, klar und rein , oft ist sie voll von Pracht ; aber sie hat immer für uns etwas Fremdes , sie steht immer mit einem gewissen vornehmen Anstande da : das Weiche , ich möchte den Ausdruck gebrauchen , das Süße der Rose hat sie nicht . Wir wollen von dem Geruche gar nicht einmal reden ; denn der gehört nicht hieher . « » Nein , « sagte er , » der gehört nicht hieher , wenn wir von der Schönheit sprechen ; aber gehen wir über die Schönheit hinaus und sprechen wir von dem Geruche , so dürfte keiner sein , der dem Rosengeruche an Lieblichkeit gleichkömmt . « » Darüber könnte nach einzelner Vorliebe gestritten werden , « antwortete ich , » aber gewiß wird die Rose weit mehr Freunde als Gegner haben . Sie wird sowohl jetzt geehrt , als sie in der Vergangenheit geehrt wurde . Ihr Bild ist zu Vergleichen das gebräuchlichste , mit ihrer Farbe wird die Jugend und Schönheit geschmückt , man umringt Wohnungen mit ihr , ihr Geruch wird für ein Kleinod gehalten und als etwas Köstliches versendet , und es hat Völker gegeben , die die Rosenpflege besonders schützten , wie ja die waffenkundigen Römer sich mit Rosen kränzten . Besonders liebenswert ist sie , wenn sie so zur Anschauung gebracht wird wie hier , wenn sie durch eigentümliche Mannigfaltigkeit und Zusammenstellung erhöht und ihr gleichsam geschmeichelt wird . Erstens ist hier eine wahre Gewalt von Rosen , dann sind sie an der großen weißen Fläche des Hauses verteilt , von der sie sich abheben ; vor ihnen ist die weiße Fläche des Sandes , und diese wird wieder durch das grüne Rasenband und die Hecke wie durch ein grünes Samtband und eine grüne Verzierung von dem Getreidefelde getrennt . « » Ich habe auf diesen Umstand nicht eigens gedacht , « sagte er , » als ich sie pflanzte , obwohl ich darauf sah , daß sie sich auch so schön als möglich darstellten . « » Aber ich begreife nicht , wie sie hier so gut gedeihen können « , entgegnete ich . » Sie haben hier eigentlich die ungünstigsten Bedingungen . Da ist das hölzerne Gitter , an das sie mit Zwang gebunden sind , die weiße Wand , an der sich die brennenden Sonnenstrahlen fangen , das Überdach , welches dem Regen , Taue und dem Einwirken des Himmelsgewölbes hinderlich ist , und endlich hält das Haus ja selber den freien Luftzug ab . « » Wir haben dieses Gedeihen nur nach und nach hervorrufen können , « antwortete er , » und es sind viele Fehlgriffe getan worden . Wir lernten aber , und griffen die Sache dann der Ordnung nach an . Es wurde die Erde , welche die Rosen vorzüglich lieben , teils von anderen Orten verschrieben , teils nach Angabe von Büchern , die ich hiezu anschaffte , im Garten bereitet . Ich bin wohl nicht ganz unerfahren hieher gekommen , ich hatte auch vorher schon Rosen gezogen , und habe hier meine Erfahrungen angewendet . Als die Erde bereit war , wurde ein tiefer , breiter Graben vor dem Hause gemacht und mit der Erde gefüllt . Hierauf wurde das hölzerne Gitter , welches reichlich mit Ölfarbe bestrichen war , daß es von Wasser nicht in Fäulnis gesetzt werden konnte , aufgerichtet , und eines Frühlings wurden die Rosenpflanzen , die ich entweder selbst gezogen oder von Blumenzüchtern eingesendet erhalten hatte , in die lockere Erde gesetzt . Da sie wuchsen , wurden sie angebunden , im Laufe der Jahre versetzt , verwechselt , beschnitten und dergleichen , bis sich die Wand allgemach erfüllte . In dem Garten sind die