Jagen ? das könnt Ihr anderswo ebensogut ; Langeweile haben ? die kauft Ihr allerorten wohlfeil ; kurz und gut , Junker « , setzte er gutmütig lächelnd hinzu , » ich rate Euch , wendet Euer Roß und reitet so ein paar Tage mit mir in Württemberg umher ; der Krieg ist ja so gut als beendigt ; man kann ganz ungehindert reisen . « » Ich habe dem Bund mein Wort gegeben , in vierzehn Tagen nicht gegen ihn zu fechten ; wie kann ich also nach Württemberg gehen ? « » Heißt denn das gegen ihn fechten , wenn Ihr ruhig Eure Straße ziehet ? So also , vierzehn Tage lang , in vierzehn Tagen glauben sie den Krieg vollendet ? Wird noch mancher nach vierzehn Tagen den Kopf verstoßen an den Mauern von Tübingen . Kommt mit , es ist ja nicht gegen Euren Eid ! « » Und was soll ich in Württemberg « , rief Georg schmerzlich , » soll ich recht in der Nähe sehen , wie meine Kriegsgesellen bei Eroberung der Festen sich Ruhm erwerben ? Soll ich den Bundesfahnen , denen ich auf ewig Lebewohl gesagt und den Rücken gekehrt , noch einmal begegnen ? Nein ! nach Franken will ich ziehen , in meine Heimat « , sagte er düster , indem er die umwölkte Stirn in die Hand stützte , » in meine alte Mauern will ich mich begraben , und träumen , wie ich hätte glücklich sein können ! « » Das ist ein schöner Entschluß für einen jungen Mann von Euerm Schrot und Korn ! Habt Ihr denn in Württemberg gar nichts zu tun , als des armen Herzogs Burgen zu stürmen ? Nun , reitet immerhin « , fuhr er fort , indem er den Jüngling mit listigem Lächeln anblickte , » versucht einmal , ob der Lichtenstein nicht im Sturm genommen werden könne ? « Der junge Mann errötete bis in die Stirne hinauf , » wie magst du nur jetzt deinen Scherz treiben « , sagte er , halb in Unmut , halb lächelnd , » wie magst du mit meinem Unglück spaßen ? « » Fällt mir nicht ein , Scherz mit meinem gnädigen Junker zu treiben « , antwortete sein Gefährte ; » es ist mein voller Ernst , daß ich Euch bereden möchte , dorthin zu ziehen . « » Und was dort tun ? « » Nun ! den alten Herrn für Euch gewinnen , und die Tränen des bleichen Fräuleins stillen , das wegen Euch Tag und Nacht weint ! « » Und wie soll ich auf den Lichtenstein kommen ? der Vater kennt mich nicht , wie soll ich mit ihm bekannt werden ? « » Seid Ihr der erste Rittersmann , der nach Sitte der Väter eine freie Zehrung in einem Schloß fordert ? Lasset nur mich dafür sorgen , so sollt Ihr bald auf den Lichtenstein kommen ! « Der Jüngling sann lange Zeit nach , er erwog alle Gründe für und wider , er bedachte , ob es nicht gegen seine Ehre sei , statt vom Schauplatz des Krieges sich zu entfernen , in eine Gegend zu reisen , wohin sich der Krieg notwendig ziehen mußte . Doch als er bedachte , wie mild die Bundesobersten selbst seinen Abfall angesehen hatten , wie sie sogar im Fall seines völligen Übertrittes zum Feinde nur vierzehn Tage Frist angesetzt hatten , als ihm Mariens trauernde Miene , ihre stille Sehnsucht auf ihrem einsamen Lichtenstein vorschwebte , da neigte sich die Schale nach Württemberg . » Noch einmal will ich sie sehen , nur noch einmal sie sprechen « , dachte er . - » Nun wohlan « , rief er endlich , » wenn du mir versprichst , daß nie davon die Rede sein soll , mich an die Württemberger anzuschließen ; daß ich nicht als Anhänger eures Herzogs , sondern als Gast in Lichtenstein behandelt werde , wenn du dies versprichst , so will ich folgen . « » Für mich kann ich dies wohl versprechen « , antwortete der Bauer , » aber wie kann ich etwas geloben für den Ritter von Lichtenstein ? « » Ich weiß , wie du mit ihm stehst , und daß du oft zu ihm nach Ulm kamst und er sein Vertrauen