in der Spekulation betheiligt . Freilich bekommen sie dabei oft die ärgsten Ohrfeigen ; denn es ist eine alte Regel , daß über kurz oder lang die kleinen Spekulanten der Börse von den großen aufgefressen werden . Die Großen verstehen ihr Handwerk . So wird es dem Börsenkönig nicht einfallen , wenn er verkaufen will , dies auf der Börse zu thun . Im Gegentheil , dort kauft er einzelne Posten des Papiers und streut den Leuten damit Sand in die Augen , während in allen Ecken seine lange vor Beginn der Börse instruirten Agenten die wahren Geschäfte für ihn machen . Im Uebrigen zahlt ihre Existenz das Publikum durch die Courtage und die Kunst des Schneidens . Bitte , wenden Sie das Auge dort auf jenen Mann . Der Schacher ist ihm jedem Zuge ausgeprägt und der Mensch ein originelles Exemplar der Jobberei . Er hat immer eine Parthie Uhren , Brochen , Brillanten und dergleichen zur Hand , die er förmlich als Prämie für ein Geschäft ausbietet . Sehen Sie , eben ist er wieder daran , ein Geschäft zu machen , lassen Sie uns den Spaß haben , einen Augenblick näher zu treten und ihm zuzuhören . « Der alte Mann , den das charakteristische Zeichen orientalischer Schlumperei , die über den fettigen Rock heraushängenden Kragenbänder und eine fast in den Mund sich krümmende Nasenspitze kenntlich machte , hielt einen jungen Kaufmann beim Rockknopf fest . » Woll ' n Se mer liefern acht Mecklenburger zu Einundvierzig en Viertel , Herr Lehmann ? Wissen Se was , ich geb ' Sie diese gold ' ne Uhr mit de dicke Berlocks zu . Wie , Se wollen nich machen den Rebbes ? Aach gut . Se sollen haben vier Nordbahn-Kinder , Fünfundvierzig drei Viertel und diese Busennadel . « » Der Werth der beiden Pretiosen , « sagte lachend der Courtier , » ist mit einem kleinen Profitchen dem der Procente gleich , um welche der Alte die Papiere höher oder niedriger schachert . Doch lassen Sie uns zu Ende kommen mit der allgemeinen Charakteristik . Die vierte Kategorie besteht aus dem Troß , der neben den beiden andern herläuft und den Vermittler und Pfuschmakler spielt : die sogenannte Coulisse , alte bankerotte Ganner und junge unverschämte Bengels von fortgejagten oder fortgelaufenen Commis , eine Rotte von Tagedieben , zu faul , um wirklich zu arbeiten , aber schlau genug , um sich hier überall aufzudrängen und täglich ein oder zwei kleine Geschäftchen zu erluchsen , die ihnen durchschnittlich vier , fünf Thaler , häufig auch noch Besseres abwerfen , jedenfalls weit mehr , als der ehrliche Commis bei angestrengter Arbeit verdient . Wenn sie am Ultimo nicht zahlen können , bleiben sie eine kurze Zeit fort oder lassen sich hinauswerfen . Die Sorte ist wir die Schmeißfliegen , zu jeder List und jeder Gannerei bereit ; es laufen ihrer über Hundert umher , und das Publikum muß sie täglich mit fast tausend Thalern ernähren , um die ihm die Pariere vertheuert werden . Zum Glück ist wenigstens unsere Börse noch ziemlich rein von dem Besuch der Privaten ; das Publikum , das bereits in allen Ständen massenhaft speculirt , liegt noch in den Händen der großen und kleinen Banquiers , und nur Wenige kommen selbst . Da ist ein Exemplar . Sehen Sie da an dem Baum links den langen schwarzgekleideten Herrn , welcher mit einem meiner Kollegen spricht ? « » Den mit der Brille ? ja . « » Er ist Hauslehrer bei dem * * * Gesandten . Bei der türkischen Kriegserklärung , die er von seinem Prinzipal erfahren , wagte er sich auf das Glatteis der Börse und gab mir einen Auftrag . Er gewann , indem er sein ganzes Erbtheil , 400 Thaler , wagte , damit das Doppelte und speculirt seitdem