schlug ihm sein Herz , an einem Tage um so viel reicher geworden zu sein , und er legte bei sich selbst das Zeugnis ab : sein Meister müsse doch wirklich ein braver Mann sein , unter Hunderten hätte das nicht einer getan . Und wie der Meister so bei ihm stund , so ging das Herz ihm immer mehr auf , es düechte ihn , er möchte ihn doch neuis fragen . Aber er redete doch von etwas anderm , und wenn der Meister gehen wollte , so fing er wieder etwas Frisches an , aber doch nicht das Rechte . Endlich sagte der Meister : » Es ist Zeit , daß wir niedergehen , gute Nacht . « » Gute Nacht , Meister , « sagte Uli , » aber wenns dr gleich wär , so hätte ich dich gerne noch was gefragt . « » He was de ? « sagte der Meister . » He , es ist mir wunderlich gegangen mit ds Hubechbure Käthi . Das hat mir neue so zuechegredt , daß es scheint , als hieße es dort nicht Nein , wenn ich es begehrte . Das muß ein bsunderbar werchbar Mönsch sein , in alle Spiel zu brauchen , es geht für einen Knecht . Und für einen , der nicht viel hat , muß da ein großes Vermögen sein , das wäre ein schöner Anfang . Käthi hat mir so um die Stauden herum geschlagen , daß es mir auftäte , wenn ich käme , und es zweiet mir sich , ob ich gehen solle . Da habe ich gedacht , ich wolle dich fragen , du meinest es gut mit mir und könnest mir die beste Auskunft geben . « » Für was mangelst du einen Knecht ? « fragte der Meister . » Knecht mangle ich aparti keinen , « sagte Uli , » aber ich habe geglaubt , Käthi wäre eine rechte Frau für mich . « » Jä so , « sagte der Meister , » aber du hast mir an Käthi ausgestrichen , was zu einem guten Knecht gehört und nicht zu einer Frau ; und eine Frau und ein Knecht sind nicht nur ganz verschiedene Krebse , sondern ein guter Knecht kann eine schlechte Frau und ein schlechter Knecht eine gute Frau sein . Was trägt es dir ab , wenn deine Frau den Knecht macht und von der Haushaltung so viel versteht als ein Gusti vom Geigen ? Und so ist es mit Käthi . Es mäht und mistet , wie Mädchen das können , und trappet dir den Mist mit den bloßen Füßen , daß er ihm bis weit über die Stumphosen hinaufspreiset ; aber eine repetierliche Suppe , die man von irgend einem Gschlüder unter , scheiden kann , ist es nicht imstande zu machen . Die Mutter macht die Haushaltung , und nur wenn sie krank ist , chaaren dTöchtere i dr Pfanne herum und sagen , sie müßten kochen , und kochen dann , daß es eine eigeliche Sau nicht fressen möchte . Zu den Zeiten , wo sie meinen , sie müßten etwas Apartes haben , oder wenn der Vater nicht zu Hause ist , tätschlet eine jedere für sich . Wenn sie nur viel Anken und Eier und Mehl vergeuden können , so meinen sie , die Sache müsse auch gut sein . Keine kann dir ein Loch plätzen ; ich glaube nicht , daß eine noch je eine Nadel in den Fingern gehabt hat . Es ist da ein schrecklicher Hausbrauch ; es sind Sachen genug , jedes braucht , so viel es kann , und niemand achtet sich wieviel . Deswegen sind die Leute nicht reich ; da geht es eher zurück als vorwärts , wie es allenthalben geht , wo keine Ordnung ist . Eine Tochter wird da niemals viel erhalten , Käthi mag sagen , was es will : das Vermögen ist im Land , das nehmen die Buben , und die Meitscheni können luegen , was sie kriegen . Von den Basen aus dem Aargau habe ich auch schon gehört , aber das sind nur so Zuckerstengel , die sie den Leuten durchs Maul ziehen . Ich wüßte gar nicht , woher sie Basen im Aargau haben sollten . Es geht nicht um diese Meitlein , sie rühmen viel zu fast , da denkt man , es