der westlichen Seite der Stadt von dem Seefort Alexander an , und auf der Ostseite der Südbucht ( des großen Kriegshafens ) der Thurm auf dem Malachof-Hügel ( die Kornitowski-Bastion ) . Die Annäherung von der Seeseite wurde durch die bereits zu Anfang dieses Bandes detaillirten Seeforts mit 700 Kanonen großen Kalibers vertheidigt , die in zwei und drei kasemattirten Etagen placirt waren2 ) . Der Mann , den General Schilder von seinem Sterbebett dem Fürsten gesandt , Totleben , dessen Patent als Oberst-Lieutenaut zum Dank für die vor Silistria geleisteten Dienste bald nach ihm in Ssewastopol , vom Kaiser unterzeichnet , eingetroffen , hatte sein kühnes Anerbieten gegen den Fürsten wahr gemacht . Während der vierzehn Tage der Waffenruhe entstand wie durch Zauberschlag ein Gürtel von Festungswerken um die Südseite der Stadt . Mit jedem Tage wuchsen neue Bastionen und Batterieen aus der Erde , für deren Armirung das Arsenal und die Schiffs-Artillerie unerschöpfliche Quellen boten . Die Matrosen , die Sappeurs , die Truppen , die Einwohner - Männer , Weiber , Kinder selbst arbeiteten und lösten sich Tag und Nacht ab , Jeder bot willig seine Habe , seine Kräfte , sein Leben zur Vertheidigung der Vaterstadt und des Bollwerks Rußlands im Süden , und nach Verlauf der zwei Wochen - die der Feind mit seinen Einrichtungen verbracht - starrten mehr als 200 Geschütze schweren Kalibers von trefflich angelegten Wällen ihm entgegen , bereit , ihn mit Geschossen aller Art zu begrüßen , und hinter diesen Geschützen harrten todesmuthig die tapfern Land- und Seesoldaten . Während dieser kurzen Zeit entstanden die Bastionen Nr. 2 , 3 und 4 , beendigt wurde der Bau der Bastionen Nr. 5 und 6 und der Batterieen vor der projectirten Bastion Nr. 1 und bei dem Thurm auf dem Malachof-Hügel . Den Raum zwischen den Bastionen deckten neuerbaute Batterieen , die unter sich mittelst Trancheen verbunden waren . Am Ende der Südbucht lag das Schiff » Jehudil « , dessen Artillerie den Savandanakina- und Laboratornaja-Grund bestreichen konnte3 ) . Zugleich war die Garnison , die am Tage nach dem Abzug des Fürsten Menschikoff und der Besetzung Balaclawa ' s durch die Alliirten thatsächlich nur aus 11,000 Mann Seesoldaten und Matrosen und 8 Bataillonen der Reserve-Brigade der 13. Infanterie-Division bestand , bedeutend verstärkt worden . Am 28. September schon trafen von Baktschiserai in den nördlichen Festungswerken 29 Bataillone in der Stärke von 23,000 Mann ein . Das Offensivcorps , mit dem sich der Fürst jenseits der Tschernaja nach dem Mekensiewaja-Berg zurückgezogen , betrug zu dieser Zeit nur 25,000 Mann . Hätten die Verbündeten gleich am Tage nach der Besetzung Balaclawa ' s eine Recognoscirung gegen die Festung unternommen , so würden sie unfehlbar die Schwäche der Südseite erkannt und einen Sturm unternommen haben , der sie auch bei der heldenmüthigsten Vertheidigung in den Besitz der Stadt gesetzt hätte . Wie jedoch die Gefangennahme und der Tod seines Boten die Verbündeten vor einem verderblichen Angriff auf dem Marsch nach Balaclawa bewahrte , also rettete wiederum die Flucht des greifen Tabuntschik nach jener Führung , die eine Opferung sein sollte und ein Verrath wurde , die Stadt , denn die Generäle der Feinde glaubten ihre Pläne und ihre Schwäche entdeckt und waren in den ersten Tagen nur darauf bedacht , sich gegen jeden Angriff von russischer Seite zu schützen . Hierzu trug noch bedeutend der Wechsel des Oberkommando ' s und die Eifersucht zwischen den Führern der beiden Nationen bei . Der Marschall Saint-Arnaud hatte , bereits zum Tode krank , den Marsch nach