die Glückwünsche des Chalifen von Peking hatte Battany sofort mit den Brieftauben , die ihm Osman übergeben , nach Bagdad gesandt ; Osman konnte gleichfalls sehr vergnügt sein . Und wie sich Battany ein wenig heimisch fühlt , speist er zur Nacht bei seinem fürstlichen Freunde mit dreihundert andren Gästen in einem riesengroßen Saale . Die andren Gäste sind Araber aus Benares , Brahminen und indische Gelehrte . Ein paar tausend Sklaven bedienen . Die Zahl der Gerichte ist nicht zu zählen . Battany ist nun ganz und gar geblendet durch diese fürstliche Pracht . Er denkt an Saids Abendgesellschaften und muß lächeln . Nach dem Mahle geht man hinaus auf die hoch gelegene Parkterrasse . Und dort bietet sich den Gästen ein wirklich berückender Anblick dar , der jedes Auge berauschen muß . Der große Park ist erleuchtet - aber wie ! Tausend und aber tausend bunte Papierampeln glühen und brennen zwischen den Blumen - durch das Grün der Bäume . Wie Diamanten glühen und brennen die Ampeln - wie Rubine , Saphire , Smaragde . Der Nabob gibt ein großes Garten- und Lampenfest . Blumenmädchen - ganz mit bunten Blütenketten umhüllt - wandeln langsam hintereinander mit knisternden Pechfackeln in wohl berechneten Kurven über den Kies der Gartenwege . Und im Hintergrunde flackern riesige Flammen empor - rote und grüne - bengalische Flammen . Und neben den Springbrunnen puffen von Zeit zu Zeit mächtige Pulverhaufen in die Luft - die Pulverflammen schlagen blitzschnell - unheimlich - wie Geisterfäuste - in den dunklen Sternenhimmel hinein . Der Mond steht über den Kuppeln und Türmen von Benares wie eine große Riesenkirsche . Der funkelnde Glanz der Sterne wird fast verdunkelt von der indischen - Lichtkunst . Battany und die arabischen Hauptleute sind nun tatsächlich geblendet . Ein indischer Nabob ist doch zu reich - er kann mehr bieten als Bagdads Chalifenburg . Ein junger indischer Gelehrter wendet sich jetzt lächelnd an den gefeierten arabischen Gelehrten . Verschmitzt sieht der gelbe Inder in Battanys braunes Gesicht , dreht immer seinen langen schwarzen Schnurrbart und erklärt umständlich , daß ihm die Bedeutung der ganzen Astronomie sehr unverständlich sei - » denn « - so sagt er zum Schluß - » wir sehen die Sterne doch nur mit unsrem Auge , und mit den Fingern können wir sie nicht greifen . Was wir aber nur mit unsrem Auge sehen , das ist zunächst nur wirklich für unser Auge da - obs außerhalb unsres Auges was Daseiendes ist , können wir gar nicht wissen . Daß die Sterne da oben große Welten sein sollen , vermag ich daher nicht zu glauben - ich glaube - da oben gibt ein junger Gott seinen Freunden ein Lampenfest - das Fest wird bald zu Ende sein - denn einzelne Sterne verlöschen bereits . Bedenke nur ! Für einen jungen Gott sind hunderttausend irdische Nächte - eine einzige himmlische Nacht . Die Wandelsterne sind Blumenmädchen mit Fackeln ... « Der Inder blickt den Battany forschend an - der aber steht so steif da , daß der Araber einem fast leid tun könnte - er hat ja nichts verstanden . Schnurrbartdrehend wendet sich der indische Gelehrte schließlich ab - ärgert sich natürlich nicht wenig , daß er seinen Witz vor einem dummen eingebildeten Araber verschwendete . Hierauf spricht ein alter Brahmine mit dem Astronomen - - - Der nimmt sich jetzt furchtbar zusammen , er will nicht wieder nachher - vergeblich nach Worten suchen . Eine wunderbare Musik tönt aus dem erleuchteten Garten in die