sein . Nur aus der Burg konnte Jemand dieses Weges kommen , und die Pforte schloß sich hinter ihm . Aber die Gestalt hastete wie er . Hans Jürgen ' s Herz schlug fühlbar . Er murmelte ein Gebet von den guten Geistern , die ihren Herrn und Meister loben . Da war sie verschwunden . Nun hatte er den Elsenbruch erreicht und athmete leichter . Er streifte die verwachsenen Zweige , aber hinter ihm rauschte es auch in den Zweigen . Die Aves und Paternoster , die er zwischen den Zähnen murmelte , blieben ohne Wirkung ; es rauschte immer deutlicher und immer lauter schlug sein Herz . Wenn schon auf dem ersten Viertel Weges die Unholden ihn angingen , wie sollten sie es auf dem langen , langen Wege treiben ! - Die Elsen lagen hinter ihm , die Palten im Moor wurden fester , in Sätzen sprang er auf dem letzten Moorwege den hohen Kiefern und dem leuchtenden Sande zu , auf dem sich ihre riesigen Leiber erhoben und mit ihren Kronen nickten ! Es war ihm , als müsse die Macht der Unheimlichen in einem Walde geringer sein als in Bruch und Moor . Ein Walde , der seine Häupter gen Himmel streckt , sieht ja wie ein Tempel aus , den die Natur Gott erbaute . Schon hat er trockenen Boden unter sich , der Sand wich unter seinen Füßen , ohne ihn aufzuhalten ; schon hatte er die ersten Kieferstämme hinter sich , als er , Athem schöpfend , sich umblickte . Da war auch die Erscheinung . Der hagere schwarze Schatten trat aus den Elsen , und mit langen mächtigen Schritten näherte er sich dem Sandhügel . Hans Jürgen schlug ein Kreuz ; doch der Schatten ward länger , und plötzlich hörte er seinen Namen rufen . Neuntes Kapitel . Es ritten drei Reiter . Die drei Reiter hatten , als es Mitternacht schlug , längst die Sumpfwiesen umritten und trabten inmitten des Waldes , wo der Boden , von tausend Kieferwurzeln durchflochten , so fest war , daß der Hufschlag durch die Stille der Nacht widertönte . Als der Glockenschlag verhallte , hielt der Herr von Lindenberg plötzlich still und zog tief Athem . Er schien , als sie ihn fragten , noch von etwas Unerwartetem betroffen und strich mit der Hand über die Stirn . » Saht Ihr gar nichts ? « sprach er mit gedämpfter Stimme . Hans Jochem wollte nur einen Lichtstreifen gesehen haben , der vielleicht von einer Birke herrührte , die ihre Aeste geschüttelt . » Das war es nicht . « Peter Melchior aber sagte mit leiser Stimme : » Es ist nicht gut , daß wir davon sprechen . Nachher , wenn ' s tagt . « Der Ritter schüttelte den Kopf : » So wär es also wieder nichts als Augentäuschung . Und doch so deutlich wie zuvor noch nicht . Die Sporen schlugen mir an die Stirn . Saht Ihr nicht wie ich mich zurückbog ? « Die Beiden sahen nur eine absterbende Buche , deren trockener Ast , auch vom Winde geschüttelt , das Haupt des Ritters schwerlich erreichen konnte . Es war eben in dem Augenblick ganz still in der Luft . » Anderswo reit ich , « sprach der von Lindenberg , » um Mitternacht wie um Mittag durch Haide und Wald . « » Der Strich hier ist nicht geheuer , das ist schon richtig , « entgegnete Peter Melchior , » drum reite ich nimmer bei Nachtzeit als die Arme auf der Brust gekreuzt . Seht so . Auch sind wir zu Dreien , da scheut sich das Gesindel vor der heiligen Zahl . Es sind , daß ich ' s sage , die vermaledeiten Weiber , das Hexengezücht . Die schießen , wehen , reiten , purzeln in den Weg . Da ist gar keine Gestalt , die sie nicht annehmen ; bald schießen sie als ein dürrer Baum , bald als Schlange , Wurzel , als Fledermaus . Jetzt baumelt so eine am Ast wie ein Galgenmann , und wenn Ihr scharf drauf schaut , ist ' s ne Raupe