mag geschehen was wolle . Man wird dann , auch wenn man wollte , nicht mehr im Stande sein , die Sache zu Grunde zu richten . « Die ersten Erfolge des Ordens entsprachen dieser Zuversicht ; viele vornehme , gelehrte und rechtschaffene Männer traten ihm bei , darunter Knigge ( 1780 ) , der alsbald eine besonders umsichtige und energische Tätigkeit zu entfalten begann . Aber diese Blüte , so rasch sie gezeitigt war , so rasch ging sie vorüber . Knigge und Weishaupt , von verschiedenen Ansichten geleitet , entzweiten sich ; der erstere trat zurück , mit ihm eine Anzahl Mitglieder , und so in sich geschädigt und zerfallen , erlag der Orden dem Sturme , der jetzt von außen her ihn traf . Alles Illuminatentum wurde in Bayern , das den Hauptsitz bildete , verboten und Weishaupt 1785 seines Amtes entsetzt . Er fand bei dem Herzoge Ernst von Gotha Aufnahme ; aber der Orden selbst erlag der staatlichen Obergewalt , die ihn , mit Prozessen und Strafverfügungen energisch vorgehend , wie einen Brand austrat . So viel über die Illuminaten . Ein kurzes Leben . Sehr wahrscheinlich , daß dieser Orden , wie so viele andere Verbindungen jener Zeit , ohne Sang und Klang und ohne ein Blatt in der Geschichte vom Schauplatz abgetreten wäre , wenn er nicht während der kurzen Dauer seiner Existenz eine Gegenströmung hervorgerufen hätte , die , berühmter werdend als der Illuminatenorden selbst , diesem alsbald einen Reflex der eigenen Berühmtheit lieh . Mit anderen Worten , das Illuminatentum wäre vielleicht vergessen , wenn nicht der geheimbündlerische Drang sofort einen feindlichen Bruder geboren hätte . Dies waren die Rosenkreuzer , ein alter Name , aber eine neue Sache . Wir beginnen mit einem historischen Rückblick . Die Rosenkreuzer waren eine alte alchimistische Verbrüderung , die weit in die Geschichte zurückgeht . Ihr Stifter war Frater Rosenkreuz , ein Deutscher , wie sein Name bezeugt . Daß ein solcher Mönch wirklich gelebt und mit seinen Adepten die Goldmachekunst getrieben habe , scheint unzweifelhaft ; über diese einfache Tatsache hinaus aber hüllt sich alles in Nebel und die Geschichte vom Tode und von der Wiederauffindung des alten Rosenkreuz gibt sich nicht einmal die Mühe , ihren Fabelcharakter zu verbergen . Diese Geschichte lautet wie folgt : Frater Rosenkreuz , nachdem er seiner Reisen durch Arabien und Afrika und seines vieljährigen Verkehrs mit den » afrikanischen Weltweisen « müde geworden war , begab sich nach England und wohnte nicht weit von London , woselbst er eine unterirdische Höhle errichtete und ein Buch schrieb , worauf er G. L. statt des Titels setzte . Sein Vetter Benedikt Rosenkreuz war gemeiniglich um ihn . Diesem befahl er , bei Ablegung eines großen Schwurs , daß er nach seinem Tode sogleich das Gewölbe zuschließen und eine bestimmte große Tafel davor setzen sollte , worauf die Namen seiner Schüler standen ; den Zugang selbst sollte er mit Erde verschütten . Alles dies geschah mit der größten Genauigkeit , so daß man von Rosenkreuz nichts weiter hörte . Über dieser Höhle stand aber ein sehr alter Akazienbaum , unter dessen Schatten Rosenkreuz öfters seinen Gedanken nachgehangen . Nach einhundertundzwanzig Jahren fiel einem Bauern ein , diesen Baum umzuhauen und seine Wurzeln auszugraben . Er kam an Steinplatten , nahm eine nach der andern fort und ehe er sichs versah , fiel er in eine Höhle fünfzehn Fuß tief in die Erde hinein . Kaum hatte er sich von seinem Fall und Schrecken erholt , so wurde er gewahr , daß diese unterirdische Gruft erleuchtet war , und ein alter , ehrwürdiger Mann vor einem Tische saß und in einem Buche las . Als er ( der Bauer ) sich nun einen