hätte sich nötig . Schon ihre Mutter hat es so gehabt . Sie hätte mich auch bei , nahe gefangen , und ich wäre mich übel reuig geworden . Ich glaube , du bekämest Käthi , aber was wolltest du mit ihm ? Geld kriegtest noch lange keins , du könntest hingegen dort Knecht sein ohne Lohn , Sühniswyb . Oder wenn du etwas anfangen wolltest , so könntest du eine Jungfrau anstellen für die Haushaltung zu machen , während Käthi dir den Mist vertrappet . Dann würde Käthi nirgend genug sehen , und wenn es nicht die Milch von vier Kühen verchaaren könnte , so würde es über Mangel und Not schreien . Du glaubst nicht , was man mit Baurentöchtern oft angeführt ist , aus denen man das größte Wesen macht und die aus einem großen Wesen heraus kommen . Die wissen oft in Gottes Namen nichts als gradane dryschla , nie genug zu sehen ; wenn sie nicht bis an den Hals in der Milch und im Anken flotschen können , so meinen sie , es gehe ihnen übel , und wenn nicht immer der Schneider hinter ihnen , die Näherin vor ihnen ist , so sehen sie aus , daß man nicht weiß , was hinten und vornen ist . Und wenn man nicht Jungfrauen vermag oder die nicht mehr Verstand haben als die Meisterin , so weiß man oft in einem solchen Hause nicht , wo trappen , und das Essen ist , wie wenn es die Hühner ab dem Mist gekratzet hätten . Dafür wollen sie manchmal Pflug halten , meinen , was das sei , wenn sie einige Tage im Jahre vom Morgen früh bis am Abend spät mit dem Volk auf dem Felde sind . Zwischen den großen Arbeiten machen sie gewöhnlich den Faulhung . Wenn du so eine kriegtest , so hätte sie es dir das ganze Jahr alle Tage für und in den langen Tagen zweimal , wie gut sie es daheim gehabt hätte und aus welchem Hause sie käme und wie bös sie es bei dir habe und wie sie doch dr dümmst Hung gsy syg , sie hätte Andere haben können als so ein Baurenknechtlein . Das ist meine Meinung , Uli , « sagte der Meister , » mach darneben , was du willst ; aber weil du mich gefragt hast , so rate ich es dir nicht . « Uli hatte ganz andächtig zugehört und sagte endlich : » So will ich denk gehen und meine Sonntagshosen abziehen ; du hast mir so eine Baurentochter ganz erleidet , aber du magst öppis recht haben . Wenn man eine Frau will , so muß man nicht auf einen Knecht sehen , und ich könnte da selbst der Knecht sein und nichts davonbringen als eine Kuppelen Kinder und eine böse Frau , die nie genug sehen würde aus Vertünligi . Wenn du mir nicht gewehrt hättest , ich wäre gegangen und hätte da vielleicht den Schuh noch völler herausgenommen als mit Stini oder Ürsi . Es ist doch gut , wenn man noch jemand hat , der witziger ist , als man selbst ist . « » Ja , « sagte der Meister , » das ist kummlich ; aber dann muß man ihn fragen und ihm glauben , sonst trägt es einem nichts ab « . » Du hast recht , « sagte Uli , » so witzig bin ich doch jetzt auch worden , zu fragen und zu glauben ; du sollest Dank haben . « » Ist gerne geschehen , « sagte der Meister . » Gut Nacht . « » Gut Nacht , « antwortete Uli . » Aber los , daß du dann niemand plauderst , was ich dir gesagt . « » Häb nit Kummer , « sagte Uli , » sellig Sache bhäben ih für mih . « Elftes Kapitel Wie bei einem Knechte Wünsche sich bilden und wie ein rechter Meister sie ins Leben setzt So vergingen Uli einstweilen die Heiratsflausen und er ward wieder der recht emsige Knecht , der seinem Dienst alle Aufmerksamkeit widmete . Seine Rosse waren die schönsten weit und breit , die Kühe glänzten , und einen solchen Misthaufen hätte er noch nie gehabt , sagte der