Pfarrer : » Ich denke doch , ich schreibe den Hagelhans ein , ein schöner Name ist es freilich nicht für ein Kirchenbuch . Aber , Uli , die Sache ist so : Ihr habt es ihm gesagt , er hat es angenommen , und namentlich in solchen Dingen darf man nicht stürmen , da muß das einmal gegebene Wort gelten . Es ist leicht möglich , Hagelhans käme nicht darüber , aber würde er es vernehmen , denkt , was er glauben würde ! Für einen Preller müßte er Euch halten . Ich kenne den Mann nicht und habe wenig von ihm gehört , aber selten ist einer so böse , daß er nicht noch Gutes an sich hat , und wie Viele schlechter sind , als sie scheinen , so ist doch auch hier und da einer besser , als er scheint . Ich täte es an Euerm Platze . « » Nun , wie Ihr meint , Herr Pfarrer , so schreibet , aber zuwider ists mir und das Kind kann mich dauern . Wenn ein Vater oder eine Mutter im Zuchtbaus waren oder am Galgen starben , als das Kind noch in der Wiege war , so sagt man es dem Kinde auch nicht gerne , wer Vater oder Mutter gewesen sind ; so wird es mir mit dem Paten gehen , wenn das Kind nach ihm frägt . « » Wer weiß , « sagte der Pfarrer . » Manchmal geht es ganz anders , als man denkt . Die Mutter wird wohl ihre Gründe gehabt haben , als sie Euch sandte . « » Weiß es nicht . « sagte Uli . » Manchmal zwingen die Weiber was , nur um das Mannevolk zu plagen , und ich glaube schier , die Base habe es auch so gehabt und hat nur so aus Bosheit mich an den Vetter gehetzt , gegen den sie einen Zahn zu haben scheint , so wie er gegen sie . « » Man muß immer das Bessere glauben . Uli , « sagte der Pfarrer . » Vielleicht wollte sie eine Gelegenheit zur Versöhnung suchen . « » Ja , ja , man sollte , « sagte Uli , » aber man kann nicht immer . « Die Sache war also verrichtet , aber einen zufriedenen Bericht brachte Uli nicht heim und der Base gab er manchen Tag kein gut Wort , und nur hintenum durch Vreneli vernahm sie , wie es Uli ergingen . » Ihr hättet das Uli nicht anrichten sollen , « setzte Vreneli bei . » Warum nicht ? « antwortete die Base , » einen Paten mußtet ihr haben und gefressen hat er Uli nicht . Mich nahm aber wunder , mal wieder was von ihm zu vernehmen , dem Unflat . Er ist scheints immer der Gleiche ; schade ists um ihn , wäre der anders ausgefallen , aus dem wäre was geworden , einen Kaiser hätte er abgegeben wegen Befehlen und Regieren , aber dann hätte der liebe Gott den Leuten die Köpfe anders befestigen müssen , sonst wäre in Hanse Reich bald keiner mehr auf einem Halse gestanden . « Der Tauftag eines Kindes ist in all Wege immer ein sehr feierlicher Tag . Die Eltern heiligen ein Pfand der Gnade Gottes und drücken damit öffentlich das Bewußtsein aus , daß sie es von Gott empfangen und daß es einst aus ihrer Hand wieder werde gefordert werden ; sie drücken ihre Freude aus , denn wo gibt es auf Erden reinere und süßere Freuden , als aus einem Kinde erblühen können , aber zugleich auch die Überzeugung , daß wie Gottes Hand und Macht auf dem Acker walten müssen , wenn der Same gesegnet sein und zur reichen Ernte reifen soll , so auch seine Huld und Gnade über dem Kinde , wenn es zum Weinstocke erwachsen soll , von welchem die Eltern Trauben lesen können , und nicht zum Dornenstrauch , an welchem die Dornen wachsen , an welchem so gern elterliche Herzen verbluten . Der Täufling ward an diesem Tage zum kleinen Herzkäfer , den ganzen Tag ließ er keinen einzigen Schrei aus , bloß hier und da machte er ein kleines Dureli , wie man zu sagen pflegt , sonst allezeit das lieblichste Mieneli von der Welt , daß alle die größte Freude dran hatten . Ein bsonderbar Kind sei das , meinte