. Eine Botschaft aber können wir an den Herzog nicht senden , weil er ihr nicht trauen würde , oder sie könnte erst abgehen , wenn alles vollendet ist . So lasset uns den Mann , den er gesendet hat , als Boten erkennen , und lasset ihn uns in die Versammlung als Zeugen der Verhandlungen aufnehmen , daß er sie dem Herzoge überbringt , und uns vor ihm erhöht . Er ist zwar nicht von dem Herzoge an uns gesendet worden ; aber er ist des Herzogs willen da , und ihn zurückstoßen , hieße den Herzog selber zurückstoßen . Er ist nicht einer der Vornehmen des Reiches ; aber der Herzog hat ihn geehrt , da er ihm einen so großen Auftrag gegeben hat , er ist gut erzogen , wie seine Rede und seine Handlung beweist , welche wie die eines Edlen dieses Landes ist . Auch vor denen , die von fernen Gegenden her ihre Augen auf uns richten , verlieren wir durch Aufnahme dieses Jünglings nichts an Achtung , sondern wir gewinnen an Stärke , weil unser Tun nicht das Licht der Mitwissenschaft scheut . Ja ich würde Gott bitten , daß wir unter freiem Himmel tagen könnten , und daß alle , die in diesen Ländern wohnen , herzu zu treten , und zu hören vermöchten , was wir sagen , und zu sehen , was wir tun . So spreche ich , der ich für alle mitsorgen möchte , die in diesen Ländern Böhmen und Mähren wohnen , und der ich in meinem Gebete stündlich zu dem Herrn rufe , daß er all das Wehe und Blutvergießen von dem jetzigen Wechsel fern halte , das bei den früheren so schrecklich und schmerzlich eingetreten ist . « Als er schwieg , rief eine Stimme : » Der Bischof ist ein gerechter Mann wie der heilige Adalbert . « Der Bischof aber entgegnete noch auf seinem Platze stehend : » Als Führer dieses Hauses sage ich , daß die Ordnung desselben nicht gestört werden soll , und als Bischof sage ich , daß der heilige Adalbert ein Mann gewesen ist , zu dem man in Nachahmung aufschauen , den man aber nicht erreichen kann . « Nach diesen Worten entfernte er sich von dem freien Raume , und begab sich wieder zu seinem Platze zurück . » Lasset die nächsten Redner sprechen « , rief jetzt eine Stimme . » Der hochehrwürdige Bischof hat gut gesprochen « , antwortete eine andere Stimme . » Er hat vortrefflich gesprochen « , fiel eine dritte Stimme ein , und es erhoben sich verworrene Rufe des Beifalls . Der Bischof Zdik stand auf , ging zur Glocke , und tat auf sie die drei Schläge , ohne etwas zu sprechen . Er blieb bei der Glocke stehen , bis es ruhig geworden war . Dann ging er wieder zu seinem Sitze . Hierauf erhob sich Ben , und rief : » Der zweite Redner ist der Priester Daniel . « Da er sich niedergesetzt hatte , ging der Priester Daniel hervor , und sprach gegen die Versammlung : » Mächtige Anwesende ! Wenn ich gewußt hätte , was der hochehrwürdige Bischof Zdik vor mir reden würde , so hätte ich mich gar nicht zum Sprechen gemeldet , und auch jetzt würde ich auf meine Worte verzichten , wenn ich doch nicht eines anführen müßte , das tief unter seinem hohen Sinne steht , und dessen er darum auch keine Erwähnung getan hat . Wenn es angenommen werden müßte , daß unser hoher und erlauchter Herzog Sobeslaw trotz seines Wortes doch geneigt ist , gegen diese Versammlung etwas Feindseliges zu unternehmen , und wenn dieses Feindselige durch Nachrichten , die der Herzog über uns erhält , vermehrt würde , wie einige glauben , so müßte es gewiß um ein Großes wachsen , wenn er erführe , daß der junge Mann , den er mit einem Auftrage betraut hat , von uns zurückgestoßen , oder gefangen gehalten , oder mißhandelt würde . Und wenn jemand hier die Meinung hegt , daß der Herzog unsere besten Beschlüsse , weil sein Geist durch die Krankheit getrübt ist , mißbilligen könnte , so wäre es möglich , daß er nach solchen Vorfällen durch sein krankes Gemüt auf übereilte Ratschlüsse käme , und das Unheil gerade einträte , das wir zu vermeiden streben . Wenn wir aber seinen Boten zu uns lassen , so wird er auf dessen Antwort harren , und wir gewinnen Zeit , und er verliert Zeit . Ja , es mag auch geschehen , daß er nicht bloß , wenn er gegenwärtig sein könnte , wie der hochehrwürdige Bischof Zdik gesagt hat , das Gute , das hier geschaffen wird , sähe , sondern , daß er es auch , wenn es ihm hinterbracht wird , trotz des Schleiers der Krankheit erkennt , und dann alles ausgeglichen ist und gut vorüber geführt wird . Ich meine daher , so weit meine Einsicht alles zu fassen vermag , daß nicht bloß die Hochherzigkeit dieser Versammlung , wie der hochehrwürdige Bischof vor mir dargelegt hat , sondern auch die Klugheit verlangt , daß wir den Jüngling , der vor uns steht , zum Zuhörer unserer Versammlung aufnehmen . « Nach diesen Worten ging der Priester Daniel wieder zu seinem Sitze . Da rief der junge Mann Milhost : » Die Erhabenheit dieser Versammlung soll nicht durch die Klugheit geschändet werden , sich vor Feindseligkeiten zu fürchten . Ob Feindschaft ist oder nicht , gilt gleich ; nur die Macht und Gewalt dieser Versammlung soll über allem bestehen , was ist . « Der Bischof Zdik tat einen starken Schlag auf die Glocke , und rief : » Du hast dein Urteil in dieser Sache schon abgegeben , es ist die Reihe der Rede nicht an dir , ich verwarne dich , Milhost , daß du die Ordnung der Versammlung nicht störst . « » Die Ordnung , die Ordnung « , riefen mehrere Stimmen . Der junge Mann setzte sich nieder , und Zdik ging wieder zu seinem Sitze . Hierauf erhob sich ein dunkelgekleideter sehr alter Mann in der zweiten Reihe der Sitze , und sagte : » Ich bin Lubomir , und bin nach dem ehrwürdigen Priester Daniel an der Reihe der Rede . Ich hätte nach dem , was gesprochen worden ist , auf meine Worte Verzicht geleistet ; jetzt aber sage ich , daß die Menschlichkeit , weil wir doch hier versammelt sind , um unser armes Land vor Unglück zu bewahren , verlangt , daß wir in diesen ungewissen Zeiten Zank und Zwietracht vermeiden . Es bedeutet nichts , wer zuhört ; die Ehre der Versammlung hängt von ihren Taten ab , nicht von dem Dasein oder Absein eines Kindes . Laßt den Knaben niedersitzen und zuhören . « Nach diesen Worten setzte sich Lubomir wieder nieder . Nun stand ein Mann in mittleren Jahren auf , grün gekleidet , mit einer schwarzen Feder auf der Haube . Er sprach : » Ich heiße Jurik , und sage , daß die Versammlung so hoch ist , daß sie im Angesichte der ganzen Welt beschließen kann . « Nach ihm erhob sich ein alter Mann in weißen Haaren dunkelbraunem Gewande und mit einer grünen Feder auf der schwarzen Haube . Er sprach : » Ich bin Wsebor , und sage : Es ist vor allem unsere Pflicht , daß wir das schwere Leiden unseres Herzoges , dessen Untertanen wir ja noch sind , ehren . « Es erhob sich ein Ruf des Beifalls