, Wohlwollen , Verständigkeit und selbst Offenheit darin aussprechen . Ein Mann , wie Bischofswerder gewöhnlich geschildert zu werden pflegt , hätte eher eine Fluchtreise nach Berlin oder nach Marquardt gemacht , als daß er sich dazu verstanden hätte , sich einen langen Aufsatz über die Neuorganisation des Generalstabes an zwei Abenden vorlesen zu lassen . In dieser einen Tatsache liegt ausgesprochen , daß er ein fleißiger , gewissenhafter , geistigen Dingen sehr wohl zugeneigter Mann war . 32 Wir haben diese Zitate gegeben , um unsere Ansicht über den gesunden Sinn Bischofswerders , über seine Urteilskraft und seine politische Befähigung zu unterstützen ; es bleibt uns noch die wichtige Frage zur Erwägung übrig : war er ein Rosenkreuzerischer Scharlatan ? Was wir zu sagen haben , ist das Folgende : Ein Rosenkreuzer war er gewiß , ein Scharlatan war er nicht . Er glaubte eben an diese Dinge . Daß er , wie bei Aufführung einer Shakespeareschen Tragödie , mit allerhand Theaterapparat Geister zitierte , eine Sache , die zugegeben werden muß , scheint dagegen zu sprechen . Aber es scheint nur . Diese Gegensätze , so meinen wir , vertragen sich sehr wohl miteinander . Es ist bei Beurteilung dieser Dinge durchaus nötig , sich in das Wesen des vorigen Jahrhunderts , insonderheit des letzten Viertels , zurückzuversetzen . Die Welt hatte vielfach die Aufklärung satt . Man sehnte sich wieder nach dem Dunkel , dem Rätselhaften , dem Wunder . In diese Zeit fiel von Bischofswerders Jugend . Wenn man die Berichte über Schrepfer liest , so muß jeder Unbefangene den Eindruck haben : Bischofswerder glaubte daran . Selbst als Schrepfer zu einer höchst fragwürdigen Gestalt geworden war , blieb von Bischofswerder unerschüttert ; er unterschied Person und Sache . Es ist , nach allem , was wir von ihm wissen , für uns feststehend , daß er an das Hereinragen einer überirdischen Welt in die irdische so aufrichtig glaubte , wie nur jemals von irgend jemandem daran geglaubt worden ist . Der gelegentliche Zweifel , ja , was mehr sagen will , das gelegentliche Spielen mit der Sache ändert daran nichts . Wenn irgendwer , groß oder klein , gebildet oder ungebildet , mit umgeschlagenem weißen Laken den Geist spielt und auf dem dritten Hausboden unerwartet einem andern » Gespenst « begegnet , so sind wir sicher , daß ihm in seiner » Geistähnlichkeit « sehr bange werden wird . Ein solches Spiel , weitab davon , ein Beweis freigeistigen Drüberstehens zu sein , schiebt sich nur wie ein gewagtes Intermezzo in die allgemeine mystische Lebensanschauung ein . So war es mit Bischofswerder . Was ihn bewog , den Aberglauben , dem er dienstbar war , sich je zuweilen auch dienstbar zu machen , wird mutmaßlich unaufgeklärt bleiben ; ein von Parteistreit unverwirrter Einblick in sein Leben spricht aber entschieden dafür , daß es nicht zu selbstischen Zwecken geschah . Und das ist der Punkt , auf den es ankommt , wo sich Ehre und Unehre scheiden . Der Umstand , daß die ganze Familie , weit über die letzten Jahre des vorigen Jahrhunderts hinaus , in dieser Empfindungswelt beharrte , ist bei Beurteilung der ganzen Frage nicht zu übersehen und mag allerdings als ein weiterer Beweis dafür dienen , daß hier seit lange ein Etwas im Blute lag , das einer mystisch-spiritualistischen Anschauung günstig war . Wir kommen in der Folge darauf zurück und wenden uns zunächst einem neuen Abschnitt des Marquardter Lebens zu . Marquardt von 1803 bis 1833 Marquardt von 1803 bis 1833 Frau von Bischofswerder , geborene von Tarrach , verwitwete Gräfin Pinto Beim Tode