, schmiegten sich anmutig , die Füßchen zusammen und die Köpfchen , Du guckst mich an und sagtest : » Sei kein Narr ! « - haha , ich muß lachen - das war zu spät , freilich bin ich ein Narr ! - denn was ich Dir da vorplaudre , das ist eine Weise , nach der wird getanzt hinter mir , und so war unser tiefer Philosophentext in die Luft gesprengt , was war ' s doch ? - von der innerlichen Wahrnehmung und von der Anschauung im Geist , ob die verschieden wären , und wo sie herkämen , aus der Empfindung oder aus dem Gefühl , und wo diese Quellen sich herleiten , ob links ob rechts ; das alles wolltest Du da im zunehmenden Dämmerlicht aus mir herauspumpen . Schwernot ! - Das war zu arg , ich möcht Dir heut noch eine Ohrfeig geben drüber - aber das war grad mein Himmlischstes , daß Du nicht bös geworden bist und hast die geschlagne Wange sanft an mich gelehnt und hast gegirrt wie eine Taube und sagtest : » Ja « , wie ich fragte , tut ' s weh , » aber es tut nichts . « - Hier hab ich ' s hingeschrieben ; denn wenn so viel unnütz Zeug geschrieben steht , so kann auch geschrieben stehen , daß ich Dir eine Ohrfeig gab . - Aber die große schöne Versöhnungsstille über uns - die Dämmerung , die immer breiter ward und größer und der Nebelvorhang vor dem Weidengang vom Feldberg herab - und der Feuersaum längs dem ganzen Horizont , wie werd ich ' s vergessen ? - Erst hingen wir einander im Arm , ganz still , und dann lag ich quer über Deinen Füßen , so dacht ich , Du schläfst , weil ich Dich hart atmen hörte , und wollt eben auch einschlafen . - Da fingst Du an zu reden ( da hast Du ' s in Musik gesetzt ) : Liebst du das Dunkel Tauigter Nächte , Graut dir der Morgen ? Starrst du ins Spätrot , Seufzest beim Mahle , Stößest den Becher Weg von den Lippen , Liebst du nicht Jagdlust , Reizet dich Ruhm nicht , Schlachtengetümmel , Welken dir Blumen Schneller am Busen Als sie sonst welkten , Drängt sich das Blut dir Pochend zum Herzen - Ach , Du stocktest . Das hab ich meiner Ungeduld zu danken - zu hören , nein , zu fühlen Deinen süßen Wörtertanz , wie er sich mit vollem Busen sanft hinablehnte zu den Wellen , die ihn umfassen wollten und kühlen . - Ich konnt ' s nicht erwarten , daß Du weiter tanztest Deiner Seele Tanz . - Und da war ' s vorbei ; da macht ich einen Vers dazwischen , um Dich in Trapp zu bringen , Du sagtest : » Geh , Du Esel « - da war ' s aus . - Ach , wieviel Melodien hab ich auf diesen Vers gesungen , alle Stimmungen hat er müssen aufnehmen , heut noch längs der Gartenwand schlug ich mit einem Stock ans Eisengitter , das dröhnte mir im Herzen wider , als wär ' s Herzpochen , und sang dazu so kühn , so laut , so schreivoll , als stünd mein Herz mitten in Flammen und eilte sich mit Pochen über alle Maßen . Weißt Du nicht weiter zu singen , was passiert , wenn sich das Blut pochend zum Herzen drängt ? - Oder willst mir ' s nicht sagen ? - Bin ich Dir dazu auch noch zu jung ? - Wenn Du das meinst , dann will ich Dir beweisen , daß ich weit drüber hinausgreif , und daß ich mehr weiß als viele , denen das Herz schon gepocht hat wie mir nicht . - Einmal erregt sich das Herzpochen durch Anlächeln - das hab ich aus eigner Wahrnehmung , gestern abend erst auf der Bank vor der Hoftür , da saß ich - es war elf Uhr , alles schlief , beim Nachbar brannte ein Nachtlämpchen . Adieu , schlaf recht wohl , denn es ist elf Uhr , alles schläft wieder , ich will wieder mich auf die Bank setzen vor die Hoftür , es ist Vollmond , geht gleich auf , ich will ihn steigen sehen . Gute Nacht . An die Bettine Dein buntes Füllhorn fröhlicher Verschwendung erlöst mich vom Übel . - Gedanken sind mir oft