Meister . Wenn es einer verstehe , so könne er mit dem gleichen Stroh fast ds Halb mehr Mist machen als ein Anderer , das sehe man hier . Aber er hätte schon Knechte gehabt , gäb wie er es ihnen gesagt habe , sie seien in ihrem Trapp fortgefahren und hätten gelächelt in den Maulecken . Es mach ihn aber auch nichts täuber als so ein ybildisches Bürschchen , das nichts verstehe und sich doch nicht wolle brichten lassen , das meine , der Meister habe zu seiner eigenen Sache nichts zu sagen . Das seien die , wo in Gottsnamen nichts lernten und ihrer Lebenlang gleich dumm blieben , wo zuletzt niemand gerne als Tauner brauche für zehn Kreuzer des Tags . Uli fliß sich aber auch zu allen Arbeiten außer dem Hause . Im Fahren war er ein Meister , und seine vier Rosse zogen so satt und gleichlig an , wenn er die Geißel hob , daß sie wenigstens ein Drittel mehr als andere ab Platz zogen ; ja soviel der Wagen tragen mochte , zogen sie , sie ließen nichts stehen . Er hielt Pflug trotz einem alten Bauer , und mit Säen mochte ihn nicht bald einer . Selbst das kleine Gsäm , Klee , Flachs usw. , konnte ihm der Meister zu säen überlassen , und die Meisterfrau sagte : Sie sehe fry keinen Unterschied , wenn dr Johannes säe oder dr Uli . Der Meister sagte manchmal , das gehe aufs Haar ganz gleich , sei er daheim oder nicht , und man wisse gar nicht , wie viel wöhler man sei , wenn man einen Knecht habe , dem es am Dienst gelegen sei und dem man etwas anvertrauen könne , als wenn man so einen Stopfi habe , dem nichts in Sinn komme als heute eine Unfläterei und morgen eine Lümmelei . Er habe das schon Manchem gesagt , dann habe man ihm geantwortet : » Du hast gut krähen , du vermagst Lohn zu geben ; üsereim muß Zinsen geben , da vermögen wir nicht vierzigkrönig Knechten , wir müssens mit mingere machen . « Dann habe er ihnen gesagt , wenn sie doch rechnen wollten , so würden sie finden , daß die wohlfeilsten Knechte die teursten seien ; aber das hätten sie nicht fassen wollen . So predigte Johannes oft und war stolz auf seinen Knecht Uli hatte nach und nach bis auf vierzig Kronen Lohn erhalten und von diesen wenigstens zwanzig vorgespart , und doch war er stolz gekleidet und hatte mehr Hemder , und zwar gute , als mancher Baurensohn . Er hatte viel über hundert Kronen in der Kasse und sah sich bereits für einen vermöglichen Mann an . Doch wie oft mit dem Essen der Hunger kommt , so kömmt oft mit dem Huslichwerden , mit dem Vermögengewinnen die Ungeduld . Es scheint viel zu langsam zu gehen ; es dunkt einem , es sei nicht zu erwarten , bis etwas Erkleckliches beisammen sei , und das müsse anders gehen . Das ist ein eigen Kapitel über diese Krankheit , die alle mehr oder weniger ergreift , die zu einigen eigenen Kronen kommen und denen der Gedanke geboren worden ist , vermöglich zu werden . Sie ergriff auch Uli , und es dünkte ihn von zweien eins : entweder sollte er etwas Eigenes anfangen oder noch mehr Lohn zu machen suchen ; so sechzig Kronen , dünkte ihn , sollte er an einem Orte darnach wohl zu erhalten imstande sein , und wenn er einen guten Platz als Stallknecht bekommen könnte , so könnte er leicht auf hundert Kronen kommen . Es reue ihn freilich , da fort , dachte er , und es seien ihm alle lieb , aber es müsse ein jeder für sich selbsten auch sehen . Der Meister sah diese Krankheit und merkte sie aus einzelnen Äußerungen , aber er zürnte nicht darüber . Er war nicht von denen einer , die glauben , wenn sie einem Dienstboten Gutmeinenheit zeigen , so solle derselbe dafür ein