dich . « » Gott bewahr , niemal , sag ich dir , Käsbiermartel ! Er soll nur ' m Kalbsfell folgen oder neuzeit der Blechblasen . Dös is ihm gsund , dös is ' s einzige Mittel , um ihm d ' Unbotmäßigkeit ausztreiben , mit der er mir zugstiegen käm ; ' s is nit erhört , denk dir , einm Bettelmensch wegn ! « » Na siehst , das kimmt von ewigm Zuwarten . Hättst ihn gleich zsammgebn mit der Sali , wär ihm d ' andere gar nit in Sinn kämma . « » Verlaß dich drauf , dö exerzieren s ' und manövrieren s ' ihm schon wieder hraus . Das geht hitzt in einm ! Eigentlich wär ja für dein Dirn dabei gar nix verlorn . « » Drei Jahr . « » Drei Jahr ! Was sein drei Jahr ? Drei Jahrn frag ich nit nach , so alt ich bin ! Und wann bis dahin dein Sali noch nit unter der Hauben wär ... « » Deinm Bubn wegn werd ich s ' nit in d ' Selchkuchel hängen ! « » Dös brauchst nit , sie erhalt sich wohl auch so frisch . Ich sag ja nur , wann der Fall wär , dann - ! « » Na ja , dann , wann ! Da is noch allweil Zeit z ' reden , bis d ' Zeit sein wird . « » Hast recht . Hitzt davon reden , hat wirklich kein Schick und kein Absehn und möcht uns nur allzwein d ' Gall riegeln . « » Wohl , is eh a so . « Sie schüttelten sich die Hände und schieden . XI Zwei fanden sich in ihren Voraussetzungen getäuscht ; der Kleebinder Muckerl , welcher erwartete , daß Helene schon am nächsten Tage an sein Krankenlager eilen , ihn beklagen und sich entschuldigen würde , und der Toni vom Sternsteinhof , der einer Fortsetzung des Streites am Mittagstisch noch für den Abend des gleichen Tages entgegensah . Das Mädchen blieb fern und der Alte stumm . In der Hütte des Herrgottlmachers sprach die Matzner Sepherl ein , sooft sie Zeit hatte abzukommen , und teilte sich mit der alten Kleebinderin in der Pflege des Kranken . Auf dem Sternsteinhofe ging alles seinen gewohnten Gang . Darüber verflossen Tage und wurden zu Wochen , in der vierten durfte Muckerl das Bett verlassen . Er hatte alle Bezeigungen von Freundlichkeit und Sorge seitens der Sepherl gleichmütig hingenommen und litt es auch jetzt , daß diese seiner Mutter behilflich war , ihn wie ein Kind , das erst das Gehen gewöhnen müsse , nach dem Werktische zu leiten . Tief aufatmend saß er dort , Sepherl zog einen Stuhl herzu und setzte sich an seine Seite . Die alte Kleebinderin stand mit gefalteten Händen , sah ihren Buben lange nachdenklich an und nickte mit dem Kopfe wie jemand , der sich in etwas schickt , das nun einmal vorüber sei und weit übler hätte ablaufen können . Dann ging sie aus der Stube und ließ die beiden allein . Sepherl faßte Muckerls Hand . » Wie froh bin ich « , sagte sie , » daß wir dich wieder so weit haben . « Er starrte vor sich hin , zog sachte seine Hand zurück und begann unter seinen Schnitzmessern und Werkgeräten zu kramen . » Schau « - schwätzte die Dirne weiter - , » nun hätt ich an dich eine große Bitt . Nämlich , ich hab ein Gelöbnis getan für den Fall , daß alles gut ablaufen tät ; aber dasselbe zu halten wär ich allein nit imstand und hab schon zum vorhinein drauf gerechnet , daß du das Deine dazu tun würdst , und das is eigentlich ' s allermeiste , wie ich dir frei sagen muß . Gelt , ich bin dreist ? « Er blickte auf . » Gar nit « , sagte er , » ich bin dir viel Dank schuldig . « » Deswegen doch nit ; Danks halber verlang ich mir nix ! Hör mich an . Ich hab der allerheiligsten Jungfrau ein Bildnis versprochen für unser Kirchen ; denk dir , wie ich kindisch bin , schnitzen