fortwährend , bis - - Da drüben am Gitter des Museums neben Piefke mit seinen weißen Mäusen und Inseparables , die nur zusammenleben und die er einzeln verkauft , - steht ein Bild von dem gewöhnlichen Ende solcher Privatspeculanten . « » Der Mensch in dem desolaten Aufzug , der so unverwandt hieher schaut ? « » Vor zwei Monaten noch hatte er Credit für Tausende , obschon er längst ruinirt war . Der Mann besaß zwei Häuser in der Friedrichsstraße und ein gutes Geschäft . Als der Actienschwindel bei uns begann , wollte er mit Gewalt seinen Wohlstand zu Reichthum machen und ließ sich , obschon er nicht das Geringste davon verstand , mit einem Spiritusspeculanten ein . Später , um sich herauszureißen und die erlittenen Schlappen zu decken , machte er in rheinischen Actien und verlor in Zeit eines Vierteljahrs 75,000 Thaler . Er ist jetzt ein Bettler , aber so auf das Börsenspiel versessen , daß er täglich wenigstens hierher kommt , um von ferne zuzusehen . Seine Familie hat jetzt oft kaum das trockene Brot . « » Solche Beispiele werden durch die entgegengesetzten aufgewogen , es fehlt gewiß auch hier nicht an Leuten , die rasch reich geworden . « » Im Gegentheil , sie schießen wir Pilze aus der Erde und Niemand weiß oft , woher die Mittel zu der Verschwendung kommen , die sie so plötzlich entwickeln . Der Herr im grünen Reitfrack , der sich dort rechts nach Kalau drängt , - entschuldigen Sie , Sie verstehen den Kunstausdruck nicht , jener Fleck heißt bei uns Kalau , und die große Gesellschaft der beschriebenen dritten Kategorie , die sich dort zu postiren pflegt , heißt man Kalauer , - also jener Herr hatte , wie unsere meisten Kleiderjuden , bereits zwei Mal Bankerott gemacht , sich aber damit im Gegensatz zu ihnen völlig ruinirt , so daß er , um den Executoren zu entgehen , nirgends eine bleibende Wohnung hielt . Seit vier Wochen fährt er mit einem eleganten Tilbury , nimmt im Opernhaus nur Fremdenloge , trägt täglich vier Paar strohgelbe Handschuhe und führt Signora Caspari in den Pariser Keller . Bis zu einer Tänzerin hat er es freilich noch nicht gebracht , so gern er auch den Baron spielen möchte . « » Welche Papiere haben ihn denn so plötzlich reich gemacht ? « » Reich - Börsenpapiere ? Beides weniger . Er ist Commissionair geworden und makelt in Rittergütern ; auf die Börse kommt er nur so nebenbei . « » In Rittergütern ? - ich denke , der preußische Adel conservirt sein Grundeigenthum ? « » Die Gütercommissionaire sind jetzt ein coulantes Geschäft und vermehren sich täglich . Die Zeitungen wimmeln von ihren Anzeigen , in denen sie herrschaftliche Güter jeder Art und Größe zum Verkauf anbieten , und wenn auch drei Viertel dieser Annoncen notorisch erlogen sind , so verstehen sie doch bei dem bleibenden Viertel die beiden Parteien so gründlich zu schröpfen , daß der Wucher , der mit dieser Erscheinung eng zusammenhängt , daneben eine Tugend ist . Nun , Herr Levi , « - er sprang rasch zu einem Vorübergehenden , - » wollen Sie noch eine kleine Post Nordbahn-Väter ? « Der kleine dicke Mann , den er angeredet , rieb sich innerlich lachend die Hände . » Was soll ich thun damit , Herr von Treumund ? Einstweilen wollen wir abwarten die Bestätigung von die Nachrichten von die Tataren und von die Schiffscapitaine von ' s Schwarze Meer . Sie wissen , Freund , ich bin vorsichtig . « » Das ist ein schlimmes Zeichen , « flüsterte zurückkehrend der Courtier zu dem Grafen . » Der Mann ist der Geldfaiseur höchst einflußreicher , ja hoher Personen , die rechte Hand von Leuten , die am Staatsruder sitzen , und in vielen