unsere Gehörsnerven , überzeugt halten - Leonce habe uns aufs Anmuthigste unterhalten . « » Scherzen Sie nur , liebe Lücile , « entgegnete Leonce , » Sie werden hier an Ihrem Zöglinge Wunder erleben - mir sagt diese uralte Ausstattung gerade vollkommen zu , und ich fühle mich , seit wir hier sind , in vollständig guter Lanne ! Ich habe Ihnen immer gesagt , daß ich um ein Jahrhundert zu spät gekommen bin , jetzt wäre ich also an der rechten Stelle . « » Aber wir , mein Herr , « rief Margot - » wir gehören vollständig zu der bordirten , gepufften , bequasteten Perückenzeit von weiland Louis le Grand , und immer also bleiben wir um ein Jahrhundert auseinander , und während Ihr Eure Jugend feiert , wandeln wir vor Euren klugen Augen , wie die Ahnungen der Zukunft , und Ihr werdet fliehen vor unsern Erscheinungen , um nicht zu früh alt zu werden . « » Du hast Recht , « sagte Lücile , » es ist eine neue Kriegslist von Leonce , sich uns zu entziehen , aber sie soll ihm zu nichts helfen . Morgen am Tage lasse ich meine Koffer öffnen , und vor diesem alten Bilde soll Susanne meine Roben und Ballkleider verschneiden , um uns in Costüme zu setzen , dieser Mauern würdig , und unserm langweiligen Vetter Leonce zum Trotze . « » Sie werden in jeder Gestalt reizend sein , meine Damen , « sagte Leonce lächelnd ; » aber gestehen Sie , dies Gemälde ist kein übles Vorbild zu Ihren Toiletten-Vorsätzen , denn es ist in Wahrheit eine Schönheit , zu der Lücile die blonden Locken , Margot die dunkeln Augen geschenkt zu haben scheint . « - » Sie haben Recht , Leonce , das Bild ist schön ! Ich bin eine große Kennerin , müssen Sie gestehen , auf den ersten Blick traf ich das schönste von allen , denn die übrigen gehörten wohl nicht zu den Favoritinnen des Malers . « - Der Marquis d ' Anville war aus dem Nebenzimmer zu ihnen getreten ; er hielt sie hier zurück , um , wie sie hofften , im Nebenzimmer einige ansprechende Anordnungen zu machen . » Dies ist das sogenannte Hofdamen-Zimmer , « erklärte er nun , » und dies die Portraits der damals berühmtesten Damen . - Katharina von Medicis versammelte stets die schönsten Fräuleins um sich , und diese steifen Bänke , die an den Wänden herumlaufend , Eure Laune zu reizen , mögen oft mit gar schöner Staffage belebt gewesen sein . « » Wir wollen uns ergeben , Margot ! d ' Anville tritt auf Leonces Seite « - sagte Lücile , » der Geist ihrer Ahnherren erfaßt mit respektuösen Wallungen ihre Brust , sie wünschen die hier verbliebenen Schatten derselben in guter Laune zu erhalten ; wir wollen daher auch unsererseits dem frivolen Hofstaate dieser Mediceer-Königin unsere Honneurs machen . « » Und wenn wir die Laune der Geister gütig und friedlich zu stimmen trachteten , « lachte d ' Anville - » wem zu Liebe denn , als unsern holden Gefährtinnen , die zwar zu necken und zu reizen verstehen , aber vor einem wirklichen Kampfe mit den Geistern bald die Flucht ergreifen würden . - Doch , wenn ich nicht irre , glänzt dort ein Name unter dem schönen Bilde . « Alle traten näher - ein alter Wandleuchter , mit dicken gelben Wachskerzen , warf ein helles , schönes Licht auf die Tafel , und der Eindruck , den das Bild ihnen jetzt machte , ließ unwillkürlich den Scherz verstummen . - Jugend und Schönheit war es nicht allein , was diese Züge anziehend machte , sondern daß die Augen Jeden leidenvoll flehend anblickten , daß die Hände gefaltet wie gefesselt in dem Schooß lagen , und auf der silbernen Robe kein Abzeichen war , als ein Band von Rubinen , das den Hals fest umschloß und dann in einzeln gefaßten Steinen lang über die Brust hernieder , in den Schooß hing . » Ach , « rief Lücile ernsthaft , indem sie ein Schauer überlief , » dies schöne Wesen war sicher nicht glücklich , sieht ihr Geschmeide doch aus wie einzeln fallende Blutstropfen ! « » Du hast Recht , « sagte d ' Anville , von dem Gemälde zurücktretend , wo er die Unterschrift gelesen , » es ist Eudoxia , das schöne Fräulein von Nemours , welche , wie man sagt , durch Katharina von Medicis hier ein blutiges Ende fand , indem sie zu sehr von ihrem Gemahle beachtet ward . « Die Damen wandten sich still von dem schönen traurigen Bilde ab , und vielleicht gingen gerade jetzt die Worte des Marquis in Erfüllung - die Neckereien ihres jugendlichen Muthwillens wurden von dem ersten wirklichen Gegenstande des Grauens in die Flucht geschlagen . Indem öffneten die Diener die schweren eichenen Thüren zum Nebenzimmer , und als Alle sich dahin wandten , drang ihnen ein solches Lichtmeer , ein so glänzend heiterer Anblick entgegen , daß Alle die liebenswürdige wohl erreichte Absicht des Marquis fühlten , daß Dankbarkeit und der Wunsch , sie ihm darzulegen , sich dem angenehmen Eindrucke , der sie empfing , hinzugesellte , und die heiterste Laune verbreitete , die von der halbgerührten Zärtlichkeit der jungen Marquise unvermerkt eine andere Färbung erhielt , denn sie war jetzt zu glücklich , um ein neckisches Kind bleiben zu können , und so trat die Feinheit ihres Geistes wie eine höhere Blüte aus dem grünen Blätterkranze ihrer früheren Laune hervor . Dies Gemach hieß das Audienzzimmer , und die Wände waren in Streifen von rothem Damast , mit Stahlspiegeln unterbrochen , eingetheilt , welche , so viel als möglich polirt , von den reichlich angebrachten Armleuchtern erhellt , ein ungemein heiteres Ansehn hatten . Die Decke hing freilich mit schwerer geschwärzter Vergoldung und einem riesigen Deckengemälde , die Hochzeit zu Canaan darstellend , wie eine dunkle Wolke darüber ; aber man brauchte eine Anstrengung , den Blick dahin zu erheben , und so weilte man lieber auf der heiter geschmückten Tafel , die , mit großen seidenen Fauteuils umstellt und mit dem glänzenden Reisegeschirr des Marquis versehen , ein gar heiteres Bild des Lebens darbot . Daran grenzten die Schlafzimmer der Damen , und nahe und bequem , zum Schutze leicht erreichbar , die Zimmer der Cavaliers und der Dienerschaft . Alles war von der Umsicht des Marquis in kurzer Zeit in eine Ordnung gebracht , die dem Orte seinen düstern Karakter zu rauben schien , und nach der heiteren Abendmahlzeit den jugendlichen Schlaf durch keine bösen Träume mehr verscheuchte . - Doch mit dem erwachenden Morgen , mit der heiteren Scene des Frühstücks kehrte auch die Laune der Frauen in ihrer neckenden Fröhlichkeit zurück , und Leonce hatte alle Mühe , sich Gehör zu verschaffen , weil gerade er die Zielscheibe ihres Muthwillens blieb . » Sie werden selbst von Ihrem Muthwillen mehr Vergnügen haben , « fuhr er fort , » wenn sie eine Art von Ordnung hineinbringen ; denn es ist außer Zweifel , daß selbst eine so reizende Erscheinung , wie Ihre Laune , doch , wie alles Schöne , dem Geheimnisse des Maaßes unterworfen ist . Es ist vergeblich , in dieser elektrischen Wechselwirkung von Witz und Scherz eigentlich leben zu wollen - das sind geistige Schwelgereien , meine Damen - sie rächen sich stets durch Ermüdung und eine gewisse Apathie gegen die einfacheren Beziehungen , die Anforderungen an uns machen . « Beide Frauen hatten während dem ihre Stühle vor Leonce gerückt und Stellungen angenommen , welche ohne Worte die ironische Versicherung enthielten , sie wären andächtige Zuhörerinnen , der Belehrung begierig , beschämt so großer Weisheit gegenüber . » Ich verstehe Sie sehr wohl , « fuhr Leonce fort , » Ihre Pantomime ist eben so ironisch , als gelegentlich ihre Worte ; aber ich will mich nun einmal durch nichts von meinem guten Vorsatze , Sie zu einer mäßigern Liebenswürdigkeit zu treiben , abbringen lassen , daher möge Ihr Spott mich noch so lange verfolgen , bis er in meiner Weisheit untergeht . « » Versuchen Sie das , Leonce ! « rief Lücile - » wir lieben selbst die unleidlichste Veränderung an uns , wenn sie nur eben Wechsel verspricht ; und selbst Weisheit sollte Herberge in uns finden , wenn wir nicht fürchten müßten , wir würden sie nicht wieder los , und würden zuletzt das Opfer dieses unpassenden Gastes . « » Fürchten Sie nichts , liebe Lücile , « erwiederte Leonce - » dieser Gast wird Sie mit seiner Gesellschaft nicht über Ihr eigenes Verlangen hinaus belästigen ; ja , ich zweifle , daß er sich Ihrer Einladung bei dem ersten Versuche stellt . « » O , Sieur Léonce , « rief Margot , » wenn Sie uns die Einladungskarten schreiben , habe ich bei Ihrer Intimität alle Hoffnung zu seiner Erscheinung . « » Trauen Sie namentlich mir hierin nicht zu viel , schöne Cousine ! Er macht an mich immer zuerst den unerhörten Anspruch , Ihre schönen Augen zu vergessen , und so sind wir meist auf gespanntem Fuße . « » Ha , Lücile , so leere Galanterien schreien zum Himmel ! « rief Margot , mit dem kleinen Fuße so heftig auf den Boden stampfend , daß ihr Gesicht in Feuer aufglühte . » Sein Sie wenigstens mit allen Ihren Fehlern nicht auch falsch , und erwarten Sie wenigstens von mir nicht , daß ich diesem gehässigsten Laster ein freundliches Lächeln schenken soll - ich fürchte , ich hasse Sie ! « D ' Anville und Lücile begegneten sich bei dieser kleinen Scene mit einem flüchtigen Blicke des Einverständnisses ; denn Lücile beobachtete mit ihren klugen Augen ihre kleine lebhafte Cousine unter dem Deckmantel ihrer heiteren Laune in allen Nuancen ihres lebhaften Gefühls , und der ungemeine Wechsel derselben , diese unverkennbare Zuneigung zu Leonce , dies Vertrauen , und doch wieder dies Zürnen , Flüchten und Zurückstoßen , schienen auf eine tiefe und ungewöhnliche Erregung schließen zu lassen , der beide Ehegatten mit Hoffnungen für das Glück ihres lieben Leonce zusahen . Dieser sah ihr lächelnd und mit großer Sicherheit nach , als sie an das nächste Fenster flog , als müsse sie sich seinen Blicken entziehen ; dann bat er sie zurück zu kommen , und als sie sich niedergesetzt hatte , hob er an , mit einem fast kühnen Blicke sich zu ihr neigend , sie mit ihrem Zorne zu necken . » Und « - fuhr er fort , » läugnen Sie es , wenn Sie können , schöne Margot , Sie haben doch zu mir das festeste Vertrauen , und alle Ihre kleinen , anmuthigen , heimlichen Plänchen sind endlich doch darauf gebaut , daß Sie Leonce vertrauen können , und seine Gefühle für Sie Ihnen weder unbequem , noch lästig , viel weniger als eine unverzeihliche Falschheit erscheinen . « Eben wollte Margot diesen neuen Angriff bezahlen , da gebot Lücile Ruhe und verwies alle Parteien zum Schweigen . » In Wahrheit , eine Pension für unartige junge Leute soll dies alte ehrwürdige Château de la Roche nicht werden « sagte sie - » Ruhe ! Frieden gebiete ich , und jetzt , Leonce , werden Sie gleich mit Ihren weisen Plänen hervortreten , auf welche Art Sie unsere Liebenswürdigkeit einfangen wollen , um sie nur gelegentlich und nach einem gewissen schicklichen Kommando hervor sprudeln zu lassen , denn wenn wir uns nicht selbst unterhalten sollen , so thun Sie es jetzt , und sein Sie sicher , daß Ihre Vorschläge eine scharfe Kritik passiren werden . « » Meine Pläne , « hob Leonce an , » bestehen in dem natürlichen Vorschlage , auf dem Boden , wo wir