mir - ich kann nicht scheiden von Paris , ohne eine andere Verpflichtung gelöst , ohne Jemand , wenn auch nur einen einzigen Augenblick , gesprochen zu haben , der mich zu dieser Stunde bereits erwartet . « » Iwan , Du hintergehst mich ! « » Bei dem Grabe unserer Mutter - nein ! Aber ich schwöre Dir eben so , daß keine Macht der Welt mich lebendig aus Paris bringt , wenn Du mir diese Bitte verweigerst . Schwester - ich will - ich muß sie noch ein Mal sehen ! « Die Fürstin schaute ihn an - ihr Herz gedachte der eigenen Liebe , die sie vielleicht auf Nimmerwiedersehen verlassen . » Wann wirst Du am Bahnhof sein ? « » Eine Viertelstunde vor der Abfahrt . Bei der Unbeflecktheit unseres Namens ! ich vertraue Dir diese Papiere an , Du kennst ihre Wichtigkeit und was sie mich kosten . Und jetzt - jede Minute ist verloren . - Dank , Iwanowna , tausendfachen Dank . Du rettest mich vor Verzweiflung . « Er rief den Kutscher , der Wagen hielt , Iwan öffnete den Schlag . Die Fürstin hielt ihn zurück . » Noch einen Augenblick ! Iwan , Du gehst nur zu einer Dame ? « » Bei meiner Seligkeit ! Meine Ehre ist Dir und dem Gesandten verpfändet . « Er verschwand im Gedränge an der Kreuzung der Straßen . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Auf dem Nordbahnhof wogte das Leben und Treiben der Reisenden , der Commissionaire , Beamten und Packträger . Die große Uhr am Hauptgebäude hatte drei Viertel auf Eilf geschlagen . Die Fürstin saß im Coupé mit Annuschka , Wassili stand am Schlage , alle Drei schauten aufmerksam nach den Eingängen , mit jedem anrollenden Wagen den Fürsten erwartend . Die Glocke läutete zum ersten Male . Es war zehn Minuten vor Eilf . Das schöne Gesicht der Fürstin begann sich zu verfinstern , in der kleinen Falte zwischen den Brauen , im Strahl des Auges lag der Unwille , gepaart mit der ängstlichen Besorgniß . Wassili und Annuschka bemühten sich , diese durch allerlei Vermuthungen zu zerstreuen . Wagen auf Wagen rollte heran - keiner brachte den Fürsten . Die Minuten schienen mit Windeseile zu entfliehen . Es litt die Fürstin nicht länger im Waggon , - sie trat auf den Perron ; die Uhr in ihrer Hand zitterte vor der innern Aufregung . Drei Minuten vor Eilf ! Eine eisige Entschlossenheit , jener Zug unendlicher Willenskraft , der um den herrlichen Mund lag , verbreitete sich über das ganze Gesicht . Sie winkte Wassili heran und legte die Hand auf seine Schulter . » Höre wohl an , was ich Dir sage . Es handelt sich um Tod und Leben , - um die Ehre der Oczakoff ! - Ich kann nicht glauben , daß Fürst Iwan sein Wort gebrochen - ich kenne ihn , sein Wort ist ihm heiliger , als das Leben . Kommt er nicht , so muß ein unvorhergesehener Zufall , ein Unglück geschehen sein . Der Zug geht ab , ich mit ihm . Das Wort und die Ehre der Oczakoff müssen rein bleiben im Vaterlande ! « Ihr Busen hob sich keuchend , sie rang mit der Erregung - Wassili , der leibeigene Milchbruder , horchte schweigend den Worten . » Hier ist meine Börse , Wassili - für ' s Erste genug . Du bleibst hier und weichst nicht aus Paris , bis Du Iwan ermittelt und gefunden . Ich kenne Dich , Wassili , und weiß , daß sein Leben das Deine ist . Sage ihm , er solle rasch und heimlich folgen , ich hätte unterdeß seine Ehre gewahrt . Kein Wort im Hotel , Wassili , von dem Verschwinden des Fürsten - bei Deinem Leben ! bei dem Leben Deiner Schwester : Iwan ist abgereist mit mir ! « Die Glocke erklang zum dritten Male - kein Iwan zu sehen ! - sie sprang in den Waggon , - mit gekreuzten Armen stand der Diener vor der Thür , die der Conducteur