, » es geht knapp bei uns her , und Armut ist eine Haderkatz . Wenn man vollauf hat , so kommt man viel leichter miteinander im Frieden aus . Aber meine Schuld ist ' s nicht , wenn ' s manchmal sogar am Kreuzer fehlt . Mein Weib mit ihrem abscheulichen Fluchen , wegen dessen sie gestraft worden ist , und mit dem Spektakel , den sie immer mit meinem Kind hat , schreckt die Leut ab , daß sie nicht gern ins Haus kommen und lieber ihr Sach woanders machen lassen . Aber man darf den Herren nur etwas an die Kunkel stecken , und wenn ' s eitel Alteweiberfäden wären , gleich machen sie ein Gespinst daraus . Mein Weib hat mit keinem Wörtle beweisen können , daß ich faul sei , und die Herren haben ihr eigentlich auch nicht geglaubt ; und doch hat mir da der Pfarrer eine lange Predigt und Vermahnung geben , ich solle fleißig arbeiten , damit mein Weib keine Gelegenheit habe , über mich zu klagen . Ist das auch recht ? Statt daß er mich in Schutz nimmt oder wenigstens meinem Weib aufgibt , sie solle beweisen , was sie wider mich sage , hilft er noch auf eine gewisse Art dazu , als ob das Geschwätz einen Grund hätt , und er weiß doch selber keinen . « » Ja « , lachte Friedrich , » wer vor Kirchenkonvent kommt , kriegt immer eine Vermahnung auf den Weg und eine Salbung , wenn sie auch gar keine Heimat hat . Für was wären denn die Herren da ? « » Das Ding hat mich so erzürnt « , sagte der Kübler , » daß ich ' s gar nicht loswerden kann . Ich wär vielleicht heut abend zu Haus geblieben , denn ich hätt ' s wohl nötig , bin nicht mehr der lustig und durstig Küblerfritz , der ich in meinen ledigen Jahren und bei meinem ersten Weib gewesen bin . Aber der Pfarrer hat mir ' s angetan , der ist schuld , daß ich die Batzen in Wein aufgehen lass , anstatt zu sparen . Ich spür ' s in allen Gliedern , heut nacht muß noch ein Rausch getrunken sein . Juhu ! Komm , Frieder , stoß mit mir an . Du bist auf eine Art auch im gleichen Spittel krank mit mir . « Friedrich stieß an . » Alle bösen Weiber sollen mit dem alten Jahr hinfahren ! « rief er . » Du bist übrigens heut noch nicht am schlecht ' sten wegkommen , Kübler « , sagte der Schütz , der inzwischen , von dem Invaliden und dann von Friedrich gleichfalls mit einem Glase Wein begrüßt , sich am Tische seßhaft gemacht hatte , teils , weil es ihm bedünken mochte , hier sei ' s gut Hütten bauen , teils , weil er im Sitzen seine angehende Trunkenheit besser verbergen zu können glaubte . Dies gelang ihm auch , und er wurde sehr gesprächig , wobei er freilich zuweilen stark mit der Zunge anstieß , auch seine Amtsstimme über die Gebühr anstrengte , was jedoch auf dem Lande , wo jeder im Reden ein wenig schreit , nicht besonders aufzufallen pflegt . » Dem Küfer da drüben ist ' s nicht so gut gegangen « , fuhr er fort , » den werdet ihr heut abend noch nirgends gesehen haben . « » Nein , er ist ein stiller Mann « , sagte der Bäcker , der sein Glas stehend am Ofen trank und seine Frau dann und wann ein wenig in der Bedienung ablöste ; » man sieht ihn nie außerm Haus , als wenn ihn das Geschäft hinausführt , und am Fenster läßt er sich auch selten blicken . Er ist eingezogen , wie nicht leicht einer . « » Absonderlich heut ! « lachte der Schütz . » Da wär ' s eine Kunst für ihn , sich an seinem eigenen Fenster sehen zu lassen , und wo er jetzt ist , wird er freilich nicht gern ans Fenster gehen . « » Was ? Ich will nicht hoffen ! « rief der Invalide . » Ist er denn - « » Eingezogen , wie der Beck bereits gesagt hat . « » Der Küfer ist eingesteckt ? « riefen alle zusammen . » Ach , er sitzt eben ein wenig bei mir im Hauszins « , sagte der Schütz , » und frieren tut ' s ihn nicht , denn