Zone überall schön , in diesen Himmelsbreiten etwas unbeschreiblich Köstliches haben . Von dem hohen Bergplateau aus überflog der Blick den im Sternengefunkel , jener so eigenthümlich prächtigen Erscheinung der Südländer , ruhenden unendlichen Meeresspiegel , an dessen fernem Horizont noch einzelne jener roth violetten und bläulichen Farbentöne auftauchten , die den Sonnenuntergang begleitet hatten , Farben , wie wir sie im Norden niemals auf Himmel und Erde schauen . Im Westen des Plateau ' s erhoben die Bergketten , in deren Mitte die alte Tartarenhauptstadt liegt , ihre dunklen Wände , - der Duft des Thymian und Lavendels , welcher den Boden bedeckte , aus dem hier und da sich ein wilder Feigenbaum oder die Korkeiche mit ihren breiten Aesten erhob , flog mit dem frischen Seewind über die Ebene ; in weiter Entfernung von einander leuchteten , gleich riesenhaften Glühkäfern , die Feuer der Posten und Wachen bis zur Alma hin . An einem solchen Feuer am Eingang einer Schlucht , die von Olivenbäumen bewachsen war , lagerte der äußerste Posten der Moslems , und an den wilden phantastischen Gestalten , ihrer Kleidung und Bewaffnung erkannte der Grieche , daß die Krieger zu jenen türkischen Freischaaren gehörten , deren Wiedersehen in seiner Erinnerung mit einem dämonischen und dennoch so schönen Bilde sich verknüpfte . Wilde Blicke starrten ihn an und manche nervige Faust faßte beim Anblick der verhaßten russischen Tracht nach dem Pistolenkolben oder dem Handjar im Leibbund ; doch des On-Baschi ' s Benachrichtigung , daß der große Pascha der Franken den Fremden unter seinen Schutz genommen und dieser in seinem Auftrag reise , zähmte die rachsüchtigen Begierden und die Bozuks warfen sich wieder am Feuer nieder . Der junge Mann hatte eben dem On-Baschi , welcher ihn hierher geleitet , den verlangten Baktschis gegeben und wandte sein Pferd , um durch die Schlucht davon zu galoppiren , denn er fürchtete mit Recht , daß ihm einer oder der andere der um ihn lagernden Halunken , die bei der Ertheilung des Trinkgeldes mit lüsternen Augen seinen Geldbeutel angesehen , im Dunkel eine Kugel nachsenden möchte , als von dorther selbst Hufschlag erscholl und er eine herauskommende Reitergruppe bemerkte , die sich rasch näherte . Ein großer Molosserhund , den vergoldeten Sammetreif um den Hals , sprang der Gruppe voraus , die aus einer türkischen Frau und etwa zwanzig arabischen und albanesischen Kriegern bestand . Neben der Türkin ritt , in lange weiße Gewänder gehüllt , auf prächtigem weißem Pferd ein arabischer Scheik , wie der hohe Reiherbusch auf seinem Turban zeigte . Plötzlich hielt der Molosserhund in seinen Sprüngen an , hob die Nase in die Luft und stieß ein lautes Gebell aus , indem er mit weiten Sätzen auf den Griechen zustürzte , an dem Pferde emporsprang , dem Reiter die Füße leckte und sich wie toll geberdete . Der Ruf » Scheitan ! hierher ! « scholl aus der Gruppe , ohne daß der Hund darauf hörte . Bleich wie der Tod saß der Grieche im Sattel , er hatte den Hund erkannt , er hatte die trotzige Stimme vernommen , die se oft schmeichelnd und demüthig in unsäglicher Liebe seinen Namen genannt . Fatinitza war dort - Fatinitza , die Rächerin - la Vengeresse ! Er sah , wie sie mit dem Emir Abdallah näher und näher kam , erstaunt über das Gebahren