selbst . Es scheint , daß er , inmitten aller seiner Betrügereien , doch ganz aufrichtig die Meinung unterhielt : jeder Tag bringt Wunder ; warum sollte am Ende nicht auch mir zuliebe ein Wunder geschehen ? Als trotz dieses Glaubens die eingesiegelten Papierschnitzel nicht zu Golde werden wollten , erschoß er sich im Leipziger Rosenthal ( 1774 ) . Bischofswerder war unter den Freunden , die ihn auf diesem Gange begleiteten und denen er eine » wunderbare Erscheinung « zugesagt hatte . Die ganze Schrepferepisode hatte als Schwindelkomödie geendet . Aber so sehr sie für Unbefangene diesen Stempel trug , so wenig waren die Adepten geneigt , ihren Meister und seine Kunst aufzugeben . Man trat die Schrepfersche Erbschaft an und zitierte weiter . Friedrich Förster erzählt : » Bischofswerder , in einem Vorgefühl , daß hier ein Schatz , eine Brücke zu Glück und Macht gefunden sei , wußte den Schrepferschen Apparat zu erwerben . « Doch ist dies nicht allzu wahrscheinlich . Wenn Bischofswerder später sehr ähnlich operierte , so konnte er es , weil ein längerer intimer Verkehr mit dem » Meister « ihn in alle Geheimnisse eingeführt hatte . Der prosaische Ausgang Schrepfers – prosaisch , trotzdem er mit einem Pistolenschuß endete – hatte unseren Bischofswerder nicht umgestimmt , aber verstimmt ; er gab Dresden auf , oder mußte es aufgeben , da der ganze Hergang doch viel von sich reden machte und nicht gerade zugunsten der Beteiligten . Er ging nach Schlesien und lebte einige Zeit ( 1774 bis 1775 ) in der Nähe von Grüneberg , auf den Gütern des Generals von Frankenberg . Bischofswerders äußere Lage war damals eine sehr bedrückte . Dieser Aufenthalt vermittelte auch wohl den Wiedereintritt Bischofswerders in den preußischen Dienst , der nach einigen Angaben 1775 oder 1776 , nach anderen erst bei Ausbruch des Bayerischen Erbfolgekrieges 1778 erfolgte . Prinz Heinrich verlangte ihn zum Adjutanten ; als sich diesem Verlangen indes Hindernisse in den Weg stellten , errichtete von Bischofswerder , inzwischen zum Major avanciert , ein sächsisches Jägerkorps , das der Armee des » Rheinsberger Prinzen « zugeteilt wurde . Beim Frieden hatte diese Jägertruppe das Schicksal , das ähnliche Korps immer zu haben pflegen : es wurde aufgelöst . König Friedrich II. indes , » der die Menschen kannte « , nahm den nunmehrigen Major von Bischofswerder in seine Suite auf , worauf sich dieser in Potsdam niederließ . Die schon zitierte Schrift schreibt über die sich unmittelbar anschließende Epoche ( von 1780 bis 1786 ) das Folgende : » Um diese Zeit war es auch , daß der damalige Prinz von Preußen , der spätere König Friedrich Wilhelm II. , ihn kennenlernte und seines besonderen Zutrauens würdig fand . Wobei übrigens eigens bemerkt sein mag , daß von Bischofswerder der einzige aus der Umgebung des Prinzen war , welchen König Friedrich hochzuachten und auszuzeichnen fortfuhr , so groß war die gute Meinung des Königs von Herrn von Bischofswerder , so fest hielt er sich überzeugt , daß er nicht imstande wäre , dem Prinzen böse Ratschläge zu erteilen . Noch mehr . Der Prinz brauchte Bischofswerder , um sich bei den Ministern nach dem Gange der Staatsgeschäfte zu erkundigen , und der König , obwohl er dies wußte , zeigte keinen Argwohn . « Wir lassen dahingestellt sein , inwieweit eine der Familie Bischofswerder wohlwollende Feder , deren es nicht allzuviele gab , hier die Dinge günstiger schilderte , als sie in Wahrheit lagen ; gewiß ist nur , daß die Abneigung des großen Königs sich mehr gegen Wöllner und die Enke , die spätere Rietz- Lichtenau , als gegen Bischofswerder richtete , und daß , was immer auch