Käthi wieder zu Atem kam und wie sie mit den ersten freien Atemzügen zu erzählen begann , wie manches Schwein sie daheim hätten und wie viel sie jährlich nur mit dem Schweinmästen gewönnen . Aber die Mutter verstehe das bsunderbar ; sie gebe aber ihren Mastschweinen im Winter mehr Nidlen als ganze Milch . Aber mit dem Gspünnst machten sie noch viel mehr . Sie pflanzten alle Jahre grusam viel , und alle Jahre gerate es ihnen bsunderbar wohl , und dann hätten sie Fleiß mit Spinnen und schon zWeihnacht alle Stangen voll . Der Baucher habe schon manchmal gesagt , er treffe in keinem Hause so vieles und so schönes Garn an . Und wenn die Mutter schon tuchen lasse , daß es einem übel gruse , sie hätte den halben Spycher und alle Trög voll Tuch , so könne doch die Mutter von Weihnacht bis Ostern alle Wochen mit großen Burdenen Garn zMärit gehen . Für ein jedes Kind hätte sie schon lange den Drossel zweg ; da seien Anzüge und Fassene und flächsiges Tuch für Hemder und reistenes zu Tischlachen und Lylachen , man könne weit laufen , ehe man solches sähe . Schon manchmal , wenn sie Dorf bekommen und die Mutter die Leute in den Spycher geführt hätte , so hätten sie die Händ über dem Kopf zusammengeschlagen vor Verwunderung und hätten gesagt , so viel Sachen und so schöne hätten sie noch nie beieinander gesehen . Wo das sei , werde auch noch anderes sein , da möchten sie einist helfen teilen . Der Vater hätte aber auch schon manchmal gesagt , es sei Mancher , er meine , er sei ein Bauer , aber er gstiengs nicht aus , nur was jährlich die Mutter an Weber- und Bleicherlohn ausgebe . Es käme ihm wohl , seien die Zinse gegeben . Es käme ihm wohl , wüßte er aus dem Stall zu losen mehr als ein Anderer , da mög es wohl etwas erleiden . » Aber das ist noch alles nichts « , fuhr Käthi fort ; » aber es hat mir manchmal übel gruset , was jährlich der Müller dem Vater für Geld geben muß , ich glaube , mängs hundert Kronen . Aber er sagt auch allemal , so gutes Korn wie unseres finde er nirgends ; es sei allemal wenigstens eine halbe Krone mehr wert als den andern Bauren im Dörfli ihres . Aber wir haben auch Ackere dafür , viel Jucharten aneinander , ich weiß nur nicht wieviel , und alles eben wie ein Teller und so schöner , schwarzer , murber Herd , man kann nicht genug luege , und die Leute haben schon manchmal gesagt , sellig Ackere treff man nirgends an ds Land uf und ab , man möge hinkommen , wohin man wolle . « Es sei kein schöneres Luegen als so einer ihrer Ackern voll Korn , wenns so schön graduf stang und dick wie eine Bürste und alle Halmen gleich lang , wie wenn man sie mit der Schere abgehauen hätte . Es stünden allbets alle Leute dabei still und sagten , sie wüßten doch nicht , wie es der Vater auch mache ; aber solches Korn sehe man nirgends , und es dunk eim , er müsse es vorauswissen , ob es einen frühen Winter gebe oder nicht , ob er dicker oder dünner säen müsse ; er treffe es allemal und hätte alle Jahre immer gleich schönes Korn , immer ebenrecht dick , und ihm falle es nie , nume hie und da öppe es Hämpfeli am ene Port . So schwatzte Käthi in einem fort , während der Schweiß ihr von der Stirne rann und es einem dünkte , der Mund sollte ihr zusammenkleben und nicht mehr voneinander wollen . Et , was dergleichen muß wahrscheinlich auch gewesen sein , denn als man zu einem Wirtshause kam , sagte Käthi : Wenn es dSäuleni könnte in einen Stall lassen und ihnen etwas zu saufen darhalten , so glaube es , es täte ihnen wohl . Unterdessen könnte es Uli eine Halbe zahlen , weil er ihm so behülflich gewesen ; es glaube nicht , daß