ein : » Und Sie sollten auch nicht denken , daß Sie mit den Fräulein Reed und Mr . Reed auf gleicher Stufe stehen , weil Mrs . Reed Ihnen gütig erlaubt , mit ihren Kindern erzogen zu werden . Diese werden einmal ein großes Vermögen haben , und Sie sind arm . Sie müssen demütig und bescheiden sein und versuchen , sich den andern angenehm zu machen . « » Was wir Ihnen sagen , ist zu Ihrem Besten , « fügte Bessie hinzu , ohne in hartem Ton zu reden , » Sie sollten versuchen , sich nützlich und angenehm zu machen , dann würden Sie hier vielleicht eine Heimat finden ; wenn Sie aber heftig und roh und ungezogen werden , so wird Mrs . Reed Sie fortschicken , davon bin ich fest überzeugt . « » Außerdem , « sagte Miß Abbot , » wird Gott Sie strafen . Er könnte Sie mitten in Ihrem Trotz tot zu Boden fallen lassen , und wohin kämen Sie dann ? Kommen Sie , Bessie , wir wollen sie allein lassen : um keinen Preis der Welt möchte ich ihr Herz haben . Sagen Sie Ihr Gebet , Miß Eyre , wenn Sie allein sind ; denn wenn Sie nicht bereuen , könnte etwas Schreckliches durch den Kamin herunterkommen und Sie holen . « Sie gingen und schlossen die Thür hinter sich ab ]
[ ]
. Das rote Zimmer
[ war ein Fremdenzimmer ]
[ ]
, in dem
[ ]
[ ich mich befand , wurde ]
nur
[ selten jemand schlief ; ich könnte beinahe sagen niemals oder nur dann ]
[ benutzt ]
, wenn
[ ein zufälliger Zusammenfluß von Besuchern auf ]
[ Gäste in ]
Gateshead - Hall
[ es notwendig machte , alle Räumlichkeiten des Hauses nutzbar zu machen . Und doch ]
[ weilten ; dennoch ]
war es eins der schönsten
[ und prächtigsten Gemächer ]
[ ]
im Herrenhause .
[ Wie ]
[ Die Mitte nahm ]
ein
[ Tabernakel stand im Mittelpunkt desselben ]
[ großes Mahagoni - Bett ]
ein
[ Bett von massiven Mahagonipfeilern getragen und ]
[ , das ]
mit
[ ]
[ roten ]
Vorhängen
[ von dunkelrotem Damast behängt ]
[ versehen war ]
;
[ die beiden großen Fenster , deren Rouleaux immer herabgelassen waren , wurden durch Gehänge und Faltendraperien ]
[ ]
vom selben Stoffe
[ halb verhüllt ; ]
[ waren auch die Rouleaus an den Fenstern , die Tapeten und ]
der Teppich
[ war rot ; der Tisch am Fußende des Bettes war mit einer hochroten Decke belegt ; die Wände ]
[ . Die Möbel ]
waren
[ mit einem Stoffe behängt , der auf lichtbraunem Grunde ein zartes rosa Muster trug ; die Garderobe , der Toilettetisch , die Stühle waren ]
[ alle ]
aus
[ dunklem , poliertem ]
[ dunkelpoliertem ]
Mahagoni
[ angefertigt ]
[ ]
.
[ Aus diesen düsteren Schatten erhoben sich weiß und hoch und glänzend die aufgehäuften Matratzen und Kopfkissen des Bettes ]
[ In dem düstern Ton , den diese Gegenstände verbreiteten ]
,
[ über ]
[ stachen nur ]
die
[ eine ]
[ ]
schneeweiße Decke
[ ]
[ , die über das Bett ]
gebreitet war
[ . Eben so unheimlich stach ein großer ]
[ ]
,
[ gepolsterter , ]
[ und das ]
ebenfalls
[ weißer Lehnstuhl ]
[ weiße Polster eines großen Lehnstuhls ]
hervor , der
[ am Kopfende des Bettes stand und vor dem sich ein Fußschemel befand ; ]
[ mir ]
damals
[ erschien er mir ]
[ ]
wie ein geisterhafter Thron
[ ]
[ erschien ]
.
