! Die Gefälle des Bruar würden sich besser ausnehmen , wären sie nicht mit einer Hecke langbeiniger Touristen garnirt , die mit verzweifelter Ausdauer Operngläser herumgehn lassen , wie Wassereimer bei einer Feuersbrunst , als stünden sie hier auf schwerer Pflichterfüllung . Sie brummen » Be-e-auti-ifu-ul ! « und kucken die Wolken an , sie lesen laut von ihrem Guide-Book ab : » Romantische Wasserfälle ! « Seitwärts liegt der Paß von Killikrankie . Daß die Truppen Wilhelm des Oraniers hier total geschlagen wurden , scheint begreiflich , wenn man die Position der Jakobiten bedenkt . Die Steilheit der Felswände , die Schmalheit des Passes und die Gefährlichkeit des früheren Fußpfades die Felsen entlang machen es zu einem Platz , wo , wie Cromwell von einer Schlucht in Nord-Berwik sagte , » ein Mann zum Aufhalten mehr werth ist , als zehn zum Vordringen . « Für gute Schützen , wie die Hochländer , muß es bei der vortrefflichen Deckung nur ein Scheibenschießen gewesen sein . Natürlich blieb dieser Jakobitensieg der Weltgeschichte sehr gleichgültig , die ruhig weiter schreitet und Leute , wie die Stuarts , je ärger sie gegen den Arm des Schicksals zappeln , um so unerbittlicher über Bord wirft . Da haben wir das Thal des Tilt . Dies Flüßchen hat sich einen Namen gemacht durch seine » unterthänige Petition an den Herzog von Athole « . Dieser Nobleman , der Besitzer von ganz Nord-Perthshire , konnte der Bitte des Genius unmöglich widerstehen , und so bauten denn die Worte von Robert Burns dem Flusse eine Brücke . Es liegt etwas Anheimelndes in diesen Beziehungen zwischen Land und Dichter . Keine Literatur scheint so wie die englische , wörtlich verstanden , mit dem Boden verwachsen . Selbst Lord Byron , der kosmopolitischste der britischen Poeten , bleibt hiervon nicht ausgeschlossen . Die Berge und die Seeen von Aberdeenshire und das Schloß seiner Väter Newstead schweben ihm doch vertrauter vor , als die Inseln seiner Corsaren . Unter den Engländern scheinen die Werke von Dikens ein förmliches Guide-Boot seiner nur etwas zu groß gerathenen Heimathstadt . Aber wer erreicht gar die beiden Dichterheroen Caledoniens in Besingung des Vaterlandes ? Kleine Länder haben eben den Vorzug , die Heimathsliebe ungewöhnlich zu erhöhen . Da ist wirklich kein Fluß und Berg in Schottland , der nicht durch das Wort eines Dichters dem ganzen Volke intim nahegerückt wäre . Der Tilt verdient einen Besinger . Denn einen rebellerischeren kleineren Fluß kann man sich gar nicht denken . Mit lautem Hurrah kollert er die Waldhöhe herunter , schießt , als wenn ' s ihm Spaß machte , über alle möglichen Felsen Purzelbäume und läuft statt wie ein ehrbarer gediegener Fluß gradaus zu marschiren mit provozirender Geläufigkeit schief und krumm , bald rechts bald links , bald Ost bald West . Uebrigens scheint das Purzelbaumschießen ein Erbfehler dieser ganzen Stromfamilie . Etliche dreißig Bäche und Bächelchen rennen , sich überstürzend , als wäre ein allgemeiner » Gathering « ausgerufen , oder rutschen von einer senkrechten Klippe mit Donnergepolter herab , sich unten sammelnd um ihren Clanhäuptling Tilt . Doch » no more nonsense ! « Ernst , düster ernst wollen wir sein , denn eine Reitpartie durch den Glen Tilt hat wenig Scherzhaftes . Vor Allem die Führer scheinen davon überzeugt . Nur wenn das Pony unsers Begleiters die wundersame Neigung entwickelt , nach rechts , wenn er links , nach rückwärts , wenn er vorwärts will , zu lenken , nebst andern unedlen Späßen einer edlen Pferdenatur - nur dann zuckt ein zufriedenes Grinsen durch ihre raubgierigen Geiervisagen - Holla ! Da strauchelt mein Pony ! Das kommt davon , wenn Einem