Balaclawa in einer Sänfte begleitet - er wollte durchaus vor Sebastopol stehen . Schon vor Balaclawa jedoch trat das Delirium ein und gänzlich entkräftet wurde er am 29. Mittags an Bord des » Berthollet « gebracht , der sofort nach dem Bosporus absegelte . Kaum eingeschifft , kam der Kranke wieder zu sich und unterhielt sich zuweilen mit seinem Schwiegersohn und seinen Offizieren bei vollem Bewußtsein . Augenzeugen erzählen , daß er dabei wiederholt auf den schrecklichen Zug der französischen Colonnen in die verpestenden Sümpfe der Dobrudscha zurückkam . Um 41 / 4 Uhr wandte er sich plötzlich in seinem Bett um und verschied - an derselben Krankheit , der er zwei Monat vorher Tausende nutzlos und hilflos geopfert . Am Abend des 30. warf der » Berthollet « in Therapia mit gestrichener Flagge seine Anker und setzte die Leiche an ' s Land . - Am 1. October erst unternahmen von Balaclawa aus die verbündeten Generäle mit 4 Bataillonen eine Recognoscirung gegen die Festungswerke von Sebastopol und fanden diese bereits so weit vorgeschritten , daß sie sich überzeugten , ein starkes Bombardement müsse einem Sturm vorhergehen . Man beschloß demnach , die Trancheen zu eröffnen , und begann mit den Arbeiten am 4. October . Zunächst galt es , sich die Rücken- und Flankenlinien der Belagerungsarbeiten zu sichern . Auf der Seite nach Westen deckte das Meer die Belagerer . Die Franzosen hatten an der Kamiesch-Bai4 ) eine feste Stellung genommen und schifften hier ihr Belagerungsmaterial und ihre Verstärkungen aus . Am 7. October trafen bereits die 5. und 6. französische Division unter den Generälen Levaillant und Paté und die afrikanischen Jäger hier ein . Die Operationsbasis und der Hafen der Engländer und Türken blieb Balaclawa und hier schifften sich die von Constantinopel eintreffenden Verstärkungen aus . Die rechte Flanke der Verbündeten , beim Beginn der Belagerung hauptsächlich von den Engländern eingenommen , war von der Bodenbeschaffenheit überaus begünstigt . Zunächst trennte das tiefe Thal der Tschernaja mit den steilen Thalrändern auf eine weite Strecke nach Süden hin die Aufstellung der Alliirten von der auf dem gegenüber liegenden Ufer , dem Mekensiewaja-Berg und den Inkerman-Höhen befindlichen Operationsarmee des Fürsten Menschikoff . Dieser Terrainschutz , den die beiden feindlichen Armeen genossen , erklärt auch , daß ungeachtet der zahlreichen Streitkräfte die Operationen im Felde keinen großen Einfluß auf den Gang der Belagerung und Vertheidigung Sebastopols haben konnten . Zwischen der Tschernaja und Balaclawa bildeten die unzugänglichen Schluchten des Sapunberges den Schutz der Verbündeten , die hier 16 Feldschanzen aufgeworfen hatten , um diese natürliche Mauer noch zu verstärken . In der Nacht vom 9. zum 10. October eröffneten die Belagerer ihre erste Parallele , die Franzosen mit 1600 Arbeitern unter dem Schutz von 8 Bataillonen gegen die Mast-Bastion ( Nr. 4 in einer Entfernung von 400 Saschen5 ) . Die Parallele sollte sich bis zur Quarantaine-Bucht erstrecken und mit 5 Batterieen die russischen Werke auf dieser Seite beschießen . Die Engländer erbauten ihre Parallele in der größeren Entfernung von 600 Saschen gegen die Bastion Nr. 3 und verlängerten sie an den folgenden Tagen gegen den Malachof-Hügel und die östliche Seite der Schiffer-Vorstadt . Die Nacht war dunkel , ein starker Nordostwind jagte schwarze Wolken daher , welche den ganzen Horizont bedeckten und es der Garnison unmöglich machten , den Beginn der Belagerungsarbeiten sogleich zu bemerken und zu stören . Als der Tag anbrach , eröffneten die russischen Batterieen ein