« , riefen andere , und es ertönte wieder Beifall . Nun erhob sich Silvester der Bischof von Prag . Er trat in den freien Raum , richtete seine Augen gegen die Versammlung , blieb stehen , und sprach : » Liebe Gute Ansehnliche ! Nach Slawibor bin ich an der Reihe zu reden . Ihr seht , daß meine Haare weiß sind , und mein Nacken gebeugt ist . Ich rede nicht aus Lust oder Unlust oder für eine Person , sondern als der , der zum obersten Seelenhirten dieses Landes erwählt ist , wenn auch nicht würdig und noch nicht von seinem erzbischöflichen Oberherrn von Mainz geweiht . Ich habe nicht für den Jüngling , welchen der Herzog gesendet hat , gesprochen , daß es nicht scheine , daß ich nur durch Gunst für den Herzog Sobeslaw bewegt sei . Ich rede zu euch , weil ihr Christen seid . Es sind in Prag und in dieser Burg Wysehrad Versammlungen gehalten worden , und es ist heute hier eine große Versammlung , zu welcher fast alle Herren der Länder Böhmen und Mähren gekommen sind . Diese Versammlungen haben in der bangen Lage um Rettung und um einen Herzog gesucht . Aber die Versammlungen bestehen vor dem Auge Gottes nicht . Unser Herzog lebt , und ist in Hostas Burg schwer erkrankt . Die Arzneiverständigen sagen , daß er an dieser Krankheit sterben werde ; aber der den Lazarus erweckt hat , der zu dem Krüppel gesagt hat : Geh , und wandle , der kann ihn zu uns führen , und ihn für den Fürstenstuhl noch eine Reihe von Zeiten erhalten . Wenn aber auch in seinem Rate bestimmt ist , daß der Herzog in das selige Leben gerufen werden soll , so ist auch darnach der Herzog vorhanden ; fast alle in diesem Saale , so weit meine Augen reichen , haben Wladislaw den Sohn unsers erlauchten Herzogs Sobeslaw , welchen der deutsche König Konrad vor zwei Jahren am zweiundzwanzigsten Tage des Monates Mai auf dem Fürstentage zu Bamberg mit der Herzogsfahne Böhmens belehnt hatte , auf dem Tage unserer Länder in Sadska am neunundzwanzigsten des Brachmonates desselben Jahres in diese Belehnung eingeführt . Es besteht demnach Wladislaw der Sohn unsers guten Herzogs Sobeslaw als künftiger Herzog . Schon die Priester der falschen Götter , welche in Griechenland und Rom und vor kurzer Zeit auch noch in diesem Lande nur in einer andern Weise verehrt worden sind , haben harte Strafen für den Frevel des Meineides verkündet : um wie viel mehr straft ihn der gerechte und der einzig wahre Gott der Christen . Aber nicht der Strafe sondern des Glaubens willen halten die Christen ihr Gelöbnis . Und wenn die Hand des Meineidigen verdorrt ist , oder aus dem Grabe heraus gewachsen ist , oder wenn Gott durch Wunder und Zeichen Entsetzen in die Seele des Meineidigen geworfen hat , so hat er dadurch nur den Abscheu vor diesem unmenschlichsten aller Frevel kund getan . Und auch der irdische Vorteil , den ihr durch Meineid erstrebt , wird nicht erreicht . Die Vereinigung im Unrechte ist schwach , wie stark auch die Verbindungsstelle zu sein scheint ; denn der Fürst der Zwietracht , der den Faden geschlungen hat , zerreißt ihn wieder , weil er leicht zu zerreißen ist , und stößt die Glieder gegen einander , weil man von Unrecht leicht wieder zu Unrecht geht : die Vereinigung im Rechte aber ist stark , wie schwach auch die Verbindungsstelle zu sein scheint , weil Gott den Faden geknüpft hat , und weil man erschrickt , vom Rechte zu weichen . Wer durch den Knaben David den Riesen