sie sich nicht gerade borniert auf ein gewisses eingelerntes Schema beschränken , die Farben in den Gesichtern der Menschen nicht wahrnehmen mochten , die betroffen machende , nur scheinbar disharmonische Anmut verrenkter Gliedmaßen , diese Tiergesichter , Katzen oder Schmetterlinge , die aus Physiognomien glotzten , diese Körper , die sich in Flächen ereigneten , statt in kubischer Dreifaltigkeit ? Jawohl ja , die artistische und vitale Wahrheit Kelwascher Figuren war durchdringend , peinigend und erlösend . So wie er hatte noch kein Pariser Akademiker Menschen gemalt , die modern waren aus dem Effeff , ja , ganz Jäger , ganz Beobachter , ganz sinnliche Lebensfreude waren bis in die infamsten Regungen ihrer Seele . Daß die Mittel , mit denen er arbeitete , unsäglich elend waren , was verschlug das ? Seine Kunst war so ganz Form , daß er sich wohl kaum darüber Rechenschaft gab , es gäbe so etwas wie Mittel . Und nun würde ich sagen , nehmen Sie dieses - wie soll man sagen - diesen Harm Kelwascher Frauengestalten , diese Katzenverliebtheit jedes einzelnen Müskelchens , das Feste feiert , die Sie Verrenkung nennen , Herr , weil Sie nicht sehen können , Herr , nun wissen Sie es , würde ich sagen . Ich würde Pamphlete schreiben , eine neue Theorie aufstellen , das Fleisch im Menschen erlösen , diese oft angekündigte Auferstehung endlich einmal stattfinden lassen ! Und ich würde eine neue unantastbare Menschlichkeit begründen , eine gesunde unsentimentale Humanität , bei der auch einmal einer draufgehen dürfte . Leben links und Leben rechts , Leben auf allen Seiten , Leben mit und gegen das Leben ! Die Bewegung macht den Atem rein . Wie diese Luft sich köstlich schnappen ließ ! Im Suchen nach etwas an und für sich Belanglosem stieß ich auf mich . Wie ein Berg erhob ich mich plötzlich vor mir selber ! Was ist das Leben des Menschen ? Jahrelang schlägt er sich mit Nutzlosem und Verfehltem herum , schwankend und irrend , mit seinem kleinen Sehkreise die Taktik nicht begreifend , die das Generalhauptquartier irgendwo in seinem Zwerchfell ihm peinlich und blindlings vorgeschrieben hat . Und eines Tages , in der sanftmütigsten Minute seines Lebens ist die Frucht aller dieser Übung reif geworden und fällt ihm in den Schoß . Die glückliche Idee kommt spät , ein gutes Stück hinter den Qualen . Zum Wohlsein ! sagt dann alles zu einem , der sich jahrelang gekitzelt hat , um zu niesen . Er hat jetzt etwas Neues zu sagen , eine Technik zu geben , einen Gebrauchsgegenstand zu lehren . Zu diesem Zwecke hält seine Phantasie eine Handvoll Unternehmungen geläufig bereit . Wir gründen einen neuen Kultus der Astarte , retten die Gesellschaft und die heraufkommende Jugend vor dem körperlichen Untergange , in den sie die verdorbenen Liebessitten der bürgerlichen Gesellschaft gestürzt haben . Einen Titel , einen Titel , schnell , ein lebenskräftiges Wort , das die Gehirne in Schwung bringt . Sagen wir , zum Beispiel , also : Tropische Nächte . Aber das » tropisch « weckt vielleicht eine falsche Stimmung , einen kitschigen und ganz lebensfalschen Dunst . Man muß den irreführenden und laxen Impressionismus tunlichst vermeiden . Tropen gibt es nicht ; das ist ein Wortspiel , wir aber entdecken von Tag zu Tag die Wirklichkeit und den ehrlichen Stil . » Tropen « ist ein Appell an das Gedächtnis meiner Eingeweide , aus den Zeiten , da ich noch aus nichts anderem denn jenen bestand ; die biographische Erinnerung an die Faulenzerperiode , als auf Nowaja Semlja noch meine Krokodile im warmen Flußbad plätscherten . Alles dies ist jetzt internisiert , die ganze Tropenlandschaft fahrbar gemacht auf zwei Hinterfüßen , und nur innerlich ist