lebenslängliches Opfer bringen , das heißt ihnen um einen Lohn dienen lebenslang , der ihren Kräften nicht angemessen ist . Wohlverstanden , ich rede hier nicht von der Sucht der meisten Diensten , alle Jahre weiterzuziehen um ein , zwei Kronen Lohn mehr , wobei sie gar nichts in Anschlag bringen , weder ihre Fähigkeit noch die ihrer wartende Arbeit noch den sittlichen Namen , den sittlichen Schutz eines Hauses . Das Bewußtsein , etwas Gutes an einem getan zu haben , ist auch ein Lohn , und jedenfalls genießt man einige Zeit lang den besser gewordenen Menschen . Aber dann gehe man nicht zu weit . Kann man denselben bei sich nicht seinen Kräften angemessen stellen und lohnen , so sei man ihm nicht selbstsüchtig vor seinem Weiterkommen , sondern setze sein Werk also fort , daß man ihm selbst weiterzuhelfen , ihn recht zu stellen sucht ; dann hat man für zeitlebens ein dankbares Herz , einen Freund gewonnen . So recht klar sah Johannes das gleich anfangs nicht ein , und es wurmte ihn , daß er Uli für einen Andern erzogen haben sollte ; aber er ließ es sich nicht merken und kam endlich doch zum Schluß : » Entweder mußt du ihn belohnen , bis er zufrieden ist , oder ihn gehen lassen . « Als daher Uli in seinem zum Meister gewonnenen Vertrauen ihm einmal eröffnete , er wisse nicht recht was anfangen , ob etwas kaufen oder mieten oder was , so konnte derselbe ohne Bitterkeit ihm raten . » Ich begreife es , « sagte er , » daß du nicht immer bei mir bleiben kannst ; du bist jung und mußt deine jungen Jahre brauchen , und dir mit dem Lohn noch viel nachezmache , gruset mir auch , wenn es mir vielleicht schon nützlicher wäre . Aber was denkst du ans Kaufen oder Empfangen ? Was willst du mit deinen hundert Kronen anfangen ? Etwas Großes ist nicht möglich , da sind hundert Kronen grad wie nichts . Und wenn man nicht auch etwas Geld in den Fingern hat , so kann man gar nichts zwängen und ist immer am Hag . Man muß alles wohlfeiler verkaufen denen , die bar zahlen und die es wohl merken , wenn einer Geld haben muß ; man kann nie warten , bis es die rechte Zeit ist . Dagegen muß man alles teurer kaufen von denen , die es einem dings geben ; man kann sich nie wehren , ist immer im Hinterlig , bis man die Beine ob sich kehren muß . Noch schlimmer ist es mit etwas Kleinem . Es gruset mir allemal , wenn ich jemand so an ein kleines Heimwesen sich hängen sehe , wo man alles , was darauf wächst , librement selber braucht ; woraus soll man den Zins geben ? Die Kuhheimetli sind zum Kaufen und Empfangen weitaus die teuersten ; auf solchen gehen die Meisten zugrunde , wenn sie den Zins innerhalb des Hages nehmen müssen . Wo ein Gewerbe dabei ist oder sonst ein anderweitiger Verdienst , da ist es ein Anderes . Mit deinem Gelde kannst du keines zahlen , hast höchstens für die Bsatzig ; was willst du darauf an , fangen ? Nein , dafür habe noch Geduld ; du kämest um deine Sache , ehe du daran dächtest . Aber wenn ich etwa einen Platz vernehme , wo du recht Lohn machen kannst , so will ich dir nicht davor sein . Öppe nit Stallknecht , da gibt es gerne böse Alter ; dr Gliedersucht oder dr Wysucht entrinnt öppe nit menge . Du reust mich freilich ; aber ich kann doch nicht klagen , daß du öppe grad fort gewollt hast und öppe uverschant mit dem Lohn gewesen seiest , daß du nicht öppe eingesehen , daß du mir auch etwas zu verdanken hättest . Du bist nun bald zehn Jahre bei mir , und so habe ich allerdings auch deine Besserung zu Nutzen gehabt . Zähl darauf : wenn mir etwas anläuft , so will ich an