griffen so ineinander , daß jedes einzelne nur mit der Zerstörung des ganzen Gebäudes gehoben werden konnte . Und sie wurzelten so tief , daß Sylvester seinem alten Freunde eine ungewohnte Hartnäckigkeit entgegensetzte , wenn er die Freisinger Weltgeschichte angriff . Freilich beurteilte er als gutherziger Jüngling die Äußerungen Schratts mit Nachsicht . Er wußte ja , daß ihm Unrecht widerfahren war , und schrieb seine Heftigkeit einem verbitterten Gemüte zu . Diese Milde war nicht ganz frei von Hochmut . Mang hatte doch etwas von den Leuten angenommen , welche ihr Leben lang eine gefestigte Meinung herumtragen und lächelnd abweisen , was sie hinzulernen sollten . Schratt sah bald , wie selbstbewußt sich der junge Theologe hinter Vorurteilen verschanzte , die nicht seine eigenen waren . Er wunderte sich nicht darüber . Neun Jahre unter den Händen von Lehrern , die alles in eine Form gießen ; wie sollte sich ein junger Mensch ganz frei halten von ihrem Einflusse ? Es war viel , wenn das Wachstum nicht völlig erstickt war . Deshalb wurde er nicht unmutig und lockte nur den klugen Sylvester häufig aus seiner Burg heraus auf das Blachfeld , wo er ihm standhalten mußte . Er zeigte ihm meist in scherzhaftem Tone , daß unser Wissen nicht genau da aufhört , wo man es in Freising abschneidet . Er nahm ihm ganz allmählich die Selbstzufriedenheit und lehrte ihn das Verlangen , die Wahrheit kennen zu wollen . Und Sylvester kam täglich mehr von dem Glauben ab , daß er sein junges Wissen mit Milde gegen den Alten aufführen müsse . Ja , sein Mitleid verwandelte sich in begeisterte Verehrung , mit einer Schnelligkeit , welche Jünglingen erlaubt ist . Er lernte einsehen , daß die heitere Überlegenheit Schratts , seine Menschenkenntnis auf tiefgründiger Liebe ruhte ; das gab ihm ein Recht über falsche Größen zu lächeln , sein Urteil gegen alle zu stellen . Aber auch die Möglichkeit , im Kleinsten das Anregende , Bedeutsame zu finden . Er stand auf einer sicheren Höhe und durfte darum auch Torheiten behaglich betrachten . Sein freier Geist konnte nicht ohne Einfluß auf Sylvester bleiben . Der streifte unmerklich die Härten ab , welche einseitige Bildung zeitigt . Die ersten Jahre auf der Universität verflogen ihm rasch . Er tat seine Pflicht und besuchte fleißig die Kollegien . Noch war er seinem Berufe innerlich nicht völlig entfremdet . Aber wenn er jetzt an die Zukunft dachte , geschah es nicht mit freudiger Zuversicht ; immer stärker mengte sich das Gefühl unabweisbarer Pflicht ein . Da ereignete sich ein Vorfall , der nachhaltig auf ihn wirkte . Einer seiner Lehrer hatte ein Buch herausgegeben , welches heftig angegriffen wurde . Die ultramontane Presse erging sich in Schmähungen gegen ihn , der Professor antwortete in würdiger Weise , und das ganze Land nahm an dem Streite Anteil . Viele ergriffen seine Partei und lobten seine Festigkeit . Seine jungen Hörer traten leidenschaftlich für ihn ein . Sie hatten kein Urteil über die Sache ; ihnen überwog das persönliche Moment . Der Ruhm ihres Lehrers , sein männlicher Mut . Da erging an den Gefeierten die Aufforderung , seine öffentlich bekundete und so ehrenhaft verteidigte Überzeugung aufzugeben und Widerruf zu leisten . Er unterwarf sich . Sein Gehorsam und der laute Beifall , den die früheren Gegner ihm spendeten , stießen Sylvester ab . Er fühlte