« Er will nicht mehr antworten . » Jessas und Anna , weil ich dazu gehör ' ! « stößt er endlich heraus . » Nachher freilich , nachher müssen wir schon trachten , daß wir dich loskriegen , « sage ich , klettere an der Wand ein wenig empor und heb ' an dem Burschen zu zerren an , bis wir die zweite Hand heraus haben ; dann geht ' s schon leichter . Nicht lange darauf , so steht er am Boden , sucht seinen davongerollten Spitzhut auf , schlingt sich die steif gewordenen Arme und Beine ein , blickt mit hochrotem Gesicht nochmals empor zu dem Rauchfensterlein und ruft : » Du Höllsaggra , da hat ' s mich derwischt gehabt ! « Dann sind wir in der Dämmerung zusammen hinabgestiegen gegen den Winkelegger Wald . Der Bursche hat nicht recht mit mir reden wollen . Ich habe versucht , meine Bosheit gut zu machen , habe ihm versichert , daß ich ' s ja gleich erkannt , er sei kein Dieb . » Und morgen wirst also zu Holdenschlag bei der Hochzeit sein ? Bist zuletzt gar der Brautführer , he ? « » Der Brautführer , nein , derselb ' bin ich nicht . « » ' leicht hätten sie ' s zu Holdenschlag auch allein gemacht , wärst da oben stecken geblieben . « Er zieht den Hut über die Augen und blickt auf die Baumwurzeln , über die wir nun hinabsteigen . » Allein , « meint er endlich , » nein , dasselb ' glaub ' ich nicht . Wisset , die Sach ' geht halt so zu , allein machen sie es schon deswegen nicht , weil - weil ' s völlig so ausschaut , wie wenn ich der Bräutigam wär ' . « Dieses Wort gehört , bin ich stillgestanden , hab ' den Burschen eine Weile angestarrt und gedacht , wie das böse wäre , wenn unten die Braut und die ganze Hochzeit harren und harren täten und der Bräutigam steckt oben im Rauchfenster der Sennhütte . Der junge Mann hat mich hierauf höflich zu seinem Ehrentag eingeladen . Er hat mich geführt ; wir sind hinabgestiegen durch den finsteren Wald bis zum engen Tal des Winkelegg . Ein Berg von ausgeschälten Holzblöcken liegt da ; das ist der Winkelegger Wald , der auf einer langen Riese Stamm an Stamm herangerutscht gekommen ist . Neben dem Holzhaufen stehen die drei schwarzen , großmächtigen Betten der Meiler , über denen langsam und still milchweißer Rauch emporqualmt zu den Kronen der Schirmtannen . Der Holzmeistersohn von den Lautergräben hat mich genötigt , mit ihm in die Klause zu treten , die unter den Schirmtannen steht . In der Klause sind drei Menschen , zwei Hühner , eine Katze und die Herdflamme . Sonst habe ich kein lebendiges Wesen gesehen . Ein junges Weib steht am Herd und legt Lärchengeäste kreuzweise über das Feuer . Mein Begleiter sagt mir , dieses junge Weib sei seine Braut . Hinter dem breiten Kachelofen , der schier bis zur rußigen Decke der Stube emporgeht , und der mich , den fremden Eindringling , mit sehr großen , grünen Augen anglotzt , sitzt ein Mütterlein und zieht mit unsicheren Fingern die Buntriemen durch ein neues Paar Schuhe , wobei es sich allfort die Augen wischt , die schon recht abgestanden sein mögen , wie ein altes Fensterglas , das viele Jahre lang im Rauche der Köhlerhütte gestanden . Mein Begleiter sagt mir , dieses Weib sei die Mutter seiner Braut , welche von den Leuten allerwege die Rußkathel geheißen wird . Weiter hin , im dunkelsten Winkel , sehe ich eine derbe , männliche Gestalt mit entblößtem Oberkörper , die sich aus einem breiten Holzbecken