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[ Erster Teil . Erstes Kapitel . Es war ganz unmöglich , ]
[ Ich befand mich ]
an
[ diesem Tage einen Spaziergang zu machen . Am Morgen waren wir allerdings während ]
[ einem regnerischen Nachmittage in ]
einer
[ ganzen Stunde in den blätterlosen ]
[ tiefen Fensternische verborgen ]
,
[ jungen Anpflanzungen umhergewandert ; aber seit dem Mittagessen – Mrs . Reed speiste stets zu früher Stunde , wenn keine Gäste zugegen waren – hatte der kalte Winterwind so düstere , schwere Wolken und einen so durchdringenden Regen heraufgeweht , daß von weiterer Bewegung in frischer Luft nicht mehr die Rede sein konnte . Ich war von Herzen froh darüber : lange Spaziergänge , besonders an frostigen Nachmittagen , waren mir stets zuwider : – ein Greuel war es mir , in der rauen Dämmerstunde nach Hause zu kommen , mit fast erfrorenen Händen und Füßen , – mit ]
[ wo ich auf meinen gekreuzten Beinen saß und in ]
einem
[ Herzen ]
[ großen Buche blätterte ]
, das
[ durch das Schelten Bessie ' s , der Kinderwärterin , bis zum Brechen schwer war , – gedemütigt durch das Bewußtsein , physisch so tief unter Eliza , John und Georgina Reed zu stehen . Die soeben erwähnten Eliza , John und Georgina hatten sich in diesem Augenblick ]
[ ich mir aus der Bibliothek ]
im Salon
[ um ihre Mama versammelt : diese ruhte auf einem Sofa in der Nähe des Kamins und umgeben von ihren Lieblingen , die zufälligerweise in diesem Moment weder zankten noch schrieen , sah sie vollkommen glücklich aus . Mich ]
[ geholt ]
hatte
[ sie davon dispensiert , mich der Gruppe anzuschließen , indem sie sagte , daß es sie tief unglücklich mache , gezwungen zu sein , mich fern zu halten ; daß sie mich aber von Vorrechten ausschließen müsse , zu deren Genuß nur zufriedene , glückliche , kleine Kinder berechtigt seien , und daß sie mir erst verzeihen würde , wenn sie sowohl durch eigene Wahrnehmung wie durch Bessie ' s Worte zu der Überzeugung gelangt sein würde , daß ich in allem Ernst versuche , mir anziehendere und freundlichere Manieren , einen kindlicheren , geselligeren Charakter – ein leichteres , offenherzigeres , natürlicheres Benehmen anzueignen . » Was sagt denn Bessie , daß ich gethan habe ? « fragte ich . » Jane , ich liebe weder Spitzfindigkeiten noch Fragen ; außerdem ist es gradezu widerlich , wenn ein Kind ältere Leute in dieser Weise zur Rede stellt . Augenblicklich setzest du dich irgendwo hin und schweigst , bis du freundlicher und liebenswürdiger reden kannst . « An das Wohnzimmer stieß ein kleines Frühstückszimmer : ich schlüpfte hinein . Hier stand ein großer Bücherschrank . Bald hatte ich mich eines großen Bandes bemächtigt , nachdem ich mich zuerst vorsichtig vergewissert hatte , daß er Bilder enthalte . Ich stieg auf den Sitz in der Fenstervertiefung , zog die Füße nach und kreuzte die Beine wie ein Türke ; dann zog ich die dunkelroten Moiree - Vorhänge fest zusammen und saß so in einem doppelten Versteck . Scharlachrote Draperien schlossen mir die Aussicht zur rechten Hand ; links befanden sich die großen , klaren Fensterscheiben , die mich vor dem düstern Novembertag wohl schützten , mich aber nicht von ihm trennten . In kurzen Zwischenräumen , wenn ich die Blätter meines Buches wendete , fiel mein Blick auf das Bild dieses winterlichen Nachmittags . In der Ferne war nichts als ein blasser , leerer Nebel , Wolken ; im Vordergrunde der feuchte , freie Platz vor dem Hause , vom Winde entlaubte Gesträuche , und ein unaufhörlicher vom Sturm wildgepeitschter Regen . Ich kehrte zu meinem Buche zurück – Bewicks Geschichte von Englands gefiederten Bewohnern ; im allgemeinen kümmerte ich mich wenig um den gedruckten Text des Werkes , und doch waren da einige einleitende Seiten , welche ich , obgleich nur ein Kind , nicht gänzlich übergehen konnte ]
[ ]
. Es waren
[ jene , ]
[ ]
die
[ ]
[ „Vögel Englands ]
von
[ ]
[ Bowick“ . Ich betrachtete mit bewunderungsvoller Aufmerksamkeit die schönen colorirten Kupferstiche , und wenn meine Augen von dem Buche aufblickten , suchten sie entweder die schweren grauen Wolken , die der Wind vor sich hertrieb , oder ]
den
[ Verstecken der Seevögel handelten , von jenen einsamen Felsen und Klippen , welche nur ]
[ traurigen Anblick eines noch laublosen und vom Wasser triefenden Gartens . Plötzlich wurde die Thür des Speisesaales mit Geräusch geöffnet und eine wohlbekannte Stimme schreckte mich auf . „Hierher , Schläferin ! “ rief mein liebenswürdiger Vetter , hielt aber inne , als er Niemanden in dem scheinbar leeren Zimmer erblickte . „Wo Teufel mag ]
sie
[ allein bewohnen , von der Küste Norwegens , die von ihrer äußersten südlichen Spitze , dem Lindesnäs bis zum Nordkap mit Inseln besäet ist . Wo der nördliche Ozean , in wildem Wirbel Um die nackten , öden Inseln tobt Des ultima Thule ; und das atlantische Meer Sich stürmisch zwischen die Hebriden wälzt . Auch konnte ich nicht unbeachtet lassen , was dort stand von den düsteren Küsten Lapplands , Sibiriens , Spitzbergens , Novazemblas , Islands , Grönlands , mit dem weiten Bereich der arktischen Zone und jenen einsamen Regionen des öden Raums – jenem Reservoir von Eis und Schnee , wo fest gefrorene Felder – die Anhäufung von Jahrhunderten von Wintern – alpine Höhen auf Höhen erfroren , den Nordpol umgeben und die vervielfachte Strenge der äußersten Kälte konzentrieren . Von diesen todesweißen Regionen machte ich mir meinen eigenen Begriff : schattenhaft , wie all jene nur halb verstandenen Gedanken , die eines Kindes Hirn kreuzen , aber einen seltsam tiefen Eindruck hinterlassend . Die Worte dieser einleitenden Seiten verbanden ]
[ ]
sich
[ mit den darauf folgenden Vignetten und gaben allen eine Bedeutung : jenem Felsen , der aus einem Meer von Wellen und Wogenschaum emporragte ; dem zertrümmerten Boote , das an traurig wüster Küste gestrandet ; dem kalten , geisterhaften Monde , der durch düstere Wolkenmassen auf ein sinkendes Wrack herabblickt . Ich weiß nicht mehr , mit welchem Empfinden ich auf den stillen , einsamen Friedhof mit seinem beschriebenen Leichenstein sah , auf jenes Thor , die beiden Bäume , den niedrigen Horizont , der durch eine zerfallene Mauer begrenzt war , auf die schmale Mondessichel , deren Aufgang die Stunde der Abendflut bezeichnete . Die beiden Schiffe , welche auf regungsloser See von einer Windstille befallen werden , hielt ich für Meergespenster . Über den Unhold , welcher das Bündel des Diebes auf dessen Rücken fest band , eilte ich flüchtig hinweg ; er war ein Gegenstand des Schreckens für mich . Und ein gleiches Entsetzen flößte mir das schwarze , gehörnte Etwas ein , das hoch auf einem Felsen saß und in weiter Ferne eine Menschenmasse beobachtete , die einen Galgen umgab . Jedes Bild erzählte eine Geschichte : oft war diese für meinen unentwickelten Verstand geheimnisvoll , meinem unbestimmten Empfinden unverständlich , – stets aber flößte sie mir das tiefste Interesse ein : dasselbe Interesse , mit welchem ich den Erzählungen Bessie ' s horchte , wenn sie zuweilen an Winterabenden in guter Laune war ; dann pflegte sie ihren Plätttisch an das Kaminfeuer der Kinderstube zu bringen , erlaubte uns , unsere Stühle an denselben zu rücken , und während sie dann Mrs . Reeds Spitzenvolants bügelte und die Spitzen ihrer Nachthauben kräuselte , ergötzte sie unsere Ohren mit Erzählungen von Liebesgram und Abenteuern aus alten Märchen und noch älteren Balladen , oder – wie ich erst viel später entdeckte – aus den Blättern von Pamela , und Henry , Graf von Moreland . Mit Bewick auf meinen Knieen war ich damals glücklich : glücklich wenigstens auf meine Art . Ich fürchtete nichts als eine Unterbrechung , eine Störung – und diese kam nur zu bald . Die Thür zum Frühstückszimmer wurde geöffnet . » Bah , Frau Träumerin ! « ertönte John Reeds Stimme ; dann hielt er inne ; augenscheinlich war er erstaunt , das Zimmer leer zu finden . » Wo zum Teufel ist sie denn ]
[ versteckt haben ]
?
