Arthur , der dem geneigten Leser bereits bekannt ist . Er überzeugte sich durch einen Blick , daß sich Herr Blaffer auf seinem Comptoirstuhl befand , dann nahm er seinen Hut ab und trat in das Gemach . » Ah ! Sie sind ' s , mein vortrefflicher junger Freund ! « rief der Principal , indem er von seinem Sitz herab hüpfte und mit vor gestreckten Händen und Knieen auf den Eingetretenen zurutschte » Ah ! Sie sind pünktlich , wie ich es liebe und wie ich es selbst in allen Geschäften bin . Schlag eilf Uhr . Wollen wir nicht in mein Wohnzimmer spazieren ? « » Ich meines Theils befinde mich ganz gut hier , « sagte der Maler , nachdem er für die freundliche Begrüßung mit einem Kopfnicken gedankt , ohne jedoch den doppelten Händedruck besonders stark erwidert zu haben . - » Geschäfte macht man am besten im Geschäftslokal ab , und Anderes führt mich nicht daher . « Bei diesen Worten trat er an den Pult , um Hut und Stock abzulegen ; und als er sich darauf umwandte , entdeckte er erst den alten Mann , der den Griff der Thüre erfaßt hatte und sich eben Hinausschleichen wollte . Herr Blaffer sah sich genöthigt , die beiden Herren mit einander bekannt zu machen . - » Herr Staiger , « sprach er , » einer meiner Uebersetzer , - Herr Arthur Erichsen , einer unserer talentvollsten , geachtetsten jungen Maler , ein Talent , welches so Großes verspricht , und sich dennoch herablassen will , unser geringes Werk zu illustriren . « Arthur schüttelte unmuthig den Kopf über diese Worte des Buchhändlers ; doch konnte einem aufmerksamen Beschauer nicht entgehen , daß er dies eigentlich nur that , um eine augenblickliche Verlegenheit , ja eine gelinde Röthe , die sich über sein Gesicht verbreitete , zu verbergen . Er kannte ganz genau den alten Mann , der vor ihm stand , und er hatte eigentlich gehofft , ihn hier zu treffen . Daß ihn der Vater der schönen Tänzerin , die er so sehr liebte , noch mit keinem Auge gesehen , machte er sich gewissermaßen zum Vorwurf und ging deßhalb auf den alten Mann mit einiger Befangenheit zu , wobei er ihm aber freundlich seine Hand entgegen reichte . » Ich freue mich in der That , Sie zu sehen , « sagte Arthur ; » recht sehr freue ich mich , und obgleich Sie wohl im Begriff zu sein scheinen , wieder hinweg zu gehen , so bitte ich Sie doch , da zu bleiben , indem mir Ihre Ansicht bei der Unterhandlung mit Herrn Blaffer von Wichtigkeit ist . « Herr Staiger blickte einigermaßen überrascht in das freundliche Gesicht des unbekannten jungen Mannes , der , seinem Aeußeren nach , offenbar den besten Ständen angehörend , sich nicht an sein abgeschabtes Röckchen zu kehren schien und ihm so freundlich entgegen kam . Der Buchhändler zuckte leicht die Achseln , bat den Maler , ihm gegenüber den Platz des Herrn Beil einzunehmen , und kletterte dann ebenfalls wieder auf seinen Schreibbock hinauf . Arthur blickte fragend auf den alten Mann , der hinter der Thüre neben der Kiste stehen geblieben war , dann wandte er sich an den Lehrling und sagte ihm ruhig und bestimmt : » Bringen Sie doch dem Herrn einen Stuhl ; Sie sehen ja , daß wir sitzen und Herr Staiger uns zu Liebe da bleibt . « Der Buchhändler nickte verdrießlich mit dem Kopfe , und der junge blonde Mensch eilte nicht ohne ein kaum bemerkbares Lächeln in ' s Nebenzimmer , von wo er alsbald mit einem der besten Stühle