des Hundes , - er hörte , wie sie die Männer der Wache nach ihm fragte , - er fühlte , wie sich die Augen des Mädchens auf ihn richteten , - seine Sinne wirbelten , seine Besonnenheit , fast sein Bewußtsein verließ ihn , er beugte den Kopf bis auf die Mähne seines Pferdes und preßte ihm die Sporen tief in die Seiten , daß es in weitem Satz davon sprang und wie rasend durch die Reitergruppe hindurch die Schlucht hinunter schoß . Einen wilden Schrei hörte er hinter sich und den Ruf des Weibes : » Ihm nach , Abdallah , bei Deinem Ring ! Lebendig ! lebendig bringe ihn ! « Dann donnerten die Hufe der wilden Schaar hinter ihm drein , dann hörte er das gellende Kampfgeschrei der Söhne der Wüste , die Befehle , welche die Reiter rechts und links von der Schlucht zur Seite jagten , um ihm den Weg abzuschneiden . Als er wieder das Freie gewonnen , schien das ganze weite Plateau hinter ihm und um ihn lebendig geworden zu sein . Hundert dunkle Schatten stürmten gleich Gespenstern über die Fläche daher - das wilde Geschrei der Verfolger heulte wie der Jubelruf von tausend Dämonen um ihn . Er gedachte der Wichtigkeit , die sein Leben , seine Freiheit in diesem Augenblick für eine große Nation , für die Hoffnung und Errettung seines eignen Volkes hatte ; - er schauderte bei dem Gedanken , in die Hände der Eumenide zu fallen , die sich an seine Fersen geheftet ; - er betete zu Gott und den Heiligen , daß sie seinem Pferde die Flügel des Windes verleihen , die Augen seiner Verfolger mit Nacht bedecken möchten , und in dem Allen , in dem tobenden Aufruhr seiner Seele , von Furcht , Hoffen und Verzweiflung , fielen ihm die Worte des greisen Tabuntschiks ein , und er beugte sich zu dem Ohr des Pferdes und flüsterte : » Pascholl , Liebling ! « Und das Roß der Steppe griff in weiten Sprüngen aus , und über Fels und Stein flog mit ihm wie der Sturmwind der wilde Hengst , seine Verfolger weit hinter sich lassend . Aber Einer war da , - den das Roß der Steppe nicht zu besiegen vermochte : Abdallah mit der weißen Stute Eidunih aus dem Geschlecht der Nedjhi - mit Eidunih , die an Schnelle mit dem Flügelroß des Propheten zu wetteifern vermochte , und als der Grieche das Haupt wandte und das weiße arabische Pferd hinter sich d ' rein kommen sah , da wußte er , daß er verloren war ; hatte er es doch selbst erprobt bei der Flucht zu der Kula von Protopapas ! Er faßte das Pistol , das er in der Brusttasche unter dem Kaftan trug und spannte den Hahn , um seine Freiheit so theuer als möglich zu verkaufen . Aber der Emir , sein Verfolger , schien nicht gewillt , den Vortheil zu benutzen , vielmehr bog er zur Seite ab , und dann erst ließ er seinem Renner die Zügel schießen , der ihn in wenig Augenblicken weit über den Verfolgten hinausbrachte . Dadurch zwang er ihn , von der graden Richtung abzuweichen und sich zur Seite zu wenden ; dies Manöver wiederholte der Sohn der Wüste einige Male , und ehe sich ' s der Grieche versah , war er ganz von seinem Wege entfernt und in einen weiten Kreis seiner Verfolger zurückgedrängt . Vergebens kämpfte das muthige Steppenpferd um den Sieg , von allen Seiten tauchten die Gegner empor und sprengten gegen den jungen Mann . Noch einen Versuch machte er , das Gebirge zu gewinnen , indem er durch den Ring hindurch zu brechen versuchte und sein Pistol auf den Araber abschoß , der sich ihm entgegenwarf - im nächsten Augenblick aber sah er einen weißen Burnus , ein weißes Roß an sich vorüberschießen , eine Lanze wirbelte , von kräftiger Hand geschwungen , durch die Luft und traf ihn mit so großer Gewalt , daß er bewußtlos vom Pferde stürzte . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Als Nicolas Grivas wieder zu sich kam , empfand er durch die Art seiner Lage und der Bewegung , daß er über ein Pferd geworfen , von diesem fortgetragen wurde . Seine Hände und Füße waren gebunden , sein Kopf mit einem Tuche bedeckt , so daß er nicht sehen und selbst nur mit Mühe athmen konnte . Dennoch fühlte er an dem schärfern Hauch des Seewindes , daß der Zug , der sich stumm und rasch vorwärts bewegte , seine Richtung nach dem Gestade des Meeres nahm . Die Verzweiflung des jungen Mannes war gränzenlos - zu seiner Ehre müssen wir sagen , daß die Vereitelung seines wichtigen Auftrags , welcher die Rettung Sebastopols , die Vernichtung der alliirten Armee in sich schloß , ihn tiefer bewegte , als die eigene persönliche Gefahr . Dennoch war auch diese nicht gering , er kannte den Character und die Energie des wilden Türkenmädchens und machte sich bereit , zu sterben . Das vermehrte Geräusch von Pferden und der Ton von Stimmen , die sich unterredeten , benachrichtigte ihn , daß der Trupp sich einer großen Schaar angeschlossen hatte . So ging es noch eine kurze Strecke weiter , dann machte der Zug plötzlich Halt und er wurde hart , gleich einer leblosen Masse , auf den Felsboden geworfen . Einige Augenblicke noch dauerte das Geräusch fort , dann entfernten sich die Reiter , doch fühlte er , daß der Hund in seiner Nähe geblieben war . Vergeblich blieben all ' seine Anstrengungen , seine Hände zu befreien und die Hülle von seinem Gesicht zu entfernen , die Bande waren fest und nach mehreren Versuchen ergab er sich in sein Schicksal . Zwei Stimmen in seiner Nähe unterredeten sich , er erkannte die klaren scharfen Töne des Weibes , dessen Vertrauen er getäuscht , in dessen Händen er sich jetzt befand , und die tiefe wohllautende Gutturalsprache des jungen arabischen Scheiks . » Was willst Du mit dem verachteten Dschaur thun , Tochter des Propheten ? « hörte er den jungen Krieger sagen . » Bei der schwarzen Kaba von Mekka ! laß ' mich einen Stoß mit dieser Klinge nach dem Herzen des Moskows thun und er hat , was ihm gebührt . Der Aga des großen Frankenmuschirs hat uns den Befehl gebracht , vorwärts zu gehen und wir müssen ihm gehorchen ! « » Geh ' ! ich halte Dich nicht ! « Die Worte des Arabers hatten dem Griechen gezeigt , daß die Wölfin von Skadar das Geheimniß seiner Person bewahrt , und frische Lebenshoffnung schwellte auf ' s Neue seine Brust . » Ich kann Dich nicht hier zurücklassen am Strande des tückischen Meeres , blutige Blume von Skadar , « sagte der Emir . » Deine Männer harren auf Deinen Befehl , daß Du sie gegen die Ungläubigen führst - Gehorsam ist die Zierde des Kriegers und die Fahne des Propheten ist entfaltet . Laß ' uns den Mann tödten und weiterziehen . « » Kennst Du diesen Ring , Emir Abdallah Ben Zarujah ? « » Mashallah ! bei dem Bart meines Vaters , dessen Gebeine in der Wüste von Yemen ruhen , - wie sollte ich ihn nicht kennen ? Er ist ein Talisman meines