Hofgärtners oder des Kastellans verpflegen . Dies gereicht dem König um so mehr zur Ehre , als Rösel , ein echter Sohn der Aufklärungszeit , seine Ansichten , ja , seine Spöttereien , niemals verhohlen hatte . « Diese Zeilen werden durch eine Stelle bei Varnhagen , Tagebücher II. S. 75 bestätigt . Es heißt daselbst : Sonnabend den 4. Juni 1842 . » Der Maler Rösel ist sehr krank . Der König hat ihn nach Charlottenhof eingeladen , die Königin selbst wollte ihn pflegen , – zu spät kommt dem armen Manne so viel Huld ! « So weit Varnhagen . Irrtümlich an dieser Notiz ist wohl nur das leise anklagende » zu spät « . Es scheint Rösel zu keiner Zeit an » Huld « und herzlichsten Freundschaftsbeweisen gefehlt zu haben . Einem Sterbenden war nur eben schwer zu helfen . Beinah gleichzeitig mit den vorstehenden Zeilen empfing ich die folgenden . » Sie werden Adolf Stahrs kleinen Artikel in der National-Zeitung gelesen haben . Auch ich entsinne mich Rösels sehr wohl . Er war ein Meister in der Sepiamalerei und hat eine Anzahl seiner Blätter publiziert . Alte Berliner Familien , ich nenne nur Deckers , bewahren manches davon als Andenken und Rauchs Tochter , Broses , Brendels , Marianne Mendelssohn und die Solmar müssen von ihm zu erzählen wissen . Er war sehr gefürchtet , weil er einen scharfen Witz hatte . Seine Herzensgüte glich es aber wieder aus . Mal wurde für ein armes Künstlerhaus eine Lotterie veranstaltet . Auch Rösel hatte beigesteuert und erschien endlich zur Ziehung : klein , krumm und in schwarzem Frack . Er sah dabei aus , als ob er nie etwas anderes trage als einen schwarzen Frack . Ich seh den kleinen Mann noch durch die Stube schreiten . Stahr spricht von einem Blatte » Goethes Hof « . Das trifft nicht völlig zu . Was Rösel gezeichnet hat , ist der Brunnen auf Goethes Hof in Frankfurt . Ihr W. Hertz . « Und noch ein Brief . Er lautete : Wiesbaden 4. März 1873 . ... Sie fragen in Ihrem Buche › Wer war Rösel ? ‹ Diese Frage war mir wieder einmal ein rechter Beweis für die Vergänglichkeit alles Irdischen . Denn zu meiner Zeit war Rösel eine bei alt und jung , bei hoch und niedrig bekannte und beliebte Persönlichkeit . Ohne mich auf seinen Lebensgang und seine Leistungen hier einzulassen , will ich Ihnen doch wenigstens einige Notizen mitteilen . Rösel war Professor an der Kunstakademie und gab auch in Privatkreisen Unterricht im Landschaftzeichnen mit der Feder . Er hatte darin eine ganz eigene kräftige Manier , wie ich sie nie wieder gesehen habe Die höchsten Herrschaften , die vornehmsten Familien nannten ihn ihren Lehrer , und alle liebten ihn , seiner Heiterkeit , seines Witzes , und seiner unermüdlichen Gefälligkeit wegen . Es gab kein Familienfest , kein Liebhabertheater , keine lebenden Bilder , bei denen er nicht Ratgeber und Helfer war . Es kam ihm gar nicht darauf an , Kulissen zu malen und Gelegenheitsgedichte zu machen . Ich selbst habe manchmal seine Güte in Anspruch genommen . Seine ganze Erscheinung hatte etwas Drolliges , Gnomenhaftes . Er war klein und verwachsen , der Kopf aber groß , mit dunkeln , ins Graue spielenden langen Locken . Sein sehr markiertes Profil hatte etwas Orientalisches . Sie werden ihn leicht auf dem bekannten Krügerschen Huldigungsbilde in der Künstlergruppe auf der Estrade rechts erkennen . Wenn ich nicht irre , sind Zeichnungen von ihm im Kupferstichkabinett , doch bin ich dessen nicht gewiß . Er hat lange Jahre in der Friedrichstraße gewohnt , Ecke der Mohrenstraße , unendlich einfach eingerichtet , ein echter Künstler-Junggeselle . von Röder , 28 Generalleutnant z. D Das waren die Zuschriften , die ich ohne mein Zutun erhielt . Um andere bemühte ich mich , indem ich bei Personen anfragte , von deren früheren Beziehungen zu Rösel ich inzwischen erfahren hatte . Einen aus der Reihe dieser Briefe , der das reichste Material gibt , lasse ich in nachstehendem folgen . Rom 21. Januar 1880 . Piazza Campitelli , Palazzo Capizucchi . Ihren lieben Brief mit der Rösel-Anfrage habe ich gestern erhalten und ich beeile mich , Ihnen darauf zu antworten . Rösel wurde um 1770 in Breslau geboren . Und zwar am 9. Oktober . Sonderbarerweise bin ich über das Jahr unsicher , desto sicherer aber über den Tag . Ich weiß nämlich , daß es der Tag vor meines Vaters Geburtstag war . Er malte Landschaften , aber nicht in Öl , sondern in Sepia , hatte eine besondere Vortrags-und Behandlungsart , die er » knackern « nannte . Was es bedeuten sollte , weiß ich nicht . Er war eine der bekanntesten Persönlichkeiten und es gab kaum einen Abend im Jahr , an dem er nicht in Gesellschaft gewesen wäre . In besonders freundlichen Beziehungen stand er zur Familie Mendelssohn . Er hatte die Eigentümlichkeit , sich überall anzusagen , gewöhnlich zu einem Karpfenkopf . Bei meinem Großvater Feilner war er , dreißig Jahre lang , jeden Dienstag zur Whistpartie , sehr heftig beim Spiel und der jedesmalige Schrecken seines Partners . Ich sehe noch das große rote Kissen , mit dem darauf gestickten Röselchen , das ihm auf den Stuhl gelegt wurde . Denn Sie wissen , daß er sehr klein und bucklig war . Zu jedem Geburtstage meines Großvaters erschien er mit einem paar pompejanischen Scherben und obligatem Gedicht , das dann bei Tische vorgelesen wurde . Seine Handschrift war sehr charakteristisch , und jeden von ihm geschriebenen Brief bezog er am Rande mit einem rotgetuschten Strich . Seine Korrespondenz war die umfangreichste von der Welt und ein paar alte Weiber dienten ihm dabei als Briefboten . Sie hatten verschiedene Namen . Eine nannte er » Iris « , doch waren die Namen , die wir ihnen beilegten , minder poetischen Klanges . Sie waren alle sehr häßlich und wahre Unholde . Seine Beziehungen zu Goethe sind bekannt . Er war auch Freimaurer . Ich habe ihn nie anders gesehen , als im schwarzen Frack und weißer Krawatte . Seine letzten Jahre waren nicht die glücklichsten . Er wurde immer bärbeißiger , seine äußerliche Lage verschlechterte sich , und er hielt sich zuletzt zur Flasche , sogar zur Likörflasche . » Iris « und ihre Kameradinnen bekamen ihn ganz in ihre Gewalt . Um ihn daraus zu befreien , wurd ' ihm , seitens seiner näheren Bekannten , ein Diener gehalten . Aber die Sache wurde hierdurch nicht gebessert . Im Gegenteil . Als er bald darauf , durch die Gnade Friedrich Wilhelms IV. eine Pension und eine Wohnung in Bornstädt empfing , begleitete ihn der Diener , der nun bald » um die Wette mit ihm die Fahne hochhielt . « Soll ihn auch schlecht behandelt haben . Endlich starb er , einsam und vergessen , und so schloß in Freudlosigkeit ein Dasein , das , durch ein halbes Jahrhundert hin , immer nur bemüht gewesen war , Gutes zu tun und Freude zu schaffen . Ihr H. W. So viel von Briefen . Ich ließ es aber bei brieflichen Anfragen nicht bewenden und bemühte mich auch in Familien Zutritt zu gewinnen , in denen Rösel seinerzeit verkehrt hatte . Dort hoffte ich nicht nur von ihm zu hören , sondern auch das eine oder das andere von ihm zu sehen . Ein glücklicher Zufall führte mich , gleich zuerst , in das Haus der seitdem verstorbenen