ich hab ihm einen guten warmen Ofen gemacht ; sonst tät er ' s nicht aushalten die vierundzwanzig Stunden im Turm . « » Der Küfer im Turm ! « rief alles . » Was hat er denn getan ? « fragte der Bäcker . » Der tut ja keinem Hühnle weh und ist so ein ruhiger Mann , daß es viel ist , wenn man nur in der Nachbarschaft merkt , ob er zu Haus ist , oder nicht . « » Was hat er gebosget ? « fragte der Kübler . » Er muß sein Weib doch sehr leis geschlagen haben , wenn Ihr nichts davon gehört habt , Beck « , sagte der Schütz . » Ja was , so hab ich ' s nicht gemeint « , sagte der Bäcker ; » natürlich , Stuß gibt ' s überall , auch in der stillsten Haushaltung . « » Ein Weib prügeln , das ist doch keine so besondere Sach « , riefen die andern durcheinander . » Und die Küferin « , meinte einer , » hat ' s eben auch dann und wann nötig . « » Die Weiber « , bemerkte der Bäcker , » müssen iebott ( zuweilen ) Streich han , sonst meinen sie , man hab sie nicht lieb . « » Aha , Beckin « , riefen die Gäste , » hat er Euch seine Liebe auch schon bewiesen ? « » Nein , der Mein macht nur Spaß « , sagte sie , » mich hat er noch nie geschlagen . « » Und dessentwegen ist der Küfer in Turm kommen ? « fragte der Müllerknecht . » Bewahre ! « antwortete der Schütz , » bloß vor Kirchenkonvent . Sein Schwäher , der Schneider , hat ihn beim Herrn Pfarrer verklagt , daß er , wie der Herr Pfarrer mir erzählt hat , sein Weib um nichtswürdiger Ursachen willen jämmerlich traktieret hab . Also hat mich der Herr Pfarrer zum Herrn Amtmann geschickt . Der hat aber gleich gesagt , da werde es etwas setzen , denn der Küfer sei zwar in seinem Handwerk fleißig und kein übler Haushälter , aber sonst ein eigensinniger , hartnäckiger Gesell . Es ging auch so , wie der Herr Amtmann gesagt hatte , denn obwohl man mich zweimal zu ihm schickte , denn ich muß eben alles ausrichten , weil der Herr Amtmann den Amtsknecht fast ganz ins Haus braucht , als seinen Leibdiener , so kam er doch nicht , so daß ich ihn zuletzt mit zwei Männern hab holen müssen . Das hat er aber wohlweislich vorausgesehen und sich ins Sternwirts Keller etwas zu schaffen gemacht , damit ihm der Spektakel nicht in seinem Haus über den Hals käm . « » Und darum ist er in Turm kommen ? « wiederholte der Müllerknecht . » Nein , er hat dann böse Reden geführt , denn so still er sonst sein mag , so hat er vor Konvent das Maul weit aufgetan . Wie man ihm fürgehalten hat , warum er ungehorsam gewesen sei , hat er gesagt , er habe vor dem Kirchenkonvent nichts zu schaffen , es sei ihm solches ein Schimpf , sein Weib hab die Schläg nötig , der vorige Pfarrer und Amtmann haben ihm selber gesagt , er solle sie nur schlagen , wenn sie ' s brauche . Wenn ihn der Herr Amtmann für sich zitiere zum weltlichen Amt , so komme er , und man brauche ihm nicht mit dem Holzschlägel zu winken , aber auf kirchenkonventliche Zitation komme er nicht , sonderlich , wenn man ihm den Büttel schicke - damit hatte er mich gemeint - ; man solle ihm ein geschworen Weib schicken oder die Hebamme , das seien des Pfarrers seine Amtsboten . « Alles lachte zusammen . » Zuletzt ist ' s dann vollends faustdick kommen « , fuhr der Schütz fort . » Da hat er sich vernehmen lassen , es geh hier viel Unordnung vor , so nicht gestraft werd , der Pfarrer melier sich mit hiesigen Weibern , die Leute reden ihm viel nach . Ich hab vor der Tür nicht alles verstanden , denn vorher hat er ein wenig geschrien , das Schärfst aber hat er nicht mehr so laut gesagt , er wird gedacht haben , es schalle auch so noch deutlich in die Ohren . Den Herr Pfarrer aber hat man nachher verstehen können , der hat ihn angeschrauen , er sei ein liederlicher