Vorratsbeere angelegt worden , gleichsam die Schule , in welcher die gezogen werden , die einmal hieher kommen sollen . Wir haben gegen die Sonne eine Rolle Lein wand unter dem Dache anbringen lassen , die durch einige leichte Züge mit Schnüren in ein Dach über die Rosen verwandelt werden kann , das nur gedämpfte Strahlen durchläßt . So werden die Pflanzen vor der zu heißen Sommersonne und die Blumen vor derjenigen Sonne ge schützt , die ihnen schaden könnte . Die heutige ist ihnen nicht zu heiß , Ihr seht , daß sie sie fröhlich aushalten . Was Ihr von Tau und Regen sagt , so steht das Gitter nicht so nahe an dem Hause , daß die Einflüsse des freien Himmels ganz abgehalten werden . Tau sammelt sich auf den Rosen , und selbst Regen träufelt auf sie herunter . Damit wir aber doch nachhelfen und zu jener Zeit Wasser geben können , wo es der Himmel versagt , haben wir eine hohle Walze unter der Dachrinne , die mit äußerst feinen Löchern versehen ist , und aus Tonnen , die unter dem Dache stehen , mit Wasser gefüllt werden kann . Durch einen leichten Druck werden die Löcher geöffnet , und das Wasser fällt wie Tau auf die Rosen nieder . Es ist wirklich ein angenehmer Anblick , zu sehen , wie in Zeiten hoher Not das Wasser von Blättern und Zweigen rieselt und dieselben sich daran erfrischen . Und damit es endlich nicht an Luft gebricht , wie Ihr fürchtet , gibt es ein leichtes Mittel . Zuerst ist auf diesem Hügel ein schwacher Luftzug ohnehin immer vorhanden und streicht an der Wand des Hauses . Sollten aber die Blumen an ganz stillen Tagen doch einer Luft bedürfen , so werden alle Fenster des Erdgeschosses geöffnet , und zwar sowohl an dieser Wand als auch an der entgegengesetzten . Da nun die entgegengesetzte Seite die nördliche ist und dort die Luft durch den Schatten abgekühlt wird , so strömt sie bei jenen Fenstern herein und bei denen der Rosen heraus . Ihr könnt da an den windstillsten Tagen ein sanftes Fächeln der Blätter sehen . « » Das sind bedeutende Anstalten « , erwiderte ich , » und beweisen Eure Liebe zu diesen Blumen ; aber aus ihnen allein erklärt sich doch noch nicht die besondere Vollkommenheit dieser Gewächse , die ich nirgends gesehen habe , so daß keine unvollkommene Blume , kein dürrer Zweig , kein unregelmäßiges Blatt vorkömmt . « » Zum Teile erklärt sich die Tatsache doch wohl aus diesen Anstalten « , sagte er . » Luft , Sonne und Regen sind durch die südliche Lage des Standortes und die Vorrichtungen so weit verbessert , als sie hier verbessert werden können . Noch mehr ist an der Erde getan worden . Da wir nicht wissen , welches denn der letzte Grund des Gedeihens lebendiger Wesen überhaupt ist , so schloß ich , daß den Rosen am meisten gut tun müsse , was von Rosen kömmt . Wir ließen daher seit jeher alle Rosenabfälle sammeln , besonders die Blätter und selbst die Zweige der wilden Rosen , welche sich in der ganzen Gegend befinden . Diese Abfälle werden zu Hügeln in einem abgelegenen Teile unseres Gartens zusammengetan , den Einflüssen von Luft und Regen ausgesetzt , und so bereitet sich die Rosenerde . Wenn in einem Hügel sich keine Spur mehr von Pflanzentum zeigt und nichts als milde Erde vor die Augen tritt , so wird diese den Rosen gegeben . Die Pflanzen , welche neu gesetzt werden , erhalten in ihrem Graben gleich so viel Erde , daß sie auf mehrere Jahre versorgt sind . Ältere Rosen , welche von ihrem Standboden