verleumderische Gesinnungen gegen die edlen Räuber des Gebirges auf der Stirn geschrieben stehn . Ich habe wenigstens meinen Führer in Verdacht , diesen Gertenhieb grade für die Stelle , wo der große Stein liegt , berechnet zu haben . Aber auch diesem Pony ist nichts Gutes zuzutrauen . Das ist der wahre Repräsentant des Hochlands . Halsstarrig , eigensinnig , faul und voll humoristischer Tücke . Ein Jammer , daß ihm kein » Mac « über seinem krausen schwarzen Stirnhaar geschrieben steht , damit man doch gleich weiß , weß Geistes er sei ! O dieser Gebirgssohn ! Innerhalb fünf Minuten macht er fünf falsche Tritte , die , wie er weiß , ihm nichts schaden , aber seinen Reiter bis ins Innerste erschüttern . O Pony , Humor ist eine schöne Gabe , aber deine nun endlich abgestandenen ( oder besser : abgerittenen ) Späße von Hintenausschlagen , Wiehern , Stillstehn , vor jeder Felsnase Schenen , jede Ginsterblume als gute Beute ansehn - solche Scherze sind mir entschieden zuwider . Und noch dazu , wenn man an einem schiefen Felsgrat , an dem die Natur leider das Geländer vergessen hat , hintrabt und der Strudel dreißig Fuß unten brodelt . » Das sind mir Humore ! « - Unser Begleiter hat sich schon lang in sein Schicksal gefunden und bewundert die Schönheiten der Natur eine halbe Meile hinter uns . Sein edles Roß leistet eine Viertelmeile preußisch in der Stunde , immer noch alles Mögliche , wenn man bedenkt , daß es sein Frühstück , zweites Frühstück , Lunch und noch mal Lunch während des Einherschleuderns am Wege findet . Glückliches Wesen ! Wann wird uns ein Lunch erblühen ? Jeder Grashalm , den es kaltblütig pflückt , vermehrt die Leere unsrer Mägen . Hochlandpony , Hochlandführer , Tückisch halsstarrige Viecher ! Proviant- und Börsenspürer , Schnüffelnde Gepäckberiecher ! Heimlich habt ihr aufgefressen Aus der Tasche mir die Stullen . Und das Sheltie unterdessen Thut , als säh es einen Bullen . Jeden Augenblick ausscharrt es Und die schwarze Mähne schüttelt Ins Gesicht mir - o wie hart es Mich am Abgrund weiterrüttelt ! Warum stampfst du mit den Hufen ? Schont beginnt es rings zu dämmern . Ach , den Spitz des Schäfers rufen Hört man dort nach seinen Lämmern . » König ist der Hirtenknabe . « Ja , der sitzt recht in der Wolle . Von des Porridge Abendgabe Träumt der ernst Gedankenvolle . Da steht er groß und breit , in seinen dicken Wollenmantel und das Bewußtsein seiner Würde gewickelt , der braunstirnige Hochlandschäfer . Die zwei klugen Hunde liegen zu seinen Füßen , still und wachsam , ungleich dem lärmenden Gesindel der Städte , in ernster schweigsamen Pflichterfüllung . Ja , der Schäferhund des Gebirges scheint der wahre Gentleman der Hunderace . Der fette feige Newfoundländer ist ein fauler Lord und die maulende keifende Dogge ein pöbelhafter John Bull . Aber der Schäferspitz , unansehnlich an Gestalt , mäßig , beobachtend , freundlich , aber nie schmeichelnd - : der Charakter , der den Wolf von der Heerde wegbeißt und nach dem verlorenen Lamm durch Dick und Dünn läuft . Was die Schäfer anbelangt , so scheinen dieselben durch die Schäferpoesie unschuldig in Verruf gekommen . Sie bleiben im Grunde ganz anständige Menschen , gerade so dumm und schmutzig , wie andre solide Bauern . Welche Entrüstung muß das Herz dieser Biedermänner erfüllen , wenn sie vernehmen , mit welch romantischem Firlefanz ihren groben Filzhut gerührte Bänkelsänger umwanden ! Ueberhaupt diese Poeten ! Jener Schäferjüngling , der so träumerisch vom Felsen in die Wolken starrt , dürfte eine Sündfluth » sangbarer « Lieder und populärer Balladen nach sich ziehen , auch dürfte er sich zu gefälliger Composition empfehlen . Aber welche