Hauptantrieb saß an den Gelenken ; die Kraft- und Nervenherde in deren Nähe ; und hier war es auch , wo der Mann seine Stärke hatte . Alle anderen Teile schienen von Masse entblößt und unansehnlich , er war nicht einmal übertrieben muskulös . Über den Knochen spannte sich die Haut , aber er konnte sie an der Brust wie ein Halstuch in Falten legen . Der Magen war als sichtbarer Muskel in den Rost der Taille eingefügt . Die Waden waren hoch , nicht geballt , sondern lang gestreckt . Das Gesicht erschien häßlich , lauschend , schlau , gierig wie das eines Tieres . Wenn seine Lippen sich unter einer physischen Anstrengung von den Zähnen zurückzogen , sah man die weißkantigen Trapeze der Kiefer . Die Zähne waren künstlich geschärft . Dadurch erhielt der Mund dieses Menschen etwas Verlangendes , sein Gesicht wurde kindlich . Auf seinem kleinen buchtigen Schädel saß die Krone aller indianischen Federkronen . Die wildesten und buntesten Flügel des Djungles hatten zu der wilden Gravität dieses Häuptlings beigesteuert . Die geringste Neigung erhielt in dieser Weise eine gespenstische Bedeutung , ein ganzer kleiner Wald nickte bunt , und menschliche Motive wurden in etwas eigentlich Lebloses hineingebracht . Ja , ja , sagte der Federbusch , wenn er sich ein Stück nach rechts hin schüttelte ; und nein , nein ! wenn er sich wie ein steilwerdender Garten gegen den Rücken hin aufmachte . Und wehe , wehe ! hieß es , wenn er auf dem hitzigen Kopfe des jungen Häuptlings durch die Luft fuhr . Dieses Prachtstück von einem Federbusche machte den langen Luluac übermenschlich , als er mit seiner Schwester Zana zum Tanz antrat . Die groteske Überlegenheit des Mannes war ein Genuß für alle , die es sahen . Zana selbst schien bis in die letzten Fasern ihrer weiblichen Demut davon berührt . Gefällig bog sie sich unter ihm . Ihre familiären Beziehungen schienen etwas seltsamer Art. Andeutungen kamen mir in Erinnerung . Während sie tanzten , traten an ihren Körpern die Merkmale wilder geschlechtlicher Erregung zutage . Sie betrachteten einander aus den Augenschlitzen mit bestialischer Verliebtheit . Der Instinkt der Inzucht , der bei primitiven oder bei überfeinerten Rassen , die noch gesund sind , auftritt , machte sich in ihren Sympathien geltend . War es Spiel oder Ernst ? Obwohl Zana klein war , zeigte ihr Körper doch auffallende Gemeinsamkeiten mit dem ihres Bruders . Sie waren beide lang , ihre Gesichter waren nahezu gleich im Ausdruck . Sie waren in die eigene Art verliebt , und wie sie da tanzten , gaben sie der Wollust über die Absolutheit und Rassigkeit ihrer Wesen Ausdruck . War die Narzißlaune , das Prinzip der Eigenverehrung , nicht eine Verbesserungs- oder Erhaltungstendenz der Schönheit ? Ähnlichkeit wirkt bei differenzierten Säugetieren abstoßend auf die Phantasie . Aber darüber hinaus wirkt sie bei ausgebauten Rassen mit Gleichgewicht und gereiftem Geschmacke anziehend , denn sie wird Kern der klassischen Entwickelung . Innerhalb edler Rassen genügt der verschärfte Geschlechtsunterschied , der in harte und zarte Typen scheidet , der Sehnsucht nach der Variation . Zana tanzte tief und hingegeben . Es verlangte sie nach dem gefiederten Pfeile Luluac . Unwillkürlich sah ich zu Slim hinüber . Sein Gesicht war verzogen . In seine nordischen Züge mischte sich der Indianer , unter seinem Barte lauerte das Tier , das ich hier in allen Gesichtern sich ergötzen sah . Mit einem kranken Blicke folgte er dem Paare . Van den Dusen aber war hochrot im