dich sinnen . Du kannst selber auch nachsehen , nur sag es mir immer öppe i dr Zyt . « So offen redeten Knecht und Meister miteinander ; sie mochten sich das Maul gönnen , und es war Keinesten Schade . Herbst war es . Voll Obst hingen die Bäume , voll Kühe waren die Matten , voll Erdäpfelgräber die Äcker , voll Eichhörnchen die Birnbäume , voll Jäger die Wälder , voll Wirte das Weltschland . Der Johannes hatte den Zug heimgebracht vom Felde und stopfte auf der Bsetzi die Pfeife , um sie auf dem Bänkchen zu genießen vor dem Nachtessen ; seine Frau kam eben aus dem Keller , wo sie Obst auf die Hürde hatte schütten lassen , und sagte , schwer Atem schöpfend : » Sag , Johannes , ich weiß einmal nicht was anfangen ; drunten sind schon fast alle Hürden voll hochauf , und es hangen noch fast tausend Körbe voll ; du mußt sehen , daß da etwas geht , so kann es nicht länger bleiben ; wenn es schon fast nichts giltet , so ist neuis doch immer besser , als es la zSchange gah zUnnutz . Der liebe Gott hat es wachsen lassen , und da muß es für neuis gebraucht sein . « » Ich möchte mich nadisch nicht versündigen , Frau , « sagte Johannes , » ich habe auch schon daran gedacht . Willst morgen mit zMärit ? Ich habe allerlei zu tun , sollte für eine Kuh sehen , sollte auf den Metzger luegen , der mir das Kalb noch nicht bezahlt hat , und hätte noch neuis z ' rede mit einem Schreiber wegen Gemeindssachen , und da hab ich gedacht , es sollte sein , daß ich zMärit gehe . Da kann ich nach , sehen , ob so ein Essig- oder Brönzmacher sie gleich alle miteinander wolle . « » Eh , was sinnist , Johannes , wie könnte ich zMärit ! Ich will von allem andern noch nichts sagen , aber wir haben die Schneider auf der Stör ; denk doch , was das sagen will ! Da müßte ich Tuech füregä u Fade für e ganze Tag ! He nu , ih chönnt wohl füregä un es wär ne viellicht ds Rechte ; aber vo wegem Tuech u Fade denke ich doch , ich verdiene am meisten daheim . U de lan ih dJumpfere u dSchnyder o nit gern alleini daheim , das chönnt arig gah . Aber gang du und nimm Roß und Wägeli und nimm ein Füderli Äpfel mit ! « » O Frau , das trägt nichts ab « , sagte Johannes . » Morgen ist der ganze Märit gstacket voll . Ein jeder bringt ein Füderli und man löset nicht , was Roß und Wagen versäumen und vertun . Aber Roß und Wägeli will ich doch nehmen . Es ist mir zwider , zu laufen ; es ist mir gar in den Beinen , und morgen können wir doch nicht zAcher fahren . Es muß Mist geführt sein , und da kömmt man mit drei Rossen so weit als mit vieren . Man kann nicht laden , der Boden ist zu naß . « » Du hast recht , daß du fährst . Aber da mußt du mir doch eine Ankenballe mitnehmen , ich will gleich noch anken lassen . Ich kann dann den Schneidern morgen im halben Tag einen Ankenbock geben . Es ist ihnen seltsam und macht öppe , daß si mr minger zMittag esse . Es isch i Gottsname ke Sege i nüt , wenn die da sy . « » Uli , « sagte am Abend der Meister , » mach mir doch morgen den Blaß zweg und bürst mir das Wägeli ein wenig , man hat es lange nicht gebraucht . Ich mag , weiß Gott , nicht mit einem Wägeli fahren wie die Oberaargauer und die Bauren um Bern ; so ferndrigen Dreck an den Rädern , an den Speichen und an der Nabe und Gras in den Spälten . Es meint einem , sie könnten keinen Wagen waschen . Das muß sufer aussehen um ihre Häuser ; da wird man wohl noch nach fünfzig Jahren dem Großätti sein Ghüder und Gfräß ums Haus herum finden , damit , wenn er wiederkäme , es ihn heimelete . « Da lachten die Schneider , und jeder wußte