es sie allein heimgebracht hätte . Uli sagte , es sei ihm recht , eine zu haben , wenn es sich nicht schäme , ume so mit einem Knecht im Wirtshause zu trinken ; er hätte aber auch Geld , um eine zu zahlen . Käthi sagte , er solle nicht Gspäß haben ; es sei schon mit manchem Baurensohn im Wirtshause gewesen , der minder vorgestellt als er . Der Vater hätte ihn auch schon manchmal gerühmt und gesagt : Er wollte , er hätte einen Knecht , wie er sei , und er wüßte manchen Baurensohn , er wäre ihm als Tochtermann minder anständig als Bodenbauren Uli , wenn der schon nur ein Knecht sei . Der Stall fand sich und eine Halbe auch . Es waren nicht viel Leute im Wirtshaus . Zwischen drei und vier Uhr findet man nicht auf dem Heimwege , wer am Ordinäri sitzt oder tanzen will . Die gehen heim , welche mit einem halben Schoppen vorlieb nehmen , Anken , Garn verkauft haben oder sonst etwas , Ziegen , Schafe , Schweine gekauft die sogenannten Mannleni und die Hausmutteni , die sich nicht gerne lange säumen und doch noch etwas möchten , ehe sie heim ans dünne Kaffee müssen . Derlei Leute saßen einige in der Gaststube , hatten ihre halben Schöpplein vor sich , ihre Körbchen oder Märtsäcklein neben sich und verhandelten den Märit und was dies oder jenes gegolten , und wenn man es nur gewußt hätte , wie es ginge , so hätte man etwas anderes auf den Markt gebracht , das bsüchiger gewesen als der Anken , den man gehabt . Es sei gar grusam viel gewesen , es heig eim fry dunkt , die Ankekörbleni wachsen us dm Bode use und dLüt hätten aus Brunnwasser Anken gemacht . Käthi rühmte , wie sie es getroffen . Sie hätten der Gattig gehabt , aber die Mutter hätte es gesagt : Heute solle man nicht mit Anken kommen ; die Leute , welche einen Kreuzer Geld mangeln , werden alle heute Anken verkaufen wollen . Es düechs , sagte es zu Uli , es möcht etwas essen , der Wein mache ihm Hunger ; ob sie neuis wollen heißen cho ? Es sei ihm gleich , sagte Uli . Er könnte es machen , aber er wolle mithalten . Käthi rief den Wirt und fragte , was sie hätten . Der Wirt sagte : Wenn sie noch ein Brösmeli Geduld hätten , so könnten sie Bratis haben und Würste und von einem Hammli ; aber es sei noch alles über ; sie hätten nicht geglaubt , daß die Leute heute so früh kämen . Dem Käthi war es recht , zu warten , von wegen den Säulene , sagte es ; es kuhle dann derweilen . Da werden sie noch eine Halbe haben müssen ; sie hätten so enangerena trunke und nicht daran gedacht , daß sie noch etwas essen wollten . Endlich war aufgegessen und ausgetrunken und Käthi rief : » Wirt , was sy mr schuldig ? « » Kann man euch nicht noch mit etwas aufwarten ? « sagte er , » öppe no mit emene Schöppli ? « Als er das Nein vernahm , sagte er : » He nu so de , su isch es zäme sechszeche Batze . « Sie fuhren Beide in die Säcke , und Käthi sagte dem Uli , er solle nicht Geld fürezieh , es wolle zahlen . Uli sagte , das wäre ihm gspässig ; er sei auch froh gewesen , etwas zu nehmen . Uli zog eine Handvoll Münze hervor und Käthi nur sechs Kreuzer oder drei Batzen , dazu dann drei oder vier Neutaler . Es müsse wechseln lassen , sagte Käthi , aber seine Neutaler reuten es schier , man bekäme immer so schlechte Münze in den Wirtshäusern . Es hätte einen ganzen Bieter voll Münze bei sich gehabt , aber dem Vater davon geben müssen , als er die Säuleni gezahlt habe , sein Geld habe ihn gereut . » Weißt was , Uli , « sagte Käthi , » zahl du auch für mich ; ich will es dir wieder geben , sobald wir heim sind . Ich habe zu Hause noch mehr Geld als das da , es hat noch Manche nicht so viel als ich ; es wär mänge Bur froh , er könnte mit mir tauschen . Die Mutter sagt immer , es sei nicht manche Baurentochter ds Land auf und ds Land ab , die sövli Bietersackgeld habe wie ich . Aber ich bekomme Trinkgelder alle , mal , wenn wir Schweine verkaufen , auf das mindest immer fünf Batzen von einem . Und wenn etwas zu vertragen ist , kömmt es an mich . Die Metzg ins Pfarrhaus trage ich auch , aber dort hats böset . Die vorige Pfarrere hat fünf Batzen gegeben , wenn eine Hamme dabeigewesen ist ; die gibt nur dreieinhalb Batzen auf ds Vielst . Alle Jahre habe ich einen eigenen Flachsplätz , wo ich schon manchmal fünfundzwanzig Pfund gemacht habe . Aber die Mutter sagt , es sei nichts als billig , daß ich für mich pflanzen könne ; es gäbte ds Land auf und ab nicht Manche , die sich zum Spinnen hielte wie ich , und sie wolle ausbieten , es seien im ganzen Kanton nicht ein Dotzend , die mit mir machen konnten , welches besser . Dann ist auch der Vater gar gut gegen mir ; wenn ihm Geld eingeht und ich bin umeweg , so tut er es nie ins Bureau , bis er mir ein oder zwei Neutaler gegeben , ja ich weiß schon , ich habe eine ganze Dublone bekommen . Aber dr Vater hat schon manchmal gesagt , das sei nichts als billig . Wenn er einen Knecht bekommen sollte , der mir die Stange hielte und den er brauchen konnte wie mich in alle Spiel , er müßte ihm vierzig bis fünfzig Kronen Lohn geben , und dann könnte er ihn im Winter doch nicht zum Spinnen brauchen wie mich . Er hat schon manchmal gesagt , er hätte noch kein Meitschi gesehen , das mähen könne wie ich . Wo er jung gewesen sei , so hätte er mich müesse förchte , und doch hätte ihn nie einer mögen . Aber ds Wetzen verstehe ich aus dem ff ; es haut mir durch Schärhüfe und durch den Wurmherd wie gschisse , und ich fahre noch lange zu , wenn die Andern schon lange nichts mehr machen können . Aber sie haben mir auch schon manchmal alle ihre Segessen zu wetzen gegeben und haben gesagt , es nehme sie nur wunder , wie ich es mache ; so hauig hätten sie noch niemand wetzen sehen , und doch meine man , ich nehme die Segesse bloß i dFinger , so nüt z ' tue gebs mr . Da bin ich am Morgen immer zuerst zweg , und wenn abends die Knechte schon lange im Nest sind , so fichten ih noch in der Küche und wasche ab oder helfe der Mutter zMorgen rüsten . Sie hat schon manchmal gesagt , es nehme sie nur wunder , wie ich es ausstehen möge . Aber gschau mini Arme , Uli , und Beine habe ich noch dickere , da ist öppis drinne . Voriges Jahr habe ich zweitausend Korngarben , so schwer , wie wir sie machen , wo wir von einer immer fünf Immi dröschen , in einem halben Tag allein hinaufgegeben ; es ist dem gschmuecht worden , wo sie hat abnehmen müssen . Die Leute haben von allem Wunder brichtet und gesagt , das sei noch nie erlebt worden , daß ein Meitschi zweitausend sellig Garben in einem halben Tag allein hinaufgegeben habe , und ich bin doch gar nicht müde gewesen . Unser Melker hat gesagt , jetz werde ich doch afe gstabelig sein . Und da habe ich ihm gesagt , ich wolle ihm es zeigen , wenn er wolle ; und da habe ich ihn dreimal auf den Rücken geschlagen , gäb er mich einist . Da hat er gesagt , es sei im ganze Bernbiet keine Küherstochter , die mich möchte , und es werde nicht mancher Küherssohn sein . Aber wie hat er afe ein Gesicht gemacht , wo ich ihm einist habe helfen melken und immer geng zwei Kühe gmolchen habe , gäb er eine wohl . Da hat er gesagt : Es sei verflucht schad , wenn ich nicht eine Kühersfrau gebe . Es könnte einer denken , er wäre glücklich , wenn er mich bekämte ; der wüßte dann , daß