längere Zeit gezehrt haben , werden mit einer Neuerung beteilt . Entweder wird die Erde oberhalb ihrer Wurzeln weggetan und ihnen neue gegeben , oder sie werden ganz ausgehoben und ihr Standpunkt durchaus mit frischer Erde erfüllt . Es ist auffällig sichtbar , wie sich Blatt und Blume an dieser Gabe erfreuen . Aber trotz der Erde und der Luft und der Sonne und der Feuchtigkeit würdet Ihr die Rosen hier nicht so schön sehen , als Ihr sie seht , wenn nicht noch andre Sorgfalt angewendet würde ; denn immer entstehen manche Übel aus Ursachen , die wir nicht ergründen können , oder die , wenn sie auch ergründet sind , wir nicht zu vereiteln vermögen . Endlich trifft ja die Gewächse wie alles Lebende der natürliche Tod . Kranke Pflanzen werden nun bei uns sogleich ausgehoben , in den Garten , gleichsam in das Rosenhospital , getan , und durch andere aus der Schule ersetzt . Abgestorbene Bäumchen kommen hier nicht leicht vor , weil sie schon in der Zeit des Absterbens weggetan werden . Tötet aber eine Ursache eines schnell , so wird es ohne Verzug entfernt . Eben so werden Teile , die erkranken oder zu Grunde gehen , von dem Gitter getrennt . Die beste Zeit ist der Frühling , wo die Zweige bloß liegen . Da werden Winkelleitern , die uns den Zugang zu allen Teilen gestatten , angelegt , und es wird das ganze Gitter untersucht . Man reinigt die Rinde , pflegt sie , verbindet ihre Wunden , knüpft die Zweige an , und schneidet das Untaugliche weg . Aber auch im Sommer entfernen wir gleich jedes fehlerhafte Blatt und jede unvollständige Blume . Es haben nach und nach alle im Hause eine Neigung zu den Rosen bekommen , sehen gerne nach , und zeigen es sogleich an , wenn sich etwas Unrechtes bemerken läßt . Auch in der Umgegend hat man Wohlgefallen an diesen Blumen gefunden , man setzt sie in Gärten und pflegt sie , ich schenke den Leuten die Pflanzen aus meinen Vermehrungsbeeten und unterrichte sie in der Behandlung . Zwei Wegestunden von hier ist ein Bauer , der wie ich eine ganze Wand seines Hauses mit Rosen bepflanzt hat . « » Je mehr es mir wichtig erscheint , wie Ihr mit Euren Rosen umgeht , « antwortete ich , » und für je wichtiger Ihr sie selbst betrachtet , desto mehr muß ich doch die Frage tun , warum Ihr denn gerade vorzugsweise an dieser Wand Eures Hauses die Rosen zieht , wo ihr Standort doch nicht so ersprießlich ist , und wo man solche Anstalten machen muß , um ihr völliges Gedeihen zu sichern . Es ist zwar sehr schön , wie sie sich hier ausbreiten und darstellen ; aber sollte man sie denn im Garten nicht auch in Stellungen und Gruppen bringen können , die eben so schön oder schöner wären als diese hier , und noch den Vorteil hätten , daß ihre Pflege viel leichter wäre ? « » Ich habe die Rosen an die Wand des Hauses gesetzt , « erwiderte er , » weil sich eine Jugenderinnerung an diese Blume knüpft und mir dir Art , sie so zu ziehen , lieb macht . Ich glaube , daß mir einzig darum die Rose so schön erscheint , und daß ich darum die große Mühe für diese Art ihrer Pflege verwende . « » Ihr habt nichts von Ungeziefer gesagt « , entgegnete ich . » Nun weiß ich aber aus Erfahrung , daß kaum eine Pflanzengattung , etwa die Pappel ausgenommen , so gerne von Ungeziefer heimgesucht wird als die Rose , die in verschiedenen Arten und Geschlechtern von demselben bewohnt und entstellt wird . Hier sehe ich von dieser Plage gar nichts , als wäre