Sternennacht empor . Der Brahmine spricht von den Ssabiern , das bekannt geworden , daß Battany auch ein Ssabier ist - was sein Ansehen sehr erhöht . Und der Araber kann antworten - er erzählt von Hauran - von Thabit ibn Quorrah und von Tschirsabâl . Auch andre Brahminen hören zu und sprechen mit . Man redet bald über die Religion im Allgemeinen . Die in arabischer Sprache geführte Unterhaltung wird sehr lebhaft . Ein sehr alter Brahmine , dessen weißer Bart fast bis zur Erde reicht , ist der Meinung , daß die Lehre Mohammeds den großen Religionen nicht beizuzählen sei , da diese Lehre die Aufklärung und die Freigeisterei in gefährlicher Weise fördere - Mohammed habe nur eine Ketzerreligion geschaffen - ihre einfachen , viel zu verständigen Formen seien nicht fürs Volk - das Volk wisse nur mit » vielen « Göttern und mit einem umständlichen Kulte was anzufangen . Battany staunt und muß dem zustimmen - erklärt dabei , daß man sich in Bagdad um Mohammeds Lehre selbstverständlich sehr wenig kümmere . » Das weiß ich « , erwidert drauf der alte Priester , » ich habe die Erfolge und Mißerfolge der verschiedenen Religionen durch ein langes Leben mit sehr aufmerksamem Auge verfolgt . Die Lehre Christi hat schon viel mehr für sich als die Lehre Mohammeds . Die christlichen Priester haben eben viel mehr gelernt und viel mehr den älteren Religionen entnommen - die christlichen Priester haben nicht den großen Allgott in die Mitte ihrer Lehren gestellt - sie haben auch den Nebengöttern und den tieferen Gedanken der älteren Religionen eine Bedeutung eingeräumt . Natürlich - - verstanden hat ja kein einziger Christ - die älteren Religionen - - - doch merks nur ! - das schadet nicht allzuviel - die neuen Religionen entstehen immer nur dadurch , daß einzelne Menschen , die das religiöse Feuer in den Adern haben , die älteren Religionen mißverstehen . Nur das rücksichtslose Nichtverstehenwollen oder das harmlosere Nichtverstehenkönnen - verwerflich . Mißverständnisse aber - die schaden ist nicht so sehr . Religionen sind ja nicht dazu da , von den Menschen verstanden zu werden ... Und der Erfolg ! - Oh , glaube mir ! Das Klarverständliche und das Vernünftige - das hat immer nur einen sehr geringen Erfolg . Man darf doch nicht vergessen , daß die Menschen viel viel häufiger unvernünftig und unverständig denken - als vernünftig und verständig . Das Vernünftige ist den Menschen garnicht das Natürliche - das Unvernünftige viel mehr . Warum hat Mani nicht denselben Erfolg wie Christus - warum hat Mazdak nicht denselben Erfolg wie Christus gehabt ? Ich glaube - nur weil die Jünger dieser Beiden zu gebildet waren - Christi Jünger hatten ihren Meister viel mehr mißverstanden , sie waren keine klaren Köpfe , weil sie soviel religiöses Feuer in sich hatten . Dieses allein hat ihnen aber nicht den Erfolg verschafft - sondern ihre Fähigkeit , alles so mißzuverstehen und so unklar zu sagen , daß es dem Fassungsvermögen des gemeinen Volkes nicht fremd erschien - das hat den Jüngern Christi den Erfolg verschafft . Ja - ja - ich weiß das alles ! « Der Inder streichelt zärtlich seinen langen , weißen , fast die Erde berührenden Bart und lächelt - lächelt - wie ein Greis lächelt . Al Battany will nun wissen , was die Religion eigentlich will . Der Alte wird ernst und spricht weiter - wie für sich - so dumpf und so verächtlich : » Aufklärung willst Du ! Aufklärung ! Ein echter Schüler Mohammeds bist Du ! Ein Mann