sich gedemütigt , unsicher in seinem Glauben an eine Autorität , welche diesen Schritt verlangte , in seiner Achtung vor einer Wissenschaft , welche ihn tat . Wie konnte dieser Mann eine Meinung als falsch erkennen , welche er im eifrigen Streben errungen hatte ? Und wenn er nicht überzeugt war von ihrer Falschheit , wie konnte er sich von ihr auf Befehl lossagen ? » Sie war nichts wert von allem Anfang , « sagte Schratt , » es ist nicht schade darum . Um den Mann noch weniger . Töricht ist nur diese Begeisterung der Kirche über den Sieg . Sie hat wenig Ursache , sich darüber zu freuen , daß sie keine Kämpfer mehr heranzieht . « In dieser Zeit des Wachstums , der Zweifel und des Lernens kam das Ereignis , welches ihm die Zukunft um so düsterer erscheinen ließ , je heller ihm die Gegenwart deuchte . Sylvester Mang faßte eine herzliche Liebe zu dem hübschen Mädchen , dem er in der Heimat begegnet war . Das Glück schien freundlich in sein kleines Zimmer und verlockte ihn , die Blicke in weite Fernen zu richten . Auf einen holdseligen Garten , in welchem die schönsten Blumen blühten , die herrlichsten Früchte reiften für einen , den fremder Wille zur Einsamkeit verdammt hatte . Und er wußte , daß er ohne Reue umkehren würde . Jetzt baute er Luftschlösser , eines über das andere . Und keines ähnelte denen , welche der Veronika Mang tagsüber vor Augen standen und nachts im Traume erschienen . Keines sah aus wie ein Pfarrhof , mit dem gepflegten Garten nach vorne und den großen Stallungen nach rückwärts . Es waren darinnen keine gewölbten Gänge mit Hausaltären , brennenden Ampeln und heiligen Bildern , keine Zimmer , vor deren Fenstern aus man stündlich in frommer Beschaulichkeit zur Dorfkirche hinübersehen konnte . Sylvesters Luftschlösser waren alle in einem Stile erbaut , lagen in engen Gassen , und aus den Toren strömte der liebliche Duft von frisch gebranntem Kaffee . Und wer sie betrachtete , der wurde traurig und wieder fröhlich im Gemüte . So traurig , daß er tagelang schweigend umherging , so fröhlich , daß er am Morgen singend die Treppe hinunterschritt und des Mittags singend heraufkam . Und daß er an gewissen Tagen der Woche mit dem Geigenkasten unter dem Arme achtlos an Sekretärswitwen vorüberstürmte , als hätten diese urplötzlich jede Bedeutung in der Welt verloren . » Was hat nur grad ' der Herr Mang ? « fragte Frau Rottenfußer . » Gestern waren seine Augen verweint und heut ' hat er wieder g ' sungen . Sie sind doch sein Freund , Herr Schratt . Sagt er denn zu Ihnen auch nix ? « » Nein , Frau Sekretär , und ich fürchte , er wird mich auch fernerhin nicht ins Vertrauen ziehen . Er verbirgt sein Leiden . « » Wissen Sie , was ihm fehlt ? « » Ich habe eine Vermutung , Frau Rottenfußer . Aber die ist lateinisch und stammt von einem gewissen Horatius . Dulce ridentem Lalagen amabo , Dulce loquentem . « Und dann kam der Tag , an welchem Frau Sophie Sporner , als eine Freundin der Wirklichkeit , den Bau der Luftschlösser einstellte und den holdseligen Garten verschloß , so daß die Gedanken nicht länger darin spazieren gehen konnten . Und es kam der Abend , an welchem Sylvester müde und abgespannt im Zimmer seines Freundes saß . Schratt klopfte ihm auf die Achsel . » Sie wollen mir heute etwas erzählen , nicht wahr ? « » Ja . « » Ich kann Ihnen entgegengehen . Sie heißt Traudchen und