sie nicht vorhanden oder als würde die Rose von ihr durch irgendein künstliches Mittel befreit . Ihr werdet doch nicht , so wie jedes kranke Blatt , auch jeden Blattwickler , jede Spinne , jede Blattlaus abnehmen lassen ? Aber dieses bringt mich sogar noch auf einen weiteren Umstand , über den ich mir eine Frage an Euch zu tun vorgenommen habe , welche ich gewiß noch vor meiner Abreise bei einer schicklichen Gelegenheit getan hätte , welche ich mir aber jetzt erlaube , da Ihr mit solcher Güte und Bereitwilligkeit mir die Einsicht in die Dinge dieses Landsitzes gestattet habt . Bei meiner Wanderung durch das flache Land hatte ich mehrfach Gelegenheit zu bemerken , daß Obstbäume häufig kahle Äste haben , oder daß überhaupt das Laub zerstört oder verunstaltet war , was von Raupenfraß herrührte . Mir fiel die Sache nicht weiter auf , da ich sie von Jugend an zu sehen gewohnt war , und da sie sich nicht in einem ungewöhnlichen Grade zeigte ; aber das fiel mir auf , daß so wie an diesen Rosen auch in Eurem ganzen Garten nichts von dem Übel zu sehen ist , kein dürres Reis , kein kahles Zweiglein , kein Stengel eines abgefressenen Blattes , ja nicht einmal ein verletztes Blatt des Kohles , dem doch sonst der Weißling so gerne Schaden tut . Im Angesichte dieses Wohlbefindens kamen mir die Zerstörungen wieder zu Sinne , die ich in dem Lande gesehen hatte , und ich beschloß , in dieser Hinsicht eine Frage an Euch zu tun , ob Ihr denn da eigentümliche Vorkehrungen habt ; denn das Ablesen der Raupen und Insekten hat sich ja überall als unzulänglich gezeigt . « » Wir würden allerdings durch Ablesen des Ungeziefers weder unsere Rosen noch die Bäume und Gesträuche im Garten vor Verunglimpfung frei halten können « , antwortete er . » Wir haben nun in der Tat andere Einrichtungen dagegen . Ich muß Euch sagen , daß es mich freue , daß Ihr in meinem Garten die Abwesenheit des Raupenfraßes bemerkt habt , und ich werde Euch recht gerne darüber Aufklärung geben , und besonders darum , daß es sich auch ausbreiten könne . Die Beantwortung Eurer Frage kann aber am besten in dem Garten geschehen , weil ich Euch zur Bekräftigung gleich manche Vorrichtungen zeigen und die Beweise dartun kann . Wenn es Euch genehm ist , so gehen wir in den Garten , in welchem auch eine kleine Ruhe auf irgend einem Bänkchen nach dem Gange von dem Meierhofe herauf nicht unangenehm sein wird . « » Einen Augenblick laßt mich noch diese Rosen betrachten « , sagte ich . » Tut nach Eurem Gefallen « , antwortete er . Ich trat zuerst näher an das Gitter , um einzelnes zu betrachten . Ich sah nun wirklich die reinliche Erde , in welcher die Stämmchen standen , und die nicht von einem einzigen Gräschen bewachsen war . Ich sah das gutbestrichene Holzgitter , an welchem die Bäumchen angebunden , und an welchem ihre Zweige ausgebreitet waren , daß sich keine leere Stelle an der Wand des Hauses zeigte . An jedem Stämmchen hing der Name der Blume auf Papier geschrieben und in einer gläsernen Hülse hernieder . Diese gläsernen Hülsen waren gegen den Regen geschützt , indem sie oben geschlossen , unten umgestülpt und mit einer kleinen Abflußrinne versehen waren . Nach dieser Betrachtung in der Nähe trat ich wieder zurück und besah noch einmal die ganze Wand der Blumen durch mehrere Augenblicke . Nachdem ich dieses getan hatte , sagte ich , daß wir jetzt in den Garten gehen könnten . Wir näherten