seines Principals zurück kam . In diesem Augenblicke trat Herr Beil in das Zimmer , wollte sich aber wieder zurückziehen , da er seinen Platz besetzt fand . Arthur blickte in die Höhe und als er den Commis sah , der ihm wohl bekannt war , nickte er ihm freundlich entgegen und sagte : » Sie werden entschuldigen , lieber Herr Beil , daß ich einen Augenblick Ihren Stuhl eingenommen , ich werde übrigens nicht lange Gebrauch davon machen , da wir bald im Reinen sein werden . « Bei diesen Worten flog an diesem Morgen das erste freundliche Lächeln über das Gesicht des Buchhändler-Commis . » Ah ! Sie sind es ! « versetzte er ; » freut mich recht , Sie zu sehen . Warten Sie , ich will Ihnen gleich einen Bogen Papier unterbreiten , denn ich sehe , Sie haben schon den Bleistift in der Hand ; sonst zeichnen Sie mir wieder allerlei Ungeheuer in mein Hauptbuch . « » Seien Sie unbesorgt , « entgegnete Arthur lächelnd , » ich habe mir Ihre Lektion von neulich gemerkt . « » Nun endlich zur Sache ! « rief ungeduldig der Buchhändler . » Lassen Sie uns in Frieden , Herr Beil ! Schauen Sie lieber diesem jungen faulen Schlingel da zu , der mit einer Langsamkeit einpackt , daß es wahrhaftig zum Erbarmen ist . - Also , Herr Staiger , « wandte er sich an den alten Mann , » da Sie nun einmal da sind , ist es mir lieb , wenn Sie zuhören , auch vielleicht Ihren Rath geben . Herr Erichsen will also die Freundlichkeit haben , zu unserer Ausgabe von Onkel Tom ' s Hütte vortreffliche Illustrationen zu machen . Es ist mir ein Bedürfniß , Originalzeichnungen zu erhalten , denn ich hasse den Nachdruck , selbst wenn er vollkommen erlaubt ist wie hier , wo es sich nur darum handelt , englische Originale zu benutzen . « Während dieser Rede sah Herr Blaffer so salbungsvoll an die Decke des Zimmers empor , und machte ein so merkwürdig ehrlich sein sollendes Gesicht , daß sich Arthur nicht enthalten konnte , diese herausfordernden Züge mit einigen kecken Umrissen auf das Blatt Papier zu skizziren . » Was meinen Sie nun , « fuhr der Buchhändler fort , » sollen wir zu jeder Lieferung eine Illustration geben , was allerdings acht für den Band machen würde , oder wollen wir uns damit begnügen , für zwei Lieferungen eine herzustellen ? - Was meinen Sie dazu , Herr Staiger ? « » Wenn man zu jeder Lieferung eine Illustration machte , « sagte schüchtern dieser , » so würde das wohl die Kosten bedeutend erhöhen . « » Auf die Kosten kommt es Herrn Blaffer nicht an , « versetzte der junge Mann , während er ruhig fortzeichnete , wenn die Arbeit nur gut wird . » Allerdings , « meinte kleinlaut der Principal ; » nur ist das Holzschneiden eine sehr theure Geschichte . « » Dafür kosten Sie ja aber die Zeichnungen fast gar nichts , « warf der Maler leicht hin . » Sie haben mich gebeten sie zu machen , und da ich mich gerade einmal in dem Genre versuchen möchte , so zeichne ich Ihnen die Illustrationen für eine Kleinigkeit . « » Ja , ja , « sprach mühsam lachend der Buchhändler , » was ihr Herren Kleinigkeiten nennt . - Nun , es kommt mir ja nicht darauf an . Also machen wir zu jeder Lieferung ein Illustration , und Sie werden sie mir gleich auf ' s Holz zeichnen . « Arthur nickte mit dem Kopfe . » So wären wir vorderhand im Reinen , « fuhr Herr Blaffer fort , und sagte , indem er sich an den alten Mann wandte : » Jetzt