Ofen für die glühenden Kugeln versehen , erzielte die englische Artillerie bei diesem ersten Bombardement größere Resultate als die französische . Dennoch widerstanden auch hier die Russen mit Glück . Die Erde zitterte wie bei einem Erdbeben von der gewaltigen Erschütterung der Atmosphäre , der Luftzug war von dem heftigen Feuer erloschen und der Pulverdampf bedeckte so dicht die Umgegend , daß man nur nach dem Blitzen der feindlichen Schüsse die Geschütze richten konnte . Es war 12 Uhr , als der tapfere Leiter der Vertheidigungs-anstalten , Vice-Admiral Korniloff , nachdem er wiederholt die Linien beritten , sich auf dem Malachof-Hügel befand . Er hatte sich eben von seinen Freund und Kameraden Nachimoff getrennt , der mit riesenhafter Thätigkeit die Vertheidigung auf der Bastion III. leitete , deren Geschützbedienung bereits drei Mal hatte ersetzt werden müssen . Als er eben vom Thurm bis zur Brustwehr gehen wollte , um sein Pferd zu besteigen , traf ihn eine Kanonenkugel und riß , die unheilkündende Waffe 8 zerschmetternd , ihm das linke Bein am Unterleibe weg . Heulend vor Schmerz und Wuth warfen sich die treuen Matrosen auf den geliebten Führer und trugen ihn zur nächsten Verbandanstalt . Nur noch bis zum Abend lebte der tapfere Kommandant der Matrosen des schwarzen Meeres . Als man ihm kurz vor seinem Tode die Nachricht mittheilte , daß die feindlichen Batterieen zum Schweigen gebracht worden , rief er ein » Hurrah ! « und starb . Um drei Uhr Nachmittags begannen die Schiffe , eines nach dem andern mit Hilfe der Dampfer sich aus der Kampflinie zurückzuziehen , um 6 Uhr war die ganze alliirte Flotte aus dem Schußbereich der russischen Batterieen und steuerte theils der Rohr-Bai , theils der Mündung der Katscha zu , um Havarie auszubessern . Diese war sehr bedeutend - namentlich hatte das Feuer des Fort Constantin furchtbar gewirkt . Auf dem französischen Admiralschiff - » Ville de Paris « - war der ganze Stab Hamelin ' s verwundet , nur er selbst blieb in dem Regen der Bomben wie durch ein Wunder verschont . Auch der » Montebello « , » Friedland « , » Napoleon « und » Karl der Große « hatten schwer gelitten . Von den englischen Schiffen , die dem Fort Constantin gegenüber gestanden , waren die » Agamemnon « , » Albion « und » Queen « bedeutend beschädigt . Bei keinem später Bombardement wagten die Flotten wieder , den Forts so nahe zu kommen . Aus den englischen Batterieen hatte sich das Feuer hauptsächlich gegen die Bastion III. gerichtet , deren Geschütze um die dritte Nachmittagsstunde fast sämtlich demontirt waren . Doch war auch der Schaden in den britischen Linien bedeutend ; um 4 Uhr flog dort gleichfalls ein Pulvermagazin in die Luft und am Abend erwiderten nur noch zwei Geschütze das Feuer . Mit einbrechender Dunkelheit schwieg das Feuer der Kanonen gänzlich und die Stille der Erschöpfung , des Todes lagerte sich über die Stadt und ihre Umgebung . Der Verlust der Alliirten betrug auf den Flotten allein nach den offiziellen Berichten 527 Mann , in den Trancheen mindestens eben so viel . Die Russen zählten gleichfalls 1200 Todte und Verwundete . Ssewastopol hatte seine Bluttaufe siegreich bestanden ! Fußnoten 1 Die östlichste kurze Einbuchtung der Rhede von Sebastopol auf der Südseite . Zwischen dem Kilen-Grund und der großen Südbucht mit der davon an der Mündung abzweigenden kleineren Schifferbucht liegt die Schiffer-Vorstadt . 2 Hiervon am Eingang südlich das Quarantaine-Fort mit 60 , Fort Alexander mit 90 Geschützen , nördlich Fort Constantin mit 110 Kanonen . Diese 260 Geschütze konnten gegen die Flotten auf der Außenrhede operiren . 3 Den geehrten Lesern , die bei der Lectüre einen Plan Sebastopols nicht zur Hand haben , kann die nachfolgende typographische Situationsangabe wenigstens dazu dienen , die Reihefolge und Stellung der Bastionen für späteren Gang der Erzählung in der Erinnerung zu halten . 