Moorbecken ergossen . In jener Nacht wurde der Schwielow geboren . Im Einklange hiermit ist es , daß die weite Wasserfläche , die jetzt diesen Namen führt , mehr durch ihre Masse als durch ihre Tiefe imponiert : der Schwielow hat ganze Striche , wo man Grund fühlen , noch andere , wo man ihn durchwaten kann . Unter allen unsren Seen kommt er dem Müggelsee am nächsten . An Fläche und Ausdehnung diesem Könige der märkischen Gewässer nah verwandt , weicht er im Charakter doch völlig von ihm ab . Die Müggel ist tief , finster , tückisch , – die alten Wendengötter brauen unten in der Tiefe ; der Schwielow ist breit , behaglich , sonnig und hat die Gutmütigkeit aller breit angelegten Naturen . Er hält es mit leben und leben lassen ; er haßt weder die Menschen noch das Gebild aus Menschenhand ; er ist das Kind einer andern Zeit und der Christengott pochte vielleicht schon an die Tore , als er ins Dasein trat . Der Schwielow ist gutmütig , so sagten wir ; aber wie alle gutmütigen Naturen kann er heftig werden , plötzlich , beinahe unmotiviert , und dann ist er unberechenbar . Eben noch lachend , beginnt ein Kräuseln und Drehen , nun ein Wirbel , ein Aufstäuben , ein Gewölk – es ist , als führe eine Hand aus dem Trichter , und was über ihm ist , muß hinab in die Tiefe . In solchen Augenblicken gibt er der Müggel nichts nach . Es gibt ganze Linien , wo die gescheiterten Schiffe liegen . Ihn zu befahren in seiner ganzen Breite , war seit lange mein Wunsch . Heute bot sich die Gelegenheit . Der Wind war gut , ein regelrechter Südost . An der Fährstelle zu Kaputh lag das Boot ; grün und weiß die Planken und Ruder ; das Segel war noch an den Mast gebunden . Wir stiegen ein zu dritt , mit uns die Söhne des Fährmannes , drei junge Kaputher Midshipmen zwischen zehn und vierzehn , die auf dem Schwielow für den vaterländischen Dienst sich vorbereiten , wie einst der Peipus die hohe Schule war für die werdende russische Flotte . Sie hatten bereits die Ruhe des Seemanns ; dazu blaue Mützen mit Goldstreif und den Anker daran . Der Älteste nahm den Platz am Steuer ; nun los die Bänder , der Wind fuhr in das flatternde Segel und wie ein Pfeil glitten wir über die breite Fläche hin . Der Fährmann , eine prächtige Gestalt , stand am Ufer und wünschte gute Fahrt . Wir gaben Antwort mit Hohiho und Mützenschwenken . Eine Weile ging das Geplauder , aber bald wurden wir still . Wir waren jetzt in der Mitte des Sees , die Sonne stand hinter einem Gewölk , so daß alles Glitzern und Blenden aufhörte , und nach links hin lag jetzt in Meilentiefe der See . Ein Waldkranz , hier und da von einzelnen Pappeln und Ziegelessen überragt , faßte die weiten Ufer ein ; vor uns , unter Parkbäumen , Petzow und Baumgartenbrück , nach links hin , an der Südspitze des Sees , das einsame Ferch . Dieser einsame Punkt war mit unter den Lieblingsplätzen Friedrich Wilhelms IV. , der in Sommertagen , wenn er abends zu Schiff in die Havelseen hinausfuhr , gern hier anlegte und seine Teestunde im engsten Kreise verplauderte . Noch zeigt eine umfriedete Stelle den Platz am Abhang , wo er zu sitzen und das schöne Bild zu überblicken liebte . Jetzt lag die Breite des Sees hinter uns ; noch durch einen Schilfgürtel hindurch und wir glitten das schlammige Ufer hinauf ; nur der Stern des Kahns lag noch im Wasser . Hügelan steigend suchten wir eine schattige Stelle unter dem Dach zweier halb zusammengewachsener Akazienbäume und sahen nun hinaus auf die blanke Fläche , auf das Spiel wechselnder Farben und auf das stille Leben , das darüber hinglitt . Blaue Streifen zogen sich durchs Grau , dann