hätten wir für heute nichts mehr mit einander abzumachen ; besorgen Sie mir also das Manuscript zur fünften Lieferung und Sie sollen alsbald haben , was Sie gewünscht . - Guten Morgen , Herr Staiger ! « » Noch einen Augenblick ! « bat der Maler , ohne aber von seinem Papier in die Höhe zu sehen . » Im Interesse der Illustrationen wäre es mir sehr erwünscht , mich zuweilen mit dem Herrn Staiger besprechen zu können . Wir wollen doch nicht gerade die gleichen Scenen wie in der englischen Ausgabe illustriren ; der Ansicht werden Sie doch auch sein , Herr Blaffer ? « » Jedenfalls etwas ganz Neues , « antwortete der Buchhändler . » Herr Staiger wird gewiß gern zuweilen in Ihre Wohnung kommen . « » Gewiß , « sagte der alte Mann , » wenn Herr Erichsen mir nur sagen will , wenn ich ihn zu Hause treffe . « » Gott bewahre ! « entgegnete eifrig der Maler , indem er sich aber noch tiefer auf das Blatt Papier niederbeugte . » Das werde ich nimmermehr zugeben , daß Sie Ihre kostbare Zeit in Gängen nach meiner Wohnung verschleudern . Ein Künstler wie ich , der bald hier bald da ein Stück von der Außenwelt gebraucht , schlendert viel in den Straßen umher , und wenn Sie mir - - Ihre Wohnung angeben wollen und mir sagen , wenn ich Sie am besten treffe , so mache ich mit dem größten Vergnügen , - gewiß mit dem größten Vergnügen hie und da einen Sprung zu Ihnen . « » Es wird mir eine große Ehre sein , « antwortete Herr Staiger , » wenn Sie meine Dachkammern aufsuchen wollen ; aber sie sind etwas entlegen - Balkengasse Nummer vierzig über vier Stiegen . - Was die Zeit anbetrifft , wo Sie mich zu Hause finden , so bin ich gemeiniglich den ganzen Tag da ; wenn ich je einmal ausgehe , so geschieht das zwischen zwölf und ein Uhr nach meinem Mittagessen . « » Balkengasse Nummer vierzig , « sprach der Maler mit leiser Stimme , während er eifrig fortzeichnete . » Ich will mir ' s gewiß merken . « Unterdessen war Herr Beil an den Pult getreten , und während er that , als betrachte er sich die Zeichnung , welche Arthur auf das Blatt Papier hinwarf , schob er diesem unbemerkt ein kleines Zettelchen zwischen die Finger , worauf die Worte standen : » Erkundigen Sie sich unbefangen nach dem Honorar , was für eine Uebersetzung bezahlt wird . « Herr Staiger hatte bereits den Drücker der Thüre in der Hand und wollte sich entfernen . » Apropos ! « sagte Arthur ganz gleichgültig , » das Uebersetzen muß doch eigentlich ein gutes Geschäft sein . Man braucht keine Vorstudien zu machen , man schreibt eigentlich nur ab , man bezahlt gute Honorare ; es muß doch etwas dabei zu verdienen sein . Nicht wahr , Herr Staiger ? « » O gewiß , wenn man fleißig ist , « entgegnete statt des Gefragten der Buchhändler , » wenn es Einem rasch von der Hand geht . « » Wäre es indiscret von mir , « fuhr der Maler fort , » wenn ich Sie fragte , wie viel zum Beispiel für einen solchen gedruckten Bogen dieser Onkel Tom ' s Hütte bezahlt wird ? « Diese Frage mußte allerdings an gegenwärtigem Orte sehr indiscret erscheinen , denn Herr Blaffer zog seine Augenbrauen finster zusammen , Herr Staiger blickte zur Erde , und während Herr Beil eine ungemein freundliche Grimasse zog , sperrte der blonde Lehrling seinen Mund vor Verwunderung und Freude weit auf . » Das ist eigentlich schwer zu sagen , « nahm der Buchhändler nach einer längeren