4 Kamischewaja-Bai - Rohr-Bai . 5 Etwa 1400 Schritt . 6 Ein tscherkessisches Schwert . 7 S. die Scene Band II. , Seite 87. 8 Die Stücken der Waffe befinden sich im Besitz der Familie des Admirals . Balaclawa und Inkermann . Die Namen stehen blutig eingezeichnet im Buch der Weltgeschichte ! Das erfolglose Bombardement vom 17. October , dem sie nicht einmal den Versuch eines Sturmes folgen lassen konnten , nöthigte die Alliirten zu einer regelmäßigen Belagerung der Festung . Wir haben bereits ausgeführt , wie ihre erste Sorge dahin gegangen war , durch Befestigung des Sapunberges und der Zugänge nach Balaclawa ihre Operationsbasis zu sichern . Hierhin richteten sich natürlich auch die Blicke des Oberkommandanten der russischen Armee . Einstweilen erwarteten beide Theile die Ankunft neuer Verstärkungen . Die Alliirten , auf ihre bedeutenden Hilfsmittel und ihre Ueberlegenheit an Zahl vertrauend , hofften , durch eine regelmäßige Belagerung die Stadt bis zum Einbruch des Winters zu erobern . Die Engländer setzten ihr Feuer aus 68 Geschützen fort und am 19. waren auch die französischen Batterieen so weit wieder hergestellt , um das ihre beginnen zu können . Die Beschießung wurde fortgesetzt , ohne daß der eine oder der andere Theil wesentliche Nachtheile davon hatte . Die Russen , die durch das Bombardement täglich etwa 300 Mann verloren , besserten über Nacht regelmäßig ihre Schäden wieder aus , ersetzten die zerstörten Mauern durch zweckmäßige Erdwerke und errichteten neue unter der rastlosthätigen Leitung der Ingenieur-Arbeiten durch Totleben , der nach dem ersten Bombardement zum Obersten ernannt worden . Die Linie der Befestigungswerke war zur besseren Oberleitung der Vertheidigung in vier Abtheilungen getheilt , welche zu dieser Zeit der General-Major Asnalowitsch , Vice-Admiral Novossilski , Contre-Admiral Panfilof und Contre-Admiral Istomin befehligten . General-Lieutenant Kirjakof kommandirte die Reserven , Kommandant der gesamten Truppen , die aus 57 Bataillonen bestanden , war der General-Lieutenant Moller , Hafen-Gouverneur der Vice-Admiral Staujukowitsch , Kommandant der 13 See-Equipagen der Vice-Admiral Nachimof . Die englischen Batterieen warfen zahlreiche Raketen in die Stadt , doch ohne viel Erfolg ; dagegen litten die Vertheidiger durch das Büchsenfeuer der Zuaven und Jäger von Vincennes bedeutend . Die Franzosen waren bis zum 25. mit ihren Trancheen bis auf 750 Schritt an die Festung herangekommen und die Besatzung unternahm seit dem 20. allnächtlich kleine Ausfälle gegen sie oft mit bestem Erfolg . Die Operationsarmee der Russen war nach der Almaschlacht , wie bereits erwähnt , zu schwach , um etwas Entscheidendes gegen die Belagerungsarbeiten der Verbündeten unternehmen zu können . Der Fürst , der seitdem nur durch 12 Schwadronen Reiter unter General-Lieutenant Rischof und einige Bataillone aus Kertsch und Feodosia verstärkt worden , mußte die Ankunft des 4. Infanterie-Corps abwarten , das in Eilmärschen aus Bessarabien nach der Krim beordert war . Leider für den Erfolg der Russen vermochte er seine Ungeduld nicht zu zügeln und beschloß , als am 22. in der Nähe von Ssewastopol die 12. Infanterie-Division des General-Lieutenants Liprandi eingetroffen war , ohne die übrigen Abtheilungen des Corps abzuwarten , die Operationsbasis der Verbündeten anzugreifen und sie von Balaclawa abzuschneiden . Das Centrum der Russen befand sich in dem Dorfe Tschorgun auf dem rechten Ufer der Tschernaja . Zwei Wege führten von hier nach Balaclawa , der eine rechts durch das stark verschanzte Dorf Kadikoi , im Thal zwischen dem Sapunberg und den Bergen südöstlich von Balaclawa gelegen , und der linke