Gesell , was er denn von ihm sagen könne ? Und man müsse die Sache ans löbliche Oberamt nach Göppingen berichten . Der Herr Amtmann aber hat ihn einstweilen in Turm sperren lassen . « » Wenn er da bleiben muß , bis von Göppingen Bescheid kommt « , sagte Friedrich , » dann kann er lang sitzen . « » Wird nicht so gefährlich sein « , sagte der Schütz , » er behält sein frei Logis ein Tag oder zwei , bis die Sache ein wenig versaust ist , und dann darf er heraus und abwarten , was vom Oberamt kommt . « » Was kann ihm denn blühen ? « fragte der Müllerknecht . » Ich wollt eine Wette drauf eingehen « , antwortete der erfahrene Diener der Obrigkeit , » er kriegt nicht mehr denn einen Ordinari-Frevel , und natürlich muß er deprezieren . In Göppingen sieht man eben drauf , daß es am Gehorsam und schuldigen Respekt nicht mankiert , aber auf das Geschwätzwerk selber läßt sich der Vogt nicht ein , er nimmt ' s nur so überhaupt , wie der Teufel die Bauern . « Alle lachten über diese Bemerkung , welche besagen sollte , daß der Oberbeamte derlei Dinge in Bausch und Bogen abzumachen pflege . » Vielleicht « , äußerte Friedrich , » denkt er auch , das Geschwätz habe einen Grund ; denn um drei Gulden fünfzehn Kreuzer wär ' s billig geschimpft . Ist denn was dran ? Ich hab doch nie gehört , daß man dem Pfarrer mit Weibsbildern etwas nachsagt . « » Nein « , versetzte der Kübier , » das hat auch der Küfer nicht sagen wollen von dem alten Krattler . Aber das ist wahr , daß er sich Schwätzereien zutragen läßt von jeder Magd am Brunnen und von jedem bösen Weibermaul . Die stecken sich hinter die Pfarrerin und schleichen zu ihr in die Küche ; von ihr erfährt ' s dann er , und auf die Art ist ' s eine beständige Spionerei im Flecken , durch die eine Menge nichtsnutziges , läppisches Zeug an die Obrigkeit gebracht wird und vieles , was eher der Müh wert wär , unbeachtet bleibt . So ist eigentlich die Obrigkeit in der Gewalt von etlich bösen Zungen , denn der Pfarrer meint , er müss nach allem sehen , und weil er das nicht kann , auch überhaupt die Natur bei ihm zu kurz ist , so behilft er sich mit dem Geschwätz . Und der Amtmann , der läßt sich dann in jeden Lauf laden , aus dem einer schießen will , ohnehin , wenn der Pfarrer den Finger am Drücker hat oder auch die gestrenge Frau Amtmännin . Die andern Konventsmitglieder aber , die drinsitzen , sind der Garnichts , das weiß man ja . Dann braucht man nur bei den Herren was anzubringen , absonderlich , wenn man beim Pfarrer ein paar gottselige Redensarten mit unterlaufen läßt , dann sehen sie nicht auf die Sache selber , sondern , daß etwas angebracht ist , das ist ihnen der Hauptpunkt , und daraus machen sie dann ein Protokoll und ein Geschäft , wie wenn sie dabei gewesen wären und alles besser wüßten , als der , den ' s doch angeht . « - Mit diesen Worten reichte er sein Glas dem Schützen , der sich auch gleichmütig , während über seine Vorgesetzten losgezogen wurde , den Mund stopfen ließ . » Zu was wären sie denn sonst da ? « bemerkte Friedrich . Der Invalide stieß ihn an und flüsterte : » Sei Er doch politisch und laß Er den Kübler allein das Maul brauchen . Der steckt in Schuhen , woran nichts mehr zu flicken ist . Aber Ihm könnt ' s Schaden bringen , denn der Schütz ist ein Kalfakter ; er schmarotzt , soviel man ihm gibt , und nachher trägt er alles , was er dabei gehört hat , seinen Herren wieder zu . « » Was liegt mir dran ? « entgegnete Friedrich trotzig . » Und was ist denn noch mehr heut vorgekommen bei der Kirchenzensur ? « fragte der Invalide den Schützen , um das Gespräch abzulenken . » Oh , mehr als viel « , sagte dieser , » die Sitzung hat noch nie so lang