Beziehungen ein höchst scharfsinniger Patron . Eine Hand wäscht die andere und Geldgeschäfte und Lieferungen haben ihn zum reichen Mann gemacht . Gewiß sinnt er dafür schon , welchen Patriotismus er am Königs Geburtstag an ' s Lampenlicht stellen oder welche neue finanzielle Denkschrift er für einen seiner Mäcens vom Stapel lassen wird . Der Mann wirft Hunderte fort für eine seiner rastlosen Launen und schlägt dafür einen jungen Handwerksmann halb todt , weil dieser sich nicht ein Viertel seiner Rechnung kürzen lassen will . Aber ich muß ihm nach und ihn zu einem , wenn auch noch so kleinen Geschäft bewegen . Hier auf der Börse achtet man auf Alles . « Er schoß davon . Aus dem Menschenstrom , der aus dem Börsensaal nach dem Vorplatz und zurück wogte , drängte sich ein kleiner noch ziemlich junger Mann mit gebogener orientalischer Physiognomie und etwas Kreuzfeuer in den Augen voll zuckersüßer Aufdringlichkeit zu dem österreichischen Cavalier . » Ganz gehorsamster Diener , Herr Baron , freut mich , die Ehre zu haben , Sie wiederzusehen . Sagen Sie mir , Sie müssen ' s wissen , Sie sind Diplomat , ist es wahr , daß gedonnert haben die Kanonchens am Invalidendom ? Wie käme der Tatar dazu , zu bringen eine falsche Nachricht an Omer-Pascha , er muß es wissen wenn auch versiegelt geblieben ist die Depesche ; 22,000 Russen gefangen , der Kaiser Napoleon ist bei Gott ein großer Mann ! Was sagt der Herr Gesandte dazu ? « Der junge Diplomat betrachtete mit einem gewissen vornehmen Mißbehagen den kleinen Hebräer . » Ich habe nicht das Vergnügen - « » Herr Baron , Sie werden mir kennen , - ich habe die Ehre gehabt auf dem großen Ball bei Herrn von Magnus ; unsere Firma ist unter den Linden - was meinen Sie , könnte man einen Schlag wagen ? ich werde Sie betheiligen mit zehn Prozent . « Der Ataché verbeugte sich ablehnend . » Bemühen Sie sich nicht , ich spiele nicht an der Börse . « » Schade ! - Auf ein Wort , Herr Meyer ! Was denken sie ? die österreichische Gesandtschaft ist hier auf der Börse , sie hat mir eben eine wichtige Mittheilung gemacht ; lassen Sie uns kaufen , Dreiundachtzig ein Halb , das Geschäft ist gut . « Das Gedränge entführte ihn . In seinem Schutz war der Abbé zu dem Sardinier getreten . » Sehen Sie dort die beiden Männer , die eben mit unserm Courtier sprechen ? « » Der Eine sieht hierher ? « » Richtig ; es ist der wiener Polizei-Agent , der Andere ein hiesiger Beamte . « » Der Mensch hat eine vertrackte Physiognomie , so schmuzig und tückisch . Unser würdiger Bandit Sta Lucia , der wer weiß wo ein Ende genommen haben muß , war ein Apollo gegen dies Galgengesicht . Wie heißt das Subject ? « » Heller . Er ist ein verdorbener Advokat von wenig ehrenvollem und moralischem Ruf , machte schon vor 48 den Polizeispion in Pesth und lieferte manchen Patrioten nach dem Spielberg . Bei der Revolution spielte er plötzlich den Republikaner , half das Zeughaus stürmen , wenigstens rühmt er sich dessen , drängte sich bei allen Demonstrationen vor und vertheidigte die Hochverräter und Majestätsbeleidiger . Später , nachdem das Handwerk der Demokratie nicht mehr ging , wußte er sich wieder in den Polizeidienst zu bringen und nimmt zur Schande des Kaiserstaats und zum Aerger aller ehrlichen Leute eine hohe Stellung darin ein , ja man hat sich so weit vergessen oder mit ihm eingelassen , daß man ihm sogar Orden des Landes aufgehängt hat . « » Und wie nimmt er sich jetzt gegen die Demokratie ? « » Er verfolgt sie als Renegat auf das Bitterste , obschon ich überzeugt bin , er würde gern Cartel mit uns machen , wenn wir