Tages oder die bare Unmöglichkeit . Weil ich nun nicht mehr so große Strecken durchreisen kann , um etwa Marmor , der mir noch fehlt , in Blöcken aufzusuchen , so wird die Ausbeute immer geringer ; sie wird auch aus dem Grunde geringer , weil ich bereits so viel habe , und die Stellen also seltener sind , wo ich ein noch Fehlendes finde . Da ich allen Marmor selber gesammelt habe , so kann ich wohl auch kein Stück an meinem Hause anbringen , das mir von fremder Hand käme . « » Ihr habt also wahrscheinlich das Haus selber gebaut , oder es sehr umgestaltet ? « fragte ich . » Ich habe es selber gebaut « , antwortete er . » Das Wohnhaus , welches zu den umliegenden Gründen gehört , war früher der Meierhof , an dem Ihr gestern , da wir auf dem Bänkchen der Felderrast saßen , Leute Gras mähen gesehen habt . Ich habe ihn von dem früheren Besitzer samt allen Ländereien , die dazu gehören , gekauft , habe das Haus auf dem Hügel gebaut , und habe den Meierhof zum Wirtschaftsgebäude bestimmt . « » Aber den Garten könnt Ihr doch unmöglich neu angelegt haben ? « » Das ist eine eigene Entstehungsgeschichte « , erwiderte er . » Ich muß sagen : ich habe ihn neu angelegt , und ich muß sagen : ich habe ihn nicht neu angelegt . Ich habe mir mein Wohnhaus für den Rest meiner Tage auf einen Platz gebaut , der mir entsprechend schien . Der Meierhof stand in dem Tale , wie meistens die Gebäude dieser Art , damit sie das fette Gras , das man häufig in den Wirtschaften braucht , um das Gehöfte herum haben ; ich wollte aber mit meiner Wohnung auf die Anhöhe . Da sie nun fertig war , sollte der Garten , der an dem Meierhofe stand und nur mit vereinzelten Bäumen oder mit Gruppen von ihnen zu mir langte , heraufgezogen werden . Die Linde , unter welcher wir jetzt sitzen , so wie ihre Kameraden , die um sie herum stehen oder einen Gartenweg bilden , stehen da , wo sie gestanden sind . Der große alte Kirschbaum auf der Anhöhe stand mitten im Getreide . Ich zog die Anhöhe zu meinem Garten , legte einen Weg zu dem Kirschbaume hinauf an , und baute um ihn ein Bänklein herum . Und so ging es mit vielen andern Bäumen . Manche , und darunter sehr bedeutende , daß man es nicht glauben sollte , haben wir übersetzt . Wir haben sie im Winter mit einem großen Erdballen ausgegraben , sie mit Anwendung von Seilen umgelegt , hieher geführt , und mit Hilfe von Hebeln und Balken in die vorgerichteten , gut zubereiteten Gruben gesenkt . Waren die Zweige und Äste gehörig gekürzt , so schlugen sie im Frühlinge desto kräftiger an , gleichsam als wären die Bäume zu neuem Leben erwacht . Die Gesträuche und das Zwergobst ist alles neu gesetzt worden . In kürzerer Zeit , als man glauben sollte , hatten wir die Freude , zu sehen , daß der Garten so zusammengewachsen erschien , als wäre er nie an einem andern Platze gewesen . In der Nähe des Meierhofes habe ich manchen Rest von Bäumen fällen lassen , wenn er dem Getreidebau hinderlich war ; denn ich legte dort Felder an , wo ich die Bäume genommen hatte , um an Boden auf jener Seite zu gewinnen , was ich auf dieser durch Anlegung des Gartens verloren hatte . « » Ihr habt da einen reizenden Sitz « , bemerkte ich . » Nicht der Sitz allein , das ganze Land ist reizend , « erwiderte er , » und es ist gut da wohnen , wenn man von den Menschen kömmt , wo sie ein wenig zu dicht an einander sind , und wenn man für die Kräfte seines Wesens Tätigkeit mitbringt . Zuweilen muß man auch einen Blick in sich selbst tun . Doch soll man nicht stettig mit sich allein auch in dem schönsten Lande sein ; man muß zu Zeiten wieder zu seiner Gesellschaft zurückkehren , wäre es auch nur , um sich an mancher glänzenden Menschentrümmer , die aus unsrer Jugend noch übrig ist , zu erquicken , oder an manchem festen Turm von einem Menschen empor zu schauen , der sich gerettet hat . Nach solchen Zeiten geht das Landleben wieder wie lindes Öl in das geöffnete Gemüt . Man muß aber weit von der Stadt weg und von ihr unberührt sein . In der Stadt kommen die Veränderungen , welche die Künste und die Gewerbe bewirkt haben , zur Erscheinung : auf dem Lande die , welche naheliegendes Bedürfnis oder Einwirken der Naturgegenstände auf einander hervorgebracht haben . Beide vertragen sich nicht , und hat man das Erste hinter sich , so erscheint das Zweite fast wie ein Bleibendes , und dann ruht vor dem Sinne ein schönes Bestehendes , und zeigt sich dem Nachdenken ein schönes Vergangenes , das sich in menschlichen Wandlungen und in Wandlungen von Naturdingen in eine Unendlichkeit zurückzieht . « Ich antwortete nichts auf diese Rede , und wir schwiegen eine Weile . Endlich sagte er wieder : » Ihr bleibt noch heute nachmittag und in der Nacht bei uns ? « » Nach dem , wie ich hier aufgenommen worden bin , « antwortete ich , » ist es ein angenehmes Gefühl , noch den Tag und die Nacht hier zubringen zu dürfen . « » So ist es gut , « erwiderte er , » Ihr müßt aber auch erlauben , daß ich Euch einen Teil des Vormittags allein lasse , weil die Stunde naht , in der ich zu Gustav gehen und ihm in seinem Lernen beistehen muß . « » Tut Euch nur keinen Zwang an « , entgegnete ich . » So werde ich Euch verlassen , « antwortete er , » geht indessen ein wenig in dem Garten herum , oder seht das Feld an , oder besucht das Haus . « » Ich wünsche für den Augenblick noch eine Weile unter diesem Baume sitzen bleiben zu dürfen « , erwiderte ich . » Tut , wie es Euch gefällt , « antwortete er , » nur erinnert Euch , daß ich gestern gesagt habe , daß in diesem Hause um zwölf Uhr zu Mittag gegessen wird . « » Ich erinnere mich , « sagte ich , » und werde keine Unordnung machen . « Eine kleine Weile nach diesen Worten stand er auf , strich sich mit seiner Hand die Tierchen und sonstigen Körperchen , die von dem Baume auf ihn herabgefallen waren , aus den Haaren , empfahl sich , und ging in der Richtung gegen das Haus zu . 5. Der Abschied Ich saß noch eine geraume Zeit unter dem Baume und legte mir zurecht , was ich gesehen und vernommen . Die Bienen summten in dem Baume , und die Vögel sangen in dem Garten . Das Haus , in welches der alte Mann gegangen war , blickte mit einzelnen Teilen , sei es von der weißen Wand , sei es von dem Ziegeldache , durch das Grün der Bäume herüber , und zu meiner Rechten ging jenseits der Gebüsche in der Gegend , in welcher ich das Schreinerhaus vermutete , ein dünner Rauch in die Luft empor . Das Singen der Vögel und das Summen der Bienen war mir beinahe eine Stille , da ich durch meine Gebirgswanderungen an solche andauernde Laute gewohnt war . Die Stille wurde unterbrochen durch einzelne Laute welche von den Arbeitern im Garten herrührten , entweder daß man das Quicken einer Pumpe hörte , mit der man Wasser pumpte und mittelst Rinnen in eine Tonne leitete , um es abends zum Begießen zu verwenden , oder daß eine menschliche