nach diesen Worten . Hierauf stand in der ersten Reihe der Kriegsanführer Smil auf , und sagte : » Ich bin Smil , und führe nur die Worte an : Die Kraft einer jeden Versammlung ist ihre Mäßigung , die Gefahr aber ihre Anmaßung ; und diese entsteht , wenn einzelne , welche Macht und Ansehen nicht haben , solche mit Hilfe ihrer Versammlung erringen wollen . « Nach ihm erhob sich in der Mitte des Saales ein alter Mann in dunkelrotsammetnem Gewande , und sagte : » Ich bin Bozebor , und verzichte auf meine Worte . « Nun stand rechts ein Mann auf , welcher schwarze Haare einen schwarzen Bart und schwarze Augen hatte . Er war in ein rotbraunes Gewand gekleidet , und hatte eine fahle Feder auf der schwarzen Haube . Er sprach : » Ich heiße Bartholomäus , und verzichte auch auf meine Worte , weil sie der hochehrwürdige Bischof Zdik gesagt hat . « Nach diesen zwei Männern rief eine Stimme : » Vergeßt nicht , was über eine Strafe und ein Gericht über den Boten gesagt worden ist . « » Vergeßt nicht des Gerichtes « , rief eine andere Stimme . » Und der Strafe « , rief wieder eine . » Der Strafe , der Strafe « , riefen mehrere . Da tat Zdik den Schlag auf die Glocke , und sagte : » Haltet die Ordnung . Die gegen Witiko sind , haben gesprochen , die für Witiko sind , haben gesprochen . Wer noch gemeldet ist , möge reden . Ben rufe ihn auf . « Da erhob sich Ben , und rief : » Ich fordere diejenigen , welche noch bestimmt sind , auf , zu sprechen . « Es sprach niemand . Ben rief wieder : » Sind noch Männer aufgezeichnet , ihre Worte vorzubringen ? « Es erfolgte keine Antwort . Da rief Ben zum dritten Male : » So ist die Sprache über den Boten des Herzogs geschlossen . « Nach diesen Worten setzte er sich wieder nieder . Jetzt ging Zdik zu der Glocke , gab das dreimalige Zeichen , und da alle auf ihn sahen , rief er : » Weil die Sprache über den Zwischenfall , der sich in unserer Versammlung ereignet hat , geendet ist , so rufe ich die Versammlung auf , ihren Beschluß zu fassen . Ich sage , daß ein jeder , welcher meiner Meinung ist , daß zum Frieden und Heile des Landes dieser Bote dagelassen werden möge , dieses durch das Zeichen der Erhebung von seinem Platze aussprechen wolle . « Zdik blieb bei der Glocke stehen , und blickte auf die Versammlung . Der Bischof Silvester erhob sich , und blieb aufrecht stehen Der Abt von Kladrau erhob sich , der Abt von Brewnow , . der Abt von Wilimow , der Abt von Sazawa , Otto der Propst von Prag , Hugo der Propst von Wysehrad , der Priester Daniel und die andern Priester , der alte Lubomir , der alte Wsebor , Smil der Kriegsanführer , Diwis der alte Zupan mit den schneeweißen Haaren , Ben der Kriegsanführer , und nach ihm mehrere , Jurik , Bartholomäus , Bozebor , und wieder mehrere , darunter manche junge Männer in den letzten Reihen : Welislaw und der Sohn des Nacerat , so wie auch Casta , der bei Chynow die gestreifte Falkenfeder getragen hatte . Es stand endlich der größere Teil der Versammlung aufrecht neben den Sitzen . Zdik der Bischof von Olmütz rief : » Ich rufe die Versammlung auf , daß sie auf sich blicke , und sehe , daß ihr größerer Teil sich für meinen Antrag entschlossen hat . Die Schreiber werden es auf dem Pergamente verzeichnen . « Nach diesem Rufe ließen sich die , welche aufgestanden waren , wieder auf ihre Sitze nieder . Der