die Bodenbäuerin , sie hätte noch keins so gesehen , es sei akkurat , als ob das mit Freundlichkeit gut machen solle , was Hagelhans mit Sauersehen sich versündige . » Mich nimmt nur wunder , was der für ein Gesicht machen würde , wenn das Kind ihm unter die Augen käme , ob er auch den Hund an ihns hin hetzen würde ? Was hat er geschickt zum Einbund und sonst ? « frug sie halblaut die Base . » Nichts , gar nichts « sagte die Base , » das macht mich eben so böse , er ist noch ein ärgerer Unflat , als ich dachte . « » Hans tat nie wie andere Leute , « sagte die Bodenbäuerin ; » je nun , man kann immer nachbessern , seinetwegen sollen sie nicht in Schaden kommen , und lieber ists mir , er sei nicht etwa selbst gekommen mit seinem Hunde , ich wäre den ganzen Tag in Angst gewesen , was für ein Zeichen er tun werde und hoffentlich muß ich ihn nie sehen , habe am Hören schon zu viel . « Der Bodenbauer war Uli sehr willkommen , er dürstete ordentlich nach dessen reifen Räten , die gar gediegen kamen aus dessen reicher Erfahrung . Vor allem aus sollte derselbe ihm sagen , ob er Korn verkaufen oder sein Geld einziehen solle ? Gegeben müsse der Zins werden , es ließe Joggeli nicht leben , wenn derselbe nur einige Tage ausstünde . Überdem glaube er , jetzt habe derselbe das Geld nötig . » Ich an deinem Platz täte das Korn verkaufen , « sagte der Bodenbauer , » solange du nicht reicher bist , darfst mit Spekulieren dich nicht befassen ; Spekulieren ist gar ein seltsam Ding , ungesühnt schlägt es einem das Bein unter ; das Geld hast du sicher , über das Korn kann dir gar allerlei gehen . Zudem , wer sagt dir , daß übers Jahr das Korn teurer ist und nicht wohlfeiler ? Dann mußt du doch in alle Wege verkaufen , denn für zwei Zinse reicht dein Vermögen kaum aus , was hast du dann gewonnen ? Verkaufe , was du mußt , hast übrig , so behalte es , betrachte es als Vorschlag und Sparbüchse , womit du dir aus , helfen kannst , wenn dir sonst was anderes fehlt . Es ist sehr gut , wenn man so nach und nach in einem Hause zu recht vielen Vorräten von allem , was das Land bringt , kömmt . Das macht sich so nach und nach , man weiß nicht wie , rechnet es nicht , aber wenn Zeiten kommen , wo man die Sachen braucht , oder Zeiten , wo man Geld nötig hat , so hat man einen Schatz im Hause , den man gesammelt , ohne es zu merken ; das ganze Haus ist gleichsam eine Schatzkammer , in allen Ecken findet man Schätze , und wenn man alles zusammenträgt , so hat man einen großen Reichtum , an den man kaum dachte . Dagegen , wenn man alle Jahre aufräumt , das Entbehrliche alles zu Gelde macht , so scheint kein Segen in den Sachen zu sein , man ist mit allem immer fertig , und wenn mal ein Fehljahr kömmt , so kann man dreifach wie , der ausgeben , was man einfach eingenommen , ist übel dabei in Not und Sorge . Ich hasse die Hudelwirtschaften , wo oben und unten nichts Vorrätiges ist , die Mäuse die Schwindsucht kriegen und elendiglich verkümmern . « Uli sagte nicht viel zu dieser Predigt , er dachte bloß , es sei gut , daß Vreneli sie nicht höre . Dem Vetter Johannes gefiel es sonst wohl in den Ställen , nur warf er einige seltsame Blicke durch die Gänge in den Ställen und ums Haus . Uli faßte diese Blicke beschämt auf und sagte : » Ja , wenn man nicht immer hinten und vornen ist , so machen sie auf und davon , und obs allenthalben aussieht wie in einem Schweinestall , dem fragen sie nichts nach , wenn nur der Tag umgeht und zu rechter Zeit das Essen auf dem Tische steht ; es ist ein Leiden mit dem Lumpenpack , man glaubt es nicht . « » Hast geändert auf Weihnacht ? « frug Johannes . » Getroffen , « antwortete Uli , » ich habe müssen , « und erzählte nun des Langen und Breiten , wie er es gemeint und wie er gerechnet . » Hast baß gemacht ? « frug Johannes . Uli gestund den Irrtum in seiner Rechnung nicht ein , sondern erzählte bloß , wie übel er es getroffen , wie an seinen Bürschchen nichts sei als Hochmut ; trügen die Nasen so hoch , als wollten sie die Sterne vom Himmel runterstüpfen , und was das Ärgste von allem sei , sie wollten sich gar nicht weisen lassen , meinten , sie verstünden alles , sie seien so viel als er der ja auch nur Knecht gewesen . So einer , dächten sie , wie er wohl merke , solle nicht kommen und sie kujonieren wollen , so einem stehe es übel an . Habe geglaubt , er könne auch was verdienen , daß er halbbatzige Bürschchen zu brauchbaren Knechten mache . » Das wäre wohl gut , « sagte Johannes , » aber du wolltest es nur zu gut machen . Für Plätze , wie du sie hast stelltest du die Bürschchen viel zu leicht an ; sie begreifen , wie es scheint , gar nicht , was sie versehen sollen , sondern bloß , daß sie Karrer und Melker sind . Wo einer nicht weiß , was er zu tun hat , sieht er alles Zurechtweisen als Kujonieren an . Nimm ein Mensch , welches sein Lebtag nur den Schweinen gekocht hat , und stelle es in eine Herrenküche als Köchin , so wird es Jahre gehen , ehe es begreift , daß ein Unterschied ist zwischen einem Schweinetrog und einem Herrentisch , und die Frage ist , ob es je dahin kömmt , menschlich zu kochen für die Herrschaft . Das Gleiche hast mit dem Handwerker . Am übelsten fährst immer mit denen , welche aus Lehrjungen sich eigenmächtig zu Meistern avancierten . So hast du es allenthalben . Mache aus einem gemeinen Schreiber oder Schreibersknecht einen Staatsrat oder einen Kreispräsidenten , so wird er sein Lebtag nie lernen , was er soll , nie die rechte Wurde kriegen , sondern nur Hochmut und eine Anmaßung vom Teufel . « » Ja , ja , « sagte Uli , » ich hatte nicht Glück , ein andermal hoffentlich geht es mir besser . « Wetter , dachte Johannes , ist der auch schon so avanciert , daß er seine Böcke nicht mehr für Böcke ansehen kann ? Übrigens hatten sie einen recht gemütlichen , heimeligen Tag . Sie hatten das Taufemahl daheim , besondere Gäste waren nicht geladen ; was auf die Zunge kam , handelte man traulich ab , wurde nicht alle Augenblicke gezwungen , die besten Faden im Gespräche abzureißen , weil Unberufene in die Stube stürmten . Gut und währschaft wartete Vreneli auf , daß selbst Vetter Joggeli sagte , eine Wirtin hätte es werden sollen , es verstünde es und dazu stehe es ihm noch wohl an , zwei Dinge , die nicht immer beisammen seien . Die Bodenbäurin erzählte viel von ihren Kindern , namentlich von der ältesten Tochter , welche am Heiraten war . Eine Mutter kann nie glücklicher sein , selbst an ihrem eigenen Hochzeittage nicht , als wenn sie ihrer Tochter die Hochzeitpredigt halten kann ; ohne Tränen geht sie nie ab , das reinste Glück preßt bei echt weiblichen Herzen immer Tränen aus den Augen . Wie am herrlichsten im Himmelstau die Blumen funkeln , so weibliche Augen in Tränen der Wonne . So eine rechte mütterliche Hochzeitpredigt hat unabänderlich drei Teile . Im ersten Teile laufen die Augen an , im zweiten trocknen sie wieder , im dritten laufen sie über . Es gibt aber auch selten schönere , herzlichere Predigten als die , welche quellen aus treuen Mutterherzen . Im ersten Teile erzählt die Mutter , wer ihre Tochter sei , was sie sei und was sie könne . Sie erzählt , wie sie einstehe in der Haushaltung , keine Magd wert sei , ihr die Schuhriemen aufzulösen , unverdrossen früh und spät , und wenn sie an etwas