in dich setzt ; so gut du ihm geheime Botschaft aller Art bringen konntest , nicht minder kannst du ihm auch dies beibringen ! « Der Pfeifer von Hardt sah den jungen Mann lange staunend an : » Woher wißt Ihr dies ? « rief er , » doch - die , welche mich verfolgten , können auch dies gesagt haben . Nun gut , ich verspreche Euch , daß Ihr überall so angesehen sein sollt , als Ihr wollet ; besteiget Euer Roß , ich will Euch führen , und Ihr sollt willkommen sein auf Lichtenstein ! « XIII Da spricht der arme Hirte : » Des mag noch werden Rat , Ich weiß geheime Wege , die noch kein Mensch betrat , Kein Mensch mag sie ersteigen , nur Geißen klettern dort , Wollt Ihr sogleich mir folgen , ich bring Euch sicher fort . « L. Uhland Von jenem Bergrücken , wo Georg den Entschluß gefaßt hatte , seinem geheimnisvollen Führer zu folgen , gab es zwei Wege in die Gegend von Reutlingen , wo Mariens Bergschloß , der Lichtenstein , lag . Der eine war die offene Heerstraße , welche von Ulm nach Tübingen führt . Sie führte durch das schöne Blautal , bis man bei Blaubeuren wieder an den Fuß der Alb kam , von da quer über dieses Gebirge , vorbei an der Feste Hohen-Urach , gegen Sankt Johann und Pfullingen hin . Dieser Weg war sonst für Reisende , die Pferde , Sänften oder Wagen mit sich führten , der bequemere . In jenen Tagen aber , wo Georg mit dem Pfeifer von Hardt über das Gebirge zog , war es nicht ratsam , ihn zu wählen . Die Bundestruppen hatten schon Blaubeuren besetzt , ihre Posten dehnten sich über die ganze Straße bis gegen Urach hin , und verfuhren gegen jeden , der nicht zum Heer gehörte , oder zu ihnen sich bekannte , mit großer Strenge und Erbitterung . Georg hatte seine Gründe , diese Straße nicht zu wählen , und sein Führer war zu sehr auf seine eigene Sicherheit bedacht , als daß er dem jungen Mann von diesem Entschluß abgeraten hätte . Der andere Weg , eigentlich ein Fußpfad , und nur den Bewohnern des Landes genau bekannt , berührte auf einer Strecke von beinahe zwölf Stunden nur einige einzeln stehende Höfe , zog sich durch dichte Wälder und Gebirgsschluchten , und hatte , wenn er auch hie und da , um die Landstraße zu vermeiden , einen Bogen machte , und für Pferde ermüdend und oft beinahe unzugänglich war , doch den großen Vorteil der Sicherheit . Diesen Pfad wählte der Bauer von Hardt und der Junker willigte mit Freuden ein , weil er hoffen durfte , hier auf keine Bündischen zu stoßen . Sie zogen rasch fürbaß , der Bauer war immer an Georgs Seite , wenn die Stellen schwierig wurden , führte er sorgsam sein Pferd und bewies überhaupt so viele Aufmerksamkeit und Sorgfalt für Reiter und Roß , daß in Georgs Seele jene Warnungen Frondsbergs vor diesem Manne immer mehr an Gewicht verloren und er nur einen treuen Diener in ihm sah . Georg unterhielt sich gerne mit ihm ; er urteilte über manche Dinge , die sonst außer dem Kreise des Landmanns liegen , klug und scharfsinnig und mit einem so schlagenden Witz , daß er dem sonst ernsten , jungen Mann , den seine zweifelhafte Lage oft trübe stimmte , unwillkürlich ein Lächeln abnötigte . Von jeder Burg , die in der Ferne aus den Wäldern auftauchte , wußte er eine Sage zu erzählen , und die Klarheit und Lebendigkeit , mit welcher er vortrug , bewies , daß er bei manchem Hochzeitschmaus , bei manchem Kirchweihtanz neben seinem Amt als Spielmann auch das eines Erzählers übernommen haben müsse . Nur sooft Georg auf sein eigenes Leben , besonders auf jene Periode kommen wollte , wo der Pfeifer von Hardt eine bedeutende Rolle in dem Aufruhr des Armen Konrad gespielt hatte , brach er düster ab , oder wußte mit mehr Geläufigkeit , als