es angehe ; nur sonderbar dünkte es sie , daß nicht aller Augen auf sie gerichtet seien , die Entferntern nicht aufstünden , nach ihnen zu sehen , daß alle machten , als merkten sie nicht , wen der Pfarrer meine . Als der Pfarrer schloß , fühlten sie , daß , was in ihnen war , gefestigt worden ; sie hatten in ihrem Acker einen Schatz gefunden , aber erst jetzt kannten sie ihn recht und wußten , wie er zu bewahren sei , mehr denn alles auf Erden . Und als der Pfarrer einlud , zum Tische des Herrn zu kommen , wer von Herzen sein Jünger zu sein begehre , da klang dieser Ruf ihnen ganz anders als sonst , nicht mehr so wie eine allgemeine Einladung , sondern es ging sie besonders an , und es dünkte sie , sie müßten Bescheid darauf geben . Und als sie zum Mahle gingen , gingen sie nicht wie sonst als Solche , welche das Recht hätten dazu und es nicht veralten lassen wollten , sondern als ob sie hingezogen würden wie durch einen Magnet , durch eine unsichtbare Macht , wie der Dürstende zur Wasserquelle , das verloren gewesene Kind zum Vater , der wieder auftaucht in seinem Gesichtskreise . Das Einzelne , Besondere war vergessen , untergegangen in dem großen Gefühle , Gemeinschaft zu haben mit dem Vater und dem Sohne durch den Geist , der lebendig in ihnen wohne , und als Siegel dieser Gemeinschaft empfingen sie des Mahles äußere Zeichen , und sie empfanden es in unaussprechlicher Innigkeit , daß weder Welt noch Tod , weder Teufel noch Hölle sie mehr von Gott zu scheiden vermöchten . Ernst , aber in getroster Freudigkeit verließen sie das Haus des Herrn ; sie waren erbauet worden . Der Strom der Leute umwogte sie , und seltsam kam es ihnen vor , daß sie mit ihnen unbefangen heimgingen , wie sie mit ihnen gekommen waren . Niemand gedachte mit einem Worte , daß sie der Gegenstand der Predigt gewesen . Erstaunt hörten sie , wie der Eine sagte : Der Pfarrer predige alle andere Sonntage über den Geiz , man merke wohl , daß er selbst nicht viel habe . Aber er müsse sagen , es mache ihm Langeweile , alle andere Sonntage das Gleiche zu hören . Ein Anderer sagte : Er hätte es wohl gemerkt , der Pfarrer hätte auf ihn gestichelt , das hätte er wohl können bleiben lassen ; es dünke ihn , an einem heiligen Sonntag schicke sich das nicht , er könnte die Leute wohl ruhig lassen . Da sei der Pfarrer letzthin gekommen und habe da Steuer gebettelt , er wisse nicht mehr für was , und er habe ihm nichts gegeben ; man habe sein Geld nicht nur für andere Leute , und er habe es dem Pfarrer gesagt , er wolle erst für sich sorgen und sehen , daß er genug habe . Und jetzt gehe der und halte eine ganze Predigt auf ihn , für einen Pfarrer dünke es ihn nicht schön . Aber dem wolle er es eintreiben , die ersten sechs Wochen sehe ihn der nicht mehr in der Kirche . Noch hatte der Eine dieses zu rügen , ein Anderer etwas anderes ; jeder hatte eine andere Predigt gehört als der Andere , nur darin waren die Meisten einig , daß die , welche sie gehört , ihnen nicht gefallen . Er könnte es , wenn er wollte , sagten sie ; vor acht Tagen habe er eine Predigt gehabt , Leib und Seele hätte noch lange geschlottert , aber er möge es ihnen gar selten gönnen ; das sei aber nicht dest bräver , wenn einer es könnte und nicht wollte . Nur wenige Leute nahmen keinen Teil an diesen Urteilen , gingen in stillem Ernst ihre Wege ; denen hatte der Pfarrer auch etwas Inwendiges getroffen , und dem dachten sie nach und redeten nicht in das Allgemeine ; zum Disputieren war das Herz ihnen zu voll , und mit ihrem eigenen Innern beweisen , wie recht der Pfarrer gehabt , das mochten sie nicht . Es ist mit dem Inwendigen eine eigene Sache , man verhüllet es ärger als seinen