[ « ]
[ “ ]
fuhr er fort
[ , » Lizzy ]
[ . „Lizzy ]
!
[ Georgy ]
[ George ]
!
[ « rief er seinen ]
[ ( dies waren seine ]
Schwestern
[ zu , » Joan ]
[ ) Jane ]
ist
[ ]
[ also ]
nicht hier .
[ Sagt doch ]
[ ]
Mama
[ ]
[ glaubt ]
,
[ daß ]
[ ]
sie
[ in den ]
[ ist im ]
Regen
[ hinaus gelaufen ist – das böse Tier ! « » Wie gut ]
[ ausgegangen ]
,
[ daß ich ]
[ die nichtswürdige kleine Hexe . “ Dieser Eingang ermuthigte mich nicht , zum Vorschein zu kommen und ich verhielt mich daher ganz still , indem ich glaubte , Master John , dessen physischer und moralischer Scharfblick auf gleicher Höhe standen , werde mich in meinem Versteck nicht auffinden . Aber Elisa kam auf seinen Ruf herbei und leitete ihn sehr bald auf meine Spur . Ich konnte nicht mehr zurückweichen , ich schob daher ]
den Vorhang
[ zusammengezogen habe ]
[ zurück ]
,
[ « dachte ich ; ]
[ der mich verhüllte ]
und
[ dann wünschte ich inbrünstig ]
[ , das nervöse Zittern , das mich bereits ergriffen hatte ]
,
[ daß ]
[ unter einem Schein kalter Ruhe verbergend , erschien ich vor meinem jungen Tyrannen . „Was willst Du von mir ? “ fragte ich ihn in einem Tone , aus welchem schon Mißtrauen hervorblickte . „Was willst Du von mir , Master Reed ? “ wiederholte ]
er
[ mein Versteck nicht entdecken möge ; John Reed selbst würde es auch niemals entdeckt haben ; er war langsam ]
[ ]
,
[ sowohl von Begriffen wie in seinem Wahrnehmungsvermögen ; aber Eliza steckte den Kopf zur Thür hinein und sagte sofort : » Sie ist gewiß wieder in ]
[ einen besonderen Nachdruck auf ]
die
[ Fenstervertiefung gekrochen , sieh nur nach , Jack , « Ich trat sofort heraus , denn ich zitterte bei dem Gedanken , daß der erwähnte Jack mich hervorzerren würde ]
[ beiden letzten Worte legend ]
.
[ » Da bin ich , was wünscht Ihr ? « fragte ich ]
[ „So mußt Du ]
mit
[ schlecht erheuchelter Gleichgültigkeit ]
[ mir sprechen ]
.
[ » Sag : was wünschen Sie , Mr . Reed , « lautete seine Antwort . » ]
[ ]
Ich will ,
[ daß du ]
[ Du sollst ]
hierher
[ kommst , « und indem ]
[ kommen . Indem ]
er
[ ]
[ sich ]
in
[ einem ]
[ einen großen ]
Lehnstuhl
[ Platz nahm ]
[ warf ]
,
[ gab ]
[ winkte ]
er mir
[ durch eine Geste zu verstehen ]
[ ]
,
[ daß ich ]
[ . ]
näher
[ kommen ]
[ zu treten ]
und vor
[ ihn treten solle ]
[ ihm stehen zu bleiben ]
. John
[ Reed ]
[ ]
war
[ ]
[ damals ]
ein
[ Schuljunge ]
[ plumper Bursche ]
von
[ ]
[ etwa ]
vierzehn Jahren
[ ; vier Jahre älter als ich ]
[ ]
,
[ denn ich war erst zehn Jahr alt ; groß ]
[ von zugleich robusten ]
und
[ stark für sein Alter ]
[ ungesundem Aussehen ]
, mit
[ einer unreinen ]
[ bleicher ]
,
[ ungesunden Hautfarbe ; große Züge in einem breiten Gesicht ]
[ fahler Gesichtsfarbe ]
,
[ schwerfällige Gliedmaßen und große Hände und Füße . Gewöhnlich pflegte er sich bei Tische so vollzupfropfen , daß er gallig wurde ; das machte seine Augen trübe und seine Wangen schlaff . Eigentlich hätte er jetzt in der Schule sein müssen , aber seine Mama hatte ihn für ein bis zwei Monate nach Hause geholt » seiner zarten Gesundheit wegen « . Mr . Miles , der Direktor der Schule versicherte , daß es ihm außerordentlich gut gehen würde , wenn man ihm nur weniger Kuchen und Leckerbissen von Hause schicken wollte ; aber das Herz der Mutter empörte sich bei einer so roh ausgesprochenen Meinung und neigte mehr zu der feineren und zarteren Ansicht , daß Johns blaßgelbe Farbe von Überanstrengung beim Lernen ]
[ überhaupt allen äußeren Merkmalen der zügellosen Unmäßigkeit im Essen . Er aß in der That unglaublich viel , ]
und
[ vielleicht auch von Heimweh herrühre . – John hegte wenig Liebe für ]
[ ]
seine Mutter
[ und seine Schwestern ]
[ ]
,
[ und eine starke Antipathie gegen mich . Er quälte und bestrafte mich ; ]
[ welche stets um die , wie sie sagte , äußerst zarte Körperconstitution dieses verzogenen Knaben besorgt war , konnte ihm gleichwohl die täglichen Ausschweifungen im Genusse von Speisen ]
nicht
[ zwei - oder dreimal in der Woche ]
[ verbieten ]
,
[ nicht ein - oder zweimal am Tage ]
[ die seinen nichts weniger als zarten Organismus erschlafften . Gewöhnt ]
,
[ sondern fortwährend und unaufhörlich ; jeder Nerv in mir fürchtete ihn ]
[ mich dem Willen dieses Menschen zu unterwerfen ]
,
[ und jeder Zollbreit Fleisch auf meinen Knochen schauderte und zuckte , wenn er in meine Nähe kam . Es gab Augenblicke , wo der Schrecken , den er mir einflößte , ]
[ dessen bloßer Anblick einen peinlichen Eindruck auf ]
mich
[ ganz besinnungslos ]
[ ]
machte
[ ; denn ich hatte niemanden ]
[ ]
,
[ der mich gegen seine Drohungen und seine Thätlichkeiten verteidigte ; die Dienerschaft wagte es nicht , ihren jungen Herren zu beleidigen , indem sie für mich gegen ihn Partei ergriff , und Mrs . Reed war in diesem Punkte blind und taub : sie sah niemals , wenn er mich schlug , sie hörte niemals , wenn er mich beschimpfte , obgleich er beides gar oft in ihrer Gegenwart that : häufiger zwar noch hinter ihrem Rücken . Aus Gewohnheit gehorchte ich John auch dieses Mal und ]
[ ]
näherte
[ mich seinem Stuhl : ungefähr zwei bis drei Minuten brachte er damit zu , mir seine Zunge so weit entgegenzustrecken , wie er es ohne Gefahr für seine Zungenbänder bewerkstelligen konnte ; ich fühlte , daß er mich jetzt gleich schlagen würde , und obgleich ich eine tödliche Angst vor dem Schlage empfand , vermochte ich doch über die ekelerregende und häßliche Erscheinung des Burschen , der denselben austeilen würde , meine Betrachtungen anzustellen . Ich weiß nicht , ob er diese Gedanken auf meinem Gesichte las , denn plötzlich ]
[ ich mich ihm ]
, ohne ein Wort zu sagen
[ , schlug ]
[ . Er heftete seine Augen auf die meinigen und als ]
er
[ heftig und brutal auf mich los ]
[ sah , daß sich diese nicht zu Boden senkten , schnitt er mir ein abscheuliches Gesicht , der gewöhnliche Vorbote seiner Mißhandlungen ]
. Ich
[ taumelte ; dann gewann ich das Gleichgewicht wieder und trat einige ]
[ ahnte , daß er mich schlagen würde , aber ich weiß nicht , welche geheime Kraft mich unbeweglich bleiben ließ , indem ich mit kalter Geringschätzung dieses häßliche Gesicht betrachtete . Wahrscheinlich verstand er diese stumme Sprache , denn er zögerte nicht länger , mir einen so heftigen Faustschlag zu geben , daß ich einen oder zwei ]
Schritte
[ von seinem Stuhl zurück ]
[ zurücktaumelte und Mühe hatte , mich auf den Füßen zu erhalten ]
.
