: ich glaub ' es nicht . Ein Enthaupteter ist da . Irgend etwas muß passiert sein . « So weit war unsere Unterhaltung gediehen , als die Frau die brennende Laterne brachte , was man so brennen heißt , vier angeblakte Scheiben mit einem Lichtstumpfe drin . Der Küster nahm den Vortritt und so schritten wir auf die Straße hinaus , wo inzwischen die Falkenrehder , bis zu dem benachbarten Kirchhofe hin , Spalier gebildet hatten . Das Gerücht von unserm Vorhaben war durchs Dorf gelaufen wie ein Feuer übers Strohdach . Alles sah uns nach , mit einem andächtigen Ernst , als ob wir auszögen den Lindwurm zu töten . Alsbald hielten wir vor dem Kirchhofsportal , einem schmiedeeisernen Gittertor , das an höchster Stelle zwei in Erz getriebene Lorbeerzweige und inmitten derselben die vergoldeten Buchstaben E. v. W. ( Ernst von Weiler ) zeigte . Gerade hinter diesen Buchstaben und ihrer Einfassung stand der Mond . Über die Grabsteine von Pastoren und Amtleuten hinweg schritten wir nunmehr auf die Kirche zu und traten durch die Seitentür in dieselbe ein . Sie machte einen spukhaften Eindruck , weil sie überall da , wo das Mondlicht durch die Scheiben fiel , so hell war wie bei Tage . Daneben lagen breite Schattenstreifen . An den Wänden und Pfeilern hingen Totenkränze und Brautkronen mit ihren langen bunten Bändern . Es war , als bewegten sie sich bei unserem Eintreten . Wir schritten nun zunächst auf den Altar zu , wo ich im Halbdunkel ein großes Bild zu bemerken glaubte . Wirklich , es war eine Kreuzigung , alles in Rokokomanier , und die Magdalene mit hohem Toupet und Adlernase sah aus wie die Frau von Pompadour . Ich darf sagen , daß das Unheimliche des Ortes durch diese Anklänge nur noch gesteigert wurde . Ich hatte , um an dem Bilde herumzuleuchten , die Laterne genommen und fragte jetzt , wo die Gruft sei . » Da müssen wir wieder zurück . « Gut . Wir kehrten also um und gingen das Schiff hinunter , bis wir inmitten der Kirche , vor einer in die Fliesen eingelassenen Bretterlage standen . Es war alles so primitiv wie möglich ; keine Falltür , kein eiserner Ring zum Hochheben , nur eben drei eichene Bohlen . Und sie waren nicht leicht zu fassen . Endlich mit Hilfe des schweren Kirchenschlüssels , den wir als Hebel benutzten , lüfteten wir das erste Brett ; dann die beiden andern . Die Stiege , die hinabführte , war weniger eine Treppe als eine aus aufrechtstehenden Ziegeln gebaute Leiter ; jede Stufe so hoch und so schmal wie möglich . Alles voll Staub und Spinnweb . Ohne Fährde indes kamen wir unten an ; nur das Licht in der Laterne begann in bedenklicher Weise zu flackern , erholte sich aber wieder und die Musterung konnte beginnen . Wir zählten vier Särge , zwei wohlerhalten und mit Metall beschlagen , die beiden anderen schon etwas schadhaft . Einer davon , von rechts her gerechnet der dritte , hatte eine Öffnung am Kopfende : das verschließende Brettchen fehlte . Es sah aus wie die offenstehende Tür eines kleinen Hauses . » Das ist er « , sagte der Küster . » Der Enthauptete ? « » Ja . « Dabei fuhr er mit Totengräbergleichmut in die Öffnung des Sarges hinein , suchte einen Augenblick wie in einem Kasten , in dem man Bescheid weiß , und kam dann mit einem Schädel wieder zum Vorschein . Und nun hielt er ihn mir wie zur Begutachtung hin . Ich nahm ihn in die Hand und sagte : » Das ist ein Schädel , nicht mehr und nicht weniger . Wo aber steckt der Beweis , daß es der Schädel eines Enthaupteten ist ? « Der Küster , statt aller Antwort , wies einfach auf einen fingerbreiten Halslappen hin , der