Frau Geheimrätin Zimmermann , geb . Palis , wo ich , zu meiner freudigsten Überraschung , ein ganzes Museum von Röselianas vorfand : Bilder , pompejanische Scherben und Briefe . Die Ausbeute war so reich , daß ich , aus Furcht vor einem embarras de richesse , meine Bemühungen nicht weiter fortsetzte . Denn ähnlich intime Beziehungen , wie zum Hause Zimmermann , 29 unterhielt Rösel zu vielleicht zwanzig andern Häusern , unter denen hier nur die Häuser Mendelssohn , Brose , Feilner , Hotho , Decker und Hofzimmermeister Glatz genannt werden mögen . Auf diese Röseliana des Hauses Zimmermann gehe ich nunmehr näher ein . I. Bilder Eingerahmt und alle in Sepia 1. Kloster oberhalb Subiaco im Sabinergebirge . 2. Kloster San Cosimato unweit Tivoli , an welcher Stelle der heilige Benedikt längere Zeit lebte , ehe er das erste Kloster auf Monte Cassino erbaute . 3. Die Kirche der heiligen Constantia ( früher Bacchustempel ) vor der Porta Pia in Rom . 4. Ein Teil des alten Schlosses zu Mansfeld , der » Mittelort « genannt , in welchem Martin Luther kurz vor seinem Tode die gräflich Mansfeldsche Familie zur Eintracht ermahnte und Frieden stiftete . 5. Ein Blick vom südwestlichen Abhange des Schloßberges zu Wernigerode auf den Kirchhof und die Sankt Theobalds-Kirche zu Nöschenrode . Das älteste Kirchlein im Harzgebirge ; Sankt Theobald eines Köhlers Sohn . 6. Die Bäder von Gastein im Salzburgischen . Dies letztgenannte ist das Hauptbild , größer als die andern , und mit besondrer Liebe ausgeführt . Ich glaube , daß es auch jetzt noch vor Künstleraugen bestehen kann . Es war zum 10. Oktober 1831 als Geburtstagsgeschenk für den alten Jordan bestimmt , leider aber nur halb fertig geworden . Um diesen unfertigen Zustand zu entschuldigen , begleitete er das Bild mit einem Gedichte , das folgendermaßen lautete : Der Kritiker . Nun das ist wahr , mein Herr Rösèll , Ihre Zeichnung ist wirklich höchst originell , Man möchte schwören ' s wär leeres Papier , So schrecklich klar ist Ihre Manier . Solch Angebinde kein Kind begehrt , Am wenigsten ist es den Rahmen wert . Der Zeichner . Geb ' zu , Sie treiben mich in die Eng ' , Aber sind doch viel zu streng . Diese Zeichnung erkennen bloß Kinder des Lichts , Sie sind aber keins , drum sehen Sie nichts . Ich lass ' Ihnen noch acht Tage Ruh , Dann sehn Sie mal wieder nach oder zu . Der Kritiker . Nun merk ' ich , wie ' s zusammenhängt : So geht es , wenn man zu spät anfängt . Diese Verse sind auf die Rückseite geklebt , passen aber insoweit nicht mehr , als das Bild jetzt in allen Stücken fertig ist . Außer diesen eingerahmten Bildern besitzt die Familie Zimmermann noch eine ganze Anzahl von Zeichnungen , die als Vorlegeblätter benutzt werden . Wenn mich nicht alles täuscht , stehen sie , in ihrer saubren Einfachheit , künstlerisch höher , als die sorglich ausgeführten großen Landschaften . Hierher gehört auch ein Kästchen , auf dessen Deckel er eine kleine Niedlichkeit gezeichnet hat . Dies Kästchen , als er es schenkte , war von folgenden vier Zeilen begleitet : Hölzern ist die Gabe Und leer im Innern ; drum habe Den Inhalt ich mit gutem Bedacht Gleich von außen angebracht . II. Kuriositäten Alle diese Dinge sind heute , wo jeder dritte Mensch in Rom und Neapel war , zu wertlosem Trödelkram geworden . Vor fünfzig Jahren hatten sie noch einigermaßen eine Bedeutung . Es sind das die » Scherben « , von denen der vorstehende aus Rom mitgeteilte Brief H. W. ' s spricht . Ich leiste deshalb auch Verzicht dar auf , die einzelnen Stücke hier namentlich