uns dem Torgitter , der alte Mann tat einen Druck wie gestern , da er mich eingelassen hatte , das Tor öffnete sich , und wir gingen in den Garten . Dort näherten wir uns einer Bank , die in angenehmem nachmittägigem Schatten stand . Als wir uns auf ihr niedergesetzt hatten , sagte mein Gastfreund : » Unsere Mittel , die Bäume , Gesträuche und kleineren Pflanzen vor Kahlheit zu bewahren , sind so einfach und in der Natur gegründet , daß es eine Schande wäre sie aufzuzählen , wenn es andererseits nicht auch wahr wäre , daß sie nicht überall angewendet werden , besonders das letzte . Was nun das Kahlwerden von Bäumen und Ästen anlangt , so entsteht es nicht immer durch Raupen , sondern oft auch auf andern Wegen nach und nach . Gegen ein endliches Sterben und also Entlaubtwerden des ganzen Baumes gibt es so wenig ein Mittel als gegen den Tod des Menschen ; aber so weit darf man es bei einem Baume im Garten nicht kommen lassen , daß er tot in demselben dasteht ; sondern wenn man ihm durch Zurückschneiden seiner Äste öfter Verjüngungskräfte gegeben hat , wenn aber nach und nach dieses Mittel anfängt , seine Wirkung nicht mehr zu bewähren , so tut man dem Baume und dem Garten eine Wohltat , wenn man beide trennt . Ein solcher Baum steht also in einem nur einiger Maßen gut besorgten Garten oder auf anderem Grunde gar nicht . Damit aber auch nicht Teile eines Baumes kahl dastehen , haben wir mehrere Mittel . Sie bestehen aber darin , dem Baume zu geben , was ihm nottut , und ihm zu nehmen , was ihm schadet . Darum gilt als Oberstes , daß man nie einen Baum an eine Stelle setze , auf der er nicht leben kann . Auf Stellen , die Bäumen überhaupt das Leben versagen , setzt wohl kein vernünftiger Mensch einen . Aber es gibt auch Stellen , die nur darum nicht taugen , weil sie nicht bearbeitet sind , oder weil ihnen etwas mangelt , was einem bestimmten Gewächse notwendig ist . Um nun die Stelle gut zu bearbeiten , haben wir , ehe wir einen Baum setzten , eine so tiefe Grube gegraben und mit gelockerter Erde gefüllt , daß der Baum bedeutend alt werden konnte , ehe er genötigt war , seine Wurzeln in unbearbeiteten Boden zu treiben . Selbst alte Stämme , die ich hier gefunden hatte , und deren Zustand mir nicht gefiel , habe ich durch Herausnehmen , Lockern ihres Standortes und Wiedereinsetzen zu vortrefflichem Gedeihen gebracht . Aber ehe wir die Grube gegraben haben , ehe wir den Baum in dieselbe gesetzt haben , haben wir auch durch Erfahrung oder Bücher herauszubringen gesucht , was ihm auch nebst der Erde noch not tue , und welchen Platz er haben müsse . Für welchen Baum ein geeigneter Platz im Garten nicht ist , der soll auch im Garten gar nicht sein . Welche Bäume viele Luft brauchen , setzen wir in die Luft , die das Licht lieben , in das Licht , die den Schatten , in den Schatten . In den Schutz der größeren oder windwiderstandsfähigeren setzten wir diejenigen , welche des Schutzes bedurften . Die Frost und Reif scheuen , stehen an Wänden oder warmen Orten . Und auf diese Weise gedeihen nun alle durch ihre Lebenskraft und natürliche Nahrung . Im Frühlinge wird jeder Stamm und seine stärkeren Äste durch eine Bürste und gutes Seifenwasser gewaschen und gereinigt . Durch die Bürste werden die fremden Stoffe , die dem Baume schaden könnten , entfernt , und das Waschen ist ein nützliches Bad für die Rinde , die wie die Haut der Tiere von dem