starkes Feuer , doch konnte dasselbe den Fortgang der Arbeiten nicht mehr hindern . Am 13. bereits führten die Franzosen 53 Geschütze in ihre Batterieen ein , die Armirung der englischen mit 73 Geschützen großen Kalibers , darunter 4 Lancaster-Kanonen , war erst am Abend des 16. beendet . Eine zahlreiche Artillerie stand in Reserve . Am 15. October versammelten sich die verbündeten Generäle und Admiräle zu einem Kriegsrath . Der Kommandant der englischen Escadre , Dundas , erklärte sich entschieden dagegen , mit den Kanonen seiner Flotte die Landbatterieen durch einen Angriff auf die Seeforts zu unterstützen , wurde aber überstimmt . Am Morgen des 17. sollten die Flotten in zwei Linien gegen die Rhede vorrücken . Von der französischen Escadre , welche den rechten Flügel gegen das Quarantaine-Fort , die Batterie Nr. 10 und das Alexander-Fort bildete , waren dazu bestimmt in erster Reihe die Schiffe : Charles Magne , Montebello , Friedland , Ville de Paris , Valery , Heinrich IV. und Napoleon ; in zweiter : Algier , Marengo , Marseille , Souffrant , Bayard und Jupiter . Das englische Geschwader , gegen das Fort Constantin gerichtet , bestand aus der : Queen , Vengeance , Albion , Britannia , London , Aretusa , Bellerophon , Rodney , Trafalgar , Agamemnon , Sanspareil , Terible und Samson . In der Mitte , zwischen den englischen und französischen Schiffen , standen 2 türkische - demnach 28 Schiffe mit ungefähr 500 Geschützen ihrer Breitseiten gegen die drei mit 260 Kanonen besetzten Seeforts . Tausend Geschütze harrten somit am Morgen des 17. des Signals zum gegenseitigen Feuer . Wir haben gesagt , daß der Octobermorgen hell und friedlich über die Berghöhen im Osten empordämmerte ; die aufgehende Sonne warf ihre ersten Strahlen auf das Meer so leuchtend und glänzend , wie an jenem Morgen , als sie das Grab Fatinitza ' s und ihres Geliebten vergoldete . Die Luft war rein , ein leichter Südostwind , welcher den ganzen Vormittag anhielt und die Bewegungen der Flotte erschwerte , strich über die Felsenplateaus . Aus dem Morgendunst tauchten die langen weißen Häuserreihen der » heiligen Stadt « empor , die Schiffe lagen noch träge und regungslos auf den spiegelglatten Fluthen des Meeres und der Rhede , daß man sie für todte Bilder auf einem gemalten Ocean zu halten versucht war . Terrassenförmig steigt hinter der crenelirten Mauer auf dieser Seite die Stadt mit ihren Kirchen , stolzen Gebäuden aus weißem oder rothem Sandstein , ihren Gärten und Baumgängen am Hügel empor , der sich auf der Südwestseite an 200 Fuß hoch erhebt und sich dann zu der Rhede , der Bucht und den Südforts hinabsenkt . In einer Embrasüre der Kapitale der Mast-Bastion saß der junge Fürst Barjatinski , der wackere erste Lieutenant des Wladimir , mit mehreren seiner Kameraden plaudernd , während um ihn her die Matrosen die schweren Schiffsgeschütze in Stand setzen , Kugeln häuften , und die Werkzeuge der Vernichtung von dem Thau polirten , der sich über Nacht auf das blanke Metall gelegt . Der 30. Flottenequipage nebst der Mannschaft des » Wladimir « unter dem Oberbefehl des Vice-Admirals Novossilski war die Vertheidigung der wichtigen Mast-Bastion anvertraut worden . Der Fürst legte das Fernrohr , das er einige Augenblicke am Auge gehabt , aus der Hand , glättete die gelben pariser Glacé-Handschuhe schärfer über die Hand und holte aus der Tasche seines grauen Paletots den goldgestickten Tabacksbeutel mit dem duftenden Latakia , um sich eine neue Cigarre zu drehen . » Reich ' mir die Lunte , Koschka , « sagte er nachlässig , » wir werden noch zu verschiedenen Rauchwolken Zeit