man dem schlichten Mann zugetraut hätte , das Gespräch auf andere Gegenstände zu bringen . So waren sie ohne Aufenthalt fortgereist ; Hanns wußte immer voraus , wann wieder ein Gehöfte kam , wo sie Erfrischung für sich und gutes Futter für das Pferd finden würden . Überall war er bekannt , überall wurde er freundlich , wiewohl , wie es Georg schien , meistens mit Staunen aufgenommen . Er flüsterte dann gewöhnlich ein Viertelstündchen mit dem Hausvater , während die Hausfrau dem jungen Ritter emsig und freundlich mit Brot , Butter und unvermischtem Äpfelwein aufwartete und die » Büebla « und » Mädla « den hohen , schlanken Gast , seine schönen Kleider , seine glänzende Schärpe , die wallenden Federn seines Barettes , bewunderten . War dann das kleine Mahl verzehrt , hatte Georgs Pferd wieder Kräfte gesammelt , so begleitete das ganze Haus den Scheidenden bis an die Türe , und der junge Reiter konnte zu seiner Beschämung niemals die Gastfreundschaft der guten Leute belohnen , mit abwehrenden Blicken auf den Pfeifer von Hardt , weigerten sie sich standhaft , seine kleinen Gaben anzunehmen . Auch dieses Rätsel löste ihm sein Begleiter nicht ; denn seine Antwort : » Wenn die Leute nach Hardt kommen , kehren sie auch wieder bei mir ein « , schien nur eine ausweichende Antwort zu sein . Die Nacht brachten sie ebenfalls in einem dieser zerstreuten Höfe zu , wo die Hausfrau ihrem vornehmen Gast mit nicht geringerer Bereitwilligkeit auf der Ofenbank ein Bett zurechtmachte , als sie ihm zu Ehren ein paar Tauben geopfert und einen dickgeschmälzten Haberbrei aufgetragen hatte . Den folgenden Tag setzten sie ihre Reise auf dieselbe Art fort , nur kam es Georg vor , als ob sein Führer mit noch mehr Vorsicht als gestern zu Werke gehe ; denn er ließ , wenn sie sich einem Hof nahten , den Reiter wohl fünfhundert Schritte davon haltmachen , nahte sich behutsam den Gebäuden , und erst , nachdem er alles sorgfältig ausgespähet hatte , winkte er dem Junker , zu folgen . Georg befragte ihn umsonst , ob es in dieser Gegend gefährlicher sei , ob die Bundestruppen schon in der Nähe seien ? er sagte nichts Bestimmtes darüber . Doch gegen Mittag , als die Gegend lichter wurde , und der Weg sich mehr gegen das ebene Land herabzuziehen schien , schien auch die Reise gefährlicher zu werden ; denn der Spielmann von Hardt schien sich von jetzt an gar nicht mehr den Wohnungen nähern zu wollen , sondern hatte sich in einem Hof mit einem Sack versehen , der Futter für das Pferd und hinlängliche Viktualien für sie beide enthielt ; es schien , als ob er meist noch einsamere Pfade als bisher aufsuche ; auch glaubte Georg zu bemerken , daß sie nicht mehr dieselbe Richtung befolgen wie früher , sondern sehr stark zur Rechten einbiegen . Am Rand eines schattigen Buchenwäldchens , wo eine klare Quelle und frischer Rasen zur Ruhe einlud , machten sie halt ; Georg stieg ab , und sein Führer bereitete aus seinem Sack ein gutes Mittagsmahl . Nachdem er das Pferd versehen hatte , setzte er sich zu den Füßen des jungen Ritters und begann mit großem Appetit zuzugreifen . Georg hatte seinen Hunger gestillt und betrachtete jetzt mit aufmerksamem Auge die Gegend . Es war ein schönes breites Tal , in welches sie hinabsahen . Ein kleines Flüßchen eilte schnell durchhin , die Felder , wovon es begrenzt war , schienen gut und fleißig angepflanzt , eine freundliche Burg erhob sich auf einem Hügel am andern Ende des Tales , die ganze Gegend war freundlicher als der Gebirgsrücken , über welchen sie gezogen waren . » Es scheint , wir haben die Alb verlassen ? « sagte der junge Mann , indem er sich zu seinem Gefährten wandte , » dieses Tal , jene Hügel sehen bei weitem freundlicher aus , als der Felsenboden und die öden Weideplätze , die wir durchzogen . Selbst die Luft weht hier milder und wärmer als oben , wo uns die Winde oft so hart anfaßten . « » Ihr habt recht geraten , Junker « , sagte Hanns , indem er die Reste ihrer Mahlzeit sorgfältig in den Sack legte ; » diese Täler gehören schon zum Unterland , und jenes Flüßchen , das Ihr sehet , strömt in den Neckar . « » Wie kommt es aber , daß wir so weit vom Weg abbiegen ? « fragte Georg ; » es kam mir schon oben im Gebirge vor , als haben wir die alte Richtung verlassen , aber du wolltest nie darauf hören . Dieser Weg muß , soviel ich die Lage von Lichtenstein kenne , viel zu weit rechts führen . « » Nun , ich will es Euch jetzt sagen « , antwortete der Bauer , » ich wollte Euch auf der Alb nicht unnötig bange machen , jetzt aber sind wir , so Gott will , in Sicherheit ; denn im schlimmsten Fall sind wir keine vier Stunden mehr von Hardt , wo sie uns nichts mehr anhaben sollen ! « » In Sicherheit ? « unterbrach ihn Georg verwundert , » wer soll uns etwas anhaben ? « » Ei , die Bündischen « , erwiderte der Spielmann , » sie streifen auf der Alb und oft waren ihre Reiter keine tausend Schritte mehr von uns ; mir für meinen Teil wäre es nicht lieb gewesen , in ihre Hände zu fallen , denn sie sind mir , wie Ihr wohl wisset , gar nicht grün ; und auch Euch wäre es vielleicht nicht ganz recht , gefangen vor den Herrn Truchseß geführt zu werden ! « » Gott soll mich bewahren ! « rief der Junker ; » vor den Truchseß ? lieber lasse ich mich auf der Stelle totschlagen . Was wollen sie denn aber hier ? Es ist ja hier in der Nähe keine Feste von Württemberg , und du sagtest mir ja doch , sie können ungehindert durchs Land ziehen ; wornach streifen sie denn ? « » Seht Junker ! es gibt überall schlechte Leute ; was ein rechter Württemberger ist , der läßt sich eher die Haut abziehen , als daß er den Herzog verrät , nach welchem die Bündler jetzt ein Treibjagen halten . Aber der Truchseß soll unter der Hand einen ganzen Haufen Gold versprochen haben , wenn man ihn fängt ; er hat seine Reiter ausgeschickt , diese streifen jetzt überall und die Leute sagen , es gebe einige unter den Bauern , die sich vom Gold blenden lassen , und den Spürhunden alle Klingen und Schlupfwinkel zeigen . « 19 » Nach dem Herzog sollen sie streifen ? Der ist ja aus dem Lande geflohen , oder wie andere sagen , in Tübingen , auf seinem festen Schlosse , wo ihn vierzig Ritter beschützen . « » Ja , die vierzig Edlen sind dort « , antwortete der Bauer mit schlauer Miene ; » auch des Herzogs Söhnlein , der Christoph ist dort , das hat seine Richtigkeit , ob aber der Herzog selbst dort ist , weiß niemand recht . Im Vertrauen gesagt , wie ich ihn kenne , schließt er sich auch nur zur höchsten Not in eine Feste ein ; er ist ein kühner , unruhiger Herr ; und es ist ihm wohler in den Wäldern und Bergen , wenn es auch Gefahr hat . « » Den Herzog also suchen sie ? also müßte er hier in der Nähe sein ? « » Wo er ist , weiß ich nicht « , erwiderte der Pfeifer von Hardt , » und ich wollte wetten , dies weiß niemand als Gott ; aber wo er sein wird , weiß ich « , setzte er hinzu , und es schien Georg , als ob ein Strahl von Begeisterung aus dem Auge dieses Mannes breche : » wo er sein wird , wenn die Not am höchsten ist , wo seine Getreuen sich zu ihm finden werden , wo manche treue Brust zur Mauer werden wird , um den Herrn in der Not gegen diese Bündler zu schützen . Denn ist er auch ein strenger Herr , so ist er doch ein Württemberger , und seine schwere Hand ist uns lieber als die gleißenden