es mit dieser Abneigung auf sich haben mochte , sie jedenfalls die Vertrauensstellung zum Prinzen von Preußen , die er einnahm , nicht tangierte . In dieser befestigte er sich vielmehr so , daß , als sich im August 1786 die » großen Alten-Fritzen-Augen « endlich schlossen , der Eintritt Bischofswerders in die Stellung eines allvermögenden Günstlings niemanden mehr überraschte . Dabei suchte er durch Friedensschlüsse mit seinen Gegnern , beispielsweise mit der Rietz , namentlich aber auch durch Besetzung einflußreicher Stellen mit Mitgliedern seiner Familie , seine eigene Machtstellung mehr und mehr zu befestigen . Seine beiden Töchter erster Ehe wurden zu Dames d ' atour bei der Königin , die in Monbijou ihren Hofstaat hatte , ernannt ; seine Gemahlin aber war er , nach dem Tode der Frau von Reith , bemüht , in die Stellung einer Oberhofmeisterin einrücken zu lassen . So war er denn allmächtiger Minister , war es und blieb es durch alle Wechselfälle einer elfjährigen Regierung hindurch und die Frage mag schon hier in Kürze angeregt und beantwortet werden : wodurch wurde die Machtstellung gewonnen und behauptet ? Die gewöhnliche Antwort lautet : durch servile Complaisance , durch Unterstützen oder Gewährenlassen jeder Schwäche , durch Schweigen , wo sich Reden geziemte , durch feige Unterordnung , die kein anderes Ziel kannte , als Festhalten des Gewonnenen , durch jedes Mittel , nötigenfalls auch durch » Diavolini « und Geisterseherei . Wir halten diese Auffassung für falsch . Der damalige Hof , König und Umgebung , hatte seine weltkundigen Gebrechen ; aber das Schlimmste nach dieser Seite hin lag weit zurück ; das » Marmorpalais « repräsentierte nicht jene elende Verschmelzung von Lust und Trägheit , von Geistlosigkeit und Aberglauben , als welche man nicht müde geworden ist , es darzustellen ; man hatte auch Prinzipien , und ein wie starkes Residuum von Erregtheit und Erschlaffung , von großem Wollen und kleinem Können auch verbleiben mag , niemals ist eine ganze Epoche so weit über Recht und Gebühr hinaus gebrandmarkt worden , wie die Tage Friedrich Wilhelms II. und seines Ministers . Wir kommen , wenn wir am Schluß eine Charakterisierung Bischofswerders versuchen , ausführlicher auf diesen Punkt zurück . Die Kampagnen und auswärtigen Verwicklungen , die fast die ganze Regierungszeit des Königs , wenigstens bis 1795 , ausfüllten , riefen , wie diesen selbst , so auch seinen Minister vielfach ins Feld . Diplomatische Missionen schoben sich ein . von Bischofswerder nahm teil an dem Kongresse zu Szistowa , brachte mit Lord Elgin die Pillnitzer Konvention ( Ergreifung von Maßregeln gegen die französische Revolution ) zu stande , begleitete den König 1792 während des Champagne-Feldzugs und ging bald darauf als Gesandter nach Paris , von wo er 1794 zurückkehrte . Das nächste Jahr brachte den Frieden . Mit dem Friedensschluß zusammen fiel der Erwerb von Marquardt . Schon einige Jahre früher , 1790 oder vielleicht schon 1789 , hatte er sich zum zweiten Male verheiratet . Die hohe Politik , die Zeit der Strebungen , lag zurück Das Idyll nahm seinen Anfang . Wir begleiten nun den Günstling-General durch die letzten acht Jahre seines Lebens . Es sind Jahre in Marquardt . Das neue Leben wurde durch das denkbar froheste Ereignis inauguriert : durch die Geburt eines Sohnes , eines Erben . Das alte Haus Bischofswerder , das bis dahin nur auf zwei Augen gestanden hatte , stand wieder auf vier . Die Taufe des Sohnes war ein Glanz-und Ehrentag . Der König hatte Patenstelle angenommen und erschien mit seinen beiden Generaladjutanten von Rodich und von Reder . Die feierliche Handlung