haben , ehe wir die ihren da drüben aufsteigen sehen . Willst Du Dich bedienen , Birjulew ? « Er warf einem in seinen Paletot auf dem Boden liegenden Offizier den Beutel zu , während der riesige Matrose , den er angesprochen , mit der brennenden Lunte eines Geschützes herbeisprang . » Ich bin neugierig , « sagte der Offizier am Boden , » ob sie ihre Schiffe in ' s Gefecht bringen ? « » Bah - vielleicht versuchen sie ' s , aber die Quarantaine und Constantin würden ihnen eine Lection geben , die sie für künftig in gehöriger Entfernung hielte . Wie steht der Wind , Kusmenko ? « Der junge Aristokrat war zu blasirt , um den Wolkenzug eines eigenen Blicks zu würdigen . » Süd-Süd-Ost , Euer Gnaden ! « » Ein trefflicher Strich , um nach Odessa zu fahren . « » Was giebt es Neues in Petersburg ? « fragte der Lieutenant Birjulew . » Ich sah , daß Sie gestern einen Brief erhielten . « » Gagarin von der Garde hat mir geschrieben . Der liebe Junge wußte noch Nichts von unserer Affaire an der Alma und glaubt mich schwerlich hier mein Nachtlager auf dieser verteufelten Maner halten . Der Kaiser hat ein Witzwort gemacht , und das läuft durch die Stadt , weil es ziemlich selten passirt . « » Erzählen Sie , Fürst . « » Der Kaiser begegnet nach den neulichen Unterhandlungen mit Wien - Sie wissen , daß Heß , unser erbitterter Gegner , das Kommando der Invasionstruppen erhalten hat - dem General Fürst Radziwil . - Du bist ein Pole , Fürst , sagt der Kaiser , und wirst die Geschichte Deines Vaterlandes kennen . Kannst Du mir sagen , welches die beiden dümmsten Regenten von Polen gewesen sind ? - Der General schaut ihn verlegen an und stottert : Nein , Sire ! - Dann will ich es Dir sagen . Sobieski ist der Eine , weil er Wien entsetzte , und ich bin der Andere , weil ich Oesterreich rettete . « Der Lieutenant lachte . - » Ich meinte eigentlich , welche Neuigkeiten man vom Kriegsschauplatz im Norden meldet ? « » Ei so , ich dachte , Du verlangtest Petersburger Hofgeklätsch . Nun , daß sich Bodisco in Bomarsund gefangen gegeben , statt sich und das Nest in die Luft zu sprengen , ist keine Neuigkeit mehr - die Flotten haben seitdem einige Plünderungen an der finnischen Küste verübt und beziehen ihre Winterquartiere in Kiel , während die unsere in Kronstadt fault . Der Teufel hole das Glück zur Marine zu gehören , ich habe es immer dem Großfürsten Constantin verdacht . A propos , weißt Du , daß die Engländer das Schloß meines Onkels Woronzoff an der Yalta geplündert haben ? « » Massandra ? « » Gewiß . Auch des Grafen Potozki himmlische Besitzung Livadja und des Fürsten Dundukoff Gut Korjakoff sind von den Halunken unter dem Vorwand einer Fouragirung völlig geplündert worden . General-Lieutenant Rischef hat jetzt eine starke Recognoscirung nach dem Baidarthal gemacht und die Feinde können nur an den Küsten fouragiren . Ich würde Iwan Oczakoff rathen , seine schöne Schwester von Schloß Aya in Sicherheit zu bringen , so fest es auch auf den Klippen am Meer gelegen ist . Wie ich höre , befindet sich überdies eine zweite Dame da , eine Freundin des Obersten Wassiltschikoff , und das Beispiel der Fürstin Tschestsawadse lehrt uns , daß es gefährlich für Damen ist , in der Nähe der Feinde allzusehr auf die Sicherheit der Wohnung zu trauen « . » Hat man von den Unglücklichen Nichts weiter gehört ? « » Ei freilich ! Schamyl hat die Damen - Du weißt , daß auch die Fürstin Orbelion und eine Verwandte der Tscheftsawadses , eine junge polnische Gräfin , die erst kurz vorher in der Kachetie eingetroffen war , ehe die Tschetschenzen sie überfielen , mit gefangen genommen wurden , - in