Leib , und die Hülle wird oft so dick , daß kein Auge mehr hindurchdringt , nicht einmal das eigene , und die Zuversicht auf diese Hülle wird so groß , daß man nicht einmal denkt , ein Auge könnte durchdringen , und Gottes Auge nimmt man in dieser Meinung nicht aus . Dieses Verhüllen hat aber auch seinen Grund in der Angst , nicht verstanden zu werden , in der Angst , daß die , denen man das inwendige Leben erschließt , Spott und Mutwillen mit demselben treiben möchten , weil sie es nicht würdigten , nicht begriffen , wie Kinder mit den kostbarsten Edelsteinen nicht anders umgehen als mit gemeinen Steinen und gemeine Leute desto lauter und höhnischer über das Edle spotten , je höher es über ihrer Gesinnung steht . Darum auch fiel es weder dem Christen noch dem Änneli noch ihren Kindern ein , den Leuten die Predigt auszulegen , wie sie dieselbe verstanden , und sie mit ihrem äußerlich und innerlich Erlebten zu belegen . Sie wurden fast froh , daß den Andern ihre Augen oder Ohren gehalten gewesen und das , was sie so klar glaubten , ihnen dunkel und verborgen geblieben , und sagten nur hie und da , wenn sie nicht anders konnten , ein Wort ins Reden der Leute : Ihnen hätte die Predigt gefallen , es dünkte sie , es könne ein jeder seinen Teil davon nehmen , und wenn man dem Pfarrer nach täte , so käme es nicht bös . Aber als der stille Nachmittag heraufkam , die Diensten ihre Wege gegangen waren , schön sonntäglich feierlich es ums Haus ward , der Baumgarten , fast einem heiligen Haine vergleichbar , mit leisem Säuseln die Bewohner des Hauses in seinen kühlen Schatten lockte ; als sie ohne Abrede , aber von gleichem Zuge getrieben eins nach dem Andern kamen , das Eine noch vor diesem Baume stund , das Andere Raupen abstreifte im Vorübergehen , endlich alle sich zusammenfanden unter einem mächtigen Apfelbaume und sich lagerten ins kühle Gras , da redeten sie von dem , was in ihrem Inwendigen vorgegangen . Allen war es mit der Predigt gleich gegangen , allen war sie ein Spiegel gewesen , in welchem sie mehr oder weniger klar ihre innern Zustände gesehen , und eben deswegen sahen sie so klar und deutlich , daß der Pfarrer durchaus recht hatte und das Eine , das not tue , eben der Geist des Herrn sei , und daß sie eben deswegen so unglücklich gewesen , weil statt des Geistes das Geld Hebel , Mittelpunkt , Ziel ihres Lebens gewesen , und daß es nur der Geist des Herrn gewesen sei , der die wilden Wellen in ihren Herzen und in ihrem Hauswesen gestillet . Wunderbar aber schien es allen , wie der Pfarrer gepredigt , als rede er aus ihren Herzen heraus und kleide es nur in Worte , was er in denselben gesehen , und mache ihnen nur deutlich und hell , was sie selbst gefühlt , geahnet , aber ohne ihm recht Worte geben zu können . Sie wußten , er kannte sie wenig , von ihnen hatte in Jahresfrist niemand mit ihm geredet , von ihrem Inwendigen konnte niemand anders ihm Bericht gegeben haben , kannten sie es selbsten doch kaum . Die Vorgänge der letzten Woche kannte ebenfalls niemand . Sie wußten es nicht anders zu erklären als eine Fügung Gottes , der auch noch heutzutage durch den Mund seiner Knechte redet , die Geister lenket , die Herzen zu treffen weiß . Denn wer ists , der dem Prediger den Text zur Hand gibt , der dem Text Leben gibt in des Pfarrers Geiste , daß er aufblüht und zur Predigt wird und gerade zu dieser und zu keiner andern ? Der , ohne dessen Willen kein Haar aus unserem Haupte fällt und kein Sperling vom Dache , sollte der nicht auch Macht in den Geistern haben ? Und der , der sich verkündigen läßt durch die Nacht mit ihrer Sprache , durch den Tag mit seiner Rede , durch jede Blume , die auf dem Felde blüht , sollte der sich nicht auch durch eine Predigt verkünden lassen können , und zwar gerade so , wie er es will ? So meinten es die Leute und fanden großen Trost darin , daß Gott sie angesehen und den Geist des Pfarrers also gelenket . Es war aber nicht nur der Text zur Predigt aufgegangen in des Pfarrers Geiste , sondern seine Predigt war auch auf , gegangen in ihrem Geiste , war Leben geworden , das heißt hatte mit ihrem Leben sich verwoben , und dieses Leben trat in bald schrofferen , bald mildern Übergängen , gerade wie es der Zufall oder das wunderbare Gedankenspiel in ihrer Seele mitbrachte , in scheinbar rein weltlichen Gesprächen zutage , welche dem Fremden vielleicht gemütlich geschienen , denen er aber keine Spur eines höhern Lebens , eines heiligen Geistes , eines höhern Aufschwunges geahnet hätte . Aber es strömte der Geist des Herrn durch Feld und Wald , durch Nessel und Nelke , er strömt durch alle unsere Lebensverhältnisse , durch alle Worte , womit wir sie bezeichnen , wenn der Geist des Herrn in uns ist . Nur unsere Jungens meinen , er sei an bestimmte Worte gebunden , wie die Seele eines Frosches in den Leib des Frosches . Die Freude , daß die Finsternis vergangen , der Morgen wieder angebrochen , brachte sie auf den vor ihnen liegenden Tag und seine Gestaltung , und diese Gestaltung war nicht bloß ein Nebel hoch oben im Gebiete der Lüfte , den man mit des Mundes Hauch von einem Munde zum andern Munde treibt , wie man auch oft Bysluft und Wetterluft ihr Spiel treiben sieht mit den Nebeln , sondern diese Gestaltung stellte mitten im Leben ab , und sie drückten sich aus darüber mit ganz natürlichen , allgemein verständlichen Worten ; was aber für ein Geist in denselben lag , das fühlten die , welche gleichen Geistes waren , sehr wohl . Er werde alt , sagte der Vater , er fühle wohl , er möge nicht mehr allem nach , und so könnte öppe vieles besser gehen , als es gehe , aber ändern könne er es nicht wohl mehr . Die Jungen möchte er nicht versäumen , darum sei besser , er stelle daraus und lasse die Kinder machen . Wenn sie öppe einander verstehen wollten , so wüßte er nicht , warum es nicht gehen sollte . Es sei ihr auch recht , sagte die Mutter , sie wolle sich wohl gerne darein schicken . Sie und der Vater wollten in die Hinterstube oder könnten eine Wohnung machen lassen auf das Ofenhaus , die würde so viel nicht kosten , und wenn man etwas raten könne oder helfen , so sei man immer noch da , und die Jungen seien noch manchmal froh über einen . Aber anständig wäre es , wenn Resli heiraten würde , Sollst sehe sie nicht ein , wie das zu machen wäre . Annelisi werde nicht immer dableiben wollen , und wenn Christen heiratete und seine Frau die Haushaltung machen müßte , und Resli nähmte einst den Hof zur Hand , so täte es Christens Frau weh und es ginge nicht gut . Resli unterbrach die Mutter und sagte : Von dem wolle er nichts hören , und er wolle sie nicht vertreiben . Dem Vater helfen , wie er könne und möge , das wolle er gerne , und es sei seine Schuldigkeit ; aber das Heft solle er nicht aus der Hand geben . Vom Heiraten möge er auch nichts hören , er werde kaum heiraten , und heiraten , nur um die Mutter aus der Küche zu vertreiben , das möge er gar nicht , sie sei ihm zu lieb dazu , und sie habe die Sache dreißig Jahre gut gemacht , es sei die Frage , ob je eine ihr die Schuhriemen auftäte . » He « , sagte Christen , » jemand wird heiraten müssen , ich meine , ich oder du , vom Anneliese will ich nicht reden , das ist keine Frag . Ich aber will nicht heiraten , so ein kränklicher Mensch , wie ich bin , soll nicht ein Haus aufrichten , und ich könnte leicht eine erhalten , sie brächte