eben schloß . » Lebe wohl ! Treu und verschwiegen ! « - Dahin brauste der Zug ! - - Die Blutbrüder . Unterhalb Ragusa , wo Richard Löwenherz auf der Rückkehr aus Palästina landete , um österreichische Treue zu erfahren , - wo Dalmatien im prachtvollen Golf von Cattaro endet , hat der Kaiserstaat im Wiener Congreß eine schmale Küstenstrecke bis zur Bucht von Antivari sich vorzubehalten verstanden , die ein tapfres , in der neueren Geschichte vielgenanntes Heldenvolk - die Montenegriner oder Czernagorzen - von der natürlichen Gränze seiner Berge , dem adriatischen Meere , trennt . Die Politik der europäischen Staaten hat damit ein Volk , das seit vier Jahrhunderten den Kampf gegen den Halbmond führt , isolirt und von seiner zeitgemäßen Entwickelung abgeschnitten : - sein Heldenthum , seinen in dieser Zeit der Verflachung und des Eigennutzes spartanisch erhabenen Charakter vermochte sie ihm nicht zu nehmen , und Oesterreich selbst unterlag noch vor wenigen Jahren im Kampfe gegen das kleine Bergvolk . Czernagora , - das Land der schwarzen Berge , - Montenegro in der Sprache der Italiener und der Diplomatie , bildet mit der Berda das kleine , kaum 80-90 Quadratmeilen große , Berg- und Felsengebiet , das zwischen der Herzogewina im Norden , Bosnien im Osten , Albanien und dem Paschalik von Scutari im Süden , hundert Angriffen der Türken siegreich widerstanden hat und schon seit dem Jahre 1703 als gänzlich von der Pforte losgerissener unabhängiger Freistaat zu betrachten ist . So nahe den sogenannten civilisirten Staaten Europa ' s , ist dies Volk doch in Sitten , Denken und Fühlen ein ganz anderes , verschiedenes . Nur das corsische ähnelte ihm , ehe die französischen Präfecturen es um seine Eigenthümlichkeit und Selbstständigkeit betrogen haben . Die Bevölkerung von Czernagora , Uskoken - die Geächteten , - wie sie sich mit Stolz nannten und noch nennen , stammt von den flüchtigen Serben , die dem Blutbade von Kossowo und auf dem Amselfelde entronnen , mit dem Sultan Amurath I. am 5. Juni 1389 das große serbische Reich vernichtete . Seitdem sind die schwarzen Berge der Zufluchtsort aller kühnen Flüchtlinge aus Bosnien , Serbien , Albanien , und nicht blos der gemißhandelte Rajah , dessen rächende Hand den tyrannischen Unterdrücker erschlug , auch der abenteuernde Moslem selbst , der für seinen Kopf oder seine Freiheit fürchtet , flüchtet hierher und findet Schutz und Aufnahme . So ergänzt sich diese kühne Bevölkerung , fortwährend decimirt durch ihre inneren und äußeren Kämpfe , durch ihre Blutrache und ihre Privatfehden , immer wieder durch neuen Zuwachs aus den kühnsten und kräftigsten Elementen des Slaventhums . Der Nationalzug , das historische Erbe des Volkes , ist der nie ruhende , fortglühende Haß gegen den Halbmond ; seine Historie , welche seine Piesmen1 besingen , besteht in den Schlachten und Kämpfen mit diesem . Iwo der Schwarze , von dem das Land den Namen führt , schlug schon 1450 den furchtbaren Mohamed II. bei Keinowska und erbaute den Hauptort des Landes , Cetinje . Von jener Zeit ab dienten die Czernagorzen dem Norden Italiens als Damm gegen die Eroberungen des damals so furchtbaren und gefürchteten Halbmondes . Mit ihrer sicilianischen Vesper , der schrecklichen Blutnacht zu Weihnacht des Jahres 1703 unter dem Vladiken Danilo Petrowitsch Nieguschi , in der alle Moslems im Lande erschlagen wurden , befreiten sie sich von dem Zeichen der Abhängigkeit , dem Haradsch oder Kopfgeld . Seitdem wüthete der gegenseitige Kampf fast ununterbrochen fort . Der Aufruf Czar Peters des Großen an die orientalischen