ist die Tochter des wackeren Michael Sporner . « » Ich weiß , daß Sie ihn kennen . « » Nicht bloß ihn ; auch ein Mädel mit lustigen Augen , das sich in der letzten Zeit sehr für Musik interessierte . « » Woher wußten Sie , daß ... « » Es war nicht schwer zu erraten . Sie wurden in der letzten Zeit so sangesfreudig und hatten ihre Gedanken immer anderswo , wenn Sie mir die seltene Ehre schenkten . « » Es kommt Ihnen recht lächerlich vor , Herr Schratt ? « » Ein wahres Gefühl ist nicht lächerlich . « » Aber daß ich vergessen habe , was ich bin ? « » Vorerst sind Sie Student , und Ihre Zukunft liegt noch frei vor Ihnen . « » Ich kann nicht Geistlicher werden . « » Stimmungen sollen da nicht mitreden , Sylvester . « » Es ist nicht deswegen , wie Sie vielleicht meinen . Ich weiß schon lange , daß ich mich nicht zwingen kann . « » Wollen Sie einen Rat von mir hören ? « » Ja , ich bitt ' Sie darum . Ich habe sonst niemand , den ich fragen kann . « » Sie sollen nicht sofort , Hals über Kopf , Ihr Studium aufgeben . Bleiben Sie noch dieses Semester dabei ! So einfach ist die Sache nicht . Sie werden Verschiedenes durchzufechten haben . « » Danach frage ich nichts . « » Nicht so schnell ! Jedenfalls müssen Sie wissen , was Sie anfangen wollen . Ich halte Sie für so vernünftig , daß Sie sich keinen Illusionen hingeben , die auf eine junge Dame abzielen . « » Nein , Herr Schratt . Ich weiß , daß alles aus ist . « Der Alte lächelte . » Das klingt entsagungsvoll . Aber aus oder nicht aus , Sylvester , auf keinen Fall darf das jetzt eine Rolle spielen . Sie werden nicht in die weite Welt hinausstürmen , um Ihr krankes Herz zu heilen und so weiter . Sie müssen die Zukunft nüchtern erwägen . Und darum ist fürs erste mein Rat , Sie bleiben noch bis Ostern der candidatus theologiae . « » Mein Entschluß ist aber fest . « » Ich glaube Ihnen das . Trotzdem , folgen Sie mir ! Sie haben dann fast vier Monate zur Überlegung , und der Zeitverlust kommt bei Ihrer Jugend nicht in Betracht . Außerdem sprechen noch andere Gründe dafür . Rücksicht auf die Familie Sporner . Wenn Sie jetzt Knall und Fall weggehen , bringt jedermann Ihren Entschluß in einen gewissen Zusammenhang mit Ihrem Verkehr in dem Hause . « - » Das sehe ich ein . « » Gut ! Da wären wir also in der Hauptsache einig . Alles weitere können wir noch überlegen . Ob Sie ein anderes Studium ergreifen , oder was Sie sonst tun wollen . « » Darüber weiß ich gar nichts . « » Heute müssen Sie sich ja nicht entschließen ; aber eines , wenn Sie keine bestimmte Neigung haben , nur kein Brotstudium ! Alles ist besser . Zum Beispiel in ein Geschäft eintreten , in dem Sie gleich tüchtig arbeiten müssen . « » Das wäre mir auch das Liebste . « » Ich meine aber nicht bei Sporners seligen Erben , Sylvester ! « Die beiden saßen noch lange zusammen . Sylvester wurde gesprächig , als er über seine Verlegenheit weggekommen war . Und der Alte ließ ihn gewähren . Er gab ihm noch manchen Rat für die nächste Zukunft . Als Sylvester sagte , der Gedanke bedrücke ihn , daß er unter den veränderten Umständen die Hilfe seines Vetters in Anspruch nehmen müsse , erwiderte Schratt , dagegen könne vielleicht Rat geschaffen werden . Er habe einen alten Freund mit Namen John White aus Milwaukee , früher Hannes Weiß von Pirmasens . Er lebe in hiesiger Stadt und habe ihm einmal gesagt , daß er für seinen Enkel einen Hauslehrer suche . Wäre die Stelle noch frei , so könne Sylvester sie erhalten ; aber auch sonst würde sich schon etwas finden . » Darum Kopf hoch ! « sagte er . » Die Sorge wird Sie nicht drücken . Und tut Ihnen die Erinnerung an glückliche Stunden weh , dann sagen Sie mit unserm Goethe : Ich träumt ' und liebte sonnenklar ; Daß ich lebte , ward ich gewahr . « Zwölftes Kapitel Am 6. Dezember kam ein Schreiben des Bezirksamtes zu Handen des früheren Bürgermeisters Kloiber von Erlbach . Es wurde von ihm dem Ausschusse bekannt gegeben am Tage Maria Empfängnis , am 8. Dezember . Der Schuller war anwesend und hörte zu , als Herr Stegmüller das Schreiben vorlas . » Der Wahl des Andreas Vöst wird die Bestätigung versagt . « Stegmüller räusperte sich , als er den Satz gelesen hatte . » Und jetzt kommen die Gründe , « sagte er , » aber die brauch ' ich nicht vorzulesen , die gehen bloß den Schuller an , wenn er sich beschweren will . « » Mi brauchen ' s net z ' hören , « meinte der Kloiber , » mir hamm uns bloß um dös z ' kümmern , daß a neue Wahl ang ' setzt wer ' n muaß . « » I will , daß ' s vorg ' lesen werd , « sagte der Schuller . Stegmüller sah zu ihm hinüber und schüttelte abmahnend den Kopf . » Wirklich , Herr Vöst , das is net notwendig , und warum sollen wir ' s tun ? « » Warum ? Weil i koa Hoamlichkeit hab ' . « Der Schuller trat vor ; sein Gesicht war gerötet . » Dös kam so raus , « sagte er , » als wenn i was zum fürchten hätt ' . I fürcht ' dös Papier net , dös Sie in der Hand hamm , Herr Lehrer . « » Das glaub ' ich wohl , aber warum soll ' s jetzt eine Aufregung geben ? Warum soll ich das öffentlich vorlesen ? « » Weil i net mit tua bei dem Versteckeng ' spiel . Was oaner über mi woaß , soll er sag ' n , aber net verstohlens , wie ' s bei die Spitzbuab ' n der Brauch is . I ersuach Eahna , lesen S ' de Schrift , Herr Lehrer . « » Wenn Sie wollen , « sagte Stegmüller und sah den Schuller noch einmal fragend an . - » I will ' s. « » Also dann kommen die Gründe . Die Bestätigung wird versagt , hat es geheißen : Das Bezirksamt findet sich als Aufsichtsbehörde zu dieser Entscheidung aus mehrfachen Gründen veranlaßt . Gegen Andreas Vöst sind von Seiten des verstorbenen Pfarrers Held Anklagen erhoben worden , welche schwere Bedenken gegen ihn wachrufen . Es wird darin behauptet , daß Vöst seinen gebrechlichen Vater in abscheuerregender Weise mißhandelt habe , und daß der Ankläger selbst die Spuren der Verletzungen sah . Wenn nun auch diese Beschuldigungen vor längerer Zeit erhoben und nicht bewiesen wurden , haben sie doch erst jüngst Wirkungen hervorgerufen , welche die Aufsichtsbehörde zwingen , der Wahl die Bestätigung zu versagen . Das Verhalten verschiedener Gemeindebürger zeigte , daß Andreas Vöst bei vielen der Achtung entbehrt , welche eine notwendige Vorbedingung jeder Vertrauensstellung ist . Zudem besteht die offene Gefahr , daß sich hieraus Streitigkeiten ergeben , welche die Ruhe und die Ordnung in der Gemeinde empfindlich stören müßten . Diese Befürchtung ist um so mehr geboten , als es bereits zu Beleidigungen und im Verlaufe derselben zu Raufereien gekommen ist , bei welchen Andreas Vöst unzweifelhaft der Angreifer war . Es ist anzunehmen , daß die Bestätigung den Anlaß zu neuen Zwistigkeiten bieten würde , welche mit dem Ansehen eines