höchsten Belange für das Leben ist , und endlich werden die Stämme dadurch auch schön . Unsere Bäume haben kein Moos , die Rinde ist klar und bei den Kirschbäumen fast so fein wie graue Seide . « Ich hatte wohl gesehen , daß alle Bäume eine sehr gesunde Rinde haben ; aber ich hatte dieses mit ihren schönen Blättern und mit ihrem guten Gedeihen überhaupt als eine notwendige Folge in Zusammenhang gebracht . » Wenn nun trotz aller Vorsichten doch einzelne Teile der Bäume durch Winde , Kälte oder dergleichen kahl werden , « fuhr mein Gastfreund fort , » so werden dieselben bei dem Beschneiden der Bäume im Frühlinge entfernt . Der Schnitt wird mit gutem Kitte verstrichen , daß keine Nässe in das Holz dringen und in dem noch gesunden Teile eine Krankheit erzeugen kann . Und so würde in einem Garten nie eine Kahlheit zu erblicken sein , wenn nicht äußere Feinde kämen , die eine solche zu bewirken trachteten . Derlei Feinde sind Hagel , Wolkenbrüche und ähnliche Naturerscheinungen , gegen die es keine Mittel gibt Sie schaden aber auch nicht so sehr . In unseren Gegenden sind sie selten , und ihre Wirkungen können auch leicht durch schnelles Beseitigen des Zerstörten , durch Nachwuchs und Nachpflanzungen unbemerkbar gemacht werden . Aber gefährlichere Gegner sind die Insekten , diese können die Güte eines Gartens zerstören , können seine Schönheit entstellen , und ihm in manchen Jahren einen wahrhaft traurigen Anblick geben . Dies ist der Umstand , von dem ich sagte , daß ich seiner zuletzt Erwähnung tun werde . Ihr seht , daß unser Garten von der Insektenplage , die Ihr , wie Ihr sagt , auf Eurer Wanderung an anderen Bäumen bemerkt habt , in diesem Jahre frei ist . « » Ich habe Äpfelbäume an warmen und stillen Orten fast ganz entlaubt gesehen « , antwortete ich . » Es sind mir mehrere Fälle dieser Art vorgekommen . Aber daß einzelne Äste entlaubt waren , daß das Laub von ganzen Bäumen entstellt war , habe ich oft gesehen . Allein ich habe es für kein großes Übel gehalten und habe auf kein schlechtes Jahr geschlossen , weil ich wußte , daß diese Zerstörungen immer vorkommen , und daß ihr Schaden , wenn sie nicht im Übermaße auftreten , nicht erheblich ist . Ich betrachtete die Erscheinung als ein Ding , das so sein muß . « » Daran möchtet Ihr unrecht getan haben , « sagte mein Gastfreund , » einen Schaden bringt diese Erscheinung immer , und wenn man ihn nach ganzen Länderstrichen berechnete , so könnte er ein sehr beträchtlicher sein , zu dem noch der andere kömmt , daß man den entlaubten Baum anschauen muß . Auch ist das Ding keine Erscheinung , die so sein muß . Es gibt ein Mittel dagegen , und zwar ein Mittel , das außer seiner Wirksamkeit auch noch sehr schön ist , und also zum Nutzen einen Genuß beschert , durch den uns die Natur gleichsam zu seiner Anwendung leiten will . Aber dennoch , wie ich früher sagte , wird dieses Mittel unter allen am wenigsten gebraucht , ja man beeifert sich sogar an vielen Orten , es zu zerstören . Ihr solltet das Mittel schon wahrgenommen haben . « Ich sah ihn fragend an . » Habt Ihr nicht etwas in unserem Garten gehört , das Euch besonders auffallend war ? « fragte er . » Den Vogelgesang « , sagte ich plötzlich . » Ihr habt richtig bemerkt « , erwiderte er . » Die Vögel sind in diesem Garten unser Mittel gegen Raupen und schädliches Ungeziefer . Diese sind es , welche die Bäume , Gesträuche , die kleinen