das Innere der Berge nach seiner Felsenveste Pokhalski geschleppt und fordert ein unverschämtes Lösegeld . Er will vierzigtausend Rubel und seinen Sohn Djemala-Din zurück . « » Wenn ich recht weiß , ist dieser ja Offizier ? « » Er steht bei den Ulanen in Podolien . Der Fürst hat sich an den Kaiser gewandt und ihm das Verlangen des Imams vorgelegt . Man kennt die Entscheidung noch nicht . Schorte wos mi ! Da regen sich die Franzosen und da drüben auf der Batterie des Krähennests geben die Unsern Signale . Wir wollen den Admiral benachrichtigen lassen . - Heda , Fähnrich Bitschesko , meldet Seiner Excellenz , daß der Feind sich rührt . « » Da kommt er selbst und Korniloff mit ihm . « Das Ravelin herauf kamen langsam mehrere Reiter mit nebenhergehenden Offizieren sprechend . Es war der Admiral Korniloff , der mit seinem Collegen Novossilski herankam . Seit dem Tagesgrauen war der General-Stabschef des Fürsten Menschikoff , dem die Vertheidigung der Festungswerke anvertraut war , zu Pferde und beritt die einzelnen Theile . Ein Urrah der Matrosen begrüßte den geliebten Führer . » Nun , Kinder , « sagte der Admiral , » ich fürchte , es wird heute heiß her gehen , aber ich kenne Euch und weiß , was Ihr leisten könnt . Bei Euch wird der Lärmen zuerst anbrechen , deshalb bin ich hierher gekommen . Sieh ' da , Barjatinski ! Guten Morgen , Kamerad ! « Er reichte dem Fürsten die Hand . - » Ah , meine Wackern von der Maria - toller Koschka und Du , Bolotnikow , und der alte Schewtschenko . Wo ist Rostislaw , Euer Batterieführer ? « » Ich habe ihm die Batterie dort drüben anvertraut , welche die Leute das Krähennest nennen . « » Charoscho . Er wird seine Schuldigkeit thun . Was starrst Du mich so trübselig an , Fürst Petrowitsch , da wir doch zum Tanz gehen « ? Der junge Mann trat an den Admiral und deutete mit der Hand auf eine seltsam geformte breite Waffe , die derselbe als Seitengewehr angeschnallt trug . Es war eine Schaschka6 von alterthümlicher Arbeit , die breite Scheide mit großen Stahlbuckeln belegt , der Griff von künstlich ciselirter Arbeit . » Excellenz « , sagte der Fürst , » es betrübt mich , daß Du die Waffe heute trägst . Ich bitte Dich , lege sie ab und nimm meinen Säbel . « » Närrchen ! kommst Du wieder mit der alten Geschichte . Ich hatte die Schaschka zufällig zur Hand , aber da sie an meinem Gehenk ist , mag sie daran bleiben . Wir haben keine Zeit zu Ammenmährchen und vor den Kugeln der Feinde steht der Admiral wie der Lieutenant . Leih ' mir Dein Glas , Söhnchen , und laß mich sehen , was die Franzosen beginnen . « Er stieg vom Pferde und setzte sich an den Posten dem Signalmanns auf die Blende , das Fernrohr am Auge , während seine Begleiter und die Offiziere der Bastion ihre Blicke gleichfalls nach den Batterieen der Feinde richteten . » Wir werden das Feuer der drei Batterieen dort auszuhalten haben , « sagte der Admiral , » ich zähle 27 Enceinten , und wenn mich das Auge nicht täuscht , dort in der rechten sechs stattliche Mörser . - An die Geschütze , Kinder - ich glaube , sie beginnen ihr Feuer ! « Von dem Thurm der Kathedrale schlug es eben halb Sieben . Die Glockenschläge waren noch nicht verklungen , als aus der dritten französischen Batterie eine Rauchsäule sich emporkräuselte und ein dunkler Punkt im Bogen mit jenem prasselnden Zischen durch die Luft kam , das den Bomben eigen ist . Der Knall hallte durch die Luft und zwei weitere Schüsse folgten unmittelbar darauf . Im nächsten Moment schien die Erde zu erbeben , die Luft zu erzittern . Ueber dreihundert Geschütze schweren Kalibers hatten gleich als hätten sie auf