an einem Faden . Und greift Ihr zu , habt Ihr ' nen Dorn in der Hand , und laßt Ihr ihn fallen , schlüpft ' s als Eidechs fort . Ihr seid nirgend sicher an solchem Ort und zu solcher Stunde , daß es Euch nicht rechts und links einen Schlag versetzt . « Im nämlichen Augenblick klatschte es zur Rechten des Junkers auf die Weichen seines Pferdes , daß es sich bäumte und im gestreckten Galopp mit seinem Reiter auf und davon flog . Hätte auch Hans Jochem seine Lust gezügelt und nicht aufgeprustet , wie er that , würde es der Ritter doch gemerkt haben , daß er es war , der dem Pferde mit der Gerte einen Schlag versetzt . » Ihr thatet Unrecht , Junker , « sprach er ernst , doch nicht zornig . » Man muß des Teufels nie spotten . « » Ei gnädiger Herr , ich spottete nur Peter Melchiors . Er redet gar zu klug , wenn er auf die Hexen kommt . Wenn man ihn nicht manches Mal kitzeln könnte , wär ' s wirklich nicht auszuhalten mit ihm . « » Habt Ihr selbst immer Furcht ? « » Wofür ? « » Der beherzteste Bursch hat auch seine schwache Stunde - ich meine im Walde , wie wir hier . « » Ich weiß , wo er zu End ist . « » Bei Nacht ? « » Morgen scheint die Sonne . « » Wirklich ! Manchem herzhaften Manne ist ' s doch bisweilen in der Nacht zu Muthe , als zweifle er , ob er den Morgen noch sehen werde . « Hans Jochem lachte : » Wie sollte das zugehen ! « Der Ritter schaute ihn noch ernsthafter an : » Nun er macht oft nur Uebel ärger . Bekenn es Euch offen , mich drückt das Etwas , das ich mir nicht erkläre , wie ein Alp . « Der Junge sah verwundert auf den Aelteren : » Herr von Lindenberg , vorhin - « » War ich weinmüthig , ' s war ein aufsteigender Kitzel . Die feuchte Nachtluft bringt andere Gedanken . Wer es weit bringen will , muß den Kitzel bekämpfen . Das lernt sich am Hofe . « » Wir sind ja nicht am Hofe . « » Aber Weisungen , klug zu sein , giebt uns die Natur , wo wir hinschauen . Der Fuchs baut sein Schloß mit vielen Ausgängen , das Roß wittert Blut und Mord , der Hund riecht den Wolf und schlägt an , wo des Menschen Sinn noch nichts gemerkt hat . Dafür ist etwas in der Luft , was dem Menschen die Dinge anzeigt , die da kommen mögen . Habt Ihr nimmer Ahnungen gehabt ? « » Die wollt ' ich nach Haus weisen ! « lachte Hans Jochem . » Aber der Teufel hat Muth auf Erden , zumal wenn wir , was sie sündige Wege heißen , gehen . « » Der Teufel ist ein dummer Teufel , Herr von Lindenberg . Nippel Bredow war mein Urältervater . Das Messer saß ihm schon an der Kehle . Von seinem Blut ist was in mir . Drum scheer ' ich mich den Teufel um den Teufel . Und wenn der Gottseibeiuns mir ein Bein bricht , reit ich mit dem andern auf Eure Fährte . « » Es wird vorübergehen , « sprach der Ritter , » wenn wir nur erst aus dem Wald ' naus sind . Dort kommt ja Peter Melchior . « » Wißt Ihr was , gnädiger Herr , « flüsterte Hans Jochem , » wenn ' s erlaubt ist zu sagen . Einer taugt nicht zum Spaß . Wenn ' s losgeht , zehn gehen eins , kriegt er Bauchreißen ; und das Maul kann er auch nicht halten . « » Die Klette sitzt einmal am Mantel . « » Ueberlaßt das mir ; will ' s versuchen , sie loszuhaspeln . Wenn wir zwei Beide , Herr , allein ritten , das gäbe mehr Muth . Mit Gespenstern , da mögen drei gut sein , aber wo zwei sind , und Einer sich auf den Andern verlassen kann , das ist besser . « Peter Melchior kam zurückgeritten , als der Waldweg sich schon lichtete . Die Nacht bedeckte mildthätig sein blasses Gesicht : » Seid Ihr ' s ? « rief er noch dreißig Schritt entfernt . Lindenberg bemerkte die Lust seines muthwilligen Gefährten , den Junker wieder zu erschrecken . Er bat ihn , davon abzulassen , der Weg sei noch lang , Peter Melchior ihnen vielleicht doch noch von Nutzen . Aber Hans Jochem konnte doch nicht ganz dem Triebe widerstehen . » Seid Ihr ' s , Junker Peter Melchior von Krauchwitz ? « antwortete er in ängstlichem Tone . » Und allein ? « » Wie sollt ich nicht allein sein ! Ihr ließt mich ja im Stich . « » Schüttelt Euch , oder dreht Euch um , ehe Ihr uns nahe kommt . « » Saht Ihr ' s ? Mich riß mein Pferd fort , daß mir die Sinne vergingen . Konnte mich kaum auf dem Sattel halten . « » Nicht gesehen hätten wir ' s , Herr von Lindenberg ! « rief wie erstaunt der kecke Bursch . » Es klammert sich ja um Euren Nacken wie der Luchs um das Hirschkalb . Ihre Kleider bauschten auf , und dick ward sie von hinten wie ein Mondkalb mit ' nem Jungen , daß uns schon bang ward , die Hex ' hätt ' Euch mit sammt Sporen , Wams und Stiefeln verschluckt ! Denn von Euch sahen wir doch auch gar nichts . Wir haben sieben Paternoster für Eure Seele gebetet . - Wenn Ihr ' s nur wirklich seid , und kein Gesichte ! « » Beruhigt Euch , Herr von Krauchwitz , « sprach der Ritter . » Unser junger Freund sieht zuweilen die Dinge mit eigenen Augen an . « » Wenn er einen Spaß treiben will , dann ist ' s nicht der rechte Ort , « sagte Melchior verdrießlich . » Nicht Jeder sieht den Stein , über den er fallen wird . Wir sind hier am Lieper Eck , wo ich immer sagte , daß es nicht geheuer ist . Sie Alle wollten ' s besser wissen . Der Tag hat ' s bewiesen und nun ist ' s Nacht . Dort kommt die Brücke , seht Euch vor , wenn Ihr hinüber reitet . « Sie hatten sich dem freien Platze genähert , der vor wenigen Stunden noch der Tummelplatz so vieler Munterkeit gewesen . Jetzt herrschte eine Todtenstille ; der Wind hatte sich gelegt , es rauschte nur noch in den Kiefernwipfeln und flüsterte in den Büschen . Nur vereinzelte Krähen , aufgescheucht durch den Stahlklang der Reiter , flatterten von ihren Aesten und schauten neugierig herab , wer sie in ihrem Schlaf gestört . Nur die Unken sangen unbekümmert und ununterbrochen ihr melancholisches Lied . Der Anführer des kleinen Trupps schien seine vorigen Sorgen und Bedenklichkeiten abgeschüttelt zu haben . Er hielt vor der Brücke , die aus rauhen Birkenstämmen grob gezimmert war , still , schaute sich mit der Besonnenheit eines erfahrenen Mannes um , der vor einer wichtigen Unternehmung Erde , Luft und Wind prüfen will . » Dies wäre also der Ort , wo Ihr den Krämer zuletzt saht . Nun gilt ' s die Fährte zu verfolgen . Hier sind Kreuzwege . Wenn er gesagt , daß er nach Brandenburg wollte , brauchen wir es nicht blind hinzunehmen . Auch möglich , daß er die Brücke verschmäht hat und durch eine Fuhrt übers Wasser ging . Es ist also nötgig , den Boden zuvor zu prüfen . Wer von uns steigt vom Pferde ? « Es verstand sich , daß der Ritter Lindenberg durch die Frage sich selbst ausschloß . Auch war Hans Jochem schnell vom Roß , derweil der Junker auf dem seinen in mäßigem Trabe einen Kreislauf versuchte . » Was ist das ? « rief der Ritter , als Peter Melchior grad auf etwas zusprengte , das jenem im ungewissen Sternenschimmer verdächtig vorgekommen war , ohne daß er erkennen mochte , was es sei . » Ein Strick ! « rief Peter Melchior . » Ein Strick zum Hängen und zum Knebeln , je nachdem . « » Ihr seid sehr aufgeräumt , Herr von Krauchwitz . « » Nur der Strick , Herr von Lindenberg , thut ' s. Auf solchem Ritt muß man Alles mitnehmen . Die Nacht schenkt uns , was uns Noth thut und wir doch vergaßen . « » So hinter Euch auf ' s Pferd damit , und lacht nicht so abscheulich . « Die