er eine Frau hätte , und der könnte ausbieten : Im Bernbiet und im Länderbiet gäbt es kei selligi . Aber da hat unser Ätti gesagt , und ds Augewasser ist ihm gekommen , uf my armi wien e Husbrunne , er begehre nicht , daß einer käme , und wenn ihm einer die beste Kuh im Stall wegnähmte , es ginge ihm nicht so übel , als wenn ich ihm fortkämte , und es müß nichts mehr zu machen sein , sonst lasse er mich nicht . Und darauf ist er ins Stübli gegangen und ist mit einer ganzen Handvoll Neutaler herausgekommen und hat mir sie gegeben und hat gesagt : Eine ganze Scheube voll reuten ihn nicht für mich , wenn es sein müßte . Und im Aargau habe ich vier reiche Basen , und wenn es z ' machen ist , so erben wir sie alle ; und die kommen nie zDorf , daß sie mir nicht Kittlen und Fürtücher mitbringen von den schönsten , wo es gibt , und wenn sie fortgehen , so drückt mir eine jedere noch Silber in die Hand , so viel sie hämpfelen kann . Die sagen aber allemal , erst wenn sie mich sähen , werde es ihnen recht leid , daß sie keinen Sohn hätten , wie der afe glücklich mit mir sein könnte . Im ganzen Aargau seie Keine , die mir nur von weitem die Zechen längte . Sie hätten es schon manchmal drunten gesagt , und es nähme sie wunder , daß nicht ganze Haufen aus dem Aargau gekommen seien , die mich hätten haben wollen , denn da wäre ich doch andere Rustig als ihre bauelige Meitscheni , wo man könne abenangereluege . Aber das seien gar ynbildisch Leut da unten ; die meinten , es gäbe nirgend etwas Gutes als in ihrem Ärgäu , wo dr Wy eim dZäng abfreß und dRüebe eim dr Buuch verderbe und verkälte , daß längs Stück nüt as Ischzäpfe von eim gingen . « Der Vater hätte schon manch , mal gesagt , wenn es wollte bei ihm bleiben und die Basen gestorben seien und sie dieselben geerbt hatten , so wollte er ihm einen Stock bauen lassen , wie in der ganzen Stadt Bern keiner sei , und Land zum Pflanzen müßte es genug haben . Da könnte es sich lassen wohl sein , besser als manche Herrenfrau . Es wisse es noch nicht , sagte Käthi , wie es es machen wolle . Ja , ein schöner Stock sei schön , und so gut haben sein Leben lang sei auch schön . Aber es wisse es nicht ; so ein werchbar Mensch , wie es sei , fürchte es , es hätte nur Längizyti . Was es doch anfangen wollte so alleine ? Es düechs immer , wenn so einer käme , der ihm anständig wäre , es wollte noch lieber mannen . Es hätte schon Manchen haben können ; aber einen jedern nehme es nicht , es wolle dann nadisch auslesen , es könns , und wenn ihm Keiner anständig sei , so hätte es sonst zu essen , und dann sei es noch früh genug mit dem Stock . Es sehe nicht auf den Reichtum , es hätte schon Solche haben können , die zahlte Heimet gehabt hätten und große , aber dPerson habe ihm nicht gefallen . Es wolle e Hübsche und e Freine , auf das Geld brauche es nicht zu sehen , es bekäme für ihns und noch einen genug . Es düechs , wenn es so einen bekäme , es wollte sich nicht lange besinnen , und die Eltern hätte es nicht zu scheuen , bsungerbar wenn der öppe bei ihnen bliebe . Wenn einer käme , öppe e rechte Bursch , der ihm anständig wär , und sagte , er wolle Käthi ne öppe la , solang sis manglete , und wenn man ihn öppis schätzte , so wolle er auch kommen , so glaubte es , sie würden ihm mängs tusig , mal lieber Ja sagen als dem Reichsten , wenn der ihns fortnehmen wollte . Sie haßten die Diensten afe gar , denen seis nicht zu breichen . Wunderselten treffe man einen an , der öppe zufrieden sei mit dem , wie man es selbsten habe , und sie hätten es nadisch bei ihnen gut ; aber sie meinten , man solle