Pflanzen und natürlich auch die Rosen weit besser reinigen , als es Menschenhände oder was immer für Mittel zu bewerkstelligen im Stande wären . Seit diese angenehmen Arbeiter uns Hilfe leisten , hat sich in unserm Garten so wie im heurigen Jahre auch sonst nie mehr ein Raupenfraß eingefunden , der nur im geringsten bemerkbar gewesen wäre . « » Aber Vögel sind ja an allen Orten « , entgegnete ich . » Sollten sie in Eurem Garten mehr sein , um ihn mehr schützen zu können ? « » Sie sind auch mehr in unserem Garten , « erwiderte er , » weit mehr als an jeder Stelle dieses Landes und vielleicht auch anderer Länder . « » Und wie ist denn diese Mehrheit hieher gebracht worden ? « fragte ich . » Es ist so , wie ich früher von den Bäumen gesagt habe , man muß ihnen die Bedingungen ihres Gedeihens geben , wenn man sie an einem Orte haben will ; nur daß man die Tiere nicht erst an den Ort setzen muß wie die Bäume , sie kommen selber , besonders die Vögel , denen das Übersiedeln so leicht ist . « » Und welche sind denn die Bedingungen ihres Gedeihens ? « fragte ich . » Hauptsächlich Schutz und Nahrung « , erwiderte er . » Wie kann man denn einen Vogel schützen ? « fragte ich . » Ihn kann man nicht schützen , « sagte mein Gastfreund , » er schützt sich selber ; aber die Gelegenheit zum Schutze kann man ihm geben . Die Singvögel , welche sich nicht mit Waffen verteidigen können , suchen gegen Feinde und Wetter Höhlungen in Bäumen , Felsen , Mauern oder dergleichen auf , die so enge sind , daß ihnen ihr meistens größerer Feind in dieselben nicht folgen kann , und so tief , daß er auch nicht mit einem Schnabel oder einer Tatze bis auf den Grund zu langen vermag - einige , wie die Spechte , machen sich selber die Höhlungen in die Bäume - oder sie gehen in solche Dickichte , daß Raubvögel , Wiesel und ähnliche Verfolger nicht durchzudringen vermögen . Hiebei ist es ihnen noch mehr um den Schutz ihrer Jungen , die sie in solchen Orten haben , als um ihren eigenen zu tun . Erst , wenn so gesicherte Stellen nicht zu finden sind , und die Zeit drängt , begnügt sich der Singvogel zum Wohnen und Brüten mit schlechteren Plätzen . Hat eine Gegend häufige solche Zufluchtsorte , so darf man sicher schließen , daß sie auch , wenn die andern Bedingungen nicht fehlen , viele Vögel hat . Denkt nur an ein altes löcheriges Turmdach , wie ist es von Dohlen und Mauerschwalben umschwärmt . Will man Vögel in eine Gegend ziehen , so muß man solche Zufluchtsorte schaffen , und zwar so gut als möglich . Wir können , wie Ihr seht , nicht Felsen und Baumstämme aushöhlen , aber aus Holz gemachte Höhlungen können wir überall auf die Bäume aufhängen . Und dies tun wir auch . Wir machen diese Höhlungen tief genug , richten das Schlupfloch von der Wetterseite weg , meistens gegen Mittag , und machen es gerade so weit , daß der Vogel , für den es bestimmt ist , ein und aus kann . Ihr müßt ja derlei in den Bäumen unseres Gartens gesehen haben ? « » Ich habe sie gesehen , « erwiderte ich , » habe dunkel vermutet , wozu sie dienen könnten , habe aber die Vorstellung in Folge anderer Eindrücke wieder aus dem Haupte verloren . « » Wenn wir etwa noch einmal ein wenig in den Garten herumgehn , « sagte mein Gastfreund , » so werden wir mehrere solche Vogelbehälter sehen . Den Heckennistern bauen wir ein so dichtes Geflechte von Dornzweigen und Dornästen in unsere Büsche , daß man meinen