uns befinden , bekannt zu werden ; wir müssen uns stundenweis versammeln die Chronik des Schlosses , die sich in dem Archive befindet , studiren , von ihr geleitet , den ganzen merkwürdigen alten Bau besichtigen , und die hellen Stunden des Tages zu Ausflügen in die großartige Einsamkeit dieser Felsen und Wälder benutzen , die alle ihren Karakter von den geheimnißvollen Ansprüchen dieses Schlosses empfangen haben , mit in den Bann eingeschlossen scheinen , der hier dem Treiben der Menschen eine unüberwindliche Schranke gebaut hat . « » Ihr Plan läßt sich hören , Leonce ! « erwiederte Lücile - » ich glaube , Margot , wir werden einwilligen , uns diesem unserm Führer zu überlassen - doch füge ich noch einen Plan hinzu , der vor Ihrer Chronik den Vorzug haben muß , und meinen lieben d ' Anville an sein Versprechen erinnert , mir das Schicksal seines Oheims , des Grafen von Crecy , das mit diesem Schlosse so vielfach verzweigt scheint , nunmehr mitzutheilen . « » Ich bin bereit dazu , meine Liebe , « erwiederte d ' Anville , » doch unter der Bedingung , daß Ihr mich jeden Tag bis zum Mittagsessen zu Pferde oder zu Wagen auf meinen Geschäftswegen begleiten wollt , und dann verspreche ich Euch , den Abend meinen Vortrag hier zu beginnen . « Alle stimmten heiter in diesen Vorschlag ein . Nach einem fröhlich verlebten Tage führte der Abend Alle um die gastliche Flamme des Kamins , und als man in traulicher Nähe Platz genommen hatte , hob der Marquis d ' Anville seine Erzählung an . - Wir können uns jedoch um so weniger mit einer Mittheilung begnügen , wie der Marquis d ' Anville sie für seine junge Gemahlin passend finden wird , da wir die Geschichte des Grafen Crecy als den Kern dessen ansehen müssen , was wir bisher mitzutheilen versucht haben , und es dahin gestellt sein lassen , ob man diese eingeschlossene Erzählung als den Hauptinhalt unserer Mittheilungen ansehen will , oder die Verhältnisse , mit denen wir bis hierher unsere Leser vertraut machten , und deren Verfolg wir nach dem Schlusse jener Begebenheiten weiter mittheilen werden . Ihr Zusammenhang , ihre theilweise Ausgleichung durch einander , wird ihre nothwendigen , gleichen Rechte an die Aufmerksamkeit darthun ; und wie wir die Form der Frucht aus der Gestaltung des Kerns uns leichter erklären können , so werden wir , das Gleichniß hier anwendend , in dem Leben des Grafen von Crecy die Gestaltung der späteren Begebenheiten vorbereitet finden , und nicht allein ihnen leichter , sondern auch vielleicht mit vermehrtem Interesse folgen können . Indem wir so der eingelegten Erzählung ein gleiches Recht mit derjenigen zu verschaffen suchen , die , Anfang und Ende dieses Buches bildend , jene zu umschließen scheint , bedienen wir uns des uns unbezweifelt zustehenden Rechtes , sie in der Form vorzutragen , die sie aus dem blassen Lichte der Vergangenheit hervortreten läßt , und sie nicht wie gehäufte Resultate , an deren langsamer Entstehung die Zeit schon die Spuren verwischt hat , darstellt , sondern mit der Frische versehen , die uns keine der kleinen Verzweigungen entzieht , welche langsam , aber dem Beobachter gerade so bedeutungsvoll , die größeren Resultate herbeiführt . Der Graf von Crecy , Bruder der Marquise d ' Anville , der Mutter des jungen Mannes , der aus dem Munde dieses seines Oheims die Begebenheiten erfuhr , die er eben seiner jungen Gemahlin mittheilen wollte , war der Sohn des Marschalls von Frankreich , Grafen von Crecy-Chabanne , eine der ältesten Familien des Reiches , die sich die Vettern des Königs nannten . Grau geworden in den unseligen Kriegen der Fronde , hatte dieser unter dem Banner des großen Turenne unverrückt