erfolgte im Schloß . Als Pastor Stiebritz , ein Name , dem wir im Verlauf unsres Aufsatzes noch öfters begegnen werden , die Taufformel sprechen wollte und bis an die Worte gekommen war : » ich taufe dich « stockte er , – die Namen waren ihm abhanden gekommen , der Zettel fehlte . Aber die Verwirrung war nur eine momentane . von Bischofswerder selbst trat vor , sprach die Namen , und der Pastor , rasch sich wiederfindend , beendete den Akt . Der Taufe folgte die Tafel und im Laufe des Nachmittags ein ländliches Fest . Der König blieb ; die schöne Jahreszeit lud dazu ein . Noch leben Leute im Dorfe , achtzigjährige , die sich dieses Tages entsinnen . Ein Erinnerungsbaum wurde gepflanzt , ein Ringelreihen getanzt ; der König , in weißer Uniform , leuchtete aus dem Kreise der Tanzenden hervor . Am Abend brannten Lampions in allen Gängen des Parks , und die Lichter , samt den dunklen Schatten der Eichen-und Ahornbäume , spiegelten sich im Schlänitzsee . Sehr spät erst kehrte der König nach Potsdam zurück . Er hatte dem Täufling eine Domherrnpräbende als Patengeschenk in das Taufkissen gesteckt . Von Jahr zu Jahr wachsend , steigerte sich der Wert derselben bis zu einer Jahreseinnahme von viertausendfünfhundert Talern . Zwischen diesem 17. Juli 1795 und dem 16. November 1797 lagen noch zwei Sommer , während welcher der König seine Besuche mehrfach erneuerte . Ob er eintraf , lediglich um sich des schönen Landschaftsbildes und der loyalen Gastlichkeit des Hauses zu freuen , oder ob er erschien , um » Geisterstimmen « zu hören , wird wohl für alle Zeiten unaufgeklärt bleiben . Die Dorftradition sagt , er kam in Begleitung weniger Eingeweihter , meist in der Dämmerstunde ( der schon erwähnte Generaladjutant von Reder und der Geheimrat Dr. Eisfeld vom Militärwaisenhause in Potsdam werden eigens genannt ) , passierte nie die Dorfstraße , sondern fuhr über den » Königsdamm « direkt in den Park , hielt vor dem Schlosse und nahm nun an den Sitzungen teil , die sich vorbereiteten . Man begab sich nach der » Grotte « , einem dunklen Steinbau , der im Parke , nach dem rosenkreuzerischen Ritual , in einem mit Akazien bepflanzten Hügel angelegt worden war . Der Eingang , niedrig und kaum mannsbreit , barg sich hinter Gesträuch . Das Innere der Grotte war mit blauem Lasurstein mosaikartig ausgelegt und von der Decke herab hing ein Kronleuchter . In diese » blaue Grotte « , deren Licht- und Farbeneffekt ein wunderbarer gewesen sein soll , trat man ein ; der König nahm Platz . Alsbald wurden Stimmen laut ; leiser Gesang , wie von Harfentönen begleitet . Dann stellte der König Fragen und die Geister antworteten . Jedesmal tief ergriffen , kehrte Friedrich Wilhelm ins Schloß und bald darauf nach Potsdam zurück . So die Tradition . Es wird hinzugesetzt , die Grotte sei doppelwandig gewesen , und eine Vertrauensperson des Ordens habe von diesem Versteck aus die » musikalische Aufführung « geleitet und die Antworten erteilt . Daß die Grotte eine doppelte Wandung hatte , ist seitdem und zwar durch den jetzigen Besitzer , der den Bau öffnete , um sich von seiner Konstruktion zu überzeugen , über jeden Zweifel hinaus erwiesen worden . Die Lasursteine existieren noch , ebenso der Akazienhügel . Dennoch gibt es Personen , die den ganzen Schatz Marquardter Volkssage einfach für Fabel erklären . Ich kann diesen Personen nicht beistimmen . Es ist eine nicht wegzuleugnende Tatsache , daß Bischofswerder ein Rosenkreuzer war , daß er mehr als einmal in Berlin im Palais der Lichtenau , in Sanssouci in einem am Fuß der Terrasse gelegenen Hause , endlich im Belvedere zu Charlottenburg ( vgl. S. 172 ) wirklich » Geister « erscheinen ließ und daß er bis zuletzt in seinem Glauben an alchimistische und kabbalistische Vorgänge aushielt . Es ist höchst wahrscheinlich , daß die Grotte ähnlichen Zwecken diente , und nur darüber kann ein Zweifel sein , ob der König , der im ganzen vielleicht nur vier- , fünfmal in Marquardt war , an diesen rosenkreuzerischen Reunions teilnahm . Am 16. November 1797 starb der König . Noch einmal , auf wenige Tage , wurde Bischofswerder aus der Stille von Marquardt herausgerissen und mitten in die Tagesereignisse hineingestellt , aber nur um dann ganz und für immer in die ihm liebgewordene Stille zurückzukehren . Während des Hinscheidens Friedrich Wilhelms II. befand sich Bischofswerder im Vorzimmer . Er traf rasch und mit Umsicht alle Vorkehrungen , die der Moment erheischte , ließ die Eingänge zum Neuen Garten , bzw. zum Marmorpalais besetzen , warf sich dann aufs Pferd und eilte nach Berlin , um , als erster , den Kronprinzen als König zu begrüßen . Er empfing den Stern des Schwarzen Adlerordens . Ob diese Auszeichnung ihn einen Augenblick glauben machte , er werde sich auch unter dem neuen Regime behaupten können , lassen wir dahin gestellt sein . Es ist nicht wahrscheinlich . Beim Begräbnis des Königs trat er zum letzten Mal in den Vordergrund . Es war im Dom ; das offizielle Preußen war versammelt , Lichter brannten , Uniform an Uniform , nur vor dem Altar ein leerer Platz : auf der Versenkung , die in die Gruft führt , stand der Sarg . Jetzt wurde das Zeichen gegeben . In demselben Augenblicke trat Bischofswerder , eine Fackel in der Hand , neben den Sarg und der Tote und der Lebende stiegen gleichzeitig in die Tiefe . Es machte auf alle , auch auf die Gegner des Mannes , einen mächtigen Eindruck . Es war das letzte Geleit . Zugleich symbolisch : ich lasse nun die Welt . Und er ließ die Welt . Sein Dorf , sein Haus , sein Park füllten von nun an seine Seele . Mit seinen Bauern stand er gut ; die Auseinanderlegung der Äcker , die sogenannte » Separation « , die gesetzlich erst zehn Jahre später ins Leben trat , führte er durch freie Vereinbarung aus ; er erweiterte und schmückte das Schloß , den Park ; dem letztern gab er durch Ankauf von Bauernhöfen , deren Brunnenstellen sich noch heute erkennen lassen , wie durch Anpflanzung wertvoller Bäume , seine gegenwärtige Gestalt . Alle Wege , die durch die Gutsäcker führten , ließ er mit Obstbäumen , die er für bedeutende Summen aus dem Dessauischen bezog , bepflanzen und schuf dadurch eine Kultur , die noch jetzt eine nicht unerhebliche jährliche Rente abwirft . Er hatte ganz die Ackerbaupassion , den tiefen Zug für Natur , Abgeschiedenheit und Stille , den man bei allen Personen beobachten kann , die sich aus der Hofsphäre oder aus hohen Berufsstellungen in einfache Verhältnisse , aus dem glänzenden Schein in die Wirklichkeit des Lebens zurückziehen . Der Verkehr im Hause war nichtsdestoweniger ein ziemlich reger . Die katholischen und ökonomischen Grundsätze seiner zweiten Frau griffen zwar gelegentlich störend ein ; seine Bonhommie wußte aber alles wieder auszugleichen . Mit dem benachbarten Adel stand er auf gutem Fuß ; die Beziehungen zur Potsdamer Gesellschaft waren wenigstens nicht abgebrochen ; nur die eigentlichen Hofkreise , die der an oberster Stelle herrschenden Empfindung Folge geben mußten , hielten sich zurück . Friedrich Wilhelm III. , sooft er auch auf dem Wege nach Paretz das Marquardter Herrenhaus zu passieren hatte , hielt nie vor demselben an ; die Jahre , die nun mal die Signatur : Rietz , Wöllner , Bischofswerder trugen , trotzdem er zu dem letzteren nie in einem