mit solcher Gewalt wäscht und abreibt , daß sie schnauft wie ein Lasttier . » Das ist meiner Braut der Bruder , « erklärt mir mein Begleiter , » er ist der Köhler dahier und sie heißen ihn den Ruß-Bartelmei . « Dann tritt der Holzmeistersohn zu seiner Braut und sagt ihr , daß er da sei und daß er an mir jenen Menschen mitgebracht habe , der allweg in den Wäldern herumgehe und die hohe Gelehrsamkeit habe und der ihnen zum Hochzeitstag die Ehre erweisen werde . Das junge Weib wendet sich wenig gegen mich und sagt : » Schauet , daß Ihr wo niedersitzen mögt , ' s geht halt so viel zerrissen zu , bei uns ; wir haben nicht einmal einen ordentlichen Sitzstuhl . « Hierauf spricht der junge Mann eine Weile leise mit seiner Braut . Ich halte , er hat ihr die Geschichte von der Sennhütte erzählt , weil sie auf einmal ausgerufen : » Aber na , du bist doch ein rechter Närrisch ! Mußt denn überall hineingucken , oder bist es von eher so gewohnt worden , da oben bei der Sennhütten ? « Der Bursche wendet sich zu seiner Schwiegermutter : » Gebt her die Schuh ' , Ihr laßt ja doch die Löcher zur Hälfte aus ; für so feine Arbeit mögt Ihr nimmer lugen . « » Ja , du Paul , dasselb ' ist wohl wahr auch , « keifelt die Alte gemütlich aus ihrem zahnlosen Munde , » aber hörst , Paul , mein Ahndl hat meiner Mutter die Brautschuh eingeriemt , meine Mutter hat ' s mir getan ; und ich , für was wär ' ich altes Krückel denn auf der Welt , wollt ' ich für meine Annamirl nicht auch einriemen . « » ' leicht kriegt Ihr bald andere Arbeit , Mutterle , beim Heideln ( Wiegen ) braucht Ihr nicht zu lugen , « versetzt der Paul schalkhaft . Da hebt die Annamirl den Finger : » Du ! « Und im dunkeln Winkel ist das vorige Plätschern und Schnaufen . Ein Mensch , der einmal so angeschwärzt ist , wie der Ruß-Bartelmei , der vermag sich nicht mehr so leicht weiß zu waschen vor der Welt , und sollte seine Schwester gar den Holzmeistersohn von den Lautergräben heiraten . Und mein Holzmeistersohn zieht die Riemen in die Schuhe seiner Braut . Die Alte , einmal zu den ersten Worten veranlaßt , kommt ins Schwätzen : » Und vergiß mir ' s ja nicht , Annamirl , « sagt sie , » mußt es auch probieren . Einmal wird ' s doch anschlagen . « » Daß ich den Patengroschen2 sollt ' anbauen , Mutterle ? « » Dasselb ' , ja . Und unter einer Zwieseltann ' mußt du in der Hochzeitsnacht den Groschen vergraben . Das ist der Geldsamen , und wirst sehen , in drei Tagen wird er blühen , und in drei Monaten kann er gleichwohl schon zeitig sein . Die Vorfahren haben es auch so gemacht , aber allen ist ' s nicht gelungen . Gewesen ist ' s so : mein Ahndl hat die Zeit versäumt , meine Mutter hat die Zwieseltann ' nicht mehr gefunden und ich hab ' einen unrechten Groschen in die Erden tan . Deswegen , meine Tochter , merk ' dir die Stund ' und die Zwieseltann ' , und der Groschen wird aufgehen und Geld genug wirst haben dein Lebtag lang . « Die Annamirl öffnet eine alte Truhe und beginnt in den Kleidungsstücken und anderen Geräten herumzukramen . Ich glaube , sie hat den Patengroschen gesucht . Der Köhler im Winkel wäscht und reibt sich . Mehrmals wechselt er das Wasser , und immer wird es schier schwarz wie Tinte . Endlich aber bleibt es nur grau , da läßt der Ruß-Bartelmei ab und trocknet sich ; dann kleidet er sich an , setzt sich auf die Türschwelle , und aufatmend sagt er : » Ja , Leut ' , die eine Haut hätt ' ich jetzt herunter und die andere ist noch ein wenig oben . « Dieselbe aber , die noch ein wenig oben , ist sehr rot geworden , ist stellenweise gar noch ein bißchen braun , und es soll doch immer noch der Ruß-Bartelmei sein , der morgen seiner Schwester zur Hochzeit geht . Ich werde eingeladen , daß ich über die Nacht in der Hütte bleibe und die Braut setzt mir gastlich eine Eierspeise vor , weil ich der » gelehrte Mann « , der , käme die Zeit und hätten die Kinder einen guten Kopf , leicht zu brauchen wäre . Der Rauch hat die Hühner aus ihrer Abendruh ' aufgetrieben ; da kommen sie nun zu mir auf das Tischchen und machen , zuckend , hohe Krägen über den Topfrand in meinen Kuchen hinein . Wollen sie zuletzt gar ihre Eier wieder zurückhaben ? Auch die Alte kommt mir immer näher , tut zweimal den Mund auf und unverrichteter Sache wieder zu , und murmelt dann in ihr blaues Halstuch hinein : » Ich red ' s doch nicht - ' s wird gescheiter sein . « Ich bin ihrer Furchtsamkeit zu Hilfe gekommen : » Allfort wohlauf , Mutterle ? « » Dank Euch Gott die Frag ' , « entgegnete sie sogleich und rückt mir noch näher , » diemal ja , - unberufen . Was noch kommen wird , weiß unsereins nicht . Und daß ich ' s nur daher red ' , wie ich ' s versteh ' : er ist ein gelehrsamer Mann , sagen die Leut ' , nachher wird er das Wahrsagen wohl auch kennen ? - Gar nicht ? - Aber das , hätt ' ich gemeint , sollt ' so ein Mensch wohl lernen . Und von wegen dem Lotterg ' spiel , weil wir schon so weit bekannt sind : weiß er keine Nummern ? « » Jestl und Josef , « schreit jetzt das junge Weib plötzlich auf , » eilet , eilet , Mutterle , mir deucht , das Kätzl ist ins Wasserschaff gekugelt ! « Da wackelt die Alte gegen den Winkel hin , in welchem früher der Bartelmei gewesen ; aber das Kätzlein ist schon fort , ist vielleicht gar nie im Wasser gewesen . Die Annamirl wird sich der kindischen Fragen ihrer Mutter schämen , und hat ihnen durch obige List ein Ende gemacht . Am andern Tag , als die Morgenröte durch den weißen Kohlenrauch hat geglüht , sind von allen Seiten des Waldes her Leute gekommen . Schmuck und geschmeidig sind alle gewesen , wie ich sie hier noch nie so gesehen . Sie bringen Hochzeitsgaben mit . Der Pecher kommt mit dem glänzenden schwarzen Pechöltopf : Und er meint es wohl so : Für die Brautleut ' zur Gesundheit . Was will das Pechöl sagen ? Habt ihr im Leben auch Pech zu tragen , müßt Ihr ihm gleich das Öl der Geduld zuteilen . Das will das Pechöl sagen . Wurzner kommen mit Gesäme und duftenden Kräuterbüscheln ; die Ameisgräber kommen mit » Waldrauch « ; Kinder bringen Wildobst in Fichtenrindenkörbchen ; Holzhauer tragen Hausgeräte herbei . Der Schwamelfuchs , ein altes , verhöckertes und verknorpeltes Männlein , schleppt eine großmächtige Tonschüssel heran , einen rechten Familientopf , wohl für ein ganzes Dutzend Esser . Andere bringen hölzerne Löffel dazu ; wieder andere kramen Mehl- und Schmalzkübel aus und ein Kohlenbrennerweib kommt ganz verlegen hereingetorkelt und steckt der Braut ein sorgsam umwickeltes Päckchen zu . Als diese , mit unbehilflichen Worten die Spenderin lobend , es öffnet , kommen zwei wackergestopfte Kapauner zum Vorschein . Das erspäht die alte Rußkathl , die , bereits auch festlich angezogen , erwartungsvoll