näher den letzten Bergen . Beide liefen quer über die große Woronzoff-Straße , welche sich von Sebastopol nach der Yalta zieht . In dem Thal um Balaclawa und Kadikoi standen die englischen Truppen , durch eine doppelte Reihe von Redouten und Verschanzungen gedeckt , deren vorderste an der Woronzoff-Straße von den Türken besetzt war . Hinter Kadikoi lag die englische Kavallerie . Jenseits des Sapunberges standen auf den Höhen desselben in gesicherter Stellung als Observations-Corps gegen die an der Rhede sich hinwindende , von Sebastopol zunächst nach Inkermann führende Straße die beiden französischen Divisionen des Generals Bosquet . Die Leitung des Angriffs am 25. October war dem General Liprandi übertragen . 17 Bataillone , 22 Schwadronen mit 10 Sotnien Kosacken und 52 Geschütze sollten denselben von drei Richtungen unternehmen . Der Fürst ließ außerdem , um die rechte Flanke des Angriffs zu decken , eine Brigade mit 10 Geschützen unter General-Major Schabokritski in der Nacht die Tschernaja überschreiten und sich gegen den Sapunberg aufstellen . Die Dispositionen waren , nach dem Urtheil aller Militairs , vortrefflich , aber das zur Ausführung kommandirte Corps zu schwach , um einen dauernden Erfolg zu sichern . General-Lieutenant Rischof führte von der Traktirbrücke1 her die rechte Colonne , General-Major Semiakin die mittlere direkt auf Kadikoi los , General-Major Gribbe die linke gegen Kamari zur Umgehung der feindlichen Stellung . Schon bei Tagesanbruch waren die russischen Colonnen auf dem Marsch , um 6 Uhr gelangte das mittlere Corps an die ersten Redouten , eröffnete das Feuer und nahm sie im Sturm . Die Türken verließen sie zum Theil in wilder Flucht und um 71 / 2 Uhr wehte die russische Fahne auf allen vier Schanzen . Die Geschütze wurden vernagelt oder unbrauchbar gemacht , die Vorräthe zerstört und die russische Artillerie begann von dieser Position aus die bei Kadikoi und Balaclawa aufgestellten englischen Truppen und das Lager zu beschießen . Die linke russische Colonne hatte sich gleichfalls glücklich des Dorfes Kamari bemächtigt . General-Major Colin-Campbell eilte mit dem 93. schottischen Regiment zur Unterstützung der Türken herbei , die Kavallerie der Engländer unter Lucan schloß sich ihm an und die flüchtigen Türken sammelten sich unter ihrem Schutz . Um 8 Uhr erschienen Lord Raglan und Canrobert auf dem Schlachtfelde und beorderten eilig von Balaclawa her starke Reserven , um die verlorene Stellung wieder zu gewinnen . Die vierte englische Division Cathcart und die erste Garde-Brigade des Herzogs von Cambridge rückte gegen die Woronzoff-Straße vor . Zugleich ließ Bosquet einen Theil der 1. Division und einige Schwadronen reitender afrikanischer Jäger in das Thal vorgehen . General Liprandi ertheilte jetzt dem General-Lieutenant Rischof den Befehl zum Kavallerie-Angriff und die Husaren-Brigade mit den uralskischen Kosacken und zwei reitenden Batterieen stürzten sich im Galopp auf die Hochländer Campbell ' s und die Dragoner des General Scarlett , die Wagenburg , welche die Schotten vor ihrer Stellung aufgefahren , attakirend . Aber festen Fußes - Schulter gegen Schulter , wie das berühmte Kommando der Hochländer sagt , - empfing sie die Infanterie und eine Batterie der Brigade Scarlett begrüßte die kecken Steppenreiter mit ihren Kartätschenladungen . Die russische Kavallerie wurde geworfen und hinter ihr drein donnerten die schweren Dragoner der Briten , bis an die eroberten Redouten . Hier jedoch wandte sich das Glück - ein vernichtendes Feuer der russischen Batterieen brach die Reihen der Dragoner und brachte sie in Unordnung . Mit großem Verlust zogen sie sich zurück . Lord Raglan sah mit Groll die Niederlage seiner Reiterei unter den Augen der Franzosen und wollte um jeden Preis die