Bischof Zdik aber wendete sich gegen Witiko , und sagte : » Abgesendeter des erlauchten Herzogs Sobeslaw ! Du bist als Hörer in dieser Versammlung aufgenommen . « Als er diese Worte gesprochen hatte , wurde für den Jüngling Witiko ein Sitz in die Versammlung gebracht . Zdik ging wieder zu seinem Platze . Witiko verneigte sich ehrerbietig , ging zu dem Sitze , welcher für ihn herein gebracht worden war , und ließ sich auf denselben nieder . Nachdem diese Handlungen vorüber waren , entstand eine lange Unterbrechung in der Versammlung . Man trennte sich von seinen Sitzen , Gespräche wurden angefangen , man gesellte sich zusammen , durch die Türen wurde aus- und eingegangen , ja sogar ein Trunk wurde hie und da gereicht . Zu Witiko kam aus den hinteren Reihen Welislaw hervor , reichte ihm die Hand , und sagte : » Erinnerst du dich meiner noch ? « » Du bist Welislaw « , antwortete Witiko . » Ja « , erwiderte Welislaw , » wir werden wohl in unseren Meinungen Gegner sein ; aber du bist heute wieder wie bei Chynow , und das freut mich . « » Ich weiß nicht , ob wir in unsern Meinungen Gegner sein werden « , antwortete Witiko , » ich habe gar keine Meinung , ich erwarte nur die Dinge . « Auch der Sohn des Nacerat kam zu Witiko hervor . Er war in himmelblauen Sammet gekleidet , und hatte auf der schwarzen Haube wieder eine weiße Feder wie bei Chynow . Er sprach zu Witiko : » Ich habe dir ja gesagt , daß wir wieder zusammen kommen werden . Du bist hartnäckig , Witiko , und gibst nicht nach . « » Gibst du nach ? « fragte Witiko . » Wenn es sein muß , tut es jeder Mensch « , entgegnete der andere . » Nur ist für den einen leichter ein Muß da als für den andern « , sprach Witiko . Auch Casta kam herzu , und sagte : » Sei mir gegrüßt , Witiko ! « » Ich entsinne mich deiner nicht mehr « , antwortete Witiko . » Ich bin Casta « , sagte der andere , » und bin bei Chynow im Zuge zu weit zurück gewesen , als daß du meiner noch gedenken könntest . Du bist heute hier glücklich gewesen . « » Nur die Sache ist es « , sagte Witiko . Als die Erholung der Versammlung eine Weile gedauert hatte , geschah wieder das dreifache Zeichen mit der Glocke , und als die Türen geschlossen waren , die Reihen sich geordnet hatten , und Stille eingetreten war , trat Zdik langsam vor , richtete sein Angesicht gegen die Versammlung , sah sie eine kurze Zeit an und sprach dann : » Liebe Ehrwürdige Treue ! Es ist der Augenblick gekommen , in dem wir die große Frage über die Ruhe und das Heil des Landes entscheiden sollen . Möge der Segen des allerhöchsten Herrn der Heerscharen über diesen Häuptern sein , daß beschlossen wird , was gerecht und heilsam ist . Unser erlauchter edler und umsichtiger Herzog Sobeslaw , welcher fünfzehn Jahre in diesen Ländern geherrscht hat , ist so schwer erkrankt , daß das Ende seines irdischen Lebens nahe bevor zu stehen scheint . Die Heilkundigen sagen , daß er in kurzer Zeit die Erde verlassen wird . Nun ist , wie uns der ehrwürdige Leche Bolemil deutlich zu Gemüte geführt hat , in den eben vergangenen Zeiten , wenn ein Wechsel in den Herrschern stattgefunden hat , so Schweres eingetreten , daß wir sehnlich wünschen müssen , solches jetzt zu vermeiden . Aber die Herrschertage der letzten zwei Herzoge des gütigen Wladislaw und des klugen und gerechten Sobeslaw haben auch gezeigt , daß nicht bloß bei einem Wechsel der Herrschaft die Übel ferne bleiben sollen , sondern daß auch bei ihrer Dauer der Samen des Glückes unter dem Schirme des Herrschers aufgehen , wachsen , und gegen die Zerstörungslüste der einzelnen erstarken müsse . Für diejenigen , welche aus verschiedenen Teilen des Landes herein gekommen sind , und in großer Zahl nur der heutigen letzten Versammlung beiwohnen , sage ich : Es sind während der gefährlichen Krankheit des Herzogs von einigen und mehreren Männern Zusammenkünfte über diesen Gegenstand gehalten worden . Es ist erkannt worden , daß Zwiste bei dem Übergange und Bestehen der Herrschaft nur dann ausbrechen , wenn jeder der Gegner einen großen Anhang hat , der ihm beisteht . Es ist daher beschlossen worden , zu ergründen , welchem Manne aus dem geliebten Geschlechte des geheiligten Premysl die meisten der Herren dieser Länder zugetan sind , und ob ihre Zahl so groß ist , daß ihre Widersacher nichts gegen sie zu unternehmen vermögen , damit dann der erwählte Mann von dieser Zahl auf den Fürstenstuhl gehoben werde , den Widerspruch durch die Zahl zurückschrecke , und in den Jahren seiner Herrschaft durch sie das Gute in den Ländern heranziehe , das zum Frommen aller dient . Es sind noch zahlreiche Zweige aus dem Stamme Premysls übrig . Da ist Konrad von Znaim der Sohn Liutolds des Sohnes Konrads , da ist Wratislaw von Brünn der Sohn Ulrichs des Sohnes Konrads , welcher Konrad ein Bruder des Königs Wratislaw gewesen ist , da ist Otto , der nach Rußland geflohen ist , ein Sohn des schwarzen Otto des Sohnes des schönen Otto , der ein Bruder des Königs Wratislaw gewesen ist . Dann sind die Enkel des großen Königs Wratislaw , zuerst durch seinen Sohn Boriwoy die Enkel Spitihnew Leopold Boleslaw Albrecht , dann durch seinen Sohn Wladislaw den Milden , welcher vor dem jetzigen Herzoge geherrscht hat , die Enkel Wladislaw Diepold und Heinrich , dann durch seinen Sohn Sobeslaw unsern jetzigen erlauchten Herzog die Knaben Wladislaw Sobeslaw Ulrich und Wenzel . Ich nenne nicht alle Zweiglein , da ihr sie kennt . Vor zwei Jahren war auf den neunundzwanzigsten Tag des Brachmonates von unserem erhabenen Herzoge Sobeslaw ein Landtag nach Sadska einberufen worden , auf welchem die hohen und niederen Herren Böhmens und Mährens auf das Verlangen des Herzoges seinen ältesten Sohn Wladislaw als seinen Nachfolger auf dem Fürstenstuhle erkannt haben . Es muß entschieden werden , ob alle oder viele an dem jungen Sohne Sobeslaws , welcher einundzwanzig Jahre zählt , ferner halten , oder ob sie meinen , daß das vorzeitige Hinscheiden des Herzogs die Sache so verändert hat , daß ein anderes Übereinkommen getroffen werden müsse . Es sind so viele Männer aus den Ländern Böhmen und Mähren in diesem Saale versammelt , ja fast alle , deren Wort in den Völkern , die diese Länder bewohnen , Bedeutung hat , daß in Wahrheit ein gültiger Endbeschluß zur Macht und Herrlichkeit des Herrschers zu Stande kommen kann . Möge zur Festigkeit des Herzogstuhles eine große Einigkeit erzielt werden . Als Führer dieser Versammlung rufe ich diejenigen , die ihre Stimme in der Sache zu erheben verzeichnet sind , auf , zu sprechen , wie sie meinen , daß es der Augenblick erfordert . Es ist groß wichtig und entscheidend , was hier geschieht , und von der heutigen Stunde hängt