Goliath erschlagen hat , wer durch den Richter Gideon tausend Feinde in das Gras strecken ließ , der kann durch den Knaben Wladislaw , dem ihr voreilig geschworen zu haben glaubt , dieses Land retten . Und es war sein Finger , der euch so zahlreich nach Sadska geführt , und dort hat schwören lassen . Drum sage ich , und bitte euch in christlicher Demut : Sendet zu dem Herzoge Sobeslaw , und sagt : Wir sind in deiner schweren Krankheit zusammengekommen , um zu beraten , und haben als das Rechte erkannt , daß wir Gott bitten sollen , er möge dir die Genesung wieder schenken , und daß wir , wenn er dich einmal in sein Reich aufnimmt , deinem Sohne Wladislaw als unserm Herzoge dienen . So sage ich , und so halte ich es für Recht . « Als der Bischof diese Worte geredet hatte , stand ein Priester nach dem andern und standen die Äbte auf , und verneigten sich tief vor ihm , und in Teilen des Saales brach ein freudiger Zuruf aus . Der Bischof ging wieder zu seinem Sitze , und ließ sich auf demselben nieder . Als einige Zeit vergangen war , und die Versammlung wieder nach einem Redner schaute , stand der alte Bolemil auf , und sprach : » Nach dem hochehrwürdigen Bischofe Silvester kömmt die Rede an mich . Meine Worte werden gewiß vergeblich sein , weil die Jugend und viele Männer nach ihren Gelüsten vorwärts gehen ; aber ich rede sie , weil ich sie schuldig bin . Ich muß wieder von den alten Zeiten anfangen . Als der König Wratislaw herrschte , waren auch Streite , er hatte , als er Herzog war , viel Hader mit seinem Bruder Jaromir dem Bischofe von Prag , und da er König war , mit seinem Bruder Konrad von Brünn , und er hatte einen schmerzlichen Zerstoß mit seinem eigenen Sohne Bretislaw , welchen Kämpfen ich selber schon als junger Dienstmann beiwohnte ; aber diese Streite wurden immer nur durch eine starke Aufreizung , wie sie bei Menschen vorkommen , angezündet , und sie wurden mit Reueschmerz und mit Bruder- und Freundestränen gestillt , wie der milde König vor Brünn mit der österreichischen Hilburg der Gemahlin seines Bruders Konrad getan hat . Man wußte damals stets , wer Herzog sei , sein Recht war nie in Zweifel gestellt , man tat seine Pflicht , und alle hervorragenden Männer verehrten den König und Herzog , und das Volk insgesamt , wie sogar die Feinde des Königs sagen , liebte ihn , von dem größten Landmanne Böhmens bis zu dem armen Sackpfeifer herab . Da war ein Mann , ihr müßt seinen Ruf kennen , sein Name war Bozetech , er war Abt , und stand dem Kloster an der Sazawa vor : dieser malte liebliche Bilder , und gestaltete aus Holz und Stein und Bein Heilige und himmlische Erscheinungen , daß die Menschen herzu kamen , und sie mit Bewunderung und Tränen ansahen . Er war ein hochgesinnter fröhlicher Mann , und bei dem Könige Wratislaw sehr wohlbeliebt . Einmal griff er bei einer hohen Messe dem Bischofe Cosmas vor , und setzte dem Könige die Krone auf . Darüber erzürnte der Bischof so sehr , daß er ihm befahl , ein Heilandkreuz von seiner eigenen Lebensgröße zu schnitzen , es auf seinen Schultern nach Rom zu tragen , und es daselbst in der Kirche des heiligen Petrus niederzulegen . Und der Mann Bozetech tat , was ihm befohlen worden war . Wo ist jetzt einer , der , wenn er auch wüßte , was Gehorsam ist , ein solches Zeichen gäbe , die Heiligkeit der Ordnung anzuerkennen ? Das ist zu Grunde gegangen . Damals folgten