sich unter dem Kiefer hinzog . Dieser aufgetrocknete Streifen war an seinem Rande so scharf , wie wenn man ein hartes Stück Leder mit einem scharfen Messer durchschneidet . Dies mochte in der Tat als Beweis gelten . Es war ganz unverkennbar eine Schnittfläche . Irgend etwas Scharfes hatte hier Kopf und Rumpf getrennt . » Sie haben recht « , – damit schoben wir den Schädel wieder in seine Behausung , kletterten hinauf und deckten die Bohlen darüber . Unser Rückzug war eiliger als unser Kommen . Mir war , als lache die Frau von Pompadour hinter uns her , und über den Grabstein des alten Amtmanns Kriele weg traten wir wieder in die Dorfstraße hinaus . Alles stand noch in Gruppen . Wir mußten erzählen . Aber es war nur , was jeder wußte . In der Falkenrehder Gruft ruht ein Enthaupteter . Das scheint festzustehen . Aber wer ist dieser Enthauptete ? Die Sage , wie schon hervorgehoben , antwortet : Oberst Ernst von Weiler ; die Geschichte dagegen verneint , was die Sage sagt . Oberst Ernst von Weiler , in seinen letzten Dienstjahren General , ist eine historische Person , wie nur irgendwer , und wir können ihn bis an das Ende seines Lebens verfolgen . In hohem Alter und hohem Ansehen ist er gestorben . Wir erzählen , was man von ihm weiß . Ernst von Weiler , aus einer angesehenen Patrizierfamilie , etwa um 1620 geboren , war der Sohn des kurbrandenburgischen Amtskammerrats und Hofamtsmeisters Christian Weiler , Erbherrn auf Vehlefanz und Staffelde . Er trat früh in die Armee , nahm wahrscheinlich noch an den letzten Kämpfen des Dreißigjährigen Krieges teil und focht 1674 ( über seine Beteiligung an der Schlacht von Warschau verlautet nichts ) am Oberrhein gegen Turenne . Er war damals mutmaßlich Oberstwachtmeister in der Artillerie . Zuerst wird er mit Bestimmtheit 1675 genannt , wo er in der Schlacht bei Fehrbellin , die » mit doppelter Bespannung versehenen Geschütze « mit großer Auszeichnung zum Siege führte . Er hatte sich dabei das Zutrauen und Wohlwollen des Kurfürsten in einem besonders hohen Grade zu erringen gewußt , wurde 1677 Oberstleutnant und Chef der Artillerie und leitete das Jahr darauf ( 1678 ) den artilleristischen Teil der Belagerung von Stralsund . » Den 10. Oktober abends « , so heißt es in Paulis Leben großer Helden , » machte Ernst Weiler auf den Ort aus 80 Stücken , meist halben Kartaunen , 22 Mörsern und 50 Haubitzen ein entsetzliches Feuer . Mit anbrechendem Morgen stand die halbe Stadt in Flammen . Den II. Oktober nach 6 Uhr sah man auf Mauern und Türmen drei weiße Fahnen ausgesteckt . Dies machte , daß Ernst Weiler mit dem groben Geschütz zu spielen aufhörte . « So Pauli . 1683 wurde Ernst Weiler Oberst . 1689 , bei der Belagerung von Bonn , Generalmajor . 1691 erhob ihn Kaiser Leopold in den Adelsstand . Wann Falkenrehde in seinen Besitz kam , ist nicht genau festzustellen gewesen , jedenfalls schon vor 1684 . In Berlin besaß er das Weilersche Haus , das gegenwärtige Kronprinzliche Palais . Er starb am 28. November 1692 . In der Gunst des Großen Kurfürsten und seines Nachfolgers erhielt er sich bis zuletzt . Gleichzeitige Schriftsteller rühmen ihn als einen » Meister in der Geschützkunst « ; die Erfindung der glühenden Kugeln aber , die ihm Feuquières zuschreibt , ist viel älter . Frundsberg schon bediente sich derselben . Dieser Ernst von Weiler kann also der Enthauptete in der Falkenrehder Gruft unmöglich sein , und verbliebe somit nur noch eine vage Möglichkeit , daß sein Sohn , der ebenfalls Artillerieoberst war und ebenfalls den Namen Ernst ( Ernst Christian ) führte , irgendein Vergehen mit gewaltsamem Tode gebüßt habe . Aber auch dieser , wiewohl sein Leben allerhand Unkorrektheiten aufweist , ist natürlichen Todes gestorben . Auch sein Leben läßt sich bis zu seiner letzten Stunde verfolgen . Er war unglücklich verheiratet , entfloh mit einer Baronesse Blumenthal , trat in österreichische Dienste , verheiratete sich ein zweites Mal und starb zu Breslau , nachdem er vorher , auf ein Salvum conductum gestützt , für kurze Zeit im Brandenburgischen eingetroffen war , um seine Angelegenheiten zu ordnen . Auch er also ist es nicht . Alle weiteren von mir angestellten Fragen und Untersuchungen sind erfolglos geblieben . Niemand weiß , wer der Enthauptete in der Falkenrehder Gruft ist . Nur das eine scheint festzustehen : kein von Weiler . Die Archive , die Akten des Feldzeugamts geben keine weitere Auskunft . Die Hoffnung ist schwach , dieses Dunkel je gelichtet zu sehen . Auf der Dorfstraße , unter den vielen Neugierigen , die uns daselbst empfingen , befand sich auch mein Reisegefährte , der , wie jene , nur das Resultat unserer Expedition hatte abwarten wollen . Das lag nun vor , soweit es vorliegen konnte . Er bestieg also seinen Wagen , der uns glücklich bis Falkenrehde gebracht hatte , um seinerseits weiter ins Havelland hinein zu fahren . Ich meinesteils nahm herzlichen Abschied von ihm und meinem Kantor , und schritt auf den Krug zu , um daselbst den Nauener Omnibus abzuwarten . In zehn Minuten mußte er da sein . Die Krugstube war nicht viel größer als die Gruft , aus der wir eben kamen , aber es sah bunter darin aus . In einer Ecke hatte sich ein Kartentisch etabliert ; ihm gegenüber saßen zwei alte Frauen , von denen die eine , in allerhand schottisch karierte Lappen gekleidet , an die Norne in Walter Scotts » Piraten « erinnerte . Beide tranken Kaffee und pusteten über die vollen Untertassen hin . Was sonst noch da war , durchschritt den Stubenkäfig , am unruhigsten unter allen ein hübscher , blonder Mann , Mitte dreißig , dessen Gesamthaltung , trotz einer gewissen weltmännischen Tournüre , unverkennbar auf ein mühevoll absolviertes Obertertia hindeutete . Er hatte das Bedürfnis zu sprechen . » Halb neun wird es wohl werden « , hob er an . » Halb neun ! Ich bitte Sie , das wäre ja furchtbar . Fahren Sie auch bis Potsdam ? « » Ja . Ich wohne in Potsdam . Ein teures Pflaster . Aber was will man machen ? Die Erziehung , die Schulen ... Ich bin Regierungsbeamter . Was nutzen einem hundert Taler mehr in Schlochau oder Deutsch-Krone ? Als Familienvater ... « » Haben Sie mehrere Kinder ? « » Drei . Lauter Jungen . Und sehen Sie , das ist es eben . Ein Mädchen kann in Deutsch-Krone besser gedeihen als in Potsdam , aber ein Junge – was ist ein Junge ohne Gymnasium ! Ich bin Regierungsbeamter . Ich kann meinen Kindern nichts mitgeben , außer Bildung , aber daran halte ich fest . « » Wissen Sie , man muß es nicht überschätzen . Der innere Mensch .... « » Freilich , der innere Mensch bleibt immer die Hauptsache . Es muß drin stecken . Aber eine Kinderseele ist eine zarte Pflanze . Vorbild , Beispiel , elterliches Haus .... « In diesem Augenblicke ( mir durchaus gelegen ) erschien der Kutscher des inzwischen eingetroffenen Omnibus in der Tür , um allen Anwesenden , in einer Sprache , die mehr Vertraulichkeit als Respekt ausdrückte , das Signal zum Aufbruch zu geben . Alles drängte hinaus , und fünf Minuten später saßen wir eng zusammengerückt und fest wie ein Spiel alter Karten , auf den beiden Längssitzen des Wagens . Die Pferde zogen an , und beinahe gleichzeitig rief eine Stimme aus dem Hintergrunde des Wagens : » Fenster zu , daß es warm wird . « Feste Kommandos werden immer befolgt . Eine geschäftige Hand zog sofort an der Lederstrippe , das alte Klapperfenster flog in die Höhe und dreizehn Personen , drei Zigarren und eine kleine Tranlampe , die zunächst noch ganz keck und lustig brannte , unterzogen sich jetzt der gewünschten Erwärmungsaufgabe . Als ich mich orientiert hatte , sah ich , daß der Schlachtschrei » Fenster zu « nur von der alten Norne gekommen sein konnte . Sie zog nunmehr eine bunte Kapuze über das graue Haar , packte ein paar Handschuhe ohne Finger in einen Korb , den sie auf dem Schoße hielt , und sagte dann zu ihrem Nachbar , einem bärtigen , graumelierten , mittelalterlichen Herrn : » Sehen Sie , Herr Inspektor , wir sammeln und verlieren . « » Jawohl , Mutter Sootzmann « , erwiderte der Angeredete , der die Alte ganz ersichtlich beschwichtigen wollte . » In Nauen haben wir gesammelt , in Wustermark und Dyrotz haben wir verloren , in Falkenrehde haben wir wieder gesammelt . « » Jawohl , Mutter Sootzmann . « » Alles im Leben ist sammeln und verlieren . Wenn der Mensch in Falkenrehde Kaffee trinkt , hat er gesammelt . Ich habe gesammelt , Herr Inspektor .... « » Jawohl , Mutter Sootzmann « , unterbrach dieser jetzt rascher als vorher , weil er irgendeinen unharmonischen Abschluß befürchten mochte . Immer dichter inzwischen wurde der Dunstkreis . Die Laterne begann zu blaken , was kaum noch als ein Übelstand gelten konnte , und der » Regierungsbeamte « , gebildet bis zuletzt , sprach über Stickstoffoxyd und zu früh zugemachte Ofenklappen , ein Thema , dessen Zeitgemäßheit nicht zu bezweifeln war . Ich weiß nicht mehr , was ich antwortete , oder ob ich überhaupt antwortete . Ein Kopfweh , das schon die Grenzen des tic douloureux streifte , schlug meine Artigkeit in Banden . Und so fuhren wir nach Potsdam hinein . Endlich Luft ! Im Freien begann ich über die verschiedenen Arten des Grauens zu reflektieren . Was war die Falkenrehder Gruft gegen diesen Nauener Omnibus und was der » Enthauptete « gegen Mutter Sootzmann , die Norne ! Zwei » heimlich Enthauptete « I. Graf Adam Schwarzenberg I. Graf Adam Schwarzenberg 1755 kam Prinz August Wilhelm von Preußen , ältester Bruder Friedrichs des Großen , mit seiner Schwester , der Prinzessin Amalie nach Spandau . Bei dieser Gelegenheit besahen sich die beiden königlichen Geschwister auch das Innere der Nikolaikirche . Bei der Begräbnistafel des Grafen Schwarzenberg blieb der Prinz erstaunt stehen , indem er zu seiner Umgebung äußerte : » Wie ? Ist der Graf nach dem Tode George Wilhelms nicht nach Wien gegangen und dort verstorben ? Diese Tafel ist wohl nur zum Schein hier angebracht ? « Aller Gegenversicherungen ungeachtet blieb der Prinz auf seiner Meinung bestehen , und um sich vollständig von dem Sachverhalt zu überzeugen , befahl er , das Grab zu öffnen . Nachdem dies geschehen , erhielt der Page von Dequede von dem Prinzen die Weisung hinabzusteigen und zu sehen , ob sich wirklich ein Leichnam im Gewölbe befinde . Der beherzte Page kam nach einiger Zeit mit dem halb vermoderten Kopfe eines Menschen wieder zum Vorschein . Der Prinz besah den Kopf genau und rief dann unwillig : » Ja , das ist er . Man werfe ihn nur wieder hin ! « Diesem Befehle folgte der Page buchstäblich und als unmittelbar darauf Kirchendiener und Maurer in die Kirche kamen , um das Grab wieder zu schließen , bemerkten sie , daß der Kopf auf der Brust des Leichnams lag . Daraus entstand das Gerücht , daß Graf Schwarzenberg enthauptet worden sei . 