Fährte war gefunden ; sie ging über die Brücke , verlor sich aber drüben bald wieder im Haidekraut , so daß die Reiter zunächst ihre ganze Aufmerksamkeit der Spur widmen mußten . Die Geisterstunde war darüber verstrichen . Mit der Erwartung schien auch die Lebenskraft der Genossen wieder erwacht . Bei einem Köhler hatten sie die letzte Nachricht eingezogen , die es ihnen unzweifelhaft machte , in welcher Richtung der Krämer weiter gefahren . Sie mußten ihn nach Verlauf einer Stunde auf dem Wege treffen , welcher sich längs einem der weit einbuchtenden Havelseen nach der Fähre hinzog , mittels der man auf der Straße von Brandenburg nach Potsdam übersetzt . » Der Ort ist gut , « sagte Lindenberg . » Der Schwieloch hat steile Waldufer und viele Krümmungen . Was hilft dem Schurken seine Pfiffigkeit , daß er den einsamsten Bergweg suchte ! « » Hinter ' m Berge wohnen auch Leute , « fiel Peter Melchior ein . » Die da wohnen , werden ihn nicht hören , Lieber . Der alte Ferge , der Baumgarten , ist immer taub in der Nacht , wenn man ihn ruft . Doch denk ich , wir treffen ihn schon früher . Der Sand steht . Noch Bedenken ? « » Die Stunde ist schon gut . « » Und was denn nicht ? « » Der Ort auch , ja und nein . Die flache Haide aber wäre mir lieber . In einem schmalen Wege zwischen See und Berg kann er uns nicht entwischen - « » Und wir auch nicht , « fiel lachend Hans Jochem ein , » wenn Leute kämen . Wohin sollte Peter Melchior Reißaus nehmen ! Mit den Rossen kann man nicht die Berge ' nauf . Wir müßten grad in den See . Schwimmt Euers ? Und der Kerl ist ein Hexenmeister , das ist auch gewiß . « Der Spott hat seine Wirkung verfehlt . Peter Melchior schwenkte den Strick : » Wißt Ihr , warum der leer ist ? Der Schuft hat Raffen gespielt . Meines Herren Götze Lederbüchsen mitgenommen . Hans Jürgen ist in April geschickt . Nun sag mir noch Einer , daß wir nicht mit Rechten ausgeritten . Wär ' der Dechant hier , säh er doch gleich den Fingerzeig Gottes , warum wir dem Kerl den Kopf waschen müssen . Blitz Mordio ! Sieben Tage weniger einen auf der Wäsche , damit der Lump gestohlene Hosen rein anzieht . Ein Dieb ! hängt ihn ! « » Zum Teufel ! Laßt den Strick , « rief ärgerlich der Lindenberger , » und erzählt lieber , wie es mit den Elennshosen ist , von denen ich so viel gehört und doch nicht weiß , was es eigentlich soll . « » Das weiß eigentlich Keiner so recht , « sagte Peter Melchior , da sie wieder still neben einander ritten . » Als ich noch ein Bub ' war , sah ich schon den Großvater von Götzen , der ritt darin zur Freite . Nun sie haben wohl schon ehedem was darauf gehalten . Der Vater hat sie immer dem Sohn vermacht . Kurzum die Hosen wurden immer älter , und da sie nicht rissen , betrachtete sie Einer nach dem Andern immer mehr als was Absonderliches . Das nur ist gewiß , der Lippold Bredow , der Landeshauptmann war unter den Luxemburgern , ward drum von den Magdeburgern gefangen . « » Der Erzbischof fing ihn wohl um andere Dinge und hielt ihn in gar nicht ritterlicher Haft . « » So steht ' s in den Chroniken . Laßt Euch ' s aber erzählen von Bredows , die wissen ' s anders . Der Lippold war ein Mann , der sich nicht vor dem Teufel fürchtete , so wenig als sein Ahn , der Nippel . Als es nun zu der Fehde kam mit dem Magdeburger , dran Havelland und Zauche noch denken , sagt ihm seine Frau , eine Bodenstein : Lippold , zieh die Lederhosen an . Es kam noch kein Bredow zu Schaden , wenn er das Leder an hatte . Lippold aber sagte : Weib , daß ich eine Memme wär , so ich mein Heil von so geringfügigem Ding erwartete . Von unserer guten