dazu geneigt wären . Im Uebrigen erlaubt er sich jede Willkür und Dinge , die jeden Andern vor die Schranken des Kriminalgerichts bringen müßten . Man hat ihn entweder zu tief in die Karten schauen lassen oder braucht ihn zu nothwendig . Wir können dabei nur gewinnen , denn sobald das monarchische System erst zu dem Grundsatz kommt , die sogenannte Treue und die Ehrenhaftigkeit und Moralität des Standes einer Nützlichkeit der Person zu opfern , untergräbt es selbst das vielgepredigte Rechtsbewußtsein im Volk , entkleidet seine Aemter und Auszeichnungen des Nimbus , und das Gewissen des Volkes fällt uns in die Hände . - Vorläufig aber müssen wir uns der Macht des Augenblicks fügen und ich bitte Sie daher , daß Sie mich in einer nicht auffallenden Weise mit Ihrem Begleiter bekannt machen und in ' s Gespräch bringen . Das wird vorläufig jenen irritiren und uns vor Belästigungen oder Nachfragen sichern . « Der Gesandtschafts-Cavalier hatte sich eben wieder nach dem kleinen Intermezzo zu seinem Begleiter gewendet , der ihm rasch den Gefährten als seinen Banquier und Geschäftsführer vorstellte und beide in ein Gespräch verwickelte . » Mon Dieu ! Diese Leute scheinen mir alle den Kopf verloren zu haben über die gestrigen und heutigen höchst unzuverlässigen Nachrichten , « sagte der junge Diplomat . » Wer wird einer türkischen Depesche glauben und noch dazu einem bloßen Gerücht ! Aber überall , wo man sich hinkehrt , hört man von Nichts als von diesem merkwürdigen Tataren und der Schiffernachricht . « » Ich bitte Sie , Baron , « flüsterte der Graf , » stören Sie die Leute nicht in ihrem Glauben . Die erste Regel in der Diplomatie ist , keine eigene Meinung zu haben . Wir sind hier , um uns an diesem Treiben zu amüsiren und zu belehren , und da kommt auch unser gefälliger Cicerone zurück . « Ein Blick verständigte den Abbé mit dem Courtier , daß die Geschäfte im vollen Gange . Der Attaché wollte die Gelegenheit nicht vorbeigehen lassen , sich über preußische Verhältnisse zu unterrichten . - » Ich habe gehört , daß Ihrem Hypothekenwesen jetzt in gefährdender Weise die Kapitalien entzogen und der Speculation zugewendet werden , « sagte er . » Auf meinen Gängen durch die Straßen bemerkte ich , daß sich die Zahl Ihrer Banquiers bedeutend vermehrt ! « Der Courtier verzog den Mund . » Wer ist heutzutage nicht Banquier ? « Nicht Jedermann ist so bescheiden , wie die hübsche kleine Frau eines dicken Freundes von mir , die , vor Kurzem bei ihren Verwandten in Schlesien zum Besuch , von diesen in einem Kaffeeklatsch als Frau Banquier Langsam aus Berlin vorgestellt wurde und zum Entsetzen der Familie spöttisch berichtigte : » Mit Erlaubniß , wir machen vor der Hand blos kleinen Wucher ! « - Der Baron lachte . » Was die Zahl dieser sogenannten Banquiers betrifft , « fuhr der Courtier fort , » so vermehrt sie sich allerdings , wie die Fliegen , und geht unter dieser Firma frei aus vor der Staatsanwaltschaft . Denn alle Geschäfte dieser kleinen Meute des Geldmarkts gehörten eigentlich vor deren Forum . « » Wie das ? « » Es ist leicht erklärt . Jeder angehende Handelsagent , der ein Bischen Witz und Credit hat und die Anfertigung einer eleganten Firma nebst einer Pränumerandomiethe in einer noblen Verkehrsstraße bezahlen kann , etablirt sich jetzt als Banquier , sucht Bekanntschaften und offerirt seine Dienste zu Geldgeschäften . Bei der Art , wie sie diese Geschäfte dem Publikum gegenüber ausbeuten , müssen diese Leute sämtlich reich werden , wenn sie eben nicht wieder auf eigene Hand speculirten . Ich will Ihnen einmal vorrechnen , wie das Publikum von den Banquiers in die Scheere genommen wird . Ein Besitzer , der kaufen oder verkaufen will , giebt z.B. einem Banquier den Auftrag , 6000 Thaler Berlin-Hamburger Actien ihm zu verkaufen . Der Banquier berechnet dafür an erlaubten Vortheilen zunächst halbe Courtage für den Makler , während er wahrscheinlich das Geschäft selbst gemacht hat , daß heißt 1 / 2 per mille , also hier 3 Thaler , Provision für die Besorgung 1 / 6 Prozent , also hier 10 Thaler . Sie werden mir zugeben , daß 13 Thaler für ein ganz kleines müheloses Geschäft schon ein recht hübscher Verdienst wären . Aber man ist weit entfernt davon , sich damit zu begnügen ! Es gilt , den Committenten nach dem Kunstausdruck zu schneiden , und das geschieht in folgender Weise . Der Agent schlägt die Papiere an der Börse für 1091 / 2 los und berechnet seinem Auftraggeber 109 , höchstens 1091 / 4 dafür , vielleicht auch gar nur , wenn ' s ihm bei den Notirungen glückt , 1081 / 2. Das ist demnach ein kleiner Extraprofit von 15 , 30 oder 60 Thalern bei dem einzigen unbedeutenden Geschäft , ohne das geringste Risiko , und im Grunde doch nichts Anderes als Betrug . « » Aber kann derselbe nicht nachgewiesen werden ? « » Das ist fast unmöglich . Sie werden bereits bemerkt haben , daß zu gewissen Personen hier fortwährend die Leute sich herandrängen und ihnen eifrig zusprechen . Es sind dies die vereideten Makler , welche die Course zu notiren haben , oder die Börsen-Berichterstatter der Zeitungen . Diesen Personen , wenn sie nicht selbst betheiligt sind , was bei der Presse sehr häufig der Fall ist , weiß man auf alle mögliche Weise die Notirungen nach dem eigenen Vortheil aufzudrängen . Man sagt ihnen , hier hab ' ich eben zu dem und dem Cours gekauft oder verkauft , und auf ein Vierteloder ein halb Prozent ist die Sache oft gar nicht zu unterscheiden . Deshalb auch finden Sie erstens in den öffentlichen Notirungen die bezahlten Course oft in verschiedenen Steigerungen notirt , und in den fünf oder sechs Courszetteln , die hier an der Börse herauskommen und zum Theil auf diese Spekulation gegründet sind , die Course sehr häufig ganz verschieden angegeben . Der Banquier hält nun die sämtlichen Courszettel , vielleicht von jedem ein Dutzend im Abonnement , er sucht sich für das bezeichnete Geschäft gerade den Courszettel heraus , der ihm zum Schneiden am vortheilhaftesten paßt , legt ihn bei der Berechnung seinem Committenten bei , und dieser schwört noch darauf , wie solide der Mann ihn behandelt , während er schändlich über ' s Ohr gehauen ist . Das , meine Herren , nennt man Börsen-Usance , und diese Usance herrscht nicht etwa blos bei den Jobbers und Kalauern ! « » Die große Presse könnte hier viel dagegen thun . « » Die Presse , Herr Baron , wird im Gegentheil auf das Schändlichste mißbraucht und verbreitet die Täuschung im ganzen Lande . Die Redacteure der großen politischen Zeitungen verstehen fast durchgängig Nichts von den Börsengeschäften und müssen diesen Theil ihres Blattes den engagirten Berichterstattern überlassen . Nun ist es leicht zu begreifen , wie die auftauchenden großen Geldinstitute bedacht sind , die Notirungen ihrer Papiere zu treiben . Wir haben Scandalfälle gehabt , nicht blos in Wien , sondern auch hier , daß die Börsen-Berichterstatter der politischen Zeitungen mit 20 , 30 , 50,000 Thaler Actien betheiligt werden , blos um ihr Interesse dafür zu gewinnen . Das Manöver ist ganz gewöhnlich ; die geheimen Akten der Institute in Braunschweig , Darmstadt , Dessau etc. könnten Wunderdinge davon erzählen . In den meisten