Pause das Wort ; » ich bemerkte schon , wer fleißig ist , wem ' s von der Hand geht , der kann es schon zu was bringen . « » Da wäre also die erste Frage , « fuhr der Maler unerschütterlich fort , während er die Gesichtszüge des Principals in einer erschreckenden Ähnlichkeit auf das Papier feststellte , » wie lange schreibt man an so einem Druckbogen ? - Nun , Herr Staiger , Sie sind doch gewiß ein recht fleißiger Mann , was bringen Sie also an einem Tage vor sich ? « Der Gefragte wußte nicht recht , ob und was für eine Antwort er geben sollte . Er blickte auf den Buchhändler , der ein Lineal heftig zwischen den Fingern drehte , dann sah er den Herrn Beil an , der ihm auf eine so heftige und eindringliche Art zunickte , daß er sich eines kleinen Lächelns nicht erwehren konnte . » Nun ? « fragte der Maler . » Ja - a , ja - a - a , es ist eigentlich so , wie Herr Blaffer sagt , « meinte der alte Mann , » wenn man viel arbeitet , so kann man Etwas verdienen ; ich zum Beispiel - « » Aber was kann Sie das interessiren ! « warf der Buchhändler dazwischen . » Kommen Sie einen Augenblick in meine Wohnstube , wir wollen unsere Conditionen wegen der Zeichnungen festsetzen , und dann will ich Ihnen auch wohl gern Einiges über die Uebersetzungsgeschichten sagen . « » Lassen Sie doch den Herrn Staiger sprechen , « entgegnete Arthur gleichgültig . » Gott ! mein verehrter Herr Blaffer , wir kennen ja einander . Wenn Sie zu Papa auf die Kasse kommen , so weiß ich , daß man Sie dort gern über alles Mögliche belehrt . « - Dies war eigentlich ein Stich auf den Buchhändler , denn wenn er Geldgeschäfte hatte , Wechsel umsetzte , oder fremde Papiere einhandelte , so studirte Niemand genauer die Kurszettel als der Herr Blaffer , der oftmals unbescheiden genug gewesen war , wegen einiger Gulden die Einsicht in Correspondenzen zu verlangen . » Nun also - ? « » Gewöhnlich stehe ich des Morgens um vier Uhr auf , « sagte der alte Mann , » mache mir ein kleines Feuer an , rücke meinen Tisch an den Ofen , und wenn meine Finger , die während der ebengenannten häuslichen Geschäfte etwas einfrieren , wieder warm geworden sind , so nehme ich meine Feder und fange an zu arbeiten . Allemal aber habe ich schon eine Stunde vorher in meinem Bette einige Kapitel durchlesen müssen , damit mir die Arbeit nicht ganz fremd ist . So arbeite ich fort bis um sieben Uhr , wo die Kinder aufstehen und - nach ihrem Frühstück verlangen . « - Dies sagte Herr Staiger mit einem trüben Lächeln . - » Darum habe ich mich aber nichts zu bekümmern , « fuhr er fort , » denn meine älteste Tochter Clara sorgt dafür , weßhalb es mir auch keine Zeit wegnimmt . Diese fünf Stunden nun , von Vier bis Neun , sind mir aber die kostbarsten , denn da Clara um neun Uhr fortgeht , so befinde ich mich von der Zeit an mit den kleinen Kindern allein und werde alle Augenblicke von ihnen gestört , besonders von meinem Buben , der noch nicht in die Schule geht . Bald muß ich ihn vom Fenster wegholen , bald ihm irgend ein Spielzeug machen , damit er ruhig sitzt , und wenn es eilf Uhr geworden ist , so muß ich auch sehen , daß das Feuer wieder besser brennt , damit Clara , welche um Mittag kommt , in sehr kurzer Zeit unser Essen fertig bringt . Von Zwölf bis Eins nun ist meine Erholung ; nach dieser Zeit fange ich wieder an zu arbeiten , und