umgekehrt , und quer durch diese Linien , über die das Licht hinglitzerte , kamen und gingen die Schiffe . Die Segel standen blendend weiß in der Sonne . Stunde und Stimmung waren günstig zum Plaudern . Unser Schwielowführer nahm das Wort und an den Rand des Schattens tretend , der unsern Platz umzirkelte , hob er jetzt geschäftig an : » Dort , wo Sie den grauen Streifen sehen , fast in der Mitte , aber mehr nach Kaputh zu , dort liegen die Schiffe , die der Schwielow hinabgerissen ; was er hat , das hält er fest ; er gibt sie schwer wieder heraus . Und doch soll er ' s und doch wird er darum angegangen . Die Versicherungsgesellschaften setzen ihm scharf zu und fragen nicht lange , ob er will oder nicht . Es ist noch nicht lange , da haben sie ' s wieder versucht . In Kaputh gibt es immer einen Freudentag ; ob ' s glückt oder nicht , es bringt uns Geld ins Dorf . « » Wie werden denn diese Hebungsversuche gemacht ? « » Das ist einfach genug . Eines Tages erscheinen zwanzig Mann oder mehr , und mit ihnen kommen zwei große , starke Havelkähne , mit hohen Wänden , zugleich mit allerhand Maschinen und Hebevorrichtungen an Bord . Nun legen sich die beiden Havelkähne zu seiten des untergegangenen Schiffes , von einem Kahn zum andern werden drei starke Bohlenbrücken gelegt und auf diese Brücken drei Drehbassen gestellt . Ein Assekuranz-Taucher , der immer mit zur Stelle ist und zu den Hauptfunktionären zählt , tritt nun seine Niederfahrt an , und unter dem Rumpf des gesunkenen Schiffes hinweg – an den Stellen , die oben den drei Brückenlagen entsprechen – zieht er jetzt drei eiserne Ketten , die nunmehr jede einzelne zusammengeknotet und an dem Kranhaken befestigt werden . Nun beginnen die Drehbassen ihr Werk . Geht alles gut und denkt der Schwielow bei sich : › nun meinetwegen ‹ , so bringen sie das Schiff heraus und halten es zwischen den beiden gesunden Kähnen fest , bis die Ladung geborgen ist ; ist aber der Schwielow schlechter Laune und weiß er ' s dahin einzurichten , daß der eine Kran schärfer anzieht als der andere , so ist alles verloren : das Schiff zerbricht , die Ladung geht in die Tiefe und die Trümmer treiben umher . Wie es mit dem Strandrecht am Schwielow steht , kann ich nicht sagen . « So ging die Rede . Noch manches Wort fiel , vom Ziegelbetrieb , von Maulbeerbäumen und Seidenzucht , vom Kornhandel nach Sachsen , vom Weinbau , der einst an diesen Hügelhängen blühte , zuletzt von der Jagd und den Wilderern am Schwielow hin . » Sie treiben ' s arg « , hob unser Erzähler wieder an . » In den kleinen Ortschaften , da , südlich über Ferch hinaus , da sitzen sie ; jeder kennt sie , aber keiner kann es beweisen . In Kittel oder Joppe geht es zum Tore hinaus , tausend Schritt weiter hin , unter einem dichten Wacholderbusch , hat er seine Büchse vergraben ; nun holt er sie aus Moos und Erde hervor und – der Wilderer ist fertig . Ja , Ihr Herren Berliner – und dabei hob er scherzhaft den Finger gegen mich – um Euren Festbraten säh ' es schlecht aus , wenn die Wilderer nicht wären und ihren Hals dran setzten . Wenn der Rehrücken erst auf der Tafel steht , schmeckt ' s keiner mehr , wessen Blei ihn getroffen . Manch einem mundet ' s auch wohl um so besser , je mehr er weiß , es ist so was wie verbotene Frucht . Aber sie zu pflücken , ist mühevoll ; das muß wahr sein . Der Förster da unten ist ihnen zu hart auf der Spur , der versteht keinen Spaß , › du oder ich ‹ ; zwei haben ' s schon bezahlen müssen und beide Male haben ihn die Gerichte freigesprochen . Es ist ein eigen Ding um Menschenblut . Ich hätt ' s nicht gern an meinen Händen . Aber