die Sonne poetisch , da gibt es glutige Seufzer und wuchernde Pracht , mannshohes Dickicht , ein Jägerleben , Lauerposten , Überfälle und Wildhatzen . Und dort haben wir auch die ganze gärende Poesie ; die Tatsachen draußen aber stehen für sich da . Dieses Land hier liegt unter dem Äquator , ist ein wenig heiß , spröde und langweilig und wird erst vernünftig sein , wenn eine Eisenbahnschiene quer durch den Djungle gelegt ist . Tropen , Tropen , das ist ein verdammtes Wort , ein Salonvokabel , um für die paar Orchideen Platz zu machen , die an diesem Platze herumwelken . Auf die Wahrheit angewandt , ist es eine Ausrede vor der Arbeit , die in diesem Sonnenstrich wartet . Aber ich kenne meine Miteuropäer . Sie möchten nichts daraus machen als eine Mondscheinpartie am Urwaldfluß , moskitolos , oder eine Liebesgeschichte frei nach Pierre Loti , wobei der Kreuzfahrer einen exotischen Bund einzugehen hat . Ich bin fanatisch dagegen . Sind wir Journalisten ? Im Gegenteil . Das Leben ist schon nicht so sauber und es gehört ein gut Stück Gehirnmasse dazu , um auf das Einfache draufzukommen . Nein , meine poetischen Kontrakte mit der Welt erachte ich als gelöst . Das Dichten ist nicht mein Beruf . Ich fühle mich aller Pflichten als Kalfakter los und ledig . Ich eröffne mein Etablissement in Berlin unter einem würdigen , ernsten Titel , der die Prinzipien meines Liebeskults schlagend zusammenfaßt . Sagen wir » Emanzipation des Fleisches « oder so ähnlich . Übrigens , wenn mir kein geeigneter Titel einfällt , kann ich das Unternehmen auch fallen lassen . Ich bin mein eigener Herr , bin moralisch niemandem verpflichtet , mich zu blamieren . Einmal werde ich das ernste Wort mit dem Gesindel reden . Und dann will ich dem Menschen vom Menschen sprechen , ein kleines Liedchen in der Umgangssprache singen , einen Tanz vom Leben lehren , in den ein ganzer Menschenkörper mit allen seinen herrlichen Funktionen hineingetrommelt und gepfiffen ist , wovon aber Grasaffen nichts verstehen . So und so habe ich ihn kennen gelernt , den Menschen , wohlverstanden , dort unten , wo alles so hell und wirklich ist , wo Mensch sein heißt , ein Gliederspiel sein , und wo das Leben restlos aufgeht in der Gesundheit der unbeschadeten Lust ! Wahrscheinlich würde ich mein Etablissement mit einem Stab von Dumaraweibern nun doch errichten . Eine Lehrkanzel für die Bestrebungen einer neuen physiologischen Kultur . Am naheliegendsten aber unter den gegenwärtigen günstigen Umständen und der Hochkonjunktur meiner Seele war es , Zana zu erobern . Es war die nützlichste Verwendung meines neugewonnenen Ruhmes und schwebte mir schon seit langem vor . Ach Mensch , du bist ein losgerissenes Stück Klima und ereignest dich , ob schön , ob Regen , mit Sonne , Nacht und Winden zusammen . Gelber , quälender , brasilianischer Nachmittag , Träumer über wolkenloser , herber Wirklichkeit ! XVI Zana sollte tanzen ! Und Zana tanzte , vor Moki , dem Götzen und wilden lüsternen Gesellen ! In der großen Hütte mitten im Dorfe saßen auf den Reisstrohmatten Luluacs Höflinge . Sie schlugen in die Handflächen , sangen einförmige Lieder und sahen mit berauschten Augen auf die Bewegungen eines dünnen Rumpfes , dessen Glieder sich in den Stichlichtern des flackernden Lagerfeuers verkürzten , verzerrten und verknäuelten wie ein Spiel phantastischer Katzen . Dieser Rumpf war Zana . Sie fuhr in dem breiten Raume wie ein Wirbelwind hin und her , näherte sich dem Feuer , machte krumme Beine , plötzliche Sprünge , man sah , hier war eine Katze , die mit dem Feuer spielte . Sie schüttelte sich wie ein Tier , bog sich in ihrem Rumpfe , der lang und biegsam war wie ein Mannesarm , stieß gellende Schreie aus und stampfte den hartgetretenen Erdboden , der dumpf widerhallte . Ihre beweglichen Füße zauberten einen hohlen , erregenden Rhythmus hervor . Sie saßen lose im Gelenk , hatten metallene Bracelets um die Knöchel und besaßen kräftige feingegliederte Zehen . Der rechte Knöchel war innen aufgescheuert und zeigte eine schründige Wunde . Zana bearbeitete den gestampften Boden wie ein Tambourin , an der engsten Stelle ihres Beines klimperten die Metallreifen , mit Ballen und Ferse holte sie die charakteristischen Läufe dieser Musik , dumpfe ungepflegte Töne , eine niedrigstehende Lautskala , aus der Unterlage hervor . Es bedurfte eines wahnwitzigen Gehörs , um auf diese Trommelfellreize verstehend einzugehen . Angestrengt gab ich mich dem Eindruck hin , der huschenden Gestalt in ihrer wilden Anmut , der Unruhe des Feuers , dem Refrain der brachial einfallenden Männerstimmen . Da hatte ich ' s heraus und begriff die Melodie , die diesen Füßen , Händen , Stimmen und Instrumenten , hölzernen Zimbeln , gemeinsam war . Diese rätselhafte Rhythmik ahmte den Pulsschlag unseres Blutes nach , nicht den komplizierten Prozeß unseres ornamentalen Gehirnes . Hier entsprach , was Musik hieß , noch einer primitiven physiologischen Gesetzmäßigkeit , alles Funktionelle und alles periodisch Geschehende wurde an sich musikalisch empfunden . Eine einfach repetierte Folge von Handlung und Laut enthielt für das Gehör ein Element der Befriedigung , der bloße Lärm als Produkt einer Tat rhythmischen Wert . Musik wohnte noch in jeder Aktion , jeder Passivität , jeder körperlichen Verwandlung . In diesen gesunden Leibern war die Musik noch so geradlinig erhalten wie der Übergang vom Bedürfnis zum Genuß , erfolgte so wenig systematisch wie die Lust , auf die sich das ganze Weltgeschehen hin zuspitzte , die Lust , die nur in der Einkleidung der Kultur bei avancierten Rassen Ereignis wird . Die körperliche Paarung war der gegebene musikalische Urakt , geeinte Zwei- oder entzweite Einheit erwies sich als hochgradig musikalischer Takt . Dies war das Kommen und Gehen , das Nahen und Flüchten in Zanas Körper . Und diese Musiker hier waren Mischlinge ; der Zusammenstoß zweier Rassen erzeugt Musik . Eins , zwei , eins , zwei , horch , wie die Natur marschiert ! Was immer du tust , skandiert sie selbst . Die Pace , die Pace , ist alles in der Welt , das Um und Auf der Musik , die Urmusik , das Urereignis ! Vor meinen Augen , in meinen Ohren spielt es sich ab . Zana macht Krawall mit ihren Füßen , trommelt mit ihren lieblichen Fersen auf die feste Erde , daß mir der Speichel im Munde stockt und mein trockener Kopf zu fiebern beginnt . Ich höre die Besessenen heulen und sehe , wie Bewegung auf Bewegung sich an dem Püppchen folgt . Die Pace ergreift mich , ich bin mitten in der Pace , ich wohne mit Schauern dem Urtanz bei . Die Pace , die Pace fällt es mir ein , wir haben die Pace nicht mehr , Europa hat die Pace verloren , dies ist das große unheilbare Leiden ! Da geht Zana wieder auf uns los , duckt sich und springt wie ein Panther , trägt ein Scheit vom Holzstoß fort und schwingt es rasend mit den Zähnen , einen feurigen Kreis rund um sich ziehend , in dem ihre magere Figur bis in jedes Schlüpfchen erleuchtet dasteht . Ihr wildes kleines Gesicht glüht verkniffen vor Gier und Ekstase wie durchhitzte Bronze . Der Chor der harten Männer im Schatten , die in den gekrätschten Knien hängen , antwortet ihren dünnen Gaumenschreien mit einer Art tierischen Wohllautes , einem sehr physischen Sehnsuchtsmotiv , von zittern- und hoffenmachender bestialischer Melancholie . Auf ! meine Panther in den Djungeln , weint hinauf in den