englischen Geschütze wieder haben , welche die Russen mit den Redouten erobert hatten . Der stolze Somerset2 , der Adjutant und Neffe des eisernen Herzogs , der seine Sporen beim jammervollen Siege von Kopenhagen geholt , aber sie dann auf den blutigen Schlachtfeldern von Fuentes d ' Onores , Badajoz und Salamanka verdient hatte , der bei Quatre Bras gegen Kellermann ' s schwere Reiter mit dem tapfern 42. Regiment gekämpft und vor Waterloo den rechten Arm gelassen , - hatte in dem siebenundzwanzigjährigen Kamaschendienst voll Unthätigkeit und militairischer Pedanterie , welche die englische Armee zur schlecht organisirtesten Europa ' s hat werden lassen , - die Ritterthaten seiner Jugend nicht vergessen . Seine Adjutanten flogen zu dem Kommandanten der Kavallerie , dem Grafen Lucan , und überbrachten ihm den Befehl , die russische Stellung durch Lord Cardigan ' s leichte Kavallerie-Brigade , welche den linken Flügel bildete , attakiren und die zurückgehenden Husaren und Kosacken verfolgen zu lassen . So unfähig sich beide britische Reiterführer auch im Fortgang des Feldzugs gezeigt haben , so hatten sie doch Einsicht genug , zu sehen , daß die Ausführung dieses Befehls mit großer Gefahr verbunden war . Selbst wenn die englische Reiterei die russische Schlachtlinie durchbrach , konnte sie leicht in das Kreuzfeuer der Artillerie zweier Corps gerathen . Der Adjutant des kommandirenden Generals harrte daher , nachdem er dem Grafen den Befehl überbracht , vergeblich einige Minuten auf Antwort , während dieser ängstlich sich mit seinem Stabe berieth . Ungeduldig fragte er endlich : » Wollen Euer Herrlichkeit dem General-Feldzeugmeister eine Antwort senden ? « » Mein Herr - « sagte der Graf , » ich gestehe Ihnen , ich glaube den Befehl des Lords mißverstanden zu haben . Er kann unmöglich verlangen , daß Kavallerie die verlornen Redouten wiedernimmt ? « » Ich habe Euer Herrlichkeit nur meine Befehle zu überbringen , das Weitere ist Ihre Sache . « » So haben Sie die Güte , « sagte der Graf hochmüthig , » die Ordre in Gegenwart dieser Herren nochmals langsam und deutlich zu wiederholen . « Der Adjutant that es . » Jetzt , mein Herr , melden Sie dem General , daß wir thun werden , was englische Kavallerie thun kann , daß es aber nicht meine Schuld ist , wenn heute Abend die britische Krim-Armee keine Kavallerie mehr besitzt . Vorwärts , Mylord Cardigan ! lassen Sie die 4. und 13. leichten Dragoner die Höhe der Redoute links umgehen und den Angriff beginnen , während das 14. Regiment und die Husaren als zweites Treffen nachrücken . « Die Trompeten bliesen und die leichten Dragoner trabten mit jenem todesverachtenden Trotz gegen die Batterieen , welcher immer den Bulldog-Charakter der englischen Soldaten ausgezeichnet hat . Die Regimenter umgingen die Höhe und attakirten die russischen Husaren und Kosacken trotz des Kartätschenfeuers zweier russischen Batterieen in beiden Flanken und ohne auf das Heckenfeuer des Odjessa ' schen Jäger-Regiments zu achten . Das 14. Dragoner-Regiment und die beiden Husaren-Regimenter 8 und 11 drangen nach und warfen sich auf eine donische Batterie , deren Bedienung sie in Stücken hieben . Das blutige Handgemenge wogte gleich einem Knäuel zwischen den Hügeln hin und her und das Feuer der russischen Batterieen mußte inne halten , um nicht Feind und Freund zugleich zu vernichten . Der Kommandant der 2. Brigade der russischen Kavallerie , General-Major Ghalezki , fiel ; nur mit Anstrengung behaupteten die Husaren und Kosacken das Gefecht . In diesem Augenblick stürzte sich der Oberst Jeropkin mit seinem Ulanen-Regiment , das so eben erst auf dem Schlachtfelde eingetroffen war und hinter den Odessaer Jägern eine verdeckte Aufstellung genommen hatte , auf die rechte Flanke der englischen Kavallerie . Der Stoß war furchtbar und von dem glänzendsten Erfolge begleitet . Die ganze Reiterbrigade wurde vollständig geworfen , gerieth in die größte Unordnung und wandte sich zur wilden Flucht , verfolgt von den Ulanen , niedergeschmettert von den Kartätschen der Batterieen auf den Hügeln und des Schabokritski ' schen Corps . An fünfhundert Reiter ließen die Engländer auf dem Kampfplatz . Die Flucht war so ungestüm und unaufhaltsam , daß sie selbst die schwere Dragoner-Brigade Scarlet ' s , welche Lord Raglan seiner leichten Kavallerie zu Hilfe gesandt , mit sich fortriß - die englische Reiterei verschwand vom Schlachtfeld . Vom Sapunberg aus hatte man die Vernichtung der leichten britischen Kavallerie beobachtet . Der französische Obercommandant ließ daher - freilich etwas spät - drei Schwadronen seiner afrikanischen Jäger einen Angriff auf die Batterieen Schabokritski ' s am Abhang der Pedjuhinni-Berge machen ; die herbeieilende Infanterie jedoch warf sie zurück . Um 9 Uhr hatten die Verbündeten bereits 20,000 Mann im Thal von Kadikoi vereinigt und verstärkten sich fortwährend . Aber die unglückliche Attake der englischen Kavallerie hatte einen solchen Eindruck auf die Generäle und die Truppen gemacht , daß man nicht wagte , nochmals gegen die von den Russen besetzten Höhen vorzugehen . Hätten diese zu Anfang des Treffens mit einer genügenden Macht ihre Vortheile verfolgen können , so ist wohl kein Zweifel , daß es ihnen gelungen wäre , Balaclawa zurück zu erobern , ein Sieg , der die Verbündeten zur Wiedereinschiffung in der Kamiesch-Bai gezwungen hätte . Die Artillerie setzte von beiden Seiten die Kanonade bis zur vierten Nachmittagsstunde fort , dann zogen die Alliirten ihre Truppen in ' s Lager zurück ; die Russen behaupteten das Schlachtfeld . Die englische leichte Kavallerie war fast zur Hälfte vernichtet - was davon übrig , machte bald die gränzenlose Unordnung der Verwaltung und die Fahrlässigkeit der Führer kampfunfähig . Die Belagerung der Stadt schritt nur langsam vorwärts , da die Stellung der Russen bei Tschorgun und gegen Balaclawa die Alliirten nöthigte , hierhin alle ihre Kräfte und all ' ihre Aufmerksamkeit zu richten . Die Gegner verschanzten sich Aug ' in Aug ' in ihren festen Stellungen . Unterdessen waren auf beiden Seiten bedeutende Verstärkungen eingetroffen . In den ersten Tagen des November zählte die französische Armee wieder 49 Bataillone , 8 Schwadronen und 96 Feldgeschütze , die englische 32 Bataillone , 20 Schwadronen und 24 Geschütze , die türkische Division bestand aus 8 Bataillonen , - so daß die gemeinsame Stärke etwa 70,000 Mann betrug : 35,000 Franzosen , 23,000 Engländer und 12,000 Türken . Die russischen Landtruppen in Sebastopol und der Umgegend bestanden jetzt aus 103 Bataillonen , 58 Schwadronen , 22 Sotnien Kosacken und 282 Geschützen , im Ganzen aus 82,000 Mann , waren also stärker als die Verbündeten , aber getheilt in die Vertheidigung der Stadt und das Observations-Corps . Unter diesen Verhältnissen beschloß der Fürst Menschikoff , jene Offensive zu ergreifen , die eine bleibende und ruhmvolle Stelle in der Geschichte der blutigen menschlichen Kämpfe mit dem Namen der » Schlacht von Inkermann « bewahren wird . Der strategische und taktische Plan dieser Schlacht ist einer der vorzüglichsten , die je gefaßt wurden , und würde dem Genie Friedrich des Großen und Napoleon ' s nicht zur Unehre gereicht haben . Was ihn scheitern ließ , waren Dinge , die außer der Berechnung des Feldherrn lagen . Die Brücke von Inkermann führt über die Tschernaja nahe ihrem Ausfluß in das Ende der großen Bucht von Sebastopol . Die neue Sappeurstraße und die alte Poststraße laufen , von der Festung kommend , an ihr zusammen , die erste in der Nähe des Buchtufers hinführend , die andere