Bischofswerders war sein Sohn und Erbe erst acht Jahre alt ; es trat also eine Vormundschaft ein . Diese Vormundschaft führte die Mutter und blieb , weit über die Minorennitätsjahre ihres Sohnes hinaus ( den der Dienst in Berlin und Potsdam fesselte ) , nicht de jure aber doch de facto , die Regentin von Marquardt bis zu ihrem Tode . Auf diese dreißig Jahre richten wir jetzt unsere Aufmerksamkeit . Zunächst auf die Dame selbst . Frau Generalin von Bischofswerder war eine geborene von Tarrach . Ihr Vater war der Geheime Finanzrat von Tarrach zu Tilsit , dessen Kinder es alle zu hohen Stellungen in Staat und Gesellschaft brachten . Sein Sohn war in den zwanziger Jahren preußischer Gesandter in Stockholm , eine jüngere Tochter vermählte sich mit dem Marquis von Lucchesini , die älteste , Wilhelmine Katharine , wurde die Frau des Günstling-Generals und Ministers von Bischofswerder . Aber sie wurde es erst in zweiter Ehe . Ihre erste Ehe schloß sie mit dem Grafen Ignaz Pinto , den Friedrich der Große um 1770 aus sardinischen Diensten nach Preußen berufen , zum Flügeladjutanten gemacht und zum Mitbegründer des unter ihm gebildeten Generalstabes , zum Generalfeldbaumeister , zum Maréchal de logis de l ' armée und zum Generaladjutanten ernannt hatte . Gleichzeitig hatte er ihm verschiedene Güter in Schlesien , darunter Mettkau im Neumarkter Kreise , sowie das Inkolat als schlesischen Grafen verliehen . Man sieht , es war dem Fräulein von Tarrach das seltene Glück beschieden , den Günstlingen zweier Könige die Hand reichen zu können . Graf Pinto starb 1788 . Seine Witwe , die Gräfin , war damals einunddreißig Jahre alt . Sie trat sehr bald zu Bischofswerder , der etwa um eben diese Zeit Witwer geworden war , in nähere Beziehungen , und klug und schön wie sie war , ( sie » schoß « ein wenig mit den Augen , und die medisierenden Hofleute sagten : elle est belle , mais ses yeux » ne marchent pas bien « ) , nahm das Verhältnis einen wirklichen Zärtlichkeitston an , der , wenigstens damals , zwischen Leuten von Welt zu den Ausnahmen zählte . Es scheint , dieser Ton überdauerte selbst die Flitterwochen , die sehr wahrscheinlich in den Sommer 1789 oder 1790 fielen . 1792 während des Champagne-Feldzuges wurde von französischen Truppen eine eben eingetroffene preußische Feldpost erbeutet und acht Tage später las irgendein Montagnard in der Nationalversammlung die Zeilen vor , die Frau von Bischofswerder an ihren Gemahl ins Feldlager gerichtet hatte . Der entschieden lyrische Grundton dieses Briefes erweckte die Heiterkeit der Versammlung . Das war in den ersten Jahren . Aber die Intimität blieb . Ein Sohn und drei Töchter wurden aus dieser zweiten Ehe geboren , so daß damals im Marquardter Herrenhause alle Arten von Stiefgeschwistern anzutreffen waren : Kinder aus der ersten Ehe des Herrn von Bischofswerder , Kinder aus der ersten Ehe der Frau von Bischofswerder ( mit dem Grafen Pinto ) und Kinder aus der zweiten Ehe beider . Die gräflich Pintoschen Kinder scheinen übrigens nur ausnahmsweise in Marquardt gewesen zu sein , während die Bischofswerderschen Kinder aus seiner ersten Ehe mit dem Fräulein von Wilke bis zuletzt die freundlichsten Beziehungen zum Marquardter Herrenhause unterhielten . 