schreibe dann so fort bis neun , zehn , auch Wohl eilf Uhr . « » Und was haben Sie dann vor sich gebracht , « fragte eifrig der Maler , » in der Zeit eines solchen langen Tages ? « » Wenn es mir gut von der Hand geht , einen ganzen Bogen , « antwortete Herr Staiger . » Wissen Sie , mein lieber Herr , sechszehn enggedruckte Seiten , wie das hier ist keine Kleinigkeit . « » Das kann ich mir denken , « sagte Arthur seufzend . » Gott ! wenn ich mir das vorstelle , unsereins , so an Luft und Freiheit gewöhnt , sollte so hinsitzen über das Papier gebeugt , Stunde um Stunde arbeiten , mit dem Geiste und mit der Hand , immer in zwei Sprachen denken ; ah ! ich bin überzeugt , ich meines Theils würfe die Feder nach der ersten Stunde weg ! - Nun aber haben Sie einen ganzen Bogen beendigt . Jetzt hoffe ich doch , Sie wissen warum ? Sie werden nun doch ein Anständiges verdient haben , so daß Sie zum Beispiel nach dreitägiger angestrengter Arbeit in der Woche die übrige Zeit Ihrer Erholung widmen können oder etwas zurücklegen für Ihre Kinder . « Dem Herrn Blaffer war diese Unterredung offenbar peinlich und unangenehm ; er rückte mißmuthig hin und her , er schnappte nach rechts und nach links , er zog an seiner ohnedies sehr langen Nase , und sagte endlich , indem er es , aber nicht ganz logisch , versuchte , ein anderes Thema anzuschlagen : » O , was wollen Sie , bester Freund ! arbeiten muß ein Jeder , ich , Sie , der große Theil der Menschen , die da leben , und wenn auch Manche von uns angestrengter arbeiten , als die anderen schaffen müssen , so leben sie dafür in einem wohlgeordneten civilisirten Staate , der ihr Eigenthum schützt , ihren Herd , Weib und Kind beschirmt vor roher Gewalt . - Das muß man einsehen ; man muß mit seinem Schicksal zufrieden sein , man muß bedenken , wie viele Tausende von Menschen viel schlimmer daran sind als wir , wie Unzählige in einer Sklaverei leben , gegen deren Leiden unsere Mühe und Noth wahrhaftes Labsal zu nennen ist , - wahrhaftig , aus dem Gesichtspunkte kann man dies vortreffliche Buch der amerikanischen Dame nicht genugsam preisen und loben . Freilich , materielle Entbehrungen haben jene unglücklichen Sklaven im Allgemeinen nicht zu ertragen ; sie wohnen gut , sie essen und trinken nicht schlecht , sie sollen sich auch , wie aufmerksame Beobachter versichern , bei der Arbeit nicht übermäßig anstrengen , und überhaupt nur da arbeiten , wo sie durch Drohungen hiezu angehalten werden - eine Erscheinung , die aber rein aus ihrem geknechteten Zustand herzuleiten ist . Sie dürfen Sonn- und Festtage halten , sie haben freilich ihre Tanz- und anderen Vergnügungen ; der größte Theil der Herren pflegt seine Sklaven , wenn sie krank werden , hält meistens einen eigenen Arzt hiezu auf seiner Pflanzung , füttert sie aus der Vorrathskammer , wenn zufällig einmal Mißwachs eintritt ; - und gerade in dieser guten Behandlung liegt das Empörende . Denn glauben Sie nicht , daß der Pflanzer mit seinen Sklaven aus Mitleid so umgeht ! Nein , er thut es nur , weil sie ihm als bloße Waare gelten ; er nährt , kleidet , pflegt sie , sorgt auch , wie gesagt , für ihr Vergnügen , aber er thut das nur , um sie , als Waare betrachtet , nicht unter ihren Werth herab zu bringen . « » Aber er thut es , « versetzte ruhig Herr Beil , » und da er es nun einmal thut , sind die Schwarzen jenseits des Oceans wahrhaftig nicht so schlimm daran , wie ihre weißen Brüder diesseits . « » Das ist ihr materielles Wohl , das thierische , gemeine Leben . Sehen wir aber die andere , die Schattenseite dieses Bildes , wie sie uns die geistreiche Amerikanerin in diesen vortrefflichen Heften schildert . « » Bei Johann Christian Blaffer und Compagnie , « murmelte der Commis . » Halten Sie gefälligst Ihr Maul , Herr Beil , « entgegnete der Buchhändler-Principal , der für sein Buch die Lanze eingelegt hatte , und nun , ein zweiter Don Quixote , gegen etwelche Windmühlen loszurennen im Begriff war . - » Also die andere Seite , die eigentliche Knechtschaft ! Man achtet nicht das Heiligste , was der Mensch besitzt , die Familienbande ; man reißt sie gewaltsam aus einander , damit der Vater hier untergehe in Noth und Jammer , die Mutter dort , die Kinder verkümmern unter der Peitsche ihrer Peiniger . « » Das kommt auch bei uns vor , « sagte gedankenvoll der alte Mann , » nur daß es nicht gerade öffentlich geschieht auf dem Sklavenmarkt unter dem Hammer des Auctionärs , aber dafür desto mehr im Geheimen . Auch sind es nicht wohlbeleibte Pflanzer , die hier so die Familien zerreißen und Mutter von Kind trennen , sondern viel schlimmere Gebieter : Hunger , Noth und Laster aller Art , und ich möchte in der That wissen , ob jene schwarze Mutter , deren Kind man verkauft , das also den Herrn wechselt , ohne aber deßhalb schlechter gehalten zu werden , schlimmer daran ist , als eine weiße , die gezwungen ist , ihr Kind zum Vetteln herzugeben , und die sehen muß , wie es siech und elend wird , langsam dahin stirbt oder sich durchreißt , um später jedem Laster in die Hände zu fallen . « » Auch kauft man bei uns Kinder genug , « sagte gleichmüthig Herr Beil , » namentlich Kinder weiblichen Geschlechts , wenn sie über sechszehn Jahre alt sind . « Der Blick des Principals , welchen er für diese Bemerkung seinem Commis zuschleuderte , war ein entsetzlicher Blick , und die Bewegung , die er hervorgerufen , brachte den würdigen Buchhändler ganz aus seinem Vortrag heraus . Er fuhr mit der Hand über die Stirne , schnappte nach Luft und bemerkte nach einem augenblicklichen Stillschweigen mit erzwungenem Lächeln : » Es ist eigentlich sonderbar , wie so ein gewaltiger Stoff einem die Nerven aufregt . « » Ja , ja , « erwiderte Arthur , der unterdessen die Gestalt des Buchhändlers , den er als Sklavenhändler skizzirt , mit ein paar Strichen vollendete , » wir sind dadurch ganz von unserem Thema abgekommen . « » O es ist nicht der Mühe werth , « meinte Herr Blaffer . Worauf der Commis halblaut sagte : » Es ist freilich nicht der Mühe werth , das Honorar nämlich ; - aber er muß es Ihnen aussprechen ; dringen Sie nur darauf . « » Nun , Herr Staiger , « fuhr der Maler fort , » was bringt Ihnen so ein mühevolles Tagewerk ? Was verdienen Sie bei der Uebersetzung eines Bogens ? « » Das Honorar ist ein Gulden und dreißig Kreuzer , « sagte der alte Mann . Welche Worte Arthur mit einem Tone wiederholte , als habe er nicht recht gehört . - » Ein Gulden und dreißig Kreuzer für vierzehnstündige mühevolle Arbeit des Geistes und des Körpers ! Ein Gulden dreißig Kreuzer , die Ihnen nur so lange bezahlt werden , bis Ihr Verstand die Marter nicht mehr erträgt , Tage , Wochen lang die Punkte