zieht sich eine Strecke durch den Kilengrund und windet sich dann in engem Defilee durch die Höhen , wobei auf der Seite nach der Tschernaja das Thal so morastig ist , daß die Straße mehr als tausend Schritt über enge Faschinendämme läuft . Während die Franzosen auf dem südöstlich liegenden Sapunberg mit zwei Divisionen unter Bosquet sich stark verschanzt hatten , war den Engländern die Deckung des Terrains zwischen dem Sapunberg und dem Kilengrund , durch welches eben die beiden Straßen von der Tschernaja her führen , überlassen . Sie hatten jedoch ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Belagerungsarbeiten gerichtet , ohne an die Deckung der Wege zu denken , und erst Ende October wurden drei Redouten zum Schutz des rechten englischen Flügels und des Lagers hier flüchtig aufgeworfen , von denen die erste , auf der Höhe über der alten Poststraße gelegen , diese vollständig beherrschte , während die beiden andern weiter rückwärts lagen . Diese Umstände waren dem Fürsten Mentschikoff wohl bekannt und er beschloß daher , die Engländer durch die gefährlichen Defileen anzugreifen . Durch die Besitznahme der Höhen , welche sich auf beiden Seiten des Kilengrundes befinden , wäre das russische Offensiv-Corps in unmittelbare Verbindung mit der Garnison Sebastopols gekommen ; es konnte seine überlegene Kavallerie gegen den Feind verwenden und dieser wäre gezwungen gewesen , die Belagerung des östlichen Stadttheils aufzuheben , welche später eben den Sieg entschied . Wir haben bereits erwähnt , daß die Disposition des Fürsten eine ausgezeichnete war . Der Angriff sollte , um die Feinde zu täuschen , von verschiedenen Seiten her geschehen . Zunächst sollte eine starke Colonne von 29 Bataillonen und 38 Geschützen unter General-Lieutenant Ssoimonoff aus der Stadt , und zwar von der Bastion II. hervorbrechen und die Höhen des Kilengrundes in Besitz nehmen ; eine zweite Colonne mit 20 Bataillonen und 96 Geschützen unter General-Lieutenant Pawloff , dem wir gleich Ssoimonoff bereits bei dem Kampfe um Oltenitza und Giurgewo begegnet sind , sollte über die Inkermann-Brücke durch die Schluchten und auf der alten Poststraße vordringen und das englische Lager angreifen . Zugleich aber sollten das Corps des Generals der Infanterie , Fürsten Gortschakoff ( I. ) , von Tschorgun südwestlich her einen Scheinangriff mit 20,000 Mann gegen die französische Stellung auf dem Sapunberg unternehmen , und aus der Ostseite der Festung selbst zwei Regimenter der Garnison unter General-Major Timofjef einen Ausfall aus der Bastion VI. gegen die französischen Belagerungslinien machen . Die Russen führten somit an 60,000 Mann mit 234 Geschützen in ' s Gefecht , wovon jedoch nur etwas mehr als die Hälfte für den wirklichen Kampfplatz bestimmt war , genügend , die Engländer zu erdrücken , wenn die Zufälle der Schlacht es nicht anders gewendet hätten . Der Abend des 4. November , Sonnabend , war von höchst widrigen Wetter begleitet . Es regnete ununterbrochen in Strömen , die Wege und Schluchten waren grundlos von Wasser und Schmuz und ein dichter Nebel lagerte über Thälern und Bergen , kaum im Umkreis von zehn Schritten die Gegenstände erkennen lassend ; die ganze Natur hatte ein trübseliges Aussehen und die Schildwachen suchten unter den Vorsprüngen des Gesteins , an den Stämmen der Berge und den Erdhängen jeden kleinen Schutz gegen die Unbilden des Wetters . In der englischen Redoute Nr. 1 , welche eine Compagnie des 95. Regiments von Lach-Evan ' s Division besetzt hielt , war eine Baracke für die Offiziere aufgeschlagen , die , auf einer Seite offen , kaum den strömenden Regen abhielt ; indeß die armen Soldaten dem Unwetter ohne allen Schutz als ihre Mäntel und die drei Feuer , die sie auf der Leeseite der Baracke angezündet hatten und