Christen zur Theilnahme am Kriege gegen den Sultan machte das Volk zuerst in Europa bekannt . Die Czernagorzen allein hatten damals den Muth , sich zu erheben , und das Heer des Seraskiers Achmed Pascha , an 50,000 Mann stark , wurde von den tapferen Bergbewohnern bei Czarew-Laz geschlagen . Von jener Zeit her schreibt sich der russische Einfluß und die Sympathie für das Czarenreich in Montenegro . Seitdem auch suchte und erhielt der Vladika , das geistliche und politische Oberhaupt des Landes , seine Bischofsweihe in Petersburg . Zwei Jahre nach der eben erwähnten Niederlage überzog Kiuprili Pascha mit 120,000 Mann das Land und verwüstete es mit Feuer und Schwert , indem er verrätherisch den selbstgebotenen Frieden brach und die übergebenen Geißeln mordete . 1727 rächten die Krieger der Berge diesen Verrath durch den Sieg über Tschengitschbeck . Am 25. November 1756 schlug der Vladika Wassili Petrowitsch den Wessier von Bosnien in den Pässen von Brod . - Die französische Republik wurde nach den Siegen in Egypten über die Türken von allen Griechen-Sclaven als Befreier begrüßt ; als aber Napoleon I. mit dem Sultan ein Bündniß schloß , sahen sich auch die Czernagorzen in ihren Hoffnungen getäuscht und wandten sich auf ' s Neue zu Rußland . Dem petersburger Vertrage zum Trotz übergaben die Einwohner von Cattaro ihre Stadt dem russischen Admiral Seniawin ; mit russischen Hülfstruppen belagerten die Czernagorzen General Lauriston in Ragusa , erlitten aber hier eine Niederlage . 1813 eroberten sie Budva und am andern Tage , den 12. September , Troitza durch Sturm von den Franzosen , und obschon im Frühjahr 1814 Kaiser Alexander , in treuloser Diplomatie vergessend und opfernd die Dienste und Ansprüche seiner tapfern Bundesgenossen , ihren Hafen Cattaro an Oesterreich abtrat , wollten sie doch von dem alten Schutzherrn nicht weichen , bis die letzte Patrone verschossen war . Im Jahre 1820 , als der durch seine Grausamkeit berüchtigte Wessier Dschelaluddin auf ' s Neue einen Versuch machte , das Bergland zu unterjochen , errang Vladika Peter I. einen vollständigen Sieg . Dieser und sein ihm folgender Neffe , Peter II. , der 1830 in Petersburg zum Bischof geweiht wurde und des Großwessiers Mehmed Reschid regelmäßige Truppen - 7000 Mann - mit 800 Bergkriegern schlug , sind die Regeneratoren Czernagora ' s und haben Bedeutendes für sein Emporblühen und seine Kräftigung gethan . 1840 und 41 erfochten die Montenegriner wiederum zahlreiche Siege gegen den berüchtigten Wessier der Herzogewina , Ali , dann beschränkte sich der Kampf auf die gewöhnlichen nie rastenden Gränzfehden , bis zur Zeit unserer Geschichte der Serdar von Bosnien , Omer Pascha , von Norden und Osten , Osmann , der Pascha von Skadar ( Scutari ) , von Süden aus gegen sie zu Felde zog . Das Land ist in vier Nahien oder Bezirke eingetheilt : Czernitza , Lieschanska , Rietschka und Katunska-Nahia ; der letztere ist der nördlichst gelegene . Jeder dieser Bezirke oder Grafschaften umfaßt eine Anzahl Plemen oder Stämme , deren das ganze Volk vierundzwanzig zählt . Hierzu kommt noch das Gebiet der Verdas , der sieben Berge , welche Montenegro umgeben , und deren Bewohner mit dem Freistaat verbündet sind . Jeder der Stämme besteht aus Familien oder Brüderschaften , Brastwo , die eine Gemeinde bilden , deren Glieder sich alle unter einander als Verwandte betrachten . Der Vladika , das geistliche Oberhaupt , seit hundert Jahren aus dem Stamme Njegosch , regiert mit einem Senat von Cetinje aus das Land , und zwar selbstständig , nachdem Peter II. die neben