an den Wänden herumschleicht , und sie flüstert zu ihrer Tochter : » Weißt wohl , Annamirl , wo die best ' Brautgab ' hinkommen muß ? Ja wohl in den kühlen Erdboden hinein . Nachher kommt eine schöne Frau in guldenem Wagen gefahren , und an den guldenen Wagen sind zwei Kätzlein gespannt , die graben mit ihren Pfoten die Brautgabe aus , und die Frau nimmt die Gab ' in ihre schneeweißen Händ ' und fährt dreimal um die Hütten herum ; nachher kann kein Elend kommen in eueren heiligen Eh ' stand . « - So klingt das Märchen von der Freya noch fort im deutschen Walde . Die Annamirl schweigt eine Weile und dreht die schweren , säuberlich gerupften und gefüllten Geflügel in der Hand um und um , als wären sie schon am Bratspieß , dann versetzt sie : » Ich halt ' , Mutter , in der Erden kunnten sie verfaulen , oder es fräßen sie die Kätzlein , und deswegen ist es , daß ich sag ' : wir essen sie selber . « Zuletzt naht gar der feine Branntweiner mit seinem großen vollbauchigen Plutzer , der gleich einen weingeistigen Geruch verbreitet in der ganzen Hütte . Das riecht der Ruß-Bartelmei , der sofort herbeieilt , um zu sehen , wie so ein Tonplunzer eigentlich gemacht und zugestopft ist . Aber da kommt die Annamirl dazwischen : » Dank dir zu tausendmal Gott , Branntweinhannes , das ist schon gar zu viel , das können wir nicht abstatten . Das ist ' leicht das best ' Brautgeschenk , und so tu ' ich damit den alten Brauch . « Behendig zieht sie den Stöpsel aus dem Plutzer , gießt den funkelnden , rauchenden Branntwein bis auf den letzten Tropfen auf den Erdboden . Die Alte kichert und keift : » Du Närrisch du , allbeid ' Kätzlein werden dir rauschig ; wird aber das ein Gehetz sein ! « Als alle beisammen sind , hat schon die Sonne zur Tür hereingeleuchtet . In der Nacht ist ein Mahl gekocht worden , das die Leute nun mit gutem Appetit und lustigen Worten verzehren . Ich habe ebenfalls davon genossen und habe mich unter die Kinder gemacht , die da gewesen und denen ich von den Speisen in ihre hölzernen Schüsselchen gefaßt , auf daß sie auch etwas bekommen . Darauf sind wir alle davongegangen . Bei den Kohlenmeilern bleibt ein einziger alter Mann zurück , der mit seinem Eisenhaken lange vor der Tür steht , ein kurzes , hochtürmiges Pfeiflein schmaucht und uns nachblickt , bis wir in dem waldschattigen Hohlweg ihm verschwunden . Dann liegt nur noch die stille Morgensonne auf den Schirmtannen . Viele Männer des Hochzeitszuges haben sogar Schußgewehre bei sich getragen ; aber nicht nach den Tieren zielen sie heute , in die freie Luft schießen sie hinein , und sie halten es für eine große Feierlichkeit und Pracht , wenn es recht knallt und hallt . Gesungen und gejauchzt wird , daß der Sommertag zittert . Herzensfreudige Lieder habe ich da gehört ; Schalkheiten werden getan , althergebrachte Spiele unterwegs gehalten , und es ist schon Mittag , als wir zur Pfarrkirche von Holdenschlag gelangen . Fünf Männer kommen uns entgegen mit Trompeten , Pfeifen und einer gewaltig großen Trommel . Mit einer wahren Festfreudenwut haut der Trommelschläger drein ; und das ist ein Gehetz und mächtiges Gelächter , als der Schlägel plötzlich das so sehr gemarterte Fell durchbricht und in den Bauch hineinschießt , um seinem Takte auf dem andern Felle noch rechtzeitig nachzukommen . Ein Bursche schleicht lauernd um den