Fällen bleibt die Sache natürlich diskret , nur zuweilen bei widerwärtigen Börsenzänkereien platzt die Bombe , es kommt ein förmlicher Handel mit den Notirungen und Poussirungen zum Vorschein , wie es vor einiger Zeit mit einer großen hiesigen Zeitung passirte ; man wechselt die Berichterstatter und - die Sache bleibt beim Alten ! Zum Theil auch - wie jener kleine Orientale dort , der so eifrig umherschiebt - spekuliren die Herren auf eigene Hand . Mundus vult decipi - es kommt Alles nur auf das Air an , mit dem es geschieht ! « » Aber den großen Banquiers kam diese Pfuschbörse doch unmöglich recht sein ? « » Es ist Nichts dagegen zu machen ; das Einzige , was sie thun können , ist , manchmal Einem oder dem Andern einen Genickschlag beizubringen , der ihm eben so rasch zum Bettelstab hilft , wie er reich geworden . Bemerken Sie den großen Mann da ? - er ererbte ein Vermögen von 200,000 Thalern und eines der brillantesten Geschäfte ; das Vermögen ist durch die Spekulation in Spiritus und Getreide binnen zwei Jahren verloren gegangen . Sehen Sie dort die orientalische Physiognomie ? - der Besitzer kam reich von Breslau hierher , spekulirte vortrefflich und verzehnfachte sein Vermögen . Seit drei Monaten aber fällt ihm jede Spekulation an der Börse gegen , es ist , als ob er mit Blindheit geschlagen wäre . Ich gebe nicht 1000 Thaler mehr zu Gunsten seiner Bilance , und fährt er noch vierzehn Tage so fort , so ist die Pleite unausbleiblich . « » Aber warum stürzt sich der Mann in sein Unglück ? « » Ein Jeder ist der Schmied seines Schicksals und seines Goldes . Es ist das Börsenfieber , das ihn ergriffen , und das so gut existirt , wie das Fieber am Roulet . Er wird daran verbluten , denn er ist ein ehrlicher Jude , dem der ehrliche Name über das Leben geht , und statt Bankerott zu machen , wie hundert Andere thun würden , wird er es mit dem Leben zahlen . Der Fall ist noch kürzlich mit einem reichen Banquier vorgekommen , der des Wuchers angeklagt war . Glauben Sie mir , meine Herren , das Spiel an der Börse ist verführerischer und zeigt ärgere Leidenschaften ruft krasseren Jammer hervor , als der verpönte grüne Tisch in Homburg oder Baden-Baden ! Nicht Alle wissen und wollen aus dem Bankbruch ihrer Habe oder ihres Rufs hervorgehen , wie jener Herr dort mit der ruhigen gemessenen Physiognomie , der vor einiger Zeit auf der Leipziger Messe den englischen Fabriken , die ihm Hunderttausende anvertraut , seine Zahlungseinstellung anzeigte , aus gesicherter Ferne 20 Procent bot und , nachdem dies Arrangement geschlossen war , sich jetzt Palast über Palast baut . Da , da - laufen zwei Spekulanten , die , der Eine zwei Mal , der Andere drei Mal , Bankerott gemacht haben und die jedes Mal reicher aus den Arrangements hervorgingen , wie sie gewesen waren . Für Jenen dort schossen vor vier Wochen , als er pleite war , seine guten Freunde an der Börse 1000 Thaler zusammen und heute hat er bereits wieder 20,000 erspekulirt . Und hier , - sehen Sie den Wicht im blauen Frack mit goldenen Knöpfen ? - der Mensch hat mehr als ein Mal wegen Diebstahls in Spandau gesessen und in seinem Vorzimmer antichambriren jetzt Barone und Grafen . « » Ich habe gehört , « bemerkte der Attaché , » daß sich der norddeutsche Adel mehr mit Geldspekulationen beschäftigt , als der unsere . « » Warten Sie , bis Sie die gehörige Anzahl Spiritusbrennereien haben , und es wird eben so sein . Der Spiritus und das Korn ist jetzt ein Spekulationsartikel , so gut wie die Eisenbahn-Actien . D ' rum hat man die Börsen auch zusammengeworfen . Dort am Fenster