lästig in der Nacht , die mir am Tage einen trüben Nachklang geben , so war ' s heute ! - Dein jung frisch Leben , das Schmettern und Tosen Deiner Begeisterung und besonders Dein Naturgenuß sind Balsamhauch für mich , laß mir ' s gedeihen und schreib fort , auch Deine dithyrambischen Ausschweifungen , die so plötzlich der Flamme beraubt verkohlen , als habe sie ein mutwilliger Zugwind ausgeblasen , sind mir gar lieb . - - Bleib mir zulieb noch eine Weile bei der Geschichte , so wie Du es jetzt treibst , kann es Dir nicht lästig fallen , wenn sie auch jetzt Dir noch nicht viel Ausbeute gibt , so weißt Du sie doch ins Kunstgeflecht Deines Tags zu verwenden , ich seh Dich bald , George hat mir versprochen , mich im Gig mit hinauszunehmen , verbring Deine Nächte nicht ohne Schlaf , klettre nicht auf die Dächer und Bäume , daß Du den Hals nicht brichst , und denk , daß dies der Weg ist , Deine Gesundheit zu stärken . Was sagt denn die Großmama dazu , ist sie damit zufrieden ? - Dem Clemens will ich gern von Deinen Briefen an mich nichts sagen , weil Du es nicht willst , und ich fühl auch , daß es nicht sein kann , es wär Störung ohne Gewinn , er sieht Dich so ganz anders , ohne daß er Dich falsch beurteilt , nur sieht er in jedem Farbenstrahl Deines Wesens wie Diamanten , die er meint fassen zu müssen und doch nicht erfassen kann , weil es eben nur Strahlenbrechen Deiner Phantasie ist , die ihn und jeden verwirrt . Glaubst Du denn , daß ich ruhig bin , wenn Du so mit mir sprichst , von einem zum andern springst , daß ich Dich jeden Augenblick aus dem Auge verliere ? Du hebst mich aus den Angeln mit Deinen Wunderlichkeiten ! - Doch ich will nicht freveln ! - Dein Lachen , das mich oft außer mir gebracht hat , womit Du mich beschwichtigen wolltest - nun , ich muß mir es gefallen lassen , daß Du mit allen Pfeilen wie ein armes Wild mich hetzest . - Und der Clemens , der mich immer spornt mit Dir zu lernen , der immer von mir wissen will , was und wie Du es treibst . Dem es leid tut um jeden Atemzug , der von Dir verloren geht , der hingerissen ist von Deinen kleinen Briefen an ihn , wo Du ganz anders wie ein Kind schreibst , so fromm , und an mich so ausgelassen , was soll ich dem nur sagen ? - Das eine tu mir nur und rappel mir nicht einmal vom Dach herunter mit Deinem Flageolett ; hätt ich nicht Vertrauen in Gott , daß der weiß , zu was alles in Dir so ist und nicht anders , und daß es ja doch nur ihn angeht , da es sein Belieben war , Deine Seele so zu bilden . - Was sollt ich von Dir denken ? - Clemens schreibt , Du müßtest fortwährend dichten und nichts dürfe Dich berühren als nur was Deine Kräfte weckt , es ist mir ordentlich rührend , daß während er selber sorglos leichtsinnig , ja vernichtend über sich und alles hinausgeht , was ihm in den Weg kommt , er mit solcher Andacht vor Dir verweilt , es ist , als ob Du die einzige Seele wärst , die ihm unantastbar ist , Du bist ihm ein Heiligtum , wenn er manchmal von Offenbach herüberkam , da war er ganz still in sich vertieft , wo sonst seine Koketterie fortwährend gespannt war , kleine Kritzeleien von Dir hat er oft sorgfältig aufgehoben , es wäre traurig , wenn Du keinen liebenden Willen zu ihm hättest ; schreib doch nicht mehr » passiert « , das Wort ist nicht deutsch , hat einen gemeinen Charakter und ist ohne Klang , kannst Du nicht lieber in den reichen deutschen Ausdrücken wählen , wie es der reine Ausdruck fordert . Vorgehet , ereignet , begibt , geschieht , wird , kömmt ; das alles kannst Du anwenden , aber nicht : passiert . Ich muß Dir aber doch antworten , weiter passiert nichts . - Und Du weißt ' s ja schon