bestirnten Himmel über eurem Sehnsuchtslager , wenn die flaumige hingegebene Gattin eurem entbehrenden Leibe fehlt ! Ha , wie meine Männerkatzen fauchen , hei , wie meine Panther raunzen , wenn die schöne Katze Zana , den flachen Leib auf krumme Pfoten gepreßt , ums prasselnde Feuer schleicht ! Was singen die Männer , Slim , alter , irrsinniger , schreihalsiger Slim , wenn du nicht schon ganz verrückt bist , was singen sie , gib Bescheid ! Zana , singen sie , Zana , kleines Pumaweib , Kleiner bist du Denn Mokis Herz ! Kleiner bist du , denn Mokis Herz ! Klein bist du , denke ich , und wer ist Moki ? Da stürzt das Feuer zusammen . Zana beendet aus einem Wirbel heraus ihren Tanz . Ein paar Männer fachen den Brand wieder an , er wird heller , wächst rapide , gleich darauf ist die geräumige Hütte von einem gelben gleichmäßigen Lichte ausgefüllt . Zana steht an der Wand gegenüber . Sie ist ganz nackt , selbst das Schürzchen , das die Frauen sonst aus Reinlichkeitsrücksichten tragen , hat sie abgelegt ; nur eine Schnur roter Beeren hängt um Ihre Taille und umgleitet den Bauch , der von der Anstrengung in muskulösen Bändern hervorgetrieben ist . Er fällt rasch zu dem spitzen buschigen Winkel zwischen ihren Schenkeln ab . Um den Nabel herum ist eine gelbe tätowierte Sichel gezeichnet und farbige Kurven verlaufen über den Magen . Ich folge magnetisiert den kunstvollen Striemen auf der glatten Haut und glaube zu sehen , daß die Sichel das aufgerissene Maul einer jappenden Katze darstellt . Je länger ich hinsehe , desto sicherer werde ich , nun geht es mir ein , daß die Muskeln des Mädchenbauches mit dem Relief des Katzenkörpers zusammenfallen . Mag sein , daß es ein brünstiger Panther ist , den Hunger oder Sehnsucht zum gequälten Schrei treiben . Um die flachen Brüste laufen Ringe und Strahlen , ein grüner Mond und eine rote Sonne . Wenn Zana sich wendet , zeigt ihr Rücken bis zu den Lenden hinab prächtige Verschnürungen . Ihr Hals ist für eine Manneshand leicht zu umspannen ; ihre Beine sind kräftig , schmal , so schmal in den Gelenken und prall geschwellt um die Wade , aber ohne einen Faden Fett . Das Betörendste sind ihre Knie . O , Zana ist bezaubernd und echt , wenn sie mit ihren akrobatischen Beinen eine krummbeinige Pantherkatze nachahmt ; aber wenn sie sich ohne Zwang hinstellt , ist die Flucht der Linien an den Knien am engsten , fast so enge wie am Halse , und die Beine laufen wie die Teile eines ganz , ganz stumpfen Kreuzes nach außen . Und siehe da , dies macht ihre Hüften breit , und sie ist doch nur ein Mädchen . Und über ihre Kniekehlen ist die Haut glatt gespannt wie über kleine Trommeln . In Zanas Kniekehlen ist alle Arglosigkeit , alle Demut und alle Süßigkeit zu Hause . Und doch blicken die braunen gewachsten Augen ihres kleinen Gesichtes wie Hundeaugen , und aus den Spaltnarben ihrer Oberlippe lugen böse Eberzähne schräg hervor , wie die Spitzen eines kleinen gelben beinernen Bartes . Zana sieht aus wie ein junger Krieger und ist doch ganz Sanftmut , ganz Weib . Trägt die Priesterin , die Tänzerin , die Kurtisane im Urzustand die künstlichen Zahnmale ihrer Mannbarkeit wie ihre Nachkommin nach Tausenden von Jahren ? Es ist stets dieselbe alte Kunst , ob sie die Wilde oder die Bürgerstochter pflegt . Auf Zanas Backenknochen prangen grellrote Flecke - und ich muß an Schminke denken . Aber der Kopf ist um die Augenlinie befremdlich eingesunken und sieht gutherzig aus . Man darf sich nicht täuschen lassen , dies ist kein junger feuriger Krieger , sondern ein sanftes Mädchen , das in einer sinnlichen und betörenden Art sein Theater spielt . Mächtige Jäger saßen im Halbkreis , die Tür im Rücken . Es