Worte des Bayern und des Österreichers . « » Und wenn sie den unglücklichen Fürsten erkennen , wenn sie auf ihn stoßen ? hat er nicht seine Gestalt verhüllt und unkenntlich gemacht ? Du hast mir einmal sein Gesicht beschrieben und ich glaube ihn beinahe vor mir zu sehen , besonders sein gebietendes , glänzendes Auge . Aber wie ist seine Gestalt ? « » Er mag kaum acht Jahre älter sein als Ihr « , entgegnete jener , » er ist nicht so groß , als Ihr , aber in vielem Euch ähnlich an Gestalt ; besonders wenn Ihr zu Pferd saßet und ich hinter Euch ging , da gemahnte es mich oft und ich dachte , so , geradeso sah der Herzog aus , in den Tagen seiner Herrlichkeit . « Georg war aufgestanden , um nach seinem Pferd zu sehen ; die Worte des Bauern hatten ihn um seine Sicherheit besorgt gemacht , und er sah jetzt erst ein , wie töricht er gehandelt , in diesem Kriegesstrudel sich durch ein okkupiertes Land stehlen zu wollen . Es wäre ihm höchst unangenehm gewesen , in diesem Augenblicke gefangen zu werden ; zwar konnte er nach seinem Eide reisen wohin er wollte , wenn er nur in den nächsten vierzehn Tagen keinen tätlichen Anteil an dem Kampfe gegen den Bund nahm ; aber er fühlte , welch nachteiliges Licht es dennoch auf ihn werfen müßte , in dieser Gegend , so weit von dem Weg nach seiner Heimat aufgegriffen zu werden , und dazu noch in Gesellschaft eines Mannes , der den Bundesobersten sehr verdächtig , sogar gefährlich geschienen hatte . Umzukehren war keine Möglichkeit , denn es ließ sich beinahe mit Gewißheit annehmen , daß die Bundestruppen bereits die ganze Breite der Alb eingenommen haben ; das sicherste schien , sich zu beeilen , über die äußersten Posten des Heeres hinauszukommen ; man hatte dann die Gefahr im Rücken , vor und neben sich aber freie Bahn . Das sonst so muntere Tier , das seinen Herrn über diese Gefahren hinaustragen sollte , hing die Ohren ; die große Eile und die ermüdenden , steinigen Fußpfade hatten seine Kraft geschwächt ; zu seinem großen Verdruß bemerkte Georg sogar , daß es auf dem linken Vorderfuß nicht gerne auftrete , was nach einem achtstündigen Weg über scharfe , eckigte Felsen nicht zu verwundern war . Der Bauer bemerkte die Verlegenheit des Junkers ; er untersuchte das Tier , und riet , es noch einige Stunden stehen zu lassen , gab aber zugleich den Trost , er seie der Gegend so kundig , daß sie eine große Strecke in der Nacht zurücklegen können . XIV Es ziehen vom Schwabenbunde Die Jäger durchs Gefild , Die spüren in die Runde Nach einem Fürstenwild . G. Schwab Der junge Mann ergab sich in sein Schicksal , und suchte Zerstreuung in der lieblichen Aussicht , die sich noch bei weitem herrlicher seinen Augen öffnete , als ihn der Bauer etwa fünfzig Schritte höher geführt hatte . Sie standen auf einer Felsenecke , die einen schönen Ausläufer der Schwäbischen Alb begrenzte . Ein ungeheures Panorama breitete sich vor den erstaunten Blicken Georgs aus , so überraschend , von so lieblichem Schmelz der Farben , von so erhabener Schönheit , daß seine Blicke eine geraume Zeit wie entzückt an ihnen hingen . Und wirklich , wer je mit reinem Sinn für Schönheiten der Natur , ohne himmelhohe Alpen , ohne Täler wie das Rheingau zu suchen , die Schwäbische Alb bestiegen hat , dem wird die Erinnerung eines solchen Anblickes unter die lieblichsten der Erde gehören . Man denke sich eine Kette von Gebirgen , die von der weitesten Entfernung , dem Auge kaum erreichbar , durch alle Farben einer herrlichen Beleuchtung von sanftem Grau , durch alle Nüancen von Blau , am Horizont sich herzieht , bis das dunkle Grün der näher liegenden Berge mit seinem sanften