aufzuführen . III. Briefe Dies ist der Hauptschatz , und sie geben nicht nur ein vollkommenes und wie ich meine sehr liebenswürdiges Bild des Mannes , sondern auch seiner Zeit . Alte Berliner werden diese kleinen Schnitzel nicht ohne Freude , manche nicht ohne Bewegung lesen . Die etwa zwanzig , die ich mitteile , sind aus ein paar hundert ähnlicher ausgewählt . Meistens sind sie auf Papier in Duodezformat geschrieben , einige auf Karten , wie sie jetzt wieder Mode sind , und alle haben sie den rotgetuschten Rand , dessen H. W. in seinem Briefe Erwähnung tut . Nur wenige sind gesiegelt und zeigen dann ein Efeublatt mit den Initialen S. R. Und nun mögen die Briefe selber sprechen . Den 4. Mai 1826 . Wär ' s vielleicht um zwei ? Wär ' s vielleicht um drei ? Jedenfalls dabei . Euer R. Sonntag Rogate 1826 . Wo seid Ihr heute , Lieben Leute ? An der Panke ? Ich danke . An der Spree ? Da käm ' ich . Juchhe ! Dienstag , 23. Januar 1827 . Für den Seume schick ich hier den Heinrich von Kleist . Ich bitte später daraus vorlesen zu dürfen . Was macht der Onkel ? Besser ? Ich werd ' es sonst bei Barez bestellen ! 23. April 1827 . Gestern war Sonntag Quasimodo und ich war quasi modo dicht am Sterben . O diese höllische Migräne ! Das einzige Mittel ist Ruhe . » Ruhe ist die erste Bürger-Pflicht « sagte schon Minister von der Schulenburg . Aber an Migränetagen dürfen es sich auch Hochadlige gesagt sein lassen . Und dann natürlich auch Kamillentee . Anbei sende ich den ersten Teil von Heinrich von Kleist zurück . Darf ich mir dafür den Teil erbitten , in dem die Novelle » Hans Kohlhaas « steht ? Auch nehme ich mit dem Käthchen von Heilbronn oder dem Prinzen von Homburg vorlieb . Donnerstag , den 14. Juni 1827 . Am Tage Sankt Modesti des modestesten Heiligen . In Ermangelung von etwas Besserem schicke ich das beifolgende Bildchen , das ich , je nachdem es die Größe des Kästchens verlangt , bei a oder bei b abzuschneiden bitte . Wird bei b abgeschnitten , so fällt der alte Herr auf dem Baume weg und die Birnen fallen dann , wie vom Himmel , in die Schürze der Sammlerin . – Unbekleidetes könnt ich in Menge liefern , aber das könnte Sankt Modestus übelnehmen und mit Heiligen darf man ' s nicht verderben . Wir haben ' s hier unendlich heiß und ich verkoche ganz allmählich , wobei mich nur die Krebse trösten , die längst gewohnt sind , lebendig gesotten zu werden . Haltet Euch tapfer in Pankow ! Donnerstag , den 6. Dezember 1827 am Tage des heiligen Nikolas , der den frommen und fleißigen Kindern goldne Äpfel bringt . Und auch ich komme nicht mit leeren Händen und schicke endlich das versprochene Buch . Trotz allem Ungewissen steckt doch viel Wissen darin . Ein eigentliches Urteil darüber habe ich nicht , weil ich es nicht ganz verstehe ; doch habe ich Meinungen , die einem Urteil beinah gleichkommen . Selbst Professor Hegel sprach mit großer Achtung und Schonung einige Worte über den jugendlichen Autor aus . Montag , den 3. November 1828 . Am Tage Gottlieb . So hört denn : Alle die Gott lieben , In Wohltun nie zurückgeblieben , Hungrige speisen , Durstige tränken , Arme zum Geburtstag beschenken , Beschenken in Gnad und Überfluß – Euch , Ihr Lieben , herzlichen Gruß ! Den 5. März 1829 . ( Mit einigen Fragmenten aus dem Äsculaptempel in Pompeji . ) Gestohlen ? So haben wir nicht gewettet . Ich hab es gefunden und – gerettet . Den 26. Dezember 1829 . Am Tage des heiligen Stephanus , des ersten Märtyrers . Ich komme bestimmt noch , aber leider erst spät , da ich noch notwendig zu dem