rechts steht ein Stettiner Jude , der jährlich hier an der Berliner Börse in Zahlen gerade noch ein Mal so viel Getreide in Zeitkäufen verhandelt , als ganz Europa produzirt . Er hat zu gewissen Zeiten tausend Wispel fortwährend unterwegs von einem Börsenort zum andern , blos um die Lieferungen fingiren zu können . Noch vor einigen Tagen machte er einen kolossalen Schlag , indem er über Nacht sämtliches Bahnhofsfuhrwerk miethete , so daß die Verkäufer nicht im Stande waren , die herbeigeholten Vorräthe , wie Börsen-Usance , von den Bahnhöfen in die Stadt zu schaffen und deshalb Tausende als Differenz zahlen mußten . Kaufmann und Produzent spekuliren jetzt mit dem täglichen Brot des Unbemittelten . Jener Mann , der hier vorbeigeht , hatte an einem der letzten Lieferungstage alles Korn aufgekauft und war so bescheiden , den Preis von blos hundert Procent für vierundzwanzig Stunden zu verlangen . Die Differenz wurde diesmal mit den Fäusten ausgeglichen und die Zahlungsart scheint jetzt Börsengebrauch zu werden . « Graf Pisani , der nur wenig auf die Redseligkeit seines Comissionairs gehört , sondern sich leise mit dem Abbé unterhalten hatte , wandte sich zu ihm . - » Die beiden Herren , mit denen Sie vorhin sprachen , sind Polizeibeamte ? Was thun sie hier ? « » Der hiesige Beamte , der bei dem andern dasselbe Geschäft , wie ich bei Ihnen , das des Cicerone , versieht , scheint die Geschäfte eines unserer Hauptfaiseurs zu beobachten , den ich Ihnen bereits bezeichnete . Der Fremde scheint Sie , Herr Thomas , zu kennen , er erkundigte sich besonders nach Ihnen und dem Herrn Grafen und ob Herr Thomas mit dem Herrn Attaché bekannt sei ? « » Und Sie bejahten ? « » Versteht sich ; es standen gerade einige unserer Fixer in der Nähe und hörten jedes Wort . Die Vormundschaft eines unserer Privattheater ist in jener Ecke stark vertreten . Des Abends erscheinen die Herren als Protektoren der Kunst , obschon sie zum Theil nicht in besonderem Geruch stehen , des Vormittags gehören sie zur Kategorie Nummer Zwei an der Börse . Der ältliche Herr dort , der auch dazu gehört , ist mir einer der Liebsten der ganzen Börse , solid und nobel ; dem kleinen Orientalen an seiner Seite ist neulich ein Gastwirth mit 20,000 Thalern durchgegangen und es schwebt ein interessanter Prozeß über die Sache . - Doch in fünf Minuten ertönt die Schlußglocke und ich muß die Notirungen von meinen Geschäftsfreunden sammeln . Da wird die telegraphische Depesche eben verlesen , die seit einer Stunde kein Geheimniß mehr ist . Wenn es Ihnen Vergnügen macht , hören Sie zu . « Der bereits erwähnte mit der Veröffentlichung der Börsen-nachrichten beauftragte Makler stand , von der Menge umdrängt , auf einer Erhöhung und verlas eben jene Depesche , mit der sich damals ganz Europa blamirte . Sie lautete : » Paris , vom 3. Morgens . Der heutige Moniteur bringt eine aus Wien datirte Depesche des dortigen französischen Gesandten Baron Bourqueney mit der Meldung , daß am 30. vorigen Monats in Bukarest ein Tatar mit Depeschen für Omer Pascha eingetroffen , welche wegen dessen Abwesenheit nicht geöffnet worden sind . Nach dem mündlichen Berichte des Tataren ist Sebastopol eingenommen , 22,000 Russen sind gefangen , 18,000 getödtet , das Fort Constantin ist in die Luft gesprengt und sechs russische Linienschiffe sind untergegangen . « Die geheimen Faiseurs , deren Intrigue und Mittel wir angedeutet , machten damit die glänzendste Spekulation . Nachdem die Course durch ihre wohlberechneten Manöver bedeutend im Steigen waren , verkauften sie enorme Summen zu diesen