Stammes und ich gab ihn Dir für Eidunih , mein Lieblingspferd , unter dem Feigenbaume von Dervendzista . Jedes Glied des Stammes der Zarujah wird gleich dem Blinden dem Willen Dessen gehorchen , der diesen Ring ihm zeigt . « » Wohl , Emir Abdallah - so gehorche Du selbst und löse mit diesem Gehorsam den Ring aus , den meine Hand Dir hier zurückgiebt . « Der Araber , den Ueberlieferungen seines Volkes getreu , beugte sein Haupt , indem er den Talisman aus den Händen des Mädchens nahm . » Was befiehlst Du , daß ich thue ? « » Dieser Mann ist Dein Gefangener , Deine Lanze warf ihn vom Pferde . Gieb mir ihn und das Recht über sein Leben . « » Der schmuzige Moskow ist ein schlechtes Geschenk - nimm ihn und thue mit ihm , wie Dir gefällt . Bei dem Sarge des Propheten , der zwischen Himmel und Erde schwebt , - was kann der fremde Mann Dich kümmern ? « » Emir Abdallah , « sagte das Mädchen mit tiefem Ton , - » das Geschäft mit diesem Mann ist mein . Du hast mir Gutes erwiesen , als Asche auf meinem Haupte und der Fluch meines Vaters über mir war . Möge er in den Freuden des Paradieses wandeln ! Du hast Dein Antlitz mir freundlich zugekehrt , als wir uns wiederfanden auf den Schiffen , die uns von Varna an dies Gestade führten , und Fatinitza , Selim ' s Tochter , ist Deine Schuldnerin . Jetzt , bei der Mutter , die Dich gebar , höre meine Bitte : besteige Dein Roß Eidunih und führe Deine Schaar und die meine , wohin uns geboten ist . Das Geschäft , das ich mit diesem Gefangenen habe , duldet keine Zeugen . « Der Emir bestieg schweigend sein Pferd . » Du wirst uns folgen , schwarze Rose des Epirus ? « » Ich - folge Dir ! « » Dieser Sclave könnte Dir gefährlich werden , wenn Du allein bist . Laß einige Deiner Krieger bei Dir bleiben . « Das Weib lächelte verächtlich . » Bin ich Fatinitza oder nicht ? Ueberdies ist Scheitan bei mir - doch hegst Du Besorgniß , so lasse fünf meiner Albanesen dort unten auf mich harren , daß sie den Knall meiner Pistole hören können , ohne daß ihr Auge mich zu bespähen vermag . Emir Abdallah , geh ' - und der Prophet begleite Dich . « Der Araber schwenkte die Hand zum Zeichen seines Gehorsames und seines Grußes , dann wandte er sein Pferd und galoppirte davon . Jetzt wußte Nicolas , daß er mit Fatinitza allein war ! - - Nach einer Pause von einigen Minuten wurde das Tuch von seinem Haupte entfernt . Er erhob sich auf die Knie und schaute um sich . Es mochte nahe an Mitternacht sein nach dem Stande der Sterne , die bleiche schmale Sichel des Neumonds erhob sich eben über die Gebirge im Osten und warf ihr gespenstiges Licht über Fels und Meer . Das Letztere brandete in weißem Schaum zu seinen Füßen Er fand sich auf hohem Felsenufer am Ausfluß der Katscha - kaum drei Schritt von ihm entfernt fiel die Klippe fast senkrecht zum Meere hinab . Er wandte sein Auge nach der andern Seite , - dort stand die schlanke Gestalt des Weibes , das ihn einst so heiß geliebt , und der Nachtwind spielte mit ihren weiten dunklen Gewändern , und der bleiche Mondstrahl lag auf ihrem noch bleicheren Gesicht , von dem sie den Yaschmak aus schwarzen Schleiern abgerissen . So stand sie , die Arme gekreuzt , das dunkle dämonische Auge auf ihn gerichtet , und zu ihren Füßen kauerte Scheitan , der riesige Molosserhund . » Fatinitza ! « Der Name