Silberpärchen Mendels sohn-Bartholdy muß . Montag , den 19. September 1831 . Cholera her , Cholera hin , Leben , leben ist Gewinn Und könnt ihr mir morgen ' ne Suppe geben , So möcht ich morgen wohl noch leben . Mittwoch , den 2. November 1831 . Als ich vor zweiundvierzig Jahren nach Berlin kam , gab es eine Gesellschaft , welche sich » la Société du Mercredi « nannte und immer Donnerstags zusammenkam . Warum sollte es der gütigen Madame Jordan nicht erlaubt sein , ihren Donnerstag auf den Freitag zu verlegen ? Sonntag , den 6. November 1831 . Am Tage Sankt Leonhard oder Löwenherz . Am heutigen Tage muß ich mir ein Löwenherz fassen und Dir schreiben , daß ich beim besten Willen nicht kommen kann , da heute zwei ehrenfeste Geburtstagskinder : der alte Hofzimmermeister Glatz und Fräulein Luise Hotho befeiert werden müssen . Morgen bin ich bei Feilners . 30 Freitag , den 18. November 1831 . Hier meine teure Fanny , sende ich Ihnen den verheißenen Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller , oder , wenn es die gute Tante so will , zwischen Schiller und Goethe . Streng genommen gebührt aber diesem letzteren der Vorrang , dieweil durch seine früheren unsterblichen und höchst genialischen Werke der viel jüngere Schiller zum Schreiben und Dichten erst angeregt wurde , Goethe aber die weite Bahn sich selbst eröffnete . Vielleicht söhnt sich Tantchen durch diese Briefe mit dem verhaßten Goethe aus . Ich würde mich über solche Bekehrung herzlich freuen , denn jedes überwundene Vorurteil gewährt einen Triumph . 23. Juni 1832 . Ich kann leider nicht kommen . Am Sankt Johannistage gehöre ich dem Orden an , und muß diesen Tag feiern helfen , wie eben jeder gute Christ tun sollte . Denn Johannes der Täufer wurde von Oben gewürdigt und berufen , dem Messias den Weg zu bahnen , auf daß der von Gott Gesandte die Menschen zur ewigen Glückseligkeit , d.h. zum Leben in Gott zurückführe . Freitag , 4. Januar 1833 . Am Tage Methusalem oder Methusalah , der sich bekanntlich schämte , tausend Jahre alt zu werden , und schon im neunhundertneunundsechzigsten , in der Blüte des reiferen Mannesalters , das Zeitliche segnete . Sie fragen , liebe Fanny , was coq-à-l ' âne bedeutet ? So viel wie ungereimtes Zeug oder Durcheinander oder Quodlibet . Denn wenn Hahn und Esel sich in die Rede fallen , so kommt nicht viel Gescheites heraus . 13. April 1833 . Bin leider immer noch krank . Und hätte doch geglaubt , einen bequemeren Posten verdient zu haben , als den eines Nachtwächters , der die Stunden abhusten muß . Sonntag , den 14. April 1833 . Die Grippe nimmt schweren Abschied von mir . Ich kann es ihr nicht verdenken ; es ging ihr so gut bei mir . Aber sie muß fort . Dienstag , 16. April 1833 . Es geht endlich besser . Schickt nun nichts mehr für den Kranken . Heute wird Gräfin Sophie Schwerin für mich sorgen und morgen Mendelssohns in der Jägerstraße . Donnerstag komm ich selbst . In demselben Jahre ( 1833 ) machte er eine Sommer- , Studien- und Erholungsreise bis nach Hessen und Westfalen und im August nach Berlin zurückgekehrt , schrieb er einen langen Reisebrief an seine Freundin Fanny Jordan , die mittlerweile Frau Steuerrätin Hedemann zu Demmin in Pommern geworden war . Der Brief lautet : Berlin , 18. August 1833 . Mit fast noch größerem Recht als der muskauwitische Fürst Pückler , könnte ich seit dem fünften Juli dieses Jahres meine Episteln : » Briefe eines Verstorbenen « titulieren , denn an jenem Tag stand mein Leben still und alle meine Sinne versagten mir den Dienst . Zwar