Sache und meinem Muth erwarte ich Sieg , und von meinem Harnisch , den der beste Meister in Straßburg gefertigt , daß mein Leib heil bleibt , so anders Gott es will . Das andere ist eitel Gerede . Sein Weib hatte gut reden : Lippold thu ' s doch , wenn ' s auch nicht hilft , kann ' s doch nicht schaden . Er war aber , was sie einen Freigeist nennen , und sagte : Man soll auch dem Teufel nicht Fußangeln legen . Mein Vetter Dietrich mag ' s probiren , so er Lust hat . Anfangs dachte Keiner daran , weil sich die Fehde gut anließ . Lippold aber ward im Moor gefangen von wegen der schweren Rüstung , wie alle Welt weiß , der Dietrich aber kam davon und hatte noch einen langen Erxleben gefangen , der ihm ein schweres Lösegeld zahlen mußte . Da raunte man sich ' s zu , wie es zugegangen war . Dietrich war auch sonst glücklich im Leben , er war unter den Vordersten am Kremmer Damm und eroberte die Fahne des Hohenlohe ; nachher schloß er zu guter Zeit mit dem Markgrafen Frieden . Aber die Hosen behielt er weg . Es war wohl die Rede , als Lippold aus seiner langen Haft endlich loskam , daß Dietrich ihm das Leder wiedergeben wollte , weil er ' s nur leihweise besessen , wie er sagte , aber Lippold wollte es nicht haben : Da sei Gott vor , daß ich mein Heil sollte abhängig machen von einem Stück Thierhaut , das der Gerber gegerbt und der Schneider geschneidert hat . Ich trau auf mich selbst , und wie ' s der Herr über mich fügt . - Ob die wirklich wieder einmal nach Friesack kamen , weiß ich nicht . Nachmalen ward viel darüber verhandelt unter den Vettern , doch sie sprechen nicht gern davon . Die Frisacker thun , als wären ' s gar nicht die echten , was die Hohenziatzer haben . Der Sohn vom großen Lippold , der hätte sie noch getragen in der Mecklenburger Fehde , und als er fiel , sei er mit ihnen eingesargt . In Hohen-Ziatz , wie Ihr Euch denken mögt , darf man davon nichts merken lassen . Die sagen , Lippolds Sohn hätte sie wohl angehabt , bei Gransee , aber Walter , der Hohenziatzer , hätte sie ihm nur geliehen , und noch auf dem Schlachtfelde zog er sie wieder aus , weil er vermeint , alles sei vorbei ; da gerade traf ihn der Pfeil aus dem Busch . Walter aber trug sie wieder beim Leichenschmaus . Und warum trügen denn die Frisacker jetzt die Tuchhosen , als aus Aerger . Das giebt , wie gesagt , vielerlei Gereibe und Gestichle unter der Sippschaft ; sie lassen ' s nur nicht gern merken vor Dritten . « » Und man merkt auch wirklich nicht , daß die von Hohen-Ziatz bei dem Erbstück sonderlich gedeihen , « sagte der Ritter . » Hört nur den alten Götz darüber . Wo einem ein Ritt gut gelang , eine Fehde gut ausschlug , eine Heirath zu Stande kam , eine Ernte gesegnet war , immer stak ' s in den Hosen . Nur die Frauen hätten ' s ihnen angethan , weil sie nicht den rechten Glauben hätten , nämlich mit der Wäsche . Was ist Reinlichkeit ? sagt mein Vetter Götz . Das ist , daß die Weiber was der Herr gemacht und werden ließ , anders machen wollen . Das Alte beliebt Gott , das Neue beliebt den Frauenzimmern . « » Ich glaube , Götze Bredow hat nicht so ganz Unrecht « , brummte der Ritter Lindenberg . » Es thut das viele Waschen nirgend - Still ! - Schlug da nicht ein Hund an ? « Die Reiter hielten . Sie waren in einem Laubwald , welcher seine letzten gelben Blätter im Winde schüttelte , der kalt und feucht über die Havelseen ihnen entgegen blies . Der Morgenfrost fing an , ihre Glieder zu schütteln , nachdem die Wärme , welche der Wein hervorgebracht , durch den langen Nachtritt verraucht war . Dazu begann es zu dämmern , oder vielleicht war