Rede ferner oder näher erscholl , die einen Befehl oder eine Auskunft enthielt . Die verschiedenen Flecke des Himmels , welche durch das Grün der Bäume hereinsahen , waren ganz blau , und zeigten , wie sehr mein Gastfreund mit seiner Voraussage des schönen Wetters recht gehabt hatte . Ich riß mich endlich aus meinen Gedanken , und ging in dem Garten empor . Ich ging zu dem großen Kirschbaume . Ich suchte das Freie , weil ich in dem Garten wegen der beschränkten Aussicht doch nicht einen genauen Überblick in Hinsicht der Witterungsverhältnisse machen konnte . Hier oben stand der Himmel als eine große , ausgedehnte Glocke über mir , und in der ganzen Glocke war kein einziges Wölklein . Das Hochgebirge , welches wir gestern nicht hatten sehen können , stand heute in seiner ganzen Klarheit an der Länge des südlichen Himmels dahin . Vor ihm waren die Vorlande mit manchen weißen Punkten von Kirchen und Dörfern , näher zu mir zeigte sich mancher Turm von einer Ortschaft , die ich kannte , und unter meinen Füßen ruhte der Garten und das Haus , in welchem ich gestern so freundlich aufgenommen worden war . Die Getreide , welche nicht weit von mir hinter der Planke des Gartens standen , und die gestern ganz ruhig gewesen waren , befanden sich heute in einem zwar schwachen , aber fröhlichen Wogen . Ich mußte denken , daß das Wetter nicht nur jetzt so schön sei , sondern daß es noch lange so schön bleiben werde . Von dem großen Kirschbaume ging ich wieder in den Garten zurück und betrachtete verschiedene Gegenstände . Ich ging auch noch einmal in das Gewächshaus . Ich konnte nun manches genauer ansehen , als es mir früher möglich gewesen war , da ich mit meinem Begleiter das Haus gleichsam nur durchschritten hatte . Der weiße Gärtner gesellte sich zu mir , erläuterte mir manches , gab mir über Verschiedenes Auskunft und beantwortete bereitwillig alle meine Fragen , wie weit seine Kenntnisse und seine Übersicht es zuließen . Als ich das Gebäude verlassen wollte , sagte er mir , er wolle mir noch etwas zeigen , was der Herr mir zu zeigen vergessen habe . Er führte mich auf einen Platz , der mit Sand bedeckt war , der von allen Seiten der Sonne zugänglich und doch durch Bäume und Gebüsche , die ihn in einer gewissen Entfernung umgaben , vor heftigen Winden geschützt war . Mitten auf dem Platze stand ein kleines gläsernes Haus , welches zum Teile in der Erde steckte . Dieser Umstand und dann der , daß es von Bäumen umringt war , machten , daß ich es früher nicht wahrgenommen hatte . Als wir näher kamen , sah ich , daß es ganz von Glas sei und nur so viel Gerippe habe , als sich zur Festigkeit der Tafeln notwendig zeige . Es war auch mit einem starken eisernen Gitter , wahrscheinlich des Hagels wegen , umspannt . Als wir die einigen Stufen von der Fläche des Gartens in das Innere hinabgestiegen waren , sah ich , daß sich Pflanzen in dem Hause befanden , und zwar nur eine einzige Gattung , nämlich lauter Kaktus . Mehr als hundert Arten standen in Tausenden von kleinen Töpfen da . Die niederen und runden standen frei , die langen , welche Luftwurzeln treiben , hatten Wände von Baumrinden neben sich , die mit Erde eingerieben waren , damit die Pflanzen die Luftwurzeln in sie schlagen konnten . Alle Glastafeln über unseren Häuptern waren geöffnet , daß die freie Luft den ganzen Raum durchdringen konnte , und doch die Wirkung der Sonnenstrahlen nicht beirrt war . Die Töpfe standen in Reihen auf hölzernen Gestellen , die Gestelle aber waren wieder unterbrochen , so daß man in allen Richtungen herum gehen und alles betrachten konnte . Der Gärtner führte mich herum und zeigte mir die Abteilungen und Unterabteilungen , in welchen die Gewächse beisammenstanden . Ich sagte , daß ich mich freue , daß mein Gastfreund auf die Familie dieser Pflanzen eine solche Sorgfalt wende , da sie gewiß besonders und merkwürdig wären . » Wenn man sie länger betrachtet und länger mit ihnen umgeht , werden sie immer merkwürdiger « , antwortete mein Nachbar . » Die Stellung ihrer Bildungen ist so mannigfaltig , die Stacheln können zu einer wahren Zierde und zu einer Bewaffnung dienen , und die Blüten sind verwunderlich wie Märchen . In einem Monate würdet Ihr sehr schöne sehen , jetzt sind sie noch zu wenig entwickelt . « Ich sagte ihm , daß ich schon Blüten gesehen habe , nicht bloß solche , die , wie schön sie seien , doch überall wachsen , sondern auch andere , die selten sind , und solche , die mit der Schönheit den lieblichen Duft vereinen . Ich sagte ihm , daß ich in früheren Zeiten Pflanzenkunde getrieben habe , zwar nicht in Bezug auf Gartenpflege , sondern zu meiner Belehrung und Erheiterung , und daß die Kaktus nicht das Letzte gewesen wären , dem ich eine Aufmerksamkeit geschenkt habe . » Wenn der Herr alte Sachen sammelt , « sagte er , » so wäre es wohl auch recht , wenn er dies auch mit alten Pflanzen täte . Im Inghofe ist in dem Gewächshause ein Cereus , der stärker als ein Mannesarm samt seiner Bekleidung ist . Er geht an der Wand empor , biegt sich um und wächst an der Decke des Hauses hin , an welcher er mit . Bändern befestigt ist . Der untere Teil ist schon Holz geworden , daß man Namen eingeschnitten hat . Ich glaube , es ist ein Cereus peruvianus . Sie schätzen ihn nicht so hoch , und der Herr sollte den Cereus kaufen , wenn man auch wegen seiner Länge drei Wägen aneinander binden müßte , um ihn herüber bringen zu können . Er ist gewiß schon zweihundert Jahre alt . « Ich antwortete auf diese Rede nicht , um ihm seine Zeitrechnung in Hinsicht der Kaktuspflege in Europa nicht zu stören . Ich dankte ihm , da ich endlich alles gesehen hatte , für seine Mühe , und verließ das kleine Haus . Er verabschiedete sich sehr freundlich und mit vielen Verbeugungen . Ich ging nun zu dem Eingangsgitter , durch welches mein Gastfreund mich gestern hereingelassen hatte , weil ich auch außerhalb des Gartens ein wenig herumsehen wollte . Ein Arbeiter , welcher in der Nähe beschäftigt war , öffnete mir die Tür , weil ich die Einrichtung des Schlosses nicht kannte , und ich trat in das Freie . Ich ging auf der Seite des Hügels , auf welcher ich gestern heraufgekommen war , in mehreren Richtungen herum . Wenn ich auch die Gegend des Landes , in der ich mich befand , im allgemeinen sehr wohl kannte , so hatte ich mich doch nie so lange in ihr aufgehalten , um in das Einzelne eindringen zu können . Ich sah jetzt , daß es ein sehr fruchtbarer , schöner Teil sei , der mich aufgenommen hatte , daß sich anmutige Stellen zwischen die Krümmungen der Hügel hineinziehen , und daß ein dichtes Bewohntsein der Gegend etwas sehr Heiteres erteile . Der Tag wurde nach und nach immer wärmer , ohne heiß zu sein , und es war jene Stille , die zur Zeit der Rosenblüte weit mehr als zu einer anderen auf den Feldern ist . In dieser Zeit sind alle