Gefühle durchfluthen seine Brust ? Legt er sich in Gedanken die Sonne als goldne Krone zu ? Oder fliegen Uhlandsche Königstöchterlein durch seine schmachtende Seele ? Oder ergeht sein zartbesaitetes Gemüth sich in elegischer Stimmung nach der alten Weise : » Da droben auf jenem Berge ? « Verleumdung ! Womit haben diese praktischen Realisten es verdient , als des Idealismus verdächtig denuncirt zu werden ? Ein edler Zukunftstraum von Haferbrei erhebt sich vor seiner schönen Seele ; tief sinnend schüttelt er das gedankenvolle Haupt in gelindem Zweifel , ob Jenny ihn diesen Abend mit purer Milch bereiten wird oder aber - die schöne Aussicht auf die Wänste seiner Hämmel begeistert ihn zu diesem logischen Gedankenschwung - mit fetter Sahne ? ! Um auf die besagten Hämmel zurückzukommen , so pflegt dieser vierfüßige Hochlandsclan eine unpassende Zudringlichkeit . Aus ihrer grasenden Beschaulichkeit aufgestört , starren sie uns mit dem düstern Blick gekränkter Friedensunschuld an und schleudern uns ein unheilverkündendes Blöken nach . Herr Schäfer putzt sich die Nase . » Ade , du Schäfer mein ! « Wir sind nun schon lange über The Queen ' s Seat hinaus . Hier hat nämlich Königin Victoria auf einer Fußtour durch dies Thal geruht und der Herzog von Athole ließ hier ein erfrischendes Frühstück und zur besondern Befriedigung eine reichhaltige Liqueursammlung serviren . Die meisten Wasserfälle auch schon passirt . Der Tilt wird immer breiter . Dieser Flußjüngling blieb übrigens trotz seines wässerigen Berufes eine ungewaschener Canadier , indem er sich einerseits alle Nase lang in die Büsche schlägt , wo wir ihm nachlaufen müssen , andrerseits sich nicht einmal eine anständige Brücke zugelegt hat , trotz seiner entschiedenen Neigung für Ueberschwemmung und Austretung und überhaupt alle Arten von Ausschreitungen . An einer Stelle haben wir also richtig mit Sack und Pack , Roß und Reisigen , hindurch zu plantschen , wobei die Ponys ein auserlesenes Vergnügen im Bespritzen ihrer reitenden Opfer , in Folge gänzlich unberechtigten Strauchelns , zu finden scheinen . Vertiefen wir uns bei kurzer Rast in ein Butterbrod und die romantische Aussicht ! Der Guide , ein erfahrener Menschenkenner , scheint uns poetischer Gefühle fähig zu halten ; er wirft uns einen mißtrauischen Blick zu und schlendert uns , in der Gewißheit seines Verdachtes , die lauernde Frage ins Antlitz : » Schmeckt Ihr Butterbrod , Sir ? « Ja , der Barbar wagt es obendrein , zarte Andeutungen auf unsre Whiskyflasche hinzuwerfen und eine große Libation zu empfehlen , unter dem medicinisch interessanten Vorwand , diese wässerige Umgebung erzeuge ihm immer eine ausfallende Kälte im Magen . Die Kälte wird also curirt und dann eiligst weiter ! - In zarten Andeutungen sind Führer überhaupt groß . An der » Forsthütte « erlaubt sich Guide I die bescheidene Anfrage , ob ich auch an das Lunch gedacht habe ? An der Ben Deary Kaskade wirst Guide II die Vermuthung so leicht hin , daß ich zehn Sandwichs mitgenommen hätte . Nur Acht ? Mißbilligendes Husten . Vor den Shehallion und Farragon Bergen erkundigte sich derselbe in theilnehmender Weise , ob besagte Butterbrode sich einer Ausschmückung mit Schinken oder Käs erfreuten ? Mit Schinken . So ! Allgemeine Befriedigung . Guide I fürchtet nur , daß der Senf vergessen sei , und will sich freundlichst gleich selbst davon überzeugen . Wird höflich untersagt . Mißbilligung . Als sich die riesigen Proportionen von Ben-y-Gloe entwickeln , entwickelt sich der Hunger der Biedermänner in dito Proportionen . Dabei wird dem Whisky in unziemlicher Weise zugesprochen Bei den Schießhütten des Carl of Fife angelangt , erscheint