dem Johannes zu Lieb und Ehr etwas von den Bauren um Bern herum . Am Morgen stund der stattliche Blaß und das saubere Bernerwägeli vor dem Hause . Die Bäurin legte dem Johannes noch das Halstuch um , machte ihm den Hemdekragen zu , recht , wie sie meinte , daß er ihm am besten stehe , steckte ihm ein Nastuch in die Tasche , nachdem sie es aufgemacht , um sich zu vergewissern , daß nicht etwa ein Loch darin sei , fragte ihn : » Hast du jetzt alles ? « Und als Johannes nach allen Säcken griff , fehlte ihm noch Schwamm , den die Frau ihm aus der Küche holte . Draußen war der Anken zweg in einem Bogenkorbe und mit einem schönen weißen Zwecheli mit roten Strichen bedeckt . Johannes setzte sich auf , nachdem er dem Uli die nötigen Anweisungen eingeschärft ; hinter ihm war die Bäurin und gab ihm den Anken hinauf und sagte : Er könne ihn einstweilen auf den Sitz stellen ; aber wenn eine Hübsche und Muntere ihn ums Reiten frage , so solle er es ihr nicht etwa absagen , sie sei nicht so schalus wie die Gufebüri , die apartige Leute bestelle und bezahle , welche ihr aufpassen müßten , mit wem ihr Mann geritten sei , daß sie es allemal wüßte , ehe er noch heim wäre . » Komm aber notti nicht z ' spät heim , « sagte die Frau , » und bring den Korb und das Zwecheli wieder mit ! Hast jetzt alles ? « » Ja , « sagte Johannes , » bhüet ech Gott und heyt guet Sorg zu enangere ! Hü i Gottsname ! « Der Blaß schritt stattlich vor , und Uli stund im Wege und die Bäurin auf der Bsetzi und sahen dem stattlichen Meister nach . Nach hundert Schritten , eben als Uli umkehren wollte dem Stalle zu , hielt der Meister . » Lauf gschwing , Uli , « sagte die Frau , » er hat etwas vergessen . Es nimmt mich nur wunder , daß der nicht einmal dr Gring am ene Ort vrgißt ; e vrgeßlichere Mönsch gits nit , « brummte die Bäurin , während Uli lief und den Bescheid vernahm , der Meister hätte im Stübli auf dem Tischli noch Schriften vergessen ; die Frau solle ihm sie geben , er hätte sie zweggelegt . Von weitem schon vernahm die Frau den Auftrag und brachte sie dem Uli . Nun fahr der Meister fort und kam aus den Augen , und als die Frau in die Stube ging , abzuräumen , sagte sie zu sich selbst : » Ich bin allemal froh , wenn er einist fort ist ; man hat immer nur mit ihm zu tun , er kann nie fortkommen , und doch hat er immer noch etwas vergessen . « Unterdessen fuhr Johannes dem Märit zu . Seine Augen betrachteten allenthalben den Stand der Herbstarbeit , die Kornäcker , die gesäet waren , die Erdäpfel , die noch auszumachen waren ; übersah die Bäume , wie sie behängt und ob nicht hier oder da eine schöne Sorte sei , die er noch nicht besitze . Er sah vor sich mit einem schweren Korb am Arme mühsam ein schlank Weibchen gehen , die zuweilen ein rosiges Gesicht zurückdrehte . » Hü , Blaß , « sagte er , » spring es bitzeli ! « Aber kaum war der im Zuge , so zog der Meister das Leitseil wieder an und frug : » Anne Meieli , wottsch öppe ryte ? « Und Anne Meieli stund still und sagte : » Gar gern , wes dih nüt irrt ; es het mih scho vo wytem düecht , es sott dih sy und wed mih heißist cho , su wells dr nit absäge . « » So gib mir dein Körbchen , « sagte Johannes , schlug den Fußsack zurück , versorgte die Körbchen unten im Gestell und bot dann dem Weibchen die Hand , während er mit der andern den Blaß mühsam zügelte . » So , « sagte Anne Meieli , » jetz wär ih dobe , es isch mr viel z ' guet gange . Mein Korb hätte mich würden plagen , wenn ich ihn hätte tragen müssen bis hinein . Aber ich habe viel zu kaufen , und da habe ich gedacht , ich wolle einmal nehmen , daß ich etwa lösen könne , was ich brauche . « » Ihr werdet kein Geld mehr haben daheim ! « sagte Johannes . Selb nicht , sagte Anne Meieli , eine junge , tätige Nachbarsfrau , aber es düechs geng , solange man etwas zu verkaufen habe , das einem nichts abtrage , so solle man verkaufen und nicht das Geld , das man habe , wiederum aus dem Hause tragen . » Für son e Jungi , « sagte Johannes , » bist du nicht die Letzte . « Oh , sagte Anne Meieli , es sei nicht gesagt , daß die Ältesten immer die Besten wären und die Witzigsten ; wenn manche Junge machen könnte , was sie wollte , es würde noch an manchem Orte besser gehen . Nit , sie wolle aparti nicht klagen ; aber es hätte sie schon manchmal düecht , ihres Manns Mutter hätte einen Brauch , es wäre besser , er wäre nicht . Aber sie sage nichts , man könne alte Leute nicht anders gewöhnen , und es sei ein Söhniswyb geng dumm , wenn es alles nach seinem Brauch machen wolle . Wenn man jung sei , so könne man sich am besten leiden ; wenn man einst alt werde , so hätte man es auch nicht gerne , wenn so eine Junge käme und alles besser machen wollte . Johannes antwortete darauf , wie es einem solchen Manne anständig war . Unter solchen Gesprächen fuhr man durch die sich mehrende Menge von allerlei Geschöpfen , grüßte links und grüßte rechts , und Anne Meieli machte ein recht glückliches , fast stolzes Gesicht auf dem schönen Wägeli und neben dem tollen Mann . Endlich angelangt , sprang Anne Meieli zuerst herab , empfing die beiden Körbchen und sagte : Wenn er seins ihm anvertrauen wolle , so wolle es seinen Anken auch verkaufen , es gehe ihm in einem zu und es wolle es machen , so gut es könne ; es wisse wohl , daß die Männer mit dem nicht gerne zu tun hätten . » Anne Meieli , « sagte Johannes , » du tust mir einen großen Gefallen , aber ich will dir die Körbchen tragen bis auf den Ankenmärit . Ich mag die besser als du . « Anne Mareili machte Komplimente , indessen es ließ es geschehen , und Johannes fragte ihns noch , wann es wieder fort wolle ? Es solle mit ihm heimreiten , er wolle auch nicht spät sein . Es könnte ihm doch zu lange gehen , sagte Anne Mareili . Er solle sagen , wo es ihn antreffen könne so um Mittagszeit . Es wolle ihm dann das Geld bringen , und da könne man immer noch luegen , ob es sich schicken wolle . Johannes ging seinen Geschäften nach , tat dieses ab und jenes , und bald war es Mittag . Da schiens ihm in dichtem Gedränge , er höre rufen hinter sich : » Vetterma , los neuis ! Johannes , wart doch ! « Endlich stund er still , sah um sich , wollte wieder gehen , hörte wieder rufen , stund wieder still , bis ein altes , schitteres Mannli sich zu ihm durcharbeitete und keuchend sagte : » Ich habe geglaubt , ich bringe es nicht zweg , bis zu dir zu kommen , Vetter Johannes . « » Eh Gottwilche , Vetter , « sagte Johannes . » Ich hätte eher an den Tod gedacht als an Euch , was bringt Euch hier zMärit so weit ? « » Gerade deinetwegen komme ich , « sagte er ; » ich habe neuis mit dir zu reden , wenn du der Zeit hast , mir abzlose . « » Warum nit , Vetter , saget ume . « » Hier nicht , « sagte er , » hier schickt es sich mir nicht ; aber wenn wir etwa an einen Ort könnten , wo wir ein rühig Stübli haben könnten , wo nit alles zuechelauft , so wär es mir anständig . Aber ich bin hier gar nicht bekannt . « » Kommet nur , Vetter , ich weiß schon , wo wir hin wollen . Da , wo ich eingestellt habe , da gibt uns die Wirtin schon ein Stübli ; es ist noch