der aufgeklärten Wissenschaft - ein Feind der Religion ! Kennst Du Buddha ? - nein , Du kennst ihn nicht . Er war auch ein Ketzer - aber nicht ein so schlimmer Ketzer wie Du . Ich wundre mich , daß Du Dich Ssabier nennst . Die ssabischen Priester haben Dir wohl nur den Eintritt in ihren ersten Vorhof gestattet - wo das Volk verweilen muß . Hör doch , Battany ! Das Denken führt doch nie zur vollen Klarheit - führt doch überhaupt nie zur Klarheit - - - wenn Du gründlich denkst , wird Dir das Klarste unklar werden . Du aber denkst nicht gründlich . Das Denken führt nicht zur Klarheit - das war nie so . Aufs Verstandenwerden müssen daher die weisen Priester verzichten - selbstverständlich ! Man kann doch höchstens nur - mißverstanden werden . Mit dem Mißverstandensein muß man zufrieden sein . Ja - ja - ich weiß das alles ! « Der Brahmine murmelt danach unverständliches Zeug und geht fort - die Inder machen ihm Platz und verbeugen sich vor dem Greise - sehr tief verbeugen sie sich . Battany wird unwillig und will nun von einem Andern wissen , was die Religion eigentlich will . Wie da die Inder überlegen lächeln ! Doch ein sehr fein gekleideter Inder , der dem Gespräch bisher schweigend zugehört , antwortet dem Battany folgendermaßen : » Gelehrter Freund ! Ich verstehe Deine Neugierde . Laß mich Dir antworten ! Du wirst mich ja ebenfalls nur mißverstehen - doch vielleicht sag ich Dir , was Dir näher kommt ! Ich bin kein Priester und denke daher anders . Bist Du nicht der Meinung , daß die gebildetsten Menschen der Erde grade infolge ihrer Bildung schließlich eine übergroße Empfindlichkeit in sich zur Ausbildung kommen lassen ? Oh , ja - ja ! Und wenn sich diese Empfindlichkeit steigert , wird sie zur größten Qual - erzeugt einen Zustand , der immer unerträglicher wird und zuletzt nach entsetzlichen Beängstigungen , grauenhaften Träumen und wilden Wutausbrüchen - einen Abscheu vor dem Leben gebiert . Oh , ja - ja ! Um die Empfindlichkeit und die darauf folgenden Qualen zu vernichten - dazu sind die Religionen da - das wollen die Religionen den Gebildeten sein - wir haben sie drum auch nötig . Dem Volke soll aber die Religion nur ein Mittel sein , das von ganz gemeinen Leiden erlöst - die Religion fürs Volk kann daher aussehen , wie sie will - sie darf sich nur nicht so trocken wie die Lehre Mohammeds geben . Jedes Mittel zur Vernichtung der durch die verfeinerte Bildung erzeugten Seelenqual - gehört ins Gebiet der Religion . Ob man betet oder dichtet , ob man Tempel baut oder Bilder meißelt - das ist im Grunde ziemlich gleich - doch - es ist schlimm - Du verstehst mich wohl auch nicht - nein ? « Battany schüttelt betrübt den Kopf . Er - der große Astronom - steht plötzlich vor so vielen neuen Rätseln und Fragen , daß er fast heftig werden möchte . Als wenns nicht am Sternenhimmel genug der Rätsel gäbe . Er sagt daher sehr kurz , daß er durchaus nicht geneigt sei , alle Rätsel der Erde aufzulösen - er klammre sich zunächst nur an die für ihn begreifbaren Dinge - die ferner liegende , » größere « Rätselwelt müsse für ihn noch unsichtbar bleiben - er wolle sich nicht verwirren lassen . Währenddem tanzen aber dicht unter der Terrasse hundert der schönsten Bajaderen den langsam bewegten Schneckentanz . Die Bajaderen sind ganz nackt . Ihre gelben , wunderbar schlanken Glieder biegen sich in entzückenden Kurven , roter Fackelschein macht sie bunt . Die Blumenmädchen stehen mit ihren Fackeln