gedauert , es ist mir ganz schwach worden vom langen Warten im Öhrn . Zuerst « , begann er mit einer Amtsmiene , » sind Kirchenstuhlstreitigkeiten unter den Weibern abgemacht worden ; das ist ja ein stehender Artikel bei allen Konventssitzungen . Dann hat man junge Bursche vorgefordert , die aus der Kinderlehre weggeblieben sind , und hat sie mit Vermahnung wieder springen lassen . « Friedrich biß sich auf die Lippen , sagte aber nichts , um nicht den Spott der Gesellschaft gegen sich herauszufordern . » Dann hat man eine Separatistin fürgehabt , die in Jebenhausen drüben bei der gnädigen Frau in die Stund gangen ist . « Der Gesellschaft war dies so gleichgültig , daß sie nicht einmal nach dem Namen fragte . » Ferner hat man die alte Anna fürgenommen , die mit dem krummen Fuß , die mit ihren drei Waisen dreißig Kreuzer wöchentlich hat . Der ist fürgehalten worden , daß sie als ein altes baufälliges Weib gleichwohl etlichmal nach Zell hinunter in die Kirche gegangen sei , mit Verachtung des hiesigen Gottesdienstes , und habe sich deshalb die Bürgerschaft über sie beschwert . « » Ja , die Bürgerschaft ! « rief der Kübler . » Ein paar alte Weiber werden zum Pfarrer geloffen sein , und vielleicht der Kreuzwirt , und werden ihm nach dem Maul geredt han . « » Was ist ihr geschehen ? « fragte der wohlwollende Invalide , in der Absicht , seinen Liebling nicht auch wieder in diesen Ton verfallen zu lassen . » Sie hat sich verantwortet , sie hab ' s nur drei- oder viermal getan und sei sie allweg von andern Leuten hinuntergeschickt worden , weil sie eben unerachtet ihrer Gebrechlichkeit sehen müsse , wie sie etwas verdiene , und dann sei sie , um wenigstens das Wort Gottes zu hören , dort in die Kirche gegangen . Man hat dann beschlossen , daß man ihr von den dreißig Kreuzern , die sie aus dem Almosen hat , zehn nehmen und künftig nur noch zwanzig geben wolle , und ihr bedeutet , wenn sie ferner nach Zell in die Kirche gehe , so werde man ihr das Almosen gar nehmen . Sie hat mich gedauert , denn sie hat schrecklich geheult . « » Predigt man denn in Zell ein anderes Wort Gottes als hier ? « rief Friedrich , indem er wild mit der Faust auf den Tisch schlug . » Das ist doch überaus , wenn so ein - er besann sich vor dem Schützen einen Augenblick - , wenn so ein Pfarrer meint , man dürf keinen anderen hören als ihn , und nimmt einem armen alten Weib darum das Brot ! Und was man in den Kirchen hört , das ist doch meistens nur um der Einkünfte willen gepredigt . Wenn sie ' s umsonst tun müßten , wie im Evangelium , und dem Volk noch Brot dazu geben , ei , wie geschwind stünden die Kanzeln leer . « Ein Gemurmel durchlief die Gesellschaft ; es schien aber keinen Widerspruch anzudeuten . Der Invalide fragte schnell : » Was hat ' s noch weiter geben ? « und schob sein Glas dem Schützen hin , der ihm bereitwillig Bescheid tat , ohne den rebellischen Reden sichtliche Aufmerksamkeit zu schenken . » Allerlei Sabbatentheiligungen sind abgerügt worden « , fuhr er fort . » Einer ist am Sonntag ins Feld gangen , ein anderer hat gedroschen , und des Kühlers sein Bruder ist auch vorgewesen , der hat am Sonntag eine Bettlade angestrichen , und so noch andere mehr . Die sind ein jedweder um ein halb Pfund Heller in Heiligen gestraft worden . « » Nächstens wird man am Sonntag nicht einmal mehr einen Bissen zu sich nehmen dürfen « , murrte Friedrich . » Ja « , rief der Kühler , » du hast vielleicht gar nicht weit daran vorbeigeschossen , denn der Pfarrer in Hattenhofen drüben hat sich bereits verlauten lassen , man sollt eigentlich den Tag des Herrn mit Fasten zubringen . « Die Gesellschaft lachte unwillig . » Die Obrigkeit macht