Feldgewächse grün , sie sind im Wachsen begriffen , und wenn nicht viele Wiesen in der Gegend sind , auf welchen zu jener Zeit die Heuernte vorkömmt , so haben die Leute keine Arbeit auf den Feldern , und lassen sie allein unter der befruchtenden Sonne . Die Stille war wie in dem Hochgebirge ; aber sie war nicht so einsam , weil man überall von der Geselligkeit der Nährpflanzen umgeben war . Der Klang einer fernen Dorfglocke und meine Uhr , die ich herauszog , erinnerte mich daran , daß es Mittag sei . Ich ging dem Hause zu , das Gitter wurde mir auf einen Zug an der Glockenstange geöffnet , und ich ging in das Speisezimmer . Dort fand ich meinen Gastfreund und Gustav , und wir setzten uns zu Tische . Wir drei waren allein bei dem Mahle . Während des Essens sagte mein Gastfreund : » Ihr werdet Euch wundern , daß wir so allein unsere Speisen verzehren . Es ist in der Tat sehr zu bedauern , daß die alte Sitte abgekommen ist , daß der Herr des Hauses zugleich mit den Seinigen und seinem Gesinde beim Mahle sitzt . Die Dienstleute gehören auf diese Weise zu der Familie , sie dienen oft lebenslang m demselben Hause , der Herr lebt mit ihnen ein angenehmes gemeinschaftliches Leben , und weil alles , was im Staate und in der Menschlichkeit gut ist , von der Familie kömmt , so werden sie nicht bloß gute Dienstleute , die den Dienst lieben , sondern leicht auch gute Menschen , die in einfacher Frömmigkeit an dem Hause wie an einer unverrückbaren Kirche hängen , und denen der Herr ein zuverlässiger Freund ist . Seit sie aber von ihm getrennt sind , für die Arbeit bezahlt werden und abgesondert ihre Nahrung erhalten , gehören sie nicht zu ihm , nicht zu seinem Kinde , haben andere Zwecke , widerstreben ihm , verlassen ihn leicht , und fallen , da sie familienlos und ohne Bildung sind , leicht dem Laster anheim . Die Kluft zwischen den sogenannten Gebildeten und Ungebildeten wird immer größer ; wenn noch erst auch der Landmann seine Speisen in seinem abgesonderten Stübchen verzehrt , wird dort eine unnatürliche Unterscheidung , wo eine natürliche nicht vorhanden gewesen wäre . « » Ich habe « , fuhr er nach einer Weile fort , » diese Sitte in unserem hiesigen Hause einführen wollen ; allein die Leute waren auf eine andere Weise herangewachsen , waren in sich selber hineingewachsen , konnten sich an ein Fremdes nicht anschließen , und hätten nur die Freiheit ihres Wesens verloren . Es ist kein Zweifel , daß sie sich nach und nach in das Verhältnis würden eingelebt haben , besonders die Jüngeren , bei denen die Erziehung noch wirkt ; allein ich bin so alt , daß das Unternehmen weit über den Rest meiner Jahre hinausgeht . Ich befreite daher meine Dienstleute von dem Zwange , und jüngere Nachfolger mögen den Versuch wieder erneuern , wenn sie meine Meinung teilen . « Mir fiel bei dieser Rede mein Elternhaus ein , in welchem es wohltuend ist , daß wenigstens die Handlungsdiener meines Vaters mit uns an dem Mittagstische essen . Die Zeit nach dem Mittagsessen ward dazu bestimmt , den Meierhof zu besuchen , und Gustav durfte uns begleiten . Wir gingen nicht den Weg , der an dem großen Kirschbaume vorüber und auf der Höhe der Felder dahin führt . Dieser Weg , sagte mein Gastfreund , sei mir schon bekannt ; sondern wir gingen in der Nähe der Bienenhütte durch ein Pförtchen in das Freie , und gingen auf einem Pfade über den sanften Abhang hinab , der noch mit hohen