die Herzoge auf einander ohne Widerrede . Auf den heftigen Ulrich folgte der erste Bretislaw , der das Alterserblichkeitsgesetz errichtete , auf Bretislaw folgte der schöne Spitihnew , und auf ihn sein Bruder unser König Wratislaw , auf diesen sein Bruder Konrad , und auf Konrad der Sohn Wratislaws der zweite Bretislaw , der die Alterserblichkeit zerstörte . Daraus folgten die bösen Kämpfe , von denen ich heute schon gesprochen habe . Vor der Alterserblichkeit , da die Söhne der Herzoge nach der Väter Tode immer das Land teilten , waren auch blutige wilde Streite . Diese Streite aber heilte das Alterserblichkeitsgesetz ; es brachte aber andere . Der Herzog , welcher seinen Kindern und Brüdern wohl will , wird sie eifriger als Nachfolger wünschen als den ältesten des Geschlechtes , der seiner Liebe sehr entfernt sein kann , und weil er die Macht hat , wird er versucht sein , sie zu gebrauchen . Der heftige zweite Bretislaw , der schon in seiner Jugend auf einem Kriegszuge durch ein unvorsichtiges Bad in einem Flusse , durch welches er die Feinde auf sich lockte , vielen Großen des Reiches , die ihn bewachten , den Tod bereitete , der den Freund seines Vaters Wratislaw Zderad , welcher ihm dies einmal vorwarf , tötete , und dadurch Mißtrauen zwischen sich und seinem Vater und sogar einen sündhaften Sohneskrieg entzündete , hat es getan . Er hat mit seinen Lechen und Zupanen seinem Bruder Boriwoy gegen das Alterserblichkeitsgesetz die Nachfolge gesichert , weil er dem gesetzlichen Nachfolger seinem Vetter Ulrich zürnte . Ihr wisset , wie er geendet hat . In dem Walde von Bürglitz ist er von einem Manne ermordet worden , wie man sagt , aus Rache der Wrse Bozey und Mutina , die er verbannt hatte . Wer durch Totschlag zeigt , daß er das Leben eines Menschen nicht achtet , gibt andern die Lehre , das seine auch nicht zu achten . Und doch war er sonst ein guter Mann , er herrschte zur Wohlfahrt des Landes , und da er auf so traurige Weise gestorben war , weinte Jung und Alt um ihn . Nach seiner Herrschaft kam , wie sie kommen mußte , eine völlige Unsicherheit in die Nachfolge . Dem von ihm eingesetzten Boriwoy entriß Swatopluk die Herrschaft , nach der Ermordung Swatopluks im Kriegslager wählte das Heer auf fremdem Boden für sich einen Herzog und zwar Otto den Bruder Swatopluks , ein Wahllandtag zu Hause wieder für sich Wladislaw den Bruder Boriwoys und Halbbruder Bretislaws , und es kam zu einem Vergleiche , in welchem Otto seinem Anspruche entsagte . Wladislaw aber gab aus eigenem Willen auf seinem Sterbebette die Nachfolge Sobeslaw unserm jetzigen Herzoge , der unter der Freude des Volkes den Fürstenstuhl bestieg , und nun , da der Herzog noch lebt , da der nächste Herzog schon belohnt und anerkannt ist , sind wir wieder versammelt , einen Herzog zu wählen . Was kann aus diesen Dingen werden ? Durch die Ungewißheit der Nachfolge sind von jenem Bretislaw an mehrere Hunderte der hervorragenden Männer der Länder um das Leben gekommen , und viele Tausende des Volkes in das Grab gesunken , es sind Städte in Asche gelegt , Dörfer dem Erdboden gleich gemacht , und saatreiche Fluren in Einöden verwandelt worden , und das Land ist immer mehr in die Abhängigkeit von Fremden gekommen , weil jeder , der den Herzogstuhl verlangte , gerne auswärtige Hilfe suchte , wie Boriwoy Swatopluk und wie Otto und wie selbst der edle Wladislaw . Diese Übel , die jetzt in unserer Zeit sind , gehen tiefer , und fassen mehr alle Bestandteile der Länder an als die , welche früher gewesen sind . Und wenn sie fortdauern , so wird der Herzogstuhl zittern , wird ein Schatten werden , und in die Macht eines fremden Mannes fallen . Nicht die Frage ist jetzt die größte , wer soll Herzog sein , sondern die , wie soll die Nachfolge bestellt werden ? Und wenn ihr heute in unserer Versammlung den Besten wählt , welcher auf dem Erdboden ist , und wenn er ein langes Leben führt , und während dieses langen Lebens die Länder wohl beherrscht , so ist das Unglück nur aufgeschoben , und es bricht nach seinem Tode aus , es wäre denn , daß dort wieder der Beste gewählt werden könnte , und so immer fort , und daß jeder Gewählte die Macht habe , die , welche die Wahl als kein Gesetz erkennen wollen , nieder zu halten . Wie ich zu erkennen meine , neigen sich die Herren der Länder Böhmen und Mähren dahin , die Herzoge nach dem Tode der Vorgänger von nun an durch die Wahl zu bestellen ; aber dann wäre es besser , zu dem verlassenen schlechten Alterserblichkeitsgesetze zurückzukehren , als alles auf diese Spitze zu setzen . Es scheint glaublich , daß man durch die Wahl immer sollte den Besten erkiesen können ; aber ich habe lange gelebt , und viele Menschen gesehen : wie wenige gibt es , die zu wählen verstehen , und wie wenige , die wählen dürfen . Wenn auch die Herren der Länder Böhmen und Mähren das Land sind , so sind doch auch die Bauern da und die anderen , derer sie gedenken müssen ; aber auch wenn sie ihrer gedenken , so ist die große Zahl der Menschen so , daß sie zuerst ihrer selbst gedenkt , und auch nicht recht ihrer selbst sondern ihrer Lust . Die , welche nach dem Fürstenstuhle trachten , werden Versprechungen machen , und wenn der gewählte Herzog einigen zuwider handelt , so werden sie sich verbinden , einen neuen zu wählen , der gefügiger ist , und wieder einen andern , und dieses werden sie gerade desto mehr tun , je mehr sie durch Kriege , die diese Dinge begleiten , wild und begehrlich geworden sind . Sie werden sich teilen , bis ein Fremder den geschändeten Stuhl nimmt , wie in den traurigen Zeiten des rothaarigen Boleslaw schon der polnische Boleslaw getan hat . Möge dann der Fremde eine milde weise und mächtige Hand über die Länder strecken . Diese meine Augen , so alt sie sind , können es noch sehen , daß viele von denen , die heute für Wladislaw den Sohn des vorigen Herzoges Wladislaw stimmen , wenn er erwählt ist , wieder von ihm abfallen , und gegen ihn in den Waffen stehen . Ich muß daher mit christlichem Glauben sagen : Haltet euer Versprechen , welches ihr Wladislaw dem Sohne unseres Herzoges Sobeslaw gegeben habt , und huldiget ihm nach dem Tode seines Vaters als Herzog . Vereinigt euch um ihn , und ihr werdet mit ihm , wenn er auch jung ist , im Rechte stark sein , wie der hochehrwürdige Bischof Silvester gesagt hat , sonst aber schwach . Das Versprechen in Sadska war nicht erzwungen ; denn es mußte keiner hingehen , oder er konnte es wieder ohne Zusage verlassen . Wenn aber die Herrschaft dieses Wladislaw mit euch fest gegründet ist , dann verbindet euch mit ihm , und errichtet in langem und reifem Rate eine Herrscherfolge , daß das jetzige Unheil und alles künftige vermieden werde . So spreche ich , und kann in meinem Alter die Gedanken nicht mehr