Gesicht und sah gezwängt aus ; er folgte den Vorgängen mit offenem Munde , förmlich hinten am Gaumen . Luluac bewegte sich in männlichen kühlen Kurven , mit sichtbarer technischer Meisterschaft , er blieb hart , rhythmisch , formell , nur seine Augen gaben sich feurig . Man verstand , er begehrte Zana , er turnte um sie , er warb um sie , aber er verhielt sich vor ihren Lockungen reserviert ; man konnte nicht wissen , wie gefährlich das kleine Frauenzimmer war , und ob es erlaubt war , sie zu berühren . Eine Prinzessin , eine Priesterin konnte sie sein und dem Sterblichen , der sie nahm , konnte Unheil drohen . Zanas Knöchel waren gefesselt , dies verstärkte ihren demütigen und harmlosen Anblick ; die Bracelets waren ineinander verhakt . Sie sprang mit kurzen federnden Schritten , die wie Bälle waren , auf ihren Fersen ; sie umkreiste Luluac , sank in die Knie , und verschränkte die Arme hinter dem Nacken . Rührte ihr demütiges Anerbieten den Häuptling nicht ? Soviel war klar , sie war ein Weib , sie war gefesselt , die Konvention klimperte um ihre Knöchel , und sie hatte nicht die Freiheit ihrer Wahl und ihrer Lust zum Manne . Luluac ließ sie nahe herankommen . Schon ergreift er sie in einer Pose , die seine Nacktheit drastisch preisgibt , als er sich wieder zurückzieht . Er verwahrt sich gegen die Wirklichkeit eines solchen überirdisch begehrlichen Wesens , er stellt die ganze schöne Tatsache in Frage . Es ist ausgeschlossen , daß soviel Wünschbarkeit wirklich ist . Sie ist ein Trug der Sinne , der Untergang bedeutet . Vielleicht ist Zana eine Pantherfrau ? Sie zerreißt den menschlichen Geliebten , der sich von ihr betören läßt . Oh über ihre Zahmheit ! Er schwingt die Arme und zückt Speer und Schild , denn es gilt , einen Puma sich vom Leibe zu halten . Er fällt plötzlich in den bekannten Kriegstanz , hebt die Beine mit wagerechten Schenkeln und spielt ein Rennen am Ort . Teuflisch , hu ! Zana umschmeichelt ihn in vollendeten Linien . Ihre gehobbelten Knöchel folgen mit unterwürfigen kleinen Schritten ; traurig ist es , wie die Knorpel der gespannten Kniekehlen sich berühren ! Rührend ist es , und es wird uns allen das Herz brechen ! Da kann auch Luluac nicht länger widerstehen . Eine suggestiv getanzte Umarmung bedeutet Besitznahme . Er hat sie nicht berührt , die Gebärde blieb ästhetisch . Und alle verstehen die Anspielung , die in den gerungenen Armen liegt ! Luluac nimmt das Werben der Pantherin an ! lautet die Losung . Die geschlechtliche Spannung der beiden Körper ist gestiegen , oh , oh , oh , beide sind selig , beide sind nahe daran , sich zu vergehen . Zana roßt wie eine junge Stute . Eine monotone Musik schwellt die Nerven und Muskeln und weckt den Stich und die Unschuld der männlichen Empfindung . Der kreisrunde Verfolgungswahnsinn dieser Noten erzeugt gelinden Schwindel , die Schläfen hämmern und die Augen laufen mit dem Gehirn zu einer einzigen sehnsüchtigen Masse zusammen . Das Fleisch an den Körpern der Männer beginnt gleichsam zu gären , ein lauer , niederträchtiger , menschlicher Geruch macht sich in der Hütte fühlbar . Luluac schreit rasend auf und die Männer fallen triumphierend und befriedigt ein . Der Höhepunkt ist vorüber . Der wilde , schöne Krieger hat nun Zana in seine Hütte geführt . Sie hockt hinterm Feuer . Er ist fortan ihr Herr . Prahlerisch pflanzt er sich im Vordergrunde auf . Wer will sie ihm entreißen ? Niemand ; dies ist so Sitte . Schluß ! Weg mit dem Tanz und Spiel und bringet Mandiokamet , daß wir Heiseren und Feurigen uns kühlen und laben ! Da geschieht etwas Unerwartetes ; etwas , das nicht ins Programm gehörte . Slim erhob sich und legte die rußige , weiße Jacke ab . Dann zieht er das dünne Netzhemd über den Kopf und steht mit nacktem Oberkörper da . Slim ! XVII Die Herausforderung ist eine unerhörte Novität . Sie findet Anklang . Bis zu diesem Augenblicke ist die Versammlung nüchtern gewesen . Der Met , aus Tonkrügen geschlürft , tut jetzt seine Schuldigkeit . Die Musik artet in wahnsinniges Gebrüll aus , jeder musiziert sein Instrument nach Gutdünken . » Ein indianischer Ringkampf kündigt sich an « , schreit van den Dusen mir herüber und mir ahnt nichts Gutes . Die Indianer sprechen durcheinander , man unterhält sich über Slims Chancen . Slim war ein großer Mann mit geraden breiten Schultern und einer flachen Brust , wie sie Yankees haben . Um die Taille war er eng gebaut , aber seine Beine waren von einer anderen , gedrungeneren Rasse . Das machte ihn kürzer als seinen Gegner , im ganzen schien er trotz seiner geringeren Vollkommenheit der Stärkere . Die beiden begannen damit , flache Handschläge auszuteilen . Slims Unterarme waren lang , breit und viereckig wie die Stiele von Werkzeugen . Seine großen Hände aber hatten viel weiche Masse . Er boxte flink und geschickt , Luluacs Arme flogen wie Blütenstengel zur Seite . Aber diese ochsenstarken Hiebe landeten fruchtlos , Luluac fing sie weich auf und zog zurück . Er ließ die gegnerischen Hände nicht aus den lauernden Augen , er kämpfte mit einem alten weisen Lächeln in dem verkniffenen kleinen Gesichte . Seine Federkrone zuckte raschelnd bei jeder heftigen Wendung . Slim arbeitete derb und freimütig , Luluac sanft und kraftlos , mit tückischer Sparsamkeit . Endlich bekam er Slims Fingergelenke an dessen linker Hand zu fassen und zwängte sich wie in einen Kamm hinein ; Slim vergaß seine Rechte und schon war auch sie gebunden . Die Hand des Indianers war klein und zusammenhängend . Er drückte Slims Tatze an der Wurzel ab ; Slims Gesicht verzog sich vor Schmerz , er hob seine Hände , so hoch er konnte , über den Kopf empor . Die verhenkten Arme bildeten ein Dach , sie standen schräg Mann an Mann gelehnt , mit der Berührungskante längs der Fingerknöchel . Der Indianer lenkte die Kraftanstrengungen des Weißen , der sich auf die Zehen stellte , ab , riß die Arme zur Seite , und Slim verlor das Gleichgewicht ; aber seine Schultern und Arme waren nicht zu biegen . Sein Hals war strähnig wie der eines Lastträgers . Sie gingen während des Ringens mit zähen Schritten vor und zurück . Aber auch der Indianer besaß ruhige und sachliche Kräfte , auch er wirkte zäh wie eine Stahlfeder . Wenn Slim durch schnelle Risse die Arme um Luluacs enge Hüften schlang , band sie sich der Indianer wieder wie einen Gürtel ab . Dann sprang Luluac allemal auf des Gegners Finger los ; und nun zwang er einmal Slims Arme in die Ellenbogenbeuge , nun hatte er ihn , mit verhenkten Fingern rangen sie vor den Gesichtern , tauchten einer des anderen Hände bis zu den Hüften herab . Die Handriste des Amerikaners wurden steif und schmerzten . Luluac ließ sich die Gelenke wie Gummi zurückbiegen , ohne Qual zu verraten . Seine Kraft saß im Rückgrat und in den Lenden , dort war er biegsam und sicher , unausdrehbar stählern . Slim konnte den Schmerz nicht länger ertragen , mit einem wuchtigen Ruck seines schweren Körpers bekam er plötzlich die Hände frei und begann Luluac in die Brust , auf die Oberarme , ans Kinn zu boxen . Luluac verlor die Haltung , gleich darauf aber sprang er zurück und wieder vor und hing sich mit beiden Händen an Slims rechte Faust . Was er dort vornahm , war nicht erkennbar ; aber es mußte Slims ganze Aufmerksamkeit verlangt haben , denn dieser vergaß seine Linke . Und schon hatte Luluac auch sie zwischen Puls und Handballen wie ein Kneif umklammert . Er schraubte die Hand vom Gelenke los . Abgestorben saß sie auf dem geschwellten Ring , den sein Zeigefinger und Daumen bildeten ; es war fürchterlich anzusehen , weil die Hände jeden Augenblick wie dicke welke Blätter abzufallen drohten . Slim trat in seiner Pein dem Indianer eins mit dem Knie in den Bauch . Er war nervös und verzweifelt , er kannte sich nicht mehr aus vor Schmerz . Luluacs Nacken war von Muskeln steif wie ein Schild . Langsam sank Slim in die Knie , sein Rücken begann sich zu höhlen , erst streckte er das Hinterteil hinaus , dann schnellte er es einwärts , und schon rollte er wie eine Welle förmlich in den Boden hinein . Zana sah hundsäugig , mit schnüffelnder Aufmerksamkeit seiner kämpferischen Gestalt , seiner prächtigen knochigen Wut , seiner grausamen Niederlage zu . Sie sog es ein , wie einen herrlichen Genuß . Die Indianer umher schwiegen fein und sieghaft . Dieses Schweigen war unverschämt , es war taktlos und ich ertrug es nicht . Der Met schmeckte süß und kühn , und Ehrgeiz brannte mir in der Herzgrube . Aber das allein war es nicht . Der föttische Blick Zanas stachelte mich . Sie haßte ich am meisten . Ich sah unser Prestige schwinden , und der Gedanke trat mir nähe , etwas dafür zu tun . Hatte ich heute morgen mit dem Mauser Glück gehabt , durfte ich auch jetzt eine Ehrenrettung wagen . Turnerische Erinnerungen kamen mir zu Hilfe . Ich stützte mich auf beide Hände und konnte ein paar Schritte auf ihnen tun . Aber das Blut schoß mir zu Kopf und die Ellenbogen knickten ein , meine Beine liefen mir oben weg und ich hatte Mühe , unten nachzukommen . So gut es ging rettete ich mich auf meine Sohlen zurück , in aller Anmut , so daß man ' s hätte für die Pointe halten können . Nun wurde mir warm . Ich fühlte mich zwar ein wenig verstört , war jedoch keineswegs verlegen . Mein Ehrgeiz war nicht umzubringen . Wille , Wille , Wille ! Mochten andere mit dem Erfolg einer Sache vorlieb nehmen , ich hielt es mit einem eisernen Willen . Zum Handstand gehört Philosophie ! Während ich unternehmend zwei Schritte zurücktrat , um den schönen turnerischen Schwung zu bekommen , schossen mir die klugen Räsonnements zu Hunderten durch den Kopf ! Vielleicht fehlte mir trotzdem ein wenig das Bewußtsein für meine Situation ? Dagegen erinnerte ich mich just in dem Augenblicke , in dem ich die Handflächen geduldig zum sechsten Male auf den Boden stemmte und mit den hinteren Extremitäten in der Luft Galopp anschlug , einer Tatsache , mit der ich es bisher noch nicht recht genau genommen hatte : Donnerwetter , von meinen vier Schüssen hatten ja eigentlich nur drei ! drei ! getroffen ! Die Scham schoß mir wie Frost in die Glieder , meine Ellbogen zitterten wieder , und ich landete totgeschossen so etwas wie an meiner eigenen Seite . Ich hatte das deutliche Gefühl , neben mir zu liegen , und es brauchte einige Zeit , bis ich meine Lage im Prinzip feststellen konnte . Hu , Met ist doch ein verrückter Stoff . Nun sind sie alle wichtig und keiner will sehen , was ich da eigentlich treibe . Ich danke für Met , wenn man keine höheren Interessen damit verbindet . Es ist ein schädlicher Stoff und macht blasiert . Indianischerseits schien man künstlerische Bestrebungen überhaupt zu ignorieren . Aber der eiserne Wille , meine Lieben , das ist es , das ist das Wichtige ! Hu , schnurrig ist doch diese Sache mit Luluac ; wie er sich prahlt und seine Methode erklärt , und wie er sein Siegerlächeln hinter Bestürzung und Verlegenheit verbirgt ! Auch dahinter steckt nur eiserner Wille . Willen muß man haben , hart wie Eisen . Dann sieht man den Menschen auf den Grund , bemerkt in großen Buchstaben , wie sich hinter ihrer Zuvorkommenheit Genugtuung versteckt . Hinaus mit diesem Luluac , er schwindelt ! Er hat zuviel Met gesoffen . Warum schneidet er Gesichter ? Ich durchschaue ihn ! Warum kichert dieser Holländer ? Er verträgt keinen Met . Man sollte ihm das Mettrinken polizeilich verbieten . Er hat keinen Met zu trinken ! Van den Dusen war der einzige , der meine Purzelbäume ernsthaft nahm . Ein Umstand , den ich ihm nicht einmal dankte , sondern läppisch fand . Denn , sagte ich mir , solch ein Kerl hat kein Recht , an meiner höheren Akrobatik sachverständig teilzunehmen . Aber vielleicht macht Met boshaft ? Van den Dusen war heute viel boshafter als sonst . Dann , mochte ich mich einmal fragen , hatte ich diesem van den Dusen schon einmal mein Hinterteil gezeigt ? Worauf mir im Grundbaß der Überzeugung nur ein Niemals ! einfiel . Nun aber stellte ich mich so , daß er stets von meinen schlenkernden Beinen bedroht war ; und , wich er aus , kam ich pünktlich auf seinen Standplatz wieder aus der Luft herab . Ich haßte ihn . Ich mochte Leute , die sich mit Met betranken , nicht leiden . Ihm gegenüber saß Zana , und diese haßte ich auch . Sie war der zweite Bestandteil meines Publikums . Nur van den Dusens verhaßte Gegenwart trug daran schuld , daß mir das Gehen auf den Händen nicht gelang . Und ich hätte Zana so Prächtiges vorzumachen gehabt ! Ich haßte sie , wenn ich mir denken mußte , daß ich mich vor ihr bloßstellte . Hatte der Met auch sie boshaft gemacht ? Alle Menschen waren heute boshaft , und ich hatte doch gerade heute ein gutes Herz und wollte mit meiner Hände Arbeit etwas für sie tun . Was , was konnte ich für Zana unternehmen ? Womit konnte ich ihr eine kleine Freude , einen hübschen herzlichen Spaß bereiten ? Hätte sie mir nur ein freundliches Gesicht gemacht , so wäre ich ihr um den Hals gefallen . Ich zeigte statt dessen keinerlei menschliche Rührung , sondern hielt an mich und rekognoszierte das Terrain . Nach dieser wissenschaftlichen Betrachtung stemmte ich mich endgültig , noch einmal ! auf die Handflächen - verdammt noch einmal , die Beine blieben richtig oben , aber mit der Tendenz kopfüber . Meine Hoffnungen waren mehr als erfüllt . Ich dachte nichts Schlechtes dabei , während ich meinen Beinen , die die Führung übernommen hatten , so hurtig als möglich mit den anderen Körperbestandteilen nachzueilen trachtete . Aber plötzlich spürte ich ein Hindernis , das sich schnell entfernte , hörte einen Schrei und sah es fürchterlich hell werden ringsumher , etwas Heißes , etwas verteufelt Heißes schlüpfte mir hinter die Kleider , au - da konnte ich das Tempo nicht mehr halten und schnappte ab . Krachend und prasselnd sauste mir der Boden unterm Kopf weg entgegen . Ich entsinne mich , daß ich es höchst merkwürdig fand , wie er sich plötzlich schief stellte und mich auf den Rücken schlug . Er verdreht ja seinen Akzent , sagte ich und lag in der Feuerstelle . Die Funken gingen wie