aber doch auch billige Ausnahmen « , sagte der Schütz zu Friedrich . » Wie Sein Vater verwichenes Jahr um Ostern angebracht worden ist , daß er am Sonntag mit einem Wagen Haber nacher Stuttgart gefahren sei , da ist ihm nichts geschehen , weil er sich hat verantworten können , der Haber gehöre der Herrschaft und habe zur Gottesdienstzeit in Stuttgart sein müssen . « » Jawohl ! « lachte Friedrich bitter , » wenn ' s für die Herrschaft ist , dann ist ' s keine Sund ! Ich hab geglaubt , vor Gott sei alles gleich . Aber der Herzog jagt auch am Sonntag , wenn ' s ihn ankommt , und fragt nach keinem Pfarrer nichts . Ich hab ihn selber schon am Sonntag hier durchreiten sehen . « » Und letzten Sommer hat man Seinen Schwager auch entschuldigt , weil er an einem Sonntag Garben eingeführt hat , die von den wilden Schweinen übel zugerichtet gewesen sind . Da hat der Konvent ein Einsehen gehabt und hat judiziert , es sei ein Notwerk gewesen . « » Ja , was ! « sagte ein Bauer , » bei so fürnehme Leut hat man freilich ein Einsehen . « » Ich will doch nicht hoffen « , rief ein anderer , » daß der Kirchenkonvent auch noch den wilden Säuen den Kopf heben sollt , die uns das Feld verderben und die beste Frucht wegfressen ! Unsereins muß sich das ganze Jahr hindurch schinden und plagen , damit man in Stuttgart in Saus und Braus leben kann , und man sollt nicht einmal seine Frucht eintun dürfen , eh die Beester sie vollends ruiniert haben ? « » Man hat nicht bloß mit dem Sonnenwirt und solchen Leuten ein Einsehen « , bemerkte der Schütz dem vorigen Redner , » sondern auch mit dem gemeinen Mann . Wie im Heuet das Gewitter auf unsere Markung geschlagen hat , Göppingen zu , und ein Hochwasser zu befürchten gewesen ist , hat nicht da der Herr Amtmann am Sonntag früh ausschellen lassen , die Leute sollen und müssen ihr Heu sogleich heimtun , daß und damit es nicht vom Wasser fortgenommen werde ? « » Ei , ich wollt , er hätt ' s draußen gelassen « , erwiderte der Angeredete , » das Wasser ist nicht stärker worden , wie man hat voraussehen können , und mit dem Heu hat man nachher seine liebe Not gehabt . Hätt man ' s liegenlassen dürfen , so wär ' s auf dem Feld trocken worden . « » Das war dazumal « , sagte einer aus der Gesellschaft lachend , » wo der Blitz dem Käsbalthes sein Paar Ochsen erschlagen hat . Ich seh ihn noch immer , wie er dagestanden ist und eine Faust gegen den Himmel gemacht und geschrien hat : Jetzt soll aber auch unserm Herrgott sein bestes Paar Engel verr- . « Ein schallendes Gelächter folgte auf diese Erzählung . » Das dürft auch nicht beim Kirchenkonvent vorkommen « , bemerkte einer . » Ei , so schlag ! « rief der Müllerknecht , immer von neuem in Lachen ausbrechend und das verpönte Wort in unschuldigerer Wendung wiederholend : » so , unserm Herrgott soll sein bestes Paar Engel kapores gehn ? « » Ja , und dem Herzog sein schönstes Paar Tänzerinnen ! « knirschte der Kübler , indem er das Glas auf den Tisch stieß . In der Wirtsstube wurde es plötzlich so still , daß man eine Fliege summen hörte , die sich in der Tag und Nacht gleichen Wärme des Bäckerhauses lebendig erhalten hatte . » Oh , daß ich könnte ein Schloß an meinen Mund legen und ein fest Siegel auf mein Maul drücken ! « sagte die Bäckerin mit biblischer Betonung . » Was ! « rief der Kühler wild , » ist denn eine zerbrochene Fensterscheib in der Stub , daß man seine Wort hüten muß ? « Friedrich sah unwillkürlich nach dem Schützen hin . » Vor Kirchenkonvent wenigstens dürft so etwas nicht bekannt werden « , sagte der Müllerknecht , der soeben noch eine Verwünschung der Engel Gottes weit minder verfänglich gefunden hatte als einen Fluch über die