alles besser wie Du schreibst , da Du in der Nacht auf der Hofbank so große Abenteuer erfahren haben willst , die Dein Herz bewegten . Ich bin nicht bange , daß Du mir es nicht sagen solltest , wenn ' s wirklich was Erlebtes ist und Du Deine Lügen bis zum nächsten Brief nicht vergessen hast . - Dann auch bitt ich , daß Du nicht mehr fluchst , Deine Briefe sind mir so lieb und Deine Extravaganzen alle sind mir verständlich und lieb , aber Worte , die Du bloß um zu prahlen hinzufügst , wie Schwerenot , und die keine Bedeutung haben in Deinem Mund , die kannst Du ungesagt lassen , denn sonst glaub ich nicht , daß der Wohllautenheit und des Tanzes Genius Deine innern Erlebnisse begleiten . - Zweitens schieb mir nichts zu , was ich nicht verschuldet habe ; des Abends auf der Burg erinnere ich mich deutlich , grade wie Du ihn beschreibst , ich war auch sehr heimlich und bewußt , und bis zum andern Tag war die Stimmung mir geblieben von den Worten , die Du mit mir wechseltest , aber Esel hab ich Dich nicht geschimpft , das ist wieder eine von Deinen ungeeigneten Erfundenheiten , - laß nichts dergleichen wieder auf mir belasten , ich bin empfindlich ; im Anfang Deines Briefes nennst Du mich Muse , und am End läßt Du Deine Muse Dich Esel schimpfen , es wär zum Lachen , wenn ' s nicht zum Weinen wär , daß Du Deine eigene Muse so zu beschimpfen wagst . - Karoline An die Günderode Drei Uhr morgens ! - Hier bin ich - auf der Terrasse am Main , ich wollt als immer einmal hergehn in der Früh , wenn der Tag noch nicht auf den Beinen ist und Lärm macht , am Tag bin ich zerstreut , was mir immer wie Sünde deucht , daß ich Anteil nehm an was mich nichts angeht . - Aber in der Früh , da hab ich ein ganz lauter Herz ; und schäm mich nicht , die Natur zu fragen , und ich versteh sie auch , gestern abend war mir so wohl hier , wie Bernhards Schiff mit der Harmonie hin und her fuhr auf dem Main , die meisten Leut waren nachgefahren auf Nachen , wir blieben am Ufer , ich hatt mich ganz in die Ecke gesetzt , da steht ein großer Zitronenbaum , es war Wetterleuchten , aber die Hitz war doch nicht abgekühlt , und die Blüten vom Baum wetterleuchteten auch , oder sollt ich mich getäuscht haben ? - denn ich war eingeschlafen über der Musik , und wie ich aufwachte , da sah ich ganz verwundert , wie der Zitronenbaum Flammen hauchte aus den Blüten . - Ich kann ' s doch nicht geträumt haben ? - Denn ich guckte eine ganze Weile zu , bis ein leiser Regen kam , da gingen wir nach Haus . Wer weiß , was doch alles vorgeht in der Natur , was sie uns verbirgt . Der Mensch hat ja auch als Gefühle , die er nimmer wollt belauscht haben . Daß aber der Baum über mir fortleuchtete , wie ich mich besann und ihm zuschaute , das ist mir so lieb , - ich konnt nicht schlafen im Bett , es war mir zu wohl dort gestern , wo ich den Herzschlag der Natur fühlte , und wo sie mit ihren Blumen mich anflammte . Im Dunkel haucht man die Lieb aus und schämt sich nicht vor dem Schatz , weil ' s dunkel ist . - Nun bin ich mit Zagen hergeschlichen , heimlich , daß es nicht gewußt sei , wie auch jenes Leuchten nicht gewußt ist . - Erst greinte die Hoftür , aber heut abend will ich sie salben , wie der Properz , wenn er einen Liebesweg vor hat ; dann krachte die Gartentür , dann schurrte der Kies unter den Füßen . - Man scheut das Gebüsch zu wecken , so still ist alles mit Ruh gedeckt . Die verschlafnen Federnelkchen schuckern zusammen im frühen Tau , und mich schauert auch das stille Wirken der Natur , hier über der schlafenden Welt , obschon der Wind nicht so scharf ist , der den Tag heraufweht . Heut ist doch ganz milde , gestern