wäre diese Todesart eine ganz exzellente zu nennen gewesen , denn ich verschied in den Armen zweier Exzellenzen : Minister von Klewitz und Generalleutnant Graf von Hacke , auf des letztern Hausflur zu Magdeburg , aber ich bin nicht so eitel und ziehe ein bescheidenes Leben einer glänzenden Todesart vor . Mein alter Freund , der Medizinalrat Dr. Schulz , trat zur rechten Zeit ins Haus , denn der entscheidende Augenblick war nahe und nur ein Aderlaß konnte mich retten . Die Herren Homöopathen mögen dagegen sagen , was sie wollen , denn alle ihre niedlichen Riechfläschchen und Million-Teilchen hätten mich nicht wieder ins Leben gerufen . Mir gelang es besser , wie jenem armen Sünder , der auf dem Wege zum Galgen gefragt : » Ob er etwas zu seiner Equickung begehre , etwa einen Schluck Wein ? « um einen Aderlaß bat , und auf die Frage : » warum gerade das ? « antwortete : » man hab ' ihm immer gesagt , der erste Aderlaß könne vom Tode retten . « Mir hat ' s geholfen , dem armen Jungen aber nicht , trotzdem ich in Städten und Schlössern viel mehr eingesteckt habe , als er . Aber so geht es in der Welt : Die kleinen Diebe henkt man , und die großen läßt man laufen . Sorgfältiger und liebevoller kann kein Bruder vom andern gepflegt und gewartet werden , als ich im Gräflich von Hackeschen Hause , und so ward es mir möglich , nach acht Tagen meine Reise langsam fortzusetzen . Die Krisis war glücklich überstanden , und ich gehörte endlich wieder zu der uralten Familie A-Grippa , d.h. zu der , welche die Grippe nicht hat . Leider trat mit der Sonnenfinsternis am 17. Juli erst Nebel , dann Regen und Kälte ein , so daß ich meinem Skizzenbuche nur schmale Kost reichen konnte . Ein Fremder an der Table d ' hôte in Hildesheim nannte den feinen Nebelregen » Luftschweiß « ; er ist aber dem kalten Todesschweiße noch ähnlicher , der allen zarten Pflänzchen den Garaus macht . Zu meinem Glücke reise ich nicht bloß auf schöne Gegenden , Kirchen , Schlösser und Altertümer , sondern vor allem auf Menschen . Papa Goethe hat wohl recht , wenn er sagt : » Die Welt ist so leer , wenn man nur Berge , Flüsse und Städte darinnen sich denkt ; aber hie und da jemand zu wissen , der mit uns übereinstimmt , mit dem wir auch stillschweigend fortleben , das macht dieses Erdenrund erst zu einem bewohnten Paradiesgärtlein . « Da mochte es denn regnen und kalt sein , ich sonnte mich an den vielen , des unverhofften Wiedersehens sich freuenden Augen alter Freunde und Bekannter , die mir fast an jedem Orte entgegenleuchteten und mich alles Ungemach der Witterung vergessen ließen . Und so schied ich denn auch von jedem Orte viel reicher an Freunden und interessanten Bekanntschaften , als ich kam . Der Herzenskalender füllte sich zusehends mit neuen Geburtstagen und Lebensfesten , und solches tut auch not , denn in der letzten Zeit war der Abgang stärker , als der Zuwachs . – Den Geburtstag unsres teuren Königs feierte ich , trotz Sturm und Drang , auf einem höchst klassischen Boden und zwar im Arnsbergischen Regierungsbezirk , auf den Grundmauern der Burg Karls des Großen , wo er Reichsversammlungen und Zehntgerichte hielt , wo ihn die Päpste Hadrian I. und Leo III. besuchten , und allwo er die widerspenstigen und ungläubigen Sachsen ziemlich unsanft bekehrte . Dies war auch der weiteste Punkt meines Streifzuges , denn da ich durch mein Sterben und Auferstehn in Magdeburg zwölf Tage von der Urlaubszeit eingebüßt hatte , und nur kleine Reisen wagen durfte , um nicht zum zweiten und vielleicht letzten Male zu