der königlichen Partei angehört , wenn auch frühere , zärtlichere Jugendbande ihn mit Condé vereinigten , dessen Abfall ihn auf das Tiefste erschütterte , ohne ihn über seinen Weg in Zweifel zu stellen . Seit dem pyrenäischen Frieden lebte der Marschall von Crecy jedoch , mit allen Ehren eines glorreichen Lebens überschüttet , von der thätigen Mitwirkung der Kriegsleistungen zurück gezogen , die wenigstens aufgehört hatten , Frankreich selbst zum Heerde ihrer Verwüstungen zu machen . Von jeder anderen Bildung und Richtung , als der der Waffen , entfernt geblieben , liebte er dennoch seinen Beruf nicht , und bei dem Emporblühen seines einzigen Sohnes trat diese Abneigung in dem bestimmten Willen hervor , ihn nicht dafür erziehen zu wollen . Seine Gemahlin , eine Fürstin Soubise , trat mit ihrem schrankenlosen Stolze diesem Vorsatze heftig entgegen , da sie darin das besondere Privilegium sah , Abkömmlinge alter Familien zu den bedeutendsten Stellungen im Staate zu erheben , und sie in ihrem Sohne mindestens den Nachfolger ihres Gemahls zu sehen trachtete . Dessenungeachtet siegte dies Mal der Marschall von Crecy ; und es ist dies Faktum um so weniger verloren gegangen , da es wahrscheinlich bleibt , daß der Feldherr , vor dessen Fahnen die Feinde flohen , als habe er ihnen damit einen unüberwindlichen Sturmwind entgegen geweht , doch in seinem Hause nur dies eine Mal den Sieg davon trug , und er hier neben den Trophäen aller Schlachten ohne Widerstand die Waffen senkte , wenn die Fürstin Soubise den Heerbann ihres weiblichen Willens aufpflanzte . Mit dieser erfolgreichen Weigerung hatte er jedoch Alles erschöpft , was er sich zugestand , und obgleich er mißmuthig und murrend auf die Wege blickte , die seine Gemahlin nun in anderer Richtung zur Erziehung ihres Sohnes einschlug , so hielt er sich doch abgefunden mit seiner Pflicht als Vater , da er überdies , nachdem er die eine verweigert , weder eine andere , noch bessere anzugeben vermochte . Die Fürstin Soubise blieb auch nach dieser einen Niederlage vollständig gerüstet gegen jede fernere Einmischung ihres Gemahls ; und je unerwarteter ihr in einer für unanrührbar geachteten Souverainität dieser Widerstand gekommen war , je mehr hatte sich ihr Gefühl auf diesen Punkt geschärft , und die schwächsten Versuche des Grafen von Crecy waren hinreichend , ihn zu überzeugen , daß er von nun an eine gefaßte Gegnerin vorfände und hier seine Wirksamkeit am Ende sei . Wenn Eltern ihre Kinder oft zu erziehen scheinen , bloß um gegen einander ihre ununterbrochenen Fehden zu unterhalten oder zum Zeitvertreib für irgend eine müßige Stunde - ein Spielzeug scheinbar , von dem sie keine Belästigung erwarten , und gegen das sie sich keiner Verpflichtung bewußt werden : müssen wir , zu den geringsten Erwartungen unter solchen Umständen berechtigt , häufig erstaunen , wie ein also gehetztes oder gemißbrauchtes Wesen , dem Allen zum Trotze , sich in besserer Weise entwickelt . Der junge Leonin . Graf von Crecy , war von der Natur mit einer träumerischen Stille des Gemüths begabt , und dadurch gegen die verschiedenartigen Eindrücke seiner Umgebungen sanft eingehüllt . Er sah und fühlte immer nur das , was ihm für den Augenblick nöthig oder angenehm war , und hatte für Alles , was sich ihm anderseits aufdrängen wollte , die sanfte Auslegung der Gutmüthigkeit , womit er sich unbewußt jeden unangenehmen Eindruck abwehrte . Er fühlte weder die Unzulänglichkeit der väterlichen Autorität , noch den despotischen Willen seiner Mutter , von dem er ganz gelenkt ward . Er wuchs unter den Siegesnachrichten seines Vaters auf ; in einer Entfernung von ihm , die ihm sein Bild