[ » Das ]
[ „Das ]
ist für
[ die Frechheit , daß du vor einer Weile gewagt hast , Mama eine Antwort zu geben ]
[ Dein ungebürliches Benehmen , nicht zu antworten ]
,
[ « ]
[ wenn ich Dich rufe , “ ]
sagte er
[ ]
[ zu mir ]
,
[ » und daß du gewagt hast , dich ]
[ „und für Dein schlangenartiges Verkriechen ]
hinter
[ den Vorhang zu verkriechen ]
[ unsere Vorhänge ]
,
[ und ]
[ so wie ]
für den
[ Blick ]
[ verbissenen Zorn ]
,
[ den ich vor ]
[ der seit ]
zwei
[ ]
[ langen ]
Minuten
[ in deinen ]
[ aus Deinen ]
Augen
[ gewahrte ]
[ spricht ]
,
[ du Ratze , du ! « An Johns Beschimpfungen gewöhnt , fiel es mir niemals ein , irgend ]
[ boshafte Spinne . “ Ich entgegnete nie ]
etwas auf
[ dieselben zu erwidern ; ich dachte nur daran , wie ich ]
[ John Reeds Schimpfworte , denn ich war immer damit beschäftigt , mich auf ]
den Schlag
[ ertragen sollte ]
[ gefaßt zu machen ]
, der
[ unfehlbar auf die Schimpfworte ]
[ ihnen ]
folgen
[ würde ]
[ konnte ]
.
[ » Was hast du da hinter dem Vorhange gemacht ]
[ „Was machtest Du dort ]
?
[ « ]
[ ]
fragte er weiter
[ ]
[ , indem er nach dem Fenster zeigte , an welchem ich eine so traurige und zugleich angenehme Stunde zugebracht hatte ]
.
[ » Ich habe gelesen ]
[ „Ich las ]
.
[ « » Zeige ]
[ “ „Zeige ]
mir das Buch .
[ « ]
[ “ ]
Ich
[ ging an das Fenster zurück und ]
[ ]
holte es
[ ]
[ herbei . „Ich will Dich lehren . “ fuhr er fort in meinen Bibliotheken herumzustöbern und meine Bücher zu besudeln , kleine Betteldirne . Geh dorthin , neben den Spiegel . . . nicht so nahe ans Fenster . Ich hatte den Zweck dieses Befehls anfangs nicht errathen . Als ich mich aber an der bezeichneten Stelle befand , wurde mir Alles klar , denn ich sah , wie er den dicken Band , den ich ihm gebracht hatte , emporhob und in der Luft schwenkte . Mit einem Angstschrei sprang ich auf die Seite , aber es war zu spät . John hatte richtig gezielt . Das Buch traf mich an die Stirn und ich fiel gegen die Thür , deren Kante mir die Haut verletzte . Ich fühlte einen empfindlichen Schmerz und als ich die Hand , mit der ich mechanisch nach meiner Wunde gegriffen , wieder zurückzog , war sie mit Blut befleckt . Eine unwiderstehliche Entrüstung folgte dem Gefühle , das mich anfangs beherrscht hatte . Und da ich damals die römische Geschichte las , da ich John Reed oft im Stillen mit Nero , Caligula und andern , fast eben so verabscheungswürdigen Tyrannen verglichen hatte , so rief ich aus : „Du bist ein böser und grausamer Mensch . . . Tu gleichst einem Mörder . . . einem Sklavenhändler . . . den Kaisern ]
von
[ dort ]
[ Rom ! “ Diese Beleidigung mußte John Reed überraschen ]
.
[ » ]
[ Sie erbitterteihn auf ' s Höchste und in rasender Wuth stürzte er auf mich zu . Ich fühlte , daß er mich zugleich bei den Schultern und bei den Haaren faßte . Einige warme Blutstropfen flossen über meinen Hals : mein glühender Kopf , meine iu diesem Augenblicke heftigeren Schmerzen , ganz besonders aber der Gedanke , daß ich ein wirkliches Ungeheuer , ähnlich den Kaisern Goldsmiths vor mir hatte , raubten mir alle Selbstbeherrschung . Ich leistete einen verzweifelten und siegreichen Widerstand , ohne zu wissen , welche Rolle meine Nägel und vielleicht auch meine Zähne dabei spielten . Bald sah sich Master John in die Nothwendigkeit versetzt , um Hülfe zu rufen . Sobald der Ton seiner Stimme in das Nebenzimmer drang , kamen die beiden vertrautesten Dienerinnen der Mistreß Reed herbei und als ihnen mit großer Mühe gelungen war , uns zu trennen , , vernahm ich die rauhe und kreischende Stimme meiner Tante , welche den Lärm übertönte . „Mutter , sieh nur , wie Jane mich zugerichtet hat“ - - - rief John ihr entgegen - - - sie hat mich geschlagen , gekratzt und gebissen , und - - was meinst Du , weshalb ? Weil ich ihr verbot , mir meine Bücher zu verderben . „Der Bube hat ohne Veranlassung mich arg gemißhandelt ! “ - - - wollte ich entgegnen , aber meine Stimme wurde von der meiner . Tante übertönt . „Wie , ]
Du hast
[ kein Recht ]
[ Dich unterstanden , Dich an meinen Sohn thätlich zu vergreifen ? Ist das der Respekt , den Du ihm schuldig bist ? Ist das der Dank für die Wohlthaten , die wir Dir gewähren ? “ Sie ließ mich nicht zu Worte kommen . „In die rothe Kammer ! “ rief sie , „schließt sie ein und lasst sie dort ! “ Ich hätte nie geglaubt ]
,
[ unsere Bücher ]
[ daß ich mich je gegen diese gefürchtete Stimme auflehnen könnte . Aber in diesem Augenblicke gab es auf der ganzen Welt keinen Herrn für mich , und nur mit Gewalt brachte man mich aus dem Zimmer , in welchem der eben erzählte Auftritt stattgefunden hatte . Selbst in der rothen Kammer , als ich auf einen Stuhl gesetzt worden war , wollte ich wieder aufspringen und den Kampf mit meinem Vetter erneuern . Die beiden Dienerinnen wußten nicht mehr , welchen Heiligen sie anrufen und wie sie die wüthende Katze bändigen sollten , die ihnen soviel ]
zu
[ nehmen ]
[ schaffen machte . Endlich hatte die Eine von ihnen einen glücklichen Einfall ]
;
[ du bist eine Untergebene , hat Mama gesagt ; du hast kein Geld ; dein Vater hat dir keins hinterlassen ; eigentlich solltest du betteln ]
[ es war Bessie , das einzige Wesen das mir in diesem fluchwürdigen Hause zuweilen Beweise von einer Art Freundschaft gegeben hatte . „Wenn Sie sich noch länger sträuben , Miß , “ sagte sie zu mir , „so müssen wir Sie binden . Miß Abbot , “ setzte sie hinzu , „leihen Sie mir doch ihre Strumpfbänder , denn die meinigen würde sie bald zerreißen . “ Miß Abbot wendete sich um ]
und
[ hier nicht mit ]
[ löste die mir bestimmten Fesseln von ]
den
[ Kindern eines Gentleman ]
[ kräftigen Pfeilern ]
,
[ wie wir es sind , zusammen leben , und dieselben Mahlzeiten essen wie wir , und Kleider tragen , die unsere Mama dir kaufen muß . Nun , ich werde dich lehren , zwischen meinen Büchern umherzustöbern , denn sie gehören mir , und das ganze Haus gehört mir , oder wird mir wenigstens in einigen Jahren gehören . Geh und stell dich an die Thür ; nicht vor den Spiegel oder die Fenster . « Ich that , wie mir geheißen , ohne eine Ahnung von seiner Absicht zu haben ; als ich aber gewahrte , daß er das Buch emporhob und mit demselben zielte , sprang ich instinktiv zur Seite und stieß einen Schreckensschrei aus ; jedoch nicht schnell genug ; das Buch wurde geschleudert , es traf mich , und ich fiel , indem ich mit dem Kopf gegen die Thür schlug und mich verletzte . Die Wunde blutete , der Schmerz war heftig ; mein Entsetzen war über den Höhepunkt hinausgegangen ; andere Empfindungen bemächtigten sich meiner . » Du böser , grausamer Bube ! « schrie ich , » Du bist wie ein Mörder – du bist wie ein Sklaventreiber – du bist wie die römischen Kaiser ! « Ich hatte Goldsmiths Geschichte Roms gelesen und mir meine eigene Ansicht über Nero , Caligula und andere gebildet . Im Stillen hatte ich Vergleiche gezogen , welche laut zu äußern allerdings niemals meine Absicht gewesen , » Was ! Was ! « schrie er , » Hat sie das zu mir gesagt ? Habt ]
[ auf denen ]
ihr
[ es gehört , Eliza und Georgina ? Das will ich der Mama erzählen ! – Aber erst noch – – « Er stürzte auf mich zu : ich fühlte , wie er mein Haar und meine Schulter faßte ; er kämpfte mit einem verzweifelten Geschöpfe ]
[ gewaltiger Körper ruhte ]
. Ich sah
[ wirklich in ihm ]
[ ]
einen
[ Tyrannen ]
[ neuen Schimpf voraus ]
,
[ – einen Mörder ]
[ woran der Gedanke mich empörte und mir eine gewisse gezwungene Ruhe gab ]
.