waren Luluacs beste Leute , und wenn man ihre Kraft zusammentat , konnte man damit einen kleinen Berg sprengen . Ihre Muskeln schwollen im Rausche , lebten im Zucken des Feuerscheins wie ein erstarrtes Getümmel von vielerlei Rund . Das Fleisch nahgerückter Gestalten wölbte und verschlang sich in merkwürdigen Knoten und Schnecken wie eine seltsam quellende mystische Masse . In faustgroßen Bildungen und Wüchsen saßen erschreckende Kräfte gespeichert . Ein einziger wilder Organismus von Fleisch war diese Versammlung . In die braun zerklüfteten Gesichter waren Metallstücke geklemmt , und die Oberlippen starrten von scharfen Tierzähnen . Prächtig geflaumte Federn brachen aus den Nasenknorpeln , auf den Köpfen strotzten üppige Federkronen . Eine fremde , vogelhafte Bewegung herrschte rings in der Höhe dieser Zierate , ein Eindruck von Macht und zeremoniösem Pathos steigerte kleine Bewegungen ins Riesenhafte . Die Köpfe darunter aber benahmen sich wie die ausgelassener Knaben und verschuldeten ein pompöses Spiel der Büsche . Dem allem sah der Götze Moki mit blöde verzogenen Lippen zu . Denn es war noch jemand im Raume ; eine Persönlichkeit voll ordinärer Absicht zu wirken , die ich , darob gelangweilt , gerne übersehen hätte , eine Kraft , die meine guten Nerven und meinen sauberen Geschmack kalt ließ , aber langsam und durchdringend einen erschlaffenden Schleier über meine Augen zu spinnen begann ; eine rätselvolle Existenz , deren herausfordernde Erscheinung fortschreitend meine seelische Indisposition zu widerlegen anfing und mich in eine wirbelnde Niederlage , blutvoll und blamabel , hinunterriß . Oder wie war dieses Antlitz zu deuten , diese Doppelausgabe eines Kopfes , diese Verkropfung von Gesichtern , die sich kinnlos in einem senkrecht gestellten Maule vereinigten ? Jeder dieser zwei wagerechten Schädel des Götzen trug auf der Stirne ein Tausendauge , eine Riesenbrombeere , das göttliche Unterteil aber bestand aus einem übermannshohen dicken Schaft , einem einfachen borkenlosen Baumstamme , der wie ein unendlicher Kragen den halslos schwebenden Kopf trug . Aus dem Schafte wuchsen vorn sechs Paar klauenartiger Knäufe , wie zwei Reihen Euter angeordnet . Sie deuteten auf gräßlich verkümmerte Greiforgane hin . Noch verkümmerter , geradezu ärmlich , ungeschickt ärmlich , so daß man dem armen Teufel darüber gram sein mochte wie über etwas sehr unverschuldet Ärmliches und Häßliches , waren seine zwei Arme . Die beiden prackerartigen Gebilde , die seitlich steif hervorstanden , wie ein paar Tennisraketts , konnten füglich keine andere Absicht hegen , als kurze Arme und hypertrophische Tatzen zu sein . Ich hätte über diese Poverkeit in Raserei geraten können , in blinde , unvernünftige Wut über diese Zumutung an meine schönheitsdurstigen Sinne ; und gewiß hätte ich mich zu einer Inhumanität und Gemütslosigkeit niedrigster Sorte hinreißen lassen , wenn mich nicht der überaus fragwürdige Kopf beschwichtigt und gefesselt hätte . Unmerklich zwang er mich zur Anerkennung seiner Macht , stach mit verrückten Einzelheiten nach mir , zwinkerte mich steif aus verborgenen Augenschlünden an , sog mich ein in starr allwissende Lappen , schoß aus mystischen Öffnungen mit Glühgarn und Schattenschnack nach mir und rüsselte Gesichte von unerlebter Steifbeweglichkeit aus meinem wildklopfenden Herzen . Das Maul klaffte ihm so stark , daß nur ein lotrechter Schlitz zurückblieb , und ringsherum waren seine Kopfhälften reich mit Hörnern , Bügeln und Stacheln jeder Konstruktion versehen . Aus seinen grünen Augen zuckte der elevatorische Blick ; er konnte die Wucht nehmen ; er , das Scheusal , konnte elfische und leichte Gefühle