von allen Schwächen frei erhielt , und denselben in seiner jugendlichen Phantasie zu den Heroen des Alterthums erhob . Mit einem darauf begründeten Anspruch an die Bevorrechtung seiner Geburt , wie er nothwendig zu jener Zeit dem einzigen Sohne eines solchen Mannes erwachsen mußte , fühlte sein weiches und dennoch von dem Stolze der Mutter gehobenes Herz die innigste Liebe zu seinem Vater . Die Mahnung , sich auszeichnend ihm ähnlich zu werden , fand er vorerst nicht heraus , und alle Wege schon bequem und eingerichtet , eben durch den Namen , den er trug . Seine Mutter war mit der ganzen Autorität ihres Verstandes bemüht , in ihm den Stolz zu nähren , den er von ihrem Blute im Herzen trug , sie imponirte seinem , wenn auch richtigen , doch langsamen Verstande durch die , Frauen natürliche , praktische Uebersicht der Verhältnisse , die ihm außerordentliche Geisteskräfte anzudeuten schienen , da sie ihm immer zuvorkamen . Er hatte nie den Versuch gemacht , anderer Meinung zu sein oder die ihrige nur nach zu überlegen , und ihre mütterliche Weichheit würde sie nie zu der Schwäche verführt haben , diesen Versuch anzuerkennen , da ihre für ihn im Voraus gefaßten Beschlüsse mit Plänen zusammen hingen , die dem Ehrgeize Befriedigung sicherten und daher in ihrer Ueberzeugung für sein Glück vollkommen ausreichend sein mußten . Seine Geistesfähigkeiten waren angebaut . Die Marschallin wußte wohl , daß man an dem Hofe Ludwigs des Vierzehnten nicht ohne Kenntnisse und Talente sich behaupten konnte . Es fehlte ihr auch nicht an Scharfblick , den geeigneten Lehrer zu finden , und der Abbate Mafei war vollständig ausgerüstet , diesem einfachen Geiste Kenntnisse in dem Maaße angedeihen zu lassen , als sie dem Verlangen des Jünglings selbst Bedürfniß wurden , ohne ihm das aufzunöthigen , was ihn mit unnützer Gelehrsamkeit bedrohte , zu der ihm der rasch verarbeitende Geist von der Natur versagt war . Als das unerwartete Machtwort des Marschalls von Crecy seinem Sohne die militairische Laufbahn abschnitt , sah seine Gemahlin für ihn keinen andern möglichen Platz , Ansehen und Einfluß zu erreichen , als eines der hohen Hofämter , zu denen alte und berühmte Namen eine mitwirkende Nothwendigkeit waren , wenn auch der sich verfeinernde Hof und des Königs gebildeter Geschmack damit noch anderseitige Liebenswürdigkeiten vereinigt wissen wollte . - Es erwachte in jener Zeit eben die später so überhand genommene Neigung zu reisen . - Fremde Höfe gesehen zu haben , von dem Leben anderer Länder Rechenschaft geben zu können , verbreitete über die Personen , die sich also auszuzeichnen vermochten , einen Reiz , den man ihnen als ein Verdienst , als eine Staffel der Bildung anrechnete , wohinter oft sehr geringe Fähigkeiten Schutz fanden . Die Marschallin war daher entschlossen , ihrem Sohne statt der Trophäen des Ruhmes , die ihm nun entzogen waren , den friedlichen Zauber einer glänzenden Reise zu ertheilen , und ihn durch ein ehrenvolles Auftreten an fremden Höfen für einen dereinstigen hohen Platz an dem französischen Hofe unwiderleglich vorzubereiten . Der Abbate Mafei und ein reiches Gefolge , wie es den Geburtsansprüchen des Jünglings geziemte , ward zu seiner Begleitung mit Verstand und zweckmäßiger Wahl ersehn , und beide Aeltern , obwohl sie sich schwer von dem Lieblinge trennten , der wie eine leichte Wolke die Ehegatten vor einander verhüllte und ihre unsanfte Berührung hinderte , fügten sich der Nothwendigkeit , die zufällig Beide zugleich anerkannten . Es liegt nicht in unserem Plane , den jungen Grafen von Crecy auf einer Bildungsreise mit ihren mannigfachen Zufälligkeiten an Freud ' und Leid zu begleiten . Sie erstreckte sich auf alle Länder , welche damals im Frieden mit Frankreich waren , und bei der wenigen Vorbereitung , die Reisende noch auf ihren Wegen fanden , war sie reicher an Abenteuern , als wir jetzt für möglich halten möchten . Sie wurden jedoch Alle glücklich bestanden , und der Abbate Mafei durfte der stolzen Mutter die schmeichelhaftesten Berichte über die Entwickelung seines Zöglings senden , ohne die Wahrheit zu verletzen . Die Gewandtheit , die in der größeren Freiheit , in der nothwendigen Auffassung der verschiedenartigsten Verhältnisse sich von selbst entwickelt , vollendete das anziehende Wesen des Jünglings durch eine hinzukommende ernste männliche Haltung , die neben dem weichen Ausdrucke des Gefühls ihm überall Vertrauen und Antheil erwarb . England sollte die Reise beschließen und den jungen Grafen zu jeder Auszeichnung reif , seinem Vaterlande zurückgeben . - Die letzten Nachrichten , welche die Marschallin erhielt , waren nach einer Abschieds-Audienz bei Karl dem Zweiten geschrieben , und er begab sich jetzt nach Schottland , und zwar , auf den ausdrücklichen Wunsch seiner Mutter , zu der Familie des Grafen von Gersey , mit der die Marschallin aus Familienrücksichten seit lange ein freundschaftliches Verhältniß unterhielt . Sie hatte nämlich mit anscheinendem Eigensinne verlangt , daß ihr Sohn hier bis zu seiner , in wenigen Monaten erfolgenden Majorennität verbleiben sollte , und bei dem Grafen Gersey dazu durch eigene Anfrage die Erlaubniß ausgewirkt . Wie sehr sie nämlich gewünscht hatte , daß ihr Sohn sich durch diese Reise äußere freie Haltung erwürbe , so war es doch ganz ihrem Karakter und ihren Ansichten entgegen , ihm damit auch eine innere Unabhängigkeit zu gestatten , und es schien ihrer argwöhnischen Herrschsucht , als habe der Sohn davon zu viel gewonnen , und seine Neigung für das Ausland sei vielleicht schon zu vorherrschend geworden , um ihn noch zu allen Verhältnissen geneigt zu finden , wie sie ihr bequem sein würden . Sie hoffte daher , ihm durch diesen letzten Aufenthalt , den sie gar wohl kannte , eine Herabstimmung seiner gesteigerten Ansichten zu geben , und durch das ermüdende Treiben einer beschränkt abgeschlossenen Zurückgezogenheit ihn dankbarer und hingebender zu machen für das , was sie ihm dann mit vollen Händen , und dennoch wohl berechnet , genau mit ihrem Willen im Einklange , darbringen wollte . Seine Majorennität machte ihn augenblicklich zum selbstständigen Herren großer Besitzungen , die , mit dem uralten Schlosse von Ste . Roche verbunden , eine anlockende Veranlassung waren , sich unabhängig zu fühlen ; und die Marschallin hatte daher zu einem so gefährlichen Besitze , den sie ihm nicht streitig machen konnte , ohne alte Familien-Institutionen zu beleidigen , heimlich beschlossen , einen zweiten Besitz , eine Gemahlin nach ihrem Sinne und Willen hinzuzufügen . Ohwohl der Graf Gersey drei Töchter besaß , wußte die kluge Mutter doch durch die eigenen Berichte ihrer Freundin , der Gräfin Gersey , daß sie an diesen keine Störung ihres Planes zu fürchten habe , da selbst die zärtliche Mutter sie unschön nannte und zum Troste dagegen Eigenschaften an ihnen rühmte , von denen die Marschallin wohl wußte , daß sie dem verwöhnten Geschmack ihres Sohnes nicht gefährlich werden würden . - Auf dem Wege nach Edinburg erkrankte der Abbate Mafei , und da er darauf bestand , die Reise fortzusetzen , erreichte man Stirlings-Bai , das Schloß des Grafen von Gersey , mit dem sterbenden Abbate . Sein Leben konnte nicht gefristet werden - alle zu Gebote stehende Hülfe , von dem geschickten Hausarzte des Grafen bis zu der zärtlichsten Pflege