sinne , so sei es schon gemacht . Sie rühmt aber ganz besonders ihren Verstand , wie sie auf Frieden halte , das Klapperwerk hasse , den Vater nie böse mache , und wenn sie sehe , daß irgendwo was Ungerades sei , sie nicht ruhe , bis sie dasselbe ausgeebnet und gerade gemacht . Sie könne nichts weniger leiden , als wenn irgendwer im Hause , und sei es nur der Roßjunge , nicht zufrieden sei . Aber erst wenn jemand was fehle , erfahre man , was das für ein Kind sei . Von weitem sehe es einem an den Augen es an , wenn man nicht wohl sei , und plage einem da nicht mit Frägeln und Reden . Es wisse , was man nötig hätte , und bringe es einem ungesinnet und ungeheißen . Es sage bloß : » Mutter , jetzt laß mich machen , gehe und halte dich still , schlafen täte dir gut . Habe nicht etwa Kummer , daß was vergessen werde , du weißt ja , ich habe das schon oft gemacht . « Wenn sie dann nachsehe , so sei es so , sie wüßte nichts zu verbessern . Dem Vater mache sie es gerade so ; er sage oft , er hätte gemeint , nur an Buben könne man Freude haben , was ein rechtes Mädchen sein könne , das habe er nicht gewußt . Er müsse sagen , er tauschte das seine nicht an ein Dutzend Buben . » Es war aber auch berühmt , es sahen noch andere Leute , was mit ihm ist ; wenn es unser einzig Kind wäre und wir noch einmal so reich , es hätte nicht stärker um ihns gehen können und dazu von vornehmer Seite her , wo ich nicht daran hätte denken dürfen . Aber darauf hat es nicht gesehen , und wir ließen ihns machen , wir dachten , es hätte den Verstand selbst . Und Gottlob , als es ihm war , den möchte es jetzt und keinen Andern , da kam es und sagte , es möchte Vater und Mutter was sagen aber es dürfe fast nicht , der und der setze ihm stark nach und wolle nicht nachlassen , und es müsse es sagen , wenn es einmal einen möchte , so sei es diesen . Aber es wolle uns dieses zuerst sagen ; wenn wir im Geringsten etwas dawider hatten , so sollten wir es nur sagen , es sei nicht , daß es meine , das müsse sein , es wolle sich uns unterziehen . Es hat meinen Alten selbst gedünkt , es hätte keine Art , wie das Meitschi sich unterzog und alles in unsere Hand legte . Wenn sie alle so wären , es würde weniger Unglück geben , hat er gesagt . Was wollten wir dagegen sagen ? Es las aus , wir selbst könnten es nicht besser , und daß es bloß unseretwegen ledig bleiben solle , das meinen wir nicht , das wäre ja gottlos . Es ist ein Bursche von den bravsten und hübschesten einer , hat einen bezahlten Hof , versteht das Bauernwesen aus dem Fundament , ist selbst dabei früh und spät und selbst voran . Zu scheuen ist nichts in der Familie , weder leiblich noch geistlich , wir haben gute Nachfrage gehalten und lauter gut Lob gehört . Es sei eine berühmte Familie gewesen , solange man sich erinnern möge . Nur die Mutter lebt noch , bsunderbar eine brave Frau ; sie hat gesagt , sie möge die Stunde nicht er , warten , bis mein Meitschi ihr ins Haus komme , dann solle es Meisterfrau sein vom ersten Augenblick an . Sie habe genug regiert , danke Gott , wenn sie abgeben könne . Nein , besser hätte das Kind es nie machen können ! Aber wie es dann bei uns gehen soll , das weiß ich nicht , nein , ich weiß es nicht , darf nicht daran denken , wie übel es mir geht , niemanden es sagen . « Da nun geht das Überlaufen recht an , und doch ist der Schmerz ein süßer . Zweifacher Trost steht ihm zur Seite , das Bewußtsein , eine solche Tochter zu haben , und die Hoffnung auf ein jüngeres Mädchen , das zwar noch nicht Verstand hat an der ganzen Hand , was jenes am kleinen Finger , das aber einsehen werde , was jetzt an ihm sei , und