Schritt näherte , erhob sich der Alte , der einen Stab in Händen hielt . Bei dem zweiten Schritt hob er seinen Stab in die Höhe , bei dem dritten schlug er so gewaltig auf die Lampe , daß solche zerbrach und erlosch . Der Bauer stürzte vor Schreck nieder ; so fand man ihn und hörte seinen Bericht . Zugleich fand man eine Leiche , die ein Buch in Händen hielt . Dies letztere war das Buch Rosenkreuzers , das alle Weisheit , die Ausbeute seines Lebens , seiner Studien umfaßte . So die Erzählung von Frater Rosenkreuz und seinem Weisheitsbuch . Dies Weisheitsbuch , auf das es ankam , gaben nun die modernen Rosenkreuzer , die wir gleich näher charakterisieren werden , als ihren Besitz aus ; es sei ihnen auf rätselhafte Weise zu Händen gekommen und , um den Verdacht oder den Vorwurf der Modernität von sich abzustreifen , nannten sie sich , eben auf die vorgeblich alte Weisheit gestützt , die Rosenkreuzer alten Stils . Ihr Spruch war : Lux in Cruce et Crux in Luce . Die Welt erkannte sehr bald , und sie sollte es auch erkennen , daß die sich so nennenden Rosenkreuzer mit den wirklichen Rosenkreuzern alten Stils nicht das Geringste gemein hatten und mit Fug und Recht durfte Dr. Semler , der » Vater des Rationalismus « , von Halle aus schreiben : » Seit einiger Zeit haben wir von einer jetzt fortdauernden Rosenkreuzerei so manche wichtige Nachrichten , Nachrichten , aus denen wir erkennen können , daß eine große Partei mit gewiß weit aussehenden Absichten , die Magie und Alchemie nur als Maske benutzt . Ein » Hirtenbrief « dieser Rosenkreuzer , der mir vorliegt , ist ein auffallender Beweis von der dreisten und entschlossenen Denkungsart dieser geheimen Partei , welche ganz merklich es auf eine öffentliche Revolution im Sinne des Rückschrittes absieht .... Die Historie kann es am gewissesten dartun , daß diese jüngeren Rosenkreuzer ganz andere Leute sind als die alten , die kein papistisches Mitglied unter sich duldeten . « Im wesentlichen hatte es der alte Rationalist hier richtig getroffen . Ob Papismus und Jesuitismus da hinter steckten , war damals fraglich und ist fraglich geblieben , aber um Reaktion , um einen Kampf gegen die Neologen und Ideologen , gegen die Aufklärer und Freimaurer , gegen die Demokraten und Illuminaten handelte es sich allerdings , die alten Elemente in Staat und Kirche , ganz wie in unsern Tagen , nahmen einen organisierten Kampf gegen den Liberalismus in allen seinen Gestalten und Verzweigungen auf . Nur die Organisation war verschieden , heute öffentlich in Kammer , Lehrstuhl , Presse , damals geheim in Orden und Brüderschaften . Jede Zeit hat ihre Kampfesformen ; der Kampf bleibt derselbe . Wie recht der alte Semler hatte , darüber gaben die trotz aller Vorsicht und Geheimtuerei nach und nach in die Öffentlichkeit dringenden Schriften des modernen Rosenkreuzertums die beste Auskunft . Umkehr , Absolutismus , Orthodoxie – das war ihr Inhalt . Wir geben einige Belagstellen zunächst aus der » Original-Instruktion für die Oberen der unteren Klassen . « pag . 27 : Der hohe Orden , der die Sache Christi mit Macht und Eifer betreibt , weil sie seine eigene ist , hat die Größe des Menschengeschlechtes sehr am Herzen . pag . 30 : Der Zirkel-Direktor soll den Brüdern tiefe Ehrfurcht gegen den Befehl Gottes einprägen , daß wir hier glauben und dort erst schauen . Er soll ihnen auch die gewisse und freudige Hoffnung machen , daß , bei zunehmendem Wachsthum im Orden , ihr Glaube viele starke Stützen erhalten und sie manches , ihnen jetzt noch Unbegreifliche in den Geheimnissen unserer allerheiligsten Religion mit mathematischer Gewißheit einsehen werden . pag . 