eine rote Brause über mich hinaus , kunstgerecht wie ein Braten lag ich da und hörte von hundert Meilen weit her ein brausendes Triumphgeheul . Zwanzig Fäuste rissen mich schneller als mein eigener Entschluß empor . Jacke und Beinkleider waren am Rücken verkohlt . Mein erster Gedanke war , mir künftig einen Tropenanzug aus Asbest machen zu lassen . Dann schalt ich die Unglücksstelle und sah ein , daß bei einem so ungleichmäßigen , so abschüssigen Boden , ja geradezu einem Abgrunde auch der beste Turner seine Kunst nur verschwenden konnte . Wo war Zana ? Sie war fort , ich hatte sie verscheucht . O des Herzeleids ! Aber dort stand sie doch an der Mauer , nackt und mit glühendroten Bracelets um die Fußknöchel und band sich angelegentlich einen Orchideenzweig mit verzupften Blüten um die enggeschlossenen Knie - und wackelte entsetzlich , brachte die ganze Hütte in unordentliches Schwanken , ih , weiß der Deibel warum ! Ich empfand eine große Hitze . Die Indianer lärmten und hatten undankbarerweise mein Kunststück schon vergessen . Waren räudige Hunde , diese Roten , was ? Slim zog die Augenbrauen hoch . Er interessierte sich nicht für mich , für niemand , für nichts , nicht einmal für Zana . Selbst als sie von ihren verstrickten Knien aufsah , zu ihm hinsah , rührte er den Kopf nicht von der Luke , durch die er über sich hinausblickte . He , war die Hitze nicht enorm ? Roch es hier nicht nach Indianern ? Roch es hier nicht vielleicht nach gebratenem Menschenfleisch ? Her damit , dieser Geruch gehört mir ; es ist mein Fleisch , das hier verbrannt wird , mich will man hier schlachten und verzehren ; dieser Geruch ist ein Teil von mir und ihr sollt ihn nicht zu speisen bekommen , ihr Saufbolde , ihr verdammten Metwürmer ... In der spaltartigen Luke sah man Sterne . Der Holländer kicherte und belehrte mich über das Gehen auf den Händen . Mit seiner Figur ! dachte ich . Dann dachte ich , daß der Met doch ein verdammt starkes Gesöff sei , weil sie alle betrunken wären . Ich ging zur Tür , die sich flugs auf eine Ecke stellte , so daß ich über den Pfosten kriechen mußte . Draußen war es matt und lau . Der Himmel hing schwer und niedrig von Sternen . XVIII Sang- und klanglos fand ich mich zu meiner Hütte . Schräg gegenüber , wo die Straße sich ins Verschwinden bog , sah ich van den Dusen in die seine schlüpfen . Er schien unterdrückt aufgeräumt , mit seiner Nase witterte ich eine Art Unternehmungslust in ihm . Checho , der mich aus der Hütte begleitet hatte , ließ mich an irgendeiner Stelle im Stich . Das beschäftigte mich vorläufig ; obwohl es mich nichts anging , war ich doch im Augenblick so zerstreut , dieser ganz gleichgültigen Sache eine abnorme Wichtigkeit zu widmen . Ein leises Mißvergnügen in mir fischte , ohne Köder , irgend etwas anderes wurmte mich ; nun wurmte es mich , daß Checho fortlief - hopp , da fischte es mit diesem Wurme ! Die Sterne hingen voll am Firmament . Sie hingen so dicht , daß sie sich gliederten , und flüchtige Verbindungen blitzten zwischen ihnen auf . Wie metallische Glutspäne kräuselten sie sich , durch die ein Atem geht . Checho war in meinen Augen ungezogen ; war es etwa manierlich , fortzulaufen ? Sonderbar , daß alle Leute sofort an gutem Ton einbüßen , was sie an Laune gewinnen . Wo konnte - na , war es nun Checho , den ich meinte , oder war er es nicht - wo konnte er nur hin sein ? Ich rang mit einem Gedanken , einer Vermutung , die ich schon einmal aufgestellt haben mußte . Aha , sieh mal her , da