das Signal gewartet , von beiden Seiten auf dem ganzen Halbkreis von der Quarantainebucht bis zum Kilengrund ihr furchtbares Feuer begonnen und schütteten einen Hagel eherner Todesboten rings umher . Korniloff beobachtete unbeweglich auf seinem ausgesetzten Posten die Wirkung des Feuers , während der Unteroffizier , der mit der Signalisirung beauftragt war , ungeduldig und besorgt daneben stand . - » Deine Kugeln schlagen zu niedrig , Birjulew , « sagte der Admiral , » lasse etwas weniger Pulver nehmen , oder visire höher - da - der Schuß that seine Wirkung , der Mörser ist demontirt ! « - Er sprang von der Brustwehr herunter und reichte dem Mann das Glas , der alsbald den gefährlichen Posten einnahm . - » Und jetzt , Lieblinge , da ich Euch in voller Arbeit sehe , will ich Euch verlassen und weiter . Gott schütze das heilige Rußland ! « Der Ruf , wie ein Donnerrollen sich über die ganze fernerspeiende Bastion fortpflanzend , übertönte das Krachen der Geschütze . Nur einen Blick konnten die an den Kanonen arbeitenden Leute auf den geliebten Führer werfen , der mit der Hand winkend sie verließ und am Eingang des bedeckten Weges noch einige Momente bei den auf den Tod oder die Verwundung ihrer Kameraden harrenden Ersatzmannschaften verweilte . Dort drückte er Novossilski die Hand , bestieg den harrenden Schimmel und ritt unter dem Regen der Kugeln nach der Bastion III. am jenseitigen Ende der Südbucht . Fürst Barjatinski hatte den Admiral mit den Augen verfolgt , so weit er ihn sehen konnte . Mit einem trüben Kopfschütteln wandte er sich zu dem neben ihm kommandirenden Birjulew . - » Der heilige Andreas möge ihn schützen , aber ich fürchte , wir sehen ihn nicht wieder . Die verfluchte Schaschka ! « Fragend schaute ihn der Offizier an . Aber die Antwort blieb der Befragte ihm schuldig unter dem Donner der Geschütze . - » Eine Bombe für uns - sie ist bitterböse ! Aufgepaßt links ! « schreit der Signalist und das Krachen der einschlagenden gewaltigen Hohlkugel in die Batterie selbst mahnt zur Vorsicht . Man wirft sich zur Seite , dennoch reißt die platzende Bombe sechs Mann zu Boden . Einige sind todt , Anderen hat sie Arme und Beine abgerissen , Blut und Fleisch spritzen umher - aber die Geschütze sind zum Glück unversehrt . Man hört kein Stöhnen , keine Klage ; die Träger springen herbei und bringen die Verwundeten nach dem Verbandplatz im Schutz der Kasematten . Andere Leute treten an das Geschütz - » Eins ! - Zwei ! - Sechs ! - Feuer ! « - und die Kugel fliegt wieder gegen den Feind . Matrosen schleppen ein Reservegeschütz herbei für eine von einer Vollkugel getroffene Kanone oder bringen frische Cartouschen . Eine Granate schlägt in die Brustwehr ein , platzt und nimmt ein Stück Erde mit hinweg . » Leute nach oben ! « ertönt die Stimme des Kommandeurs der Batterie . » Eine Bombe ist in die Blendung geschlagen . « - » Ja , Euer Gnaden . « - Die Todesmuthigen springen nach der Decke der Wölbung und in einem Augenblick ist der gewaltige Trichter mit Erde und Steinen verschüttet . Da saust eine zweite Bombe durch die Luft und das unglückliche Geschick führt sie auf dieselbe Stelle , die Decke wird durchschlagen , die gewaltige fünfzigpfündige Kugel springt und zerschmettert ein Dutzend Tapferer ! Es ist 10 Uhr . Dicker Pulverdampf erfüllt die Batterieen . Die Bastion gleicht dem speienden Krater eines Vulkans , die Männer an den Geschützen , bis an die Hüften entblößt , von Schweiß , Erde und Pulver mit einer dicken Kruste überdeckt , aus dem schwarzen Gesicht nur das Auge weiß und grimmig leuchtend , arbeiten wie die Teufel ; die Offiziere gehen