und Striche hinzumalen , die man Buchstaben nennt ! Die Sie sogar nicht erhalten , wenn es Ihnen einmal nicht gelingt , einen Tag Ihrer Frohnarbeiten zu vollenden , die Sie an Sonn- und Festtagen nicht haben , wenn Sie auch diese Tage , die doch zur Ruhe bestimmt sind , nicht ebenfalls mit Ihrer schweren , schweren Arbeit ausfüllen ! « » Aber , mein lieber Herr , « entgegnete der alte Mann mit einem sanften Tone , » ich theile da das Schicksal von Tausenden und aber Tausenden meiner Mitmenschen , von allen Denen , die um Taglohn arbeiten , und bin am Ende weit besser daran als diese . Mich hindert doch keine Witterung an meiner Arbeit , ich kann an meinem Schreibtisch sitzen , mag die Sonne scheinen oder mag es regnen oder schneien . « » Ja , das ist wahr , « versetzte der Maler ; » was das anbelangt , leben Millionen unserer Arbeiter in traurigeren Verhältnissen als Sie , verehrtester Herr , aber auch als jene Schwarzen , deren Jammer uns so nachdrücklich vor Augen geführt wird , den Sie übersetzen , den ich illustrire . Mag ihnen dort die Sonne scheinen oder mag Sturm und Regen den Himmel verfinstern , das ist jenen Sklaven gleichgültig : ihr Herr sorgt für sie und ihre Kinder , und ihnen ist es ganz recht , wenn sie wochenlang im angenehmen Nichtsthun vor ihren Hütten sitzen können ; ihnen schmilzt nicht jeder fallende Regentropfen das Brod im Schranke wie unserem Taglöhner . - Ah ! es wären wahrhaftig für unsere deutschen Leser keine Uebersetzungen und keine Illustrationen nothwendig ; sie sollten nur verstehen , auf Straße und Feld zu lesen und zu schauen ; aber das Elend , das wir täglich vor uns erblicken , hat für die empfindsamen Leser und Leserinnen jenes Romans nicht das Pikante , das Appetitliche , nicht das wollüstig die Nerven Kitzelnde , wie die Geschichte der jungen schönen Mulattin , die von ihrem Herrn verfolgt wird und bereit ist , eher ihr Leben herzugeben als ihre Ehre . - Ah ! das liest sich vortrefflich und sieht sich außerordentlich schön an . Aber wie schon gesagt , um auch das lebendiger und wahrer zu haben , dazu braucht man nicht nach Onkel Tom ' s Hütte zu gehen ; das haben wir Alles bei uns ebenso schön in der lieben Heimath . « » Sehr wahr , « meinte Herr Beil , wobei er es nicht unterlassen konnte , einen festen Blick auf seinen Principal zu werfen , der unterdessen von seinem Stuhl herabgerutscht war , und nun der ernsten Conversation durch ein ziemlich mißtöniges Lachen eine heitere Wendung zu geben versuchte . » Eigentlich haben Sie mit Ihrem Lachen Recht , Herr Blaffer , « fuhr Arthur fort . » Warum auch trübselige Gedanken ! Kurz ist das Leben , treten wir so viel wie möglich auf die Sommerseite desselben , und wenn wir ja einmal durch schwarze Schatten hindurch müssen , nun , so wollen wir uns bemühen , auch daraus etwas zu lernen . - Jetzt ersuche ich Sie aber , einen Augenblick mit in ' s Nebenzimmer zu kommen , ich will Ihnen da in der Geschwindigkeit meine Bedingungen wegen der Illustrationen mittheilen . - Herr Staiger , « wandte er sich an diesen , » Sie bitte ich , noch einen Augenblick zu bleiben ; wir gehen zusammen fort , wenn es Ihnen recht ist . « Was nun der Künstler im Nebenzimmer mit dem Buchhändler verkehrte , halten wir nicht für unsere Pflicht , dem geneigten Leser genau anzugeben : nur das Resultat der