ändern . « Nach diesen Worten setzte sich Bolemil wieder nieder . Als er geendigt hatte , brachen Rufe aus : » Ja , unsere Lage ist sehr übel « , » er hat recht , wir sind in Wut und Kämpfe geraten « , » das Land geht dem Unheile entgegen « , » das muß geändert werden « , » wir wollen nicht wieder Gut und Blut verlieren « , » wir sollen nicht von hier fortgehen , bis alles geordnet ist « , » wir müssen einmal Ruhe haben . « Hierauf waren die Laute nicht mehr verständlich , und es war ein bloßes Getümmel . Als durch eindringliche Zeichen des Bischofes Zdik das Tosen sich gelegt hatte , und eine solche Stille eingetreten war , daß man Worte vernehmen konnte , rief er : » Die Reihe der Rede ist nun an mir . « Da es ganz stille geworden war , sprach er : » Ich habe nur weniges zu sagen ; aber bedenket es . Als wir vor zwei Jahren in Sadska waren , haben wir ein gutes Werk vollbracht . Wir haben den künftigen Herzog vorbestimmt , daß bei dem Übergange der Herrschaft die Ordnung des Reiches gewahrt werde . Unser edler Herzog Sobeslaw war noch nicht so alt , daß wir an seinen baldigen Hintritt hätten denken sollen , und wir erwarteten , daß er seinen Sohn Wladislaw , den wir anerkannt hatten , unter seinen Augen zum festen Herrscher bilden werde , wie er selbst ist . Das ist aber anders geworden , unser Herzog ist dem Tode nahe , und sein Sohn Wladislaw ist erst einundzwanzig Jahre alt . Die Zeiten aber sind verwirrt , und die Meinungen wenden sich nach so verschiedenen Richtungen , daß ein junger Herzog sie nicht vereinigen wird können , daß er nach dem weichen Jugendherzen ihnen abwechselnd folgen wird , und daß wir dadurch Kriegen und Zerrüttungen entgegengehen . Wenn wir das Versprechen , welches wir in Sadska gegeben haben , nicht halten , so begehen wir keine Sünde ; weil die Vorbedingung , welche wir uns alle bei dem Versprechen gedacht haben , nicht erfüllt worden ist . Durch die Haltung des Versprechens würden wir die Übel herbeiführen , welche wir durch das Versprechen beseitigen wollten . Daher ist mein Glaube , daß wir einen andern Herzog wählen sollen , der jetzt schon auszuführen im Stande ist , was wir erst in künftigen Zeiten von Sobeslaws Sohne erwarten könnten . Ich weiß einen Mann , der es kann . Wenn mein armes Leben für ihn zur Bürgschaft angenommen würde , und wenn dieses Leben verlangt würde , daß man ihn wähle , so lege ich es hin . Es ist Wladislaw der Sohn unseres vorigen Herzoges Wladislaw , der gütig und weise geherrscht , und der uns auf seinem Sterbebette unsern jetzigen Herzog gegeben hat . Der Sohn Wladislaw ist so jung , daß er zu edler Tat kräftig ist , und so alt , daß er Einsicht und Erfahrung hat , sein Körper ist schön und stark , daß er zu hohen Jahren gelangen kann , sein Geist ist hell und klug , sein Gemüt wohlwollend und leutselig , er liebt uns , er wird die Rechte des Landes achten , sein Wohl befestigen , und es ist etwas in ihm , daß er es vielleicht auch noch zu hohem Glanze heben kann . Ich rede aus sorgfältiger Beobachtung , und rede nicht für mich . Ich sage : Wählen wir Wladislaw den Sohn unsers vorigen Herzogs Wladislaw zu unserem nächsten Herzoge , und setzen wir ihn , wenn in Kürze der Tod Sobeslaws erfolgt , auf den Fürstenstuhl . Wenn es aber Gott dem Allmächtigen gefällt , unsern vortrefflichen erlauchten Herzog Sobeslaw aus seiner jetzigen schweren Krankheit wieder zur