33 1803 starb der General . Wir haben seine Beisetzung geschildert . Seine Ehe , wie schon hervorgehoben , war eine glückliche gewesen und die Wahrnehmung , daß auch ein allmächtiger Minister irgendwo die Grenzen seiner Allmacht finden müsse , hatte weder seinen Frieden noch seine Heiterkeit getrübt . Die » Gräfin « , eine Benennung , die ihr vielfach blieb , hatte ihr Leben nach dem Satze eingerichtet , daß » wer der herrschefähigste sei , auch die Herrschaft zu führen habe « , und dies scheint uns der Ort , ehe wir in der Vorführung biographischen Materials fortfahren , eine Charakterschilderung der Frau einzuschalten . Ihren Mann , trotz all ihrer Herrschsucht , liebte sie wirklich und noch in den letzten Lebensjahren pflegte sie halb scherzhaft zu sagen : » Wenn ich im Himmel meinem ersten Mann begegnen werde , so weiß ich nicht , wie er mich begrüßen wird , aber vor meinem Bischofswerder ist mir nicht bange . « Die » Gräfin « , auch wenn uns nichts Zuverlässigeres vorläge , als das Urteil ihrer Neider und Tadler , war jedenfalls eine » distinguierte « Frau . Es mußte seinen Grund haben , daß zwei Günstlinge sich um ihre Gunst bewarben . Ein Enkel von ihr mochte mit Fug und Recht schreiben : » Die in meinen Händen befindlichen Papiere , leider nur Bruchstücke , geben ganz neue Aufschlüsse . Reichen sie auch zu einer klaren geschichtlichen Darstellung nicht aus , so haben sie mir doch einen genügenden Anhalt geboten , die für Preußens Größe begeisterte , die kühnsten Wünsche und Pläne hegende Frau verstehen zu lernen und die Bitterkeit zu begreifen , als sie mehr und mehr einsah , daß nicht die Macht der Verhältnisse , sondern die Schwäche der Menschen alles vereitelte und häufig in das Gegenteil verkehrte . « Wir haben nicht selbst Einblick in die Papiere , die hier erwähnt werden , nehmen dürfen , aber nach allem , was uns sonst vorliegt , sind wir geneigt , diese Schilderung für richtig zu halten . Sie war keine liebenswürdige , aber eine bedeutende Frau , ein ausgesprochener Charakter . In den zahlreichen mehr oder weniger libellartigen Schriften jener Zeit , wie auch im Gedächtnis der Marquardter Dorfbewohner , von denen sie noch viele gekannt haben , lebt sie allerdings nur in zwei Eigenschaften fort , als habsüchtig-geizig und bigott-katholisch . In den mehrfach schon zitierten » Vertrauten Briefen « finden wir zunächst : » Herrn von Bischofswerders Ehehälfte läßt sich jedes gnädige Lächeln mit Gold aufwiegen « und an anderer Stelle heißt es : » Die in Südpreußen veranstalteten Güterverschleuderungen waren ihr Werk , indem sie ihrem Manne beständig sagte : Sie werden wie ein Bettler sterben , wenn Sie nicht noch die letzten Tage des Königs benutzen , um etwas für Ihre Familie zu tun . « Das Fundament dieser Habsucht war mutmaßlich mehr Ehrgeiz als irgend etwas andres . Sie wußte : » Besitz ist Macht « und die Jahre , so scheint es , steigerten diese Anschauung eher , als daß sie sie mäßigten . Ein Mann , der sie in ihren alten Tagen kannte , schreibt : » Sie war herb und hart , ertragbar nur im Verkehr mit kleinen Leuten und ausgiebig nur in Auflegung von Schminke . « Ihr Katholizismus war von der ausgesprochensten Art , aber die Art , wie sie ihn übte , die Entschiedenheit im Bekenntnis auf der einen Seite und andererseits wieder in Toleranz gegen alle diejenigen , die nun mal auf anderem Boden standen , gereichte ihr zu hoher Ehre . Ignaz Feßler , früher Mönch , der zum Protestantismus übergetreten war , kam 1796 nach Berlin und – an Bischofswerder empfohlen – auch nach Marquardt . » Bischofswerder wollte mir wohl « , so schreibt er , » aber alles scheiterte an der Frau . Sie sah in mir nichts als den Abtrünnigen von der römischen Kirche . Sie beherrschte ihren Gemahl vollständig , und um des lieben Hausfriedens willen durfte er mich nicht mehr sehen . « Diese Strenge zeigte sie aber nur dem Konvertiten . In Marquardt griff