Obstbäumen , die die besseren Arten des Landes trugen und von dem Meierhofgarten übrig geblieben waren , bedeckt war . Die Wiesen , über die wir wandelten , waren so gut , wie ich sie selten angetroffen habe . Da wir zu dem Gebäude gekommen waren , sah ich , daß es ein weitläufiges Viereck war wie die größeren Landhöfe der Gegend , daß man aber hie und da daran gebessert , und daß man es durch Zubauten erweitert hatte . Der Hofraum war an den Gebäuden herum mit breiten Steinen gepflastert , der übrige Teil desselben war mit grobem Quarzsande bedeckt , der öfter umgearbeitet wurde . Die Gebäude , welche diesen Raum umgaben , enthielten die Ställe , Scheunen , Wagengewölbe und Wohnungen . Das Vorratshaus stand weiter entfernt in dem Garten . Wir besahen die Tiere , welche eben zu Hause waren , von den Pferden und Rindern angefangen bis zu den Schweinen und dem Federvieh hinunter . Für die Rinder war hinter dem Hause ein schöner Platz eingefangen , auf welchem sie in freie Luft gelassen werden konnten . Es strömte frisches Wasser in einer tiefen Steinrinne durch den Platz , von welchem sie trinken konnten . Ich hatte diese Einrichtung nie gesehen , und sie gefiel mir sehr . Ein ähnlicher Platz war für das Federvieh eingefangen , und nicht weit davon war ein Anger , auf welchem sich die Füllen tummeln konnten . Wir besuchten auch die Wohnungen der Leute . Hier fielen mir die großen , schönen Steinrahmen auf , die an den Fenstern gesetzt waren , auch konnte man leicht die bedeutende Vergrößerung der Fenster sehen . In der Wagenhalle waren nicht bloß die Wägen und anderen Fahrzeuge , sondern auch die übrigen Landwirtschaftsgeräte in Vorrate vorhanden . Die Düngerstätte , welche auch hier wie in den meisten Wirtschaftshäusern unseres Landes in dem Hofe gewesen war , ist auf einen Platz hinter dem Hause verwiesen worden , den ringsum hohe Gebüsche umfingen . » Es ist hier noch vieles im Entstehen und Werden begriffen , « sagte mein Gastfreund , » aber es geht langsam vorwärts . Man muß die Vorurteile der Leute schonen , die unter anderen Umgebungen herangewachsen und sie gewohnt sind , damit sie nicht durch das Neue beirrt werden und ihre Liebe zur Arbeit verlieren . Wir müssen uns beruhigen , daß schon so vieles geschehen ist , und auf das Weitere hoffen . « Die Leute , welche dieses Haus bewohnten , waren damit beschäftigt , das Heu , welches gestern gemäht worden war , einzubringen oder , wo es not tat , vollkommen zu trocknen . Mein Gastfreund redete mit manchem und fragte um Verschiedenes , das sich auf die täglichen Geschäfte bezog . Als wir von der entgegengesetzten Seite des Hauses fortgingen , sahen wir auch den Garten , in welchem die Gemüse und andere Dinge für den Gebrauch des Hofes gezogen wurden . Auf dem Rückwege schlugen wir eine andere Richtung ein , als auf der wir gekommen waren . Hatten wir auf unserem Herwege den großen Kirschbaum nördlich gelassen , so ließen wir ihn jetzt südlich , so daß es schien , daß wir den ganzen Garten des Hauses umgehen würden . Wir stiegen gegen jene Wiese hinan , von der mir mein Gastfreund gestern gesagt hatte , daß sie die nördliche Grenze seines Besitztums sei , und daß er sie nicht nach seinem Willen habe verbessern können . Der Weg führte sachte aufwärts , und in der Tiefe der Wiese kam uns in vielen Windungen ein Bächlein , das mit Schilf und Gestrippe eingefaßt war , entgegen . Als wir eine Strecke