Tänzerinnen des Herzogs . Der Schütz , dem der Blick des jungen Burschen nicht entgangen war , versetzte : » Ich denk , der Herr Amtmann und der Herr Pfarrer werden froh sein , wenn sie nichts davon erfahren . Es ist besser , eine solche unverständige Red bleibt in der Gemeind , denn wenn sie weiter käm , so könnt sie einen an Leib und Seel zeitlebens unglücklich machen . « Der Kübler , dem der Wein mehr und mehr in den Kopf stieg , brummte einiges dagegen , und der Schütz , etwas steif von Trunkenheit und Autoritätsbewußtsein , schien nicht geneigt , ihm eine Antwort schuldig zu bleiben , so daß der Invalide sich abermals ins Mittel legen zu müssen meinte . » Ich hab die Kirchenkonventsgeschichten satt bis oben herauf « , sagte er leise zu Friedrich , » und doch weiß ich dem Kerl das Maul nicht anders zu stopfen , denn daß ich ihn aus der Schul schwatzen laß ; das kitzelt seinen Hochmut . « Und zum drittenmal fragte er ihn , » was sonst noch verhandelt worden sei « . » Ein Husarentanz « , sagte der Schütz . » Was ? « riefen die andern und sperrten Maul und Augen auf . » Die Konventsherren werden doch nicht getanzt haben « , sagte der Müllerknecht . » Dummes Geschwätz ! « entgegnete der Schütz . » Dem Herrn Amtmann war angezeigt worden , daß in einem Lichtkarz bei der kropfigen Lisabeth Kuchen gegessen worden seien und daß des Xanders Bäsle , die bei ihm dient , den Husarentanz dabei getanzt habe , wobei auch ledige Bursche zugegen gewesen seien . Die Tänzerin und die Lisabeth , weil die den Karz ohne Erlaubnis gehalten , sind jede ein paar Stunden ins Häusle gesprochen und mit einem Weiberfrevel gestraft worden , und von dem Weibsgeziefer , das im Karz Kuchen gessen hat , ist jede um elf Kreuzer gestraft worden , so auch der Beck , der neben der Lisabeth wohnt und die Kuchen backen hat . « Friedrich horchte hoch auf : dies war der Karz , in welchen Christine durch seine Vermittlung eingeführt worden war . Er hütete sich aber wohl zu fragen , ob Christine unter den Gestraften gewesen sei . » Der Husarentanz ? « fragte der Müllerknecht , » was ist denn das für ein Tanz ? « » Kein besonders anständiger « , antwortete ihm Friedrich . » Der Husarentanz « , sagte der Schütz , » nun , das ist eben der Husarentanz . Wer wird denn den nicht kennen ? « » Der Schütz « , rief der Kübler , » stellt sich doch , als ob er alles wüßt ! Ich bin euch gut dafür , daß er ihn selber nicht kennt . « » Was , ich ? « erwiderte der Schütz und richtete sich stolz empor , » ich soll ihn nicht kennen ? « » Nein , ich wett , was du willst . « » Ein Flasch Wein ! « » Eingeschlagen ! « Und ohne an seine Amtswürde zu denken , sprang der Schütz vom Stuhl auf , setzte den Hut verkehrt auf den Kopf , nahm die Rockzipfel zwischen die Zähne und führte einen seltsamen Tanz mit plumpen Sprüngen auf , die sich um so abscheulicher ausnahmen , da er im wachsenden Rausche seines Körpers nicht mehr mächtig war . Wenn das Mädchen , von dem er erzählte , nur zum zehnten Teil so häßlich getanzt hatte , so hatte Friedrich mit seiner Bezeichnung vollauf recht gehabt . Die Gesellschaft brüllte vor Lachen , aber in den Augen der Männer malte sich zugleich die Verachtung , welche die Bäckerin noch deutlicher ausdrückte , indem sie , ohne lachen zu können , mitleidig nach dem Lustigmacher hinsah . » Da tanzt unsere Obrigkeit ! « sagte der Kübler . » So , das ist der Husarentanz ! « keuchte der Schütz , indem er atemlos auf seinen Stuhl zurückfiel . » Jetzt eine Halbe dem Küblerfritz ! « Das Gelächter dauerte noch lange fort , während er sich schon den Preis seiner Schaustellung schmecken ließ . Er wurde mit zweideutigen und spöttischen Lobsprüchen