müßt ' s freilich du , ledig ' s Aufstellen wär mein Sach . In Gedanken hab ich ' s ghabt , weißt , als die Allerreinste , af der Weltkugel stehend , die Schlang untern Füßen ; ' s Jesukind tät wegbleibn , daß dir ' s weniger Arbeit macht und billiger kommt . Verstehst ? « Sie sah auf ihre Schürze nieder , die sie glattstrich , und flüsterte : » Was d ' dafür kriegst , das zahlet ich dir schon kleinweis , so nach und nach , wann d ' mer d ' Freundschaft erweist . « » Bist gscheit ? « fragte der Bursche . » Von dir werd ich noch ein Geld nehmen ! Ganz umsonst mach ich dir ' s , wie ja auch du umsonst meiner Mutter beigstanden bist in der schweren Zeit . « » Das geht nit , Muckerl , das darf ich nit annehmen ! Ah , wenn ich mir ' s schenken ließ , da käm ich freilich leicht davon ! Fremde gute Werk und anderer Eigentum könnt jeder Narr ' m Himmel geloben , da wär weiter kein Verdienst dabei ! Nein , nein , gschenkt nehm ich ' s nit , das wär grad soviel , als ob ich Unserer Lieben Frau nit Wort hielt , wenn ich alls einm andern zuschieb und gar nix dazu tun tät . « » Is a Unsinn « , brummte der Bursche ärgerlich , dann blinzte er die Dirne von der Seite an und sagte ernst : » No , weißt was , zahl mir halt d ' Farb , die ich für ' n Anstrich brauch . « » Wird dös wohl viel ausmachen ? « fragte die Dirne rasch . Muckerl hielt die Hand vor den Mund und hustete , dann antwortete er kurz : » Für eins , was so wenig hat wie du , allweil noch gnug . « » Ich dank dir aber schon recht vielmal , Muckerl . « Sepherl blickte ihn dabei zärtlich an . » Ich kann sagen , da hast mir wohl ein schweren Stein vom Herzen gnommen ! Und weißt , aufstellen wollen wir dann das Bild nach der Zeit , wo du von der Stellung heimkommst , denn ich denk , dich werden s ' doch nit zun Soldaten nehmen . « Der Bursche schüttelte den Kopf und sah wehmütig lächelnd an seinem abgezehrten Körper hinab . Dann begann er mit der Dirne ganz ernsthaft zu akkordieren - gleich als hätte er es mit einer häbigen Bäuerin zu tun - , wie hoch , welcher Weis sie wohl das Bildnis haben wolle , und schmunzelte nur verstohlen über ihre redseligen Erklärungen . Zuletzt hieß er sie aus dem Vorrate einen ziemlich schweren Block auf den Arbeitstisch schaffen . Die Figur sollte über ein drittel Lebensgröße haben . Von dem Tage an beschäftigte er sich mit dieser Arbeit . An einem Abende der sechsten Woche war es , daß in der letzten Hütte des Ortes zwei Gesichter sich anstarrten , aus denen jeder Tropfe Blutes gewichen war . Nach langem , peinlichem Schweigen löste sich der Krampf des einen , und wie unter Fieberfrostschütteln fielen die Worte : » Du darfst mich nit in der Schand lassen . « Das löste auch die andere Zunge , sie mochte am trockenen Gaumen geklebt haben , so heiser klang es : » Ich weiß mir da kein Rat , als ihr müßts hnauf aufn Hof , ' m Alten unter die Augen . « Nun folgte erst ein verstörtes , zielloses Hin- und Widerreden und zuletzt eine in angstvoller Hast sich überstürzende Einigung . Eine bange Nacht ging dem kommenden Morgen vorauf . Der Reif lag noch auf den jungen Gräsern und Blättern , als sich zwei Frauenzimmer durch das Dorf schlichen , sachte , als scheuten sie den Hall ihrer eigenen Tritte , über die Brücke huschten und den Weg nach dem Sternsteinhofe einschlugen . Das Gesinde machte große Augen , als es so in aller Frühmorgens die Zinshofer mit ihrer Dirn heransteigen sah . Die Junge schritt aufrecht an Knechten und