sie nie störend oder eigenmächtig in das protestantische Leben in der Gemeinde ein , hatte vielmehr eine Freude daran , die evangelische Kirche des Dorfes mit allem Kirchengerät und Kirchenschmuck , mit Altardecke und Abendmahlskelch zu beschenken . Wir kehren nach diesem Versuch einer Charakterschilderung in das Jahr 1803 zurück . Ihren Gemahl hatte sie vollständig beherrscht ; aber wenn sie nach der Seite des Herrschens hin , bis zum Tode Bischofswerders , des Guten zu viel getan haben mochte , so begannen doch nun alsbald die Jahre , wo die » Gewohnheit des Herrschens « zu einem Segen wurde . Dieser Zeitpunkt trat namentlich ein , als die Franzosen ins Land kamen und auch die Havelgegenden überschwemmten . Der » Gräfin « Klugheit führte alles glücklich durch . Sie wußte , wo ein Riegel vorzuschieben war , aber sie ließ auch gewähren . Eine rätselvolle Geschichte ereignete sich in jenen Jahren Französische Chasseurs zechten im Saal ; einer stieg in der Keller hinab , um eine Kanne » frisch vom Faß « zu zapfen . Nun trifft es sich , daß das Marquardter Herrenhaus einer doppelten Keller hat , den einen unter dem andern . Wahrscheinlich erlosch das Licht , oder der Trunk schläferte der Chasseur ein , kurzum er kam nicht wieder herauf ; sein Hilferuf verhallte , der Trupp , in halbem Rausche , verließ Schloß und Dorf , und des Franzosen wurde erst wieder gedacht , als es im Hause zu rumoren begann . Nun forschte man nach . An einer dunkelsten Stelle des Kellers lag der Unglückliche , unkenntlich schon , neben ihm ein halbniedergebranntes Licht . » Die Gräfin « gab ihm ein ehrlich Begräbnis ; da wurd ' es still . Sie ahnte damals nicht , daß sie im Glauben des Volkes , im Geplauder der Spinnstuben , diesen Spuk einst ablösen würde . Die Franzosenzeit war vorüber , der Siegeswagen stand wieder auf dem Brandenburger Tor , die Kinder des Marquardter Herrenhauses blühten auf ; die » Gräfin « , noch immer eine stattliche Frau , war nun sechzig . Die Jugend der Kinder gab dem Hause neuen Reiz ; es waren seit lange wieder Tage glücklichen Familienlebens , und dies Glück wuchs mit der Verheiratung der Töchter . Die älteste , Luitgarde , vermählte sich mit einem Hauptmann von Witzleben ( später General ) , der damals eine Kompanie vom Kaiser-Franz-Regiment führte . Die zweite , Blanka , geb . 1797 , von der die » Gräfin « mit mütterlichem Stolz zu sagen pflegte : Meine Blanka , blink und blank , Ist die Schönst ' im ganzen Land wurde die Gattin eines Herrn von Maltzahn ; die jüngste , Bertha , geb . 1799 , gab ihre Hand einem Herrn von Ostau , damals Rittmeister im Regiment Garde du Korps . Tage ungetrübten Glückes schienen angebrochen zu sein , aber nicht auf lange . Die beiden jüngeren Töchter starben bald nach ihrer Verheiratung , innerhalb Jahresfrist . Dem Tode der schönen Blanka ging ein poetisch-rührender Zug vorauf . Sie lag krank auf ihrem Lager . Da meldete der Diener , daß das » Kreuz « aus Potsdam angekommen sei . Die junge schöne Frau hatte wenige Tage zuvor ein Kreuz , das sie auf der Brust zu tragen pflegte , einer Reparatur halber nach Potsdam hineingeschickt und sie bat jetzt , ihr das Andenken , das ihr schon gefehlt hatte , zu zeigen . Da trug man ihr ein Grabkreuz ans Bett , das von der alten Gräfin , anstelle der Urne , für die große Gartengruft bestellt worden war . Sie wußte nun , daß sie sterben würde . Schon ein Jahr vorher war die jüngere Schwester , Frau von Ostau 34 gestorben . Beide wurden in der Marquardter Kirche beigesetzt . Die Jahre des Entsagens , der Erkenntnis von den Eitelkeiten