erwecken , tanzende Anmut ins Herz einer Versammlung zaubern , konnte unausdrückbar schwebende Schönheit verkörperlichen , konnte aus widerwärtigem Glotzen leiblichen Segen greifbar spenden und das Gesetz beschwerender Erde mit schöner Lüge verschleiern . Stumpf stehend , löste er sich nach Belieben von seinem Ruhepunkt ; teilnahmslos stotzig , beschwingte er eines menschlichen Wesens schwache Kunst , wenn es sich innig und glaubend ihm hingab . Unentzifferbar , nur in ihren Wirkungen demütig zu fassen , zog seine sinnig blutsaugerische Miene die Versammlung empor und die Schwere aus ihren Leibern , und Zana begann zu tanzen . Gott trug sie . Sie balancierte auf einem Bein , ihr Rumpf war rückwärts gebogen und ihr straffes , achsellanges Haar fegte den Boden . Das andere Bein war gehoben und im Knie geknickt . Um den Knöchel klimperte ein Bracelet von Metallstückchen . Die Sohle war rosig und die Zehen waren wie kleine Finger , am Ende aber waren sie ein ganz klein wenig verdickt . Der Rumpf bildete einen raffinierten dünnen Bogen , eine kitzelnde Kurve , die verrückt machte . Man mußte aufstehen und dieses menschliche Ornament in die Arme nehmen . Es prägte sich tief , tief ins Herz , es erregte die Sehnsucht des Gesichts und ein scharfes Herzeleid . Diese Gliederzucht krampfte die Brüste der wilden Männer zusammen , und sie stießen rhythmisch wehevolle , brennende Schreie aus . Ach Zana ! Da flog das schmale , splitternackte Ding , eine Schlinge aus Nerven , Muskeln , Wirbeln und zahmen Knochen geflochten , gleichsam durch den Raum , sauste wie ein Peitschenhieb von Eck zu Eck , lag wie ein Faden am Boden vor Moki , dem wülstigen Götzen , kreiselte dünn wie eine Mücke mit ausgebreiteten Armen und Fuß vor Fuß um das Feuer . Und Gott stand still und war mächtig . Seine Ruhe gebar Rhythmus , sie war der Grundton , von dem sich Bewegung abhob . Er liebte Zana , und darum ließ er sie tanzen . Ihr Körper zeigte leichte , glänzende Spuren von Schweiß , und ein kräuteriger Geruch strömte von ihr aus . In den Lichtschein des Feuers fiel etwas Buschiges , Dunkles , eins , zwei , dann ein ganzer Regen von Blumen , Zweigen , farbigen Blüten , von den wilden Männern geworfen : und die Orchideen , die nun am Boden lagen , sich im Stroh des Daches verfingen , auf Zanas Schultern hafteten , blickten erloschen wie gesprengte Muscheln , aus denen ein Perlenauge brechend starrt . Und was bedeutete der Zauber ? Slim erzählte im Flüsterton , während Zana mit vorgebeugtem Körper dahinflatterte . Ihre Arme liefen längs des Körpers mit steif nach oben gekehrten Ellbogen zurück , ihre Hände bewegten sich an den Wurzeln mit sanften , flüchtigen Schlägen , ein Rhythmus brandete auf in ihnen , der sich über die Arme , gefügig wie Satin , und die wenigen Schultern hinflutend verbreitete . Der Körper lief wie eine Schraube aus dem edelsten Stoffe , menschlichem Fleische . Die Männer ringsumher summten aus gepreßten Zähnen gleich einem Schwarm toller Mücken , die gestimmten Klöppel der Holzmusik prasselten melodisch gegeneinander . Die Mannsbilder erhoben ihren Gesang . Zana also war eine kleine , winzige Mücke und tanzte vor ihrem Herrn , dem Gotte Moki , dem Blutsauger , dem Vampir der Menschen , dem Tanz-in-die-Luft-Dämon , der rotes Menschenblut soff und frohe Tänze um die Abendstunde genoß . Zana , sangen sie , Kleine Mückenfrau , Bist nicht größer Als Mokis Herz . Aber nun sah ich auch meinen Irrtum über Mokis Hände ein . Es waren ja keine Hände , sondern Flügel . Zana tanzte sie , und darum verstand ich sie . Ich verstand alles , was Zana tanzte , ich las deutlich das Gesicht des Gottes , so wie sie es beschrieb , ich folgte