gegangen waren , sagte mein Begleiter : » Das ist die Wiese , die ich Euch gestern von dem Hügel herab gezeigt habe , und von der ich gesagt habe , daß bis dahin unser Eigentum gehe , und daß ich sie nicht habe einrichten können , wie ich gewollt hätte . Ihr seht , daß die Stellen an dem Bache versumpft sind und saures Gras tragen . Dem wäre leicht abzuhelfen und das mildeste Gras zu erzielen , wenn man dem Bache einen geraden Lauf gäbe , daß er schneller abflösse , die Wände hie und da mit Steinen ausmauerte und die Niederungen mit trockener Erde anfüllte . Ich kann Euch jetzt den Grund zeigen , weshalb dieses nicht geschieht . Ihr seht an beiden Seiten des Baches Erlenschößlinge wachsen . Wenn Ihr näher herzutretet , so werdet Ihr sehen , daß diese Schößlinge aus dicken Blöcken , gleichsam aus Knollen und Höckern von Holz , hervorwachsen , welches Holz teils über der Erde ist , teils in dem feuchten Boden derselben steckt . « Wir waren bei diesen Worten zu dem Bache hinzugegangen , und ich sah , daß es so war . » Diese ungestalteten Anhäufungen von Holz , « fuhr er fort , » aus denen die dünnen Ruten oder krüppelhafte Aste hervorragen , bilden sich hier in sumpfigem Boden , sie entstehen aber auch im Sande oder in Steinen , und sind ein Aftererzeugnis des sonst recht schön emporwachsenden Erlenbaumes . In dem vielteiligen Streben des Holzes , eine Menge Ruten oder zwieträchtige Äste anzusetzen und sich selber dabei zu vergrößern , entsteht ein solches Verwinden und Drehen der Fasern und Rinden , daß , wenn man einen solchen Block auseinandersägt und die Sägefläche glättet , sich die schönste Gestaltung von Farbe und Zeichnung in Ringen , Flammen und allerlei Schlangenzügen darstellt , so daß diese Gattung Erlenholz sehr gesucht für Schreinerarbeiten und sehr kostbar ist . Als ich das Anwesen hier gekauft , die Wiese besehen und die Erlenblöcke entdeckt hatte , ließ ich einen ausgraben , auseinandersägen , und untersuchte ihn dann . Da fand ich , der ich damals im Erkennen des Holzes schon mehrere Übung hatte , daß diese Blöcke zu den schönsten gehören , die bestehen , und daß die feurige Farbe und der weiche , seidenartige Glanz des Holzes , auf welche Dinge man besonders das Augenmerk richtet , kaum ihres Gleichen haben dürften . Ich ließ mehrere Blöcke ausgraben und Blätter aus ihnen schneiden . Ihr werdet die Verwendung derselben in unserer Nachbarschaft sehen , wenn Ihr uns wieder besuchen wollt und uns Zeit gebt , Euch dorthin zu führen , wo sie sind . Die übrigen Blöcke ließ ich in dem Boden als einen Schatz , der da bleiben und sich vermehren sollte . Nur wenn einer derselben nicht mehr zu treiben , sondern vielmehr abzusterben beginnt , wird er herausgenommen , und wird zu Blättern geschnitten , welche ich dann zu künftigen Arbeiten aufbewahre oder verkaufe . An seiner Stelle bildet sich dann leicht ein anderer . Zu dem Entschlusse , diesen Anwuchs zu pflegen , kam ich , nachdem ich einerseits vorher nach und nach die Gegend um unser Haus immer näher kennen gelernt , alle Talmulden und Bachrinnen erforscht und nirgends auch nur annähernd so brauchbares Erlenholz gefunden hatte , und nachdem anderseits auch das , was mir auf mein Verlangen aus mehrern Orten eingesendet worden war , sich dem unseren als nicht gleichkommend gezeigt hatte . Ich ließ oberhalb des Erlenwuchses einen Wasserbau aufführen , um die Pflanzung vor Überschwemmung