der Welt , waren nun auch für das stolze Herz der » Gräfin « angebrochen . Sie zog sich mehr und mehr aus dem Leben zurück ; nur die Interessen der kleinen Leute um sie her und die großen Interessen der Kirche kümmerten sie noch ; im allgemeinen verharrte sie in Herbheit und Habsucht . So kam ihr Ende . Sie starb , sechsundsiebzig Jahre alt , am 3. November 1833 , im Hause der einzigen sie überlebenden Tochter , der ( damaligen ) Frau Oberst von Witzleben zu Potsdam und wurde am 6. November zu Marquardt , an der Seite ihres Gemahles beigesetzt . Die Rundgruft im Park schloß sich zum zweiten Male . Die Rundgruft im Park schloß sich zum zweiten Male ; aber die » Gräfin « , wie man sich im Dorfe erzählt , kann nicht Ruhe finden . Oft in Nächten ist sie auf . Sie kann von Haus und Besitz nicht lassen . Sie geht um . Aber es ist , als ob ihr Schatten allmählich schwände . Noch vor zwanzig Jahren wurde sie gesehen , in schwarzer Robe , das Gesicht abgewandt ; jetzt hören die Bewohner des Hauses sie nur noch . Wie auf großen Socken schlurrt es durch alle unteren Räume ; man hört die Türen gehn ; dann alles still . Einige sagen , es bedeute Trauer im Hause ; aber das Haus ist nicht Bischofswerdersch mehr und so mögen die recht haben , die da sagen : sie » revidiert « , sie kann nicht los . Marquardt von 1833 bis 1858 Marquardt von 1833 bis 1858 General von Bischofswerder II Es folgte nun der Sohn . Dem Rechte und dem Namen nach , wie bereits angedeutet , war er Besitzer von Marquardt seit 1819 , aber in Wahrheit ward er es erst , nachdem der Mutter die Zügel aus der Hand gefallen waren . Die » Gräfin « war keine Frau , die sich mit Halbem begnügte . Dem Sohne war dies Entsagen , wenn es überhaupt ein solches war , ziemlich leicht gefallen ; der » Dienst « und die » Gesellschaft « , die ihn beide in der Residenz hielten , waren ihm mehr als die Herrschaft über Marquardt . Die Passion für die Stille und Zurückgezogenheit des Landlebens , eine der letzten , die in unser Herz einzieht , diese zu empfinden , dazu war er noch zu jung , dazu lag noch zu wenig hinter ihm , dazu nahm er den Schein noch zu voll für das Sein . Im übrigen war er in Erscheinung und Charakter ganz der Sohn seines Vaters , ganz ein Bischofswerder : groß , ritterlich , dem Dienste des Königs und der Frauen in gleicher Weise hingegeben , eine » Persönlichkeit « , mit Leidenschaft Soldat . Dabei , als bemerkenswertestes Erbteil , ganz im Mystizismus und Aberglauben stehend . Er trug das rotseidene Kissen auf der Brust , das der Vater bis zu seinem Tode als Amulett getragen hatte . Der jüngere Bischofswerder machte seine Laufbahn in der Garde . 1833 , bei dem Tode der Mutter , war er Major im Regiment Garde du Korps . Seine Familie , er war mit einer Schlabrendorf vermählt , pflegte meistens die Sommermonate in Marquardt zu verbringen ; er selbst erschien nur auf Stunden und Tage , wenn der Dienst es gestattete oder die Wirtschaftskontrolle es forderte . 1842 bereitete sich eine eigentümliche Feier in Marquardt vor , ein letzter Schimmer aus Tagen her , wo der Name Bischofswerder Macht , Gunst und Glück bedeutet hatte . Es war am 20. April genannten Jahres , bei hellem Mittagsschein , als die Rundgruft im Park wieder geöffnet wurde . Ein dritter stiller Bewohner sollte einziehen . Von Berlin her kam ein langer Zug von Kutschen und Wagen , auf dem vordersten Wagen aber , katafalkartig aufgebaut , stand ein blumengeschmückter Sarg . In dem Sarge ruhte Karoline Erdmuthe Christiane von Bischofswerder , dame d ' atour der Gemahlin Friedrich Wilhelms