bezwungen den Schauern ihrer Sinne und fühlte Sinn und Macht des allmächtigen Gottes sich mir unzweideutig gestalten . Da , was war das ? Seine Zufriedenheit , seine allerhöchste Zufriedenheit kundgebend , begann er aus seinem Leibe wie eine unerhört große Trompete zu röhren , erhob aus seiner monumentalen Seelenruhe sozusagen einen Mückengesang in Vergrößerung . Er schlug mit den Ärmchen witzig Takt , hob sich zwei Fuß hoch über die glänzende Erdbacke , auf der Zana tanzte , schwebte getragen umher und stieß mit einem heftigen Ruck durchs Dach hinaus in die sternige Nacht . Als er in das blaue Licht gelangte , sah ich , daß seine Flügel hübsch glasuriert waren , sie vergrößerten sich , gewannen Proportion , er schlug mit blendenden Feuern um sich und benahm sich mit dem großartigen Glanze eines echten Liebhabers von Metzeleien . Seine Knäufe wuchsen sich zu Fängen aus , von denen jeder ein Elementarereignis für sich bedeutete , und die Rudimente an seinem Schädel wurden Rammstifte der gefährlichsten Art. Seine Augen glotzten wie eine Riesentraube von grünen Laternen . Da erkannte ich ihn wieder . Seine ganze Geschichte lag klar vor mir . Hier also stehst du , altes Prinzip der Seelenruhe , herabgekommener Greis antiquarischer Furchtbarkeiten , und heimsest von den regsamen Pantherkindern den konventionellen Tribut deiner harmlos gewordenen Launen ? Spielst , alter Mechanismus der Göttlichkeit , mit Prinzmädchen wie ehemals , läßt dich von tanzenden Gebärden ankurbeln und beziehst deine Wirkung aus den Händen einer gerissenen Pantherin ? Steifer , alter Drachenochse , bettelhaft gewordener Sauggott , verholztes Monument der Seelenruhe ! Ich habe dich jüngst mit einer Pistole erledigt , nun stehst du wieder da und foppst mich ? Aber du foppst mich nicht . Du bringst mich über die Erkenntnis nicht weg , daß Gott sein Leben dem Blute verdankt , daß Wunder und Erleuchtungen aus dem Rhythmus schnellen , den reelle Menschenbeine stampfen , daß du , Moki , dein Leben den dünnen Knochen Zanas verdankst . In ihrem Spiel sitzt die Kraft der Elevation . Sie deutet , und du fliegst . Sie blickt schief aus ihren Augen , und du schleuderst Blitze . Dein Gesicht ist töricht ohne sie ; wenn sie seine Wirkungen tanzt , heben dich die Schauer ihres Urtanzes , ihres endgültigen Leibes , ins Grauen der Götter . O , du Gott , du Geschöpf des in seinem Blute tanzenden Menschen , du Drachenhohn vor dem Wahnwitz des Panthersohnes und seines Weibes ! Als ich aus dem Qualm verbrannter Blumen , ölig schwitzender Körper , abschüssiger wilder Bewegungen des Mädchenleibes zu mir kam , stand Moki ruhig , gesättigt und verkommen wie früher an seinem Platze in der sechseckigen Hütte und markierte den letzten stoischen Sprößling aus Drachenblut . Nicht weit von ihm saß ein ekstatischer , alter Indianer und böhte in eine lange , lange Röhre , eine zusammengerollte steife Reismatte . Oben im Dache wurde eine Luke , die plötzlich entstanden war , von geheimnisvoller Hand geschlossen . Ich mußte mich der Bewegung Zanas erinnern , hatte deutlich zu merken , was sie mit ihren Gebärden , ihrem Grausen , ihrem Jubel , ihrem Flügelschlag und ihrem lüstern vorgebeugten Rumpfe von meiner Phantasie verlangte . Gern , liebe , hübsche Mücke , sollst du mein Blut und meinen Glauben haben . Alle hatten wie besessen zum Dache hinaufgeschaut , als Zana dort hinauswies , und es wäre nur unanständig von mir gewesen , mich dem allgemeinen Ereignis nicht anzuschließen . Ich war vollauf befriedigt von mir . Furcht und Hohn standen in den Gesichtern der Dumaraleute zu lesen . Und , war es nicht auch eine kleine Bosheit , daß sie den großen , bösen Gott so nach