[ Dann fühlte ich , wie einzelne Blutstropfen von meinem Kopfe auf den Hals herabfielen , und empfand einen stechenden Schmerz : diese Empfindungen siegten für den Augenblick über die Furcht und ich trat ihm in wahnsinniger Wut entgegen . Was ich mit meinen Händen that , kann ich jetzt ]
[ „Bemühen Sie sich ]
nicht
[ mehr sagen ]
[ ]
,
[ aber er schrie fortwährend » Ratze ! Ratze ! « und brüllte aus Leibeskräften . Hilfe war ihm nahe : Eliza und Georgina waren gelaufen , um Mrs . Reed zu holen , die nach oben gegangen war . Jetzt erschien sie auf der Scene , und ihr folgten Bessie und ihre Kammerjungfer Abbot . Man trennte uns : dann vernahm ich die Worte : » Du liebe Zeit ! Du liebe Zeit ! Welch eine Furie , so auf Mr . John loszustürzen ! « » Hat man jemals ein so leidenschaftliches Geschöpf gesehen ! « – Dann fügte Mrs . Reed hinzu : » Führt sie in das rote Zimmer und schließt sie dort ein . « Vier Hände bemächtigten sich meiner sofort und man trug mich nach oben . Zweites Kapitel Auf dem ganzen Wege leistete ich Widerstand ; dies war etwas Neues und ein Umstand , der viel dazu beitrug , Bessie und ]
[ ]
Miß Abbot
[ in der schlechten Meinung zu bestärken ]
[ ! “ rief ich aus ]
,
[ welche diese ohnehin schon ]
[ „ich verspreche Ihnen , mich nicht ]
von
[ mir hegten . Thatsache ist , daß ich vollständig außer mir war , wie die Franzosen zu sagen pflegen ; ich wußte sehr wohl , daß die Empörung dieses einen Augenblicks mir schon außergewöhnliche Strafen zugezogen haben mußte , und wie viele andere rebellische Sklaven war ich in meiner Verzweiflung fest entschlossen , bis ans Äußerste zu gehen . » Halten Sie ihre Arme , Miß Abbot ; sie ist wie eine wilde Katze . « » Schämen Sie sich ! Schämen Sie sich ! « rief die Kammerjungfer . » Welch ein abscheuliches Betragen , Miß Eyre , einen jungen Gentleman zu schlagen ! Den Sohn Ihrer Wohlthäterin ! Ihren jungen Herrn ! « » Herr ! Wie ist er mein Herr ? Bin ich denn eine Dienerin ? « » Nein . Sie sind weniger als eine Dienerin , denn Sie thun nichts , Sie arbeiten nicht für Ihren Unterhalt . Da ! Setzen Sie sich und denken Sie über Ihre Schlechtigkeit und Bosheit nach ! « Inzwischen hatten sie mich in das von Mrs . Reed bezeichnete Gemach gebracht und mich auf einen Stuhl geworfen ; mein erster Impuls war , wie eine Sprungfeder wieder von demselben empor ]
[ der Stelle ]
zu
[ schnellen ; vier Hände hielten mich jedoch augenblicklich wieder wie mit eisernen Klammern ]
[ rühren ]
.
[ » Wenn Sie nicht still sitzen , werden wir Sie festbinden , « sagte Bessie . » Miß Abbot , borgen Sie mir Ihre Strumpfbänder ; die meinen würde sie augenblicklich zerreißen . « Miß Abbot wandte sich ab , um ein starkes Bein von den notwendigen Banden zu befreien . Diese Vorbereitungen , um mir Fesseln anzulegen , und die neue Schande , die dies für mich bedeutete , diente dazu , meine Aufregung ein wenig zu mindern . » Nehmen Sie sie nicht ab , « schrie ich , » ich werde ganz still sitzen . « Um ihnen für dies Versprechen eine Garantie zu bieten , hielt ]
[ “ Zur Bekräftigung meines Versprechens klammerte ]
ich mich mit beiden Händen an
[ meinem Sitz ]
[ dem Stuhle ]
fest
[ . » Das möchte ich Ihnen auch raten ]
[ ]
,
[ « sagte ]
[ auf den ich wider meinen Willen gesetzt worden war . ]
Bessie
[ ; und als sie sich überzeugt hatte ]
[ sah ]
, daß ich
[ wirklich anfing , mich zu beruhigen , ließ sie mich los ; dann stellten sie ]
[ im Ernst sprach ]
und
[ Miß Abbot sich mit gekreuzten Armen vor mich und blickten finster und zweifelnd in mein Gesicht , als glaubten sie nicht an meinen gesunden Verstand , » Das hat sie bis jetzt noch niemals gethan , « sagte endlich Bessie zu Abigail gewendet . » Aber ]
[ ]
es
[ hat schon lange in ihr gesteckt , « lautete die Antwort . » Ich habe der gnädigen Frau schon oft meine Meinung über das Kind gesagt , und sie hat mir auch beigestimmt . Sie ist ein verstecktes , kleines Ding : ich habe noch nie ein Mädchen in ihrem Alter gesehen , das so schlau wäre . « Bessie antwortete nicht ; nach einer Welle wandte sie sich zu mir und sagte : » Fräulein , Sie sollten doch wissen , daß Sie Mrs . Reed verpflichtet sind , sie erhält Sie . Wenn sie Sie fortschickte , so müßten Sie ins Armenhaus gehen . « Auf diese Worte fand ich nichts zu erwidern ; sie waren mir ]
[ war daher ]
nicht mehr
[ neu ; so weit ich in meinem Leben zurückdenken konnte ]
[ die Rede davon , mich zu binden . Die beiden Mädchen hielten es nun für angemessen , mir eine lange Predigt zu halten über mein thörichtes Benehmen und über die Nothwendigkeit ]
,
[ hatte ich Winke desselben Inhalts gehört . Dieser Vorwurf meiner Abhängigkeit ]
[ daß ich mich , da ich arm und schutzlos ]
war
[ in meinen Ohren ]
[ , dem Willen derjenigen unterwerfen müsse , die mir Brot gaben . In trotzigem Stillschweigen und ohne meine ]
fast
[ zum leeren ]
[ herrische Stellung zu verändern ]
,
[ bedeutungslosen Singsang geworden , sehr schmerzlich und bedrückend , aber nur halb verständlich . Nun fiel auch Miß Abbot ein : » Und Sie sollten auch nicht denken , daß Sie ]
[ hörte ich Alles ]
mit
[ den Fräulein Reed und Mr ]
[ an ]
.