auf und ab und dirigiren das Feuer . Vollkugeln , Granaten , Bomben fliegen , pfeifen , zischen , schlagen ein , platzen , ricochettiren nach allen Richtungen . Jeder ist nur mit dem Zerstörungswerk beschäftigt , Niemand achtet auf die eigene Gefahr ! Ein donnerndes Urrah ! erschüttert das Gewölbe der Batterie . Aus der ersten Schanze der Feinde ist ein mächtiger Feuerstrahl durch den Pulverdampf emporgestiegen , ein gewaltiges Krachen übertäubt den Donner der Geschütze auf der meilenlangen Feuerlinie : das Pulvermagazin der französischen Batterie ist in die Luft geflogen ; - drei Viertelstunden vorher hat die vierte feindliche Batterie dasselbe Schicksal gehabt und mehr als 50 Mann wurden dabei getödtet und verwundet . Die übrigen drei französischen Batterieen waren jetzt nicht mehr im Stande , das fürchterliche Feuer der drei Ssewastopoler Bastionen und der zahlreichen Batterieen kräftig zu beantworten und der General Canrobert überließ es dem Kommandanten der Artillerie , Thiry , den Kampf nach eigenem Ermessen einzustellen . Um 11 Uhr schwiegen sämtliche französische Batterieen . Von den fünf war die eine durch das explodirende Pulvermagazin gänzlich vernichtet , in den anderen waren 19 Geschütze demontirt . An 400 Todte und Verwundete blieben in der französischen Parallele . Aber auch der Verlust und die Zerstörung in den russischen Werken war nicht unbedeutend . Auf dem Kampfplatz , von dem wir den Leser der Eröffnung des Feuers haben beiwohnen lassen , lagen zwischen Blut und Trümmern , keuchend von der gewaltigen Anstrengung , die erschöpften Kämpfer an ihren Kanonen , die frische Luft in die erhitzten Lungen saugend , die der Wind durch die breiten , von den Kugeln der Feinde erweiterten und zerrissenen Schießscharten herein wehte . Auf der Blendung standen die Offiziere , die dem Kugelregen glücklich entgangen , oder doch nur leicht verwundet worden waren , und schauten nach der feindlichen Flotte , deren letzte Schiffe merkwürdiger Weise eben erst von den Dampfern in die Schlachtlinie bugsirt worden waren und die jetzt ihre Breitseiten gegen die Rhede-Forts und die drei östlichen Bastionen kehrten , zum Gefecht fertig . - » Der Spektakel , « sagte Novossilski , » wird sogleich wieder auf ' s Neue angehen ; es ist gut , daß wir Luft haben von der Landseite . Ich begreife nicht , warum die hölzernen Rosse Alt-Englands uns so lange Ruhe gelassen . « » Ich wette fünfzig Rubel , der Admiral befindet sich in der Quarantaine und wartet dort auf den ersten Gruß , sonst hätten wir ihn längst wieder hier gesehen . « » Ich glaube eher , « sagte Barjatinski , » er ist auf der andern Seite der Bucht , das Feuer ist dort noch sehr heftig und er mag die Engländer nicht leiden . « » Was meintest Du vorhin mit der Schaschka , Kamerad ? « fragte der Lieutenant Birjulew . Der Fürst blickte nach den feindlichen Schiffen . - » Ihre Signale fangen an zu spielen , wir haben also noch fünf Minuten Zeit und ich kann Ihnen die unheimliche Geschichte erzählen , die mir das Herz schwer macht . Der Teufel hole die Schaschka ! « » Was hat der Teufel mit der Schaschka zu thun , die mir eine schöne alte Waffe zu sein schien ? « » Vorzüglich ; der Stahl der Klinge ist wundervoll . Sie gehörte dem armen Schelesnow , den vielleicht Einige von Ihnen gekannt haben . Er war als Courier nach Tiflis geschickt worden und hatte sie auf der Reise von dort nach Suchum-Kale für dreißig Rubel gekauft . « » So billig ? « » Das meinte ich auch , doch Schelesnow erwiederte mir , daß sie Niemand hätte kaufen wollen eines Aberglaubens wegen . - Die Schaschka hatte unter den