dem Vladikat bestandene Einrichtung eines Gobernatore oder Regenten in Civildingen abgeschafft und die Familie Radonitsch , in der das Amt erblich war , vertrieben hat . Nach dem Tode Peters II. trat sein zum Nachfolger von ihm erwählter Neffe Danilo Petrowitsch Njegosch Ende Februar 1852 die gewöhnliche Reise nach Petersburg an , angeblich um die Weihe als Bischof sich ertheilen zu lassen . Doch schon von Wien aus that er dem Senat kund , daß er der geistlichen Würde zu entsagen und die Meinung des Volks darüber zu hören wünsche , um dann die Ermächtigung des Czaren zu suchen . Die zum 21. Mai nach Cetinje einberufene Volksversammlung sprach sich einstimmig für die vorgeschlagene Trennung der weltlichen von der kirchlichen Macht und für die Vererbung der Fürstenwürde im Mannesstamme des Hauses Njegosch aus , und Fürst Danilo ließ nach seiner Rückkehr in Cetinje dem versammelten Volke ein Schreiben des Czaren Nikolaus vorlesen , in welchem dieser , als Oberhaupt der griechischen Kirche , Danilo Petrowitsch zur Annahme der weltlichen Fürstenwürde und zur selbstständigen Ernennung des Bischofs ermächtigte , der in Zukunft der Kirche in Montenegro vorstehen sollte . Dies offene Eingreifen des Czaren , das Montenegro fast als eine russische Provinz erscheinen ließ , reizte die Pforte zum Einschreiten , die immer noch nicht die thatsächliche Unabhängigkeit des kleinen Freistaats anerkannt hatte und die Montenegriner nie anders als Rebellen betrachtete , die nur die Unzugänglichkeit ihres Gebiets und die geringe Macht der Pascha ' s vor Unterjochung schützte . Die Pforte zog unter Omer Pascha in Bosnien Truppen zusammen , um die Montenegriner zum Gehorsam zu bringen . Fürst Danilo kam ihr zuvor ; er züchtigte mit 1000 Kriegern den abgefallenen Stamm Piperi ; 30 Czernagorzen aus dem Stamme Ceklin überfielen am 11. November die kleine türkische Festung Zabljak und nahmen sie . So entspann sich der Krieg . Fürst Danilo räumte zwar , auf Anrathen Oesterreichs , am 25. December wieder die gewonnene Veste und zog sich in die Gränzen seines Landes zurück , aber die Pforte , die vor Kurzem die ewig revoltirenden Begs Bosniens und der Herzegowina durch Ströme von Blut unter der eisernen Zuchtruthe Omer ' s zum Gehorsam gebracht hatte , wollte die Gelegenheit nicht versäumen , das unabhängige Montenegro zu unterjochen , und seine Truppen schlossen es von allen Seiten ein . Eine Proclamation des Serdars drohte die völlige Ausrottung aller Bewohner und seine Taktiki ' s ( regelmäßige Truppen ) und Arnauten schienen die Drohung alsbald wahr machen zu wollen und begingen die scheußlichsten Grausamkeiten gegen Frauen , Kinder und Hilflose . Im kleineren Kriege blieben freilich die leicht beweglichen , mit allen Schluchten und Schlupfwinkeln ihres Gebirges vertrauten Montenegriner überall Sieger und brachten den Türken nicht unerhebliche Verluste bei . Am 10. Januar griffen die Türken die Distrikte Piwa und Zupa an ; in der Nacht zum 16. brachen die Montenegriner in das türkische Lager ein und Fürst Danilo drängte am 18. den Feind aus dem Zetathal wieder zurück . Dagegen erstürmten am 19. die Türken das befestigte Haus des Wojewoden Jakob Wujatich von Grahowo und nahmen ihn mit vierzig Gefährten gefangen , und Omer Pascha eroberte das tapfer vertheidigte Dorf Martinis unweit Spus am 24. und bedrohte Cetinje . Doch schon am 27. wandte sich wieder das Kriegsglück . Die Bergvölker schlugen die Moslems bei Limajani , widerstanden dem Sturme Selim Pascha ' s auf die Dörfer Boljevice , Limajani und Sotonica am 5. Februar und auf das