war ja Aruki ; sie war allein , ihr Mann war noch nicht zu Hause , steckte vielleicht bei der Hexe Zana oder einem anderen Frauenzimmer . Indes pflegte Aruki ihr Baby , sang zwischen den Zähnen und dachte an weiß Gott was Trauriges . Ich hatte nichts mehr übrig für sie und war voller Hohn für ihre weibliche Fülle . Auch Checho half ihr nicht über den schwermütigen Abend hinweg ; auch er mußte endlich daraufkommen , daß zierliche Magerkeit das eigentliche Ideal für einen indianischen Helden bedeute . Geschah ihr recht ; nun da es zwischen Checho und ihr aus war , hatte sie nichts mehr von ihrer früheren Unerreichbarkeit ; auch ich war sozusagen eine Art Held meiner Rasse und hatte meinen Geschmack zu pflegen ; man hatte da doch gewissermaßen Verpflichtungen . Wir rächen uns stets an unseren Träumen ; wir verraten stets unsere eine Sehnsucht an die andere . Daß ich nach dieser Seite hin also gleichsam frei wurde , war für mich erfreulich . Es gab mir einen regelrechten gesunden Stoß und zugleich sah ich blendend klar . Hol ' s der Kuckuck , man sollte kein Mandioka saufen , wenn man es nicht verträgt . Nun hatte Slim sich mit dem Häuptling gerauft - Slim . Das fiel mir ein , und wie ein Berg saß es mir am Herzen . Und was tat nun Slim weiter ? Um es nur gleich zu gestehen , Slim war auch der Wurm , der unterirdisch mein Bewußtsein benagte , gespenstisch an meine Laune pochte und mit einem formlosen Blick meine Zufriedenheit beäugte , wann immer sie sich einstellen wollte . Ich frug vergeßlich , wo denn nun dieser Checho hin sei und was er treibe , und war höchst erbost über sein ganz unverständliches Benehmen - aber eigentlich meinte ich mit alledem nur Slim . Wenn man überlegte , wie das alles gekommen war , diese ganze Niederlage , die mich jetzt so beunruhigte ! Ich erinnerte mich , daß van den Dusen betrunken sein mußte . Hochrot war er gewesen und sichtlich echauffiert . Hm , und nicht einmal Slim hatte davon vertragen . Ich dagegen hatte eine gute Schule hinter mir . Es war nicht die erste Zecherei , die ich siegreich überstanden hatte , was wäre da anderes zu wollen ? Ich hatte Nerven , wohlverstanden Nerven . Ich konnte Gift wie Käse essen , meine Nerven kamen großartig hindurch . In mir stak der ideale Nervenmensch , meine Wachsamkeit bestand über meine Vergiftung hinaus . Je schaler der Geschmack im Munde , desto überlegener das Gehirn . Je schlaffer der Magen , desto strenuoser das Bewußtsein . Ich beseitige Krankheiten durch die Diagnose , ich heile Unstimmigkeiten mittels Analyse . Etwas Fortschrittlicheres läßt sich kaum denken . Prosit , Slim ! Sie sind überholt , Ihre Nerven sind mit Ihnen durchgegangen . Man rauft sich nicht , wenn man voraussichtlich den kürzeren zieht . Mit Purzelbäumen ist das anders . Das ist ein platonisches Vergnügen , zumal wenn niemand zusieht . Übrigens , waren Sie schon jemals so tapfer , ins Feuer zu steigen ? Haben Sie sich jemals freiwillig am Rücken schmoren lassen ? Ich bin wie ein Satan hindurchgeritten , die ganze Hütte war auf , als ich meinen feurigsten Feuertanz tanzte . Meine Haare sind versengt . O wie furchtbar hell es um mich war ! Immerzu , Slim . Aber Mandioka ist zu süß und hinterläßt einen faden Geschmack , wie , finden Sie nicht ? Ich empfand mich intensiv wach . Laue Wellen kamen vom Djungle und von der Savanna her , kühle feuchte Stöße vom Felsenbach . Ein ehernes Klingen , das schwärmende Lärmen der Zikadenchöre , schien unter den tiefhängenden Horizont gepreßt , aus