die Erdöpfel selbst fressen und ihnen eiertätschlen . Ja , wenn sie alle wären wie er , sagte Käthi , so wollte sie nichts sagen , aber Solche treffe man unter Hunderten nicht einen mehr an . » Es nimmt mich my armi nur wunder , daß du immer dienen magst ; so einer wie du , e sellige tolle Bursch un e huslige , der scho öppis i de Fingere hät , der kann öppe öppis anfangen , wenn er will , und wenn ihm das nicht pressiert , so kann er eine Frau bekommen , wo er zu essen hat , wenn er schon nicht Knecht ist . Es wäre Manche froh , wenn sie so einen genommen hätte statt so einen reichen Gytgnäpper , der ihr nichts gönnt und ihr alle Tag vorhält , wie reich er sei . « Die Mutter hätte manchmal gesagt , gäb sie ihre Tochter so einem geben wollte , wollte sie sie lieber dem ersten Besten ab der Gasse geben . So einen aber möchte es notti nit , sagte Käthi , aber es wolle nicht sagen , daß es sich lange besinnen würde , wenn ein rechter Bursch käme ; mi syg notti da für z ' hürate , und mi heyg viel Byspiel , daß die , wo am eigeligsten gewesen und am wunderlichsten im Auslesen , die unglücklichsten Hüng geworden von der Welt . Und wenn es einen hätte , so wollte es sy armi eine manierligte Frau sein , und ds Fresse müßte einer haben so gut als es selber . Da sei es doch nicht von denen eins , die öppis Apartigs fressen und dem Mann nichts davon geben möchten . Das düechs wüests ; es düechs , wenn man alles gemein hätte , so sollte man das Fressen auch gemein haben , es hätte es ja Eins vom Andern zu genießen . Käthi brichtete , Uli konnte nicht mit einem Hämmerlein dazwischen , und so kamen sie bis zu ihrem Scheideweg . Da dankte Käthi dem Uli gar schön und sagte , es hätte die Tüfels Tiere nicht heimgebracht ohne ihn . » Dankeigist dafür ; und dann bin ich dir noch acht Batzen schuldig , und ich bin nicht gerne etwas schuldig , man könnte es vergessen , und das hätte ich ungern . Komm kurzum und hole es , hörst , sonst hab ichs ungern . Oder weißt was , « sagte Käthi , schon zehn Schritte weiter mit seinen Schweinchen , » chums hinecht cho yzieh ! « » Ists dr Ärst ? « rief Uli zurück . » Ja , my armi türi « , antwortete Käthi . Ganz wunderlich ging es dem guten Uli im Kopf herum . Käthi war eine Person , wie man sagt , von den töllsten eine , hatte eine Postur wie eine Fluh , einen Gring wie ein Mäß , Arme wie ein Ankenkübli und Beine , wie es selbst gesagt , noch dickere . Käthi war eine Baurentochter , der Vater hatte ein großes Wesen ; Käthi hatte Bietersackgeld , mehr wie mancher Bauer Geld ; die vier Basen im Aargau waren auch nicht zu verachten , und Käthi war nicht spröde , und Käthi nahm vielleicht Uli , er glaubte das aus dessen Worten abnehmen zu können . Ein glücklicher Bursch war , wer Käthi erhielt , so ein werchbar Mensch ! Das alles machte Uli sturm , daß er fast den Weg nicht getroffen hätte . Als Uli vom Stolpern sich aufschnellte , sah er das Haus des Meisters in der Nähe . Da vergaß er Käthi und dachte an die Dublone , die er heute verdient hatte . Es fiel ihm ein , die werde den Meister reuen , und ob es eigentlich nicht besser wäre , er verheimlichte sie ihm und redete nur von zwei oder vier Franken . Kein bekannter Mensch war beim Kauf gewesen und ein fremder Händler der Käufer . Er ersparte auf diese Weise dem Meister Ärger und behielt nichts für sich , als was ihm von Gott und Rechts wegen zugehörte , was er in eigentlichem Sinne verdient hatte . Aber wußte der Meister , wie Kauf und Lauf ginge ; sollte er seine Gutmeinenheit , daß er ihm das Verkaufen anvertraut , also mißbrauchen , Denn wenn