Tschetschenzen den Ruf , Jeder , der mit derselben in den Kampf ginge , würde unfehlbar umkommen oder tödtlich verwundet . « » Und er kaufte sie dennoch ? Ich meine , die Seeleute sind gerade sonst abergläubisch . « » Schelesnow spielte den Freigeist und lachte über die Sage , als er sie mir erzählte . Es war am Bord des Wladimir , als wir mit Admiral Korniloff von Varna kamen . Wir stießen auf das türkische Dampfschiff Pervas Bachre und unsere Kanonenkugeln begrüßten es . Wir fuhren auf Kartätschenschußweite heran und unsere Mannschaft machte sich fertig zum Entern . Ich sah , wie Schelesnow den kaukasischen Säbel umschnallte . - Haben Sie die verhängnißvolle Eigenschaft vergessen ? fragte ich ihn . Er antwortete : Gott bewahre , aber ich glaube nicht daran , und eilte auf das Verdeck . Der Kartätschenschwarm sauste uns über die Köpfe , als ich zur Batterie kam , um die Anordnungen zur Abordage zu treffen . Da sehe ich , wie die Matrosen einen verwundeten Offizier aufheben , aus dessen Brust sich das Blut stromweise ergießt : es war Schelesnow , eine Kugel hatte ihn in die Brust getroffen , fünf Minuten später , nachdem er die Schaschka angeschnallt , und nun klirrte sie , von der Leiche nachgeschleppt , gegen das Verdeck7 . Ich ergriff die verhängnißvolle Klinge und wollte sie in meiner ersten Aufwallung über Bord werfen ; aber unwillkürlich erfaßte mich ein unüberwindliches Gefühl , dieselbe zum Andenken an den gefallenen Kameraden aufzubewahren , und ich that es . « » Aber wie kommt die Schaschka in den Besitz des Admirals ? « » Er befahl mir , den Nachlaß Schelesnow ' s aufzunehmen und er wurde , wie es Sitte , vor dem Mast versteigert . Dem Admiral gefiel die unglückliche Waffe und er überbot mich . « » Und sagten Sie ihm Nichts von ihren schlimmen Eigenschaften ? « » Ich that es , aber er lachte mich aus und meinte , er glaube nicht an Vorurtheile und ich wäre eben so gefährdet wie er . Sie haben es vorhin nochmals mit angehört . Mir war weh um ' s Herz , als ich ihm die Schaschka überreichte und ich zürnte mit mir selbst , daß ich nicht dem unbegreiflichen Wunsch , sie aufzubewahren , statt sie in ' s Meer zu schleudern , widerstanden . Der Admiral aber scheint eine besondere Liebhaberei an der Waffe zu haben , denn schon mehrfach sah ich sie ihn tragen . « » Ohne daß sie ihm geschadet hat ? « lachte der Sappeur-Capitain . » Der Admiral ist seitdem noch in keinem Gefecht gewesen , « sagte kopfschüttelnd der Seemann . » Ich wünschte , es wäre Abend , wie es jetzt - « er sah nach der Uhr - » Mittag ist . - Und da kommt Arbeit für uns ! « An der Signalleine der » Queen « flatterte das Signal » Fertig zum Feuern ! « und die Breitseite des riesigen Dreideckers hüllte sich in Feuer und Rauch . In der nächsten Minute legte sich ein Flammengürtel über die ganze Breite der Rhede , Land und See war in Dampf gehüllt , die Bomben kreuzten hoch durch die Luft und schmetterten auf die Stadt und hinüber über die Bucht bis zum Malachof-Hügel und der furchtbare Kampf begann auch auf dieser Seite auf ' s Neue . Während die Batterieen der Westseite der Stadt , das Constantin- , Alexander- und Quarantaine-Fort mit einem furchtbaren Feuer der vereinigten Flotte antworteten , dauerte der Kampf auf der Ostlinie gegen die englischen Batterieen ununterbrochen fort . Dieselben waren zweckmäßiger als die französischen in der Entfernung von 600 Schritt von den russischen Werken erbaut und litten daher weniger von dem Feuer . Zahlreich mit schwerem Geschütz - dreiundsiebenzig 68- , 46- , 32- und 24pfündigen Kanonen und zehnzölligen Mörsern bewaffnet und mit einem