so viel Gedanken , daß es der Schwester nicht ganz werde nachstehen wollen . » Aber « usw. ! Das war die Hochzeitpredigt , welche die Bodenbäurin aus der Fülle ihres Herzens hielt und welcher die Glunggenbäurin in rührender Andacht zuhörte . Sie konnte keine solche halten , die arme Frau . Sie wünschte Glück von ganzem Herzen , sagte aber auch aufrichtig , sie erfahre das Gegenteil . Wenn die Bodenbäurin ihre Tochter einmal sehen werde daherfahren mit ihrem Manne , werde sie absitzen müssen vor Freude , sehe sie aber Elisi und seinen Mann dahergefahren kommen , so müsse sie absitzen vor Kummer und Angst . Das Elisi könne sie aber doch erbarmen von ganzem Herzen , an allem sei es nicht schuld ; es sei ihnen zu wert gewesen von Jugend auf , und kränklich sei es auch gewesen , darum habe man es mit Arbeit verschont , dummerweise , sie hätten den Verstand nicht besser gehabt . Man habe ihnen gesagt , Elisi müsse gebildet werden mit Welsch und Brodieren , dann könne es eine vornehme , gebildete Frau werden und brauche nicht zu arbeiten , dazu sei es zu zart , und wer reich sei , solle eigentlich gut haben und Andere machen lassen um den Lohn . Es hätte ihr geschienen , etwas sei an der Sache . Wenn sie so oft des Abends mit müden Beinen abgesessen sei und fast nicht mehr habe aufstehen können vor Schmerzen , sei es ihr oft vorgekommen , es sei dumm , sich so zu mühen , wenn man das Geld hätte , jemand den Lohn zu geben , daß er es für einen mache . Da habe sie gedacht , man könne das mit Elisi so probieren ; wenn die Schulmeister und sonst die Gelehrtesten es so meinten , so werde es wohl auch so sein . » Wie dumm man ist , kann ich jetzt erfahren , und wie es einem geht , wenn man Gottes Wort nicht achtet und auf das Klügeln der Menschen hört . Es heißt : Sechs Tage sollst du arbeiten , und : Wer nicht arbeiten will , soll auch nicht essen , und da heißt es nicht von Reich und Arm , von Zart und Grob , es heißt : Du sollst . Und das wird wohl alle angehen , nenne man eine Elisi oder Lisi . Wenn eines nicht arbeiten kann , so ist es der ärmste Tropf von der Welt . Nicht von wegen dessen , weil niemand weiß , wie es ihm noch einmal gehen kann , daß Gott erbarm , sondern weil eines nicht befehlen kann , wenn es nicht weiß , wie etwas gemacht werden muß . Eine Frau ist der ärmste Tropf von der Welt , wenn sie nicht in jedem Augenblick die Magd vorstellen kann . Weiß sie nicht , wie man eine Sache macht , so hat keine Magd Respekt vor ihr , hält sie zum Besten . Sie ist nicht bloß am schlechtesten bedient , hat das ganze Jahr das Herz voll Verdruß und Gift , sondern sie muß sich auch verschreien lassen in der ganzen Welt als die böseste Hexe , welche je dem Teufel von dem Karren gefallen . Ach Gott , das erfahre ich an Elisi . Ich mag ihm Mägde herbeischaffen , so viele ich will , es plagen ihns alle , es verschreien ihns alle ; es klagt und jammert oft darüber , hat schrecklich böse dabei , und ich weiß in Gottes Namen nicht zu helfen . Wenn ich schon sehe , wo der Fehler ist , so kann ich doch nichts daran machen , so wenig als bei Johannes Frau , die auch ein Narr ist vom Kopf bis zu den Zehn . Die wäre grob genug zur Arbeit , aber man hat sie auch nichts gelernt als den Narren zu machen , daß Gott erbarm ! « So ergoß sich die Glunggenbäurin , und daß auch ihre Augen nicht trocken blieben , versteht sich . Aber weder neidisch auf die Bodenbäurin noch unglücklich war sie dabei . Wer hat nicht schon erfahren , wie durch eine flotte Herzensergießung in gemütlicher Traulichkeit der Geist sich erleichtert und aufheitert wie nach strömendem Regen der Himmel ? Die Zeit