Dorf Gedinje in der Czernitza Nahia am 16. Das Lager Omer ' s selbst war in der Nacht zum 9. bei der Brücke von Uzicki Most in der Nahia Bielopavelska vom Fürsten mit 3000 Kriegern überfallen und das türkische Heer mit großem Verlust in wilder Flucht bis Spuz zurückgejagt worden , und die Türken mußten sich nach Lesine zurückziehen und am 25. Februar gänzlich Montenegro räumen , da Oesterreich an der serbischen Gränze Truppen zusammenzog und durch seinen außerordentlichen Gesandten , Feldmarschall-Lieutenant Grafen Leiningen in Constantinopel , von Rußland unterstützt , die Einstellung des Krieges , strenge Untersuchung der Beschwerden der bosnischen Christen und die Entfernung der ungarischen Flüchtlinge aus Omer Pascha ' s Heer forderte . Die Pforte mußte nachgeben und Graf Leiningen verließ am 14. mit der verlangten Note Constantinopel . Zugleich begann die Differenz mit Rußland in der Frage der heiligen Stätten ; der Czar stellte seine Forderungen , Fürst Mentschikoff traf damit am 28. Februar am Bosporus ein und bald war die Pforte in der Nothwendigkeit , ihre Streitkräfte an andere Punkte verlegen zu müssen . Am 24. Mai ertheilte Omer Pascha in Scutari dem türkischen Heere den Befehl zum Aufbruch nach der Donau und nur drei Bataillone verblieben im Paschalik und wurden nach Scutari , Podgoriza und Antivari vertheilt . Fürst Danilo hatte sich , um durch ein näheres Schutzbündniß seine Macht zu stärken und verschiedene Veranlassungen zu Gränzstreitigkeiten zu beseitigen , am 25. April nach Wien begeben und war nach einem überaus freundlichen Empfang am 7. Mai nach Cetinje zurückgekehrt . Bald darauf auch verbreitete sich die Nachricht , daß ein russischer Emissair , der Oberst Berger , in Montenegro eingetroffen sei , und während die Angelegenheiten in Constantinopel sich immer drohender verwickelten und bald zum offenen Bruch führten , wuchs in allen griechisch-slavischen Provinzen die Gährung unter der christlichen Bevölkerung immer höher und mächtiger , und auch an den Gränzen Czernagora ' s brach trotz der bestimmten Befehle des Fürsten Danilo der kleine Plänklerkieg mit seinen gegenseitigen Raub- und Abenteuerzügen auf ' s Neue aus . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Wo der prächtige felsenumgürtete See von Skadar ( Scutari ) sich hinabzieht gegen das gleichnamige Bollwerk des türkischen Albaniens , noch jenseits der von den Montenegrinern in Besitz genommenen Inseln Sanct Nicolaus , Stavena und Morakowitsch , liegt ein Felseneiland , wild und rauh , wie die Gebirge der Czernitza selbst , gleichsam als Vorposten gegen die türkische Veste , häufig von einzelnen Streiftrupps der unruhigen Bergbewohner besucht , theils um hier auf den Oko ' s2 die schmackhafte Ukljeva zu fangen , theils um von hier aus ihre ewigen Gegner , die Türken , zu beobachten . Ein köstlicher milder Juli-Abend lag auf den blitzenden Wellen des schönen See ' s , die der scharfe Wind aus den Schluchten des Sutorman von Süden her in leichte Bewegung setzte . Unter einer schroff am See emporsteigenden Klippe , geschützt durch einen mächtigen Felsblock vor dem Luftzug und den Späherblicken , lagerte eine bunte Gruppe , aus fünf Personen bestehend , um ein kleines Feuer , an dem ein Holzspieß mit den schmackhaften Weißfischen des See ' s briet , während die zu der Gruppe gehörende Frau das Castradina , das Lieblingsgericht der Czernagorzen aus geräuchertem Fleisch auf serbische Art bereitete . Hoch oben auf dem Felsen , nach der gewöhnlichen Sitte seines Volkes auf Wachtposten , lag eine sechste Gestalt in den