1777 ließ der Prediger des damals zu Spandau in Garnison liegenden Regiments Prinz Heinrich einen Aufsatz drucken , in dem er die Enthauptung bereits als ausgemachte Tatsache hinstellte . Er beschrieb sogar den Ort in der Spandauer Heide , wo die Hinrichtung stattgehabt hätte , und fügte noch hinzu , daß man » im Jahre 1755 bereits den Körper des Grafen ohne Sarg , nur zwischen einigen Brettern liegend , vorgefunden habe . « Aber durch eben diesen Aufsatz wurde auch die Anregung gegeben , näher nachzuforschen und das Gerücht auf seine Grundlosigkeit zurückzuführen . Oberst von Kalkstein , der ehemalige Kommandeur des Regiments , wollte Gewißheit haben und ließ am 20. August 1777 abermals das Gewölbe öffnen , wobei außer dem Herrn Obersten noch folgende Personen zugegen waren : Regimentschirurgus Laube , der Garnisonprediger , Justizrat Lemcke , Adjutant von Bardeleben , Konrektor Dilschmann , Inspektor Schulz und Dr. Heim ( der spätere » alte Heim « , damals , von 1776 bis 1783 , Arzt und Physikus in Spandau ) . Den Deckel fand man neben dem Sarge sehr zertreten ; der Sarg selbst war mit violettfarbenem Samt ausgeschlagen und mit goldenen Tressen besetzt ; der Leichnam ruhte auf Kissen von weißem Taft . Bekleidet war der Graf mit einer langen spanischen Weste von Silberstoff , an der Seite hatte er einen bereits verrosteten , mit goldener Tresse verzierten Degen , seidene , fleischfarbige Strümpfe bedeckten die Beine , und auf den Füßen trug er schwarzlederne Schuhe mit sehr dicken Sohlen . Ein schwartzsamtner , mit einer goldenen Rundschnur besetzter , niedergeschlagener Hut lag auf dem Körper und neben demselben der Kopf . Dr. Heim nahm den Kopf in die Hand , um ihn genau zu untersuchen ; hierbei fand sich , daß derselbe mit Kräutern angefüllt und einbalsamiert war . Die Knochen waren noch nicht vermodert und die sieben Halswirbel fanden sich im Sarge sämtlich unverletzt vor . Heim erklärte : » Der Graf ist nicht enthauptet worden , sondern eines natürlichen Todes gestorben . « Auch wurde eine Urkunde darüber ausgestellt , die sich bis diesen Augenblick in einem verschlossenen Kasten des Spandauer Kirchenarchivs befindet . 2. General von Einsiedel 2. General von Einsiedel Ziemlich um dieselbe Zeit , als in Spandau die Enthauptungssage von Graf Adam Schwarzenberg aufkam , also in den Jahren unmittelbar vor Ausbruch des Siebenjährigen Krieges , hieß es auch in Potsdam , als ob die beiden Nachbarstädte auf diesen Punkt hin eifersüchtig gewesen wären : » General Einsiedel sei heimlich enthauptet worden . « Die Sache machte insofern noch ein gesteigertes Aufsehen , als alles , was den » katholischen Grafen « ( Schwarzenberg ) anging , um ein Jahrhundert zurücklag , während die Einsiedel-Enthauptung eine Art Tagesereignis war . Lange hielt sich der Glaube daran , bis endlich auch dieser » heimlich Enthauptete « von den Tafeln der Geschichte gestrichen wurde . Wir geben , wie in dem Schwarzenberg-Fall , zunächst die Umstände , die die Sage entstehen ließen . Gottfried Emanuel von Einsiedel wurde 1690 , wahrscheinlich im Herzogtum Sachsen-Weißenfels , geboren . Er trat 1707 in die preußische Armee , wurde » seiner ansehnlichen Körperlänge wegen « ein Liebling Friedrich Wilhelms I. , trat in das rote Leib-Bataillon ( die spätere Riesengarde ) und machte den Feldzug gegen die Schweden mit . Er avancierte , vermählte sich mit Margarethe von Rochow aus dem Hause Reckahn und erhielt , neben anderen Donationen , im Jahre 1726 das ehemalige Wartenbergsche Haus in Potsdam , nebst angrenzenden Wohngebäuden , zum Geschenk . Auf dieser Stelle errichtete er das Einsiedelsche Haus , das noch existiert und als » Hotel Einsiedler « jedem Potsdambesucher bekannt geworden ist . Das Allianzwappen der Familien von Einsiedel und von Rochow über der Tür erinnert noch an den Erbauer . 