entfloh seiner keuchenden Brust , - ein Klang der alten Liebe , - die Angst - das Grauen mischten sich in den Ruf . Die Türkin neigte verächtlich den Kopf . » Du irrst , Nicolas Grivas - nicht Fatinitza , die Wölfin von Skadar , steht vor Dir - sie starb im Thurme von Protopapas - die Rächerin ist es , wie jene Franken sie nennen , die vor Dir steht . « » Fatinitza , höre mich an ... « » Zwei Mal , Nicolas Grivas , habe ich Dich gewarnt , in den Kreis meiner Augen zu treten . Das erste Mal in jener Kula an den Leichen Deiner Gefährten , - das zweite Mal in Varna , als Du verkleidet standst unter Tausenden der Meinen . Jetzt kommst Du zum dritten Mal in den Bereich meines Athems - Du mußt sterben ! « » Höre mich , Fatinitza , « sagte mit milder Stimme der junge Mann , » ich bin nicht feig , ich fürchte den Tod nicht , und er soll mir willkommen sein von Deiner Hand , die ich schwer gekränkt , die um mich gelitten , obschon - so wahr ein Gott über uns ist in dieser Stunde - ich nach Glaube und Pflicht nicht anders handeln konnte . Ich will sterben , aber ich flehe Dich zuvor um Eines - bei der Wonne , die ich einst an Deinem Herzen getrunken - bei den Tagen voll Glück , die ich an Deiner Seite verlebt - bei Deiner Liebe zu mir , deren Gedächtniß keine Schmach und Rache verlöscht in dem klopfenden Herzen - um Eines flehe ich Dich - - « Das Weib sah ihn starr an . » Was willst Du von mir ? « » Meine Ehre ist verpfändet , mein Name gebrandmarkt , wenn ich diese Nacht nicht Sebastopol erreiche . Noch ist es Zeit - noch kann die verdoppelte Eile das Versäumte ersetzen - Weib - Teufel - Dämon - Ewiggeliebte - sende mich nach Sebastopol , und ich schwöre Dir bei meinem Seelenheil , ich stelle mich morgen Dir freiwillig als Dein Opfer . « Er rutschte auf den Knieen zu ihr , er streckte die gefesselten Hände zu ihr empor , er lag vor ihr - verzweifelnd , flehend - von dem Hauch ihres Mundes Gewährung heischend - der kräftige Mann ein verächtliches Rohr in der Hand des Weibes , der Staub unter ihrer Sohle . » Denkst Du an den Thurm von Skadar , Nicolas Grivas , und wie Fatinitza ' s Liebe Dich aus Deinem Kerker geholt ? « Er beugte das Haupt : » Ich gedenke dessen , o Fatinitza ! « » Als die Kugeln sausten und die Schwerter blitzten vor der Kula des Popowitsch Gradjani - gedenkst Du der Stunde , als die Wölfin von Skadar , die Tochter des Propheten , den Feind ihres Volkes und ihres Glaubens aus den Armen Azraëls gerettet , des Todesengels und geführt zu der Insel im See ? « » Barmherzigkeit , Weib - mit Flammenschrift ist es eingegraben in diesem Herzen ! « » Kennt Grivas , der Grieche , den Kiosk am See von Skadar , wo Fatinitza seine Wunden geheilt ? die dunklen Wellen des See ' s , auf denen der Verräther einst geflohen und die das Geheimniß zu wahren jetzt über den Leichen der drei Sclaven fluthen , die den Kranken bedient im Kiosk ! ? « Nur das Stöhnen des Mannes antwortete ihr . » Wie der Pelikan mit seinem Herzblut das Junge nährt , « fuhr die Türkin eintönig fort , » also nährte Fatinitza an ihrem Herzen die Schlange , deren Gift sie verderben sollte . Tausend Eide schwor er ihr , während sie mit Gefahr ihres Lebens den greifen Vater hinterging und seinen Bitten trotzte ; - und als die Stunde der Prüfung gekommen , da warf er sie fort