Unterredung soll er erfahren , weil es für den alten Mann draußen ein angenehmes war . Der Buchhändler nämlich , als er in ' s Comptoir zurück kam , schritt mit einem gerade nicht zu sauren Gesichte gegen seinen Pult , öffnete die Kasse und händigte dem überraschten Herrn Staiger den gewünschten Vorschuß von vier Gulden ein , wobei er lächelnd sagte : » Sehen Sie , mein Verehrtester , ich mache mir eigentlich ein Vergnügen daraus , Ihren Wunsch zu erfüllen : es ist nur meine Gewohnheit , jede Sache reiflich vorher zu überlegen . Wahrhaftig , ich bin nicht unerkenntlich für Ihre an sich gar nicht so schlechte Uebersetzung , und sowie sich die Zahl der Abnehmer unseres Romans auf zweitausend steigert , mache ich es mir zur Pflicht , Ihr Honorar auf drei Gulden zu erhöhen , ja , sobald sich die Abnehmer vermehren , was voraussichtlich in den nächsten Monaten geschehen kann - - wollte sagen in den nächsten Wochen , « verbesserte sich Herr Blaffer , denn er fing einen bedeutsamen Blick des Malers auf , » ja vielleicht mit dem nächsten Posttage ; wir wollen sehen , wir wollen sehen ! « Herr Blaffer hatte durch all ' das Vorgegangene einen anstrengenden Morgen gehabt , und als sich nun der alte Mann mit Arthur unter vielen Danksagungen entfernt , zog der Principal einen dicken Paletot an , verschloß seinen Pult sorgfältig , nahm Hut und Stock und entfernte sich , um , wie er sagte , noch einen wichtigen Geschäftsgang zu machen . Dergleichen wichtigen Geschäftsgänge kamen übrigens um die Essensstunde einige Mal in der Woche vor ; Herr Blaffer war nämlich Junggeselle , also ließ er nicht die zarte Hälfte seines Ich ' s zu Hause zurück und konnte sich beruhigt in das Wirthshaus begeben , um dort etwas Besseres zu verzehren , als dem Herrn Beil , der ebenfalls im Hause beköstigt wurde , und dem Lehrling vorgesetzt zu werden pflegte . Der Buchhändler verließ also sein Haus , und der blasse Lehrling , der bis jetzt Bücher eingepackt , eilte an ein Fenster , das auf die Straße ging , und wartete da , bis der Principal um die nächste Ecke verschwunden war . Herr Beil hatte sich wieder auf seinen Comptoirstuhl gesetzt und nahm mit triumphirendem Lachen das Blatt in die Hand , welches Arthur zurückgelassen . » Sehen Sie , « rief er seinem schmächtigen Untergebenen zu , » da steht er , wie er leibt und lebt , der Sklavenhändler Blaffer , und auch wir sind nicht vergessen , mich hat er auf Ehre als Onkel Tom dahin conterfeit , und da unten das miserable Ding mit den auffallend gekrümmten Schienbeinen und dem verwahrlosten Kopfe gleicht Ihnen wie ein faules Ei dem andern . « Der Lehrling schien aber keine besondere Lust zu haben , auf diese Spässe einzugehen . Er setzte sich auf die Kiste hinter der Thüre , ließ den Kopf melancholisch auf die Brust sinken und stieß einen tiefen Seufzer aus . » Nun , « sagte Herr Beil , indem er über den Bogen Papier hinweg sah , » wo fehlt ' s Ihnen , junger Buchhändler ? Sehen Sie nicht wahrhaftig aus wie unser würdiger Chef , wenn er einen Retourzettel erhält , auf dem geschrieben steht : Wird nur gegen Baar expedirt . - - Hat Sie die Unterredung von heute Morgen angegriffen ? « Der Lehrling schüttelte betrübt den Kopf . » Oder ist Ihr Hunger stärker als gewöhnlich ? - Auch das nicht ? - Nun , dann weiß ich nicht , was Ihnen fehlt . Bitte , sprechen