dem ein weißes Feuer , in Myriaden von Kombinationen gleich denen der Lärmschläger , zuckte . Dies war beruhigend , dies läuterte . Aber Slim hatte nicht sich allein , er hatte uns alle in die Patsche geritten . Was war das für eine Idee , mit dem lästerlich langen Kerle anzubinden , dieses Mädchens wegen - wo blieb Slims Überlegenheit ? Unser Prestige , mein Prestige war es , das er verspielte . Er hätte uns nicht mitreißen dürfen . Uns . Die menschliche Gesellschaft darf nicht durch die Handlungen eines Einzelnen gefährdet werden . Und ich war das Gewissen dieser Gesellschaft . Wenn ich überlegte , wie Slim sich da erhob , in seiner ganzen Glorie als großer und starker Mann , seine imposante Figur im Feuerkreise aufpflanzte , so fühlte ich , wie sich die Seele der Welt vor Scham zusammenkrampfte . Ich selbst kam hier gar nicht in Betracht , obwohl auch ich - aber die Gesamtheit war verletzt . Was mußten sich die Indianer gedacht haben ! Die saure Empfindung ungebrauchter Muskeln , die in allen aufstieg , war Takt , nichts als menschlicher Takt gewesen . O ich kannte ihn gut , wie er aufsteigt , langsam und sauer wie eine böse Regung ; aber er war eine gute soziale Regung . Männer beneiden einander um jede Art von Aktivität und sei ' s nur die einer Ohrfeige . Es war nicht schön von Slim und höchst unlauter , daß er gegen das Programm auftrumpfte . Man konnte das Mißbehagen verstehen , das durch den Trupp ging , als Slim seine eigenen Heldentänze unterlegte . Es war , mitten unter der feinen Leistung Zanas und ihres Bruders , ein Schlag ins Wasser . Nein , Slim - au ! Mein Rücken schmerzte ; ein zähes Kneifen machte ihn widerstandsunfähig und steif . Um Gottes willen , mein Rückgrat war doch nicht um ein gut Stück kürzer geworden ? Es waren doch am Ende nicht zwei Wirbel ineinandergerutscht ? Das also war das Ende dieses abenteuerlichen Tages , Slim bekam Prügel und ich würde hinfort nun oder doch eine Zeitlang mit dem schneidigsten Hexenschuß der Welt durch das Leben wandeln , immer vorausgesetzt , daß da noch zu wandeln war ! Mit wundem Rücken zog ich eine Matte vor die Tür und legte mich unter die Palme . Es war nach Mitternacht und die Moskitos lagen jetzt zu Tausenden auf den Blättern und Blumen des Djungles oder tanzten über einer der lauen Pfützen seitlich am Flusse , in denen sich ein Stück Mond spiegelte . Über mir funkelten große fette Sterne und kleine , die wie Dreiecke aussahen und an den Scheiteln richtig zu explodieren schienen . Zwischen den hervorragenden entstanden mittels drahtiger Linien rohe Figuren , klotzige mythische Gebilde . Der Gesang der Zirpen ebbte auf und ab . Eine einzige in der Nähe , die mit rätselhaften Umzügen bald von hier , bald von dort zu tönen schien , konnte alle anderen übertrumpfen . Aber wenn sie schwieg , stieg an allen Ecken und Enden der Welt ein metallisches Brausen empor . Aus dem Djungle drangen tierische Schreie . Das Dorf selbst war heute abend lebendiger als sonst . Gestalten huschten die Wege entlang . Ein kleines Wesen bewegte sich mehrmals in meiner Nähe auf und ab . Es mußte ein Weib sein . Was wollte es ? Ich wurde neugierig . Dann verwünschte ich es , weil es dick und ältlich schien , und es verschwand , als hätte es meinen Unwillen gefühlt . Ich mußte an Zana denken . Aruki , die süße , nun die profane Geliebte von ehemals tröstete wieder ihr Kind . Mit trauriger Stimme winselte sie sich und ihm ein gemeinsames Leid vom Leben vor . Tja , wozu war dies Leben gut ?