wie ein geknicktes Rohr und floh zu seinen Freunden und lud den Fluch und den Tod des Vaters auf ihr verbrecherisches Haupt . « » Dein Bild , Fatinitza , hat mich aus dem Lande meiner Väter über Land und Meer gejagt ! « » Sie liebte ihn - und er stieß den Dolch des Undanks und der Schande zwei Mal in ihre Brust ! Sie liebte ihn und gab ihr Leben für ihn , und er erschlug ihr den Vater und warf ihren Leib , der sein eigen geworden , den Lüsten seiner Krieger vor ! - Fluch - Fluch - dreifacher Fluch über Dich , Nicolas Grivas ! die Stunde ist da , es ist Zeit , unsere Rechnung zu schließen ! « Stumm - lautlos - lag er vor ihr im Staube . » Du mußt nach Sebastopol , Nicolas Grivas ? « fragte plötzlich die Türkin . » Laß mich dort hin , oder tödte mich zur Stelle ! Meine Ehre ist verpfändet . « Sie blickte kalt und ruhig auf ihn herunter und ein leichter Hohn zuckte um ihren Mund . » Ich will Deine Bande durchschneiden , wandere durch die Gebirge zu der Stadt Deiner Freunde - auf Dein Haupt komme die Gefahr . « Sie bückte sich und hatte , ehe er es noch bemerken konnte , die Fessel an seinen Füßen durchschnitten . » Geh - Du bist frei ! « Er versuchte aufzustehen , aber taumelte ; die Stricke hatten seine Füße so fest zusammengeschnürt , daß sie ohne Empfindung waren . Auch fühlte er , daß der Schlag des Lanzenschafts , der ihn zu Boden gestreckt , seinen Kopf noch immer betäubte . » Allmächtiger Gott - ich kann nicht ! Wie vermöchte ich Sebastopol zu erreichen ohne Pferd - ohne Mittel durch die Schaaren der Deinen zu dringen ! « Wiederum stand sie vor ihm mit gefalteten Armen und schaute mit Hohn auf den Griechen . » Nicolas Grivas - die Geschändete , Verfluchte will Dich bis vor den Ort bringen , wohin Du verlangst , wenn Du ihr folgen willst - sie will Dich zur Stelle führen , noch ehe der erste Morgenstrahl über jene Gebirge dämmert . Willst Du ihr folgen ? « » Fatinitza - Retterin in der Noth - Du giebst mir doppelt das Leben zurück ! « » So harre meiner hier - indeß ich die Vorbereitungen treffe . Zu dem Ziel , das wir zusammen erreichen wollen , liegt dort der Weg ! « Ihre Hand deutete nach dem Meer - dann glitt sie gewandt und leicht den Abhang hinunter und war im Augenblick verschwunden . Der junge Mann hatte sie begriffen . Konnte er an der Küste hin in einem Boot den Eingang der Bai von Sebastopol oder eines der Forts erreichen , und das konnte in zwei , höchstens drei Stunden geschehen - so war keine Zeit verloren , sein Auftrag erfüllt und die Armee der Feinde in den Schluchten der Tschernaja verloren . Es verging eine Viertelstunde , die dem jungen Mann zur Ewigkeit wurde . Er versuchte auf dem Felsplateau hin und her zu gehen , doch wenn er sich dem Abhang näherte , an dem Fatinitza verschwunden war , fand er Scheitan , den Molosserhund , ihm den Weg versperrend . Endlich erschien die Türkin wieder und winkte ihm schweigend zu folgen . Sie führte ihn hinunter zum Strand , der einsam und verlassen war und in dem in einer Buchtung des Flusses ein Ruderboot schaukelte . Der kleine Mast war eingesetzt , leicht flatterte das Segel daran im Nachtwind . » Steig ' ein , Nicolas Grivas , « sagte das Mädchen , » unsere Zeit ist gemessen . « Er hielt ihr die noch gefesselten Hände entgegen . » Willst Du die Bande nicht lösen , Fatinitza ? - ich verstehe mich auf das Rudern . « Sie neigte verneinend das Haupt . » Du bist der Feind meines Volkes und ich ein Weib und allein . Am See von Skadar hat mein Ruder mich oft zu Dir getragen , als Du verwundet lagst im Kiosk unter den Myrthengebüschen - diese Hand ist stark genug , uns auch jetzt durch die Brandung zu führen . « Auf ihren Wink nahm er im Vordertheile des Bootes Platz , während sie die Ruder ergriff . Scheitan , der Hund , hockte am Segelbaum , zwischen ihm und ihr , mit klugem Auge den Gefangenen bewachend und zuweilen seine Füße leckend , dann aber wieder , wenn er eine Bewegung machte , sich zu nähern , das scharfe weiße Gebiß gegen ihn fletschend . Mit kräftiger Hand nahm die Türkin das Ruder , - so stießen sie hinaus in die schäumende Brandung . Mit den rückprallenden Wellen schoß das Boot über den weißen Rand dahin und befand sich nach wenigen Minuten im verhältnißmäßig ruhigen Wasser . Eine frische Brise wehte jetzt gegen Morgen von Nord-Osten her , und die Türkin legte die Ruder nieder , spannte das Segel und setzte sich an das Steuer . So saßen sie an beiden Schiffsenden einander gegenüber , während das Boot wie ein gespornter Renner durch die Wogen dahin flog , hinein in Nacht und Meer . » Du entfernst Dich zu weit vom Lande , Fatinitza , « sagte der Grieche , » wir werden sicherer sein im Schutz des Ufers , als auf der freien See . « Das Weib lachte - aber dies Lachen klang heiser und wild . » Ich habe versprochen , Dich nach Sebastopol zu führen ; den Weg überlaß mir . Am Ufer kreuzen die Kähne , welche die Franken zu ihren Schiffen führen . Die Mündung des Bjelbek , wo unsere Krieger lagern , ist belebt von den feuerschnaubenden Booten der Isauri ' s. « Der Grund schien genügend . In der That sah man in den Schatten des Ufers den Feuerschein mehrerer kleiner Dampfschiffe , welche dort kreuzten und zwischen der Flotte und dem Lande hin und herglitten . Dennoch konnte der Grieche sich einer unbestimmten Angst nicht entschlagen , als das Boot immer weiter auf die Höhe des Meeres trieb . Mit Geschick wich die Türkin den dunklen Schiffskolossen aus , die , an den von ferne leuchtenden Gaffellaternen kenntlich , weithin das Meer bedeckten . Endlich löste sie das Tau , welches das Segel hielt , hob den Baum aus seiner Fuge und warf ihn über die Seite des Bootes . » Um der Heiligen willen , was thust Du ? « Er war aufgesprungen und haschte mit den gefesselten Händen nach der dahin treibenden Leinwand . » Bleibe auf Deinem Platz , Nicolas Grivas , « sagte ruhig das Mädchen , » das Segel würde uns verrathen , wenn wir an jenen Schiffen vorüber kommen . Die Ruder werden genügen . « » Aber es ist Zeit , Fatinitza , daß wir wenden . Wir sind auf der Höhe der See und der Eingang der Bucht ist fast eine Stunde ostwärts von uns entfernt . Wenn wir nicht eilen , bricht der Tag herauf und wir wären verloren . « Ein Plätschern , - der Fall beider Ruder in ' s Wasser antwortete ihm . » Wir sind es , Nicolas Grivas - wir sind auf der Höhe von Sebastopol - ich habe gehalten , was ich Dir versprach . Jetzt , Nicolas Grivas , der Du über den See von Skadar schwammst , um Fatinitza zu entfliehen - versuche Deine Kraft , um Dein Ziel zu erreichen . « » Wahnsinnige - selbst wenn diese Arme nicht gefesselt wären , vermöchte