zottigen braunen Mantel des Hochlands gehüllt , Auge und Flinte gegen die Seite von Skadar gekehrt und auf der weiten Fläche des See ' s jedes kreuzende Boot , ja selbst die dahin streifende die Wellen berührende Möwe bespähend . Das Haupt der Gruppe am Felsen war ein Greis von wahrhaft furchtbarem Aussehen . Das weißwollene Hemd , Hals und Brust offen lassend und in der Mitte von einem Gürtel zusammengehalten , in dem eine lange Pistole hing und der säbelgleiche Handjar mit schwer von Silber beschlagenem wohl einen Fuß langen Griff steckte , umschloß einen Körper von wahrhaft riesigen Formen . Um die Schultern von kolossaler Breite hing die Struka , der braune zottige bis über die Hüften reichende Mantel der Czernagora . Das Bein war zur Hälfte von einem kurzen türkischen Beinkleide bedeckt , während an den Füßen die Opanka befestigt war , jene leichte elastische Sandale , die sich vorzüglich eignet , um Berge hinan zu klimmen und von Fels zu Fels wie der Gemsenjäger zu springen . Das Charakteristische an der Figur des Alten zeigte der mächtige Kopf , der auf diesem Riesenleibe saß . Der Scheitel war halb kahl bis auf die Mitte des Schädels , nicht durch den Mangel an Haaren , sondern nach der Sitte des Volks rasirt , denn rechts und links und von der hinteren Hälfte fiel mähnenartig ein starks graues Haar in langen Strängen und Flechten auf den Stiernacken herunter und vereinigte sich um Mund und Kinn mit einem gleichen rauhen Bart , den der Alte von Zeit zu Zeit wohlgefällig strich . Stirn und Gesicht bildeten dazu ein förmliches Gewebe von Runzeln , Falten und Narben , aus dem über der langen schnabelartig gebogenen Nase ein dunkles rastloses Auge mit einem Glanz und einem unstäten Ausdruck funkelte , der häufig etwas Wahnwitziges an sich trug . Das andere Auge war erblindet , von einem Schlag ausgelaufen , und die leere Höhlung erhöhte das Unheimliche des Gesichts , das durch einen breiten Mund mit glänzenden wolfsartigen Zähnen gleichfalls nicht gewann . Dies Haupt war von der beim Volke eingebürgerten Kopfbedeckung beschattet , dem tücherumwundenen Fez , der dadurch die Form eines Turbans gewinnt . Die furchtbarste Beigabe des Gesichts aber war ein im Rauch gleich den Köpfen der Neuseeländer getrocknetes Menschenhaupt , das in seiner ganzen Scheußlichkeit an einer starken durch den Schädel gezogenen Schnur gleich einem Amulet oder einer Zierrath um den Hals und auf der Brust des Alten hing . Hinter dem Greise am Felsen lehnte seine lange am Schaft reich mit Silber beschlagene Flinte von alterthümlicher Form . Der übrige Theil der Gesellschaft bestand aus einem neben ihm sitzenden jungen Mann von 20 bis 21 Jahren , von edler klassischer Gesichtsbildung in einfacher griechischer Tracht ; einem türkischen Arnauten im malerischen , nur bei dem Individuum stark mitgenommenen , ja zerlumpten rothen Costüm des Volksstammes der Gueguen ; und in einem jungen Burschen von etwa 14 bis 15 Jahren , der gleichfalls die Kleidung der Czernagorzen trug und dessen Züge eine unverkennbare Aehnlichkeit mit denen des Alten hatten . Dasselbe , nur gemildert zu den Formen wirklichen Reizes , war bei der jungen Frau der Fall , die sich mit der Zubereitung des Mahles beschäftigte . Ueber den lang herabfallenden mit Bändern durchflochtenen Zöpfen lag zierlich das weiße italienische Kopftuch mit dem herunterhängenden Schleier , dem Zeichen der Zeichen der verheiratheten Frau . Ein eng und faltenreich um den Hals schließendes Hemd mit weiten bunt gestickten Aermeln , die Schürze von rother Wolle , darüber das Ueberkleid ohne