Bürgermeisters unverträglich sind und welche seine Autorität erschüttern müßten . Aus allen diesen Gründen war die Bestätigung zu verweigern . « Stegmüller legte das Papier vor sich hin . » San S ' jetzt ferti , und steht nix mehr drin ? « fragte der Schuller . » Ich hab ' alles vorgelesen . « » Nacha möcht ' i no a paar Wort ' sag ' n über dös . « » Ja , aber ... « » Du muaßt jetzt koa Aber net hamm , Kloiber . I frag ' enk alle , wia ' s da seid ' s , is oana dabei , der dös glaubt ? « Keiner gab Antwort . » Wenn oana was Schlecht ' s g ' sehg ' n hat von mir , der soll ' s jetzt sag ' n. Vor meiner , daß i ' s selber hör ' . Und daß i mi verteidig ' n ko . « » Ma hat nia was g ' hört bis auf die letzt ' Zeit , wo ' s den Streit geb ' n hat , « sagte der Zwerger . Die andern schwiegen und zeigten auffällig , daß sie die Sache nichts angehe . Sie schauten gleichmütig vor sich hin oder sahen zum Fenster hinaus . Der Schuller wurde heftiger . » Also wenn koaner was g ' hört hat , wo is ' denn nacha der Abscheu , von dem da g ' schrieb ' n steht ? Da müaßt ' s do bekenna , daß dös Schreib ' n verlogen is . « » Mir hamm net zum befinden über dös . « » Sagst du dös , Kloiber ? « » Ja , dös sag ' i ; mir san net berechtigt , daß mir da an Urteil abgeb ' n , bal ' s amal vom Bezirksamt g ' schrieben is . « » Siehg ' st it , daß ' s Bezirksamt ang ' log ' n wor ' n is ? « » Des sell woaß i net . « » Nacha frag , balst nix woaßt ! I hab ' Nachbarn g ' nua , de d ' Ohren aufg ' rissen hätt ' n , wenn ' s bei mir was geb ' n hätt ' . Da steht glei der Hamberger ! Hast du g ' rad oamal g ' hört , daß i mein Vata g ' schimpft hab ' ? Oder hast ' n vielleicht gar jammern g ' hört ? « Der Hamberger drehte verlegen seinen Hut in den Händen . » I pass ' überhaupt it auf , was bei dir drent ' g ' redt werd , « sagte er . » I misch ' mi überhaupts net in ander ' Leut ' Sach ' . « » Du traust dir net lüag ' n , gel ? Und d ' Wahrheit magst it sag ' n. « » Dös werst du net behaupten kinna , daß i was g ' redt hab ' über di . « » Aba koa Zeugnis gibst mir aa net ! Und woaßt do recht guat , daß d ' ma ' s geb ' n muaßt , von Rechts wegen . « » I lass ' mi von dir zu gar nix zwinga . « » Wer ' s Maul halt , wo er reden muaß , is a Tropf . Und so schlecht wia der Ehrabschneider . « » Derfst du mi schlecht hoaßen ? « » Di und de andern . « » Schuller ! « mahnte der Lehrer . » Nix ! Jetzt red ' i. I hab ' mir net denkt , daß ös glei Feuer und Flamm ' sei müaßt ' s , wenn mir was g ' schiecht . I woaß scho , daß si a jeder selm um sei ' Sach ' kümmern muaß . Aba dös is net mei Sach ' alloa . Dös geht all ' samt was o. Ös habt ' s mi g ' wählt . Und jetzt steht ' s da , und koana sagt a lausig ' s Wörtl , und jeder woaß , daß ma mi bloß mit der Lug weg ' bracht hat . « » Mir wissen gar nix , « sagte der Kloiber , » und mir san net Richter über dös . « » Schö hoamli halt , Kloiber . So oaner bist du . « » I bin so oana , der si net um dös kümmert , was ' n net o ' geht . Wenn all ' s verlog ' n is , was in dem Schreib ' n steht , hernach wer ' st du scho wissen , wo ' st higeh ' muaßt . Und mir laßt mei Ruah , daß da ' s woaßt . « Er nahm seinen Hut vom Nagel und verließ das Zimmer . Der Hamberger folgte ihm mit vier anderen , die sich ohne Gruß und Rede hinausschlichen . Als sie draußen waren , verzog der Schuller