II. , später Hof- und Staatsdame der Königin Luise . Sie war , sechsundsiebzig Jahre alt , in den stillen Oberzimmern des Berliner Schlosses gestorben . Wenige nur hatten sie noch gekannt ; aber unter diesen wenigen waren die Prinzen des Königlichen Hauses , vor allen der König selbst . Dieser folgte jetzt ihrem Sarge . Als der Park erreicht , der Sarg in die Gruft hinabgelassen und das Einsegnungsgebet durch den Pastor Stiebritz gesprochen war , trat König Friedrich Wilhelm IV. an die Gruft und rief ihr bewegt die Worte nach : » Hier begrabe ich meine zweite Mutter ; sie hat mich genährt und erzogen . « Dann schloß sich die Gruft zum dritten , wohl auch zum letzten Male . Die Bischofswerders sind hinüber ; wer wird sich eindrängen wollen in ihren stillen Kreis ? Der Pastor Stiebritz feierte an jenem Tage seinen achtzigsten Geburtstag . Auf welchen Wechsel der Dinge blickte er zurück ! In demselben Jahre ( 1795 ) , in dem Marquardt von den Bischofswerders erworben und der Sohn und Erbe , der nun mit am Grabe stand , geboren war , war er ins Amt getreten . Wie vieles war seitdem an ihm vorbeigegangen : Die Besuche des Königs , der Park voll chinesischer Lampen , die blaue Grotte und ihre Stimmen . Wie ein Traum lag es hinter ihm . Um diese Zeit ( 1842 ) war der jüngere Bischofswerder Oberstleutnant ; sechs Jahre später war er Oberst und Kommandeur der Gardekürassiere . Als solcher hielt er am 18. März mit seinem Regiment auf dem Schloßplatz . Während des mittägigen Tumults , in dem Moment , als die historischen drei Schüsse fielen , ließ er einhauen . Er tat , was ihm Rechtens dünkte . Die Wochen aber , die jenem Tage folgten , waren solcher Anschauung nicht günstig , die Verhältnisse erheischten eine Remedur , ein Desaveu , und die Versetzung Bischofswerders nach Breslau wurde ausgesprochen . Er erhielt bald darauf , unter Verbleib in der schlesischen Hauptstadt , eine Brigade . Aber auch hier in Breslau zog bald eine Trübung herauf ; unglücklich-glückliche Tage brachen an . Seine Huldigungen , die er ritterlich-galant einer schönen Frau darbrachte , führten zu Konflikten , und da Namen und Familien hineinspielten , die dem Herzen Friedrich Wilhelms IV. teuer waren , so bereitete sich ein Allerschmerzlichstes für ihn vor : er mußte den Abschied nehmen . Aufs höchste verstimmt , gedemütigt , zog er sich 1853 nach Marquardt zurück . Das Bild der Frau , die er gefeiert , begleitete ihn in seine Einsamkeit . Sehr bald nach diesen Vorgängen war es , daß ihn die Herausgabe einer Biographie seines Vaters beschäftigte . Das vielfach verkannte Andenken des letztern schien eine solche Wiederherstellung von ihm zu fordern . Wie dabei vorzugehen sei , darüber hatte er zunächst nur unbestimmte Ideen . Er selber fühlte sich der Aufgabe nicht gewachsen , auch nicht unbefangen genug ; aber eines wenigstens lag innerhalb des Bereichs seiner Kräfte : er begann das im ganzen Hause zerstreute Material zu sammeln . Es war im höchsten Maße umfangreich und bestand im bunten Durcheinander aus Kabinettsorders aller Könige seit Friedrich Wilhelm II. und aus unzähligen Briefen ( meist in französischer Sprache ) , die zum Teil staatlich-politische Verhältnisse , zum Teil Verhältnisse von privater und sehr intimer Natur berührten – wahrscheinlich der Briefwechsel zwischen dem Günstling-General und der » Gräfin « aus den Jahren her , die ihrer Vermählung unmittelbar vorausgingen . Die mit Wöllner gewechselten Briefe waren deutsch geschrieben und bezogen sich zumeist auf das Preß- und das Religionsedikt . Seltsamerweise machte man