Mägden vorüber und gab ihnen nicht Gruß noch Wort ; die Alte folgte duchsig nach , sie nickte jedem und jeder zu und grüßte mit einschmeichelnder Freundlichkeit . Man achselzuckte und lachte hinter den beiden her . Was der Aufzug wohl zu bedeuten hatte ? Der Sternsteinhofbauer saß mit Toni beim Frühstück . Er blickte verwundert auf , als es an der Türe pochte . Toni schrak zusammen , er legte seine Pfeife auf den Tisch , erhob sich und öffnete die Türe . » Vader « , sagte er bedeutsam . Die beiden Hereintretenden stammelten ihren Gruß und blieben an der Schwelle stehen . Hier senkte das Mädchen tief den Kopf , während es die Alte für passend hielt , eine so steife Haltung anzunehmen , als sich mit dem Respekte vor dem großen Bauern und ihren müden Knochen vertrug . Sie fand es da ganz am Platze , die beleidigte Mutter hervorzukehren , beileibe aber nicht die in ihrem Kinde , sondern die durch dasselbe beleidigte ; sie fixierte mit finstern Blicken den Aufsteckkamm und die zusammengerollten Zöpfe ihrer Tochter ; eine strenge Mutter , die gewillt ist , ihre Verzeihung von der Nachsicht und Verzeihung anderer abhängig zu machen . Der Bauer schmauchte seine Pfeife ruhig fort , tat einen flüchtigen Blick nach den beiden Frauenzimmern , sah dann eine gute Weile seinem Sohne boshaft in das Gesicht , ehe er barsch fragte : » Was soll denn dös ? « » Das is sie , Vader « , begann der Bursche mit stockendem Atem . » Ich wollt - daß du sie sehn solltst - weil du sie ja gar noch nit kennst - « » War ein ganz unnötig Herbemühen « , murrte der Bauer . » Dö Katz kauf ich auch nit außerm Sack . « » Hab doch a Erbarmnis mit den armen , verschreckten Weibsleuten « , bat Toni . » Hör eher an , was sie zu sagen haben ; du weißt gar nit , wie du dich versündigst , wann d ' jetzt noch alles im vorhinein verredst . « Der Alte zog die Brauen in die Höhe . » Oho ! Willst du mich vor einer Versündigung fürchten machen ? Von einer mein kann da kein Red sein , und für a fremde hab doch ich nit aufzkommen ! Übrigens mögn d ' Weibsleut sagn , was s ' z ' sagen haben , aber du meng dich mit kein Wörtl drein , das beding ich mir aus , sonst sein wir gleich fertig ! « » Gut , Vader , ich werd mich mit kein Wörtl einmengen « , beteuerte Toni . » Bei allem , was d ' angibst und tust , will ich an mich halten ! Aber das laß dir auch gsagt sein und merk dir ' s gut , wie du dich heut nimmst und gibst , das entscheidt zwischen uns zwei für alle künftige Zeit - « » Schau , Bub , drohn mußt nit « , fiel ihm der Bauer mit anscheinender Gutmütigkeit in die Rede . » ' s Drohen führt zu nix ; drum hab ich mir ' s auch gegn dich ganz abgwöhnt . Laß du dö Weibsleut ihner Sach vorbringen , wer weiß , vielleicht komm ich mit ihnen besser auseinander , wie d ' denkst . « Er wandte sich nach der Türe . » Na , so redts . « Als die so geradezu Aufgeforderten lange keine Worte zu finden vermochten , trat er ganz nahe an die Dirne heran . » Dich hätt ich wohl für kecker ghalten , wo du doch da afm Sternsteinhof Bäurin werdn willst ! « » Dein Sohn hat mir ' s so versprochen « , sprach leise die Dirne und unter der Rede räuspernd , » und du wirst ihm wohl daraus kein Vorwurf machen , Sternsteinhofbauer , daß er auf Ehr halt ! « » Gar nit , ' s Versprechen is recht ehrbar , aber was ' s Halten angeht , da hab ich ebn auch ein Wörtl dreinzreden - « » Das is vor Gott und ' n Menschen dein Recht . « » Daran hätt er eben denken solln , bevor er verspricht . « » Ich hätt mich nit hergetraut , wann ich mir nit gwiß wär , daß ich dir , einmal da herobn , kein Schand machen würd ; weil ich mir aber des gewiß bin , daß ich dir in keinm Weg eine machen tät , so bin ich gekommen , dich mit aufgehobenen Händen zu bitten , laß du ihn sein Wort halten ! « Der Bauer kniff die Augen zusammen . Dreister werdend , fuhr die Dirne fort : » Alls Vertrauen hab ich zu dir . Schau , was ich schriftlich von ihm hab - « » ' s hat kein Gültigkeit « , schaltete der Alte ein . » Du sagst ' s , und dir muß ich glauben . Aber in deine Händ leg ich ' s zrück « , sie drückte ihm das zerknitterte Papier in die Rechte , welche sie dabei mit beiden Händen anfaßte und nicht mehr losließ . » Sein mündlich Wort auch , mein ganz ' s Glück und Leben , mein Ehr und Hoffen leg ich in deine Hand , von dir allein erwart ich ' s wieder ! « Sie sah ihn mit großen , flehenden Augen an , die sich langsam mit Tränen füllten , so daß jetzt Tropfe auf Tropfe über ihre Wange rollte . Der Bauer trat einen Schritt zurück und sagte , die Achsel lüpfend , zur Alten : » Zinshoferin , du wirst einsehn , all das sein Kindereien , das kann nit sein und geht nit an ! Mich dauert ' s junge Blut , aber das ganze jammerige Getu wär uns allzsamm erspart blieben , hättst du , wie sichs ghört , dein Dirn bewacht . « Die Alte blickte mit verdrehten Augen nach der Stubendecke auf , die sollte Zeuge sein , wie hart und ungerecht sie da angeklagt wurde . Der Bauer hatte das Heiratsversprechen Tonis entfaltet . Helenen zuckten die Finger , es wieder an sich zu nehmen . Der Alte sagte , über die Achsel hinweg , rauh zu Toni : » Da sieht man , was dabei hrauskommt , wenn Bubn , kaum aus der Schul , sich in solche Sachen einlassen . Laß dir dein Lehrgeld zruckgebn . Schreibst da ' seinzeit ' und solltst doch wissen , daß ' s nach der Schrift ' seiner Zeit ' heißen muß . « Er zerriß das Blatt in kleine Stücke , die auf die Diele niederstoben . Da warf sich Helene vor ihm auf die Knie . » Sternsteinhofbauer « , kreischte sie , » so wahr du af a glückselige Sterbstund hoffst , beug nit aus , red nit hrum , erbarm dich meiner Not ! Ich hab ganz afm Toni sein Wort vertraut - sei du nit dawider , daß er mir gibt , was er mir gnommen , mein Ehr ! « Sie rang , laut aufschluchzend , die Hände . » Lump , elendiger ! « schrie der Alte . » So weit is ' s schon mit dir , daß d ' r kein Gwissen draus machst , eine ins Elend z ' bringen ? ! - Steh auf , Dirn ! Steh auf , sag ich ! « » Nit eher , Sternsteinhofbauer , um die Welt , nit eher , und müßt ich ein Ewigkeit daliegn , bis du verzeihst und mich mit ihm zsammgibst ! « » No , no , nur fein gscheit ! Weil du unvernünftig warst , kannst nit verlangen , daß ' s andere auch sein solln ! ' s Gschehene laßt sich - leider Gotts - nimmer ungschehn machen , aber was mir in dem Fall z ' tun obliegt , das werd ich auch tun , vielleicht über Erwarten , denn Kargerei und Schmutzerei laßt sich der Sternsteinhofbauer nit nachsagen . « Er kehrte sich ab und ging nach einem Schrank , an welchem er eine Lade herauszog . Helene sah ihm mit glühenden , nun trockenen Augen nach , und hinter den geöffneten Lippen schlugen ihr die Zähne zusammen . Der Alte fuhr fort . » Wie sich ' s weiter schicken wird , das is dermal nur Gott allein bewußt , aber wann ' s not tut , so will ich auch für künftighin meine Hand nit von dir abziehn . Fürs erste , nimm das ! « Er drückte dem Mädchen einen Pack