40 Die Huld , die von Einsiedel unter Friedrich Wilhelm I. erfahren hatte , verblieb ihm auch unter dessen Nachfolger . Friedrich II. ernannte ihn zum Generalmajor und zum Chef des neu formierten Grenadier-Garde-Bataillons . Mit diesem nahm er an dem zweiten Schlesischen Kriege teil und erhielt nach der Einnahme Prags den Befehl über sämtliche , die Garnison dieser Hauptstadt bildende Truppen . Es war ein höchst schwieriges Kommando , die Besatzung zu schwach , um sich auf die Dauer zu halten , dazu völlig unzuverlässig . In der Nacht vor dem Abzuge , der endlich stattfinden mußte , desertierten fünfhundert Mann von den Wachen , während die nicht im Dienst befindlichen Mannschaften der Sicherheit wegen in ihre Quartiere eingeschlossen wurden . Während des Abzuges selbst steigerte sich das Übel ; jede Minute brachte Verluste , die Geschütze blieben in den grundlosen Wegen stecken , ganze Bataillone lösten sich auf . General von Einsiedel , als er mit den Überresten seines Korps in Schlesien angekommen war , wurde vor ein Kriegsgericht gestellt . Schuldlos , wie er war , konnte seine Freisprechung kaum ausbleiben . Aber die Gnade des Königs war verscherzt . An dem Feldzuge des nächsten Jahres durfte er nicht teilnehmen ; er blieb in Potsdam , wo er am 14. Oktober 1745 starb . Als wenige Monate später die Grenadiere heimkehrten und das Haus ihres Chefs verödet fanden , hieß es alsbald : er sei heimlich enthauptet . Mit allen Details wurde es erzählt . Der Scharfrichter aus Berlin sei mit verbundenen Augen herübergeholt worden ; nachts , im Keller seines eigenen Hauses , habe die Hinrichtung stattgefunden ; in eben diesem Keller sei seine Leiche auch verscharrt worden . Die Zweifel , die laut zu werden versuchten , wurden niedergeschlagen , und man muß einräumen , daß die Sache nicht nur ein verdächtiges Ansehen , sondern auch manches um und an sich hatte , was die Annahme mehr oder weniger direkt zu unterstützen schien . Die Vorgänge in Prag , das Kriegsgericht , die Ungnade des Königs waren Tatsachen ; in das Kirchenbuch der Garnisonkirche war sein Tod nicht eingetragen . Was aber schwerer als alles andere ins Gewicht fiel und dem Verdacht , von ganz anderer Seite her , Nahrung zuführte , war der Umstand , daß das Ländchen Bärwalde ( damals noch eine preußische Enklave im Kursächsischen ) Einsiedelscher Besitz war und bei allen Schwarzsehern und Geheimniskrämern alsbald die Frage anregte : ob nicht , mit Rücksicht auf die Lage dieses Besitzes , ein Einverständnis von Einsiedels mit dem sächsischen Hofe angenommen werden müsse ? Solche Frage , einmal angeregt , wurde selbstverständlich immer bestimmter mit » ja « beantwortet , und in Potsdam , wie im Ländchen Bärwalde selbst herrschte zu Anfang dieses Jahrhunderts nicht der geringste Zweifel mehr . Generalleutnant von Einsiedel war und blieb » heimlich enthauptet « , und die Bärwalder steigerten sich bis zu der grotesken Vorstellung , » daß das Haupt , um die Hinrichtung auch im Tode noch zu cachieren , auf höchst sinnreiche Weise an dem steifen Uniformkragen ( den es damals gar nicht gab ) befestigt worden sei . « Gegen all diese Annahmen war nichts zu machen . Die heimlich bestrafte Untat hatte