es ab , ob das Glück des Landes auf viele Zeit aus dem Gemache dieses Hauses hervorgeht , oder ob sogleich der Anfang unabsehlichen , unentwirrbaren Elendes gemacht wird . Ich habe die Einleitung zu dem Gegenstande gesprochen . « Nach dieser Rede erhoben sich in der Versammlung die Rufe : » Sehr gut gesprochen « , » sehr richtig « , » wahr gesprochen « , und andere unverständliche Laute des Beifalls . Zdik ging wieder zu seinem Stuhle zurück , und setzte sich auf denselben nieder . Als die Ruhe eingetreten war , erhob sich Ben , und rief : » Es ist an der Zeit , daß die , welche angemeldet sind , über die vorgelegte Sache in ihrer Ordnung reden . « Er setzte sich wieder nieder . Es war eine kleine Zeit still , und es erhob sich niemand . Dann stand in der Mitte des Saales ein Mann auf , der zum Oberkleide ein schwarzes Bärenfell und auf der schwarzen Haube eine blaue Feder hatte . Er rief : » Ich bin Rowno aus dem Mittage Böhmens , und bin auf dem Reichstage in Sadska gewesen . Dort war der Wille nicht frei . Die groß sind , erhielten Versprechungen , und wir die Kleinen fürchteten die Macht . Ich kann nicht für Wladislaw den Sohn des erlauchten Herzogs Sobeslaw streiten . « Nach ihm stand ein Mann auf , der ein grobes schwarzes Oberkleid und eine Hahnenfeder auf der Bärenhaube hatte . Er rief : » Ich bin Diet von Wettern aus dem Mittage Böhmens , und stimme mit meinem Landsmanne Rowno . « Nach diesen beiden Männern erhob sich Milhost , und rief : » Jetzt ist wohl die Reihe der Rede an mir , und ich sage : Es ist eine Schmach , daß Männer , welche Weiber und Kinder , Schwestern und Bräute haben , und welche die Waffen in der Hand tragen , und auf ihren Höfen stehen haben , einem Herrn dienen , ihm ihr Gut geben , wenn er es verlangt , ihr Blut lassen , damit er ihnen wieder befehlen , und ihren Sinn beugen kann . Die hohen und niederen Herren des Landes Böhmen und Mähren sollten herrschen ; denn sie sind das Land . Ich trage an , daß die Versammlung , die in diesem Saale ist , Satzungen entwerfe , die der künftige Herzog beschwöre , und die ihn durch unsere Macht binden , daß er , wenn er auf dem Stuhle sitzt , nur unsern Willen zum Heile der Länder ausführen , unsere Kraft nicht brechen , und uns nicht zerstören kann , wie Swatopluk mit den Wrsen tat . So sage ich , und weiche nicht davon . « Nach diesen Worten erhob sich in dem Saale ein tönender vielstimmiger Beifallsruf . Als er geendet hatte , stand Bogdan auf , und sagte : » Ich bin in Sadska gewesen . Dort haben alle das nämliche gesagt , und ein einzelner konnte nicht anders sagen . Der Herzog hat unser Wort gebunden ; aber wir sollten die voreiligen Bande zersprangen , und frei wählen , wie unser Inneres gebietet . « » Es ist so , wir sollten frei wählen « , riefen mehrere Stimmen . Nun stand der rothaarige Benes auf , und rief : » Ich spreche nur , daß der junge Wladislaw nie unser Herzog werden kann ; denn Sobeslaw hat uns immer unterdrückt , und endlich hat er uns nach Sadska gelockt , um uns dort unsern Willen zu rauben . « » Sobeslaw hat uns unterdrückt , ja , er hat uns unterdrückt « , rief eifrig und drohend eine Anzahl von Stimmen . Hierauf erhob sich Domaslaw , und sagte : » Ich füge nur bei , daß Sobeslaw sehr oft wider uns war . Ist nicht Konrad von Znaim , weil er sein Gegner war , sechs Jahre