[ Reed auf gleicher Stufe stehen , weil Mrs . Reed Ihnen gütig erlaubt , mit ihren Kindern erzogen zu werden . Diese werden einmal ein großes Vermögen haben , und Sie sind arm . Sie müssen demütig und bescheiden sein und versuchen , sich den andern angenehm zu machen . « » Was wir Ihnen sagen , ist zu Ihrem Besten , « fügte Bessie hinzu , ohne in hartem Ton zu reden , » Sie sollten versuchen , sich nützlich und angenehm zu machen , dann würden Sie hier vielleicht eine Heimat finden ; wenn Sie aber heftig und roh und ungezogen werden , so wird Mrs . Reed Sie fortschicken , davon bin ich fest überzeugt . « » Außerdem , « sagte Miß Abbot , » wird Gott Sie strafen . Er könnte Sie mitten in Ihrem Trotz tot zu Boden fallen lassen , und wohin kämen Sie dann ? Kommen Sie , Bessie , wir wollen sie allein lassen : um keinen Preis der Welt möchte ich ihr Herz haben . Sagen Sie Ihr Gebet , Miß Eyre , wenn Sie allein sind ; denn wenn Sie nicht bereuen , könnte etwas Schreckliches durch den Kamin herunterkommen und Sie holen . « ]
[ ]
Sie gingen
[ ]
[ endlich ]
und
[ schlossen ]
[ verschlossen ]
die Thür
[ hinter sich ab ]
[ . Die Augenblicke , welche auf ihre Entfernung folgten , habe ich nicht vergessen ]
. Das
[ rote ]
[ rothe ]
Zimmer war ein
[ Fremdenzimmer ]
[ großes ]
,
[ in dem nur ]
[ ]
selten
[ jemand schlief ; ich könnte beinahe sagen niemals oder nur dann , wenn ein zufälliger Zusammenfluß von Besuchern auf ]
[ bewohntes Ge mach , denn Besuche waren in ]
Gateshead - Hall
[ es notwendig machte , alle Räumlichkeiten des Hauses nutzbar zu machen ]
[ eben nicht häufig ]
.
[ Und doch war es eins der schönsten und prächtigsten Gemächer im Herrenhause . Wie ]
[ In der Mitte dieses öden und stillen Zimmers , das etwas Majestätisches hatte , wie das Tabernakel eines jüdischen Tempels , stand auf massiven , dunkelbraunen Mahagonyfüßen ]
ein
[ Tabernakel stand im Mittelpunkt desselben ein ]
[ großes ]
Bett
[ von massiven Mahagonipfeilern getragen und ]
[ , ]
mit Vorhängen von
[ dunkelrotem ]
[ rothem ]
Damast
[ behängt ; die beiden großen Fenster ]
[ . Gardinen von dem nämlichen Stoffe und der nämlichen Farbe hingen vor den zwei hohen Fenstern ]
, deren
[ Rouleaux immer herabgelassen waren , ]
[ Läden nie geschlossen ]
wurden
[ durch Gehänge ]
[ . Der Fußboden war mit einem rothen Teppich bedeckt , über den vor dem Bett stehenden Tisch war ein ähnliches Tuch gebreitet ]
und
[ Faltendraperien vom selben ]
[ die Wände mit einem lichten ]
Stoffe
[ halb verhüllt ; der Teppich war rot ; ]
[ bekleidet , auf dem sich einzelne rothe Streifen befanden . Der Kleiderschrank , ]
der
[ Tisch am Fußende ]
[ Toilettenschrank und die Stühle von altem , dunklen Mahagony glänzten in der Dunkelheit , von der besonders noch zwei Gegenstände grell abstachen : die Matratzen und Kissen ]
des Bettes
[ war ]
[ ]
mit
[ einer hochroten Decke belegt ; die Wände waren ]
[ blendendweißen Ueberzügen , und dann ein Krankenlehnstuhl , ]
mit einem
[ Stoffe behängt , der auf lichtbraunem Grunde ein zartes rosa Muster trug ; die Garderobe , der Toilettetisch , die Stühle waren aus dunklem , poliertem Mahagoni angefertigt . Aus diesen düsteren Schatten erhoben sich weiß ]
[ gleichen Ueberzuge ]
und
[ hoch und glänzend die aufgehäuften Matratzen und Kopfkissen des Bettes , über die eine schneeweiße Decke gebreitet war . Eben so unheimlich stach ein großer ]
[ einem Auftritte ]
,
[ gepolsterter , ebenfalls weißer Lehnstuhl hervor , der am Kopfende des Bettes stand und vor dem sich ein Fußschemel befand ; damals erschien er ]
[ der ]
mir
[ ]
[ in diesem feierlichen Augenblicke ]
wie ein
[ geisterhafter Thron ]
[ „bleicher Thron“ erschien ]
.
[ Das ]
[ Es war empfindlich kalt in diesem ]
Zimmer
[ war dumpf ]
[ ]
,
[ weil nur selten ]
[ wo nie ]
ein Feuer
[ in demselben ]
[ ]
angezündet wurde
[ ; ]
[ . Da ]
es
[ war still , weil es ]
[ von die Kinderstube und der Küche ziemlich ]
weit
[ von der Kinderstube und den Küchen ]
[ ]
entfernt lag
[ ]
[ , so herrschte fortwährend eine tiefe Stille darin . Endlich war in diesem gespensterhaften Bett mein Oheim vor einigen Jahren verschieden , eine Erinnerung , welche das Schauerliche des mysteriösen Ganzen noch erhöhte . Bald fühlte ich mich beängstigt in diesem öden Raume , der mir ein Grabgewölbe erschien ]
;
[ unheimlich ]
[ ich stand daher von meinem Sitze auf ging nach der Thür ]
,
[ weil ich wußte ]
[ die , wie ich wähnte , vielleicht offen geblieben konnte . Ein kalter Schauder ergriff mich , als ich sah ]
, daß
[ ]
[ sie wirklich fest verschlossen war . Um auf meinen Platz zurückzukehren , mußte ich bei einem großen Spiegel vorüber , in welchem ich schon die geisterhafte Form des weißen Todtenbettes erblickt hatte . Mein Blick versenkte sich unwillkürlich in die trügerischen Tiefen , die er mir darbot , und ich sah nun darin ein wunderliches kleines Geschöpf , das mir die schottischen Feen ins Gedächtniß rief , deren boshafte Streiche mir Bessie erzählte , wenn man uns in der Wäschkammer allein ließ und ich auf ihre Bügeleisen Acht gab . – In diesem kleinen mageren und blassem Geschöpf , dessen scheue Augen blitzten , dessen schwache weiße Arme sich auf dem dunklen Hintergrunde abzeichneten und das eine Art stummes Gebet flüsterte , erkannte ich erst nach einiger Zeit . . . die unglückliche Nichte der Mistreß Reed . Es wurde mir ]
fast
[ niemals jemand dasselbe betrat . Nur am Sonnabend kam das Hausmädchen hierher ]
[ noch ängstlicher zu Muthe ]
,
[ um den stillen Staub einer Woche ]
[ als ich mich mit dieser seltsamen Transfiguration meiner eigenen Person allein sah . Ich sage Ihnen nichts ]
von den
[ Möbeln ]
[ tausend sonderbaren Bildern , die an meiner überreizten Phantasie vorüberzogen ]
und
[ ]
[ welche die heftige Aufregung meines Kopfes und die so lange unterdrückte Empörung meines Herzens in mir hervorriefen . Ich weiß nur , daß eine klare Idee von meiner Lage , von der Ungerechtigkeit , unter der ich seufzte , von der Abneigung , deren unschuldiges Opfer ich war , von meiner kränklichen Häßlicheit , die meinen Verwandten ein Gräuel war , und von meiner angeborenen Menschenscheu , welche noch dadurch vermehrt wurde , daß man mir keine Liebe und keine Aufmunterung zu Theil werden ließ , sich zum ersten Male in meinem Geiste festsetzte . Auch weiß ich noch , daß die äußere Dunkelheit nach und nach die spärlichen Lichtstrahlen verlöschte , die in das rothe Zimmer drangen , daß der Himmel noch fortwährend seine Schmerzensthränen vergoß , daß der Wind traurig in ]
den
[ Spiegeln zu wischen ; ]
[ Bäumen des Parkes seufzte , daß mich allmälig eine entsetzliche Angst ]
und
[ in langen Zwischenräumen kam auch Mrs . ]
[ eine gänzliche Muthlosigkeit ergriffen , und daß einer meiner letzten Gedanken , ehe ich völlig das Bewußtsein verlor , der feste Vorsatz war , auf diesem nämlichen Bette , wo Herr ]
Reed
[ hierher , um den Inhalt einer gewissen Schieblade zu revidieren , in welcher sich verschiedene Urkunden , ihre Juwelenschatulle und ein Miniaturbild ihres verstorbenen Gatten befand . In diesen letzten Worten liegt das Geheimnis des roten Zimmers , der Zauberbann , weshalb es trotz seiner Pracht so einsam und verlassen ]
[ entschlafen ]
war
[ . Mr . Reed war seit neun Jahren tot ; in diesem Gemache hatte er seinen letzten Atemzug gethan ; hier lag er aufgebahrt ; von hier hatten die Leichenträger ihn hinausgetragen – und seit jenem Tage hatte ein Gefühl trauriger Weihe jeden unberufenen Besucher von seiner Schwelle fern gehalten . Der Sitz ]
[ ]
,
[ auf welchen Bessie und die bitterböse Miß Abbot mich gebannt hatten , war eine niedrige Ottomane , welche nahe dem weißen Marmorkamin stand ; das Bett türmte sich vor mir auf ; ]
[ Hungers ]
zu
[ meiner Rechten befand sich ein hoher dunkler Garderobenschrank , auf dessen Tafelwerk sich die leisen , düsteren Lichter brachen ; zu meiner Linken waren die verhängten Fenster ; ein großer Spiegel zwischen denselben wiederholte die totesstille Majestät des Bettes und des Zimmers ]
[ sterben ]
.