[ Das Zimmer war dumpf , weil nur selten ein Feuer in demselben angezündet wurde ; es ]
[ Es ]
war still
[ ]
[ hier oben ]
,
[ weil es weit ]
[ denn das Zimmer lag abseits ]
von der
[ Kinderstube ]
[ Küche ]
und den
[ Küchen entfernt lag ; ]
[ bewohnten Räumen . Mir wurde bald recht ]
unheimlich
[ ]
[ zumute ]
,
[ weil ]
[ indem ]
ich
[ wußte ]
[ daran dachte ]
,
[ daß fast niemals jemand dasselbe betrat ]
[ wie selten diese Stube betreten wurde ]
. Nur
[ am ]
[ alle ]
Sonnabend
[ kam das Hausmädchen hierher ]
[ stieg Bessie herauf ]
, um
[ den stillen ]
[ ]
Staub
[ einer Woche von den Möbeln und den Spiegeln ]
[ ]
zu wischen ; und
[ in langen Zwischenräumen kam auch Mrs . ]
[ hin und wieder weilte Frau ]
Reed
[ hierher ]
[ hier ]
, um den Inhalt einer gewissen
[ Schieblade ]
[ Schatulle ]
zu
[ revidieren ]
[ prüfen ]
,
[ in welcher sich verschiedene ]
[ die ihre Papiere und ]
Urkunden ,
[ ihre Juwelenschatulle ]
[ ihren Schmuck ]
und ein
[ Miniaturbild ]
[ Bildnis ]
ihres verstorbenen Gatten
[ befand . In diesen letzten Worten liegt das Geheimnis des roten Zimmers ]
[ enthielt Denn in diesem Zimmer war Herr Reed ]
,
[ der Zauberbann ]
[ mein Onkel ]
,
[ weshalb ]
[ gestorben . Das war nun neun Jahre her . Unwillkürlich legte ich mir die Frage vor , ob ]
es
[ trotz seiner Pracht so einsam und verlassen war . Mr . Reed war seit neun Jahren tot ; in diesem Gemache ]
[ mir wohl besser erginge , wenn dieser Mann noch lebte , den ich nie kennen gelernt ]
hatte
[ er seinen letzten Atemzug gethan ; hier lag er aufgebahrt ; von hier hatten die Leichenträger ihn hinausgetragen – und seit jenem Tage hatte ein Gefühl trauriger Weihe jeden unberufenen Besucher von seiner Schwelle fern gehalten . Der Sitz , auf welchen Bessie und die bitterböse Miß Abbot mich gebannt hatten , war eine niedrige Ottomane , welche nahe dem weißen Marmorkamin stand ; das Bett türmte sich vor mir auf ; zu meiner Rechten befand sich ein hoher dunkler Garderobenschrank , auf dessen Tafelwerk sich die leisen , düsteren Lichter brachen ; zu meiner Linken waren die verhängten Fenster ; ein großer Spiegel zwischen denselben wiederholte die totesstille Majestät des Bettes und des Zimmers ]
[ ]
. Ich
[ war nicht ganz sicher , ob sie die Thür zugeschlossen hatten ; und als ich wieder Mut genug hatte , um mich zu bewegen , stand ich auf und ging um nachzusehen . Ach ja ! Keine Kerkerthür war jemals sicherer verschlossen ! Als ich wieder an die Ottomane zurückging , mußte ich an dem Spiegel vorüber , mein gebannter Blick bohrte sich unwillkürlich in die Tiefe desselben ein . In ihm sah alles noch kühler und hohler und düsterer aus als in Wirklichkeit , und die seltsame , kleine Gestalt , die mir aus ihm entgegenblickte , mit weißem Gesicht und Armen , die grell aus der Dunkelheit hervorleuchteten , mit Augen , die vor Furcht hin ]
[ wußte ]
-
[ und herrollten ]
[ woher ]
,
[ wo sonst alles bewegungslos war – diese kleine Gestalt sah aus , wie ein wirkliches Gespenst ; ich dachte an eins jener zarten Phantome , halb Elfe , halb Kobold , wie sie in Bessies Dämmerstunden - Geschichten aus einsamen , wilden Schluchten und düsteren Mooren hervorkamen und sich dem Auge des nächtlichen Wanderers zeigten . Ich kehrte auf meinen Sitz zurück . In diesem Augenblick bemächtigte der Aberglaube sich meiner , aber die Stunde seines vollständigen Sieges über mich war noch nicht gekommen : mein Blut war noch warm ; die Wut des empörten Sklaven erhitzte mich noch mit ihrer ganzen Bitterkeit ; ich hatte noch einen wilden Strom von Gedanken an die Vergangenheit zu bändigen , bevor ich mich ganz dem Jammer über die trostlose Gegenwart hingeben konnte . Wie der schmutzige Bodensatz aus einem trüben Brunnen , so stieg aus meinem bewegten , aufgeregtem Gemüt alles an die Oberfläche meines Empfindens : John Reeds wilde Tyrannei , die hochmütige Gleichgültigkeit seiner Schwestern , die Abneigung seiner Mutter , die Parteilichkeit der Dienstboten ! Weshalb mußte ich stets leiden , stets mit verächtlichen Blicken angesehen werden , immer beschuldigt , immer verurteilt werden ? Weshalb konnte ich niemals etwas recht machen ? Weshalb war es immer nutzlos , wenn ich versuchte , irgend eines Menschen Gunst zu erringen ? Man hatte Achtung vor Eliza , die doch so eigensinnig und selbstsüchtig war . Jedermann hatte Nachsicht mit Georgina , die stets übelgelaunt und trotzig und frech war . Ihre Schönheit , ihre rosigen Wangen und goldigen Locken schienen jeden zu entzücken , der sie anblickte und ihr Vergebung für all ihre Mängel und Fehler zu erkaufen . John wurde niemals bestraft , niemand widersprach ihm jemals , obgleich er den Tauben die Hälse umdrehte , die jungen Hühner umbrachte , die Hunde auf die Schafe hetzte , den Weinstock im Treibhause seiner Trauben beraubte und von den seltensten Pflanzen die Knospen abriß ; er nannte seine Mutter sogar » liebe Alte « ; nahm durchaus keine Rücksicht auf ihre Wünsche ; zerriß und beschmutzte ihre seidenen Kleider nicht selten , – und doch war er » ihr einziger Liebling « . Ich wagte niemals , einen Fehler zu begehen ; ich bemühte mich stets , meine Pflicht zu thun , und mich nannte man unartig und unerträglich , mürrisch und hinterlistig , vom Morgen bis zum Mittag , vom Mittag bis zum Abend . Mein Kopf schmerzte noch und blutete nach dem erhaltenen Schlage und dem Falle , welchen ich gethan ; niemand hatte John einen Verweis erteilt , weil er mich grundlos geschlagen ; aber weil ich mich gegen ihn aufgelehnt hatte , um seiner weiteren unvernünftigen , besinnungslosen Heftigkeit zu entgehen , hatten alle mich mit den lautesten Schmähungen überhäuft . » Ungerecht ! – ungerecht ! « sagte meine Vernunft , welcher die fortwährende , qualvolle Aufreizung eine frühzeitige , wenn auch vorübergehende Kraft verliehen hatte ; und die Entschlossenheit , welche auch geweckt war , ließ mich allerhand Mittel ersinnen , um eine Flucht aus diesem schier unerträglich gewordenen Drucke zu bewerkstelligen – ich dachte daran , auf und davon zu laufen , oder wenn dies nicht möglich , wenigstens niemals wieder Speise und Trank zu mir zu nehmen und auf diese Weise zu Tode zu hungern . Wie bestürzt war meine Seele an diesem traurigen Nachmittag ! Wie erregt war mein Gemüt , wie furchtbar empört mein Herz ! Aber in welcher Düsterheit , welcher Verblendung , welcher unglaublichen Unwissenheit wurde dieser Seelenkampf ausgekämpft ! Ich hatte keine Antwort auf die sich mir unaufhörlich aufdrängende Frage , weshalb ich so viel leiden mußte . Jetzt nach Verlauf von – nein , ich will ]
[ kann ich ]
nicht sagen
[ , von wie vielen Jahren – habe ich die Antwort gefunden ! Ich war ein Mißton in Gateshead ]
[ ]
-
[ Hall . Ich war ein Nichts an diesem Orte ; ich hatte keine Gemeinschaft mit Mrs . ]
[ daß ]
Reed
[ oder ihren Kindern oder ihren bezahlten Vasallen . Sie liebten mich nicht ]
[ ]
,
[ und in der That , ich liebte sie ebensowenig . Es war auch nicht ihre Pflicht , mit Liebe auf ein Geschöpf zu blicken , welches mit keiner einzigen Seele sympathisieren konnte ; ein heterogenes Geschöpf , welches ihr direktes Gegenteil in Temperament , in Fähigkeiten und Neigungen war ; ein nutzloses Geschöpf , welches ihrem Interesse nicht dienen , zu ihrem Vergnügen nichts beitragen konnte ; ein strafbares Geschöpf , welches die Keime der Empörung über die ihm widerfahrende Behandlung in sich nährte , ein Geschöpf , das die tiefste Verachtung für ihren Verstand , ihr Urteilsvermögen nährte . Ich weiß wohl , daß , wenn ich ein sanguinisches , geistreiches , herrisches , schönes , wildes Kind gewesen wäre – wenn auch ebenso abhängig und freundlos – so würde Mrs . Reed meine Gegenwart in liebenswürdigerer Weise ertragen haben ; ihre Kinder hätten für mich ein freundlicheres Gefühl der Gemeinsamkeit gehegt ; die Dienstboten wären weniger geneigt gewesen , mich zum Sündenbock der Kinderstube zu machen . Das Tageslicht begann aus dem roten Zimmer zu schwinden ; es war nach vier Uhr , und auf den bewölkten Nachmittag folgte die trübe Dämmerung . Ich hörte , wie der Regen noch unaufhörlich gegen das Fenster der Treppe schlug , wie der Wind in den Laubgängen hinter dem Herrenhause