Zug und will uns nach alter Sitte die Braut entführen , allein der Brauthüter wacht . Er wacht eigentlich mehr über seinen Geldbeutel als über die Braut ; denn wäre ihm diese abhanden gekommen , der Entführer hätte sie in ein entlegenes Gasthaus geschleppt und der Brauthüter hätte müssen die Zeche zahlen . Der Bräutigam geht neben der ersten Kranzjungfrau ; erst nach der Trauung gesellt er sich als Ehemann zu seiner Gattin , und nun geht der frühere Brauthüter mit der Kranzjungfrau , auf daß gleich der Keim zu einer neuen Hochzeit gelegt ist . Der Brauthüter ist mir wohl bekannt , er heißt Berthold , die Kranzjungfrau heißt Aga . In der Kirche wird Wein getrunken und der Herr Pfarrer hält eine sehr erbauliche Rede von dem Ehesakramente und den Absichten Gottes . Der gute alte Herr hat sehr schön gesprochen , aber die Leute aus dem Walde verstehen sein Hochdeutsch nicht recht . Erst im Wirtshause , als wir schon alle gegessen , getrunken und Schabernack getrieben haben , ist für die Leutchen die rechte Predigt . Da erhebt der alte , bärtige Rüpel sein Weinglas und hebt an zu reden : » Ich bin kein gelehrter Mann , hab ' keinen Doktornzipf auf und keine Kutten an . Tät ' ich mein Weinglas nit haben zur Hand , bei meiner Treu ' , Leut ' ich brächt ' kein gescheit Wörtl zustand . Daß die Zung ' mir wird gelöst , wie es Moses ist gewest , desweg ' trink ich den Wein ; fällt mir auch leichter ein schicksam Wörtl ein . - Ich bin als der alte Bibelreiter bekannt ; wär ' ich Rittersmann , ich ritt auf einem Schimmel durchs Land . Und in der Bibel , da hab ' ich einmal ein Sprüchel erfragt , der Herrgott , das Kreuzköpfel , hat ' s selber gesagt : ist der Mensch allein , sagt er , so tut er kein gut ; aber sind ihrer viel , so tun sie auch kein gut ; so probier ich ' s halt justament zu zwein und zwein , und sperr ' sie paarweis ' in die Hütten ein . Aber schaut ' s , da wird gleich die Hütten zu klein . Sie brauchen großmächtiges Haus ; zuletzt ists heilig Paradeis zu eng , sie müssen in die weit ' Welt hinaus . Müssen hinaus in den wilden Wald und auf stockfremde Heiden , müssen leiden und meiden und zuletzt wieder scheiden . Da hat der lieb ' Herrgott seinen Sohn geschickt , daß er sollt die Schäflein weiden . Ich hör ' auf das Kreuz wohl drei Hammerschläg ' klingen , zur Rechten , zur Linken , zu Füßen - da möcht ' einem das Herz zerspringen . Darauf ist geronnen das rosenfarbne Blut , das tut uns den Himmel erwerben . Dir bring ' ich das Glas , o Gotteslamm , für dein heiliges Leiden und Sterben ! « Da ist es still gewesen in der ganzen , weiten Stube , und der alte Mann hat das Glas ausgetrunken . Bald aber füllt er es zum zweitenmal und spricht : » Ihm sei die Ehr ' , aber es soll der Herr nun in Freuden auch bei uns sein , und darum laden wir zu diesem Ehrentag auch den Herrn Jesus ein , wie auf der Hochzeit zu Kana in Galilä , auf daß er uns mache das Wasser zu Wein , den ganzen Winkelbach , heut ' und alle Tag ' . Und der Wein ist hell und rein , weiß und rot zusammengossen , wie die zwei jungen Herzen sein zusammengeschlossen in Lieb ' und Ehr ' , und sonst keiner mehr . Der Wein wird gewachsen sein bei Sonn- und Mondenschein zwischen Himmel und Erden , so wie unsere Seel ' von oben ist , und der Leib von der Erden . Und der süße , guldene Wein soll Braut und Bräutigam zur