Belieben mit seinem schäbigen Flügelpaar in die Lüfte steigen ließen , daß sie ihre Demut und ihr echtestes Erschauern von ihrem guten Willen abhängig machten , daß sie ihren Übermut schärften , indem sie ihm plump die Spitze abbrachen und anbeteten ? Menschenseele , von wilder Deutlichkeit in der Seele des Wilden ! So standen die Dinge . Nämlich , Moki stand wieder fragmentarisch dort in seiner Ecke , und Zana - Zana aber war tot . Man hatte die Mücke erschlagen . Man hatte ihr den Garaus gemacht . Umgebracht hatte man sie , mit Orchideenzweigen hatte man sie totgeworfen . Die Mücke war tot . Zana tanzte den Pumatanz und den Mückentanz . Sie tanzte den Blutdurst ihrer Seele . Aber Zana war auch eine sehnsüchtige Grille und legte die Arme , nein , die schmalen , langen Flügel dicht hinten an den Leib . Sie bog den Kopf zurück in den Nacken , ihre Brust trat hervor , stark , stärker , in unendlichem Schmerze , und nun gewahrte man an dem bloßen Spiel ihrer Brüste und ihres Magens , daß sie schluchzte . Zana , kleine Grillenfrau , Weint um ihren Fernen Liebsten , sangen die Jäger . Sie rasselten und feilten schrill mit allem Metall , das sie hatten aufbringen können , und hierbei war es , daß unsere leeren Sardinenbüchsen sich als ingeniös musikalisch erwiesen . Die Folge davon , daß Grillen um den Liebsten weinen , ist , daß man die wundervolle Architektur ihrer Eingeweide zu sehen bekommt . Zana hatte zwischen den Lenden einen weiblichen Anflug von Wölbung ; eine flache Schale bildete den Unterleib . Aber sie war so flach , daß sie mehr ein dunklerer Schmelz der flaumigen Haut als eine plastische Erhebung schien . Der Tätowierkünstler hatte der bildhauerischen Natur überflüssig nachgearbeitet . Jetzt aber wurde seine Kunst ganz zuschanden . Denn die Grille litt unsagbar und ihr eingezogener Magen unter der verdrängenden kleinen Büste zeigte fibröse Rillen wie bei einem Knaben . Die ganze Monotonie ihres Schmerzes lag in den Hüpfschritten , mit denen sie unzählige Male im Schwirren der Instrumente denselben Kreis vollendete . Dann aber schlug sie hin und war tot vor Schmerz . Abermals war Zana heute gestorben . Und nun geschah an diesem unvergeßlichen Abende etwas Entscheidendes . Zana tanzte zum vierten Male . Sie war nicht umzubringen , elastisch und unermüdlich war sie wie ein wirklicher Künstler ; die Anstrengung glückte ihr spielend , ihre Konzentration vertiefte sich ; morgen aber , fürchte ich , wird sie einen trüben Tag haben . Aus ihrem formenreichen , sanft ergiebigen Körper holte sie einen neuen Sinn heraus . Als sie wieder aufkam , stand Luluac da , ihr Bruder . Sie ging ihm bis zu den Hüften . Er war hoch , und sein Oberkörper war wie ein Keil in Hüften und Gesäß gepflanzt , die , aus der Wurzel der gewölbten Schenkel geeinigt , den kräftigen Stamm trugen . Seine Brust war mehr hoch als breit und hob sich hart von dem muskulösen Rückenschilde vor , zu dem die Rippenbänder zurückstrebten . Der Brustkorb selbst , dessen Bügel eng standen und eine tiefe männliche Busenkerbe bildeten , war ein stumpfer Kegel . Darunter fiel der Felsenbruch des Magens ab . Der Kopf war klein und rund , mit starkem Hinterschädel , glatt rasiert , und nur über der Stirn stand ein Besen dünner spröder Haare erhalten . Wie dieser Kopf waren auch die übrigen Teile seines Knochenbaues von einem raumsparenden Prinzipe gebildet , als typisches Produkt einer langen blutwählerischen Zucht . Diese Knochen waren verbesserte Urinstrumente , bei denen an Masse zugunsten der Widerstandskraft durch Biegungen , Schwellungen , Verkolbungen gespart war . Sie wurden von einem übersichtlichen Muskelsystem in Bewegung gesetzt . Ihr