mich das erste halb Jahr unter den Boden . Nein , ich will bei dir bleiben , wir sind öppe immer Brüder gewesen und werden es auch bleiben . Du mußt heiraten , und daß du etwas im Spiel habest , das hast du mir ja einmal selbst gesagt , und längst hätte ich es aufs Tapet gebracht , wenn ich es nicht ab unserm Elend vergessen hätte . Du aber hast es nicht , denn seither hast du ja keinen Fuß zum Tanz gehoben und keinen Tritt des Nachts zum Haus aus getan . « Resli wurde rot und wollte sich verteidigen , da fragte die Mutter : » Hör , was ist das mit ds Dorngrüter Bauren Tochter ? Du hast mich einmal nach ihr gefragt und so wunderlich dabei getan . Ich habe dich damals abgeschnauzt , es ist mir seither manchmal leid gewesen , und ich hätte wieder davon angefangen , aber bald schickte es mir sich nicht , bald dachte ich , du sagst mir jetzt doch nichts mehr , und so schwieg ich . Ist dir die öppe im Sinn ? « » Oh , aparti nicht « , sagte Resli . » Hör , sage es fry recht geradeheraus . Wenn es etwas ist , so kann man dir helfen . Es hat schon Mancher so geschwiegen und hat die Sache so in sich selbst verdrückt und ist hintendrein reuig gewesen « , antwortete die Mutter . » He nun « , sagte Resli , » so will ich es geradeheraus sagen : das Meitschi hat mir gefallen wie noch keines , ich glaube nicht , daß es eins gäbe , das ihm die Schuhriemen auftäte , und ich habe gleich gedacht , das oder keins . Und es ist mir noch so , aber ich sehe wohl , daß es nichts daraus gibt . « » Warum ? « fragte Christen , » hast gefragt ? « » He nein « , sagte Resli , » aber ich weiß es sonst . « » Wie kannst du so etwas wissen , wenn du nicht gefragt hast ; das geht oft ganz anders , als man denkt . Oder ist das Meitschi verheiratet ? « fragte der Vater . » Selb weiß ich nicht « , sagte Resli , » und vom Meitschi wollte ich nicht reden , es schien mir , als wäre ich ihm nicht ganz unanständig , freilich irrt man sich leicht . Aber es ist noch etwas anders . « » So sage doch , was ists ? « sagte der Vater . » Ists öppis z ' schüchen a de Lüte ? « » He , wie man will « , sagte Resli . » Der Vater ist sehr reich und grusam geizig , und wie ich gehört , ist ihm für seine Kinder nicht gleich einer reich genug , und wenn es auch einer ist , so will er dann noch ehetagen auf alle Füli , daß es keine Art hat . Er hätte schon zwei Töchtern so gebraucht und ehetagen lassen , daß seine Tochtermänner daheim alleine erben und ihre andern Geschwister mit leeren Händen gehen können . Das will ich nun nicht , ich will mich an meinen Geschwistern nicht versündigen , daß ich denken muß , Kinder und Kindeskinder müßten es entgelten , und wo man unter solchen Gedingen zusammenkommt , da sieht man wohl , was Trumpf ist , und was e sellige Trumpf kann , das haben wir erfahren . Ich begehre nicht mehr als meine Sache , dem Christen und dem Annelisi gehören ihre Teile so gut als mir , wenn es einmal zum Erben kömmt , was , so Gott will , noch lange nicht geschehen wird . « » Los Bruder « , sagte Annelisi , » wenn es nur das ist , so achte dich meiner nicht . Christen hat nur Späße gehabt , und es ist dann noch lange nichts Richtiges , und wenn ich dich damit kann glücklich machen , so bleibe ich ledig . Es wäre ja so Mancher ihr Glück gewesen , wenn sie nicht geheiratet . Wie wohl es mir ist bei Vater und Mutter , das weiß ich , wie es mir aber so mit einem Manne gehen würde , das ist ein Ungewisses . « » Wie wir es zusammen haben « , sagte Christen , » weißt du , und wenn dir das Meitschi anständig ist , so mach , was du kannst , und was wir dir dazu helfen können , darauf zähle , und wenn dir der Vater den Hof abtreten will kaufsweise um ein Billiges , ich für mich hätte nichts darwider . « » Von dem will ich nichts hören « , sagte Resli , » Vater und Mutter sollen ihre Sache behalten . Daß sie wegen einem Kinde sich die Hände binden sollten , das tue ich nicht . Wegen einem Meitschi lasse ich Vater und Mutter noch lange nicht auf die Seite stellen , wir sind jetzt so schön bei einander , wir wollen nicht alsobald Unguts hineinmachen . « » Mir tätest du einen großen Gefallen , wenn es sich machen ließe « , sagte die Mutter ; » wenn ich sterben sollte , und das werde ich bald , es wäre mir ein großer Trost , wenn ich deine Frau gesehen hätte . « » Mutter , schweig vom Sterben , du darfst uns nicht sterben , und von einer Frau schweiget mir . « » Und ich schweige nicht « , sagte Christen . » Es ist doch dann noch nicht gesagt , daß es immer gleich gehen müsse , und probieren schadet nichts . Es kömmt nur darauf an , ob dich das Meitschi will oder nicht ; wenn man das vernehmen könnte , so müßte die Sache bald richtig sein . Hast du seither nichts von ihm vernommen ? « Nein , sagte Resli , er hätte nicht gewußt , was das Nachfragen abtrage , wo es besser wäre , er vergesse die ganze Sache , je eher je lieber . » Da hast du unrecht getan « , sagte Christen , » und ich will für dich vernehmen , was nötig ist ; es ist mir auch daran gelegen , daß du eine rechte Frau erhaltest , und wenn die Mutter so Freude hat an einer Sohnsfrau , so muß sie noch vor Ostern eine haben , oder ich will nicht Christen heißen . Vater , gib mir einige Neutaler in Sack , die meinigen sind neue use , und ich will um etwas aus , um Rosse , Kühe Schafe , sei es was es wolle , und somit habe ich Gelegenheit , auf das Dorngrüt zu kommen , unbekannt , vielleicht mit dem Meitschi z ' reden , und vernehme allweg , was für Werch an der Kunkel ist und wie die Sache öppe anzukehren wäre . « » Mache , was du willst « , sagte Resli , » und ich danke dir für dein Anerbieten , aber ich will dich nicht geheißen haben und an nichts schuld sein . Ihr seid alle nur viel zu gut gegen mich , aber ich will es auch Keinem vergessen . « » Das hätte ich vor acht Tagen noch nicht hoffen dürfen , daß es so kommen könnte « , sagte die Mutter , » und wenn es mir jemand gesagt hätte , so hätte ich es ihm nicht geglaubt . Aber bei Gott sind alle Dinge möglich , und wie er das Unglück einbrechen läßt wie einen Dieb in der Nacht , warum sollte er nicht auch das Glück heraufführen wie die Sonne aus ihrer Kammer , wenn die Herzen dafür reif geworden sind ? « » Horch , was ists ? « rief Resli und sprang vom Boden auf . Langsame Glockenschläge hallten einzeln durch die Luft , alle sprangen auf . » Es stürmt , wo brennts ? « frugen alle . Rauch war nirgends zu sehen , aber nur im Halbkreise lag frei der Horizont vor ihnen . Sie eilten dem Hause zu ; in zwei Minuten sah man Resli , den Feuerhaken auf der Achsel , den Eimer darangehängt , in raschem Laufe dem Kirchturme zueilen , wo immer ängstlicher die Glocke um Hülfe wimmerte , und verschwunden war das schöne Bild der innigen Familie , verschlungen vom Wirbel der Welt . Aber sei auch das Bild verschwunden , ist nur der Geist geblieben ; der lebendige Geist sprüht neue Bilder immer wieder auf , schöne Kinder , Zeugen seines Lebens . Vorwort zum zweiten Teil Dem geneigten Leser wird anmit eine Fortsetzung der Erzählung » Geld und Geist « , welche im zweiten Bändchen der » Bilder und Sagen « enthalten ist , dargeboten ; der Ärger vieler Leser über den scheinbar zu raschen Schluß bestimmte den Verfasser dazu , und Bedingungen zu fernerem Leben fanden sich in der ersten Erzählung hinreichend vor . Auf neuem Boden birgt sich das innere Leben mehr hinter äußere Verhältnisse , und unfreundlich wölbet sich der Himmel über ihm ; wer aber in Geduld dieses überwindet , findet im Schlusse vielleicht den Geist wieder , welcher das Geld besiegt und den Segen der Versöhnung über die Herzen bringt . Wer hat nicht schon den Unterschied bemerkt , der im Klange der Glocken liegt , es gefühlt , wie verschiedene Empfindungen sie erregen im menschlichen Gemüte ? Ernst und hoch , wie vom Himmel her , ertönen sie , wenn sie den Menschen rufen in Gottes Haus , sich zu demütigen vor dem Allmächtigen , sich aufzurichten am Allerbarmenden ; dumpf tönt die Totenglocke , von weitem her wird es einem , als höre man auf den Sarg die Erde prasseln , als versinke man in ein dunkles Gewölbe und höre immer ferner und ferner des Lebens Klang . Freundlich und mild tönt die Vesperglocke . Wer des Abends über Berg und Tal das freundliche Geläute hört , dem wird , als empfange er freundliche Grüße , ein gastfreundlich Laden zu süßer Ruhe , als vernehme er des Vaters Ruf , sich zu stellen unter dessen treue Hut , zu legen all sein Sorgen und Sinnen in dessen weise Hand . Aber wenn die Feuerglocke erschallt , da zuckt Schreck durch die Seelen , Weiber werden blaß , Kinder weinen , Männer horchen hastig auf und stärker klopfen ihre Herzen . Es tönt vom Turme her wie Weiberjammer , wie Kindergewimmer , wie des Feuers Knistern , und je langer die Glocke geht , um so inniger scheinen ihre Töne zu werden , um so ängstlicher wimmert sie , um so lauter jammert sie . Es zieht das Herz sich zusammen , bange sucht der Mensch den Menschen , alle Augen suchen des Brandes Zeichen , den dunklen Rauch , der weithin des Brandes Stätte weiset , den Helfenden der düstere Stern über der Stätte , wo Hülfe nottut . Und jeder rät , wohin die dunkle Wolke weiset , und jeder schreit auf , wenn neue Wellen wallen über Berg und Tal , das Aufflammen neuer Häuser , das Zusammenstürzen der ausgebrannten verkündend . Ums Spritzenhaus , welches wie üblich in der Mitte des Dorfes stand , von welcher gewöhnlich das Wirtshaus auch nicht ferne liegt , während die Kirche gerne zur Seite steht , wie billig auch , das Erstere als Anker der Welt , die Letztere ein Wegweiser aus der Welt - ums Spritzenhaus fand Resli , des Bauern Sohn von Liebiwyl , das halbe Dorf geschart . Die Einen sahen in den wirbelnden Rauch , der in der Ferne , aber immer dicker , immer schwärzer gen Himmel stieg ; die Andern liefen ängstlich herum , hantierten mit der Spritze , banden Schlauche auf , schleppten Eimer herbei , schrieen nach Pferden , welche aber niemand werde geben wollen , was ein recht Elend sei und immer so gehe , schrieen nach einem Stück Kerze in die Laterne , da es auf den Abend gehe , und niemand wollte Kerzen haben daheim , aber der Krämer hätte fürs Geld , sagte man . Sobald Resli kam , frug er : » Wo ists ? « Bestimmt wisse man es nicht , sagte man , aber allem an zu Ufbegehrige , und die Brunst sei groß und alle Augenblicke scheine ein neues Haus aufzugehen . Ängstlich rief Resli nach dem Rundellenträger , dem Führer der Feuerläufer ; der war nirgends zu sehen . Er sei weder vormittag noch nachmittag in der Kirche gewesen , hieß es , er werde um etwas aus sein , um eine Frau oder um eine Kuh , wahrscheinlich um das Letztere , da er in vergangener Woche den Bernmetzgern zwei verkauft hätte . Resli , rasch entschlossen , frug : » Wer nimmt meinen Haken ? « , nahm die Rundelle , sagte : Wenn sie hier keine Rosse mehr vermöchten , so solle jemand rasch heim zu ihnen , sie hätten noch deren , aber machen sollten sie , daß sie bald nachkämen , sonst sei es eine Schande für die ganze Gemeinde . Gerade an solchen Dingen nehme man ab , was für Leute in einer