am Ende , wenn es hieße : meins oder deins , ich dächt ' auch lieber : deins . « Unser Auge hatte sich unwillkürlich nach Ferch hinübergerichtet ; ein Schuß , der in den weiten Waldungen widerhallte , durchzitterte uns leise . Die Sonne neigte sich ; in einer Viertelstunde mußte sie unter sein . Wir eilten zu unserm Boot und nahmen , uns rückwärts setzend , unseren Blick gegen Westen , um vom Wasser aus dem Schauspiel folgen zu können . Noch eh ' wir die Mitte des Sees erreicht , hing der rote Ball über dem Sparren- und Schattengerüst der Zugbrücke von Baumgartenbrück , während das glühende Spiegelbild der Sonne nur drei Handbreit tiefer stand . Die eine Sonne dicht über dem Horizont , die andere dicht über dem Wasser , und nur der schwarze Streifen des Brückengebälks zwischen beiden ! Nun unter . Die Nebel fingen an leise zu brauen . Ein Schleier über Wasser und Wald ; Ferch dämmerte immer unbestimmter herauf ; nur am Kaputher Ufer war es noch hell . Welch Bild jetzt ! Da wo das » Gemünde « , das tiefgehende eigentliche Fahrwasser , das aus der Havel in den Schwielow führt , sich als ein blauer Streifen markiert , zogen in langen Rudeln die Havelschwäne ; zu beiden Seiten des » Gemündes « aber , an den einfassenden seichten Stellen Spalier bildend , blühten in dichten Girlanden die weißen Teichrosen aus dem Wasser auf . In einiger Entfernung war es nicht zu unterscheiden , wo das Blühen aufhörte und das Ziehen und Schwimmen begann . Und durch all das Weiß hin , das eben jetzt einen leisen Schimmer der scheidenden Abendröte trug , schob sich unser Kahn an die Kaputher Fähre heran und der Fährmann , am Ufer unser harrend , hieß uns willkommen und beglückwünschte uns als » wieder zurück vom Schwielow « . Kaputh General de la Chieze von 1662 bis 1671 General de la Chieze von 1662 bis 1671 Der Große Kurfürst , nachdem er 1662 Schloß und Gut Kaputh erstanden , entäußerte sich , wie in der Kürze bereits angedeutet , desselben wieder und schenkte es » mit allen Weinbergen , Schäfereien und Karpfenteichen « seinem Kammerjunker und Generalquartiermeister de la Chieze . Philipp de la Chieze , dessen Familie aus Piemont stammte , war 1660 aus schwedischem in brandenburgischen Dienst getreten . Er war Oberingenieur , ein bedeutender Baumeister und hatte für den Großen Kurfürsten eine ähnliche Bedeutung wie sie Rochus von Lynar , hundert Jahre früher , für Joachim II. gehabt hatte . Er beherrschte den Schönbau wie den Festungsbau , führte das Hauptgebäude des Potsdamer Stadtschlosses auf , leitete den Berliner Schloßbau , beteiligte sich an der Ausführung des Friedrich-Wilhelm-Kanals , besserte und erweiterte die Festungen des Landes . Dies war der Mann , dem die Gnade des Kurfürsten das nur in leisen Zügen noch an alte Kulturtage erinnernde Kaputh übergab . Er konnte es in keine besseren Hände geben . Das in Trümmern liegende Schloß – mutmaßlich ein spät gotischer Bau – wurde in modernem Stile wieder aufgeführt , und dem ganzen Gebäude im wesentlichen das Gepräge gegeben , das es noch aufweist . Namentlich der » große Saal « erhielt bereits seine gegenwärtige Gestalt , wie wir aus einer alten Notiz ersehen , in der es heißt : » im Obergeschoß ( Hochparterre ) befand sich zu seiten des Flurs ein großer Saal durchs ganze Schloß hin , mit zwei Fenstern nach Süden und zweien nach Norden . « – Der Kurfürst war hier oft zu Besuch , namentlich wenn ihn die Jagden nach dem Kunersdorfer Forste führten . Auch den jungen Prinzen wurde zuweilen gestattet , der Einladung des alten de la Chieze zu folgen und einen halben Tag , frei von der strengen Aufsicht