ein siegreich romantisches Interesse , während der Gegenbeweis prosaisch und undankbar war . Und doch kam die Zeit , wo er geführt werden mußte . Friedrich Wilhelm IV. , der in der immer wieder angeregten Frage endlich klar sehen wollte , gab dem General Kurt von Schöning Auftrag : » die Sache ins reine zu bringen . « Die Resultate dieser Untersuchung liegen nun vor . Es sind zunächst zwei Aufzeichnungen , zwei Dokumente , die den Gegenbeweis übernehmen . Das erste derselben ist eine Zessionsurkunde , eine gerichtliche Konvention , worin der Einsiedelschen Familie der Besitz des Ländchens Bärwalde zugesichert wird . In dieser Konvention vom 7. Oktober 1745 , die also nur sieben Tage vor dem Hinscheiden des Generals von diesem selber ausgestellt wurde , nennt er sich : Sr. K. Majestät wohlbestallter Generalleutnant , Oberst über ein Bataillon Grenadier-Garde , Erbherr zu Bärwalde usw. , woraus ersichtlich , daß die Ungnade des Königs keine besonders strenge und bedrohliche gewesen sein kann . Dieser würde sonst unzweifelhaft , vor Aufbruch und Rückkehr der Truppen , einen andern Chef des Gardebataillons ernannt und den Namen von Einsiedels gestrichen haben . Das zweite , wichtige Dokument ist das Kirchenbuch zu Meinsdorf , im Ländchen Bärwalde , in dem wir von der Hand des damaligen Pfarrers Presso folgende Aufzeichnungen finden : » ... Gedachter Herr General-Lieutnant von Einsiedel ist gestorben zu Potsdam den 14. October 1745 , früh acht Uhr , im 57. Jahre ; den 16. ist er im Erbbegräbniß zu Wiepersdorf beigesetzt worden . Den 30. Januar 1746 ist ein feierliches Leichenbegängniß gehalten , der Parade-Sarg von der Reinsdorfer Grenze eingeholt und die Leichenrede vom Herrn Hofprediger Ösfeld aus Potsdam gehalten worden . « Für die absolut Ungläubigen reichte freilich auch dieses Dokument nicht aus . Dieselben entnahmen aus dieser Pressoschen Kirchenbuchnotiz weiter nichts , als die Beisetzung in Wiepersdorf ( statt der Verscharrung im Keller ) , wohingegen der Beweis , daß dieser beigesetzte von Einsiedel kein zuvor Enthaupteter gewesen sei , sich immer noch erübrigte . Auch diese letzte Burg der Romantik mußte zerstört werden . Es gab nur einen Weg . Man stieg in die Gruft hinunter , der Sarg wurde geöffnet , in welchem der General von Einsiedel wohlerhalten lag . Eine Art Mumifizierung , wie in so vielen Grüften der Mark , war eingetreten . Der Körper erwies sich völlig unversehrt , derart , daß er sich am Kopfe in die Höhe heben ließ . Eine Trennung von Haupt und Leib hatte also nicht stattgefunden . Auch dieser » heimlich Enthauptete « der Volkssage war uns also genommen . Wust Das Geburtsdorf des Hans Hermann von Katte Das Geburtsdorf des Hans Hermann von Katte Und so schreiten Die Zeiten In Kriegestanz Und Ruhmesglanz , Bis all ' ihr Stolz und all ' ihr Mut In Demut bei den Toten ruht . Die märkischen Sagen von » heimlich Enthaupteten « : vom General von Weiler in Falkenrehde , vom Grafen Adam von Schwarzenberg in Spandau , vom General von Einsiedel in Potsdam , sind , wie wir es in den beiden voraufgehenden Kapiteln gezeigt haben , von der Geschichte widerlegt worden . Aber Blut , wie überall , floß auch bei uns . Es wurde von Zeit zu Zeit ( und nicht eben allzuselten ) auch wirklich enthauptet , und das Dorf , dessen Namen dieses Kapitel trägt , erinnert , wie kein anderes , an solche Wirklichkeiten . Wust ist ein alter Sitz der Familie von Katte . Wir führen das Dorf in wechselnden Zeiten und verschiedenen Bildern am Auge unserer Leser vorüber . Wust 1707 Wust 1707 Ein klarer