direkten Gegensatze stand , lebten zu unliebsam in der Erinnerung fort , um eine Annäherung wünschenswert erscheinen zu lassen . So kam der Herbst 1803 und mit ihm das Scheiden . Die Arkana und Panazeen konnten es nicht abwenden ; das » Lebenselixier « , von dem er täglich einen Tropfen nahm , und das rotseidene Kissen , das er als Amulett auf der Brust trug , sie mußten weichen vor einer stärkeren Macht , die sich mehr und mehr ankündigte . Der Erbring mit dem weißen Milchstein dunkelte rasch auf dem Zeigefinger , an dem er ihn trug , und so wußte er denn , daß seine letzte Stunde nahe sei . Er las im Swedenborg , als der Tod ihn antrat . Nach kurzem Kampfe verschied er in seinem Stadthause zu Potsdam . Es war am 30. Oktober . Er war in Potsdam gestorben , aber nach letztwilliger Verfügung wollte er in Marquardt begraben sein . Nicht in der Kirche , auch nicht auf dem Kirchhofe , sondern im Park zwischen Schloß und Grotte . In wenig Tagen galt es also ein Erbbegräbnis herzustellen . Eine runde Gruft wurde gegraben , etwa von Tiefe und Durchmesser eines Wohnzimmers , und die Maurer arbeiteten emsig , um dem großen Raum eine massive Wandung zu geben . Als der vierte Tag zu Ende ging , der Tag vor dem festgesetzten Begräbnis , mußte auch , um es fertig zu schaffen , die Nacht mit zu Hilfe genommen werden , und bei Fackelschein , während der erste Schnee auf den kahlen Parkbäumen lag , wurde das Werk wirklich beendet . Am 4. November früh erschien von Potsdam her der mit sechs Pferden bespannte Wagen , der den Sarg trug ; die Beisetzung erfolgte und zum ersten Male schloß sich die runde Gartengruft . Nur noch zweimal wurde sie geöffnet . Ein Aschenkrug ohne Namen und Inschrift wurde auf das Grab gestellt . Efeu wuchs darüber hin wie über ein Gartenbeet . * Wir versuchen , nachdem wir in vorstehendem alles zusammengetragen , was wir über den Lebensgang von Bischofswerder in Erfahrung bringen konnten , nunmehr eine Schilderung seiner Person und seines Charakters . Er war ein stattlicher Mann , von regelmäßigen und ansprechenden Gesichtszügen , in allen Leibesübungen und ritterlichen Künsten wohl erfahren , ein Meister im Fahren und Fechten , im Schießen und Schwimmen , von gefälligen Formen und bei den Frauen wohlgelitten . Er blieb bis zuletzt ein » schöner Mann « . Seltsamerweise haben ihm Neid und Übelwollen auch diese Vorzüge der äußeren Erscheinung absprechen wollen . In den französisch geschriebenen Anmerkungen zu den » Geheimen Briefen « wird er einfach als eine » traurige Figur « ( figure triste ) bezeichnet . Der Schreiber jener Zeilen kann ihn nie gesehen haben . Der erst 1858 gestorbene Sohn Bischofswerders , eine echte Garde du Korps-Erscheinung , war das Abbild des Vaters und übernahm noch nachträglich eine Art Beweisführung für die Stattlichkeit des » Günstling-Generals « . Der oft versuchten Schilderung seines Charakters sind im großen und ganzen die Urteile der » Vertrauten Briefe « , der » Geheimen Briefe « , der » Anmerkungen « zu den Geheimen Briefen und die Briefe Mirabeaus zugrunde gelegt worden . Es steht aber wohl nachgerade fest , daß alle diese Briefe unendlich wenig Wert als historische Dokumente haben und daß sie durch Übelwollen , Parteiverblendung oder bare Unkenntnis diktiert wurden . In letzterem Falle gaben sie lediglich das Tagesgeschwätz , das kritiklose Geplauder einer skandalsüchtigen und medisanten Gesellschaft wieder . So heißt es in den » Vertrauten Briefen « des Herrn von Cöllen : » Bischofswerder war ein ganz gewöhnlicher Kopf . Sein Gemüt war den äußeren Eindrücken zu sehr offen , woraus eine große Schwäche des Willens entstand . Ganz