[ Ich war nicht ganz sicher , ob sie die Thür zugeschlossen hatten ; und als ich wieder Mut genug hatte , um mich zu bewegen , stand ich auf und ging um nachzusehen . Ach ja ! Keine Kerkerthür war jemals sicherer verschlossen ! Als ich wieder an die Ottomane zurückging , mußte ich an dem Spiegel vorüber , mein gebannter Blick bohrte sich unwillkürlich in die Tiefe desselben ein . In ihm sah alles noch kühler und hohler und düsterer aus als in Wirklichkeit , und die seltsame , kleine Gestalt , die mir aus ihm entgegenblickte , mit weißem Gesicht und Armen , die grell aus der Dunkelheit hervorleuchteten , mit Augen , die vor Furcht hin - und herrollten , wo sonst alles bewegungslos war – diese kleine Gestalt sah aus , wie ein wirkliches Gespenst ; ich dachte an eins jener zarten Phantome , halb Elfe , halb Kobold , wie sie in Bessies Dämmerstunden - Geschichten aus einsamen , wilden Schluchten und düsteren Mooren hervorkamen und sich dem Auge des nächtlichen Wanderers zeigten . Ich kehrte auf meinen Sitz zurück . In diesem Augenblick bemächtigte der Aberglaube sich meiner , aber die Stunde seines vollständigen Sieges über mich war noch nicht gekommen : mein Blut war noch warm ; die Wut des empörten Sklaven erhitzte mich noch mit ihrer ganzen Bitterkeit ; ich hatte noch einen wilden Strom von Gedanken an die Vergangenheit zu bändigen , bevor ich mich ganz dem Jammer über die trostlose Gegenwart hingeben konnte . Wie der schmutzige Bodensatz aus einem trüben Brunnen , so stieg aus meinem bewegten , aufgeregtem Gemüt alles an die Oberfläche meines Empfindens : John Reeds wilde Tyrannei , die hochmütige Gleichgültigkeit seiner Schwestern , die Abneigung seiner Mutter , die Parteilichkeit der Dienstboten ! Weshalb mußte ich stets leiden , stets mit verächtlichen Blicken angesehen werden , immer beschuldigt , immer verurteilt werden ? Weshalb konnte ich niemals etwas recht machen ? Weshalb ]
[ Dann ]
war es
[ immer nutzlos , wenn ich versuchte , irgend eines Menschen Gunst zu erringen ? ]
[ mir . als bewegte sich eine menschliche Gestalt unter der Decke des Geisterbettes . . . dies war der Gnadenstoß für mich . - - - - Es scheint , daß ich ganz ohne Besinnung gefunden wurde und daß ich erst nach langer Zeit aus dieser Betäubung erwachte , in welche mich die Angst versetzt hatte . ]
Man
[ hatte Achtung vor Eliza ]
[ mußte den Arzt rufen ]
,
[ ]
[ ihm ]
die
[ doch so eigensinnig ]
[ meiner Ohnmacht voraufgegangenen Scenen erzählen ]
und
[ selbstsüchtig ]
[ sich wegen der gegen mich angewendeten Strenge rechtfertigen . Dies Alles ]
war
[ . Jedermann hatte Nachsicht mit Georgina ]
[ keineswegs geeignet ]
,
[ die stets übelgelaunt und trotzig und frech war . Ihre Schönheit , ihre rosigen Wangen und goldigen Locken schienen jeden zu entzücken , der sie anblickte und ihr Vergebung für all ihre Mängel und Fehler zu erkaufen . John wurde niemals bestraft , niemand widersprach ihm jemals , obgleich er den Tauben die Hälse umdrehte , die jungen Hühner umbrachte , die Hunde auf die Schafe hetzte , den Weinstock im Treibhause seiner Trauben beraubte und von den seltensten Pflanzen die Knospen abriß ; er nannte seine Mutter sogar » liebe Alte « ; nahm durchaus keine Rücksicht auf ihre Wünsche ; zerriß und beschmutzte ihre seidenen Kleider nicht selten , – und doch war er » ihr einziger Liebling « . Ich wagte niemals , einen Fehler zu begehen ; ich bemühte mich stets , meine Pflicht zu thun , und mich nannte man unartig und unerträglich , mürrisch und hinterlistig , vom Morgen bis zum Mittag , vom Mittag bis zum Abend ]
[ mir das Herz meiner Tante Reed zu gewinnen ]
.