heulte ; nach und nach wurde ich so kalt wie Marmor , und dann begann mein Mut zu sinken . Die gewöhnliche Stimmung des Gedemütigtseins , Zweifel an mir selbst , hilflose Traurigkeit bemächtigten sich meiner und fielen dämpfend auf die Asche meiner dahinschwindenden Wut . Alle sagten ja , daß ich boshaft sei – vielleicht war es der Fall , denn hatte ich nicht soeben den Gedanken gehegt , mich zu Tode zu hungern ? Das war doch gewiß ein Verbrechen : denn war ich bereit zu sterben ? oder war das Gewölbe unter der Kanzel in der Kirche von Gateshead ein so einladendes Ende ? In diesem Gewölbe lag Mr . Reed begraben , wie man mir gesagt hatte ; dieser Gedanke führte mich dazu , sein Andenken herauf zu beschwören ; und mit wachsendem Grauen verweilte ich bei demselben . Ich konnte mich seiner nicht erinnern ; aber ich wußte , daß er mein Onkel gewesen , – ]
[ ]
der einzige Bruder meiner Mutter
[ – daß er mich in sein Haus aufgenommen ]
[ ]
,
[ als ich ein armes , elternloses Kind gewesen ; und daß er noch in seinen letzten Augenblicken Mrs . Reed ]
[ auf dem Sterbebette seiner Frau ]
das Versprechen abgenommen hatte ,
[ ]
[ für ]
mich
[ ]
[ zu sorgen , ]
wie
[ ihr eigenes Kind ]
[ für ihre eigenen Kinder . Ich wußte auch , er hatte mich als ganz kleines Kindchen in sein Haus aufgenommen , als seine Schwester , meine Mutter , gestorben war . Sie hatte gegen den Willen ihrer Eltern einen armen Prediger geheiratet und war von ihrem Vater verstoßen , von ihrem Bruder aber heimlich unterstützt worden . Mein Vater starb bald nach der Eheschließung , und meine Mutter folgte ihm binnen Jahresfrist . An das alles mußte ich nun denken , und ich fragte mich , ob wirklich Frau Reed , meine Tante , das ihrem Gatten gegebene Versprechen hielte . Weshalb durfte Hans sich alles gegen mich erlauben , weshalb durften seine Schwestern mich mit vornehmer Gleichgültigkeit behandeln , weshalb hegte Frau Reed selbst eine so große Abneigung gegen mich ? Nichts konnte ich recht machen , beim geringsten Versehen wurde ich mit Schmähungen überhäuft . Elisa konnte eigensinnig und selbstsüchtig , Georgina trotzig und launenhaft sein , Hans durfte die Haustiere quälen , die schönsten Früchte von den Obstbäumen nehmen , die Blumenbeete verwüsten ihnen war alles erlaubt , wurde alles nachgesehen . Ich aber gab mir alle Mühe , meine Pflicht ]
zu
[ erziehen ]
[ tun , ]
und
[ zu versorgen ]
[ trotzdem nannte man mich unartig , hinterlistig , mürrisch und schalt mich vom Mor gen bis zum Abend ]
.
[ Mrs ]
[ Damals fand ich freilich auf diese Fragen keine Antwort : jetzt nach vielen Jahren aber habe ich sie gefunden ]
.
[ ]
[ Ich war ein Mißton in Gateshead - Hall ; ich war dort ganz am falschen Plate . Ich hatte keine innere Gemeinschaft mit Frau ]
Reed
[ war höchstwahrscheinlich der Überzeugung ]
[ ]
,
[ daß ]
[ ihren Kindern und ihrem Dienstpersonal . Sie liebten mich nicht , und ich liebte ]
sie
[ dieses Versprechen gehalten habe ]
[ ebensowenig . Kein Fädchen Sympathie konnte sich zwischen uns spinnen ]
,
[ und so weit ihre Natur ihr dies erlaubte , hatte sie es auch gethan ; aber wie sollte sie denn auch ]
[ wir waren ]
in
[ Wirklichkeit für einen Eindringling Liebe hegen ]
[ Temperament ]
,
[ der nicht zu ihrer Familie gehörte ]
[ in Fähigkeiten , in Gefühlen ]
und
[ ]
[ Neigungen grundverschieden . Der Kopf schmerzte mich noch ]
nach dem
[ Tode ihres Gatten durch keine Bande mehr ]
[ Wurf mit dem Buche , und niemand hatte Hans getadelt , daß er mich grundlos mißhandelte , vielmehr wurde ich hier oben eingesperrt , weil ich mich gegen ihn verteidigt hatte . - - , Wie ungerecht ! ’ sprach ich zu mir selbst . Es wurde dunkel im roten Zimmer . Draußen herrschte Dämmerung , und Regen schlug ]
an
[ sie gekettet war ? Es mußte allerdings ärgerlich sein , sich durch ein unter solchen Umständen gegebenes Versprechen genötigt zu sehen , einem fremden Kinde , ]
[ ]
das
[ sie nicht lieben konnte , die Eltern zu ersetzen , und es ertragen zu müssen , daß eine unsympathische Fremde sich unaufhörlich in ihren Familienkreis drängte ]
[ Fenster ]
.