der Meister nicht gut gegen ihn gewesen , so wäre er selbst gegangen , und als einem alten Fuchs , den die Vorgumper ( so nennt man die Treibauf der Küh- und Roßhändler ) nicht täuschen , wäre auch ihm der Profit nicht entgangen . Das arbeitete in ihm , die Wage stieg auf und ab , und es war noch nichts entschieden , als er zum Hause kam und am Stüblifenster ihm der Meister klopfte und ihn hineinkommen hieß . Er kam und trat mit einer Art Respekt in dieses Heiligtum , in dieses Kämmerlein , das Allerheiligste des Hauses . Das Allerheiligste in der großen Welt ist ein Salon . Nach diesem fragen die Herrn und Damen , wenn sie ein Haus mieten wollen , messen , wie hoch er sei , ob ein Leuchter darin Platz habe , wie breit er sei und wie manchen Spieltisch man placieren könne , und sehen sich an den Wänden um , ob Glanzfarbe daran sei oder geschmackvolle Tapeten ; aber nach einem Stübli fragen sie nicht . Und haben sie einen Salon gefunden , so gehen sie glücklich heim , machen ein glücklich Gesicht und raten ab , ob man die alten Meublen noch brauchen könne oder neue mangle . Und Beide machen ein glücklich Gesicht , solange Beide einer Meinung sind , und sobald in diese irgend ein Unterschied trittet , so ziehen die Gesichter sich schief , das Unglück trittet in alle Züge , die Frau kriegt Krämpfe , der Mann Taubsucht , Eins fällt hier aus , das Andere läuft dort aus . Da können sie den Salon nicht mehr brauchen , und Stübli haben sie keins , höchstens einen Alkoven . Kein Stübli , wo sie mit treuem Sinn und halblauter Stimme die gemeinsamen Angelegenheiten beraten , Keines zu einem hohen oder lauten Ton sich hinreißen läßt , Keines anders als einig mit dem Andern das Stübli verläßt , das Stübli , der Ehe Heiligtum , wo Leiden und Freuden , Hoffen und Kümmern , Meinen und Glauben treuherzig geteilt , treuherzig aufgenommen und treuherzig verarbeitet , getragen werden . Ja , wenn ihnen ein Stübli Bedürfnis würde und sie nach einem Stübli fragen würden statt nach einem Salon , es wurde manche Ehe wieder eine Ehe , die jetzt nichts anders ist als ein Salonstück , bestehend aus einem Mann und einer Frau in einem Salon , Beide nach Möglichkeit aufgeputzt , wenigstens die Frau geschnürt und mit einem Schnepf versehen , aber jedenfalls Beide mit langweiligen Gesichtern und mit unflätigen Mauggern , bis das Kammermeitli die erste Person anmeldet . Dann strengt man sich zu graziösen Gesichtern an , macht glückliche Augen und rudert wie in einem Meer von Wonne dem Sofa zu . Es ist aber nur Salonwonne ! Kein Kammermeitli , weder ein weltsches noch eins vom Buchholterberg , meldete den Uli an , sondern er trat alleine ein , aber doch mit einer Art von Respekt ; denn in demselben war er noch nie gewesen , als wenn ihm der Meister die Kuttlen gewaschen oder den Lohn gegeben . Darum trat er diesmal ein wie in einen geheimnisvollen Hain , in dem einem Dinge begegnen konnten , die noch kein sterbliches Auge gesehen . Drinnen saßen der Meister und die Frau Meisterin bei einem Kaffee , und der Meister frug den Uli nach seiner Verrichtung : Er werde den Scheck verkauft haben , daß er ihn nicht heimgebracht ? Die Frau Meisterin aber stund auf , ob auf einen Wink oder eigenmächtig , war nicht bemerkbar , holte ein Kacheli , schenkte es voll , stellte es zweg und sagte : » So hock ab , nimm das und hau dr selber Brot ab , du sottst durstig sy ? Es macht heiß ! « Nachdem Uli gesagt hatte , das hätte sich nicht gemangelt , hockete er doch ab und begann zu brichten , wie es ihm ergangen , und von Anfang bis ans Ende war alles lautere Wahrheit ; alles , was er gesagt , gedacht , getan , erfuhren der Meister und die Frau Meisterin , es wäre ihm unmöglich gewesen , hier im Stübli ein unwahres Wort aus dem Mund zu bringen . Zuletzt zählte er das Geld auf und alles bei Batzen und Kreuzer , was er gelöst , und schob es dem Meister dar . Der Meister lachte , und die Meisterin sagte : Er hätte es ihnen recht gemacht , aber sie hätte nicht geglaubt , daß er sövli merkig wäre . Sie aßen und tranken , und als der Meister fertig war , nahm er seine Dublonen und schob die eine dem Uli hin mit der Bemerkung , daß er diese nicht wolle , die gehöre ja ihm laut Abrede . Uli sagte : Ja , wenn es ein Zwänzger ( kein östreichischer ) wäre , so möchte es angehen , allein eine Duble , das sei zu viel , die nehme er nicht . Das wäre gspässig , sagte der Meister , wenn Uli nicht an seinen Profit gedacht hätte , er wäre vielleicht auch nicht so merkig gewesen . Er hätte sie verdient , und er sollte sie auch nehmen . Uli weigerte sich und meinte : Er sage nicht , daß er gar nichts wolle , aber er solle ihm öppen geben , was ihn billig düeche , aber eine Duble sei zu viel . Der Meister sagte : Er hätte es schon gehört , sie wollten nicht weiter chären . » Aber los , « sagte die Meisterin , die wie die meisten Frauen nicht gerne grundsätzlich verfuhr , besonders wenn eine ganze Dublone auf dem Spiele stund ( eine Dublone in Kreuzern hätte sie an so viel Personen , als Kreuzer waren , unbedenklich ausgeteilt ) , » los , wenn der Uli vernünftig sein will , so tue nicht ungattlich ; es düecht mich , wenn ihr halbieren würdet , so hätte Keiner sich zu klagen . Seh da , nimm , Uli , zwei Neutaler ; und du , Johannes , tue das Geld weg , es könnte sonst noch jemand dazukommen , und den könnte es lächern ob eurem Branzen , und ihr kämet noch in die Brattig . « Uli sagte : » Dankeiget de , aber es ist noch zviel ! « Im Hinausgehen dachte er nichts , aber es regte sich doch ein Gefühl in ihm , das ihm sagte , die Sache sei nicht ganz nobel zugegangen . Indessen was wollte er anders , er mußte sich darein schicken . Der Meister aber strich sein Geld ein , tat es weg , ohne daß er etwas sagte , weder mit einer Miene noch mit einem Worte . Nachdem die Tagesgeschäfte vorbei und abgegessen war , sagte Johannes zu seiner Frau , er müsse noch hinaus . Uli hätte noch die Sonntagshosen anbehalten ; es nehme ihn wunder , ob der noch fortwolle , etwa zu Hubechbure Käthi , da wolle er doch auch noch ein Wort dazu sagen . Draußen traf er allerdings den Uli an , verdächtig in den Sonntagshosen und der Gelegenheit abpassend , wo er am unbemerktesten sich vom Hause wegstehlen konnte . Der Meister trat zu Uli und gab ihm zwei Neutaler . » Da nimm noch , was dir gehört . Hast du geglaubt , ich wolle dir das vorenthalten , was von Rechts wegen dein ist ? Da bist du am Unrechten . « Uli wollte wieder Komplimente machen und sagte : Aber es sei doch nicht billig ; er hätte es auch gelöst , wenn er selbst gegangen wäre , und sechszehn Pfund sei doch ein zu großer Taglohn für ein Knechtlein . » Hast du es gehört ? « sagte dar , auf der Meister , » geredet ist geredet , und wenn es zehn Dublonen wären ; was einer versprochen hat , das muß er halten , und ich bin zufrieden . Aber wegen meiner Alten habe ich da nicht wollen zanken , man muß den Weibern etwa einmal recht geben ; man kann dann immer noch machen , wie man will oder wie es recht ist . Die Weiber haben in solchen Sachen nicht immer den rechten Verstand , wenn sie schon das beste Herz haben . « Uli nahm endlich den Rest der Dublone , und hoch vor Freuden