mühsam unterhielten , preisgegeben waren . Es fehlte am Nöthigsten für die Ueberwinterung der englischen Armee und man war notorisch in Besitz von höchstens einem für 10 und 15 Mann berechneten Zelte auf 100 Köpfe . In der Baracke lagen drei Offiziere in ihre Mäntel oder englische Reisedecken gehüllt , der Eine sogar in einen prächtigen persischen Teppich , der die Zierde eines fashionablen Salons gewesen wäre , und jetzt hier in Schmuz und Regen umher gewälzt wurde . Die Offiziere sahen sehr mißmüthig aus und das Einzige , woran sie sich trösten konnten , waren die türkischen Papiercigarren , denn durch die Vorsorge der englischen Proviant-Commissaire fehlte es an nichts weniger , als an Allem ! » He , Mickey ! « rief der Capitain Armstrong , indem er sich halb auf den Armen emporrichtete und nach dem Feuer hin schnüffelte , » es riecht verteufelt gut , ich glaube , Du brennst Kaffee , Schurke , und läßt Deinen Herrn hier ohne Gewissensbisse verschmachten ! « Der Angeredete , ein rothhaariger Irländer , dem selbst die Beschwerden des Wetters und Mangels die angeborene Laune nicht zu verderben vermocht hatten , warf beide Arme in die Luft . » O , Du grundgütige Mutter aller Schmerzen , was sind Seine Gnaden ungerecht gegen den armen Mick ! Hab ' ich darum diese gesegnete sechspfündige russische Kanonenkugel ganze zwei Meilen weit unter diesem meinem Arme mitgeschleppt , um nun beschuldigt zu werden , ich tränke den schlechten Kaffee , den der Commissair geliefert , und ließe meinen Herrn verdurften ? Nein , mein süßes Augenlicht , Mick macht Kaffee für seinen Herrn und dessen Freunde und begnügt sich mit einem Tropfen Whiskey . « Die Offiziere sprangen wie von einer Feder geschnellt in die Höhe und Capitain Armstrong vor die Baracke , wo er eben noch zeitig genug ankam , um seinen würdigen Diener eine ziemlich umfangreiche Lederflasche nach einem tüchtigen Zug absetzen zu sehen . Der Capitain war mit einem Schritt seiner langen Beine bei ihm und hatte die Flasche dem Verduzten aus der Hand gerissen , dem die Unvorsichtigkeit , die er begangen , klar wurde . - » Höllenhund ! Du hast ein Getränk , das besser ist als Wasser , und sagst mir Nichts davon ? « » Ach , Euer Gnaden , « winselte Mickey » ein so vornehmen Gentleman wird einen armen Kerl , wie ich bin , nicht der kleinen Erfrischung berauben wollen . Bei meines Vaters Seele , die Pater O ' Donnoghue , der Schurke , noch immer im Fegefeuer brennen läßt , weil ich ihm keine Messen mehr bezahlen wollte , - ich habe mich nur versprochen , es ist schlechter türkischer Branntwein , den die vermaledeiten Schurken von Kameelmist brennen sollen ! - Mögen sie dafür ewig schmoren , wo das höllische Feuer am schärfsten brennt ! « Der Capitain hatte jedoch , ungeschreckt von diesem wenig empfehlenden Pathenbriefe , die Flasche an den Mund gesetzt und , einen tüchtigen Schluck gethan . - » Den Teufel auf Deine lügnerische Zunge , Schuft , « sagte er , indem er die Flasche an Lieutenant Cavendish , einen etwas gelb aussehenden , schmächtigen Offizier , weitergab - » es ist guter Rum ! « » Gott verdamm ' meine Augen , « rief der Fähnrich O ' Malley , ein Landsmann des armen Mick , der mit trübseligen Blicken den Inhalt seiner Flasche sich vermindern sah , » der Kerl muß den Lord Ober-Commissair zum Freunde haben , oder eine ganz besondere Quelle . Woher hast Du den Rum , Mick , mein Jüngelchen ? « » Ich hab ' ihn gekauft , Euer Gnaden , « jammerte der Bursche , » ehrlich bezahlt , oder ich will in meinem Leben nicht wieder Betty Flanagans runde Waden ansehen , wenn sie den Rasen von Mulingapatna im Zweitritt stampft . Ein Tatar , wie sie die Juden hier zu Lande nennen , hat mir die Flasche für baare zehn Schilling und sechs Pence verkauft . « » Das ist billig genug