es nur die mehre Helle , welche durch die Lichtung des Waldes aus den fernen Wasserspiegeln zurückstrahlte , die unheimliche Stunde war ' s , wo der verspätete Reisende sich in den Mantel hüllt und die Augen schließt , wenn er in der unerquicklichen Dämmerung aufwacht . Auch die drei Reiter überlief es kalt , aber solchen Empfindungen Raum zu geben , war nicht an ihnen . Der Ritter von Lindenberg war , ohne ein Wort zu sprechen , vom Sattel und lag platt auf der Erde , das Ohr daran gedrückt . Er winkte Hans Jochem : » Reitet auf die Höh ' , Hans , rechts um den Tümpel . Von dort habt Ihr freien Blick auf See und Straße . ' S ist jetzt still , doch hörte ich vorhin deutlich Räderknarren . Möglich , daß er anhält . Auf demselben Wege dann zurück . Hundert Schritte macht nichts aus . « Hans Jochem war fort wie der Wind und der Ritter aufgesprungen . Leis rief er nach Peter Melchior , der nicht antwortete , sondern an einem Baume stehend nur etwas lautere Töne zwischen den Zähnen vorließ , um dem Ritter zu verstehen zu geben , daß er bete . » Himmel , tausend Sakerment ! « schrie Lindenberg ingrimmig . » Ist dazu Zeit ? « » Bin gleich fertig ; ist nur ' ne alte Gewohnheit , « murmelte Peter Melchior . » Wenn man sich auf ihn verlassen soll ! « knirschte der Ritter . » Hans Jochem hatte Recht . Was taugt der zu uns ! « Den Zügel seines Pferdes um einen Baumast werfend , verfolgte er langsam den Weg , den Boden ab und zu mit der Hand prüfend . Jetzt hatte er das Geleise der beiden Karrenräder deutlich im Lehmboden gefunden : » Er kann nicht eine Viertelstunde von uns sein . « Der Ritter kehrte um , er schob sich das Panzerhemd zurecht und drückte die Haube tiefer in die Stirn . Bei sich dachte er : » Im Grund genommen wäre Einer am besten . Wer die Arbeit theilt , theilt nur den Lohn . Die Gefahr bleibt auf Jedem , wie der Sack auf dem Esel . « Beim Anblick Peter Melchiors aber schlug er ein höhnisches Gelächter auf . Die zunehmende Helle erlaubte ihm zu sehen , was dieser eben vornahm . » Pestilenz ! Muhme Krauchwitz , was thust Du ? « Der Junker brachte seine schwarzen Hände von seinem noch schwärzeren Gesicht : » Vorsicht ist immer gut . « » Hast Du die Kohle von Ziatz mitgebracht ? « » Langte sie mir beim Köhler auf . Gott läßt nichts umsonst wachsen . « » Und Du nichts umsonst am Wege liegen . Zum Teufel mit der Kohle und dem Rosenkranz ! Auf ' s Pferd , ich höre ihn . Und , Herr von Krauchwitz , das sage ich Euch , wenn ' s losgeht und ich nur ein Paternoster hinter mir höre , so soll das Kreuz Donnerwetter drein schlagen , drei tausend mal ! Wenn Edelleute am Wege liegen , das ist gleich schlecht , so ihnen die Zähne klappern oder die Finger . « Hans Jochem hatte sich auf Umwegen bis auf die bezeichnete Höhe geschlichen . Sein Gesicht glänzte vor Freude bei dem Anblick . Unten am rauchenden See hielt ein vollbepackter Karren . Die scharfen Linien schnitten gegen die Spiegelfläche des Wassers ab . Da er vom Pferd aus nichts sehen konnte , weil der Karren unterhalb des Berges von dessen ziemlich scharfer Kante verdeckt wurde , glitt er vom Sattel und aus dem Steigbügel ; er streichelte sein Roß , das es stille stehe , dann auf den Bauch sich legend , kroch er bis an den äußersten Rand . Die Brust über die Wurzeln eines vertrockneten Baumes , schaute er hinab . Im Bleigrau des Morgens ohne Sonne und Morgenroth , lagen der weite tiefe See , die hohen Ufer , die Kiefernwälder , die bewaldeten Thonberge drüben . Noch regte sich nichts in der Todtenstille des erquicklichen Herbstmorgens . Nur ein einzelner Habicht , der auf dem