ihres Hofmeisters , in Kaputh herumzuschwärmen . Die Parkanlagen waren damals noch unbedeutend ; der Garten nur mit Obstbäumen besetzt . Kurfürstin Dorothea von 1671 bis 1689 Kurfürstin Dorothea von 1671 bis 1689 Der alte de la Chieze starb 1671 oder 1673 ; Kaputh fiel an den Kurfürsten zurück und er verschrieb es nunmehr seiner Gemahlin Dorothea , die es – insonderheit nach dem Tode ihres Gemahls ( 1688 ) – zu ihrem bevorzugten Wohnsitz machte . – Das Schloß , um seinem neuen Zwecke zu dienen , mußte eine erhebliche Umgestaltung erfahren . Was für den in Kriegszeiten hart gewordenen de la Chieze gepaßt hatte , reichte nicht aus für eine Fürstin ; außerdem wuchsen damals – unter dem unmittelbaren Einflusse niederländischer Meister – rasch die Kunstansprüche in märkischen Landen . Erst fünfzig Jahre später , unter Friedrich Wilhelm I. , – obwohl er sich rühmte , ein » treu-holländisch Herz « zu haben – hörten diese Einflüsse wieder auf und wir verfielen , auf geraume Zeiten hin , in die alte Nacht . Schloß Kaputh rüstete sich also zum Empfang einer neuen Herrin . Die Grundform blieb , aber Erweiterungen fanden statt ; zwei kleine Eckflügel entstanden , vor allem wurde die innere Einrichtung eine andere . Eine Halle im Souterrain , wo man den Jagdimbiß zu nehmen pflegte , wurde an Wand und Decke mit blaugrünen holländischen Fliesen ausgelegt , die Zimmer des Obergeschosses mit Tapeten behängt und mehrere mit Plafondschildereien geziert . Besonders bemerkenswert war die Ausschmückung des » großen Saales « , ein Deckengemälde , das seinem Gedankengange nach an spätere Arbeiten Antoine Pesnes erinnert . Minerva mit Helm , Schild und Speer führt die Künste : Baukunst , Skulptur und Malerei , in die brandenburgischen Lande ein ; ein gehörntes Ungetüm , halb Luzifer , halb Kaliban , entweder den Krieg oder die Roheit , oder beides zugleich darstellend , entweicht ins Dunkel vor dem aufgehenden Licht . Ähnlich wohlerhalten präsentiert sich ein zweites Bild , im sogenannten » Grünen Zimmer « . Zwei geflügelte Genien halten die umkränzten Bilder von Kurfürst und Kurfürstin in Händen : die Fama bläst mit einer Doppeltuba den Ruhm beider in die Welt hinaus ; eine andere geflügelte Gestalt zeigt auf die Chronik ihrer Taten . In einem dritten Gemach , das den Namen des Schlafzimmers der Kurfürstin führt , begegnen wir einem Deckenschmuck aus wahrscheinlich eben dieser Zeit . Außer einem Mittelbilde zeigt er zwei weibliche Figuren : die Nacht , ein Fackellicht tragend , und den Morgen , Rosen streuend , in leicht angehauchtem Gewölk . Sophie Charlotte und König Friedrich I. bis 1713 Sophie Charlotte und König Friedrich I. bis 1713 Kurfürstin Dorothea starb 1689 ; beinahe unmittelbar nach ihrem Hinscheiden wurde Schloß Kaputh von Kurfürst Friedrich III. erworben , der es nunmehr seiner Gemahlin , der gefeierten Sophie Charlotte , zum Geschenk machte . Es geschah nun Ähnliches wie nach dem Tode von de la Chieze . Die Ansprüche an Glanz und Luxus waren innerhalb der letzten zwanzig Jahre abermals gewachsen , nirgends mehr als am Hofe des prachtliebenden Friedrichs III. Wie das Schloß de la Chiezes nicht reich genug gewesen war für Kurfürstin Dorothea , so waren die Einrichtungen dieser wiederum nicht reich genug für die jetzt einziehende Sophie Charlotte . Auch jetzt , wie während der siebziger Jahre , berührten die Ummodelungen , die vorgenommen wurden , weniger die Struktur als das Ornamentale und wieder waren es in erster Reihe die Deckenbilder , diesmal in allen Räumen , die den ohnehin reichgeschmückten Bau auf eine höchste Stufe zu heben trachteten . Dies Betonen des Koloristischen lag ja im Wesen der Renaissance , die , selbst malerisch in ihren Formen wie kein anderer Baustil , es liebt , die Farbe sich dienstbar zu machen . Ob Kurfürstin Sophie Charlotte noch Zeuge dieser letzten Neugestaltung wurde , die das Schloß in seiner inneren Einrichtung erfuhr , ist mindestens fraglich . Bis 1694 – wo der Stern Charlottenburgs aufging , der zugleich den Niedergang Kapuths bedeutete – konnte die Fülle dieser Deckenbilder nicht vollendet sein ; die kurze Zeitdauer verbot es . Aber auch der Inhalt dessen , was gemalt wurde , wenigstens jenes hervorragendsten Bildes , das sich in der » großen Porzellankammer « befindet , scheint dagegen zu sprechen . Es stellt dar : wie Afrika der Borussia huldigt . Diese , auf Wolken thronend , trägt eine Königskrone und neigt sich einer Mohrenkönigin , zugleich einer Schar heranschwebender schwarzer Genien zu , die mit Geflissentlichkeit die Schätze Indiens und Chinas : Teebüchsen und Ingwerkrüge , sogar ein Teeservice mit Tassen und Kanne , der auf Wolken thronenden Borussia entgegentragen . Die Königskrone der Borussia , falls es die Borussia ist , deutet unverkennbar auf einen Zeitpunkt nach 1701 . Andererseits ist es freilich nicht ganz leicht , in dieser , mit einer gewissen souveränen Verachtung der Länder- und Völkerkunde auftretenden Symbolik , die nichts so sehr haßt als Logik und Konsequenz , sich zurechtzufinden . Kurfürstin Sophie Charlotte verließ schon 1694 Kaputh . Aber bis zu ihrem Tode ( 1705 ) und noch darüber hinaus , bis zum Tode ihres Gemahls , blieb Kaputh ein bevorzugtes Schloß , eine Sehenswürdigkeit von Ruf . Man setzte Summen an seine Instandhaltung , sei es nun , um vorübergehend hier eine Villeggiatur zu nehmen , oder sei es – insonderheit nachdem seine Ausschmückung vollendet war – um es etwaigem , bei Hofe eintreffendem Besuche als ein kleines märkisches Juwel zeigen zu können . Eine solche Gelegenheit bot sich 1709 . Wir finden darüber Folgendes . Als in den ersten Julitagen eben genannten Jahres König Friedrich IV. von Dänemark und Friedrich August von Polen auf Einladung Friedrichs I. von Preußen in Potsdam eine persönliche Zusammenkunft hielten ( ein großes Staatsbild im Charlottenburger Schlosse stellt diese Begegnung der » drei Friedriche « dar ) , war der prachtliebende Friedrich , an dessen Hofe diese Vereinigung stattfand , bemüht , seinen Gästen eine Reihe von Festen zu gehen . Unter andern ward am 8. Juli auf der prächtigen Jacht , welche im Bassin des Lustgartens lag und mit zweiundzwanzig Kanonen ausgerüstet war , eine Lustfahrt nach Kaputh unternommen . Dieses überaus prächtige Schiff , das mit allem nur erdenklichen Luxus ausgestattet war und in der Tat an die Prachtschiffe der alten Phönizier und Syrakuser erinnerte , war in Holland nach Angaben des Königlichen Baumeisters und Malers Madersteg erbaut worden . Man schätzte allein die goldenen und silbernen Geräte , die sich in seinem Innern aufgestellt befanden , auf hunderttausend Taler . Auf diesem Schiffe , das eigens dazu gebaut war , die Havel zu befahren , glitten die drei Könige stromabwärts nach dem Lustschlosse von Kaputh . Man erging sich in dem inzwischen zu einer baumreichen und schattigen Anlage gewordenen Parkgarten und kehrte gegen Abend zu Tafel und Ball nach Schloß Potsdam zurück . Wenn dieser Tag in dem historischen Leben Kapuths der glänzendste war , so war er auch der letzte . Der König , früh alternd , schloß sich mehr und mehr in seine Gemächer ein ; der Sinn für Festlichkeiten erlosch , er begann zu kränkeln ; am 25. Februar 1713 