Gemeinde seien ob etwas wert oder nichts . Seine Stichworte gingen in manches Herz , um so mehr , da sie von einem jungen Burschen kamen , der noch zu gar nichts etwas zu sagen hatte , und graue Häupter trafen , die Häupter der Gemeinde zu sein meinten . Wenn ein jeder Säubub sein Maul in die Sache hängen wolle , so hätte er nichts da zu tun , sagte der Ammann , aber wohlweislich erst , als Resli in kurzem Trabe bereits ein Stück Wegs weit war . So ein Lümmel wisse nicht , daß man allweg , ehe man fahre , die Rosse füttern müsse , einem jeden ein Immi Haber oder zwei , von wege man wisse nicht , wann sie wieder zum Fressen kämen . Und wenn sie gefressen hätten , so sei es dann manchmal nicht einmal nötig , daß man fahre , und schon alles zBode . In gemessenem Trabe steuerten die Feuerläufer und mit ihnen Mancher , der nicht daheim bleiben kann , wenn Not irgendwo ist , dem Brande zu . Je weiter sie trabten , desto gewaltiger stieg vor ihnen die Rauchsäule auf und verschwamm unterm Himmel in eine große schwarze Wolke , ein zweites Gewölbe , aus Rauch und Ruß gebildet , desto kläglicher wimmerten die Glocken , desto größer ward der Menschenstrom , der dem Brande zueilte . Sie hatten nicht not , wie es oft geschieht , bei jedem Hause stille zu stehen , zu fragen , ob man da auch gestürmt und wo man meine , daß es brenne , vor jedem Dorfe stille zu stehen und sorgsam nach dem dünnen grauen Fädchen zu sehen , das kaum sichtbar irgendwo von der Erde zum Himmel sich wand . Nein , da lag offen , schwarz und schaurig der glühende Ort vor ihnen , wo das entfesselte Element in wilder Schlacht rang mit Menschenkraft , wo weither die Winde dem Feuer zu Hülfe flogen , dem Menschen aber der Mensch . Und wie Regimenter , vom Donner der Schlacht herbeigerufen , nicht ängstlich oder bedächtig das Feld umkreisen , Verweisen , wo Stand und Zugang am bequemsten sei , sondern in die Schlacht sich stürzen , wo sie ihren Bereich erreichen , wohl wissend , daß die schnelle Hülfe die beste ist , so stürzten die Menschen sich in Rauch und Feuer , zu kämpfen mit Rauch und Feuer ; nur den rasselnden Spritzen eilten Kundige voraus und spähten , wo Platz und Wasser sei für sie , wie auch den Batterien die Adjutanten vorauseilten , zu erkunden , wo die Kanonen am bequemsten abzuprotzen , am verderblichsten zu richten seien in des Feindes Reihen . Kühn drang Resli mit seiner Schar in den Mittelpunkt der Schlacht , suchte die gefährlichste Stelle , suchte die Führer ; die Letztern fand er nicht . Wirre durcheinander wogten Feuer und Menschen , geordnet war der Widerstand nirgends . Hier befahlen Viele , dort niemand ; wo jeder tat , was ihm der Instinkt gebot , da ging es am besten . Als kluger Kommandant hatte Resli seiner Schar geboten , bestmöglichst beisammen zu bleiben ; aber allen wards nicht möglich , auch hier war das Schicksal mächtig , das seine Lust zu haben scheint am Scheiden und Trennen . Die Feuerläufer mit den Haken stürzten zum Brande , rissen seine Beute , brennende Balken , ihm aus den Zähnen , rissen Angebranntes nieder , alle Augenblicke in Gefahr , selbst zu feurigen Branden zu werden . Die mit den Eimern stellten sich zu den Spritzen , lösten müde Mannschaft ab , reihten sich in die Wasserzüge , traten ein , wo Lücken waren , während Resli , als Rundellenträger , durch die Reihen flog , ordnend und mahnend Müßige in die Züge stellte , Unschlüssigen die rechte Stelle wies , den Verband erhielt zwischen der Spritze und denen , die das Wasser dahin schafften . Resli erfuhr es , was es heißt , in wild wogendem , gewaltigem , andaurendem Brande einen Wasserzug zusammenzuhalten ; leichter ists , ein Regiment festzuhalten im