Gesundheit zu führen , so soll der heutige Beschluß nichtig sein , und wieder das Versprechen in Sadska gelten . So rede ich , und ich bitte euch , beherziget es . « Nach diesen Worten ging Zdik zu seinem Sitze . Es entstand nun wieder ein starkes Rufen und eine Bewegung der Körper , daraus nichts zu entnehmen war , bis einzelne Stimmen durchdrangen , die riefen : » Laßt weiter sprechen , laßt weiter sprechen . « Als es ruhiger geworden war , stand Diwis von seinem Platze auf , und da sich alle gegen ihn wandten , um ihn zu hören , sprach er : » Ich bin ein alter schlichter Mann , und sage : Bleibt bei eurem Worte . « Auch jetzt folgten verworrene Rufe . Da hierauf eine kleine Weile niemand geredet hatte , stand in der ersten Reihe der Mann mit dem weißen Barte und dem weiten dunkelpurpurnen Sammetgewande auf , trat einige Schritte gegen den freien Raum , kehrte sich gegen die Versammlung , und sagte : » Ich bin Nacerat der Sohn des Tas . « Ein allgemeiner Jubelruf folgte diesen Worten . Als er verhallt , und tiefe Stille eingetreten war , sprach der Mann : » Liebe gewogene ansehnliche Herren ! Ich bin ein unbedeutender Mann in diesen großen und mächtigen Ländern . « » Der bedeutendste « , rief eine Stimme . » Ein unbedeutender Mann « , fuhr Nacerat fort . » Nein , nein , nein « , rief eine Menge von Stimmen . » Meine Worte sind nicht wichtig « , sagte Nacerat . » Ja , ja , ja , ja « , rief es durcheinander . » Liebe Ansehnliche « , sagte Nacerat , » wenn ihr mir wohlwollet , so höret mich . « » Hört ihn « , riefen Stimmen . Als es stille geworden war , sprach Nacerat : » Ich bin unbedeutend in dieser hohen Versammlung . Meine Worte werden keine Triftigkeit haben , und werden in den Waagschalen , die ihr in euren weisen Händen haltet , und die ihr schon gerichtet haben werdet , nichts ändern ; aber ich glaube , daß in diesen schweren Zeiten der Große und Kleine reden muß , damit er seinen Anteil zeige . Diese erhabene Versammlung ist eine wichtige aber friedfertige , ich bin ohne Waffen gekommen , weil sie ihr Werk in Frieden und Eintracht schlichten wird , wie einmal in vergangenen Zeiten unser Land in Glück und Frieden verwaltet worden ist . Ihr werdet wissen , und es ist in schönen lateinischen Worten aufgeschrieben , daß unser Volk ein stilles gewesen ist ; es hat nur fremde Angriffe abgewehrt , und hat dazu einen Kriegsführer gewählt , der danach wieder keine Macht hatte . So war der Vater Cech , der vor siebenhundert Jahren unsere Leute in dieses Land geführt hat . Nach ihm erscheint kein Gewalthaber . So war Samo vor fünfhundert Jahren , dem wieder keiner folgte . Für das Wohl und das Recht der Gemeinden sorgten die Ältesten dieser Gemeinden , denen daher der Name Starosten blieb . Und die Versammlung der Starosten aller Gemeinden ordnete und verwaltete auf Landtagen das Land . Wer durch Besitz und Erfahrung hervorragend war , der konnte auch in jüngeren Jahren ein Starost werden . So entstanden die Namen Lechen Kmeten Wladyken . Wenn einer durch Weisheit bekannt war , gehorchten ihm die andern freiwillig wie einem Fürsten , und er hatte die väterliche Macht . So war Krok . Aber wie damals die Kinder nach dem Tode ihres Vaters ihr Erbe ungeteilt ließen , und sich zur Verwaltung desselben aus ihrer Mitte einen Wladyken wählten , so geschah es auch zuweilen , daß die Landeskinder zur Verwaltung des Landes