und Überkiesung zu sichern und das zu sehr anschwellende Wasser in ein anderes Rinnsal zu leiten . Meine Nachbarn sahen das Zweckdienliche der Sache ein , und zwei derselben legten sogar in öden Gründen , die nicht zu entwässern waren , solche Erlenpflanzungen an . Mit welchem Erfolge dies geschah , läßt sich noch nicht ermitteln , da die Pflanzen noch zu jung sind . « Wir betrachteten die Reihen dieser Gewächse , und gingen dann weiter . Wir gingen die Wiese entlang , streiften an einem Gehölze hin , überschritten den Wasserbau , von dem mein Gastfreund gesprochen hatte , und begannen nicht nur den Garten , sondern den ganzen Getreidehügel , auf dem das Haus steht , zu umgehen . Da die Sonne immer wärmer , wenn auch nicht gar heiß schien , wunderte ich mich , daß keiner von meinen zwei Begleitern eine Bedeckung auf dem Haupte trug . Sie waren ohne einer solchen von dem Hause fortgegangen . Der alte Mann breitete dem Glanze der Sonne die Fülle seiner weißen Haare unter , und der Zögling trug auf seinem Scheitel die dichten , glänzenden braunen Locken . Ich wußte nicht , kamen mir die beiden ohne Kopfbedeckung sonderbar vor , oder ich neben ihnen mit meinem Reisehute auf dem Haupte . Der Jüngling hatte wenigstens den Vorteil , daß ihm die Sonne die Wangen noch mehr rötete und noch schöner färbte , als sie sonst waren . Ich betrachtete ihn überhaupt gerne . Sein leichter Gang war ein heiterer Frühlingstag gegen den zwar auch noch kräftigen , aber bestimmten und abgemessenen Schritt seines Begleiters , seine schlanke Gestalt war der fröhliche Anfang , die seines Erziehers das Hinneigen zum Ende . Was sein Benehmen anbelangt , so war er zurückgezogen und bescheiden , und mischte sich nicht in die Gespräche , außer wenn er gefragt wurde . Ich wendete mich häufig an ihn und fragte ihn um verschiedene Dinge , besonders um solche , die die Gegend umher betrafen , und deren Kenntnis ich bei ihm voraussetzen mußte . Er antwortete sicher und mit einer gewissen Ehrerbietung gegen mich , obwohl ich ihm an Jahren nicht so ferne stand als sein Erzieher . Er ging meistens , auch wenn der Weg breit genug gewesen wäre , hinter uns . Als wir den Hügel vollends umgangen hatten und an mehreren ländlichen Wohnungen vorbeigekommen waren , stiegen wir auf der nämlichen Seite und auf dem nämlichen Wege gegen das Haus empor , auf welchem ich gestern gegen dasselbe hinangekommen war . Da wir es erreicht hatten , traten uns die Rosen entgegen , wie sie mir gestern entgegengetreten waren . Ich nahm von diesem Anblicke Gelegenheit , meinen Gastfreund der Rosen wegen zu fragen , da ich überhaupt gesonnen war , dieser Blumen willen einmal eine Frage zu tun . Ich bat ihn , ob wir denn zu besserer Betrachtung nicht näher auf den großen Sandplatz treten wollten . Wir taten es , und standen vor der ganzen Wand von Blumen , die den unteren Teil des weißen Hauses deckte . Ich sagte , er müsse ein besonderer Freund dieser Blumen sein , da er so viele Arten hege , und da die Pflanzen hier in einer Vollkommenheit zu sehen seien wie sonst nirgends . » Ich liebe diese Blume allerdings sehr , « antwortete er , » halte sie auch für die schönste , und weiß wirklich nicht mehr , welche von diesen beiden Empfindungen aus der andern hervorgegangen ist . « » Ich wäre auch geneigt , « sagte ich , » die Rose für die schönste Blume zu halten . Die Kamelia steht ihr nahe , dieselbe ist zart