starb er . Alle Schlösser standen leer ; sie sollten bald noch leerer werden . Dem prachtliebenden Könige folgte ein Sparsamkeitskönig . Die holländische Jacht im Potsdamer Bassin wurde gegen einige Riesen vertauscht und ging nach Rußland zum Zaren Peter ; die großen Schlösser zu Köpenick und Oranienburg , beides Schöpfungen des eben verstorbenen Fürsten , wurden vom Etat gestrichen ; was verkaufbar war wurde verkauft , – konnte man sich wundern , daß , bei so veränderten Verhältnissen , das wenigstens seiner Größe und äußeren Erscheinung nach ungleich bescheidenere Kaputh mit auf die Liste der Proskribierten gesetzt wurde ! Es sank zu einem bloßen Jagdhause herab , an dem alsbald der mit holländischen Fliesen ausgelegte Souterrainsaal , weil sich ' s drin wie in einem Weinkeller pokulieren ließ , das Beste war . Von seinem alten Bestande über der Erde blieben dem Schlosse nur der Kastellan und die Bilder , wahrscheinlich weil mit beiden nichts anzufangen war . Der Kastellan war ein alter Türke , das rettete ihn ; die Deckengemälde aber – in den Schlössern waren ihrer ohnehin mehr denn zuviel , und wenn die Schlösser sie nicht aufnehmen konnten , wer damals in brandenburgischen Landen hätte sein Geld an die sinnbildliche Verherrlichung der Künste , an Minerva und Kaliban , an Borussia und die Mohrenkönigin gesetzt ! Auch heute noch sind ihrer nicht viele . So viel über die historischen vierzig Jahre . Wir schicken uns jetzt an , in das Schloß selbst einzutreten . Die doppelarmige Freitreppe , wir erwähnten ihrer bereits ( schon Sophie Charlotte schritt über diese Stufen hin ) , ist von Efeusenkern des Hauses derart umrankt und eingesponnen , daß jeden Tragstein ein zierlich-phantastischer Rahmen von hellgrünen Blättern schmückt . Die Wirkung dieses Bildes ist sehr eigentümlich . Eine Treppe in Arabeskenschmuck ! Natur nahm der Kunst den Griffel aus der Hand und übertraf sie . Die Tür des Gartensalons öffnet sich . Freundliche Worte begrüßen uns ; wir sind willkommen . Von einem kleinen zeltartigen Raume aus , der unmittelbar hinter der Freitreppe liegt , treten wir nunmehr unseren Rundgang an . Die Zimmer führen noch zum Teil die Bezeichnungen aus der Kurfürstlichen Zeit her : Vorgemach , Schlafzimmer , Kabinett des Kurfürsten , auf dem andern Flügel ebenso der Kurfürstin ; dazu Saal , Porzellankammer , Teezimmer . Die meisten Räume quadratisch und groß . Alle haben sie jene Patina , die alten Schlössern so wohl kleidet und angesichts welcher es gleichgültig ist , ob Raum und Inhalt sich in Epoche und Jahreszahlen einander decken . Nicht wie alt die Dinge sind , sondern ob alt überhaupt , das ist es , was die Entscheidung gibt . So auch hier . Die verblaßten oder auch verdunkelten Tapeten , die Gerätschaften und Nippsachen , – es sind nicht Erinnerungsstücke genau aus jener Zeit Kaputhschen Glanzes , aber sie haben doch auch ihr Alter und wir nehmen sie hin wie etwa einen gotischen Pfeiler an einem romanischen Bau . Beide haben ihr Alter überhaupt , das genügt ; und unsere Empfindung übersieht es gern , daß zwei Jahrhunderte zwischen dem einen und dem andern liegen . Die Tapeten , das Mobiliar , die hundert kleinen Gegenstände häuslicher Einrichtung , sie sind weder aus den Tagen der strengen , noch aus den Tagen der heitern Kurfürstin , die damals hier einander ablösten ; die Hand der Zerstörung hat mitleidlos aufgeräumt an dieser Stelle . Aber wohin die Hand der Zerstörung buchstäblich nicht reichen konnte , – die hohen Deckengemälde , sie sind geblieben und sprechen zu uns von jener Morgenzeit brandenburgischer Macht und brandenburgischer