[ Eine sonderbare Idee ]
[ Mir wurde kalt , der Mut sank , und tiefe Traurigkeit ]
bemächtigte sich meiner
[ . ]
[ ; und indem ich auf das im Halblicht verschwimmende Zimmer , auf die dunkeln Wände blickte , beschlich mich heimliches Grauen , ]
Ich
[ zweifelte nicht – hatte es niemals bezweifelt – daß Mr . Reed ]
[ weinte und schluchzte ]
,
[ wenn er am Leben geblieben , mich mit Güte behandelt haben würde ; und jetzt , als ich ]
[ und je mehr ich mich gewaltsam beruhigen wollte , um ]
so
[ dasaß ]
[ größer wurde meine Aufregung . Ich vergrub das Gesicht in den Händen ]
und
[ ]
[ überließ mich kraftlos meinem Gram . Nach einer Weile aber sah ich ]
auf
[ die dunklen Wände und das weiße Bett blickte , zuweilen auch wie gebannt ein Auge auf den trübe blinkenden Spiegel warf – da begann ich mich an das zu erinnern , was ich von Toten gehört hatte , die im Grabe keine Ruhe finden konnten , weil man ihre letzten Wünsche unerfüllt gelassen , und jetzt auf die Erde zurückkehrten , um die Meineidigen zu strafen und die Bedrückten zu rächen ; ich dachte , wie Mr . Reeds Geist , gequält durch das Unrecht , welches man dem Kinde seiner Schwester zufügte , seine Ruhestätte verließ – entweder in dem Gewölbe der Kirche oder in dem unbekannten Lande der Abgeschiedenen – und in diesem Zimmer vor mir erscheinen könne . Ich trocknete meine Thränen und unterdrückte mein Schluchzen ; denn ich fürchtete , daß diese lauten Äußerungen meines Grams eine übernatürliche Stimme zu meinem Troste erwecken oder aus dem mich umgebenden Dunkel ein Antlitz mit einem Heiligenschein hervorleuchten lassen könne , das sich mit wundersamem Mitleid über mich beugte . Dieser Gedanke , der in der Theorie vielleicht ganz trostreich , würde entsetzlich sein , wenn er zur Wirklichkeit werden könnte , das fühlte ich : mit aller Gewalt versuchte ich , ihn zu unterdrücken – ich bemühte mich , ruhig und gefaßt zu sein . Indem ich mir das Haar von Stirn und Augen strich , erhob ich den Kopf und versuchte in dem dunklen Zimmer umher zu blicken : in diesem Augenblick sah ich den Wiederschein eines Lichtes ]
[ . Da bemerkte ich ]
an der Wand
[ ! – War es vielleicht ]
[ einen Lichtschein , ]
der
[ Mondesstrahl ]
[ sich bewegte ]
,
[ ]
[ an ]
der
[ durch eine Öffnung in dem Vorhang drang , fragte ich mich ? Nein , die Mondesstrahlen waren ruhig und dies Licht bewegte sich ; während ich noch hinblickte , glitt es zur ]
[ ]
Decke
[ hinauf ]
[ hinaufglitt ]
und
[ erzitterte über ]
[ dann übet ]
meinem Kopfe
[ ]
[ her ]
,
[ Jetzt kann ich freilich begreifen , daß dieser Lichtstreifen aller Wahrscheinlichkeit nach der Schimmer einer Laterne war , welche jemand ]
[ die ]
über den
[ freien Platz vor dem Hause trug ]
[ Hof getragen wurde ]
;
[ aber ]
[ doch ]
damals
[ ]
[ konnte ich mir sein Erscheinen nicht erklären ]
,
[ mit dem auf Schrecken ]
[ ]
und
[ Entsetzen vorbereiteten Gemüt , mit ]
[ große Angst befiel mich bei seinem Anblick . Er war in ]
meinen
[ vor Aufregung bebenden Nerven , hielt ich den sich schnell bewegenden Strahl für den Herold einer Erscheinung , die ]
[ Augen ein Gespenst ]
aus einer
[ anderen ]
[ andern ]
Welt
[ zu mir kam . Mein Herz pochte laut ]
[ ]
,
[ mein Kopf wurde heiß ; in meinen Ohren spürte ]
[ und ]
ich
[ ein Brausen , ]
[ hatte wirklich ]
das
[ ich für ]
[ Gefühl , als wenn Flügel durch ]
das
[ Rauschen der Flügel hielt ; ein Etwas schien ]
[ Zimmer rauschten und ]
sich mir
[ zu nähern ; ich fühlte mich bedrückt , erstickt ; mein Widerstandsvermögen gab ]
[ näherten . Ich rang ]
nach
[ ; ]
[ Luft , ]
ich
[ ]
[ wollte schreien , konnte aber keinen Laut hervorbringen . Ich ]
stürzte
[ auf die Thür zu ]
[ zur Tür ]
und rüttelte
[ mit verzweifelter Anstrengung am Schlosse ]
[ an der Klinke ]
.