verscheiden , so mußt ich kehrtmachen , ohne den alten Vater Rhein begrüßt zu haben . Und so bin ich denn über Arolsen , Kassel , Heiligenstadt , Nordhausen , Eisleben , Halle , Wittenberg am 8. August wieder heimgekehrt . Noch zu guterletzt feierte ich in Halle ein beseligendes Fest des Wiedersehens und zwar im Gasthofe am Zeitungstisch . Da saß ein eifriger Zeitungsleser in den Hamburger Korrespondenten ganz und gar versunken ; plötzlich sah er auf und schrie : » Sind Sie ' s wirklich , lieber Rösel ? « » Ja , ich bin ' s Exzellenz . « Es war mein alter Freund und Gönner , der Chefpräsident von Vincke aus Münster . Seine Umarmung bei meinem Einsteigen in die Extra Post-Chaise gab mir in den Augen der Umstehenden ein gewaltiges » Basrelief « , wie General Elsner zu sagen pflegte . An der nächsten Station hielt gleichzeitig mit meinem Postwägelchen ein stattlicher Reisewagen . Ein elegant gekleideter Reisender stieg aus , und siehe , es war der Hofbuchdrucker Rudolph Decker . Bald darauf kuckte mich auch sein Schätzellchen gar freundlich an . Da gab ' s etwas zu erzählen , vom schönen Musikfeste in Düsseldorf , von den trefflichen jungen Künstlern daselbst usw. So plauderten wir von Station zu Station bis Wittenberg , wo wir noch miteinander zu Abend speiseten und uns ein : » Auf Wiedersehen in Berlin « zutranken . Denn ich wollte in Wittenberg übernachten , das junge Paar aber in einem Striche weiterrollen . Seit dem Wiederaufleben in Magdeburg esse und trinke ich mit gesundem Appetite , schlafe wie ein Murmeltier und fühle mich gesund und heiter wie ein Fisch im Wasser .... Am 8. Juli 1843 starb Rösel und wurde auf dem Bornstädter Kirchhof begraben . Die Chronik der Königlichen Akademie der Künste brachte das Jahr darauf folgenden kurzen Nekrolog : » Johann Gottlob Samuel Rösel , geboren zu Breslau den 9. Oktober 1768 ( die Grabinschrift sagt 1769 ) , wurde am 14. Februar 1824 zum ordentlichen Mitgliede der Akademie gewählt . Schon vorher war er königlicher Professor und Zeichenlehrer an der Bauschule . Als geistreicher Landschaftszeichner geschätzt , bis ins Alter von unverwüstlicher Heiterkeit und bei beschränkten Mitteln unermüdlich im Wohltun , folgt ihm das ehrende Andenken zahlreicher Freunde . Von königlicher Huld in den Gartenschlössern bei Potsdam bis an sein Ende gepflegt , starb er ebendaselbst . « Auch noch in seiner letzten Krankheit war er durch Geheimrat Dr. Zimmermann ärztlich behandelt worden . An sogenannten » Erlebnissen « hat sein Leben wohl wenig aufzuweisen . Er gehörte ganz und gar einer gemütlichen Form gesellschaftlichen Daseins an ; darin ging er auf und man würde sagen müssen auch unter , wenn sein Talent und seine Bedeutung ein so feierlich klingendes Wort überhaupt gestattete . Denn alles an ihm war Dillettantismus . Er erinnert in vielen Stücken an Wilhelm Hensel , der den besten Teil seines Lebens auch an vornehmen Umgang , an Einsammeln von Zelebritätsköpfen für seine Porträtmappe und an Briefchen und Gedichtchen setzte . Nichtsdestoweniger war ein Unterschied , und einer unsrer gegenwärtigen Altmeister , der beide noch gekannt hat , brach , als ich auf die vorstehende Parallele hinwies , unter herzlichem Lachen in die Worte aus : » Um Gottes willen nicht ! Mit Hensel war es nicht viel , aber gegen Rösel war er ein Gott . « Mit zwei Anekdoten will ich schließen . Schleiermacher und Rösel , beide Breslauer , beide klein und verwachsen , trafen sich in einer Gesellschaft und erinnerten sich , auf derselben Schulbank gesessen zu haben . » Wir waren damals halbwachsen « sagte Rösel . » Im Grunde genommen « lachte Schleiermacher » sind wir ' s auch geblieben . « In der zweiten Anekdote spielt Rösel seinerseits die Hauptrolle . Er saß in Sanssouci mit bei Tisch und Friedrich Wilhelm IV. stieß aus Versehen ein Glas Portwein um . » Was sagen Sie nun ? « fragte der König . » Gott , Majestät « antwortete Rösel » eben war es noch Portwein und jetzt ist es bloß Tischwein . « Marquardt Marquardt von 1795 bis 1803 Marquardt von 1795 bis 1803 General von Bischofswerder Die Zeit der Heerlager war vorüber , der Baseler Friede geschlossen ; in demselben Jahre war es , 1795 , daß der General von Bischofswerder Marquardt käuflich an sich brachte , nach einigen aus dem Vermögen seiner zweiten Frau , nach andern aus Mitteln , die ihm der König gewährt hatte . Das letztere ist das wahrscheinlichere . Gleichviel , er erstand es und gab dem Herrenhause , dem Park , dem Dorfe selbst , im wesentlichen den Charakter , den sie samt und sonders bis diesen Augenblick zeigen . So wenig Jahre er es besaß , so war dieser Besitz doch epochemachend . Ehe wir darzustellen versuchen , was Marquardt damals sah und erlebte , versuchen wir eine Schilderung des einflußreichen und merkwürdigen Mannes selbst . Hans Rudolf von Bischofswerder wurde am 11. November 1740 zu Ostramondra im sächsisch-thüringischen Amte Eckartsberga geboren . 31 Die Angabe von Tag und Jahr ist zuverlässig , die Ortsangabe fraglich . Sein Vater war Adjutant bei dem Marschall von Sachsen , warb für Frankreich das Regiment Chaumontet und starb als Oberst im Dienste der Generalstaaten . Hans Rudolf von Bischofswerder studierte von 1756 an zu Halle , nahm dann Kriegsdienste und trat 1760 in das preußische Regiment Karabiniers , dessen Kommandeur ihn zu seinem Adjutanten machte . In dieser Eigenschaft wohnte er den letzten Kämpfen des Siebenjährigen Krieges bei . Noch während der Kampagne stürzte er mit dem Pferde , erlitt einen Rippenbruch , und zunächst wenigstens sich außerstande sehend , die militärische Laufbahn fortzusetzen , begab er sich auf sein Landgut in der sächsischen Lausitz , wo er sich 1764 mit einer Tochter des kursächsischen Kammerherrn von Wilke vermählte . Er lebte hier mehrere Jahre in glücklicher Zurückgezogenheit und » übte « , wie es in einer der zeitgenössischen Schriften heißt , » all die gesellschaftlichen und häuslichen Tugenden die ihm die Hochachtung derer , die ihn kannten , erwarben . « Sein guter Ruf verschaffte ihm die Ehre , als Kavalier an den sächsischen Hof gerufen zu werden . Von hier aus machte er mit dem Prinzen Xaver eine Reise nach Frankreich . Bald nach seiner Rückkehr wurde er Kammerherr des Kurfürsten , hiernächst Stallmeister des Prinzen Karl , Herzogs von Kurland . Herzog Karl von Kurland , Sohn Friedrich Augusts II. , lebte damals zumeist in Dresden und gehörte in erster Reihe zu jener nicht kleinen Zahl von Fürstlichkeiten , die für das epidemisch auftretende Ordenswesen , für Goldmachekunst und Geistererscheinungen ein lebhaftes Interesse zeigten . So konnte es denn kaum ausbleiben , daß auch Bischofswerder , wie alle übrigen Personen des Hofes , zu jenen Alchimisten und Wunderleuten in nähere Beziehung trat , die damals beim Herzoge aus- und eingingen . Unter diesen war Johann Georg Schrepfer der bemerkenswerteste . Er besaß einen » Apparat « , der so ziemlich das Beste leistete , was nach dieser Seite hin in damaliger Zeit geleistet werden konnte . Dazu war er kühn und von einem gewissen ehrlichen Glauben an sich