88 : Der Orden kettet den Himmel an die Erde und öffnet den versperrten Weg zum Paradiese wiederum . Seine höchsten Vorsteher sind , im allergenauesten Verstande , Freunde Gottes , wahre Jünger Christi , weit über den Rest der Sterblichen erhaben , Meister über die ganze Natur die mit der einen Hand auf das siegreiche Kreuz der Versöhnung gelehnt , mit der andern die lange Ordenskette festhalten . So weit die Auszüge aus der » Instruktion « . Energischer noch traten die Grundgedanken des Ordens , die man vielleicht am besten mit » Umkehr zu Strenggläubigkeit und Mystizismus « bezeichnen kann , in einem 1782 zu Berlin erschienenen Buche hervor , das den Titel führte : » Die Pflichten der Gold-und Rosenkreuzer alten Systems ; von Chrysophiron . « Dies Buch wurde bloß für die Junioren des Ordens gedruckt und sehr geheim gehalten . Ein Exemplar besaß der russische Major Kutusow , der , wie man glaubt , eben dieser Verbindung halber , mehrere Jahre in Berlin lebte und daselbst starb . Dies Exemplar wurde bei der stattfindenden Auktion öffentlich versteigert , und kam dadurch in fremde Hände . In der Vorrede zu diesem Buche fanden sich folgende Stellen : pag . XIII : Gottes Barmherzigkeit über Deutschland hat noch kein Ende , sondern sie ist alle Morgen neu , und seine Treue ist groß . Der ewige Erbarmer hat sich durch das Gebet unserer gütigen Oberen endlich erweichen lassen . Was unsere Väter von sich stießen , das ist nach hundert Jahren ihren glücklichen Kindern , ist Uns , zu Theil geworden . pag . XXXIX : Gott hat sie , hat mich , hat alle Mitglieder unsres hohen Ordens vor Millionen Menschen werthgeachtet , an dem paradiesischen Segen Antheil zu nehmen , den er nach seiner grundlosen Barmherzigkeit bei dem Falle Adams nicht aus der Welt hinausnahm , sondern ihn nur verbarg , damit diejenigen unter den Menschen , welche in allen Jahrhunderten der Welt es werth würden , diesen Segen finden und genießen könnten . pag . XL : Nur der ist dieses Segens im Orden werth , der Jesum Christum , den Schlangentreter , recht kennt , sein tinkturalisches Versöhnungsblut ganz auffasset und durch seinen starken Glauben mit ihm innigst vereinigt ist . Nur solchen gab er Macht , nur diesen dreimal glücklichen Ordensbrüdern gab er Macht , Gottes Kinder zu heißen , die an seinen Namen glauben . Joh . 1 , 12. Und an eben dieser Stelle ( pag . XL . ) : Ich habe Ihnen hiermit genug gesagt , und schließe mit den Worten Pauli 1. Korinther 16 , V. 22. Wer unsern Herrn Jesum Christum nicht lieb hat , der sei verflucht oder Anathema maharam Motha . Das heißt : durch den großen Bann der göttlichen Strafgerechtigkeit ausgesetzt . Amen ! Amen ! Amen ! Diese Schriften riefen im gegnerischen Lager , also unter Freimaurern und Rationalisten , einen Zorn hervor , den wir in unsern Tagen , wo dergleichen in offener Befehdung der Gegensätze jeden Tag gedruckt wird , einfach nicht zu fassen vermögen , wenn wir nicht gegenwärtig haben , wer jene Schriften schrieb , wer Chrysophiron war und welche staatliche Gewalt schützend hinter diesem Orden der Gold- und Rosenkreuzer stand . Dies alles waren nicht Blasen , die ein beliebiger Sektengeist warf , sondern diese Anschauungen herrschten an oberster Stelle , drohten in Edikten und Gesetzen bestimmend , maßgebend für Millionen Andersdenkender zu werden und traten schließlich wirklich als Landesgesetze in Kraft . Hinter dieser Rosenkreuzerei standen auf länger denn zehn Jahre hin die Machthaber Preußens : der König , Wöllner , Bischofswerder . Chrysophiron war Pseudonym für Wöllner . Dies wird genügen , die oben erwähnte bittre Feindschaft zu erklären , die durch die liberale Welt