Kunst . Die großen Staatsbilder haben wir bereits in dem kurzen historischen Abriß , den wir gaben , beschrieben , aber viel reizvoller sind die kleinen . Ich schwelgte im Anblick dieser wonnigen Nichtigkeiten . Kaum ein Inhalt und gewiß keine Idee , und doch , bei so wenigem , so viel ! Ein bequemes Symbolisieren nach der Tradition ; in gewissem Sinne fabrikmäßig ; alles aus der Werkstatt , in der die Dinge einfach gemacht wurden ohne besondere Anstrengung . Aber wie gemacht ! welche Technik , welche Sicherheit und Grazie . Wie wohltuend das Ganze , wie erheiternd . Jetzt setzen die Künstler ihre Kraft an eine Idee und bleiben dann , neunmal von zehn , hinter dieser und oft auch hinter sich selbst zurück . Wie anders damals . Die Maler konnten malen und gingen ans Werk . Kam ihnen nichts , nun , so war es immer noch eine hübsche Tapete ; erwies sich aber die Stunde günstig , so war es ein Geschenk der Götter . So Großes fehlt hier ; aber auch das Kleine genügt . Genien und wieder Genien , blonde und braune , geflügelte und ungeflügelte , umschweben und umschwirren uns und die Girlanden , die sich zwischen den Fingerspitzen der lachenden Amoretten hinziehen , sie haben eine Pracht und Wahrheit der Farbe , daß es ist , als fielen noch jetzt die Rosen in vollen roten Flocken auf uns nieder . Im Teezimmer bringt eine dieser geflügelten Kleinen ein Tablett mit blaugerändertem Teezeug , – selbst Boßdorf , als er sein Riesentablett der Lautenschlägerin präsentierte , hätte von diesem Liebling der Grazien lernen können . Diese Zeit sinnlich blühender Renaissance , sie ist dahin . Was wir jetzt haben , mit allen unsren Prätentionen , wird nach zweihundert Jahren schwerlich gleiche Freude und Zustimmung wecken . Es war Mittag , als wir wieder auf die Freitreppe hinaustraten . Der Himmel hatte sich bezogen und gestattete jetzt einen unbehinderten Blick auf das weite Wasserpanorama . Die Holländische Jacht mit drei Königen und einem ganzen Silbertresor an Bord steuerte nicht mehr havelabwärts ; aber statt ihrer schwamm eine ganze Flottille von Havelkähnen heran und am Horizonte stand in scharfen Linien steifgrenadierhaft die Garnisonkirche von Potsdam : das Symbol des Jüngstgeborenen im alten Europa , des Militärstaats Preußen . Petzow Petzow Auf der Fortuna ihrem Schiff Ist er zu segeln im Begriff ; Will einer in der Welt was erjagen , Mag er sich rühren und mag sich plagen . Schiller Wie Buda-Pest , oder wie Köln und Deutz ein Doppelgestirn bilden , so auch Kaputh und Petzow . Sie gehören zusammen . Zwar ist die Wasserfläche , die die beiden letzteren voneinander trennt , um ein Erhebliches breiter als Rhein und Donau zusammengenommen , aber nichtsdestoweniger bilden auch diese beiden » Residenzen diesseit und jenseit des Schwielow « eine höhere Einheit . Eine Einheit , so verschieden sie untereinander sind . Sie ergänzen sich . Kaputh ist ganz Handel , Petzow ist ganz Industrie . Dort eine Wasserstraße , eine Werft , ein Hafenverkehr ; hier die Tag und Nacht dampfende Esse , das nie erlöschende Feuer des Ziegelofens . Schönheit der Lage ist beiden gemeinsam ; doch ist Petzow hierin weit überlegen , sowohl seiner eigenen unmittelbaren Erscheinung , als dem landschaftlichen Rundblick nach , den es gestattet . Die etwas unregelmäßig über einen Hügelrücken sich hinziehende Dorfstraße folgt im wesentlichen dem Schwielowufer ; zwischen Dorf und See aber ist ein ziemlich breites , schräg abfallendes Stück Land verblieben , in das Schloß und Park sich teilen . Beides sind Schöpfungen dieses Jahrhunderts ; Vater und Großvater des gegenwärtigen