eine Tonne zum Archiv ; in diese wurde alles , vorläufig ungeordnet , hineingetan . Dies reiche Material sollte aber nie zur Bearbeitung kommen . Die Verstimmung des Generals wuchs , dazu beschlich ihn die Vorahnung seines herannahendes Todes . Wir finden darüber unter den Aufzeichnungen eines Mannes , der ihm während der letzten Lebensjahre nahe stand , das Folgende : » 1857 feierte Bischofswerder seinen zweiundsechzigsten Geburtstag . Meine Frau und ich waren geladen . Gegen Ende des Mahls , als wir seine Gesundheit in gutem › Cliquot veuve ‹ getrunken hatten , nahm er mich beiseite , küßte mich , bedankte sich für alle Liebe , die ich ihm und seiner Familie so viele Jahre lang bewiesen hätte , und sagte dann : › Sie haben heute mit mir das letzte Glas Champagner getrunken ; ich werde in dieser Welt keinen Geburtstag mehr feiern . Mein Großvater ist im dreiundsechzigsten Jahre gestorben , mein Vater auch , und ich werde ebenfalls im dreiundsechzigsten Jahre sterben . Gehen Sie übers Jahr auf unsern Kirchhof und beten Sie an meinem Grabe für meine arme Seele . ‹ « Und so geschah es . Als sein dreiundsechzigster Geburtstag kam , war er hinüber . Nicht in der Gartengruft , auch nicht in der Gruft unterm Altar , sondern auf dem kleinen Friedhofe , der die Kirche einfaßt , ward er begraben . Zu Häupten des efeuumzogenen , von einer Esche beschatteten Hügels wurde ein Kreuz errichtet , das die Inschrift trägt : » Hier ruht in Gott der Königl . Generallieutnant Hans Rudolph Wilhelm Ferdinand v. Bischofswerder , geb . am 9. Juli 1795 , gest . am 24. Mai 1858 « ; auf der Rückseite des Kreuzes aber stehen die Worte : » Der Letzte seines Namens . « Marquardt seit 1858 Marquardt seit 1858 Der letzte Bischofswerder hatte seine Ruhestatt gefunden . Nur zwei Töchter verblieben . Die ältere , Pauline von Bischofswerder , der Liebling des Vaters , vermählte sich mit Herrn von Damnitz , der nun , sei es durch Kauf , sei es durch Erbschaft , auf kurze Zeit in den Besitz von Marquardt gelangte . Im ganzen nur auf zwei Jahre . Aber diese zwei Jahre schnitten tief ein . Herr von Damnitz , so wird erzählt , voll Anhänglichkeit gegen das blaubordierte und blaugepaspelte Kürassierregiment , bei dem er Jahre hindurch gestanden hatte , benutzte eine Neuweißung der Kirche , um den Wänden , den Kirchenstühlen , den Tür- und Kanzelfeldern einen blauen Einfassungsstreifen zu geben . Die oben erwähnte Tonne aber , auf der vielleicht einzig und allein die Möglichkeit einer exakten Geschichtsschreibung der Epoche von 1786 bis 1797 beruhte , wurde zum Feuertode verurteilt . Zwei Tage lang wurde mit ihrem Inhalt der Backofen geheizt . Omar war über Marquardt gekommen . Keine Frage , daß Herr von Damnitz aus einer gewissen Pietät heraus in dieser Weise handeln zu müssen glaubte ; » wozu der alte Skandal , wozu die erneute Kontroverse ! « Viele alte Familien denken ebenso : » der Gewinn ist prekär , der Schaden ist sicher « – und so verlieren sich unersetzliche Aufzeichnungen in Ruß und Rauch . Wir begreifen die Empfindung , aber wir beklagen sie ; es ist der Triumph des Familiensinns über den historischen Sinn . Und der letztere ist doch das Weitergehende , das Idealere . Herr von Damnitz blieb nur bis 1860 . Herr Tholuck , ein Neffe des berühmten Hallenser Theologen , folgte . In ihm war dem devastierten Gute endlich wieder ein Wirt gegeben , eine feste und eine geschickte Hand . Die erste seit dem Tode des älteren Bischofswerder ( 1803 ) . Ein Geist der Ordnung zog wieder ein . Der Park klärte sich auf , das alte Schloß gewann wieder