[ Eilende ]
[ Gleich darauf hörte ich ]
Schritte
[ kamen durch den äußeren Korridor daher ; ]
[ , ]
der Schlüssel wurde
[ im Schlosse umgedreht ]
[ herumgedreht ]
,
[ ]
[ und ]
Bessie und
[ Miß ]
[ ]
Abbot traten ein .
[ » Miß Eyre ]
[ ]
,
[ sind Sie ]
[ Johanna , bist du ]
krank ?
[ « ]
[ ' ]
fragte Bessie .
[ » Welch ]
[ , Was für ]
ein
[ fürchterlicher ]
[ ]
Lärm ! Ich bin
[ ganz außer mir ]
[ zu Tode erschrocken ]
!
[ « rief ]
[ ' setzte ]
Abbot
[ aus ]
[ hinzu ]
.
[ » ]
[ , ]
Nehmt mich mit hinaus
[ ]
[ , ich will in die Kinderstube ]
!
[ Laßt mich in die Kinderstube gehen ! « ]
[ ' ]
schrie ich
[ ununterbrochen ]
[ in einem fort ]
.
[ » ]
[ , ]
Weshalb denn ?
[ ]
[ rief Bessie . , ]
Ist
[ Ihnen irgend ]
[ ]
etwas geschehen ?
[ Haben Sie etwas gesehen ]
[ Hast du was gesehn ]
?
[ « fragte Bessie wiederum . » O ]
[ Ja ]
,
[ ich sah ]
[ ]
ein Licht
[ und ich meinte , daß ]
[ es war ]
ein Geist
[ kommen würde . « Ich hatte mich jetzt Bessies Hand bemächtigt ]
[ ! rief ich . , Ach was , Bessie ]
,
[ und sie entwand sie mir nicht ]
[ ' sagte Abbot , , das ist Komödie ]
.
[ » ]
[ ]
Sie hat
[ mit Absicht so geschrieen , « erklärte Abbot mit einigem Abscheu . » Und welch ein Geschrei ! Wenn sie große Schmerzen gehabt hätte , so könnte man es noch entschuldigen , aber sie wollte weiter nichts , als ]
[ ]
uns
[ alle herbeilocken . Ich ]
[ bloß herrufen wollen , ich ]
kenne
[ ]
[ schon ]
ihre
[ bösen Streiche schon ]
[ Schliche ]
.
[ « » Was giebt es denn hier ? « fragte eine andere Stimme gebieterisch ; und Mrs . ]
[ Frau ]
Reed kam mit flatternden Haubenbändern und wehendem Kleide
[ durch den Korridor daher ]
[ herbeigelaufen . ]
,
[ » Abbot und Bessie ]
[ Was gibt es ? fragte sie . ]
,
[ ich glaube , daß ich ]
[ Ich habe doch befohlen , Johanna nicht ohne meinen ausdrücklichen ]
Befehl
[ gegeben habe , Jane Eyre in dem roten Zimmer zu lassen ]
[ heraus plassen . ]
,
[ bis ich selbst sie holen würde ? « » Miß Jane schrie ]
[ Sie hat ]
so laut
[ ]
[ geschrien ]
, Madame ,
[ « ]
[ ]
wandte Bessie
[ zögernd ]
[ ]
ein .
[ » Laßt sie los ]
[ ]
,
[ « war die einzige Antwort . » ]
[ ]
Laß Bessies Hand los ,
[ Kind : verlaß dich darauf ]
[ Johanna ! gebot Frau Reed barsch . ]
,
[ auf ]
[ Auf ]
diese Weise
[ wirst ]
[ erreichst ]
du
[ nicht hinaus gelangen ]
[ nichts , das sage ich dir ]
.