Gesundheit sein . « Das ist jetzt eine Lust und ein Geschrei , und die Pfeifen und Geigen klingen drein , und der Braut gießen sie Wein auf ihren grünen Kranz . Jeder hebt nun sein Glas und bringt seinen Hochzeitsspruch , sein Brautlied aus dem Stegreif dar . Zuletzt torkelt die alte Ruß-Kath empor und mit unglaublich heller Stimme singt sie : » Schneid Birnbam , Schneid Buxbam , Schneid birn-buxbam ' ni Ladn , Mei Schatz will a buxbamas Bettstadl habn ! « Das ist ihr Trinklied und Hochzeitsspruch gewesen . Wie ' s jetzt angegangen , da hab ' ich gemeint , der Hall und Schall drücke alle vier Wände hinaus in den ruhsamen Abend . Nach und nach ist es wohl wieder stiller geworden und die Leute haben ihre Augen auf mich gelenkt , ob ich , der gelehrte Mann , denn keinen Brautspruch wisse . So bin ich denn aufgestanden : » Glück und Segen dem Brautpaar ! Und wenn nach fünfundzwanzig Jahren seine Nachkommen in den Ehestand treten , so wird es in der Pfarrkirche am Stege der Winkel sein . Das möge kommen ! Ich leere den Becher ! « So hat mein Brautspruch gelautet . Darauf ist ein Gemurmel und Geflüster gewesen und einer der Ältesten ist an meinen Platz getreten und hat mich höflich gefragt , wie die Rede gemeint . - Die ganze Nacht hin hat in dem Wirtshause zu Holdenschlag die Musik geklungen , haben die Hochzeiter getanzt und gesungen . Am anderen Morgen haben wir das Ehepaar aus seiner Kammer hervorgeholt . Dann ist eine lange Weile der Brauthüter gesucht und nicht gefunden worden . Wir hätten den Berthold zu einem uralten Hochzeitsspiele , dem Wiegenholzführen , benötigt . Wer hätte gedacht , daß der wildlustige Bursche in des Pfarrers Stube steht , eine ganze Alpenglut auf seinen Wangen trägt und mit beiden Händen die Krempen seines Hutes zerpreßt . Der Pfarrer zu Holdenschlag - das muß ein scharfer Mann sein - geht würdigen Schrittes in der Stube auf und ab und sagt mit väterlicher Stimme die Worte : » Zähme dich , mein Sohn und bete , verlängere dein Abendgebet dreimal oder siebenmal , wenn es nötig ist . Die Versuchung wird weichen . - Heiraten ! Ein Habenichts , wozu denn ? Hast du Haus und Hof , hast du Gesinde , Kinder , daß du ein Weib brauchst ? - Nun also ! - Auf den Bettelstab heiraten , die Narrheit geht nicht an . Wie alt bist du denn ? « Auf diese Frage errötet der Bursche noch mehr . Es ist eine schauderhafte Blödheit , wenn einer sein Alter nicht weiß . Und er weiß es nicht . Um zehn Jahre wird er nicht fehlen , wenn er auf geradewohl zwanzig sagt . » Werde dreißig , erwerbe dir Haus und Hof , und dann komme wieder ! « ist des Pfarres Bescheid . Darauf geht er in die Nebenstube , und der Berthold bleibt stehen und ihm ist , als müsse er noch was sagen - ein gewichtig Wort , das alle Einwände zu Boden wirft und der Herr beigeben muß : ei , das ist ganz was anders , dann heiratet in Gottesnamen . Aber der Bursche weiß kein Wort , das es vermöchte zu deuten und hell zu künden , warum er eins - ewig eins sein will mit Aga , dem armen Almmädchen . Da Herr Pfarrer nicht mehr zurückkehrt aus der Nebenstube , sondern in derselben sein Frühstück verzehrt , wendet sich der Bursche endlich traurig der Tür zu und steigt die Treppe nieder , auf der er vorher , wie auf einer Himmelsleiter mit voller Zuversicht emporgestiegen war . Aber auf der grünen Erde angelangt , ist er ein