in Betracht der Umstände , « sagte der Capitain , » und Du sollst um Dein Geld nicht kommen . Hier hast Du Deine zehn Schillinge und dafür überläßt Du uns die Flasche , von der Du bereits Deinen redlichen Antheil geschluckt haben wirst . Sollte der Jude oder Tatar sich wieder blicken lassen , so will ich Dir wohlmeinend rathen , ihn festzuhalten und zu mir zu bringen , damit sein Vorrath nicht in andere Hände fällt . Solche Lieferanten muß man sich zu Freunden halten . « » Wenn Euer Gnaden Nichts dawider haben , « schmunzelte der Ire , » ich habe ihm wohl so einen kleinen Wink gegeben , daß wir seiner bedürfen , aber dem vermaledeiten Juden ist das Wetter zu schlecht gewesen . « » Er würde auch nicht durch die Posten kommen und mein Befehl galt bloß für das Lager . Jetzt mach ' uns den Kaffee , mit dem Zusatz von Rum wird das schlechte Zeug gut thun und Lieutenant Stuart muß gleich von der Ronde zurückkehren . « » Schickt das Commissariat denn noch immer den fatalen grünen Kaffee ? « lispelte Lieutenant Cavendish . » Möchten die Halunken daran ersticken , « schimpfte der Capitain . » Was denken sie in Alt-England , daß wir nichts Anderes zu thun hätten , als Kaffee zu brennen ! « In der That war der Unwille in der ganzen britischen Armee neben den hundert andern Ursachen auch darüber allgemein , daß als Proviant der schlechteste grüne Kaffee geliefert wurde . Die Soldaten hatten endlich die Erfindung gemacht , ihn in ihren Feldkesseln zu rösten und in Ermangelung von Kaffeemühlen mit Kanonenkugeln auf Steinen zu zermalmen , so daß die russischen Kugeln zu diesem Zweck sogar ein gesuchter Artikel waren . » O ' Malley , « sagte der Capitain , ehe sie wieder unter ihrem Zelt sich einrichteten , » gehen Sie gefälligst und wecken Sie Lieutenant Lundgreen und fragen Sie ihn , ob er an unserer Schlemmerei Theil nehmen will . Der arme Bursche hält hier seit fünf Tagen aus und wird selten genug was Warmes gehabt haben . « Gleich darauf gesellte sich der Artillerie-Offizier , der die zwei Geschütze , mit denen die Redoute armirt war , kommandirte , zu ihnen und Alle harrten des Kaffee ' s , den Mickey jetzt in dem Kessel über dem Feuer hatte . Der Regen begann aufzuhören , aber der dichte dampfende Nebel aus dem feuchten Boden verstärkte die Finsterniß . » Es wundert mich , Kamerad , « meinte der Capitain , » daß die vorgeschobene Schanze nur mit Ihren zwei Sechspfündern versehen ist , da sie doch eigentlich die Hauptposition an der Straße bildet . Ohnehin scheint sie mir nicht besonders zweckmäßig eingerichtet . « » Ein Kind kann das sehen , « brummte der alte Artillerie-Lieutenant , » und sie ist auch von Kindern und Narren angelegt . Erst auf dringendes Verlangen Lach-Evan ' s bequemte man sich dazu und was denken Sie , als ich hierher kam , wie die Coldstreams , welche die Wache hatten , die Schanze erbaut ? Ich will verdammt sein , wenn so ein Muttersöhnchen aus einer Lordsfamilie , dem das Patent gekauft worden , ohne daß er einen rechten Winkel zu nehmen versteht , die Schießscharten nicht mit der breiten Seite nach Innen eingeschnitten hatte ! « 3 Die Offiziere lachten . - » Wissen Sie nicht , wie dieser moderne Vauban hieß ? « » Lieutenant Elliot , ich glaube ein Vetter oder Neffe des Herzogs von Norfolk ! « » Das kommt von dem System unserer Militairverwaltung . Wär ' die Nation und jeder Einzelne nicht an und für sich so brav , die schmachvolle Einrichtung müßte uns längst zur schlechtesten Armee Europa ' s degradirt haben ! - Ich meine das im Allgemeinen , « fuhr der Capitain zu seinem ersten Lieutenant gewendet fort , der die Wendung des Gesprächs mit offenbarer Verlegenheit angehört hatte . » Was können Sie für die Einrichtungen Ihres Vaterlandes , und überdies haben wir bis auf den braven Stuart , der es