[ Ich verabscheue solche ]
[ Solche ]
List , besonders bei Kindern
[ ; es ]
[ , ]
ist
[ meine Pflicht , dir ]
[ ]
zu
[ beweisen ]
[ verabscheuen , und ich muß dich fühlen lassen ]
, daß du mit
[ derartigen ]
[ solchen ]
Ränken
[ und Schlichen ]
[ ]
nicht weit kommst .
[ Jetzt wirst du ]
[ Du bleibst jetzt ]
noch eine
[ ganze ]
[ ]
Stunde
[ hierbleiben ]
[ hier ]
, und
[ ]
[ dann lasse ich dich ]
auch
[ dann gebe ich dich ]
[ ]
nur
[ frei ]
[ unter der Bedingung heraus ]
,
[ wenn ]
[ daß ]
du
[ ]
[ ganz ruhig und unterwürfig sein wirst . , O , Tante , habe doch Erbarmen und verzeih ]
mir
[ das Versprechen giebst , vollkommen ruhig und unterwürfig zu sein , « » O , Tante , hab Erbarmen ! Vergieb mir doch ! Ich kann , ich kann es nicht ertragen ]
[ ]
.
[ – Bestrafe ]
[ Oder bestrafe ]
mich
[ doch ]
[ ]
auf andere Weise
[ ]
[ - ich halte es hier nicht länger aus . , Ruhe ]
!
[ Ich komme um , wenn – – « » Sei still ! Diese Heftigkeit ]
[ Ein so ungestümes Betragen ]
ist
[ ganz widerlich und ]
[ geradezu ]
empörend
[ ! « und ohne Zweifel hegte ]
[ , antwortete ]
sie
[ ]
[ . Und sie mochte wohl ]
auch
[ Abscheu gegen mein Betragen . In ihren Augen war ich ]
[ tatsächlich Anstoß an meinem Wesen nehmen und mich für ]
eine frühreife
[ Schauspielerin ; sie sah in der That auf mich wie auf eine Zusammensetzung der heftigsten Leidenschaften , eines niedrigen , gemeinen Geistes und gefährlicher Falschheit . Als Bessie und Abbot sich zurückgezogen hatten , warf Mrs ]
[ Komödiantin halten ]
.
[ Reed , die meiner wilden Angst und meines lauten Schluchzens wohl müde geworden sein mochte , ]
[ Sie stieß ]
mich
[ rasch ]
[ ]
in das Zimmer zurück und schloß mich ohne
[ weitere Erklärungen und Worte ]
[ weiteres ]
wieder ein . Ich hörte
[ noch , wie ]
[ ]
sie
[ davon rauschte ]
[ hinwegeilen ]
;
[ und ]
[ ]
bald
[ nachdem sie gegangen war , ]
[ darauf ]
muß ich in
[ Krämpfe verfallen ]
[ Ohnmacht gefallen ]
sein
[ : Bewußtlosigkeit machte der Scene ein Ende ! Drittes Kapitel ]
[ ]
.
[ Dann erinnerte ich mich an nichts mehr ]
[ Ich weiß nicht , was nachher geschah ]
. Als ich erwachte ,
[ war es mit dem Gefühl eines schrecklichen Alpdrückens , vor mir sah ich eine unheimliche rote Glut , von der sich dicke , schwarze Stangen abhoben . Ich hörte Stimmen , die hohl an mein Ohr klangen , als würden sie durch das Rauschen des Wassers oder Toben des Windes übertönt , Aufregung , Ungewißheit und ein alles beherrschendes Gefühl des Entsetzens hielt alle meine Sinne gefangen . Es vergingen nur wenige Augenblicke , und dann gewahrte ich , daß jemand mich berührte , mich aufhob und mich in eine sitzende Stellung brachte , und zwar viel zärtlicher und sorgsamer , als mich bis jetzt irgend jemand gestützt oder emporgehoben hatte . Ich lehnte meinen Kopf gegen einen Arm oder ein Polster und fühlte mich unendlich wohl . Noch fünf Minuten und die Wolken der Bewußtlosigkeit begannen zu schwinden . Jetzt wußte ich sehr wohl , daß ]
[ lag ]
ich in meinem eigenen
[ Bette lag ]
[ Bett in der Kinderstube ]
, und
[ daß die rote Glut nichts anderes war , als das ]
[ ein helles ]
Feuer
[ ]
[ brannte ]
im Kamin
[ der Kinderstube ]
[ ]
.