anderer . Und es ist ein Arg ' gewesen , wie der Bursche sich an diesem zweiten Hochzeitstage übermütig toll gebärdet hat . Am Nachmittage hat sich gepaart Mann und Weib , Bursch und Magd ; der Andreas Erdmann hat sich zum alten , bärtigen Rüpel gesellt , und so sind wir alle wieder zurückgegangen in die Wälder der Winkel . Fußnoten 1 Hier scheint ein Irrtum obzuwalten ; unseres Wissens hat zu jener Zeit in Salzburg keine Gelehrtenschule bestanden . Vielleicht ist der wahre Name der Anstalt absichtlich verhüllt worden . Der Herausgeber . 2 Taufmünze , so die Braut einst von ihrem Paten erhalten . Die Schriften des Waldschulmeisters ( Zweiter Teil ) 1815 . Vor mehreren Jahrhunderten sollen in der Gegend der Winkelwässer Menschen gewohnt haben , die sich von Getreidebau , Viehzucht und Jagd ernährt . - Die Winkel ist vorsorglich eingedämmt , an ihren Ufern hin grünen gepflegte Wiesen und ein Fahrweg führt hinaus zu den vorderen Gegenden . An den Bergen grünen Felder . - So soll es gewesen sein . Unweit von dem Platze , wo jetzt das Holzmeisterhaus steht , zeigt ein Mauerrest die Stätte , wo eine Kirche gestanden haben soll . Zwar geht die Meinung , es sei keine Kirche gewesen , sondern ein Götzentempel , in welchem sie noch den Wuotan Met zugetrunken und Tiere geopfert , so oft der Vollmondschein durch die Blätter der Linden gerieselt . Zur selben alten Zeit sei jedes Jahr ein schneeweißer Rabe niedergeflogen von den Alpenwüsten , und diesem habe man Korn auf die Steine gestreut , der Vogel habe das Korn aufgepickt und hierauf sei er wieder von dannen geflogen . Einmal aber habe man dem weißen Raben keine Körner gestreut , weil ein Mißjahr gewesen , und weil ein Mann die Sache für etwas Albernes ausgelegt habe . Darauf sei der Rabe nicht mehr gekommen . - Aber kaum der Winter vorüber , da seien von Sonnenaufgang her wilde Völkerscharen herangeströmt mit häßlichen braunen Gesichtern , blutroten Hauben und Roßschweifen , auf wunderlichen Tieren reitend , seltsame Waffen schleppend - und gar in die Winkelwälder hereingezogen . Diese Rotten haben geplündert und die Bewohner zu Hunderten davongeschleppt , so daß die Gegend menschenleer geworden . Dann sind die Häuser und der Tempel verfallen , das Wasser hat die Dämme und Wege zerstört und die Wiesen mit Schutt oder Gestein übergossen . Obstbäume sind verwildert ; auf den Feldern sind Lärchenwälder gewachsen , die Lärchen aber durch Tannen und Fichten verdrängt worden . Und es sind die finsteren , hundertjährigen Hochwälder entstanden . Es ist nicht zu bestimmen , ob der Kern der heutigen Waldleute von jenen vor Jahrhunderten abstammt . Ich glaube vielmehr , so wie die alten Bewohner durch eine an die Alpen brandende Welle wilder Zeiten fortgeschwemmt worden sind , so sind nach vielen Jahren in den Stürmen der Zeit Splitter anderer Stämme in diese Wälder verschlagen worden . Man sieht es den Leuten ja an , daß sie nicht auf sicherem Boden der Heimat fußen , daß sie aber geichwohl den Drang haben , sich in den Waldboden einzuwurzeln und den Nachkommen ein gesichertes und geregeltes Heim zu bereiten . Dennoch aber dämmert auch in diesen Menschen die Waldesgöttermär der alten Deutschen fort . Sie lassen im Herbste die letzten Früchte auf den Bäumen , oder behängen mit denselben ihre Kreuze und Hausaltäre , um für ein nächstes Jahr Fruchtbarkeit