gemein aber war er nicht . « Diese letzte halbe Zeile , in ihrem Anlauf zu einer Ehrenrettung , ist besonders bösartig , weil sie sich das Ansehen einer gewissen Unparteilichkeit gibt . Weit hinaus aber über das Übelwollen der » Vertrauten Briefe « , die an einzelnen Stellen immerhin das Richtige treffen mögen , gehen die » Anmerkungen « zu den » Geheimen Briefen « , in denen wir folgendem Passus begegnen : » La fortune a quelquefois employé des hommes sans grande capacité dans l ' administration des Etats ; mais rarement elle a choisi un si triste sujet que ce Bischofswerder : naissance ordinaire , figure triste , physionomie perfide , élocution embarrassée ; ne connoissant ni le pays qu ' il a quitté , ni celui qui l ' a recueilli , ni ceux qui intéressent la Prusse . N ' étant ni militaire , ni financier , ni politique , ni économiste . Un de ces hommes enfin que la nature a condamné à l ' obscurité et à végéter dans la foule . Voilà l ' homme qui règne en Prusse . « Wir verweilen bei diesen Auslassungen nicht , eben weil sie zu sehr den Stempel des Pasquills tragen , und wenden uns lieber der Darstellung zu , die ein anerkannter Historiker von dem Charakter Bischofswerders gegeben hat , um dann an dieses maßvolle Urteil anzuknüpfen . J. C. F. Manso in seiner » Geschichte des Preußischen Staates vom Frieden zu Hubertsburg bis zur zweiten Pariser Abkunft « sagt über Bischofswerder : » In den Fesseln der Rosenkreuzerei verlor er früh die unbefangene Ansicht des Lebens .... Selten übte ein Mensch die Kunst , andere zu erforschen und sich zu verbergen , glücklicher und geschickter als er . Ihm war es nicht gleichgültig , wem er sein Haus am Tage und wem er es in der Dunkelheit öffne . Sein ganzes Wesen trug das Gepräge der Umsichtigkeit , und wenn er reden mußte , wo er lieber geschwiegen hätte , bewahrte er sich sorgfältig genug , um nichts von seinem Innern zu enthüllen . Rat gab er nie ungefragt , und den er gab , hielt er für sicherer oder verdienstlicher , dem Fragenden unterzuschieben ; auch des Ruhms , der ihm aus dem gegebenen zuwachsen konnte , entäußerte er sich mit seltener Willfährigkeit .... Friedrich Wilhelm ward nie durch ihn in der Überzeugung gestört , er wäge , wähle und beschließe allein .... Das Vorurteil uneigennütziger Anhänglichkeit , das er für sich hatte , reichte hin , Verdächtige zu entfernen und Geprüftere zu empfehlen . So gelang ihm , wonach er strebte . Er ward reich durch die Huld des Monarchen , ohne Vorwurf , und der erste im Staate , ohne Verantwortlichkeit .... Anmaßungen , nicht Vergünstigungen gefährden . « Dies Urteil Mansos , wenn wir von dem Irrtum absehen , daß er von Bischofswerder als » reich « bezeichnet , wird im wesentlichen zutreffen . Aber was enthält es , um den Mann oder seinen Namen mit einem Makel zu behaften ? Was andres tritt einem entgegen als ein lebenskluger , mit Gaben zweiten Ranges ausgerüsteter Mann , der scharf beobachtete , wenig sprach , keinerlei Ansprüche erhob , auf die glänzende Außenseite des Ruhmes verzichtete und sich begnügte , in aller Stille einflußreich zu sein . Wir bekennen offen , daß uns derartig angelegte Naturen nicht gerade sonderlich sympathisch berühren , und daß uns solche , die , zumal in hohen Stellungen , mehr aus dem Vollen zu arbeiten verstehen , mächtiger und wohltuender zu erfassen wissen ; aber , wohltuend oder nicht , was liegt hier vor , das , an und für sich schon , einen besonderen Tadel herausforderte ? Zu einem solchen würde erst Grund vorhanden sein , wenn Bischofswerder seinen Einfluß , den er unbestritten hatte , zu bösen Dingen geltend gemacht hätte . Aber wo