Banknoten in die Hand . Mit einem Ruck stand Helene aufrecht und warf ihm das Geld vor die Füße . » Geld ? Geld bietst du mir ? « schrie sie . » Geld für meine Ehr ? ! Für die reicht mer just dein Sternsteinhof - weniger nit ! - « Sie preßte beide Hände gegen die Brust , und die Sprache versagte ihr . Der Bauer zog den Mund breit und starrte ihr mit pfiffigem Blinzeln in die zornsprühenden Augen . » Und aufn Hof war ' s alleinig abgsehn , wie ich hitzt wohl merk « , höhnte er . » Bist a Überschlaue , du ! Wär der Bub nit der Toni vom Sternsteinhof gwest , er hätt dir nie in d ' Näh kommen dürfen ; find ' s auch begreiflich , wüßt nit , wie sich eine sonst in ihn verschauen könnt . Aber fein hast ' s eingfädelt , das muß mer sagen ! Nit umsonst hast dir Wort und Schrift geben lassen , und auch dein Leichtsinn war nit unüberlegt ; denn hitzt schaut ' s völlig darnach aus , als wär von deiner Seit der Handel ehrlich und die War echt , während mer dir vorenthalten tät , was mer nur versprochen hat , um dich dranzkriegen ! Du siehst , ich kenn mich aus . Es is ebn leichter , ein jungen Gimpel fangen , als einm alten Fuchs Eisen stellen . Sei lieber fein vernünftig « - er wies nach den auf dem Boden liegenden Bankzetteln - » und laß nit liegen , was allein für dich da z ' holen is , um das , was d ' nie kriegst . « Immer verzerrter war das Gesicht der Dirne geworden , immer krampfhafter arbeiteten ihre Züge , jetzt ballte sie die Faust gegen den Alten und taumelte zur Türe hinaus . Sie hatte keinen Blick für Toni , der trotzig beistimmend ihrem Abgange zunickte , keinen für die Mutter , die nicht ermüdete , stumm die Hände gegen den Bauern auszustrecken und dann beteuernd an die Brust zu legen , nur ein Gefühl beherrschte ihr Sinne und Seele , das des erbittertsten Hasses , verschärft durch die quälende Empfindung ihrer Ohnmacht , und während sie Stufe um Stufe , Fuß vor Fuß die Treppe hinunterwankte , tat sie das Stoßgebet : Gott möge sie den Tag erleben lassen , an dem sie dem protzigen Bauern all das Heutige heimzahlen könne ! » Was willst du noch ? « herrschte der Alte die Zinshofer an , die noch immer an der Türe stand . Sie blickte verlegen und begehrlich nach den auf der Diele liegenden Scheinen . » Ah , dir tut ' s Geld leid ? « lachte er . » No , so nimm ' s ! Aber sorg dafür , daß die Dirn Dummheiten und Aufhebensmachen sein laßt ! Je weniger davon unter d ' Leut kommt , desto gscheiter is ' s für sie selber . « Er schob ihr die Banknoten mit dem Fuße zu . Das Weib lächelte dankbar , raffte das Geld auf und schlich mit einem » Vergelt ' s Gott « davon . » Vader « , sagte Toni , ganz nahe an den Bauer herantretend , » ich hab mein Wort ghalten , ich hab mich nit eingmengt , aber jetzt reden wir zwei miteinander . « Der Alte maß ihn mit einem geringschätzigen Blicke . » Na , so red zu . « » Solang ich noch minderjährig bin , darf ich ohne dein Einwilligung nit heiraten - « » Das steht . « » Darum werd ich halt d ' Großjährigkeit abwarten . Bis dahin aber zieh ich mich mit der Dirn zusamm . « » Wohin denn ? « » Das weiß ich selber noch nit . Kommt drauf an , wo ich ein Platz find . Von morgen an verding ich mich als Knecht . « » ' s wird dich niemand nehmen . « » Oho ! Dadrauf hoff du nur nit . Ich kann arbeiten . « » Dummer Bub , wie d ' daherredst ! Was ist da meinseits z ' hoffen oder z ' fürchten ? Dich wird kein Bauer nehmen , weil d ' Stellung vor der Tür is . « » D ' Stellung ? « » No