zu erlangen . Sie werfen Brot in das Wasser , wenn eine Überschwemmung droht ; sie streuen Mehl in den Wind , um dräuende Stürme zu sättigen - so wie die Alten den Göttern haben geopfert . Sie hören zur heiligen Zeit der Zwölfen die wilde Jagd , so wie die Alten schaudernd Vater Wuotans Tosen haben vernommen . Sie erinnern sich an Hochzeitsfesten der schönen Frau mit den zwei Katzen , so wie die Alten die Freya haben gesehen . Und wenn die Winkelwäldler draußen in Holdenschlag einen begraben , so leeren sie den Becher Metes auf sein Andenken . Überall klingt und schimmert sie durch , die alte germanische Sage und Sitte . Im Vordergrund aber tönt und webt Herrschendes das hohe Lied vom Kreuze . Wohl die meisten der Winkelwäldler müssen es empfinden , was hier fehlt ; nur die Wenigsten wissen es zu nennen . Aber jener Speiker hat es getroffen , als er vor einem Jahre bei der Köhlerhochzeit die Worte gesagt : » Um uns schiert sich kein Pfarrer und kein Herrgott . Dem Elend und dem Teufel sind wir verschrieben . Für uns ist auch ein Hundeleben gut genug ; wir sind ja die Winkler ! « Aber der Speiker kann ' s noch erleben und mein Trinkspruch wird in Erfüllung gehen . Ich bin seit der Hochzeit wieder um ein Jahr jünger geworden . Die Winkelwäldler werden eine Kirche bekommen . Will ein Volk aus wilder Ursprünglichkeit sich aufbauen zu einer schönen , ebenmäßigen Höhe , so muß der Gottestempel zu dem Baue das Erste sein . Darum beginne ich in den Winkelwäldern mit der Kirche . Ich habe drängen und dringen müssen . Der Herr von Schrankenheim hat seinen Palast mitten in der Stadt ; da schallt zu jedem Fenster eine andere Kirchenglocke herein , und zwischen den Fenstern auf zierlichen Gestellen prangen hundert Bücher für Herz und Geist . Wer ahnt es da , was in den fernen Wäldern so ein Klang und ein Predigtstuhl bedeutet ! Endlich aber hat es der Gutsherr doch eingesehen , und heute sind schon Männer da , um die Baustelle zu prüfen . Da drüben neben dem Winkelhüterhaus , schnurgerade vom Steg herauf , der über die Winkel führt , ist ein erhöhter Felsgrund , sicher vor Gesenken , Lahnen und Wildwasser . Er liegt zwischen dem Hinter- und Vorderwinkel , und von den Lautergräben , dem Miesenbachtale und dem Karwasserschlag ist völlig die gleiche Weite bis hierher zu dem erhöhten Felsgrund . Das ist der rechte Platz für das Gotteshaus . Ich habe einen Plan eingereicht , wie ich mir denke , daß so ein Waldkirchlein sein soll . Das Kirchlein sei nicht gar zu klein , damit alle darin Platz haben , die kummervollen und bedürftigen Herzens sind , wie es deren im Waldlande viele gibt und fürder geben wird . Es sei nicht gar zu niedrig , denn der hohe Wald und die Felswände haben den Sinn verwöhnt und geweitet ; und ist es auch , daß die Menschenwohnungen hier sehr gedrückt sind , so wird es dem Blicke doppelt wohl tun , wenn er sich in der Wohnung Gottes erheben kann . In den Kirchen der Städte sollte stets ernste Dämmerung herrschen , damit sie dem licht- und genußvollen Leben der Reichen und Großen einen Gegensatz darbieten ; in dem Gotteshause des Waldes aber muß lichte und milde Freundlichkeit lächeln , denn ernst und dämmerig ist der Wald und des Wäldlers Haus und Herz . So soll die Art der Gottesverehrung das Leben ausgleichen und ergänzen ; und was der Werktag und das Haus verweigert