abend war der Himmel grün und mischte sich mit dem Rot , das vom Untergang heraufzog , unten waren Purpurstreifen und Violett mit Feuer umsäumt , dann kam die Nacht herauf . - Heut früh schlagen die Morgenwolken ihre Feuerflügel um Euern schwarzen Dom , man denkt als , sie wollten ihn in der Glut verzehren ; dazu schmettern die Nachtigallen , und das blaue Gebirg drüben , so stolz und kühl ! - das alles freut mich besser als Weisheit , - hier unter dem Zitronenbaum , der gestern Flammen und heut Tränen über mich schüttelt . Und jetzt geh ich , Dir hab ich alles eingeprägt , das ist nicht ausgeplaudert , mich lockt ' s , damit es nicht vergessen sein soll , daß ich Dir ' s vertraut hab . Nr. 2. Am Abend Heut ist der Jud erst um sieben Uhr kommen . Mit der Großmama bin ich im besten Vernehmen , solang die Tante im Bad ist , bleib ich hier , es gefällt ihr , daß ich gern bei ihr bleib , ich hab aber noch so manch andres , was mich anzieht , wovon sie nichts weiß . Heut morgen kam ich dazu , wie der Bernhards-Gärtner mit einem Nelkenheber die dunkelroten Nelken in einen Kreis um einen Berg von weißen Lilien versetzte , in der Mitte stand ein Rosenbusch . Diese Früharbeit gefiel mir wohl und hab mit Andacht dabei geholfen , der Dienst der Natur , der ist wie Tempeldienst . Wenn der Knabe Jon vor die Tempelhalle tritt und die ziehenden Störche bedeutet , daß sie ihm die Zinne des Tempels nicht verunreinigen sollen , wenn er dann die Schwelle mit kühler Flut besprengt , die Halle fegt und schmückt , so fühl ich in diesem einsamen Tagwerk ein hohes Geschick , vor dem ich Ehrfurcht habe . Ach ich möcht ein Knab sein , Wasser holen in der Morgenfrische , wenn alles noch schläft , den Marmor polieren von den Säulen , meine Götterbilder still bedeutsam waschen und alles reinigen vom Staub , daß es leuchte im Dämmerlicht ; dann , nach der Arbeit die heiße Stirn auf die kühlen Stufen legen und ruhen , in heimlichem Genügen ; ruhen die Brust , die schwillt von Tränen , daß es so schön ist in der dämmrigen Stille im Tempel ; so scheint mir auch die heutige Arbeit ein Tempeldienst der Natur ; dann ihre Blumen in Kreisen schön verschlingen , ist das nicht ihr gedient ? - Die Blumen , die ihren Duft unter einander schwenken in so dichter Fülle , ist denen nicht ein schönerer Frühling bereitet ? - denn was uns schöner ist in der Natur , ist das nicht auch ihr selber schöner ? - Und ihre Bäume vom Moos reinigen , in nachbarliche Reihen pflanzen , ihre Blumenkelche füllen , ist das nicht ihrem Willen sich hingeben ? - Läßt sie die Sorge nicht gedeihen , und gibt der Früchte vom gepfropften Reis mehr und schöner und süßer dafür ? - Tempel und Natur , friedliche Nachbarn , Freunde ! wie ich und Du , teilen ihre Gaben wie ich und Du . - Vom Frühling bis zum Winter - ( da hast Du mein Gelübde ) teil ich mit Dir , wie mit dem Tempel der Naturgarten , der ihn umzieht - im Frühling hast Du meine Keime , die alle dicht um Dich her aufwachen . Im Sommer wilder Vögelgesang , der anschlägt in einsamer Nacht an Deinen verschloßnen Pforten , und dann in der Ferne auch , wenn die Pilger heimziehen , die am Tag Deinen Göttern huldigten , da glühen die Blumen , am Weg von mir zu Dir . - Im Herbst da roll ich meine Früchte zu Dir hin , leg sie auf Deinen Altar , und den Honig meiner Bienen , die Dich umsummen , bewahr ich in Deinen Opferschalen . Dann rausch ich die falben Blätter herab auf Deine Stufen , die umtanzen Dich im Winterwind , begraben sich unterm Schnee , den meine belasteten Äste auf Dich niederstürzen , dann braust es draußen und stürmt , aber meine Seele wohnt in Dir und pflegt Dich , gibt