hohen Sätzen für die nächste Abrechnung , gewiß , daß schon in den folgenden Tagen das Ausbleiben der Bestätigung und die entgegengesetzten Nachrichten die Course wieder herabdrücken würden . Die Profite , die damit an den Börsen von Wien , Berlin und Paris in demselben Augenblick gemacht wurden , betrugen über eine Million . Der Abbé war den darauf folgenden Tag mit den Bilancen beschäftig . Als er am zweiten der spanischen Tänzerin seinen Besuch machte und ihr eine Reise und ein Gastspiel in Warschau und Petersburg vorschlug , fand er jedoch unerwartete Ausflüchte , ja zuletzt völlige Weigerung . Zwei Tage nachher war die Spanierin verschwunden , - wie es hieß , in Begleitung des russischen Fürsten Jaboleff . Erst im Frühjahr kam sie unter ' m Schutz ihres neuen Mäcens in den böhmischen Bädern wieder zum Vorschein . Man sagt - so unwahrscheinlich es bei einer Tänzerin lautet - daß sie den Fürsten wirklich geliebt , wenigstens sprach dafür , daß die eigensinnige Donna in alle Launen ihres Geliebten sich mit sclavischer Hingebung fügte . Wie es auch sei , Liebe oder Weiberlaune hatte das Band gesprengt , das sie bisher den geheimen Plänen dienstbar gemacht . Fußnoten 1 Börsenausdruck für Staatsschuldscheine . 2 Statt Zehntausend , nach dem Börsengebrauch . 3 Kinder und Enkel werden die neuen und neuesten Actien-Emissionen genannt . 4 Französisch österreichische Staatsbahn-Actien . 5 Die Börsenbezeichnungen auch in den Courszetteln sind : Brief ( ausgeboten zu dem Cours von ... , ohne Nehmer zu finden ) ; Geld ( gesucht zu dem Cours von ... , aber nicht zu haben ) ; bezahlt ( wirklich gekauft zum Cours von ... ) . II. Die Feuertaufe . Der Morgen des 17. October zog heiter und lieblich herauf , denn in diesem Klima ist der October gewöhnlich der schönste Monat des Jahres . Der Himmel war wolkenleer und auf dem Meer herrschte vollkommene Windstille . Unsere Erzählung hat uns nach Sebastopol zurückgeführt , nach Ssewastopol , dessen Südseite drei Wochen der Unthätigkeit des Feindes und der titanenhaften Anstrengung seiner Vertheidiger zur furchtbaren Festung umgeschaffen hatten . Es ist hier an der Zeit , einige Anführungen über die Befestigungswerke zu geben , an denen der kühne Muth von Tausenden verbluten sollte . Die Befestigungswerke Ssewastopols vor der Krim-Expedition hatten offenbar nur den Zweck , die Flotte des schwarzen Meeres und die ungeheuren Arsenale und Vorräthe dieses Zwingpontus zu sichern und waren daher auch nur auf der Seeseite stark . Ein Angriff von der Landseite durch die Türken , während die russische Flotte das schwarze Meer beherrschte , schien undenkbar , und wir haben gesehen , daß man in unbegreiflicher Verblendung selbst damals , als die verbündeten Armeen schon in Varna lagerten , ihn noch für kaum möglich hielt . In den letzten Jahren der Regierung des Kaisers Nicolaus war zwar ein Plan zur Befestigung auf der Landseite entworfen , aber nur theilweise ausgeführt worden . Die Festungswerke in einer Länge von 6 Werst sollten sowohl die eigentliche Stadt , als auch die Schiffer-Vorstadt ( Karabelnaja decken und sich von der Mündung des Kilen-Grundes1 ) um die Schiffer-Vorstadt herum bis an die äußerste Spitze der Südbucht , von hier um die Stadt ziehen und an das Quarantaine-Fort anschließen . Diese Vertheidigungslinie bestand zur Zeit der Landung der Verbündeten auf der größten Strecke nur aus einer einfachen Steinmauer , durch unvollendete Werke und an einigen Stellen durch zur Vertheidigung eingerichtete Kasernen ( Defensiv-Kasernen ) gedeckt . Ganz vollendet war nur der Theil auf