sind diese bösen Dinge ? Wenn die ganze damalige auswärtige Politik Preußens – was übrigens doch noch fraglich bleibt – auf ihn zurückgeführt werden muß , wenn also der Zug gegen Holland , der Zug in die Champagne , der Zug gegen Polen und schließlich wiederum der Baseler Frieden sein Werk sind , so nehmen wir nicht Anstand zu erklären , daß er in allem das Richtige getroffen hat . Die drei Kriegszüge erwuchsen aus einem und demselben Prinzip , das man nicht umhin können wird , in einem königlichen Staate , in einer absoluten Monarchie , als das Richtige anzusehen . Ob die Kriegsleistungen selbst , besonders der Feldzug in der Champagne , auf besonderer Höhe standen , das ist eine zweite Frage , die , wie die Antwort auch ausfallen möge , keinesfalls eine Schuld involviert , für die Bischofswerder verantwortlich gemacht werden kann . Er hatte gewiß den Ehrgeiz , einflußreich und Günstling seines königlichen Herrn zu sein , aber er eroberte sich diese Stellung weder durch schnöde Mittel , noch tat er Schnödes , solang er im Besitz dieser Stellung war . Er diente dem Könige und dem Lande nach seiner besten Überzeugung , die , wie wir ausgeführt , nicht bloß eine individuell berechtigte , sondern eine absolut zulässige war . Er war klug , umsichtig , tätig und steht frei da von dem Vorwurf , sich bereichert oder andere verdrängt und geschädigt zu haben . Was ihn dem Könige wert machte ( darin stimmen wir einer Kritik bei , die sich gegen die oben zitierten französischen » Anmerkungen « richtet ) , waren : des moeurs pures , beaucoup d ' honnêteté dans le sentiment , un désinteressement parfait , un grand amour pour le travail . In dieser Kritik vermissen wir nur eines noch , was uns den Mann ganz besonders zu charakterisieren scheint , seinen bon sens in allen praktischen Dingen , wohin wir in erster Reihe auch die Politik rechnen , das klare Erkennen von dem , was statthaft und unstatthaft , was möglich und unmöglich ist . Über diese glänzendste Seite Bischofswerders gibt uns Massenbach in seinen » Memoiren zur Geschichte des preußischen Staates « Aufschluß . Dieser ( Massenbach ) verfolgte damals , 1795 bis 1797 , zwei Lieblingsideen : » Bündnis mit Frankreich « und » Neuorganisation des Generalquartiermeisterstabes « , – wohl dasselbe , was wir jetzt Generalstab nennen . In den Memoiren heißt es wörtlich : » Ich suchte den General von Bischofswerder für meine Ansichten zu gewinnen . Es hielt schwer , diesen Mann in seinem Zimmer zu sprechen . Desto öfter traf ich ihn auf Spazierritten . Er liebte den Weg , der sich vor dem Nauenschen Tore auf der sogenannten Potsdamer Insel , längs der Weinberge hinzieht . Da paßte ich ihm auf , kam wie von ungefähr um die Ecke herum , und bat um die Erlaubnis , ihn begleiten zu dürfen . Das Gespräch fing gewöhnlich mit dem Lobe seines Pferdes an ; nach und nach kamen wir auf die Materie , die ich zur Sprache bringen wollte . Ich gebe hier eines dieser Gespräche , worin ich ihm , wie schon bei einer früheren Gelegenheit , ein Bündnis mit Frankreich empfahl . Ich ( Massenbach ) . Preußen muß sich fest mit Frankreich verbinden , wenn es sich nicht unter das russische Joch beugen soll . Bischofswerder . Aber bedenken Sie doch , daß der König mit der Direktorialregierung kein Freundschaftsbündnis errichten kann . Unter den Direktoren befinden sich einige , die für den Tod ihres Königs gestimmt haben . Mit Königsmördern kann kein König traktieren . Ich . Traktieren ? Wir haben ja in Basel traktiert . Und gab der staatskluge Mazarin seinem Zöglinge nicht den Rat , den Königsmörder Cromwell seinen › lieben Bruder ‹ zu nennen ? Das Interesse