der Lampe reines Öl zu , die Deine stille Halle erleuchtet , und die Sterne vom hohen Firmament herab leuchten über Deiner Zinne . Still ist ' s dann und verlassen von allen Menschen sind wir , die gebahnten Wege verschneit , allein in Dir zu wohnen , wenn wir des Lebens Grenzen mit einander ermessen haben . - Wie die Natur eingeht zum Tempel im Winter und ruht da im Gottfühlen aus , das nennen die Menschen Winterschlaf , dann kehrt sie wieder mit neuer Blütekraft und taut und duftet den eingesognen Himmelsatem , und ewig ist der Tempel Gottes angehaucht von der Liebe der Natur . Ich schreib ' s dahin , daß mir ' s so wohl ist heut , weil die Sonn mir aufs Papier scheint und meine Gedanken beleuchtet , da lese ich so deutlich in meinem Herzen . - Der Gärtner ist so gut , er suchte mir aus allen Büschen die schönsten Blumen heraus , der Strauß ragte mir über den Kopf mit schönem Bandgras , auch frisches Laub dabei , und vom Lerchenbaum und von der Scharlacheiche . Dieser Baum ist , was man schön gewachsen nennt , er streckt sein scharlachrot Laub in die blaue Luft hinaus zum Tanzen , der leiseste Wind bewegt ihn . - Im Heimgehn hatt ich Gedanken , die mich ergötzten , an denen mir gelegen ist , daß sie wahr sein möchten , sie waren nicht in mich gepflanzt , sie wuchsen von selbst auf wie jene Blumen auf der Heide . - Morgenstund hat Gold im Mund - wär ich nicht früh draus gewesen , so hätt ich sie nicht denken können . - Natur ist lehrsam , wer ihre Lehrstund nicht versäumt , der hat zu denken genug , er kriegt die trocknen Lebenswege gar nicht unter die Füße , auf denen andern die Sohlen brennen . Was hast Du zu sorgen um meine Nachtwachen ? - So viel Blumen , die nur des Nachts duften ! - Müssen denn alle Menschen in der Nacht schlafen ? - können sie nicht auch wie der Nachtschatten und Viola matronalis am Tag schlafen und nachts ihren Duft aushauchen ? - Warum sind manche Menschen so unaufgeweckt und können nicht zu sich selbst kommen am Tag , als weil es Nachtblüten sind , aber die leidige Tagsordnung hat sie aus den Angeln gerückt , daß sie kein Gefühl haben von ihrem Naturwillen . - Drum verlieben sie sich auch verkehrt , weil ihre Sinne ganz verwirrt sind . - Manche Leut sind nur gescheut zwischen Licht und Dunkel , am Abend verstehen sie alles , morgens haben sie lebhafte Träume , am Tag sind sie wie die Schaf , so geht mir ' s , mein Wachen ist früh , ich muß dem Sonnengott zuvorkommen , wie jener Tempelknabe seinen Tempel reinigen - dann kehrt er ein bei mir und lehrt mir Orakelsprüche - alles paßt , - fügt sich , wollt ich sagen - auch daß ich immer so unaufgeweckt bin , wenn der Geschichtslehrer kommt in der Mittagsstund , das ist grad meine verschlafenste Zeit . - Du bist auch keine Tagsnatur , Dein Wachen deucht mir anzufangen , wenn der Taggott sich neigt und nicht mehr so hoch am Himmel steht - Dir neigt er sich herab , und wandelst anmutig mit ihm die Bahn vom späten Nachmittag zum späten Untergang , und winkt Euch noch mit Eurer Gewande Saum fern hin , dann leuchtet der Abendstern zu Deinen Nachgedanken von ihm , und wogst einsam in der Erinnerung wie die Meereswelle am Fels wogt zur Zeit der Flut und ihn abspült von den Gluten , die ihm der Tagesgott eingebrannt hat zur Zeit der Ebbe . Der Jud kommt , adieu . Was hast Du denn , daß Dich so unmutig macht , laß Dich anhauchen von meinem Brief . Savignys sind noch drei Wochen auf dem Trages , geh doch hin . Aber , » Teufel , Donnerwetter « ist das auch geflucht ? Darf ich das auch nicht sagen ? - Vom Clemens glaub doch nicht , daß ich ihn belüg , ich bin anders mit ihm in meinen Briefen , weil ich so