gleichsam einen Wladyken des Landes wählten , der dann ihr Fürst war . Das ist in späteren Zeiten stets öfter geworden . Die Landeskinder aber sind immer die Lechen Kmeten und Wladyken gewesen . Sie sind in diesem Saale versammelt . Der Herzog herrscht nur durch sie und mit ihnen . Eure Rechte müssen vor denen des Herzogs gewahrt werden , weil er aus euch hervorgeht . Nur so wird eine glückliche friedfertige Zeit , in der ein einzelner nicht die Kraft und das Gut aller für sich gebrauchen und verwenden kann . Es sind aber unter den Herzogen solche gewesen , welche die Rechte der Landeskinder nicht gewürdiget , und nur ihr eigenes Wohl bedacht haben . Selbst unser edler erlauchter und ruhmreicher Herzog Sobeslaw , dem Gott die Wiedergenesung schenken möge , hat nicht immer den Rat der Großen verlangt , und sie öfter abseits stehen lassen . Darum bin ich auch für seinen Boten in dieser Versammlung nicht aufgestanden , wenn es mir gleich nicht unlieb ist , daß derselbe vor uns auf einem Stuhle sitzt . Weil nun euch als Landeskindern die Wahl des Herzogs zusteht , so habt ihr gewiß schon bis zur Schlußfassung erwogen , wer der künftige Herzog sein wird , und daß er eure Rechte achtet . Wir können euch nur für diese Tat den tiefsten Dank bringen , da durch sie wieder das Glück und die Ruhe und der Reichtum in unsere Fluren einkehrt , wie es einstens gewesen ist . Wir die wenigeren haben in der Zeit vor eurem Erscheinen in dieser Stadt und in diesem Saale mehrere Zusammenkünfte gehabt , und haben auch auf diese Dinge unsere Gedanken gerichtet . Es ist uns der Mann zu Sinne gekommen , den früher mein Bruder Znata genannt , und den der hochehrwürdige Bischof von Olmütz empfohlen hat , Wladislaw der Sohn unsers vorigen edlen Herzogs Wladislaw . Er ist gut und freundlich , er liebt unsere Kinder , teilt ihre Freuden und Leiden , hört ihre Meinungen , spielt ihre Spiele , und scheut ihre Rechte , er hat Ehrfurcht vor ihren Vätern und dem Rate derselben . Wenn ihr aber den andern Wladislaw den Sohn Sobeslaws wählen werdet , so ist es gewiß , daß ihr überzeugt seid , daß derselbe noch mehr eure Rechte schützen , noch mehr euren Rat hören , noch mehr die Landeskinder beglücken wird . Ich ende meine Worte , die schon zulange gedauert haben . « Nacerat ging wieder zu seinem Sitze . Es entstand nun ein so starkes Rufen , daß es betäubend war : » Nicht der Sohn Sobeslaws « , » dein Wladislaw « , » Wladislaw « , » Wladislaw « , » Wladislaw . « Der Sohn des Nacerat hatte sein Schwert samt der Scheide aus dem Gürtel gelöst , und schwang es vor Freude jauchzend um sein Haupt . Die meisten der Anwesenden begannen mit ihren Händen an die Scheiden der Schwerter zu schlagen , daß es rasselte und klirrte . Die meisten standen auf , viele traten auf ihre Sitze . Als wieder Stimmen vernehmbar wurden , hörte man neuerdings nur die Worte : » Wladislaw « , » Wladislaw « , » Wladislaw . « Da das Rufen sich abschwächte , drangen Stimmen mit den Worten vor : » Nicht mehr sprechen « , » nicht mehr sprechen . « Der großgewachsene schwarzhaarige Predbor rief mit einer furchtbaren Stimme : » Wladislaw ist gewählt . « Es erscholl nun wie aus einem Munde : » Wladislaw ist gewählt « , » Wladislaw ist gewählt . « Endlich nach geraumer Zeit ging Zdik zu der Glocke , und schlug mit Gewalt auf dieselbe . Als die Unruhe sich gemindert hatte , rief er : » Und wenn ihr