sollte , es könne kaum eine Hummel ein- und ausschlüpfen ; aber der Vogel findet doch einen Eingang und baut sich sein Nest . Solcher Nester könnt Ihr mehrere sehen , wenn Ihr wollt . Sie haben das Angenehme , daß man diese Federfamilien in ihrem Haushalte sieht , was bei den Höhlennistern nicht angeht . Auf diese Weise schützen wir die kleineren Vögel , die wir in unserem Garten brauchen . Die großen , welche sich mit Schnabel , Krallen und Flügeln verteidigen können , sind bei uns eher Feinde als Freunde , und werden nicht geduldet . « » Außer dem Schutze « , fuhr er nach einer Weile fort » brauchen die Vögel auch Nahrung . Sie meiden die nahrungsarmen Orte , und unterscheiden sich hierdurch von den Menschen , welche zuweilen große Strecken weit gerade dahin wandern , wo sie ihren Unterhalt nicht finden . Die Vögel , die für unseren Garten passen , ernähren sich meistens von Gewürmen und Insekten ; aber wenn an einem Platze , der zum Nisten geeignet ist , die Zahl der Vögel so groß wird , daß sie ihre Nahrung nicht mehr finden , so wandert ein Teil aus und sucht den Unterhalt des Lebens anderswo . Will man daher an einem Orte eine so große Zahl von Vögeln zurückhalten , daß man vollkommen sicher ist , daß sie auch in den ungezieferreichsten Jahren hinlänglich sind , um Schaden zu verhüten , so muß man ihnen außer ihrer von der Natur gegebenen Nahrung auch künstliche mit den eigenen Händen spenden . Tut man das , so kann man so viele Vögel an einem Platze erziehen , als man will . Es kömmt nur darauf an , daß man , um seinen Zweck nicht aus den Augen zu verlieren , nur so viel Almosen gibt , als notwendig ist , einen Nahrungsmangel zu verhindern . Es ist wohl in dieser Hinsicht im allgemeinen nicht zu befürchten , daß in der künstlichen Nahrung ein Übermaß eintrete , da den Tieren ohnehin die Insekten am liebsten sind . Nur wenn diese Nahrung gar zu reizend für sie gemacht würde , könnte ein solches Übermaß erfolgen , was leicht an der Vermehrung des Ungeziefers erkannt werden würde . Einige Erfahrung läßt einen schon den rechten Weg einhalten . Im Winter , in welchem einige Arten dableiben , und in Zeiten , wo ihre natürliche Kost ganz mangelt , muß man sie vollständig ernähren , um sie an den Platz zu fesseln . Durch unsere Anstalten sind Vögel , die im Frühlinge nach Plätzen suchten , wo sie sich anbauen könnten , in unserem Garten geblieben , sie sind , da sie die Bequemlichkeit sahen und Nahrung wußten , im nächsten Jahre wieder gekommen oder , wenn sie Wintervögel waren , gar nicht fortgegangen . Weil aber auch die Jungen ein Heimatsgefühl haben und gerne an Stellen bleiben , wo sie zuerst die Welt erblickten , so erkoren sich auch diese den Garten zu ihrem künftigen Aufenthaltsorte . Zu den vorhandenen kamen von Zeit zu Zeit auch neue Einwanderer , und so vermehrt sich die Zahl der Vögel in dem Garten und sogar in der nächsten Umgebung von Jahr zu Jahr . Selbst solche Vögel , die sonst nicht gewöhnlich in Gärten sind , sondern mehr in Wäldern und abgelegenen Gebüschen , sind gelegentlich gekommen und , da es ihnen gefiel , da geblieben , wenn ihnen auch manche Dinge , die sonst der Wald und die Einsamkeit gewährt , hier abgehen mochten . Zur Nahrung rechnen wir auch Licht , Luft und Wärme . Diese Dinge geben wir nach Bedarf dadurch , daß wir die Bauplätze zu den Nestern an den verschiedensten Stellen des Gartens anbringen