ging . In Frankreich der Sieg des Voltairianismus bis in seine letzten Konsequenzen und – in Preußen , an dessen Spitze beinah fünfzig Jahre lang der Philosoph von Sanssouci gestanden und der Aufklärung eine Stätte bereitet hatte , in diesem Preußen : Umkehr , Gewissensdruck , Rosenkreuzerei . Solange hinter dieser letztern die staatliche Macht stand , solange sie mit dieser identisch war , war ein Kampf dagegen unmöglich , aber kaum daß der Sarg Friedrich Wilhelms II. in die Gruft des Domes niedergelassen war , so brach es hervor . An der Spitze der alte Nicolai . In der Vorrede zum sechsundfünfzigsten Bande der » Neuen Allgemeinen deutschen Bibliothek « führte er nunmehr über die Rosenkreuzer , die jetzt freilich ein toter Percy waren , folgende Sprache : » Sehr bald nach dem Tode Friedrichs des Großen fanden bei seinem Nachfolger Männer Gehör , welche zu mehreren nachteiligen Maßregeln Anlaß gaben . Dieselben waren großenteils durch eine geheime Macht , durch den Gold- und Rosenkreuzerorden und durch den Einfluß der › unbekannten Väter ‹ geleitet , welche diesen Orden ungefähr seit 1778 , noch zu Lebzeiten des großen Königs , unglaublich weit in Deutschland auszubreiten wußten . Wo die › unbekannten Väter ‹ sich aufhielten , wußten die Ordensgenossen nicht ; aber wenn dunkle Winke hin und wieder gegeben wurden , so ward allemal auf katholische Orte gedeutet . Alle diese Innern Orden verlangten blindes Vertrauen auf die unbekannten Oberen ; ... der tollen Geisterseherei wurde nach und nach Tür und Tor geöffnet , damit der freie Gebrauch der Vernunft gehemmt und nach der Herrschsucht der Hierarchie und ihrer eigenen Herrschsucht ein ausgedehnterer Wirkungskreis bereitet würde . Es ist auch selbst dem allgemeinen Publikum nicht ganz unbekannt geblieben , welche wichtigen Folgen von 1786 bis 1797 in den preußischen Staaten durch die Anhänglichkeit an die Rosenkreuzer bewirkt worden sind . Wenngleich dieselben keineswegs all ihre schädlichen Pläne haben durchsetzen können , so kann doch derjenige , der einigermaßen die Umstände kennt , kaum zweifeln , daß die Rosenkreuzerei auf die in die Augen fallende Veränderung der Verfügungen in Absicht auf die Religionen ( das Wöllnersche Religionsedikt ist gemeint ) einen wichtigen Einfluß gehabt habe . Dank sei es den menschenfreundlichen Privatgesinnungen König Friedrich Wilhelms II. , daß die Absicht der Obskuranten , alle Aufklärung auszurotten , nicht bis zur Absetzung der Aufklärer von ihren Ämtern , bis zu ihrer Einschließung in Gefängnisse oder ihrer Verjagung aus dem Lande fortgesetzt ward . Es gab Leute , denen es an Willen hierzu nicht fehlte und noch weniger an Drohungen . « Zu dieser Sprache , die außerdem noch mit Bezeichnungen wie » bübisch « , » schmutzig « , » betrügerisch « reichlich verbrämt war , war Nicolai als Parteimann , als ausgesprochener Widerpart , dazu als Mann , der persönliche Kränkungen und Schädigungen erfahren hatte , zu gutem Teile berechtigt , – wir nachträglich haben die Pflicht , unparteiischer auf das Getriebe dieses Ordens und der beiden einflußreichen , den Staat lenkenden Männer zu blicken , die entweder an der Spitze des Ordens standen oder doch seine wichtigsten , ja überhaupt die einzig wichtigen Mitglieder waren . Ohne die Namen Bischofswerder und Wöllner wären die Rosenkreuzer wie so viele andere Orden jener Zeit ohne Sang und Klang vom Schauplatz abgetreten . Was wollte der Orden ? wie entstand er ? Er war , seinem Kern und Wesen nach , eine Unausbleiblichkeit , weil ein naturgemäßer Rückschlag . Wir konstatieren einfach eine Tatsache , wenn wir hervorheben , daß man in den letzten Regierungsjahren