Septembertag . Von Jerichow her , auf breiter Straße , deren junge Ebereschenbäume in roter Pracht stehen , kommen zwei Reiter , beide gut beritten , beide in Küraß und Klapphut , aber doch unverkennbar Herr und Diener . Der Weg führt auf Wust zu , dessen neuaufgesetzter Kirchturm eben sichtbar wird . Tausend Schritt vor dem Dorfe hält der rechte Reiter , hebt sich in den Bügeln auf und blickt freudig auf das stille märkische Dorf . Er mag es wohl , er ist hier zu Haus , und da wo das Doppeldach zwischen den Pappeln sichtbar wird , hat er gespielt . Er ist hier zu Haus ; mehr noch , er ist der Herr dieses Dorfes . Seit Knabenjahren war er wenig hier , aber sooft er kam , ging es ihm ans Herz . Nun gibt er seinem Pferde die Sporen , der Diener folgt und in starkem Trabe geht es bis auf den Vorplatz , die Rampe hinauf . Sie sind erwartet : ein Hausverwalter , in verschossener Livree , steht im Portal des Herrenhauses , ein Knecht nimmt das Pferd und ein alter Hühnerhund mit langem Behang , dessen Braun überall schon ins Grau schimmert , richtet sich auf von der sonnigen Stelle , auf der er lag . Er erkennt seinen alten Spielkameraden und wedelt langsam hin und her . Aber er ist zu alt , um sich noch lebhaft zu freuen . Er reckt sich , schnappt nach einer Fliege und legt sich wieder . Der Angekommene ist Hans Heinrich von Katte , Kürassieroberst , ein Liebling des Königs . Er kommt aus den Niederlanden , wo er an den Kämpfen gegen den Marschall Villeroi teilgenommen und in der Schlacht bei Ramillies mit seinem Regimente fünfzehn feindliche Geschütze genommen hat . Er hatte seit jenem Tage auch den Neid entwaffnet . Aber dasselbe Jahr , das ihm so viel der Ehren brachte , hatte ihm sein bestes Glück geraubt . Seine Gemahlin , eine geborne von Wartensleben , war ihm in den Krieg gefolgt und in Brüssel gestorben . Von dort aus war sie nach Wust zurückgeführt worden . Ihr Gemahl kam jetzt , um an ihrem Grabe zu beten und das einzige Kind , das sie ihm zurückgelassen , auf seinen Knien zu schaukeln . » Wo habt Ihr den Junker ? « » Er spielt im Garten ; des Pastors Kinder sind mit ihm . « » Da laßt uns sehen , ob er den Papa wiedererkennt . « Der Kürassieroberst schritt durch die ganze Reihe der Zimmer hin , bog dann links in den Gartensalon ein und trat ins Freie . Auf einem Rasenplatze spielte ein halbes Dutzend Kinder . In der Mitte war das Gras ausgerodet und aus dem gelben Sande des Untergrundes eine Burg aufgeführt , mit Kastell und Graben . In mitten all der Herrlichkeit stand ein kleiner stubsnasiger Blondkopf , nicht hübsch , aber mit klugen Augen . » Hans Hermann , Junge , kennst du mich noch ? « Der Junge sah verwundert auf . Endlich schien es in ihm zu dämmern und er ging ruhig auf den Vater zu . Dieser hob ihn in die Höhe , küßte und streichelte ihn , und sagte dann : » Hans Hermann , wir müssen gute Freunde sein , du mußt mir allerhand erzählen . Komm , ich habe dir auch eine Kanone mitgebracht . « Damit gingen sie in die Halle des Hauses zurück , wo der Diener inzwischen ein Kaminfeuer angezündet hatte . Eine Magd trug ein Frühstück auf , während der Vater seinen Blondkopf auf den Knien schaukelte , und mit Heiterkeit die Fragen beantwortete , die das Kind unbefangen stellte . Der Oberst nahm einen Imbiß , ließ den Jungen an dem Sherry nippen , den er in seiner Satteltasche mitgebracht hatte , und sagte dann : » Hans Hermann , nun wollen wir in die Kirche gehen . « » Ich mag nicht . « » Wir wollen uns den Stein ansehen , unter dem die liebe Mama schläft . « » Ich mag nicht .