verhaftet gewesen ? Mußte nicht auch Wratislaw von Brünn ein Jahr in Gefangenschaft zubringen ? Ich rede nicht von dem unglücklichen Bretislaw , dem Sohne jenes Herzogs Bretislaw , der so traurig im Walde bei Bürglitz endete , und der ein Bruder Sobeslaws war . Und hat er nicht Herren , die diesem freundlich zuhielten , in feste Burgen geführt ? Und sind sie nicht auch sonst in Haft gehalten worden , wenn sie gegen ihn waren ? Hat er nicht gewollt , daß Bauern Kaufherren Münzer Juden Fiedelspieler schwelgen ? Darum ist dieses Volk gegen uns so übermütig geworden . Der Sprößling eines solchen Mannes kann nicht der Herzog der Herren von Böhmen und Mähren werden . « Es folgte wieder ein langer Beifallsruf auf diese Rede . Da es ruhiger geworden war , stand Kochan auf , und sprach : » Nicht bloß der Herzog Sobeslaw hat den Herren des Landes entgegen gehandelt , sondern alle Herzoge , darum stimme ich Milhost bei ; aber nicht , daß Satzungen entworfen werden , die der Herzog beschwören muß , sondern daß gar kein Herzog sei , und wieder die Herren der Länder herrschen wie einstens . « Auch nach diesen Worten entstand Zuruf . Jetzt erhob sich auf der linken Seite des Saales ein Mann in mittleren Jahren und in einem dunkelblauen Sammetgewande mit braunem Barte und Haare und mit einer weißen Feder auf der schwarzen Haube . Er sprach : » Ich bin Bohus , und sage auch , daß alle Herzoge gegen uns gewesen sind . Das war schon in der ältesten Zeit so . Ist nicht Premysl der erste Herr gewesen , dem die andern schweigen mußten ? Hat nicht schon einer seiner Nachkommen Neklan den Lukerherren Wlastislaw in einer großen Schlacht töten lassen ? Sind nicht Spitihnew und Wratislaw des ersten christlichen Herzogs Boriwoy Söhne nach Regensburg zum Reichstage gegangen , und haben uns in die Abhängigkeit von den Deutschen gebracht ? Hat nicht dieses ersten Wratislaw Gattin Drahomira ihre Schwiegermutter die heilige Ludmila erschlagen , und ihr Sohn Boleslaw seinen eigenen Bruder den heiligen Wenzel ? Hat nicht Boleslaws Enkel der rothaarige Boleslaw , den Wrsen geholfen die Söhne Slawniks , die Brüder des heiligen Adalbert auszurotten , und hat er nicht gegen die Wrsen selber gewütet ? Hat nicht des Rothaars Bruder der heftige Ulrich des Wladyken Kresina schöne Tochter Bozena geraubt , und zu seiner Gattin gemacht , und hat er nicht seinen und ihren Sohn den ersten Bretislaw , der kühn und tapfer war wie der griechische Achilleus , und der die schöne Judith von Schweinfurt geraubt hat , zur Flucht genötigt ? Hat nicht dieses Bretislaws Sohn Spitihnew dreihundert Mährer zu einem Reichstage geladen , und sie dann als Geiseln zurück behalten ? Ich rede nicht von der neueren Zeit , der Leche Bolemil hat sie uns schon geschildert . Ich erwähne nur eines Dinges , der Vertilgung der Wrse durch den unbändigen Swatopluk . Wäre solches möglich , wenn unsre Macht statt der Macht der Herzoge wäre ? « Ein großer Beifall brach bei diesen Worten aus , und viele Stimmen riefen : » Ja , so haben sie getan « , » so ist es geschehen « , » sie waren immer gegen uns . « Nach Bohus stand Drslaw auf , und sagte : » Wenn wir Wladislaw nicht nehmen , so nehmen wir Sobeslaws andere Kinder noch weniger , da sie kaum noch Knaben sind . « » Wir nehmen sie nicht « , » wir nehmen sie nicht « , riefen vielfältige Stimmen . Nach Drslaw erhob sich in der zweiten Reihe ein alter Mann mit weißen Haaren , die einmal blond gewesen sein mochten , und mit dunkelblauen Augen . Er trug ein schwarzes Gewand ohne Feder . Er rief : » Ich bin Mireta aus dem Mittage Mährens . « Dann sprach er : » Wenn wir nur Klagen anführen , erreichen wir unser Ziel nicht . Einmal ist es anders gewesen . Da alle Völker zu Hause in kleinen Stämmen ihres Lebens pflegten , konnten auch wir ohne Haupt in der Heimat unsere Dinge tun , und nur gelegentliche Angriffe abwehren ; als aber die Stämme um uns sich geeinigt haben , brauchen wir einen Herzog , der uns gegen sie einigt , und der unser Land darstellt . Ich schlage vor , daß wir den Fürsten von Znaim Konrad den Sohn Liutolds des Brudersohnes des Königs Wratislaw wählen . Wir , die wir in dem Mittage des Landes Mähren wohnen , kennen den Fürsten . Seine Mannesjahre sind klug und gemäßigt . Er ist im Unglücke in sich gekehrt worden . Der erlauchte Herzog Sobeslaw hat ihn , da er zu weit über seine Rechte strebte , sechs Jahre , und zwar zuerst hier auf dem Wysehrad und dann bei Heinrich von Groitsch in Haft gehalten . Er hat Strafe kennen gelernt , und ist in den weitern sechs Jahren , die er wieder bei uns wohnte , mild gegen uns und achtungsvoll gegen unsere Rechte geworden . Viele Lechen aus dem Lande Mähren wie Drslaw Zibota Soben Treba Stibor werden mir beistimmen . « » Ich stimme bei « , rief einer im Saale . » Ich auch , ich auch « , riefen mehrere . Nach dem alten Mireta stand ein Mann in den mittleren Jahren auf . Er trug ein sehr grobes gelbgraues Wollkleid und eine Wolfsmütze . Er rief : » Ich bin Osel aus dem Mittage Böhmens ein kleiner Besitzmann , und sage , daß wir lieber einem Herzoge mit Gut und Waffen steuern , als uns von einem oder mehreren Lechen quälen lassen . « » Das ist wahr « , » ja , ja « , riefen mehrere Stimmen , und langer Beifall tönte . Nun erhob sich ein alter Mann in der ersten Reihe , welcher weißgraue Haare blaue Augen und ein rötliches Angesicht hatte , und dunkelbraune Sammetkleider trug . Er rief : » Ich bin Znata der Sohn des Tas . « Ein Ruf des Beifalls entstand bei diesen Worten . Dann sagte Znata : » Wenn wir Wladislaw den Sohn unsers erlauchten Herzogs Sobeslaw nicht als Nachfolger seines Vaters wählen , so schlage ich einen andern Wladislaw vor , nämlich Wladislaw den Sohn des weisen und milden Herzogs Wladislaw , den Enkel des Königs Wratislaw , den Bruderssohn des jetzigen Herzogs Sobeslaw . Er ist der Sohn des Mannes , welcher in sechzehn Jahren seiner Herrschaft nur immer gut gewesen ist , welcher freiwillig seinem Bruder Boriwoy den Fürstenstuhl abtrat , und welcher uns auf seinem Sterbebette den guten Herzog Sobeslaw gab , der nun selber im Sterben liegt . Der Jüngling ist heiter und freundlich wie sein Vater , er geht mit unsern Angehörigen um , und er wird unsere gerechten Ansprüche erfüllen . « » Ja , ja « , riefen Stimmen . » Ja , ja , ja « , riefen noch mehrere Stimmen , und Beifallsruf erhob sich . Als er verhallt war , stand Slawibor auf , und sagte : » Ich denke , daß wir doch auch nicht auf Wratislaw von Brünn vergessen sollen , damit wir seine Ansprüche und Eigenschaften gerecht und genau prüfen . « » Ja , wir sollen sie prüfen « , rief eine Stimme . » Ja , ja « , riefen mehrere Stimmen . » Wratislaw