den Mund zum Lachen ; aber er brachte es nicht fertig . » Da schau her ! « sagte er , » es bleiben do no a paar . Ös werd ' s Spektakel kriag ' n , wenn ' s der Pfarrer derfragt . « » Du woaßt scho , daß i auf dös net aufpass ' , « sagte der Zwerger . » Und hast aa nix g ' redt . « » Zu was hätt ' i red ' n sollen ? Dös hätt ' da gar koan Wert it g ' habt . Jetzt muaßt di du selm rühr ' n. « » I rühr ' mi scho . Aba bal da Pfarra so wen ' g Helfer g ' funden hätt ' , wia i , nacha waar dos Schreib ' n net kemma . « » I hab ' mi da a net beteiligt , und mir g ' fallt ' s von koan , der mit to hat . « » Herr Vöst , wenn Sie eine Beschwerde aufsetzen wollen , die will ich Ihnen schon schreiben , « sagte Stegmüller . » Mit ' n Schreib ' n is da nix g ' macht . I fahr ' selm ins Bezirksamt eini . « » Wie Sie meinen , aber ich hätt ' s gern getan . « » I dank ' schö , Herr Lehrer . « » Balst ins Bezirksamt eini fahrst , « sagte der Zwerger , » nacha nimm do den alt ' n Weiß Flori mit . Der is guatding zwanz ' g Jahr ' Kirchenpfleger g ' wen beim Herrn Held . Vielleicht woaß er was und kunnt dir was helfen . « » I frag ' n amal . Vielleicht mag er gar it . « » Warum denn net ? Da is do nix dabei . I gang glei mit dir eini , aber da waar dir nix g ' holfen . Weil i nix woaß von dera Sach ' und überhaupt net g ' schickt bin für so was . « » I dank ' dir schön für ' n guat ' n Willen , Zwerger ! Und jetzt pfüat Good und schaug , daß der Pfarrer net inne werd , daß d ' ma ' r an Rat geb ' n hast . « Den andern Morgen spannte der Schuller seinen Braunen ein und fuhr in langsamem Trab durch Erlbach . Es war noch dunkel . In den Ställen brannten überall Lichter ; man hörte die Pferde aufstampfen und die Kinnketten klirren . » Es is scho Fuatterzeit , « sagte der Schuller vor sich hin . Beim letzten Hause hielt er an . Aus dem Dunkel heraus trat ein Mann und grüßte . » Guat Morg ' n , Schuller ! « » Gut Morg ' n , Flori ! Sitz auf ! « Es war der alte Florian Weiß , dem früher das Metzanwesen gehörte . Im Herbst hatte er es seinem Schwiegersohn übergeben , und jetzt lebte er im Austrag . Er stand in den Sechzigern , war aber noch frisch und gesund und stieg wie ein Junger auf den Wagen . » Hü ! « sagte der Schuller , und der Braune zog an . Schnell laufen konnte er nicht ; die Straße war aufgeweicht , und die Räder machten tiefe Geleise . Auf den Feldern lag frischer Schnee : so einer , der nicht bleibt , den der Wind in einem Vormittag frißt . Da und dort bewegte sich etwas Dunkles über die weiße Fläche . » Kirchenleut ' , « sagte Weiß , » de genga ins Engelamt . « Der Schuller nickte und zog die Zügel an . » A schlecht ' s Fahr ' n heut ' . « » Ja . « Von Webling herüber hörte man läuten . » Mir kriag ' n Tauwetta , « sagte Weiß , » weil ma de Glock ' n so nah ' hört . Mir hamm an Bergwind . « » Es hat heuer z ' fruah g ' schneit , « antwortete der Schuller , » da bedeut ' der ganz ' Winter nix . « » Is schad ' . De alt ' Regel hoaßt : Dezember kalt mit Schnee , gibt Korn auf jeder Höh ' . « » Ja , ja . « Sie schwiegen wieder . Allmählich wurde es Tag . Im Westen zeigten sich lange , blaßrote Streifen am Himmel . Weiß deutete hin und sagte : » Auweh , heut ' regn ' t ' s no . « Als sie den Neuriederberg hinauffuhren und der Gaul in langsamem Schritt ging , drehte sich der Schuller zu seinem Nachbar