sein muß . In Bürgel die kleine Orgel hat elf Register , groß und kleine Choralstimm , Harfenstimm , Trompetenstimm , Posaunenton , schnarrende Engelsstimm , was weiß ich ' s alles - und vox humana , der Hoffmann hat mir gestern eine halbe Stund lang davon erzählt , und daß es Orgeln gibt , die dreißig Register haben , er sagt , meine Kehl wär wie so eine Orgel , ich zög allemal ein ander Register , wenn ich sanft oder begeistert sing , oder schmetternd , wenn ich tob , oder bewegt , wenn ' s zum Seufzen stimmt in meiner Brust , oder gewaltig , wenn mir ' s ist , als ob ich ' s allein alles zwingen müßt . - Das hat der kleine Kerl alles gewußt , er hat mir zugehört gestern abend , wie ich einen homerischen Hymnus an die Diana ableierte auf dem Dach , weil ' s Vollmond ist . Das deuchte mir so schön , dieser Göttin einen vollen strömenden Gottesdienst aus meiner Brust zu halten , daß ich nicht dran dachte ans Belauschen und hab recht geschmettert . - Der Hoffmann sagt , es war zum Verwundern . - Nun ich mein , der Clemens zieht immer das Register der Kinderstimm aus meiner Brust . - In Frankfurt , in der Gesellschaft beim Primas , da prädominiert die quarrende Engelsstimm . Bei Dir da muß ich immer das Gewaltsposaunenregister mit Gewalt mit der sanften vox humana unterdrücken . An die Bettine Mit dem Clemens versteh ich Dich , oder ahne doch wie es zusammenhängt , ich hab auch gar nicht die Idee , daß es anders sein solle , nur über das , was er von Dir sagt , wie er Dich ausspricht , und das geschieht oft , ist mir manchmal so wunderlich zumut , weil er ganz prophetisch Dich durchsieht , andre Leute sagen , er schneide auf , und das ist auch eigentlich so , aber er trifft die Wahrheit , wie ich unter allen allein es am besten weiß . - Dann um seine Extravaganz zu beweisen , fällt wohl alles hinter seinem Rücken über Dich her , was in seiner Gegenwart man nie wagt , wo man immer stillschweigt , mir ist ' s oft peinlich gewesen , über Dich urteilen zu hören , jetzt aber hab ich diese kleinliche Ängstlichkeit überwunden . Gestern war Ebel , St. Clair , Link , die Lotte und ich im kleinen Kabinett bei der Tonie , da ich weiß , wie weit die Pfeile vom Ziele ablenken , die man gegen Dich schnellt , so hatt ich keine Furcht um Dich , Ebel ist nicht aus persönlichem Widerwillen , sondern aus Abgeneigtheit seiner Natur wider Dich . Und weil er während dem Hiersein von Clemens immer am meisten erdulden mußte , da er aus Zaghaftigkeit seinem Eifer nie auszuweichen wagte , so ist ' s ihm nicht zu verdenken , daß er jetzt mit vollem Genuß sich schadlos halte . St. Clair schüttelte mit dem Kopf und sah mich an , weil die Lotte perorierte : gänzlicher Mangel an historischem Sinn und gar keine Logik beweise , daß du ein Narr seist . Er sagte : Gebt ihr eine Fahne in die Hand und laßt sie uns voranschreiten , so führt sie uns sicher , trotz ihrem Mangel an historischem Sinn , zu einem gesunden Wendepunkt der Geschichte . Möcht Ihr mit Eurer Logik in Gefahr schweben , so wird sie ihr entgehen lehren , so unlogisch sie ' s nach Eurer Weise auch anfangen würde . Und geht doch , sagte er , mit Eurem Weisheitsurteil über ein Naturkind , das von ihr nicht stiefmütterlich behandelt ist , es ist ihr an der Stirne geschrieben , daß ihr keine Sorge zugemessen ist . Er reichte mir die Hand , er sah mir ' s an , daß es mich freute ; auf der Lotte ihre breite Rede , die nun mit verdoppeltem Eifer sich durchdrängte mit ihrer Weisheit , sagte er nichts weiter , und keiner ; das Gespräch ging aus wie ein Licht , das ein starker Windzug ausgeblasen . - Um so mehr bin ich geneigt , Dich vor allen zu