schwand wie den Seligen die Ewigkeit , unbemerkt , und dunkel wards , ehe jemand daran gedacht . Entschieden weigerten sich der Bodenbauer und seine Frau , über Nacht zu bleiben . Es sei ihnen nicht wohl an einem andern Orte , sagten sie , über Nacht . Solange sie verheiratet seien , seien sie nie Beide mit einander außerhalb dem Hause über Nacht gewesen und Eins ohne das Andere nicht oft . Man wisse nie , was es geben könne . Dieses Gefühl , welches heimzieht an allen Haaren , dem Manne Kraft gibt , daß er jeder Überredung unzugänglich wird , an allen Wirtshäusern vorüberwandelt , die Müdigkeit der Glieder überwindet und heimkehrt , wenn auch erst nach Mitternacht , ist ein eigentümliches , es ist ein Kind der Treue , welche auf dem einmal erkornen Posten stehen will in der Nacht , die niemandes Freund ist . Solche in trauter Gemütlichkeit verbrachte Tage , wo Sterblichen die Zeit verrann wie Seligen die Ewigkeit , glänzen durchs Leben wie ein goldenes Gestirn am hohen Himmelsbogen , weite Räume erhellen sie , und einmal erlebt , werden sie nicht wieder vergessen . Solche Tage sind manchmal eingestreut ins Leben wie am Himmel die Sterne , manchmal gleichen sie der klaren Morgensonne , welche einen hellen Tag bringt , manchmal der Abendsonne , nach welcher die Nacht kömmt und nach der Nacht stürmische Tage . Diesmal war dieser Tag wirklich der Abendsonne ähnlich , welcher erst die Nacht , dann wilde , trübe Zeiten folgen . Siebentes Kapitel Eine Überraschung , aber keine angenehme Am folgenden Morgen wollte Vreneli eben die Base rufen , dieweil es im Hinterstübchen noch einige Schinkenschnittchen und eine Flasche Wein zweggestellt hatte , um den Nachdurst zu löschen und den blöden Magen zu verbessern , wie es sagte , als ein schlecht Fuhrwerk um das Haus gefahren kam , aber noch viel blöder , als irgend ein Magen nach einem Kindtauftag sein kann . Vreneli hatte gute Augen . » Herr Jeses , Herr Jeses ! « sagte es . » Was ist , was ist ? « frug die Base , » es wird doch nicht etwa eine Bettelfuhre sein ? « » Nein , Base , nein , « sagte Vreneli , sich fassend , » ich weiß nicht , wo ich meine Augen gehabt ; es ist ja ds Elisi , es wird zu Besuch kommen wollen . « » So ungesinnet , du mein Gott , was hat es wohl gegeben ? « jammerte die Base . Unterdessen war das Pferd blöde herangeschritten , und drinnen saß wirklich Elisi , so mager und grüngrau wie ein vorjähriger Rosmarinstengel , hatte ein eingewickelt Päcklein auf dem Schoße , und im Päcklein quakte was , man wußte nicht , wars ein Laubfrosch oder sonst eine lebendige Kreatur . » Da nehmt , und da bin ich . « sagte Elisi und reichte das Paket hinaus , in welchem es gar heiser und jämmerlich quakte . » Jetzt müßt Ihr mich behalten , Ihr mögt wollen oder nicht , ich bin hier daheim . « Vreneli half ausladen , mußte dem Fuhrmann einen Platz für das Roß im Stalle zeigen , da das Mannsvolk im Walde war , hörte also die reichlichen Ausrufungen der Base nicht . Die gute Alte ward inne , daß das quiekende Paket aus einem Kindlein bestand , welches fest eingewickelt war in ein Umschlagetuch , und ließ es aus Schreck fast fallen . » Du bist doch immer das schrecklichste Babeli auf dem ganzen Erdboden , « sagte sie zu Elisi , » ein Kind so einzumachen ; ein Wunder ists , daß es nicht dreimal erstickt und siebenmal erfroren ist . Nein aber , das arme Tröpflein ! Es ist nichts gräßlicher , als wenn ein Mensch keinen Verstand hat und dazu noch eine Mutter vorstellen soll . « » Daß ich eine bin , daran seid gerade Ihr allein schuld , « sagte Elisi , » warum geht Ihr und erzwingts , daß ich den Hudelbub heiraten muß ? Ledig