uns allen denn auch das schwarze Torfmoor in einem eigenthümlich rosigen Lichte - unser Begleiter schwingt sich sogar zu der Behauptung empor , es gäbe hier eigentlich zwei Moore , eins überm andern . Diese bedenkliche Doppelseherei wirkt entschieden ansteckend , bis wir an dem Linn of Dee , dem berüchtigten Wasserfall , der den kleinen Byron beinahe verschluckt hätte , beinahe selbst dies Schicksal erlitten hätten . Das kommt davon , wenn man zu genau in den Fußstapfen des Genius wandelt . In dieser Gegend verlebte bekanntlich der originellste Dichter des modernen Zeitalters seine frühen Knabenjahre . Da sind wir schon in Braemar . Furchterweckende Phantome von Dandies und feingeputzten Damen gleiten im Abendschatten an uns vorüber , aber wir halten es für Hallucinationen unsrer erregten Sinne . Wir stecken ja mitten in der Waldeinsamkeit . Großes Gebäude - sieht so Hotelmäßig aus ? Vom Pony steigen , in die Vorhalle treten , mit dem Bauch eines enormen Oberkellners zusammenprallen wird das Werk einer Minute . Schaudernd werfen wir entsetzte Blicke um uns her . Ist ' s wahr , ist ' s möglich ? Zwölf Kellner in Frack und weißer Binde , mit grauenhaften Scheiteln und distinguirtem Air , zwölf Gemeine und noch Se . Excellenz besagter Oberkellner , nebst Frack , weißer Weste , Cravatte und Glacés . Zuviel ! Man bedenke die Situation ! Zwölf Stunden in der Wüste auf den Verkehr mit Ponys angewiesen , das Absonderungsbewußtsein eines zweiten Manfred im Busen und hier - zwölf Apostel der Etiquette , von denen der erste zarte Winke über Table d ' hôte , der zweite über Schlafzimmer in erster , zweiter oder beliebiger Etage fallen läßt . Wir selber aber ließen mit Grandezza unser Gepäck fallen , schleuderten dem Bauch des glattrasirten Tyrannen einen vernichtenden Blick zu und stürzten uns mit dem Grimm eines Kannibalen über das Supper . Das war die Vergeltung ! Alle Victualien verschwanden schonungslos vor dem Heißhunger unsrer Rache . Umsonst sandte der gastliche Leiter des Mahles wehmüthige Blicke gerechten Kummers den erschöpften Schüsseln nach . O er merkte jetzt mit unheimlicher Ahnung , daß sich Wüstensöhne mit dem dazu gehörenden Magen in seine wohlgesitteten Hallen gedrängt - einen letzten unaussprechlichen Blick verwundeten Anstandes warf er auf unsre bestaubten Röcke und Stiefel und ging und ward nicht mehr gesehn . Ich aber aß für zehn streitbare Männer , mit unsäglichem Wehgefühl . Ohne Menschen fünfzehn Stunden ! Endlich hab an dieser Stell hier Ich ein Manfredsthal gefunden ! Ach , am Ziel ragt ein Hotel hier ! Laß mich schaudernd rückwärts taumeln : Ueber weißen Kellnerwesten Seh ich Tombak-Ketten baumeln ! Fort mit meines Traumes Resten ! Auf nach Balmoral ! Der Boden scheint eine malerische Sumpflache , die Sonne hat den Schnupfen - oder , wie man hier zu Lande das interpretirt : Das Wetter hält sich doch noch ! Rings strecken sich Felsen spitz in die Luft , wie ein Riesenfinger : andere Kegel haben das Aussehen von Burgen , von deren spitzen Thürmchen die Tannen wie grüne Fahnen herunterwehen . Der Styl dieser Böklin ' schen Naturcomposition erinnert lebhaft an die Chaussee , von Reichenhall nach Berchtesgaden . An der einen Seite fließt der Dee , welchem Lord Byron als Badeprämie die Reklame in seine Werke einrückte : » Ibreasted the billows of Dee ' s rushing tide . « Vielleicht hat auf dieser Bank von Stein der junge Dichter von Zukunft und Ruhm geträumt . Hier hat der erwachende Genius Byrons nicht nur seine Liebe zur Bergnatur , sondern auch das erste Bewußtsein der in ihm schlummernden Poesie eingesogen . Das erste , Alles beherrschende Gefühl eines dichterischen Geistes , Bewunderung der Schöpfungsmysterien , war ihm in diesen Bergen aufgegangen . Darum sei mir gesegnet und freudig begrüßt , wie ein Vetter des Parnaß , du weißhaariger Riese Lochnagar mit dem blauen Auge des wilden Bergsees hoch oben unter deiner massigen Stirn ! Zu deinen Füßen stand die Wiege des Genius oder doch wenigstens genauer gesprochen , seine Milchflasche . Hier liegt nämlich der nette Pachthof Ballater , woselbst der junge Musagetes eine Milchkur genoß . Die Milch ist immer noch für Geld und gute Worte zu erstehen , aber die Milch der Musen - - Auf der Bahn nach Inverneß . Rechts lärmender Franzose , links hustende Schwindsüchtige , auf allen Seiten Rauch und Hitze . Tiefmelancholische Landschaft . Das trübe Mondlicht scheint sich auf dem Rücken der schwarzen Hochlandkühe zu spiegeln , die aus ihren Hürden stumpfen Blicks dem Zuge nachbrüllen . Jeder Hügel trieft hier ordentlich von geschichtlichen Blut : Hochlandmorde und Clangemetzel schienen hier stets an der Tagesordnung . Ankunft in Inverneß , einer düstern , zugigen , höchst verdächtig aussehenden Stadt . In dem alten Castle soll den gnadenreichen Duncan Macbeths Dolch getroffen haben . Es sieht mir auch ganz danach aus . Bei Culloden wurde hier anno 1746 der Prätendent Karl Eduard total geschlagen . Weltschmerz und Schnupfen schauern mich an , auf diesen Grabkreuzen sinnend . » Für Gott , für König und Vaterland « Fiel mancher Narr bei Culloden . Sein eisernes Kreuz als Denkmal stand Schon lange hier im Boden . Das Känzchen klagt Kiwitt , Kiwitt . Komm mit , komm mit ! Du graues Alräunchen , Du Hochland-Guide , Du kicherst so verdächtig . Bist Du ein Uhu im Menschenkleid , Umgehend mitternächtig ? Das Käuzchen klagt Kiwitt , Kiwitt ! Komm mit , komm mit ! Bei der Steamerfahrt auf dem Caledonischen Kanal nach Oban bewährt sich uns die eingewurzelte Eigenthümlichkeit dieses Gewässers , sich stets mit Regen begießen zu lassen . Soviel man unter der Nebel haube erkennen kann , bildet den Glanzpunkt der Fahrt das Sichtbarwerden des höchsten schottischen Berges , Ben Nevis , und des größten Wasserfalls der britischen Inseln , Falls of Foyers . Zwischen Ginsterhügeln wälzt , der Foyer seine Fluthenmassen , bis er , durch ein breites Felsenbecken hinabgleitend , plötzlich an einem Abgrund sich überstürzt und aus einer Höhe von etwa 90 Fuß fast senkrecht niederrollt . Die berstenden Wogenbälle donnern mit unglaublicher Kraft an die starren braunschwarzen Felsgiganten und flattern in silberweißem Schaum , wie ein Lenkotheaschleier über die Ufer . Das furchtbare Zischen der sich bildenden Strudel , wenn die herabrollenden Wassermassen unten im Strom durcheinanderwirbeln , wirkt grauenerweckend . Der zerstiebende Schaum steigt in durchsichtigen Krystall-Säulen wie Nebelqualm aus der Tiefe , welche im Contrast zu dem schneeweißen Fall rabenschwarz , erscheint . Aus den verschlungenen Schluchten , aus allen Schlüften und Höhlen dröhnt ein unaufhörliches Echo nach . Ueber dem eigentlichen Fall stürzt noch ein zweiter kleinerer hernieder und wird mit seinem stärkeren Sohn - denn er erzeugt durch seine vorbereitende Kraft hauptsächlich die aufgehäuften , sich dem größern Absturz zuwälzenden Wogen - durch eine Aetherbrücke , einen in allen Farben schillernden Regenbogen verbunden . Der Schweif des Sturzfalls peitscht die Wand , Wo seinem Geifer Grün entsprießt . Wie unterm Huf aufquirlt der Sand , Schaum aufwärts schießt . Wenn im Tunnel der Underground Der Zug herdonnert blitzesschnell - Wie hier , es mir im Ohre raunt : Stürz vor , Gesell ! Dunstschemen schweben vom Glencoethal herüber , als wären es Geister der ermordeten Macdonalds und Camerons . Roth sinkt die Sonne hinter den blauen Kuppen von Mull und wir sind in Oban . Dieser kleine gemüthliche Seehafen erinnert an das liebe Fairport des » Alterthümlers « . Das Axiom » Time is money ! « scheint hier ganz unbekannt . Der Mensch lebt , um Fische zu essen , sich zu recken . Netze zu flicken , zu schnarchen , mal aus Gnade Fische zu fangen , bis seine beschauliche Ruhe sich in ein seliges Ende hineinschnarcht . Glückliche Phäaken ! Unvergeßliche Morgen , wo ich , Bulwers » Clifford « in der Hand , einsam im Walde lag , während nur fernes Lachen spielender Kinder zu mir heraufdrang oder fern auf der Höhe eine lustige Miß abscheulich trällerte ! Unvergeßliche Mittage , wo ich die Ruinen von Dunolly-Castle durchkletterte oder im Boote zum Angeln hinausfuhr ! Unvergeßliche Abende und Nächte , wo die überfüllte Strandpromonade mich in ein Boot trieb und ich hinausfuhr , bis die Walzer der deutschen Musikbande verhallten . Doch unhörbare Melodie Ertönt aus Inselschilf und Rohr - Nur wem Natur ein Herz verlieh , Der hört sie , nicht das Ohr . Viel Silberfurchen schnitt der Kahn , Phosphorisch , lang , durchs Wogenthal , Die Inseln auf der Wasserbahn Verbindend durch den Strahl . Die liegen rings so schwer und schwarz , Wie Wallfisch und Leviathan . Nur würziger Duft von Fichtenharz Uns meldet , daß wir nahn . Es flammt das röthliche Fanal , Manch Schatten durch die Wipfel schwebt . Sind ' s Hünen , deren Todtenmal Sich hier erhebt ? Die Woge schwillt zum Katarakt . Mit Kamm und Mähne schaumig grün , Die Midgardschlange tanzt im Takt Mit schneeigen Geifers Sprühn . Ade , Atlantischer Ocean ! Schon jagen wir unter hinfegenden Regenschauern den Loch Etive und Loch Awe entlang , in das Herz von Argyleshire . An allen Flecken begegnen wir einem Aufruf des Marquis of Lorne ( Schwiegersohn der Königin ) als Clauhäuptling zu einem » Gathering « , um die alten Tänze und Uebungen der Hochländer in Ausübung zu erhalten . Dies ist die Heimath Campbells und die poetische Domaine Scotts . Wie wir so in Sturm und Wetter einsam dahinbrausten - nur die schwarzen Hochlandbullen stierten und brüllten uns von den schwarzen Hochlandhügeln nach - , da ward es um mich lebendig von schauerlichen Bildern . An der Bridge of Awe sah ich die weinende » Hochlandwittwe « , und drüben im Paß of Brander ihren erschlagenen Gatten , der da lag mit seinem ganzen Clan Mac Dougald of Lorn . Majestätisch starrte der steil herniederstürzende Ben Cruachau in den blutgetränkten See und über die Leichen zog rasselnd die Ritterschaft des Niederlandskönigs Robert Bruce . In den klatschenden Wellen aber und dem heulenden Wind , der mir den Hut vom Kopfe reißt , höre ich rauschen und brausen die melancholische Weise : » We are landless , landless , landless , Grigalich « . Und die Schatten der Wolken , die über die Landschaft jagen - sind es nicht die verfehmten verfolgten Mac Gregors ? Doch der Weih , der hoch überm See lustig sich wiegt , scheint trotzig zu krächzen das Campbellsprichwort : » ' T is a far cry to Lochow ! « Dort in Glen Fruin vernehme ich im Klirren der Sensen das Wassenklirren der Mac Gregor und Colquhouns , die hier vernichtet wurden bis auf den letzten Mann . Ich sehe ein weißes Wölkchen am Ufer des Ben Lomond emporsteigen - oder ist es der Schleier Diana Bernons ? Ein Seeadler stößt rauschend in die Fluth - oder ist es Rob Roy , der den See durchschwimmt ? In Inversnaid genoß ich die hohe Freude , eine mir besonders werthe Reisegesellschaft wiederzusehen . Es waren dies die sogenannten » Eßreisenden « , eine hochinteressante Species . Auf keinem asthmaerzeugenden Aussichtspunkt wächst diese Pflanzengattung - sie verschmäht vergängliche Genüsse . Aber beim Breakfast , Lunch , Dinner - da sieht man sie den bleibenden Freuden des Daseins sich mit uneingeschränkter Hingebung widmen . Die Assimilationskraft , mit der sie Roastbeef und Mutton in zahlloser Menge ihrem innern Selbst verschmelzen , hat etwas Ehrfurchtgebietendes . Besonders Missus kann man sich gar nicht anders vorstellen , als mir Messer und Gabel kriegerisch gerüstet . Dabei haben wir sie im Verdacht der Identität mit jener Cokneydame , die kürzlich , wie die Touristensage meldet , einem Gentleman , der erwähnte , er habe gestern Ben Lomond gesehen , die grandiose Antwort ertheilte : » Ben - was ? Stellen Sie mir Ihren Freund doch mal vor ! ! « 1 In Inversnaid stürzt ein prachtvoller Wasserfall sich in den See . Hier hat Wordsworth seine » Hochlandmaid « singen hören . Hier stand ich lange bis tief in die Nacht und sah Gedichte , für die mir die Worte fehlen . Den Loch Kathrine , die Scenerie der » Jungfrau vom See « , muß man durch das optische Vergrößerungsglas der Scottschen Muse betrachten . Sonst ein recht gewöhnlicher Teich . Hier bewundern wir auch das » Gefängniß « Robins des Rothen , einen spitzen Felsen , auf welchem der Biedermann von oben her seine Opfer herabließ , um in dieser angenehmen Lage von ihnen unangenehme Bedingungen zu erpressen . Ach , die Helden der Poesie entpuppen sich oft bei nüchterner Betrachtung als ganz gemeine Wegelagerer . - Der Dampfer landet . Weiter durch die Trossachs . Dies Stromthal zeigt im Anfang einige Aehnlichkeit mit dem Sarne-Thal bei Botzen . Der Teith schäumt aber lange nicht so ungebärdig wie die muthwillige Sarne , und den ganzen Weg bis Callander hat die Natur als stilles liebliches Idyll gedichtet . Durch die Trossachs hör ' ich schallen Der Romantik Silberhorn . Doch verschüttet und verfallen Ist der alte Sagenborn . Ach , die Kutschen auf und ab Rasseln hier in vollem Trab . Menschen , wer kann euch entfliehen ? Wer sich , Prosa , deinem Staub entziehen ? Sterling-Castle . Am Felsenwall der Forth vorübergleitet . In blauem Duft die blauen Gipfel mischen Sich mit der Himmelbläue und dazwischen Weit vor sich hin die Tannenforste spreitet Der Benvenue . Dort Grau in Grau sich breitet Ben Lomond , von dem Waldtalar umdunkelt . Der blaue See von Menteith , ein Saphir , Aus weißer Uferfelsen Fassung funkelt . Dort drüben in dem öden Thalrevier Auf diesem grauen windumtosten Stein Stand Bruces Banner hoch im Abendschein . Und » Scots , wha ha ' e , « so klingt es mächtig drein Im Wind von allen Bergen in der Runde : Das weiht die Stelle erst , das Lied ans Dichtermunde . Linlithgow . Nicht mehr aus Scharten der Geschütze Mündung Entgegenstarrt , kein Wart vom Thurme ruft . Doch stets noch wölbt sich in erhabner Rundung Der Säulenbogen in der sonnigen Luft . Noch heute schwer und massig ragt der Wall , Von Fenstern kaum erhellt , fast nischenlos ; Die dicken Zinnen kamen nicht zu Fall . Der Brunnen ragt inmitt der Säle all ' , Wenn auch das Wasser ihm versiegt im Schoos . Ein Gartenhof liegt dorten wohlgepflegt , Von schattigen Akazien eingehegt . Die hohe Pappel ihren Schatten legt Ueber den bunten Kies und manche Bank . Das rosafarbne Marmorbecken trägt Die Wassersäule , durchsichtig und schlank , Die oben sprühend auseinanderschlägt In Silberfunken , die im Widerschein Schillern wie eine Schnur von Edelstein In Regenbogenfarben , wenn durchblitzt ( Wie die Koralle durch Krystalle glitzt ) Vom Widerschein des Beckens und vom Strahl Der rosigen Sonne . So der Wind verstreut Ringsum weiß-rosige Blüthen ohne Zahl , Die einer weißen Dolde Krone beut , Millionenfach und ohne End ' ernent . Ja , einem Springbrunn gleicht dies Städtchen heut , Aus dem Erinnerung wie alter Wein Zum Himmel steigt , erfrischend , glänzend , rein . Falkirk . Durch Falkirks Kirchhof schreit ich hin . Der liegt so tief und still , Und der gefallnen Todten hier mit Ernst ich denken will . Was sagt dies alte Monument ? » Sir Jon de Graeme hier liegt , Der Unbesiegte , den zuletzt der Tod nur hat besiegt . « John Stuart of Bonkill neben ihm liegt in der dunkeln Gruft , Kein Horn die alten Streiter mehr an Wallaces Seite ruft . Sie fielen für die Freiheit hier in Falkirks heißer Schlacht Und über ihre Leichen hin zog des Erobrers Macht . Doch auf der andern Seite ruhn die Brüder Munro dort : Sie standen hier und fielen hier als ihres Königs Hort . Ja , damals scholl zum andern Mal dumpf über ' s Falkirk-Moor Der englischen und schottischen Geschütze Donnerchor . Die Clane drüben warten nur noch auf das Hornsignal - Doch holla ! wo steckt Hawley denn , Altenglands General ? Dort drüben liegt ein schönes Gut , nah dem Antoniuswall , Von Rom erbaut , zu dämmen einst der wilden Pieten Schwall . Hier in Callander Hause er sitzt und in ihr Auge blickt : Ein Herkules in Uniform , von Omphale umstrickt ! Die schöne Gräfin Kilmarnok ihn witzig unterhält . ( Ihr eigner Gatte drüben steht beim Prätendent im Feld . ) Da klirren Stiefel auf dem Flur , die Ordonanz erscheint , Ganz feuerroth wie Heißsporn Heinz : » Es regt sich schon der Feind ! « » Ich aber nicht ! « gemüthlich brummt und grunzt der Commandant , Doch fünf Minuten später klopft ein andrer Adjutant . » Der Feind « - » Goddamn your eyes ! Was Feind ! Hier droht mein schöner Feind ! « Den Schnurrbart zwirbelnd , wunders wie holdselig er sich meint . » Hoïroh ! « Hagelwetter nicht so jählings stürzt herab , Als jetzt das Hochland niederfährt vom Berg in vollem Trab . Wie Stücke Speck in Stücke haun sie die Dragoner schnell Und Schreck jagt über Albion jung Charley der Rebell ! .. In Larbert Church da nebenbei schläft ein gereister Mann , 2 Der nach Gefahren mancherlei ein kläglich End ' gewann . Den Wilden und den wilden Leun geschickt entkam er oft , Ja selbst dem brennenden Simum entrann er unverhofft . Downstairs er eine Lady führt ganz ruhig ohne Arg - Er strauchelt , bricht sich das Genick und liegt nun hier im Sarg . Nicht weit davon ist Torwood Forst , wo William Wallace lag , Um auszuwetzen bald aufs neu die Schmach von Falkirks Tag . Hier sag ' ich Falkirk Lebewohl , arm an Erinnrung nicht - Und schon verlischt mir in der Nacht der Eisenwerke Licht . Musselburgh . Die alte Veste Musselburgh ist dies , Umgeben rings von Wiesen lang gedehnt . Auf diesem grünen Felde trafen einst Die Häupter sich der Covenant-Partei Mit Herzog Hamilton , des Königs Rath . Auch trabten über diesen Plan dahin Die » Eisenseiten « , lockend , doch umsonst , Zum nahen Kampf den Schotten-General ... Die Thürme drei Schlachtfelder überschaun : Hier Pinkiehouse mit engem dicken Wall Und rundem Erker und im runden Hof Der wohlgebauten zierlichen Fontaine . Hier war es , wo der Schotten Macht zerstob Vor Englands Kraft und Kunst . - Ich hör ' die Schlacht . Lang wogt der Kampf . Ein wilder Knäuel Alles , Darin es quirlt gleich einem Felsenstrudel . Wie Schaum empor aus diesem Wirbel spritzen Zerhaune Federbüsche oder Fahnen - Wie Kiesel , die zerstäubt vom Wogenschwall , Splittern zerbrochne Lanzen , Helme , Schilde . Die Schotten wanken nicht . » Für Schottland und Die Königin ! « - Wer ist der stolze Ritter , Der nun vereint zum letzten schärfsten Stoß Die Söhne Albions ? Der Earl von Hertford . Anprallt der Sturm , wie Gießbach an den Fels , Anschwillt der Kampf , wie Fluth mit