hinüber . » Du woaßt , Flori , was i z ' Nußbach für a G ' schäft hab ' ? « » Ja ; du willst ins Bezirksamt . Weg ' n deiner G ' schicht ' . « » Der Zwerger moant , du kunnt ' st ma was helfen . « » Er hat ' s aa zu mir g ' sagt . Aber i ko dir it helfen , Schuller . « » Warum it ? « » Neamd ko dir helfen . Dös derfst ma glaub ' n. « » Moanst du , daß da Held dös wirkli g ' schriebn hat ? « » Da moan i gar nix . Dös is aa ganz wurscht : verspiel ' n tuast allaweil . « » Wenn i ' s aba nachweis ' n ko ! « » Geh , Schuller , g ' hörst du aa no zu dena , de wo glaab ' n , daß ma ' r a Recht kriag ' n ko geg ' n de Beamt ' n oder geg ' n de Geistlichkeit ? Du bist halt no jung , balst amal so alt bist , wia ' r i , nacha verlierst den Glaub ' n. « » I gib it nach , Flori . « » I - ja ; du gibst scho nach , weilst nachgeb ' n muaßt . « » Hast du was g ' hört unter der Hand ? « » Von deiner Sach ' ? Na . Net mehra , als was halt so verzählt werd ' . Aba da brauch ' i gar nix z ' wissen . « » I vasteh ' di net . Sag halt , was d ' moanst . « » Dös will i dir scho sag ' n. Siehg ' st , i hab ' a Büachl dahoam ; dös hat mir der alt ' Gumposch von Webling geb ' n. In dem Büachl steht alles drin , haarscharf , wia ma ' s de Bauermenschen macht , und wia ma ' s eahna allawei g ' macht hat . De meisten Leut ' wissen dös ja gar net und lassen si recht dumm o ' lüag ' n. Aber i woaß ' s , Schuller ; weil i oft in dem Büachl les ' , und weil i mir alles g ' nau merk ' . « » Es is do net bei a jed ' n gleich , Flori ; auf an jed ' n paßt net des nämliche . « » Freili is net bei an jed ' n gleich , dem oan fehlt dös , dem andern fehlt was ander ' s , aba bei an jed ' n geht ' s auf das nämliche ' naus . Daß er verspielt is , vor er o ' fangt . De Geischtlichkeit und der Adel und de Beamten , de helfan z ' samm ' , so lang ' d ' Welt steht . I hab ' s früher aa net so verstanden , aber jetzt is mir a Liacht aufganga . Du derfst ma ' s glaab ' n , Schuller . « » I ko mit dir net streit ' n ; i kimm net viel zum Lesen . « » I hab ' aa z ' erst nix kennt . Früherzeiten bin i oft in d ' Stadt einikemma , und da hab ' i mir allaweil denkt , wo s ' no g ' rad ' s Geld hernehma ! Oan Hausstock nach dem andern hamm s ' baut , oan schöner wia den andern , und de Läden , und de Wirtshäuser , und Waglross ' ! Ja , mei liaba Mensch , g ' rad nobl halt ! I hab ' d ' Aug ' n aufg ' rissen und bin ganz hintersinnig wor ' n. Wo dös Geld allssamt herkimmt ! Selbig ' smal hon i mir denkt , vielleicht g ' winnen s ' as in der Lotterie , oder finden s ' dös Geld unterirdisch . Aber jetzt woaß i ' s recht guat . Von ins hamm s ' as ; von de Bauernmenschen . « » Flori , des kunnt net viel sei ! Garaus heut ' , wo ' s allaweil schlechter geht . « » Dös is ja g ' rad ! Desweg ' n geht ' s bei ins schlechta , weil s ' ins dös meist g ' numma hamm . Du muaßt it so rechna , von de paar Erlbacher oder Weblinger . Dös waar freili net viel . Aber im ganzen Bayernland , da macht ' s was aus . « » Vielleicht hast recht , abar vasteh ' tua i di net . « » I leich dir amal dös Büachl , da steht ' s g ' nau drin . « » Und was hat dös mit meiner Sach ' z ' toa ? « » G ' rad g ' nua hat ' s z ' toa damit . Du siehg ' st as bloß net . Paß auf , Schuller ! Mir Bauern san do de mehrern , weitaus . Wia kunnten denn de andern oben auf kemma ,