[ Es war Nacht , eine Kerze brannte auf dem Tische ; Bessie stand am Fußende meines Bettes und hielt eine Waschschüssel in der Hand , ein Herr saß auf einem Lehnstuhle neben mir und beugte sich über mich . Ich empfand eine unbeschreibliche Erleichterung , eine wohlthuende Überzeugung der Sicherheit und des Beschütztseins , als ich sah , daß sich ein Fremder im Zimmer befand , ein Mensch , der nicht zum Haushalt von Gateshead , nicht zu den Verwandten von Mrs . Reed gehörte . – Mich von Bessie abwendend – obgleich ihre Gegenwart mir weit weniger unangenehm war , als mir zum Beispiel Abbots Gesellschaft gewesen wäre – prüfte ich die Gesichtszuge des Herrn ; ich kannte ihn , es war Mr . Lloyd , ein Apotheker , den Mrs . Reed zuweilen rufen ließ , wenn ihre Dienstboten krank waren . Für sich selbst und ihre Kinder nahm sie immer nur die Hilfe des Arztes in Anspruch . » Nun , wer bin ich ? « fragte er . Ich sprach seinen Namen aus und streckte ihm zu gleicher Zeit meine Hand entgegen ; er nahm sie , lächelte und sagte : » Ah , wir werden uns jetzt langsam erholen . « Dann legte er mich nieder , wandte sich zu Bessie , empfahl ihr , sehr vorsichtig zu sein und mich während der Nacht nicht zu stören . Nachdem er noch weitere Weisungen erteilt und gesagt hatte , daß er am folgenden Tage wiederkommen würde , ging er fort ; zu meiner größten Betrübnis ; während er auf dem Stuhl neben meinem Kopfkissen saß , fühlte ich mich so beschützt , so sicher , und als die Thür sich hinter ihm schloß , wurde das ganze Zimmer dunkel und mein Herz verzagte von neuem , es unterlag der Last eines unbeschreiblichen Grams . » Glauben Sie , daß Sie schlafen können , Miß ? « fragte Bessie mich ungewöhnlich sanft . Kaum wagte ich , ihr zu antworten , denn ich fürchtete , daß ihre nächsten Worte wieder rauh klingen würden . » Ich will es versuchen , « sagte ich leise . » Möchten Sie nicht irgend etwas essen oder trinken ? « » Nein , ich danke , Bessie . « » Nun , dann werde ich auch schlafen gehen , denn es ist schon nach Mitternacht ; aber Sie können mich rufen , wenn Sie während der Nacht irgend etwas brauchen . « Welche seltene Höflichkeit ! Sie ermutigte mich , eine Frage zu stellen . » Bessie , was ist denn mit mir geschehen ? Bin ich sehr krank ? « » Ich vermute , daß Sie vor Schreien im roten Zimmer krank geworden sind ; aber Sie werden ohne Zweifel bald wieder ganz gesund sein . « Bessie ging in das anstoßende Zimmer der Hausmädchen . Ich hörte , wie sie dort sagte : » Sarah , komm und schlaf bei mir in der Kinderstube , und wenn es mein Leben gälte , so könnte ich diese Nacht nicht mit dem armen Kinde allein bleiben ; es könnte sterben ! Wie sonderbar , daß Miß Jane einen solchen Anfall haben mußte ! Ich mochte doch wissen , ob sie irgend etwas gesehen hat . Mrs . Reed war dieses Mal aber auch zu hart gegen sie . « Sarah kam mit ihr zurück ; beide gingen zu Bett ; sie flüsterten wenigstens noch eine halbe Stunde mit einander , bevor sie einschliefen . Ich hörte einige Bruchstücke ihrer Unterhaltung , und aus diesen schloß ich auf den Hauptgegenstand ihrer Diskussion . » Etwas ist an ihr vorübergeschwebt , ganz in Weiß gekleidet , dann ist es verschwunden . « – – » Ein großer , schwarzer Hund hinter ihm . « – » Dreimal hat es laut an der Zimmerthür geklopft , « – Ein Licht auf dem Friedhofe gerade über seinem Grabe « – u . s . w . , u , s . w . Endlich schliefen beide ein . Feuer und Licht erloschen . In schaurigem Wachen ging die Nacht für mich langsam hin ; Entsetzen und Angst hielten Ohren , Augen und Sinne wach . – Entsetzen und Angst , wie nur Kinder es zu empfinden imstande sind . Diesem Zwischenfall im roten Zimmer folgte keine lange , ernste , körperliche Krankheit ; nur eine heftige Erschütterung meiner Nerven , deren Widerhall ich noch bis auf den heutigen Tag empfinde . Ja , Mrs . Reed , Ihnen verdanke ich gar manchen qualvollen Schmerz der Seele . Aber ich sollte Ihnen verzeihen , denn Sie wußten nicht , was Sie thaten , während Sie jede Faser meines Herzens zerrissen , glaubten Sie nur meine bösen Neigungen und Anlagen zu ersticken . ]
[ ]