seines ihm kindlich zugethanen Zöglings , vermochten den Willen der Natur nicht zu beugen , die ihr Geschäft bei dem würdigen Abbate für erledigt erklärte , und er starb in den Armen des jungen Grafen sanft und heiter , eine würdige Vollendung eines vorwurfsfreien Lebens . Dies war der erste Schmerz , der in die Seele des jungen Mannes drang , und er nahm ihn um so lebhafter auf , als ihm gerade die Stütze gegen jede bisher nahende Unannehmlichkeit mit diesem treuen und theuren Gefährten entrückt ward . Jetzt ergingen eine Menge trüber Fragen an ihn selbst , die sonst von dem guten Abbate beseitigt wurden , ehe sie ihn erreichen konnten . Er fühlte sich in allen Beziehungen verletzt und gekränkt , ja , er glaubte in sich selbst eine Schwäche und Unmännlichkeit des Karakters wahrzunehmen , welche ihn völlig schwermüthig machte und zu den ungerechtesten Selbstvorwürfen trieb , die zu einer Muthlosigkeit , der Zukunft gegenüber , anwuchs , nur durch die Verwöhnung des Glücks begreiflich , von dem wir uns für immer verlassen glauben bei dem ersten Schatten , der es uns verhüllt . Unter diesen Umständen fühlte er sich trotz der gütigen und theilnehmenden Sorgfalt , womit der Graf Gersey und seine Familie ihn behandelten , in so höchst gedrückter Stimmung in Stirlings-Bai , daß er , wenn er nicht gefürchtet hätte , seine Mutter durch seine Entfernung zu beleidigen , einen Ort zu verlassen geeilt haben würde , der bestimmt war , der erste Grenzstein seiner Jugend zu werden , indem er ihn aus dem weichen Zustande des Genießens zu dem ernsteren des Leidens erwachen ließ . Wer Stirlings-Bai betrachtete , hätte es wohl für geeignet halten müssen , auf jede Stimmung der Seele einen wohlthätigen Eindruck auszuüben . Es war reich ausgestattet von der Natur und ein altes Besitzthum reicher Geschlechter im wohlerhaltensten Zustande . Man konnte kaum etwas Schöneres sehen , als das Schloß auf dem Felsenabhange am Rande des mächtigen Gebirgswassers , das zu einem wild brausenden See erweitert , von den herrlichsten Wäldern umsäumt lag und mit seiner reichen inneren Ausstattung den äußern Anspruch vollständig erfüllte . Die Hütten der Unterthanen lagen zerstreut umher , und der Zufall hatte es gewollt , daß ihre Lage die vielfachsten und romantischsten Ansichten gewährte . Den Park begränzend lag eine alte Abtei , Stirlings-Abtei genannt , deren Kirche noch jetzt zum Gottesdienste der gräflichen Familie und der Umgegend benutzt ward , und mit ihrem verschwenderischen Prachtbau im rein gothischen Geschmack , und mit ihrer noch wahrnehmbaren großartigen Ausdehnung , es sehr wahrscheinlich machte , daß sie einst Besitzerin und Beherrscherin der reichen Güter gewesen sein mochte , in denen sie jetzt nur noch als nothwendige Nebensache geduldet ward . Unzerstörbar jedoch blieb sie mit ihren mächtigen und den weithin sie verkündigenden Thürmen die Beherrscherin der Gegend , auch nach ihrem Falle noch ihren mächtigen frühern Rang bekundend . Die einst dazu gehörigen weitläuftigen Klostergebäude waren bis auf einen kleinen Theil abgetragen , der noch jetzt die Wohnung des Geistlichen war , der unter dem Patronat der Grafen von Gersey stand . Der Herbst nahte sich indessen , und das Sloß füllte sich jeden Tag mehr mit dem heiteren Trosse rüstiger Jäger , die von allen Theilen der Grafschaft sich zu einem langen Waidmannsvergnügen in Stirlings-Bai versammelten , dessen noch nie gänzlich durchstreifte Wälder jede Lust für so heitere Gesellschaft darboten . Nur selten und halb gezwungen nur , nahm der junge Graf an diesem Vergnügen Theil , welches so ganz seiner stillen träumerischen Weise entgegen war ; und er fühlte sich