ja . Mer nimmt doch kein Knecht , der einm etwa in vierzehn Tagn mitm Sträußel afm Hut von der Arbeit davongeht . « » Du ließ ' st mich zun Soldaten ? « » Gwiß . « » Du willst mich nur schrecken . Ich hör ja schon lang von einm Abreden mitm Käsbiermartel - « » Da war noch a andere Abred dabei , und is hitzt die eine mit der andern hinfällig wordn . « » Vader , dadrein schick ich mich niemal , so unter wildfremde Leut in ein andern Weltteil ! Da mach ' s kürzer , schlag mich lieber gleich tot . « » Dös werd ich mir überlegn ; kein Schad wär wohl nit um dich , aber ich müßt dich für ein Guten zahln . « » Tu ich mir halt selber was an ! « » Larifari , dö ' s tun , sagn ' s nit , und dö ' s sagn , tun ' s nit ! « » No und wann ich auf und davon renn ? ! « » So bringen s ' dich halt ein , und du kannst in Handschelln , ' n Schandarm hinter deiner , durch ein paar Ortschaften spaziern . « » Und just nit gib ich mich ! Allzsamm verderb ich euch ' s Spiel ! Was denn nachher , wann ich mir zufällig ein Finger von der Hand hack ? ! « » Dös tu ! Dann nehmen s ' dich erst recht , stecken dich af a Festung wohin zu einer Strafkumpanie , und da kannst dir karren und schaufeln gnug . Jo , mein Bürschel ! « » Vader , möchtst gscheiderweis mit dir reden lassen . Was ich da vorbracht hab , war ja lauter Unsinn . Wann d ' etwa meinst , ich sollt mer doch noch mal alls reiflich überlegn , so könnt ja sein , daß ich mich ganz anders bsinn , nit ? « » Nein , nein , müh dich nit ! Frei hraus , dir trau ich nimmer . Freilich , um loszkommen , wär dir kein Versprechen z ' heilig ; aber du erspar dir dös und ich mir d ' Reu hintnach . Unter den Griff , unter dem ich dich hitzt hab , krieget ich dich dann kein zweits Mal wieder , und du wärst ganz der Kerl darnach , der mich leicht nachher noch einzschüchtern versuchet , durchs Drohen , daß d ' mer zwegn der Befreiung bei Gricht Anständ machest ! Ah , nein . Ehrlich währt am längsten . Ich tu mein Pflicht , tu du d ' deine , dien deine drei Jahrln , ' s wird dich nit umbringen . « » Und könnt dös etwa nit sein ? ! Bedenk dös , eh d ' so gegn dein eigen Fleisch und Blut handelst ! « » Sorg nit , es is bedacht . Ich handel da nach bestem Wissen und Gwissen . War dir der Vader z ' gring , daß d ' ihm ghorchst und folgst , nun , so kriegst hitzt ein andern Herrn ; der Kaiser , der is mehr , vielleicht macht der dich zu einm ordntlichen Menschen . Ich will ' s wünschen . « Er schlug dem Burschen auf die Achsel . » Halt dich auch brav dazu ! « Dann fiel die Türe hinter dem Alten ins Schloß , und Toni blickte verstört um sich . - Darum also hatte der Bauer den Streit nach jener Faschingsnacht nimmer Rede gehabt , weil er es nicht der Mühe wert gehalten , weil alles schon zuvor bei ihm aus- und abgemacht war ? Und wie er damal auf seinem letzten Wort bestanden , so wird er ' s wohl auch diesmal ! Da ändert keins mehr was , und je mehr sich eins dabei vergäb , je weniger richtet ' s ! Der Bursche schlug sich mit der Faust vor die Stirne ; dann löste er mählig die Finger und fuhr sich damit durch die Haare . Lange stand er so , trübe vor sich hinstarrend und hastig durch die geschwellten Nüstern atmend . Plötzlich fuhr er auf , lief zur Stube hinaus , die Treppe hinab , über den Hof und des Weges nach dem Dorfe entlang . Wohin ? Zur Helen ? Ei , Herrgott , um der ihren Jammer anzuhören und sein Teil noch hinzuzutragen ? Damit ist doch weder ihm noch ihr geholfen , und wahrlich , ' s Elend hat er für heute schon übergnug . Morgen ist auch ein Tag . Bis dahin mag jedes zusehen , wie es mit dem Seinen allein zurechtkommt . Lieber ins Wirthaus ! Er kam spät in der Nacht heim . Beim Ausziehen schleuderte er einen Stiefel nach dem andern an die Türe , daß es durch das stille Haus dröhnte , dann öffnete er leise und lauschte ; ihm war , als hörte er in der Kammer am Ende des Ganges den Alten fluchen , da reckte er den Arm in die Finsternis vor ihm , schüttelte die Faust und schrie : » Schinder ! « Hierauf klinkte er zu und fiel auf das Bett . Am nächsten Morgen entfernte er sich früh . Wieder machte er auf der Brücke halt und überlegte , ob er der Dirne einen Morgengruß zum Fenster hineinrufen solle . Hm , verweinte Augen sehen so unlustig , und welch Geplärr - mußte er fürchten - , daß sich erst dann anhöbe , wenn so ein Wort das andere gäb und er mit allem herausgerückt käm ? ! Nein , es steht übel gnug um sie , was soll sie sich auch noch darüber kränken , wie arg es um ihn stünde ? Wenigstens hat ' s Zeit damit ; auf das , was mit derselben sich hätt glücklich schicken können , wollt sie nit warten , aber ein neu Pack Unheil aufs alte oben hnauf wird sie wohl erwarten können ! So denkt er ; auch , daß sich der Tag mit den Schwenkdorfer Kameraden angenehmer totschlagen ließe . Er ging zum Dorfe hinaus . Drei Nächte blieb er fort , in der vierten kam er auf der Zwischenbüheler Straße dahergetaumelt , er stolperte an der Brücke vorüber und besann sich erst , als er schon ein gutes Stück von derselben entfernt war . Er begann albern zu lachen und schalt seine Beine liederliche Gasselgeher , dann ging er die Strecke zurück . Am unteren Ende des Ortes hatte er nichts zu suchen . Die Dirn , die leidige Dirn mit ihrer Ungeduldsamkeit ist eigentlich doch an all seinem Unglücke schuld ! An ihr wär ' s gewesen , gescheiter zu sein , das ist den Weibsleuten ihr Sach , wenn den Mann der Verstand verläßt ; dazu werden sie ja auferzogen und bewacht ! Von heut auf morgen wollte sie das Zusammenkommen erzwingen , und nun ist ein Auseinandermüssen daraus geworden auf grimmge Zeit und Weil und alle Weit und Fern ! Nun haben sie ' s alle beide ! Recht bedacht , ist es nur billig , wo ihm das Fortgehen das Herz abdrücken will , daß ihr das Dableiben Leidwesen macht ! Nur recht und billig , weil sie so hat sein können , und das müßt er ihr ins Gesicht sagen , wenn sie gleich jetzt vor ihm stünd , aber das tät so unfein und streitig klingen , und darum will er ihr lieber gar nit unter die Augen , bis ihm wieder anders ums Gemüt ist und er ihr gute Wort geben kann - die ist er ihr wohl schuldig - , aber früher nit , bis ihm anders ums Gemüt ist , bis dahin wird sie warten müssen . Tonis Gemütszustand schien sich aber nicht zu bessern , denn Helene erwartete den Burschen Tag für Tag vergebens . Erst an dem Abende , wo die Zwischenbüheler Buben von der Stellung heimkehrten , sah sie ihn zum ersten Male wieder ; er stand , ferne von ihr , mitten in der lärmenden Schar , den Hut mit dem Sträußchen weit aus der Stirne gerückt , und schrie als einer der Lautesten . Ein Bursche mochte ihn auf die Anwesenheit der Dirne aufmerksam gemacht und zu necken begonnen haben , denn plötzlich klatschte er sich auf das rechte Bein und drehte sich auf dem linken herum und kehrte ihr den Rücken zu . Früh am Morgen darauf holten die Schwenkdorfer Buben den Toni vom Sternsteinhof ein , um gemeinsam nach der Stadt