Aermel von weißem Tuch mit blauen Schnüren geziert , vorn offen , Brust und Schürze mit dem am Gürtel hängenden Einschlagmesser frei lassend , Socken und Sandalen an den Füßen , bildeten ihren charakteristischen nicht unzierlichen Anzug . » So sagst Du also , Beg , « setzte der Arnaut das Gespräch fort , » daß der Christensultan in Moskwa das schwarze Hochland frei machen wird von den Gläubigen ? « » Du redest , wie es ein Moslem versteht , Khan Hassan Lekitsch , « entgegnete der Greis . » Die Kinder der Czernitza sind nie die Sclaven des weißen Czaren3 in Stambul gewesen , seit Iwo ' s meines Ahnherrn , Zeiten , der unter Obod ' s4 Trümmern am Busen der schwarzäugigen Wila ' s5 schläft , die über ihn wachen und ihn dereinst auferwecken werden , sobald es Gottes Wille ist , seinen geliebten Czernagorzen Cattaro und das blaue Meer wiederzugeben . Dann wird der unsterbliche Held wiederum an die Spitze seines Volkes treten und die Schwabi6 vertreiben , gleich wie er die Bekenner des Halbmondes von unseren Bergen vertrieben hat . « » Aber Beg , Du weißt , daß ich selbst zu den Gläubigen gehöre . « » Was kümmert das Iwo , den Einäugigen ? « sagte der Greis in heiliger Einfalt . » Bist Du nicht unser Gastfreund und hast von unserm Brote gegessen ? Was kümmert mich Dein Glaube , Khan , wenn Du Treue hältst dem Volke der Czernagora . « » Du sprichst es , Beg , und es muß wahr sein . Aber sage mir , wie ist es mit dem Volk der Moskowiten ? « » Höre mich , Khan Hassan , und merke auf meine Worte , denn solche hat mit der Pope Petrowitsch gesagt . In Stambul , das Deinem weißen Czaren gehört , steht eine mächtige Kirche , von den Heiligen des Himmels gebaut und darin viele heilige Dinge , die gehörte den Christen , unsern Brüdern . Aber der weiße Czar hat sie ihnen geraubt und läßt jene den Haradsch zahlen und viele schwere Steuern . Er schlägt die Männer und hält sie mit dem Antlitz in ' s Feuer , bis sie ihm sagen , wo sie ihr Geld verborgen halten , und den Weibern und Mädchen schneidet er das Gewand über dem Knie ab und giebt sie seinen Kriegern zur Beute , also daß er jeden Stamm der Rajahbrüder vertilgen will von dem Erdboden . Darob ergrimmte der schwarze Czar , unser Vater in Moskau , und er hat seine Krieger marschiren lassen in das Land unserer Väter an dem großen Strom , an dem der Heiduck wohnt und der Serbe und der Bulgare , daß der Serdar , unser Feind , eilig unsere Berge hat meiden müssen und gegen den neuen Feind ziehen . Der schwarze Czar aber , welcher uns so befreit hat , er verkündet uns , daß er unsere Rechte mit denen unserer Griechenbrüder zugleich vertheidigen und den Sultan aus Stambul wieder verjagen wird weit über ' s Meer in ' s Land , woher seine Väter gekommen sind . « » Aber der Vladika hat Frieden gemacht mit dem Sultan , « entgegnete hartnäckig der Türke , » und ich habe gehört , daß er ein Verbot an alle Plemen erließ , die Wassen zu erheben . « » Du redest Thorheit , Khan ! Kann denn die Welle der Moratscha rückwärts fließen ? Kann der schwarze Kalogeri7 seinen Kindern verbieten , nicht für den Czaren in Moskau zu kämpfen , nachdem er selbst die Weihe von seiner Hand empfangen hat ? Wisse , Khan , ich habe selbst in Cetinje auf dem Markt den Wojwoden gesehen , den der schwarze Czar an seine Junaks8 in Czernagora geschickt hat , um sie zum Kampfe zu laden . Sie nennen ihn den Oberst Berger , und dieses Kreuz hab ' ich von seiner eigenen Hand erhalten . « Er zeigte ihm eine der russischen Denkmünzen , wie deren viele an die tapferen Krieger des Hochlandes vertheilt werden und die er am