wohnlichere Gestalt und an der Stelle verfallender oder wirklich schon zerbröckelter Wirtschaftsgebäude erhoben sich wieder Ställe und Scheunen , alles sauber , glau , fest . Marquardt war wieder ein schöner Besitz geworden . Wir treten jetzt in ihn ein . Der prächtige , zwanzig Morgen große Park nimmt uns auf . Er ist , in seiner gegenwärtigen Gestalt , im wesentlichen eine Schöpfung des Günstling-Generals . Seine Lage ist prächtig ; in mehreren Terrassen , wie schon zu Eingang dieses Kapitels angedeutet , steigt er zu dem breiten , sonnenbeschienenen Schlänitzsee nieder , an dessen Ufern , nach Süden und Südwesten hin , die Kirchtürme benachbarter Dörfer sichtbar werden . Mit der Schönheit seiner Lage wetteifert die Schön heit der alten Bäume : Akazien und Linden , Platanen und Ahorn , zwischen die sich grüne Rasenflächen und Gruppen von Tannen und Weymouths-Kiefern einschieben . In der Nähe des Herrenhauses steht eine mächtige Kastanie in vollem Blütenflor . Sie ist wie ein Riesenbukett ; die weitausgestreckten Zweige neigen sich bis zur Erde . Es ist dies der Baum , der am Tauftage des Sohnes und Erben , in Gegenwart des Königs gepflanzt wurde . Die Familie erlosch , der Baum gedieh . 35 An ihm vorbei treten wir in das Herrenhaus . Es ist ein relativ neuer Bau . 1791 legte ein rasch um sich greifendes Feuer das halbe Dorf in Asche , auch das » Schloß « brannte aus ; nur die Umfassungsmauern blieben stehen . Das Herrenhaus , wie es sich jetzt präsentiert , ist also nur achtzig Jahre alt . Es macht indessen einen viel älteren Eindruck , zum Teil wohl , weil ganze Wandflächen mit Efeu überwachsen sind . Aber das ist es nicht allein . Auch da , wo der moderne Mörtel unverkennbar sichtbar wird , ist es , als blickten die alten Mauern , die 1791 ihre Feuerprobe bestanden , durch das neue Kleid hindurch . Die innere Einrichtung bietet nichts Besonderes ; hier und dort begegnet man noch einem zurückgebliebenen Stück aus der » historischen Zeit « : Möbel aus den Tagen des ersten Empire , Büsten , Bilder , englische und französische Stiche . Das baulich Interessanteste ist die doppelte Kelleranlage , die dem französischen Chasseur so verderblich wurde ; man blickt die Stufen hinunter wie in einen Schacht . In den oberen Geschossen schieben sich Treppen und Verschläge , Schrägbalken und Rauchfänge bunt durcheinander und schaffen eine Lokalität , wie sie nicht besser gedacht werden kann für ein Herrenhaus , » drin es umgeht « . Die Sonne geht nieder ; zwischen den Platanen des Parkes schimmert es wie Gold ; das ist die beste Zeit zu einem Gange am » Schlänitz « hin . Unser Weg , in Schlängellinien , führt uns zunächst an der Gruft , dann an der Geistergrotte , an den beiden historischen Punkten des Parkes , vorbei . Die Gruft ist wie ein großes Gartenbeet , ein mit Efeu und Verbenen überwachsenes Rondell ; nur das griechische Kreuz in der Mitte , das die ursprüngliche Urne ablöste , deutet auf die Bestimmung des Platzes . Weiterhin liegt die Grotte . Der Aufgang zu ihr ist mit den blauen Schlacken eingefaßt , die einst mosaikartig das ganze Innere des Baues ausfüllten . Jetzt ist dieser , weil er den Einsturz drohte , offengelegt . Durch ein Versehen ( der Besitzer war abwesend ) wurde bei dieser Gelegenheit die Innenmauer niedergerissen und dadurch der sichtbare Beweis zerstört , daß diese Grotte eine doppelte Wand und zwischen den Wänden einen mannsbreiten Gang hatte . Nur die äußeren Mauern , mit Ausnahme der Frontwand , sind stehengeblieben und schieben sich in den Akazienhügel ein . Strauchwerk zieht sich jetzt