des Staates entscheidet hier allein . Bischofswerder . Man hat keine Garantie . Morgen werden die › fünf Männer ‹ von ihren Thronen gejagt und nach Südamerika geschickt . Es ist eine revolutionäre Regierung . Ich . Die englische Regierung ist es auch . Georg III. ist nicht nur ein schwacher Mann , er ist weniger als nichts ; er ist wahnsinnig ... Heute negoziieren wir mit Pitt , morgen ist ein Bute an der Spitze der Angelegenheiten . Die englische Regierung gibt uns auch keine Sicherheit . Wir haben mit der französischen Regierung unterhandelt ; wir haben sie anerkannt ; wir haben ihr eine diplomatische Existenz gegeben und uns dadurch den Haß aller Mächte zugezogen . Einmal mit diesem Hasse beladen , gehe man noch einen Schritt weiter .... Bischofswerder . Sie gehen zu weit , Massenbach . Eine solche Idee dem Könige vorzutragen , kann ich nicht wagen . Auch kann ich Ihrer Meinung nicht beipflichten . Allianz mit Frankreich ! Das ist zu früh . Die Dinge in Frankreich haben noch keine Konsistenz . « Dies war im Frühjahr 1796 . » Die zweite , noch weit eingehendere Unterredung « , so fährt Massenbach fort , » die ich mit Bischofswerder um diese Zeit hatte , bezog sich auf die Neuorganisation des Generalquartiermeisterstabes . Ich bat um die Erlaubnis , ihm meinen Aufsatz über die Notwendigkeit einer › Verbindung der Kriegs- und Staatskunde ‹ vorlesen zu dürfen . Dies geschah denn auch an zwei Abenden , die ich bei Bischofswerder unter vier Augen zubrachte . Er machte , als ich geendet hatte , einige treffende Bemerkungen . Unter andern sagte er folgendes : › Selbst angenommen , daß dies alles nur politisch-militärische Romane wären , so würde doch die Lektüre derselben den Prinzen des königlichen Hauses ungemein nützlich sein , nützlicher als die Lektüre von Grandison und Lovelace . Die jungen Herren würden dadurch die militärische Statistik unseres Staates und der benachbarten Staaten kennenlernen . ‹ « » Das Ende meines Aufsatzes « , so schließt Massenbach , » ließ er sich zweimal vorlesen . Er lächelte . Als ich in ihn drang , mir dies Lächeln zu erklären , sagte er : › Der Generalstab wird , wenn Ihre Idee zur Ausführung kommt , eine geschlossene Gesellschaft , die einen entscheidenden Einfluß auf die Regierung des Staates haben wird . Ihr Generalquartiermeister greift in alle Staatsverhältnisse ein . Sein Einfluß wird größer , als der des jetzigen Generaladjutanten . Solange Zastrow der vortragende Generaladjutant ist , wird Ihre Idee nicht ausgeführt werden . Jetzt müssen Sie diese Idee gar nicht mehr zur Sprache bringen . Teilen Sie solche niemandem mit . Die Sache spricht sich herum , und Sie haben dann große Schwierigkeiten zu bekämpfen ... Ihren Antrag wegen der Reisen der Offiziere des Generalquartiermeisterstabes will ich gern beim Könige unterstützen . ‹ « ( Dies geschah . ) Massenbach , der immer Gerechtigkeit gegen Bischofswerder geübt und nur seine Geheimtuerei , sein Sich-verleugnen-lassen und sein diplomatisch-undeutliches Sprechen , das er » Bauchrednerei « nannte , gelegentlich persifliert hatte , war nach diesen Unterredungen so entzückt , daß er ihre Aufzeichnung mit den Worten begleitet : » Ich gewann den Mann lieb ; er erschien mir einsichtsvoll und ich konnte mich nicht enthalten , ihn zu embrassieren . « Wenn nun auch einzuräumen ist , daß der immer Pläne habende Massenbach durch ein solches Eingehen auf seine Ideen bestochen sein mußte , so muß doch auch die nüchternste Kritik , die an diese Dialoge herantritt , eingestehen , daß sich überall ein Prinzip , und doch zugleich nirgends eine prinzipielle Verranntheit , daß sich vielmehr Feinheit