auch auf diese Weise gewählt habt , so müssen doch noch , die zu reden befugt sind , gerufen werden , und es muß die Abstimmung folgen . « Ben trat vor , und rief : » Ich fordere als zweiter Führer der Versammlung diejenigen auf , zu reden , welche noch angemeldet sind . « » Wir sprechen nicht mehr « , riefen mehrere Stimmen . Ben rief wieder : » Wenn niemand mehr sprechen will , muß die Antwort durch Schweigen geschehen . Ich rufe daher noch einmal die nächsten Redner auf , zu sprechen . « Es erfolgte keine Antwort . » So ist die Sprache über die Herzogswahl geschlossen « , rief Ben . » Geschlossen « , ertönte eine Menge von Stimmen . Zdik gab jetzt mit drei langsamen Schlägen das Zeichen , daß man sich zur Abstimmung richte . Dann rief er : » Daß man stimmen könne , müssen die Männer dieser Versammlung sitzen . « Als sich alle niedergesetzt hatten , rief er : » Ich Zdik der Bischof von Olmütz der erste Führer dieser hohen Versammlung fordere alle diejenigen auf , sich von ihren Plätzen zu erheben , welche des Sinnes sind , daß Wladislaw der Sohn des erlauchten verstorbenen Herzogs Wladislaw nach dem Tode unseres ruhmreichen Herzogs Sobeslaw Herzog der Länder Böhmen und Mähren werde . « Nacerat erhob sich von seinem Sitze , Znata , der alte Milota , Ctibor , alle jungen Männer standen auf , immer mehrere erhoben sich , auch Priester , bis endlich fast die ganze Versammlung neben ihren Sitzen stand . Zdik rief mit lauter Stimme : » Wladislaw der Sohn des letzten gestorbenen Herzoges Wladislaw ist von den Herren der Länder Böhmen und Mähren für den Tod des Herzoges Sobeslaw zum Herzoge dieser Länder gewählt worden . Die Wahl wird in die Pergamente eingetragen werden . « Ein Jubel entstand nun , der den Saal erzittern und die Luft beben machte . Nach langer Zeit konnte man erst die Rufe vernehmen : » Nun ist alles glücklich geendet « , » nun ist wieder das Glück im Lande « , » nun sind wir endlich einmal erlöst « , » nun ist alles gut . « Zdik gab ein Zeichen , daß er reden wolle . Als man ihm durch vieles Bemühen Frist zum Sprechen gemacht hatte , sagte er : » Nun beantrage ich , daß eine Botschaft an den Gewählten , der sich in Wien befindet , abgeordet werde , und auch eine Botschaft , welche dem Herzoge Sobeslaw Nachricht von dem Geschehen gebe . « Nacerat stand auf , und sprach : » Ich meine , daß der Antrag gut ist , senden wir die Botschaft an Wladislaw , und ich schlage vor , daß wir uns in drei Tagen zur Beratung der Botschaft an Sobeslaw versammeln . « » In drei Tagen an Sobeslaw , in drei Tagen an Sobeslaw « , riefen fast alle . Und es ward wieder ein Rufen und Jubeln . Der Bischof Silvester trat in den freien Raum , hob seine Arme empor , und bewegte sie zum Zeichen , daß er reden wolle . Aus seinen blauen Augen flossen Tränen über seinen weißen Bart auf sein Kleid hinunter . » Der Bischof will reden , der Bischof will reden « , riefen mehrere Stimmen . Als es stille geworden war , rief der Bischof Silvester mit lauter Stimme : » Ich Silvester der erwählte Bischof von Prag als oberster Seelenhirt des Landes Böhmen widerspreche der Wahl . Sie ist vor dem dreieinigen Gotte ungültig und sündhaft . Und wenn der heilige Adalbert , der unser Vorbild ist , sein Amt niedergelegt hat , weil er nicht verantworten konnte , daß seine Untertanen heidnische Gebräuche nicht ablegten , so kann ich nicht verantworten , daß