Friedrichs des Großen in vielen Kreisen anfing , der Aufklärung wenig froh zu werden . Gegensätze , die sich befehden , die beide in der Natur des Menschen ihre Wurzel und ihre Berechtigung finden , pflegen sich untereinander in Herrschaft und Obmacht abzulösen . Dem Puritanismus folgte Libertinage , der starren Orthodoxie Friedrich Wilhelms I. folgte der Voltairianismus der Friderizianischen Zeit , dem Kosmopolitismus folgte eine nationale Bewegung und dem Illuminatentum , das überall ein Licht anzünden wollte , mußte naturgemäß irgendein Rosenkreuzertum folgen , das davon ausging : alles Tiefe liegt nicht im Licht , sondern im Dunkel . Das Empfinden der Zeiten und der Individuen wird in bezug auf diese Frage immer auseinandergehen und jene Enthusiasten , die überall ein Rätsel , ein Wunder , ein direktes Eingreifen Gottes sehen , wo der Nüchternheitsmensch einfach das Verhältnis von Ursache und Wirkung zu erkennen glaubt , diese phantasiereicheren , unserer besten Überzeugung nach höher angelegten Naturen , dürfen mindestens eins verlangen : Gleichstellung in bürgerlicher Ehre . Es ist nichts damit getan , ihnen einfach den Zettel » Dunkelmänner « aufzukleben und sie damit , zu beliebiger Verhöhnung , auf den Markt zu stellen . Seinem Kern und Wesen nach war das moderne Rosenkreuzertum nichts als eine Vereinigung von Männern , die , ob katholisierend oder nicht , an den dreieinigen Gott glaubten und diesen Glauben dem Deismus , dem Pantheismus und Atheismus gegenüberstellten . Wer will in dieser Reaktionsbewegung , die den Glaubensinhalt vergangener Jahrhunderte zurückverlangt , ein- für allemal einen geistigen Rückschritt , eine Einbuße an ideellen Gütern erkennen ? Wer hat den Mut , die Glaubenskraft des Menschen unter die Verstandeskraft zu stellen ? Glaube und wissenschaftliche Erkenntnis schließen einander nicht aus , und mit höchster Geisteskraft ist höchste Glaubenskraft durch ganze Epochen hin vereinigt gewesen . Das Rosenkreuzertum hat dadurch keine Sünde auf sich geladen , daß es das Gegenteil von dem wollte , was der alte Nicolai wollte . 37 Wenn wir dennoch das Auftreten des Rosenkreuzertums zu beklagen und sein Erlöschen , nach kurzer Allmacht , als ein Glück für das Land zu bezeichnen haben , so liegt das in Nebendingen , in begleitenden Zufälligkeiten , die , teils irrtümlicherweise , von den Feinden aber in wohlüberlegter Absicht in den Vordergrund gestellt worden sind , um das moralische Ansehen des Gegners zu diskreditieren . Wir meinen hier die Geistererscheinungen , den ganzen Apparat , der von den Rosenkreuzern in Bewegung gesetzt wurde , um einen trägen Glauben künstlich zu beleben . Wegzuleugnen sind diese trüben Dinge nicht , wie wohl sie höchst wahrscheinlich eine viel geringere Rolle gespielt haben , als man gewöhnlich annimmt . Gleichviel : man hat zu diesen Hilfsmitteln gegriffen und wir perhorreszieren es , daß es geschehen . Es war unwürdig , bei dem betrügerischen Schrepfer sozusagen auf Borg zu gehen , seine im Dienst der Lüge klug verwandten Künste in den Dienst einer Sache zu stellen , die , für unsere Überzeugung wenigstens , ganz unbestritten einen idealen Kern hatte . Es war ein Unrecht . Aber betonen wir dies Unrecht nicht stärker als nötig . Beurteilen wir die Dinge aus der Zeit heraus . Auch das sittliche Empfinden stellt sich in verschiedenen Jahrhunderten verschieden . Eine Politik , wie sie der Große Kurfürst , ein frommer , strenggläubiger Mann , gegen Polen und Schweden übte , würde heute verabscheut werden ; damals nahm niemand Anstoß daran ; man bewunderte nur den klugen , patriotischen Fürsten ; – und zu allen Zeiten sind