Baum genistet , erhob sich , geweckt durch seine Ankunft , und kreiste über ihm . Aber unter sich sah er - den Karren , den er so wohl kannte , die Gäule und den Krämer . So weit sein Auge spähte , so sehr sein Ohr sich anstrengte , keine Menschengestalt , kein Fußtritt , für das Opfer kein Beistand . Nur der Hund auf dem Wagen schüttelte sich , als Hedderich abgesprungen war . Den Krämer fror , er rieb die Hände und krümmte sich , mit etwas beschäftigt , was der Junker im Dämmerlicht nicht deutlich sehen konnte . Hans Jochem pulste es auf der kalten Erde wie ein Feuerstrom durch die Adern . Er allein , wenn er jetzt hinabkletterte , sprang , schoß , er konnte den Schuft , ehe er sich ' s versah , werfen , binden , er allein machte die Sache fertig , wozu Drei sich verschworen . Mochten sie dann nachher kommen und brummen , was that es ! Sie konnten ihren Antheil fordern , den gönnte er ihnen . Ihm blieb die Ehre . Es brannte und prickelte ihn . » Meinethalben mögen sie selbst wählen . « Er lachte bei der Vorstellung , wie Peter Melchior den Kopf stecken werde in die Packen und mit zitternden Fingern das Beste bei Seite werfen , wie er mit neidischen Blicken verfolgen werde , was auf die Part der Anderen fiel ; wie dem Ritter Lindenberg die Zornader auf der Stirn schwoll . Ja mochten sie Alles behalten ! Wie könnte er sie dann anschauen , wie sich wieder auf ' s Pferd schwingen , wie nachlässig im Sattel sitzend , zu ihnen sich umschauend und die Hand vor ' m Mund , sprechen : » Seid ihr bald fertig , ich bin müd . « Oder : » Theilt nur wie es Euch gefällt , ich will nach Haus . « Und zu Haus dann , er wollte auch nichts für sich behalten , alles verschenken und das Beste seiner Muhme Eva . Da würde sie doch mal ein freundliches Gesicht machen , und wie ihn ansehen ! Und wenn nicht - Er strich über die Lippen , wo künftig der Bart wachsen sollte . » Dann giebt ' s auch noch schönere Mädchen , als Eva Bredow . Der Waschteufel ist auch in ihr , wie in ihrer Mutter ! « dachte er . » Pfui , die rothen Hände lieb ich nicht . « Der Ritter wollte ihn nach Berlin nehmen . » Das sind ganz andere Fräulein da auf den Banketten , weiß , und die gelben langen Locken , die meisten tragen auch Handschuhe . « Er erschrak fast , wenn er sich Eva dachte mit den rothen Händen , wie sie von der Wäsche kamen . Und die Schuhe trugen sie auch nicht mit so dicken Sohlen . Wie flog die Bertha Wedel im Tanze und die Mathilde Burgsdorf , und wie gafften Alle die Adelheid Marwitz an , als der junge Kurfürst , der so selten tanzte , sie aufforderte . Wenn er mit Eva da wäre , die würde der Kurfürst nicht aufgefordert haben . - Wenn er mit seiner Braut da wäre , das dachte Hans Jochem , die müßten Alle ansehen und ihn darum neiden . Das ist ja der Spaß am Hofe . Ueber den angenehmen Gedanken hätte er im Augenblick fast alle anderen Gedanken vergessen . Aber der Ritter Lindenberg , wie würde er es aufnehmen , wenn er ihm den Spaß verdürbe ! Der mächtige , vornehme , Herr würde es ihm nicht vergessen . Ei was schadete es ! - Junker Hans Jochem , wie schwoll dein Muth ! Den Ritter von Lindenberg zum geheimen Feinde , und mit ihm wolltest du es aufnehmen ! Er führt dich nicht bei Hofe ein . Dachtest du , wie du dich selbst einführen wolltest ? Der Hund unten witterte Menschennähe . Er streckte den Hals , er bellte , langsam , spürend . » Still , Luder ! « rief der Krämer . Der Hund gehorchte nur ungern . Sein verhaltenes Geheul dauerte fort , und der Krämer hastete sich . So waren ja die Augenblicke kostbar , der nächste schon konnte ihn verrathen , wenn sein