im Kreise rum und beleuchten den Tanz . Battany ist ganz starr . Der Tanz ist berauschend . Wein wird herumgereicht . Ein Sufy setzt dem arabischen Astronomen auseinander , wie viele Millionen von Käfern und Schmetterlingen bei solchem Lampenfest einen qualvollen Tod finden - wie viele kleine feine Flügel dabei verbrannt werden . » Ein ewiges Sterben « , meint der Sufy , » geht durch die Natur . Der Tod ist überall da . Und man wird nur geboren , um qualvoll leidend den Tod zu finden - man stirbt eigentlich vom ersten Augenblick seiner Geburt an . Deshalb sollen wir keine Kinder zeugen , die Frauen nie berühren . Das Heiligste , was wir tun können , ist das , was die Menschen , dies nicht kennen , das Unnatürliche nennen - während dieses Unnatürliche doch grade den feiner entwickelten Menschen als Pflicht von der leidenden Natur auferlegt wird . Hier hast Du den Kernpunkt aller Religionen . Erinnre Dich nur an die Ssabier ! « Battany hört nicht hin . Er ist berauscht von den Bajaderen , die verwirren ihn . Und in ganz außerordentlicher Erregung wandelt er , nachdem der Tanz vorüber , mit den andern Gästen des indischen Nabobs zu dem Schauspielhause , in dem ein Schauspiel von dem fein gekleideten Inder aufgeführt wird , der so fein von der Empfindlichkeit und der Qual aller Gebildeten zu sprechen wußte - und den Battany auch nicht verstand ... Den Gästen wird mit Riesenfächern kühle Luft zugewedelt . Ein Festzug bewegt sich zum Schauspielhause hin - prächtige dicke Elephanten schreiten würdevoll voran . Und die goldenen und silbernen Gewänder der Inder glitzern im Fackelschein . Die Waffen der Araber glitzern ebenfalls . Ein fürstlicher Kleiderprunk macht sich protzig breit . Die Blumenmädchen leuchten mit ihren Fackeln . Die Sängerinnen singen . Der Vollmond steht am Himmel in trüben Dunstwolken dicht über Benares , in dem die Pest wütet , der stündlich Hunderte von Menschen zum Opfer fallen . Der heilige Ganges fließt langsam und träge auch an den Gärten des großen Nabobs vorbei , in dessen Reich die Pest nicht eindringt . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Kodama jedoch - der sitzt in Mekka und freut sich anders seines Lebens als der Battany . Kodama ißt Mekkas beste Rindskeulen auf und trinkt roten Wein dazu - eimerweise . Dem dicken Geographen ist in Mekka so recht behaglich zu Mute . In jedem Weinkeller ist der Dicke Stammgast . Und es gibt sehr viele Weinkeller in Mekka . Die christlichen und jüdischen Weinwirte sprechen von Kodama mit einer Hochachtung - fast mit derselben , mit der Battany vom griechischen Dionysos spricht . Der gemütliche Dicke geht auch gern auf Abenteuer aus - denn den ganzen Tag und die ganze Nacht nichts Anderes tun als Trinken , Schlafen und Essen - das geht ja nicht . Und wenn der große Herr aus Bagdad mit den schönen schwarzen Pluderhosen , mit dem kurzen Sammetrock und dem gelben Turban - mit seinem ganzen schweren Leibe und mit dem glänzenden braunen Mondgesicht auf Abenteuer ausgehen will , so wendet er sich zunächst in die große Moschee , in der einst der Prophet so gern zu weilen beliebte . In der Moschee befinden sich nämlich stets einige hübsche Mädchen , die vor Liebesgram vergehen möchten . Diese Mädchen liebt der dicke Kodama . Er mag sie nämlich so gern trösten . Um das zu können , nimmt er sie mit in den tiefen Weinkeller , der nicht allzuweit ab von der Kaaba liegt . Und beim Weine müssen ihm die Mädchen alle ihre Liebesgeschichten erzählen - wie sie verführt , verraten , belogen , betrogen und verlassen wurden - Alles ganz genau . Diese Geschichten sammelt der Dicke . Bei Allah - das macht ihm Spaß - darüber kann er ordentlich lachen . Siegelringe und bunte Glasfläschchen sammelt der Dicke auch . Der verstehts , sich die Zeit zu vertreiben . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Der alte Jakuby sammelt natürlich auf seinen Reisen derartige Nichtigkeiten durchaus nicht - der macht sich nur überall Notizen über die wichtigeren Zustände und Angelegenheiten der Länder und Städte , durch die ihn sein Pfad führt . - Bereits ist der Alte wieder durch ganz Nordafrika gewandert bis zu den Ruinen von Carthago . Er hat diesmal verschiedene Kriegszüge mitgemacht - und dabei auch mit großer Unerschrockenheit seine Notizen niedergeschrieben - mitten im Krachen der Damascenerklingen beim Wiehern der Rosse und beim Fluchen der arabischen Hauptleute , die mit den störrischen Wüstensöhnen Nordafrikas sehr grausam umgingen . Doch das Blutfließensehen ist der alte Geograph nun müde geworden . Er segelt mit einem Seeräuberschiff nach Sizilien . Vorzüglich hat ers verstanden , vor den Seeräubern arm und gebrechlich zu erscheinen . Jakuby ist ein kühner und gewandter Mann . Er begibt sich gleich nach Palermo , schließt Freundschaft mit den dort lebenden arabischen Gelehrten , denen er von Bagdad wie von einem Weltwunder erzählt und - beobachtet dann mit seinen neuen Freunden den Ätna-Ausbruch , der stattfand , als die Christen das Jahr 894 schrieben . Von der Gesellschaft der lauteren Brüder erzählt Jakuby natürlich so viel , daß sich verschiedene seiner Freunde schließlich auch als lautere Brüder betrachten . Jakuby ist ein ganz vorzüglicher Apostel , wenn auch zuweilen seine Einzelheiten recht lächerlich wirken . Er weiß immer alles schnell zu erklären . Aber was er sagt - ist fast immer falsch - oft reiner Unsinn . » Hör nur dieses ! « meint an einem Abend einer seiner neuen Freunde , als wieder ein gewaltiger dunkelroter Feuerstrom wie eine Riesensäule in den Himmel hinaufspritzt , » hör nur dieses , Jakuby ! Wo kommt all das Feuer her ? « Und auf diese Frage weiß Jakuby zunächst gar keine Antwort zu finden , zuletzt behauptet er , daß sich im Innern des Kraters Wasserdampf mit Schwefel mische und sich dadurch entzünde ... Diese Behauptung fördert natürlich gleich einen kräftigen gelehrten Zank zu Tage - denn die Gelehrten von Palermo kennen die Stoffe der Erde viel besser als Jakuby . Der Alte ärgert sich , daß man ihn widerlegt und ganz unverhohlen zu verspotten wagt . Ja - Jeder hat so sein Leid zu tragen . Und der feuerspeiende Ätna war doch so berauschend großartig - die Erde zitterte , der Himmel füllte sich mit mächtigen Rauchwolken , glühende Felsen stürzten aus dem Himmel heraus ins Meer und versanken dort mit fürchterlichem Gezisch . Die Feuersäule des Kraters erleuchtete ganz Sizilien - Funkenasche fiel dabei langsam herunter . Zum Donner in der Tiefe gesellte sich der Donner in den Lüften , die von grellen Blitzen fortwährend durchzuckt wurden . Die Rauchwolken verdunkelten zuweilen die Feuersäule - die kam jedoch immer wieder zum Vorschein - was sehr unheimlich wirkte , da sonst nur Blitze die Gegend erhellten . Jakuby machte sich viele Notizen - er ging dem feuerspeienden Berge so nahe auf den Leib , daß ihn seine Freunde verließen . Gegen Morgen schlug ein brennender Stein , der blitzschnell zur Erde niederfiel , dem kühnen Gelehrten zwei Finger von der linken Hand ab . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Abu Hanifa , der in einem Dorfe Südarabiens weilte , kam auch mit harten Steinen in nähere Berührung . Indeß - das war freiwillig und schmerzlos . Der junge Abu Hanifa war nämlich nicht bloß Historiker , er beschäftigte sich auch mit allen andern Wissenschaften - besonders gern mochte er die verschiedenen Steinarten der Wüste untersuchen - deshalb reiste er auch in Südarabien - und kam dort mit harten Steinen in nähere , allerdings schmerzlose Berührung . - Osman ist über diese Sammelei nicht sehr froh , da in Südarabien nur wenig Menschen leben , die für den Weltbund der lauteren Brüder in Frage kommen - von Steinen versteht Osman nichts . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Der Trunkenbold Hamadany lebt in Byzanz und vertrinkt dort den Rest seines väterlichen Erbteils . Hamadany zecht in Byzanz immer allein . Das versteht der ganz vortrefflich . Er mietet sich abends eine Gondel und läßt sich hinausfahren aufs Meer - aber nicht zu weit fort - sodaß er immer noch die große Stadt mit ihren Hügeln und Tempeln sehen kann . Und wenn er dann so allein in seiner Gondel liegt , dann trinkt er und blickt in die Sterne , in den Mond , aufs Wasser , auf die herrliche Stadt und - und - arbeitet . Er arbeitet allerdings in eigentümlicher Art. Er ist ein sonderbarer Geograph . Er will aus der äußeren Form eines Landes die Schicksale dieses Landes herauslesen . Die Landschaft sagt ihm alles . Die Menschen sagen ihm nichts - denn die haßt er . Wenn die Sonne aufgeht , ist Hamadany immer berauscht , und er redet sich ein , daß er in diesem Morgenrausch das mächtige Byzanz besser kennenlerne als alle andern Geographen . Morgens flutet gewöhnlich ein weiches rötliches Licht über die alte Stadt ; ihre Tempel sind umhüllt von weichen Nebeln , die in zarten matten Farben - hellblauen , rosatönigen und gelblichen leuchten . - Dem Hamadany kommt Byzanz des Morgens wie ein verlockendes Märchenland vor , in dem Wunderlampen brennen und verwünschte Prinzen wohnen - feine Feenpaläste ringsum . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Indeß - der große Philosoph Abu Hischam wanderte zu Fuß durch ganz Persien . Als er aber nach Samarkand gekommen , blieb er in Samarkand viel länger , als ers nötig hatte . In Samarkand traf er nämlich gute alte Jugendfreunde , und die tranken sehr gern . Da nun Abu Hischam eine lustige Gesellschaft über alles liebte - so blieb er in dieser lustigen Gesellschaft . Die Stadt gehörte ja seit mehr als sechzig Jahren den Arabern , und es fehlte da an nichts . Namentlich an einer Sache war kein Mangel - an Wein fehlte es nicht . Und die Frauen von Samarkand fühlten sich sehr verlassen , da alle Männer beim Weine Weib und Kind in rücksichtsloser Weise vergaßen . So durfte man sich nicht wundern , daß Abu Hischam allabendlich seine Zecherei durch einen Gesang einleitete , der in Samarkand seit Jahr und Tag bis zur Erschöpfung gesungen wurde - in den jeder Mann mit Begeisterung einstimmte , sobald er Wein vor sich hatte . Es war » der freie Rundgesang « von Samarkand , den Abu Hischam so sehr liebte - so sehr , daß er niemals trinken konnte , wenn er diesen freien Rundgesang nicht beim ersten Becher gesungen - die Strophen gingen nämlich also : » Wohl dem , der frei von Weib und Kindern Sein Leben froh vertrinken kann - Der muß der Menschheit Leiden lindern - Der ist ein guter freier Mann - Der lebt im Sturm und Sonnenschein Gemütlich in den Tag hinein - Der hat verjubelt alle Pein Und darf auf Erden selig sein . « Der dicke Osman hörte davon glücklicherweise nichts - sonst wäre er sehr böse gewesen . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Im Mondtempel zu Hauran wird jedoch ein Brief des Thabit ibn Quorrah abgegeben . Der Brief , der in Bagdad in der Chalifenburg geschrieben ist , hat folgenden Wortlaut : Meine heißgeliebten Freunde ! Ihr denkt schlecht von mir und glaubt , ich möchte Euch schaden . Das will ich aber nicht . Ich will Euch nur warnen . Die Priester im Mondtempel zu Hauran haben nicht mehr dieselbe Macht wie einst , als unsre Vorfahren noch in Babylon lebten . Babylon zerfiel , und unsre Zeiten sind andre . Vor ein paar hundert Jahren durften sich Haurans Priester noch anders schützen als jetzt . Wie der römische Chalif Caracalla nach Hauran wollte , haben ihn Haurans Priester in der Wüste ermordet . Heute dürfen Haurans Priester nicht mehr morden - vergeßt das nicht ! In Bagdad ist man mißtrauisch . Hütet Euch drum vor neuen Freunden ! Hütet Euch vor den lauteren Brüdern ! Der Dichter Safur weilt in Ägypten . Er gehört auch zu den lauteren Brüdern . Warnt die Ägypter ! Warnt die Ägypter ! Safur ist neugierig und schwatzt gern . Mit den glühenden Küssen der Freundschaft Thabit ibn Quorrah . Die sieben Priester der Ssabier sind bestürzt - Tschirsabâl besonders . Man spricht aber nicht weiter über den Brief , sondern sendet Boten nach Ägypten , die den Safur suchen und beobachten sollen . Und dann gehen die Priester wieder an ihre Arbeit - sie bereiten ein großes Fest vor , bei dem im Tempel ein Schauspiel vorgeführt werden soll - eins mit Falltüren , verdeckten Lichtern und verdeckten Spiegeln - mit Geistern und Wundertaten - mit Tod und Schrecken - mit Donner und Blitz . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Der Dichter Safur klettert während dieser Zeit auf eine große ägyptische Pyramide , die nicht weitab von Cairo wie eine Riesenburg daliegt , von deren Spitze aus Safur in die große afrikanische Wüste hineinschauen kann . Safur hat toll gelebt und alles Mögliche mitgemacht . Er genoß das Leben in vollen Zügen - aber nicht so wie Kodama - anders - mit der steten Sucht , den einzelnen Genuß zu verfeinern . Er betete mit schwärmerischen ägyptischen Heiden die Engel an , die in den Pyramiden wohnen sollten . Nachts wurden die Engel angebetet . Er lebte mit diesen Ägyptern fast immer zusammen , denn er wollte von ihnen wissen , ob er nicht mal die Engel der Pyramiden mit eigenen Augen schauen könnte - so wie man seine Mitmenschen mit eigenen Augen schaut . Er unterhielt sich mit den Ägyptern nur von der Geisterwelt . Und die Ägypter machten dem Dichter klar , daß die Geister nur in den uralten Denkmälern der Vorzeit hausen könnten - in den alten großen Pyramiden . » Einen Geist « , sagten die Ägypter , » kannst Du allerdings mit eigenen Augen schauen - der Geist ist aber versteinert - die große Sphinx - die kannst Du schauen , mit Deinen Augen anbeten . « Und mit weisen Ägyptern und mit vielem Volk geht Safur in einer Mondnacht hinaus zur Sphinx und betet die Sphinx an . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Die Andächtigen liegen vor der großen Sphinx auf den Knieen . Fackeln und Lagerfeuer flackern ringsum zum Himmel auf . Safur genießt den großen Augenblick in tollster Verzückung , er starrt in das riesenhaft in den Sternenhimmel hinaufragende Sphinxhaupt mit glühender Inbrunst hinein . Und er betet die Sphinx an - lange - länger als die Andern - sieht nichts von den Prozessionen - hört nichts von den Gesängen der Priester , die in stiller Mondnacht heimlich hier ihren - Götzendienst verrichten . Safur betet und genießt seine Seligkeit wie feurigen Wein , ihm ist , als könne er sich dem überirdischen Wesen körperlich nähern . Er will die Sphinx umarmen - denn er will den Genuß - immer wieder den Genuß - den höchsten - jeden ! Er sagt sich : » Wozu wollen die Menschen mehr als den Genuß ? Wozu ? Immer wollen sie drüber hinaus , und sie können doch nicht - ich auch nicht - darum lieb ich die Sphinx ! ich liebe die große Sphinx , als wär sie ein Weib - auch wenn sie noch viel größer wäre - ich säh in ihr das Weib doch ! « Und Safur breitet die Arme aus und starrt in das steinerne Antlitz , in dem alle Rätsel der Welt ihre Spuren hinterließen . Und Safur sieht plötzlich - wie der Sphinx zwei schwarze riesige Flügel wachsen - wie sie davonfliegt - hinweg - in den Himmel hinein . Und Safur schreit auf , denn er hat plötzlich das Gesicht der Sphinx - anders gesehen - - - die Sphinx ist seine Dschinne - die Dschinne , die er zuerst bei der Sareppa sah . Dem Dichter schwindet das Bewußtsein . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Als er wieder erwacht , liegt die riesige Sphinx so ruhig da wie vor tausend Jahren - rührt sich nicht . Aber die Sphinx ist nun doch dem Dichter eine steinerne Dschinne geworden - das große Wüstenweib , dessen Leib zusammenwuchs und eins ward mit dem Löwen , auf dem das Wüstenweib einst als wilde Dschinne durch die Wüste ritt - durch die heiße große Wüste . Die Lagerfeuer flammen flackernd höher , als erwachten auch sie wieder . Safur betet an - das Weib , das er lieben kann - das er lieben will - das er lieben muß - die große steinerne Dschinne - seine Dschinne . Siebzehntes Kapitel Als die lauteren Brüder nach und nach wieder in Bagdad zusammenkamen - hatte sich Vieles verändert . Die Christen schrieben schon das Jahr 895 . Abu Maschar , der sehr einsam auf dem Mittelturm der alten Sternwarte lebte , sagte wohl noch immer : » In dieser Welt verändert sich nichts , alles wird nach tausend Jahren genau so gut und genau so schlecht sein - wie heute . « Aber trotzdem - Vieles hatte sich in Bagdad doch verändert . Besonders der alte Geizhals Said ibn Selm war ein ganz Andrer geworden . Er war nämlich ein - Bettler geworden . Und da konnt er nicht mehr geizig sein - nein - nein . Der arme Said ! Nun war er wirklich arm . Das kam so : Wie die lauteren Brüder in die Welt zogen , befand sich die Chalifenburg in heftigster Aufregung - den Hofleuten wackelte der Kopf - und sie wußten nicht , was sie vor Angst machen sollten . Der Zorn des verrückten Chalifen mußte unter allen Umständen auf eine Sache abgelenkt werden , die mit den Hofleuten nichts zu tun hatte . Die plötzliche Flucht der Brüder berührte daher bei Hofe sehr peinlich - und - und man sann auf Rache . Hätte man dem Abu Maschar an den Kragen gekonnt - man hätts gleich getan . Doch den großen Propheten liebte und schützte das Volk - die arabischen Hauptleute und ihre Untergebenen waren nicht zu bewegen , in die Sternwarte zu dringen . Um den Koran kümmerte man sich sehr wenig , eine Moschee hätte