Wunder gemacht worden , nicht bloß von Betrügern , sondern auch von Priestern , die an einen ewigen , allmächtigen und wundertätigen Gott in aller Aufrichtigkeit glaubten . Wie wir schon an früherer Stelle sagten : das kleine Mit-Eingreifen , das Mit-Spielen ist kein Beweis für ein frivoles Sich-drüber-stellen über die transzendentale Welt . Der Hokuspokus bleibt ein Fleck an jener interessanten geheimen Vergesellschaftung , die durch eine seltsame Verkettung von Umständen in die Lage kam , Preußen auf zwölf Jahre hin zu regieren , aber ein billiges Urteil über den moralischen Wert derjenigen , die damals an der Spitze dieses Ordens standen , wird doch nur derjenige haben , der sich die Frage nach dem » guten Glauben « der Betreffenden vorlegt und gewissenhaft beantwortet . Daß Bischofswerder diesen » guten Glauben « hatte , haben wir in dem Kapitel Marquardt darzulegen getrachtet ; in betreff Wöllners steht uns das unverfänglichste Zeugnis zur Seite , das Zeugnis seines Antagonisten Nicolai selbst . Dieser schreibt über ihn : » Eine Menge kabbalistischer und magischer Worte verdunkelte nach und nach seinen hellen Kopf , und seine irregeleitete Einbildungskraft ließ ihn allenthalben Geheimnisse und Wunder sehen . Im Jahre 1778 war er bereits so weit , daß er die geheime Lehre der rosenkreuzerischen Philosophie für das einzig wahre Wissen hielt , für ein Wissen , das bald ganz allgemein werden und alle andere Philosophie verdrängen würde . « So Nicolai . Die Verurteilung der Richtung Wöllners wird hier , unbeabsichtigt , zur Anerkennung seiner persönlichen Aufrichtigkeit . Und dies genügt uns . Wie wenig Nicolai fähig war , der Richtung gerecht zu werden , glauben wir im vorhergehenden gezeigt zu haben . 1800 starb Wöllner zu Groß-Rietz , 1803 Bischofswerder zu Potsdam . Das Rosenkreuzertum ging mit ihnen zu Grabe . Ütz Ütz Wie reizend sind , du schönes Dörfchen Ütz , Heut ' deiner Gärten Äpfelblütenreiser , Dein gotisch Kirchlein , deiner Fischer Kietz , Dein Pfarrgehöfte , deine Bauernhäuser ... Die Pferde sind zur Rückfahrt angespannt , Vom Felde treibt der Kuhhirt durch die Gassen , – Du schönster Ort im ganzen Havelland , Wer könnte je dich ungerührt verlassen ! » Du schönster Ort im ganzen Havelland « , unter diesem Ausruf nimmt unser märkischer Poet par excellence , unser vielbespöttelter Schmidt von Werneuchen , von jenem stillen Haveldorfe Abschied , dessen etwas seltsam klingenden Namen wir an die Spitze dieses Kapitels gestellt haben . » Du schönster Ort « – wir wollen es , auf die Autorität unseres Freundes hin , glauben . Aber ob der schönste oder nicht , der stillste gewiß . Die Natur hat es so gewollt . Die Havel , die auf ihrem Mittellaufe überall Seen und Buchten bildet , streckt an dieser Stelle eine sackgassenartige Abzweigung , die » Wublitz « , tief ins Land hinein und bildet dadurch eine Wassergabel , die das von drei Seiten her umschlossene Stück Land zu einer Halbinsel macht . Auf dieser Halbinsel , tief innerhalb der Gabel , liegt unser Ütz , das , um eben dieser Lage willen , nur mit Hilfe einer Fähre , oder aber auf weiten Umwegen erreicht werden kann . Beides ein Hindernis im Verkehr . Eine kurze Zeit hindurch schien es , als sollte das stille Dorf mit in die Welt , von der es sonst abgeschlossen liegt , hineingezogen werden . Das war zu Ende des vorigen und zu Anfang dieses Jahrhunderts , wo das eine halbe Meile von Ütz gelegene Paretz , sozusagen die Hauptstadt dieser kleinen Halbinsel , in den Besitz König Friedrich Wilhelms III. überging . Um diese Zeit – der König wählte immer den Wasserweg – wurde Ütz zu einer viel genannten Fährstelle . Der