ich nicht den dritten Theil dieser Entfernung zurück zu legen . « » Es ist eine Sage in Deinem Volk , von der Du mir selbst erzählt hast im Kiosk am See und in den goldenen Gemächern des Harems meines Vaters , daß ein Grieche zu der Geliebten schwamm über die Gewässer , die dieses Meer mit dem Deiner Heimath verbinden . Abydos nennt man die Stelle , wenn mein Gedächtniß Deine Worte behalten . Was Deine Väter um der Liebe zu einem Weibe willen vermochten , wird ein Grieche doch thun , um die Verrathene zu verlassen . « Ein finsterer Hohn lag in den Worten , - er achtete nicht auf ihn , - aufrecht stehend im Boot verfolgten seine Augen die auf den Wogen davon schaukelnden Ruder , die er in der Dämmerung noch zu erkennen vermochte , welche sich im Osten über die Felswände von Sebastopol zu erheben begann . » Fatinitza - rasch , rasch - löse diesen Strick von meinen Händen , daß ich den Rudern nachschwimmen und sie zurückholen kann ! « Er streckte ihr die Hände entgegen , während sein Auge nicht die Ruderstangen verließ , an deren Wiedergewinn ihre Rettung hing ; noch hatte seine Seele nicht die furchtbare Absicht des Mädchens begriffen . » Thor - denke an Dein Leben - nicht an jene gebrechlichen Ruder ; dort ist Sebastopol , Nicolas Grivas - und hier werden wir sterben ! « Er starrte sie an , wild , verworren - wäre ihm der Tod gekommen im Schlachtgewühl von ihrer Hand , - hätte sie ihn erschlagen , als er gefangen vor ihr lag - er hätte ihr Recht begriffen und wäre muthig gestorben . Jetzt aber , hier , so nahe dem Ziel , in dem Glauben gerettet , frei zu sein , bäumten alle Pulse des Lebens in ihm gegen das Gespenst des Sterbens sich auf , das in den Worten der Wölfin vor ihm empor stieg . » Du bist der Letzte von den Söhnen des Isauri , « fuhr das Weib fort , » die den Leib der Tochter Selims geschaut und berührt ? - Jene Frechen , denen Dein Verrath mich vorwarf gleich der Beute den wilden Thieren des Waldes , sind gestorben von dieser Hand , wie ich es geschworen in jener Stunde . Dich hat Fatinitza geliebt , darum bist Du der Letzte und magst sterben in Frieden mit Deinem Gott ! « - Ihre Hände zogen die beiden Pistolen aus dem Gürtel und spannten die Hähne . » Tigerin - Du willst mich kaltblütig morden ? « Er sprang auf sie zu , doch im Nu richtete die riesige Dogge vor ihm sich auf und legte drohend die Pfoten auf seine Schultern , Fatinitza aber lächelte verächtlich . » Nicht meine Hand soll den Tod Dir geben , Hellene , der Gott unserer Väter richte über uns Beide . « Und die Läufe der Pistolen auf den Boden des Bootes richtend , wo die Fugen der Hölzer sich zusammenbinden , berührten ihre Finger die Drücker und die Kugeln schlugen dicht neben einander ein Loch , durch das im Augenblick das Wasser hereinquoll . » Halte ihn , Scheitan ! « Sie warf die Pistolen über Bord und erweiterte mit drei kräftigen Stößen ihres Handjars die Oeffnung - und dann fiel die letzte Waffe in ' s Meer . » Fatinitza , halt ' ein - Du bereitest Deinen eigenen Tod ! « Auf der bleichen Stirn des Türkenmädchens , um die frei von den Schleiern der Morgenwind die dunklen Flechten trieb , lag die Majestät der Opferung . » Der Mann , der in meinen Armen geruht im warmen Leben , wird darin liegen auch in jener Tiefe . Der Tod sühnt Deinen Verrath und Fatinitza