[ Mein Kopf schmerzte ]
[ Wir geriethen ]
noch
[ und blutete nach dem erhaltenen Schlage und dem Falle , welchen ich gethan ; niemand hatte John einen Verweis erteilt , weil er mich grundlos geschlagen ; aber weil ich mich gegen ihn aufgelehnt hatte , um seiner weiteren unvernünftigen , besinnungslosen Heftigkeit zu entgehen , hatten alle mich mit den lautesten Schmähungen überhäuft . » Ungerecht ! – ungerecht ! « sagte meine Vernunft , welcher die fortwährende , qualvolle Aufreizung eine frühzeitige , wenn auch vorübergehende Kraft verliehen hatte ; ]
[ mehrere Male in Streit miteinander ]
und
[ die Entschlossenheit , welche auch geweckt war , ließ mich allerhand Mittel ersinnen , um eine Flucht aus diesem schier unerträglich gewordenen Drucke zu bewerkstelligen – ich dachte daran , auf und davon zu laufen , oder wenn dies nicht möglich , wenigstens niemals wieder Speise und Trank zu mir zu nehmen und auf diese Weise zu Tode zu hungern . Wie bestürzt war meine Seele an diesem traurigen Nachmittag ! Wie erregt war mein Gemüt , wie furchtbar empört mein Herz ! Aber in welcher Düsterheit , welcher Verblendung , welcher unglaublichen Unwissenheit wurde dieser Seelenkampf ausgekämpft ! Ich hatte keine Antwort auf die sich mir unaufhörlich aufdrängende Frage , weshalb ich so viel leiden mußte . Jetzt nach Verlauf von – nein , ich will nicht sagen , von wie vielen Jahren – habe ich die Antwort gefunden ! Ich war ein Mißton in Gateshead - Hall . Ich war ein Nichts an diesem Orte ; ich hatte keine Gemeinschaft mit Mrs . Reed oder ihren Kindern oder ihren bezahlten Vasallen . Sie liebten mich nicht , und in der That , ich liebte sie ebensowenig . Es war auch nicht ihre Pflicht , mit Liebe auf ein Geschöpf zu blicken , welches mit keiner einzigen Seele sympathisieren konnte ; ein heterogenes Geschöpf , welches ihr direktes Gegenteil in Temperament , in Fähigkeiten und Neigungen war ; ein nutzloses Geschöpf , welches ihrem Interesse nicht dienen , zu ihrem Vergnügen nichts beitragen konnte ; ein strafbares Geschöpf , welches die Keime der Empörung über die ihm widerfahrende Behandlung in sich nährte , ein Geschöpf , das die tiefste Verachtung für ihren Verstand , ihr Urteilsvermögen nährte . Ich weiß wohl , daß , wenn ich ein sanguinisches , geistreiches , herrisches , schönes , wildes Kind gewesen wäre – wenn auch ebenso abhängig und freundlos – so würde Mrs . Reed meine Gegenwart in liebenswürdigerer Weise ertragen haben ; ihre Kinder hätten für mich ein freundlicheres Gefühl der Gemeinsamkeit gehegt ; die Dienstboten wären weniger geneigt gewesen , mich zum Sündenbock der Kinderstube zu machen . Das Tageslicht begann aus dem roten Zimmer zu schwinden ; es war nach vier Uhr , und auf den bewölkten Nachmittag folgte die trübe Dämmerung . Ich hörte , wie der Regen noch unaufhörlich gegen das Fenster der Treppe schlug , wie der Wind in den Laubgängen hinter dem Herrenhause heulte ; nach und nach wurde ich so kalt wie Marmor , und dann begann mein Mut zu sinken . Die gewöhnliche Stimmung des Gedemütigtseins , Zweifel an mir selbst , hilflose Traurigkeit bemächtigten sich meiner und fielen dämpfend auf die Asche meiner dahinschwindenden Wut . Alle sagten ja , daß ich boshaft sei – vielleicht war es der Fall , denn hatte ich nicht soeben den Gedanken gehegt , mich zu Tode zu hungern ? Das war doch gewiß ein Verbrechen : denn war ich bereit zu sterben ? oder war das Gewölbe unter der Kanzel in der Kirche von Gateshead ein so einladendes Ende ? In diesem Gewölbe lag Mr . Reed begraben , wie man mir gesagt hatte ; dieser Gedanke führte mich dazu , sein Andenken herauf zu beschwören ; und mit wachsendem Grauen verweilte ich ]
[ ]
bei
[ demselben . Ich konnte mich seiner nicht erinnern ; aber ich wußte , daß er mein Onkel gewesen , – der einzige Bruder meiner Mutter – daß er mich in sein Haus aufgenommen , als ich ein armes , elternloses Kind gewesen ; und daß er noch in seinen letzten Augenblicken Mrs . Reed das Versprechen abgenommen hatte , mich wie ihr eigenes Kind zu erziehen und zu versorgen . Mrs . Reed war höchstwahrscheinlich der Überzeugung , daß sie dieses Versprechen gehalten habe , und so weit ihre Natur ihr dies erlaubte , hatte sie es auch gethan ; aber wie sollte sie denn auch in Wirklichkeit für einen Eindringling Liebe hegen , der nicht zu ihrer Familie gehörte und nach dem Tode ihres Gatten durch keine Bande mehr an sie gekettet war ? Es mußte allerdings ärgerlich sein , sich durch ein unter ]
[ jeder ]
solchen
[ Umständen gegebenes Versprechen genötigt zu sehen , einem fremden Kinde , das sie nicht lieben konnte , die Eltern zu ersetzen , und es ertragen zu müssen , daß eine unsympathische Fremde sich unaufhörlich in ihren Familienkreis drängte . Eine sonderbare Idee bemächtigte sich meiner . Ich zweifelte nicht – hatte es niemals bezweifelt – daß Mr . Reed , wenn er am Leben geblieben , mich mit Güte behandelt haben würde ; und jetzt , als ich so dasaß und auf die dunklen Wände und das weiße Bett blickte , zuweilen auch wie gebannt ein Auge auf den trübe blinkenden Spiegel warf – da begann ich mich an das zu erinnern , was ich von Toten gehört hatte , die im Grabe keine Ruhe finden konnten , weil man ihre letzten Wünsche unerfüllt gelassen , und jetzt auf die Erde zurückkehrten , um die Meineidigen zu strafen und die Bedrückten zu rächen ; ich dachte , wie Mr . Reeds Geist , gequält durch das Unrecht , welches man dem Kinde seiner Schwester zufügte , seine Ruhestätte verließ – entweder in dem Gewölbe der Kirche oder in dem unbekannten Lande der Abgeschiedenen – und in diesem Zimmer vor mir erscheinen könne . Ich trocknete meine Thränen und unterdrückte mein Schluchzen ; denn ich fürchtete , daß diese lauten Äußerungen meines Grams eine übernatürliche Stimme zu meinem Troste erwecken oder aus dem mich umgebenden Dunkel ein Antlitz mit einem Heiligenschein hervorleuchten lassen könne , das ]
[ Gelegenheit steigerte ]
sich mit
[ wundersamem Mitleid über mich beugte . Dieser Gedanke , der in der Theorie vielleicht ganz trostreich , würde entsetzlich sein , wenn er zur Wirklichkeit werden könnte ]
[ meiner Widersetzlichkeit gegen ihren Willen der Haß ]
,
[ das fühlte ich : mit aller Gewalt versuchte ich , ihn zu unterdrücken – ich bemühte mich , ruhig und gefaßt zu sein . Indem ich mir das Haar von Stirn und Augen strich , erhob ich ]
[ ]
den
[ Kopf und versuchte in dem dunklen Zimmer umher zu blicken : in diesem Augenblick sah ich den Wiederschein eines Lichtes an der Wand ! – War es vielleicht der Mondesstrahl , der durch eine Öffnung in dem Vorhang drang , fragte ich mich ? Nein , die Mondesstrahlen waren ruhig und dies Licht bewegte sich ; während ich noch hinblickte , glitt es zur Decke hinauf und erzitterte über meinem Kopfe , Jetzt kann ich freilich begreifen , daß dieser Lichtstreifen aller Wahrscheinlichkeit nach der Schimmer einer Laterne war , welche jemand über den freien Platz vor dem Hause trug ; aber damals , mit dem auf Schrecken und Entsetzen vorbereiteten Gemüt , mit meinen vor Aufregung bebenden Nerven , hielt ich den sich schnell bewegenden Strahl für den Herold einer Erscheinung , die aus einer anderen Welt zu mir kam . Mein Herz pochte laut , mein Kopf wurde heiß ; in meinen Ohren spürte ich ein Brausen , das ich für das Rauschen der Flügel hielt ; ein Etwas schien sich mir zu nähern ; ich fühlte mich bedrückt , erstickt ; mein Widerstandsvermögen gab nach ; ich stürzte auf die Thür zu und rüttelte mit verzweifelter Anstrengung am Schlosse . Eilende Schritte kamen durch den äußeren Korridor daher ; der Schlüssel wurde im Schlosse umgedreht , Bessie und Miß Abbot traten ein . » Miß Eyre , sind Sie