verschweigen . - Der Clemens - er wird Dich einst nach hundert Jahren auf dem Berge Arafat finden , - wie Adam , als er nach seiner Verbannung aus dem Paradiese die Eva aus den Augen verlor , die in der Nähe von Mekka auf jenem Berge weilte , er aber auf Serendib oder die Insel Ceylon verschlagen war , er kannte sie wohl , ihre Seele war in seine Seele eingeprägt , und suchte sie fleißig ; oft auch redete er die wilden Tiere an und die Gewitter auf den Bergen und die Vögel , daß , wenn sie hinziehen und ihr begegnen , sie sollen sie ehren ; und so suchte er nach ihr , und sprach von ihr zu dem Gevögel und den Pflanzen und Tieren des Waldes , bis der Engel Gabriel den Adam auf den Gipfel jenes Berges bei Mekka führte , wovon der Berg seinen Namen Arafat , heißt auf arabisch : Erkennen , erhielt . - Auf welchem die Pilgrime von Mekka am Tage Arafah , dem neunten im letzten Monat des arabischen Jahres , ihre Andacht auf diesem Berge verrichten . Mag denn Clemens wie Adam den Untieren und Bergklüften von Dir vorpredigen , ich bin zufrieden unterdes , daß Du mich zum Hüter Deiner verborgnen Wohnung bestellt hast und mich zum Kerbholz Deiner heimlichen Seligkeiten machst ; ich möchte Dir immer still halten , so anmutig fühle ich mich bemalt und beschrieben von Deinen Erlebnissen , versäume nichts , schreib mir alles , wie wenn es gesungen wär , wo Du auch keinen Ton auslassen darfst , ohne die Harmonie zu zerstückeln , ich werd gewiß stillhalten und stillschweigen . Und die Gedanken , » die Dich ergötzen , von denen Du wünschest , daß sie wahr sein mögen , und die von selbst in Dir aufwachsen « , willst Du sie nicht auch aufzeichnen für mich ? - Ich warte alle Tage auf Deine Briefe , mir bangt immer , Du mögest einen Tag überschlagen , bis jetzt warst Du sehr gütig gegen mich - ich geh mit Zuversicht , wenn ich abends nach Hause komme und fasse den Brief auf meinem Kopfkissen , wo er hingelegt wird von der Magd , im Dunkeln und halt ihn , bis Licht kommt - im Bett lese ich ihn noch einmal , das macht mir gute Gedanken , ich bin auch jetzt ganz heiter , nur kann ich selbst nichts tun . - Deine Erzählungen und Ahnungen beschäftigen mich , ich träum mich in den Schlaf , in dem ich Dir alles nachfühle und nachdenke . Ich hab einen innerlichen Glauben an Deine Schwindeleien von mir , ich ging heut hinaus vors Gallentor , als der Sonnengott hinabstieg , weil Du meinst , es sei meine Zeit mit ihm , ich war auch da ganz durchdrungen von seiner großen Gegenwart , allein beim Nachhausegehen verdarben mir zwei Frankfurter Philister die Andacht , die hinter mir gingen und von Dir und mir sprachen ; die Frau sagte zum Mann : Im Stift wird dem Mädchen noch ganz das Konzept verdorben , daß sie am End gar närrisch wird , sie ist so schon zu allen Tollheiten aufgelegt , sie soll im Stiftsgarten immer aufs Dach steigen , vom Gartenhaus oder auf einen Baum , und von da herunterpredigen - und die lange G ... s , die Günderode , steht unten und hört zu . - Jetzt gingen sie an mir vorüber , ich erkannte die Frau Euler mit ihrer Tochter Salome und den Doktor Lehr , der erkannte mich in der Dämmerung und sagte es ihr , sie blieb stehen und sah mich an , bis ich wieder an ihr vorbeigegangen war , was doch gewiß noch dümmer war , als wenn ich unterm Baum stehen blieb , wo Du predigst . - Teufel und Donnerwetter ist auch zum Fluchen üblich , hat aber einen anregenden kriegerischen Geist , also unter gewissen Bedingungen , wenn zum Beispiel Du jenes Banner wehen ließest , das St. Clair , Dir Glück und Heil vertrauend , überantworten wollte , allen Philistern zum Trotz ; dann magst Du Deiner Zunge den