Halse neben dem Schädel trug . » Meinst Du , « fuhr der Greis fort und sein eines Auge leuchtete wild , » daß Beg Iwo Martinowitsch in seiner Jugend umsonst Troitza gestürmt und den Helden Campaniole mit seiner Kugel erlegt habe , oder daß er gegen den grausamen Dschelaluddin vor dreiunddreißig Wintern gefochten und die Taktiki ' s des Mehemed bei den Kula ' s von Martinitsch getödtet habe , um in seinen alten Tagen von Gott , dem großen Würger9 , auf seinem Lager gefunden zu werden ? Sieh dieses Haupt auf meiner Brust , es gehörte einst dem Pascha des verfluchten Podgoritza , Namik-Halil , und seit einundzwanzig Jahren trag ' ich den Todfeind an meinem Halse , der mein erstes Weib und meine Kinder in ' s Feuer des Kula ' s meines Stammes warf . Meinst Du , daß ein Uskoke , der also haßt , je den Säbel ruhen lassen wird gegen den Türken ? Hab ' ich nicht mitgefochten wieder bei Martinitsch , als uns in diesem Jahre der Würger von Bosnien , Omer Pascha , mit Krieg überzog ? War ich nicht dabei , als wir in der Mordnacht von Plamenzi den Moslem aus seinem Lager schlugen , und hat mein Schwiegersohn , Gabriel der Zagartschane10 , nicht gefochten und gelitten mit dem tapferen Wojwoden von Grahowo , dessen Seele die Heiligen gnädig sein mögen , und schmachtet jetzt dort hinter den Wällen des blutigen Skadar ? « Er schaute grimmig umher , wie als suche er nach Einem , der den Widerspruch wage . Die Frau , von seinen letzten Worten erregt , brach in eine leidenschaftliche Klage aus . » Warum sahen meine Augen den Tag , da Gabriel , mein tapferer Gatte , in die Hände des Selim Pascha fiel , nachdem Gott ihn aus der Hand des grausamen Derwish hat entkommen lassen ? Wohl sehe ich neben mir den Blutbruder meines theuren Herrn , der an seiner Seite gestritten und mit ihm gefangen gelegen , aber Nicolas Grivas der Mainote sitzt ruhig hier im sichern Schatten der Felsen , indeß Gabriel Zagartschani im Thurme von Skadar modert , aus dem uns Hassan der Moslem allein die erste Kunde gebracht hat . « Der junge Mann in griechischer Tracht , der bisher stumm und melancholisch brütend neben dem alten Beg gelegen hatte , fuhr empor bei dem bittern Spott und eine dunkle Röthe übergoß sein schönes offenes Gesicht . » Was redest Du , Weib ? « sagte er heftig . » Habe ich nicht mein Blut vergossen , wie Dein Gatte , mein Freund , am Tage des Kampfes ? Hab ' ich nicht Hunger und Kälte getragen mit ihm , und als wir in ' s Türkenlager brachen , gefochten an seiner Seite ? « » Das hast Du , Nicolas Grivas , - aber ich sehe Dich nicht liegen auf dem Schlachtfelde , wundenbedeckt , zur Vertheidigung Deines Bruders ! ich sehe Dich nicht , gefesselt gleich ihm , in dem moderathmenden Kerker von Skadar ! Ich frage Dich nur , wo ist der Bruder , mit dem Du den Blutbund beschworen , und siehe , Du kannst mir nicht antworten : Frau , da ist er , oder ich bringe Dir mindestens das Haupt dessen , der ihn erschlagen hat ! « Grivas rückte unruhig hin und her . » Du thust mir Unrecht , Stephana , und weißt sehr wohl , daß ich mein Blut willig opfern würde für den Freund . Mein Bruder Andreas Caraiskakis hat wahrlich keinen Feigling in Euer Land geschickt , daß er Euch beistehen sollte mit seinen geringen Kenntnissen und seiner jungen Hand im Kampfe gegen den Sultan . Kann ich dafür , daß das Gewühl des Ueberfalls mich in dem Dunkel der Nacht vom Freunde trennte und ich fern war , als er im Eifer der Verfolgung verwundet wurde und von den treulosen Albanesen nach Scutari gebracht ward ? Bin ich nicht mit Lebensgefahr sofort in die Höhle des Löwen