Fischer , der den Dienst versah , hatte seine goldnen Tage ; an die Stelle der alten Fährmannshütte trat ein reizendes Haus im Schweizerstil , betreßte Röcke spiegelten sich im dunklen Wublitzwasser , und die Dorfstraße entlang , in der bis dahin bei Regenwetter die Dungwagen steckengeblieben waren , schaukelten sich jetzt die königlichen Kutschen . Das war bis 1810 . In den zwanziger und dreißiger Jahren flackerte es noch einmal auf , dann erlosch es ganz . Ütz war wieder das » stillste Dorf im ganzen Havelland . « Solchem stillsten Platze zuzuschreiten , wie wir jetzt tun , hat immer einen besonderen Reiz . Die Nauener Chaussee , die wir halten , läuft parallel mit der Wublitz , und je nach den Sattlungen des Weges schwindet Ütz und erscheint wieder ; immer neue Verschiebungen treten ein , und bald hinter hohen Pappeln , bald hinter Weiden hervor schimmert das goldene Kreuz seiner Kirche . Unser Weg hat uns endlich bis in die Höhe des Dorfes geführt , und nach links hin einbiegend , stehen wir nach einem kurzen Marsch am Ufer des mehrgenannten Havelarms , der sich selbst und seinen Zauber bis dahin vor uns verbarg . Drüben liegt das Fährhaus . Aber der Blick nimmt uns so gefangen , daß wir unser » Hol über ! « unterlassen und zwischen ausgespannten Netzen auf einem umgestülpten Kahne Platz nehmen , um das Bild auf uns wirken zu lassen . In Terrassen baut es sich auf : zuunterst der Fluß , tief und still und mit den breiten Blättern der Teichrose überdeckt ; dahinter ein Schilfgürtel , dann Obstgärten , dann über diese hoch hinaus die alten Ulmen der Dorfgasse , und wieder hinter den Ulmen , am Abhang aufsteigend , die weißen Häuschen des Dorfes , das Ganze gekrönt von zwei altmodischen Windmühlen , die von dem bastionartigen , gründossierten Mühlenberge aus den Vordergrund überblicken und ihre Flügel so lustig drehen , als freuten sie sich der Umschau , die sie halten . Die Längslinie des Bildes folgt dem Uferrande drüben , der zugleich der Hauptgasse des Dorfes entspricht . Das Treiben dieser von Busch- und Baumwerk dicht eingefaßten Gasse entzieht sich unserem Auge ; überall da aber , wo breite Querlinien die Längslinie durchbrechen , entsteht ein heller Fleck im Dunkel und das ganze sich fortbewegende Treiben drüben erscheint in dieser Lichtung und schwindet wieder . Die Entfernung ist groß genug , um jeden Lärm zu verschlingen , und so kommen die Bilder und gehen wieder wie auf der glatten Fläche einer Camera obscura . Jetzt Schnitter , die Harke und Sense über die Schulter gelegt , vom Felde heimwärts kehrend , jetzt kiepentragende Frauen , jetzt hochbeladene Heuwagen , deren helleres Grün in dem Dunkelgrün der Baumkronen schwerfällig hin und her schwankt . Die Sonne , die eben noch wie ein Glutball über dem Windmühlenberge gestanden hatte , sank jetzt tiefer und ließ die Wandfläche der Mühle wie einen dunklen Schatten erscheinen , den ein rotgoldener Schimmer nach allen Seiten hin umgab . Und dieser Schimmer , sich bahnbrechend durch die Baumwelt des Vordergrunds , fiel jetzt auch auf die breite Fläche der Wublitz , und wo ein Schwan durch diesen glühenden Streifen hindurchfuhr , da überzog es sein Gefieder wie flüchtige Röte , die der nächste Augenblick wieder von ihm streifte . Wohl mochten hier die Mummeln blühen , als wäre die Wublitz ein Blumenbeet , denn es war ein Bild wie hergeliehen aus einem Feengarten . Minutenlang sah ich still in diesen Zauber hinein , dann richtete ich mich auf und rief mein » Hol über ! « über die Wasserfläche hin . Aber der Ruf schien in dieser Stille zu verklingen . Nichts regte sich drüben und schon war meine ganze Naturbewunderung in Gefahr , im Ärger über den Fährmann unterzugehen , als es drüben lebendig zu werden begann . Eine hagere , mittelgroße , nach Wendenart in graue Leinwand gekleidete Gestalt trat aus dem Fährhaus , machte eine Handbewegung , die unverkennbar ausdrücken sollte , » ich möchte mich nur ruhig verhalten « , und löste dann langsam und mürrisch , soweit sich das aus seiner Handlung erkennen ließ , einen Kahn vom Ufer und schob ihn , ohne Ruder , an einem zwischen beiden Ufern ausgespannten Taue von drüben zu mir herüber . Als der Kahn auflief , blieb sein Insasse stehen und sah mich an . Ich ihn auch . Endlich gewann er es über sich und bot mir » guten Abend . « Nach dieser Konzession von seiner Seite , denn so schien er es aufzufassen , glaubte auch ich ein übriges tun zu müssen . So entspann sich denn , während der Kahn langsam wieder zurückglitt , folgende Unterhaltung : » Guten Abend , Fährmann . Geht ' s Geschäft ? « » I , wie wird ' s denn gehn ? « » Na , ich sollte doch meinen . Da sind erst die Ützer ... « » Die fahren umsonst . « » Und dann all ' die Dörfer , die hier hinten liegen ... « Er schüttelte griesgrämig den Kopf , beschrieb mit der Hand nach Norden hin eine Kurve und brummte : Alles ' rum , immer ' rum ! « » Aber die Phöbener und Paretzer werden doch nicht über Falkenrehde fahren ? Das ist ja die Meile sieben Viertel ! « » Das ist es . Aber was ein richtiger Bauer is , der geht nich über ' s Wasser . « » Weil ' s ihm zu unsicher ist ? « » Nich doch . Es is ihm bloß sicher , daß der Fährmann sein Fährgeld kriegt . Das zahlt kein Bauer , wenn er nich muß . Und er muß nich . Eine Meile oder zwei , ihm ist ' s all ' eins . Er braucht sie nich zu laufen . Er nimmt seine Peitsche , knipst und ruft seinen Gäulen zu : › Der Hafer ist teuer heut ' ; verdient ihn euch ! ‹ Und der Ützer Fährmann – na , der mag sehen , wo er seine Pacht hernimmt . « Die Spitze des Kahns war jetzt auf dem Trockenen ; ich sprang hinaus und fragte nach meiner Schuldigkeit . Die Taxe war niedrig ; ich gab ihm ein Stück Geld , etwa das Fünffache . Er nahm es , sagte nichts und erwiderte meinen » guten Abend « durch ein Geknurr , das über seine Enttäuschung keinen Zweifel ließ . Die Fährleute sind ein eigen Geschlecht und haben ihren eigenen Artigkeitskodex . Ich schritt nun die Querallee hinauf , kreuzte die Dorfstraße und erstieg den Mühlenberg , hinter dessen Kamm , bereits erblassend , die Abendröte stand . Ein schwacher rötlicher Schimmer säumte nur noch den Himmel gegenüber . Das Dorf , die Wublitz waren still ; im Fährhaus schimmerte ein Licht , die Schwäne sammelten sich am Schilf , die Abendglocke klang in langsamen Schlägen über Ütz hin . Du schönster Ort im ganzen Havelland , Wer könnte je dich ungerührt verlassen ! Paretz Paretz von 1796 bis 1806 Paretz von 1796 bis 1806 Diese Wünsche gingen vor allem auf Stille , Abgeschiedenheit . Sehr bald nach seiner Vermählung hatte sich der Kronprinz Schloß Oranienburg zum Aufenthalt ausersehen , dessen landwirtschaftlicher Charakter , beiläufig bemerkt , eine große Verwandtschaft mit dem von Paretz zeigt . Aber das Schloß daselbst – damals noch viel von der Pracht aufweisend , die ihm Kurfürst Friedrich III. gegeben hatte – war ihm viel zu groß und glänzend , und so kam ihm die Nachricht überaus erwünscht , daß das stille Paretz , das er zufällig aus seinen Kindertagen her kannte ( Oberstleutnant von Blumenthal war damals Prinzengouverneur gewesen ) , zu verkaufen sei . General von Bischofswerder , von dem benachbarten Marquardt aus , machte den Vermittler , das Geschäftliche wurde schnell erledigt , und unter des Hofmarschalls von Massow Aufsicht begann