wäre es mir noch lange lange wohl gewesen . « » Was ? « sagte die Alte , » ich soll an deiner Heirat schuld sein und dir wäre es noch lange wohl gewesen ledig ? Jawohl , daß Gott erbarm , und wie ! Gerade wie dem armen Würmli da , Gott verzeih mir meine Sünde ! Aber was bringt dich Böses ? Denn nach dem Guten darf ich dich nicht fragen . « Da begann Elisi ein schreckliches Geheul , wie es ihm jetzt ergehe , weil man es gezwungen habe , den verfluchten Möff zu heiraten . Es habe gedacht , die müßten doch auch was davon haben , welche an all dem schuld seien . Wüst sich sagen lassen den ganzen Tag , Hund sein sollen und nichts fressen , obendrein noch Schläge , diese Lebweise habe es satt , es könne sie seinethalben jemand anderes auch probieren . Da kam Vreneli mit Schinkenschnittchen , Backwerk , Wein , mit allem , was im Hinterstübchen für die Base aufgehoben gewesen . Es habe gedacht , es könne vielleicht was helfen und Elisi werde hungrig und durstig sein , sagte Vreneli in allem guten Meinen und dachte , wie es da was Gescheutes mache . Aber kurios , im Verkehr mit dummen Leuten wird gerade das Gescheuteste zum Verkehrtesten , mit Minus ist halt gerade das umgekehrte Rechnen als mit Plus . Wie Elisi Wein und Schinken sah , fing es ein ganz mörderlich Geschrei an , akkurat als ob Vreneli Elisis eignen Schinken da präsentiere , wohlgeräuchert auf einem Teller . Man begriff lange an dem Geheule nichts , bis man endlich aus einigen artikulierten Tönen entnehmen konnte , daß es Elisi das Herz zerriß , wie man auf der Glungge ein Leben führe , seit es fort sei . Während es Hunger leide , kaum hartes Kuhfleisch habe und schlechte Kartoffeln samt Wasser , wenn es möge , habe man hier schon des Morgens Schinken und Wein wie die vornehmsten Engländer . Aber vor Gott sei es nicht recht und sie würden es einst zu verantworten haben , daß man die eigenen Kinder ins Elend stoße und mit Fremden und Lumpenleuten die Sache verfresse und versaufe ! Jetzt sehe es , wie man es mit ihm meine und immer gemeint habe . Man sagte ihm , gestern sei Taufe gewesen und was da stehe , sei übrig geblieben . Aber mache jemand einem zornigen Weibsbild was begreiflich ! Zudem tat das Kindlein erbärmlich , daß es der Großmutter himmelangst wurde und sie und Vreneli ihm ihre Hauptsorge zuwenden mußten . Sie ließen also das Elisi heulen und suchten das Kind zu beschwichtigen . Umsonst heult selbst ein Elisi nicht gerne ; sobald es also sah , daß man seiner sich nicht mehr achte , setzte es ab mit Heulen und sich hinter Schinken und Wein und sagte , es wolle zugreifen , wenn es schon niemand heiße , es wolle nehmen , während noch was da sei , es merke wohl , wie das gehen solle , die Leute werden halt nie aussterben , welche Andere um ihre Sache brächten oder eheliche Kinder aus dem Neste stießen . Man ließ es reden und essen , beides brachte es nach und nach zu sich selbst und auf den rechten Grund seines Herkommens . Gestern spät am Abend war der Mann heimgekommen , fand kein Licht im Hause , nichts Warmes für sich , da tat er wie ein Menschenfresser und prügelte Elisi . Am Morgen wollte er frühstücken , da war weder Holz noch Kaffee da , alles sollte erst zusammengeholt werden , hierher , dorther ; da ward das Untier wieder zornig und prügelte Elisi wieder ab , und zwar mit der Elle . » Soll ich für alles sorgen ? Soll ich an alles denken ? Soll mir alles in den Sinn kommen ? Der Unteufel , der er ist ! Für was ist er da ? Für was hat man eine Magd ? Und wenn man nicht wüßte , daß er kein Geld hätte , so würde man uns solche Sachen ins Haus senden , man brauchte nicht lange darnach zu laufen