krank ? « fragte Bessie . » Welch ein fürchterlicher Lärm ! Ich bin ganz außer mir ! « rief Abbot aus . » Nehmt mich mit hinaus ! Laßt mich in die Kinderstube gehen ! « schrie ich ununterbrochen . » Weshalb denn ? Ist Ihnen irgend etwas geschehen ? Haben Sie etwas gesehen ? « fragte Bessie wiederum . » O , ich sah ein Licht und ich meinte , daß ein Geist kommen würde . « Ich hatte mich jetzt Bessies Hand bemächtigt , und sie entwand sie mir nicht . » Sie hat mit Absicht so geschrieen , « erklärte Abbot mit einigem Abscheu . » Und welch ein Geschrei ! Wenn sie große Schmerzen gehabt hätte , so könnte man es noch entschuldigen , aber sie wollte weiter nichts , als uns alle herbeilocken . Ich kenne ihre bösen Streiche schon . « » Was giebt es denn hier ? « fragte eine andere Stimme gebieterisch ; und Mrs . Reed kam mit flatternden Haubenbändern und wehendem Kleide durch den Korridor daher , » Abbot und Bessie , ich glaube , daß ich Befehl gegeben habe , Jane Eyre in dem roten Zimmer zu lassen , bis ich selbst sie holen würde ? « » Miß Jane schrie so laut , Madame , « wandte Bessie zögernd ein . » Laßt sie los , « war die einzige Antwort . » Laß Bessies Hand los , Kind : verlaß dich darauf , auf diese Weise wirst du nicht hinaus gelangen . Ich verabscheue solche List , besonders bei Kindern ; es ist meine Pflicht , dir zu beweisen , daß du mit derartigen Ränken und Schlichen nicht weit kommst . Jetzt wirst du noch eine ganze Stunde hierbleiben , und auch dann gebe ich dich nur frei , wenn du mir das Versprechen giebst , vollkommen ruhig und unterwürfig zu sein , « » O , Tante , hab Erbarmen ! Vergieb mir doch ! Ich kann , ich kann es nicht ertragen . – Bestrafe mich doch auf andere Weise ! Ich komme um , wenn – – « » Sei still ! Diese Heftigkeit ist ganz widerlich und empörend ! « und ohne Zweifel hegte sie auch Abscheu gegen mein Betragen . In ihren Augen war ich eine frühreife Schauspielerin ; sie sah in der That auf mich wie auf eine Zusammensetzung der heftigsten Leidenschaften , eines niedrigen , gemeinen Geistes und gefährlicher Falschheit . Als Bessie und Abbot sich zurückgezogen hatten , warf Mrs . Reed , die meiner wilden Angst und meines lauten Schluchzens wohl müde geworden sein mochte , mich rasch in das Zimmer zurück und schloß mich ohne weitere Erklärungen und Worte wieder ein . Ich hörte noch , wie sie davon rauschte ; und bald nachdem sie gegangen war , muß ich in Krämpfe verfallen sein : Bewußtlosigkeit machte der Scene ein Ende ! Drittes Kapitel . Dann erinnerte ich mich an nichts mehr . Als ich erwachte , war es mit dem Gefühl eines schrecklichen Alpdrückens , vor mir sah ich eine unheimliche rote Glut , von der sich dicke , schwarze Stangen abhoben . Ich hörte Stimmen , die hohl an mein Ohr klangen , als würden sie durch das Rauschen des Wassers oder Toben des Windes übertönt , Aufregung , Ungewißheit und ein alles beherrschendes Gefühl des Entsetzens hielt alle meine Sinne gefangen . Es vergingen nur wenige Augenblicke , und dann gewahrte ich , daß jemand mich berührte , mich aufhob und mich in eine sitzende Stellung brachte , und zwar viel zärtlicher und sorgsamer , als mich bis jetzt irgend jemand gestützt oder emporgehoben hatte . Ich lehnte meinen Kopf gegen einen Arm oder ein Polster und fühlte mich unendlich wohl . Noch fünf Minuten und die Wolken der Bewußtlosigkeit begannen zu schwinden . Jetzt wußte ich sehr wohl , daß ich in meinem eigenen Bette lag , und daß die rote Glut nichts anderes war , als das Feuer im Kamin der Kinderstube . Es war Nacht , eine Kerze brannte auf dem Tische ; Bessie stand am Fußende meines Bettes und hielt eine Waschschüssel in der Hand , ein Herr saß auf einem Lehnstuhle neben mir und beugte sich über mich . Ich empfand eine unbeschreibliche Erleichterung , eine wohlthuende Überzeugung der Sicherheit und des Beschütztseins , als ich sah , daß sich ein Fremder im Zimmer befand , ein Mensch , der nicht zum Haushalt von Gateshead , nicht zu den Verwandten von Mrs . Reed gehörte . – Mich von Bessie abwendend – obgleich ihre Gegenwart mir weit weniger unangenehm war , als mir zum Beispiel Abbots Gesellschaft gewesen wäre – prüfte ich die Gesichtszuge des Herrn ; ich kannte ihn , es war Mr . Lloyd , ein Apotheker , den Mrs . Reed zuweilen rufen ließ , wenn ihre Dienstboten krank waren . Für sich selbst und ihre Kinder nahm sie immer nur die Hilfe des Arztes in Anspruch . » Nun , wer bin ich ? « fragte er . Ich sprach seinen Namen aus und streckte ihm zu gleicher Zeit meine Hand entgegen ; er nahm sie , lächelte und sagte : » Ah , wir werden uns jetzt langsam erholen . « Dann legte er mich nieder , wandte sich zu Bessie , empfahl ]
[ ich ]
ihr
[ , sehr vorsichtig zu sein und mich während der Nacht nicht zu stören ]
[ einflößte ]
.
[ Nachdem er noch weitere Weisungen erteilt und gesagt hatte , daß er am folgenden Tage wiederkommen würde , ging er fort ; zu meiner größten Betrübnis ; während er auf dem Stuhl neben meinem Kopfkissen saß , fühlte ich mich so beschützt , so sicher , und als die Thür sich hinter ihm schloß , wurde das ganze Zimmer dunkel und mein Herz verzagte von neuem , es unterlag der Last eines unbeschreiblichen Grams . » Glauben Sie , daß Sie schlafen können , Miß ? « fragte Bessie mich ungewöhnlich sanft . Kaum wagte ich , ihr zu antworten , denn ich fürchtete , daß ihre nächsten Worte wieder rauh klingen würden . » Ich will es versuchen , « sagte ich leise . » Möchten Sie nicht irgend etwas essen oder trinken ? « » Nein , ich danke , Bessie . « » Nun , dann werde ich auch schlafen gehen , denn es ist schon nach Mitternacht ; aber Sie können mich rufen , wenn Sie während der Nacht irgend etwas brauchen . « Welche seltene Höflichkeit ! Sie ermutigte mich , eine Frage zu stellen . » Bessie , was ist denn mit mir geschehen ? Bin ich sehr krank ? « » Ich vermute , daß Sie vor Schreien im roten Zimmer krank geworden sind ; aber Sie werden ohne Zweifel bald wieder ganz gesund sein . « Bessie ging in das anstoßende Zimmer der Hausmädchen . Ich hörte , wie sie dort sagte : » Sarah , komm und schlaf bei mir in der Kinderstube , und wenn es mein Leben gälte , so könnte ich diese Nacht nicht mit dem armen Kinde allein bleiben ; es könnte sterben ! Wie sonderbar , daß Miß Jane einen solchen Anfall haben mußte ! Ich mochte doch wissen , ob sie irgend etwas gesehen hat . Mrs . Reed war dieses Mal aber auch zu hart gegen sie . « Sarah kam mit ihr zurück ; beide gingen zu Bett ; sie flüsterten wenigstens noch eine halbe Stunde mit einander , bevor sie einschliefen . Ich hörte einige Bruchstücke ihrer Unterhaltung , und aus diesen schloß ich auf den Hauptgegenstand ihrer Diskussion . » Etwas ist an ihr vorübergeschwebt , ganz in Weiß gekleidet , dann ist es verschwunden . « – – » Ein großer , schwarzer Hund hinter ihm . « – » Dreimal hat es laut an der Zimmerthür geklopft , « – Ein Licht auf dem Friedhofe gerade über seinem Grabe « – u . s . w . , u , s . w . Endlich schliefen beide ein . Feuer und Licht erloschen . In schaurigem Wachen ging die Nacht für mich langsam hin ; Entsetzen und Angst hielten Ohren , Augen und Sinne wach . – Entsetzen und Angst , wie nur Kinder es zu empfinden imstande sind . Diesem Zwischenfall im roten Zimmer folgte keine lange , ernste , körperliche Krankheit ; nur eine heftige Erschütterung meiner Nerven , deren Widerhall ich noch bis auf den heutigen Tag empfinde . Ja , Mrs . Reed , Ihnen verdanke ich gar manchen qualvollen Schmerz der Seele . Aber ich sollte Ihnen verzeihen , denn Sie wußten nicht , was Sie thaten , während Sie jede Faser meines Herzens zerrissen , glaubten Sie nur meine bösen Neigungen und Anlagen zu ersticken . ]
[ ]