Besitzers , des Amtsrats von Kähne , riefen sie ins Leben . Die genannte Familie sitzt nachweisbar seit 1630 an dieser Stelle ; vielleicht viel länger . Die Kähnes waren damals schlichte Bauern . In genanntem Jahre , also während des Dreißigjährigen Krieges , erwarben sie das Lehnschulzengut und hielten es nicht nur fest , sondern wußten auch ihren Besitz derart zu erweitern , daß im Jahre 1740 der damalige Träger des Namens in den Adelsstand und fünf Jahre später ( 1745 ) der Gesamtbesitz zu einem kreistagsfähigen Rittergute erhoben wurde . Ein Beispiel derartigen Aufdienens » von der Pike « , wie es die Familie Kähne gibt , ist sehr selten ; viel seltener , als man glaubt . Ein Blick auf die Geschichte der Rittergüter belehrt uns darüber . Was in den altadeligen Grundbesitz als Neuelement einrückt oder gar durch Zusammenlegung von Bauerngütern ( und selbstverständlich unter schließlicher Ernennung seitens des Landesherrn ) neue Rittergüter kreiert , das sind entweder selbst wieder prosperierende , ihren Besitz erweiternde Adelige , die für jüngere Söhne einen ebenbürtigen Neubesitz stiften , oder aber – und das ist das Häufigere – es sind Geldleute , Städter , Repräsentanten einer modernen Zeit , die den Handels- und Industriegeist in die Landwirtschaft hineintragen . Der Bauer folgt selten dem Beispiel ; er ist stabil , er bleibt was er ist . Wenn er nichtsdestoweniger zu spekulieren beginnt , so tut er es auf seine Weise . Es reizt ihn dann weit mehr das Geld , als das Wachsen der Ackerfläche . Er erweitert sich nicht innerhalb seiner eigenen Sphäre ; er wird eben einfach ein anderer . Die Familie Kähne bezeichnet einen Ausnahmefall . Schloß und Park , so sagten wir , sind Schöpfungen dieses Jahrhunderts . Das Schloß , in seiner gegenwärtigen Gestalt , wurde nach einem Schinkelschen Plane ausgeführt . Es zeigt eine Mischung von italienischem Kastell- und englischem Tudorstil , denen beiden die gotische Grundlage gemeinsam ist . Der Bau , wie er ich unter Efeu und Linden darstellt , wirkt pittoresk genug , ohne daß er im übrigen besonders zu loben wäre . Es ist bemerkenswert , daß alles Gotische oder aus der Gotik Hergeleitete auf unserm märkischen Boden seit Wiederbelebung dieses Stils ( eine Epoche , die kaum zwei Menschenalter zurückliegt ) nicht gelingen wollte . Im Beginn dieses Jahrhunderts hatten wir uns zu entscheiden , nach welcher Seite hin die Entwickelung gehen sollte ; irgendeine » Renaissance « war dem herrschenden Ungeschmack gegenüber geboten , es konnte sich nur darum handeln , ob das Vorbild bei der Antike oder beim Mittelalter zu suchen sei . Schinkel selbst – was jetzt so oft vergessen wird – schwankte ; der einzuschlagende Weg war ihm keineswegs von Anfang an klar . Auch er hatte eine Epoche , wo das Malerische des Gewölbebaues , wo Strebepfeiler und Spitzbogenfenster ihn reizten . Hätte er sich damals , wie das bei den rheinischen Baumeistern der Fall war für Gotik entschieden , so würde die bauliche Physiognomie , unserer alten Provinzen , Berlins ganz zu geschweigen , überhaupt eine andere geworden sein . Wir würden die Gotik , nach einzelnen gescheiterten Versuchen , aufs neue gelernt haben wie die Rheinländer und Engländer sie wieder lernten und beim Kirchenbau ( zu dem es uns an Gelegenheit nicht gefehlt haben würde ) uns wieder vertraut machend mit der alten Technik , den zerrissenen Faden der Tradition wieder auffindend , würden wir alsbald auch verstanden haben , unsern Privatbau danach zu modeln und unsere Schlösser und Landhäuser im Kastell- oder Tudorstil aufzuführen . Dies wurde versäumt , weil – so