überschüttet , und der Invalide sagte ihm , er sollte sich beim Ballett in Stuttgart anstellen lassen , da würde er am besten hintaugen . Diese Aufnahme seiner künstlerischen Produktion machte ihn wieder ein wenig nüchtern . » Aber das Schönste hab ich noch gar nicht erzählt ! « rief er , um den ihm allmählich klar werdenden Eindruck des Possenspiels , das er soeben aufgeführt hatte , zu verwischen . » Ein Hexenprozeß ist heut noch zu guter Letzt verhandelt worden ! « » Ein Hexenprozeß ? Was ? Wird wieder einmal eine Hex verbrennt ? « » Nein , dazu bietet die Obrigkeit nimmermehr die Hand . Aber doch ist ' s ein Hexenprozeß gewesen , und das ein saftiger . Ich hab schon gemeint , die Sitzung geh zu End , die Herren haben nur noch ein wenig von wegen der Kirche und Schule diskuriert - der Wetterhahn ist lahm worden , und die Schulmeisterin will eine Küche und mag sich nicht mehr mit dem schlechten Verschlag zum Kochen behelfen - da kommt auf einmal der Franzos den Gang herangestiegen , wie ein welscher Hahn , und den Hut hat er ganz schief aufgehabt , so daß ich gleich gedacht hab , da sei bös Wetter im Anzug . « » Wer ist der Franzos ? « fragte der Müllerknecht . » Man heißt ihn so , weil er ein Jahr im Elsaß das Sattlerhandwerk gelernt hat und davon ein wenig welscht . Er hat eine Hammelayin zum Weib . Ich hab ihn gleich müssen bei Konvent anmelden , und weil ich neugierig gewesen bin , hab ich die Tür ein wenig offengelassen . Da hat er schrecklich getan und immer mit den Händen dazu gefochten und hat den Schmiedhannes verklagt , daß er heut in Gegenwart des ganzen löblichen Magistrats , just vor der Konventssitzung , in einem Streit wegen eines Gartenzaunes die Hammelayischen insgesamt Hexen gescholten habe . Das sei ein Schimpf und eine Schande für ihn und seine Gefreund ' ten , und er klage im Namen der ganzen Hammelayischen Familie , man möchte den Schmied zur gebührenden Strafe ziehen und ihm eine christliche Abbitte auferlegen . Ich hab gleich den Schmiedehannes holen müssen , und der hat auch ohne weiteres bekannt , daß er diese Rede vor gesessenem Gericht ausgestoßen hab , und es sei wahr , er bleibe dabei , denn die alte Hammelayin sei ihm schon vor fünf Jahren einmal in aller Früh ohne Haub im Hemd und Rock begegnet , hab auch eine schwarze Katz bei sich gehabt , die so groß als ein Kalb gewesen sei . Der Herr Amtmann hat ihm drauf die Sach ausreden wollen , er hab vielleicht einen starken Morgenschnaps getrunken gehabt und die Katz durch eine zu große Brill angesehen . Er aber ist dabei beharrt , daß er keinen Rausch gehabt habe , und wie ihm der Herr Amtmann zugesetzt hat , so ist er zornig worden und hat sich verschworen , der Teufel solle ihn zu Sägmehl verreißen , wenn er weiter als für sechs Kreuzer getrunken gehabt hab . Auf das ist der Herr Pfarrer aufgefahren , und der Herr Amtmann hat ihm gleich zwei Pfund Heller andiktiert , weil er sich mit Fluchen vermessen hab , absonderlich in Gegenwart des Herrn Pfarrers . Das hat ihn denn etwas mürber gemacht , und endlich hat er sich zureden lassen , daß er den Hammelayischen solche Gottlosigkeiten nicht beweisen könne , sondern aus Zorn und Unverstand gered ' t hab . Er hat dann dem Franzosen für die Hammelayischen Abbitte tun müssen und ist als ein schlecht bemittelter Mann , den die zwei Pfund Heller schon sauer ankommen , auf zweimal vierundzwanzig Stund in Turn gesprochen worden , heißt das , erst wenn das Quartier vom Küfer frei wird . « » So was muß man eben auch nicht auf seine Nebenmenschen bringen , wenn man ' s nicht beweisen kann « , bemerkte der Müllerknecht , » das ist doch das Allerärgste , was man einem nachsagen kann . «