Schmelz die Kette schließt . Auf diesen Gipfeln eines langen Gebirgsrücken erkennt das Auge Schlösser und Burgen ohne Zahl , die wie Wächter auf diese Höhen sich lagern und über das Land hinschauen . Jetzt sind ihre Türme zerfallen , ihre stattlichen Tore sind gebrochen , den tiefen Burggraben füllen Trümmer und Moos , und die Hallen , in welchen sonst laute Freude erscholl , sind verstummt , aber damals , als Georg auf dem Felsen von Beuren stand , ragten sie noch fest und herrlich ; sie breiteten sich wie eine undurchbrochene Schar gewaltiger Männer zwischen den Heldengestalten von Staufen und Hohenzollern aus . » Ein herrliches Land dieses Württemberg « , rief Georg , indem sein Auge von Hügel zu Hügel schweifte ; » wie kühn , wie erhaben diese Gipfel und Bergwände , diese Felsen und ihre Burgen ; und wenn ich mich dorthin wende gegen die Täler des Neckars wie lieblich jene sanften Hügel , jene Berge mit Obst und Wein besetzt , jene fruchtbaren Täler mit schönen Bächen und Flüssen , dazu ein milder Himmel und ein guter , kräftiger Schlag von Menschen . « » Ja « , fiel der Bauer ein , » es ist ein schönes Land ; doch hier oben will es noch nicht viel sagen , aber was so unter Stuttgart ist , das wahre Unterland , Herr ! da ist es eine Freude im Sommer oder Herbst , am Neckar hinabzuwandeln ; wie da die Felder so schön und reich stehen , wie der Weinstock so dicht und grün die Berge überzieht , und wie Nachen und Flöße den Neckar hinauf- und hinabfahren , wie die Leute so fröhlich an der Arbeit sind , und die schönen Mädchen singen wie die jungen Lerchen ! « » Wohl sind jene Täler an der Rems und dem Neckar schöner « , entgegnete Georg , » aber auch dieses Tal zu unsern Füßen , auch diese Höhen um uns her haben eigenen , stillen Reiz ; wie heißen jene Burgen auf den Hügeln ? sage , wie heißen jene fernen Berge ? « Der Bauer überblickte sinnend die Gegend , und zeigte auf die hinterste Bergwand , die dem Auge kaum noch sichtbar aus den Nebeln ragte . » Dort hinten zwischen Morgen und Mittag ist der Roßberg , in gleicher Richtung herwärts , jene vielen Felsenzacken sind die Höhen von Urach . Dort , mehr gegen Abend ist Achalm , nicht weit davon , doch könnt Ihr ihn hier nicht sehen , liegt der Felsen von Lichtenstein . « » Dort also « , sagte Georg stille vor sich hin , und sein Auge tauchte tief in die Nebel des Abends , » dort wo jenes Wölkchen in der Abendröte schwebt , dort schlägt ein treues Herz für mich ; jetzt auch steht sie vielleicht auf der Zinne ihres Felsens und sieht herüber in diese Welt von Bergen , vielleicht nach diesem Felsen hin . O daß die Abendlüfte dir meine Grüße brächten , und jene rosigen Wolken dir meine Nähe verkündeten ! « » Weiter hin , Ihr sehet doch jene scharfe Ecke , das ist die Teck ; unsere Herzoge nennen sich Herzoge von Teck , es ist eine gute feste Burg ; wendet Eure Blicke hier zur Rechten , jener hohe , steile Berg war einst die Wohnung berühmter Kaiser , es ist Hohenstaufen . « » Aber wie heißt jene Burg , die hier zunächst aus der Tiefe emporsteigt « , fragte der junge Mann ; » sieh nur , wie sich die Sonne an ihren hellen weißen Wänden spiegelt , wie ihre Zinnen in goldenen Duft zu tauchen scheinen , wie ihre Türme in rötlichem Lichte erglänzen . « » Das ist Neuffen , Herr ! auch eine starke Feste , die dem Bunde zu schaffen machen wird . « Die Sonne des kurzen , schönen Märztages begann während diesem Zwiegespräch der Wanderer hinabzusinken . Die Schatten des Abends rollten dunkle Schleier über das Gebirge , und verhüllten dem Auge die ferneren Gipfel und Höhen . Der Mond kam bleich herauf , und überschaute sein nächtliches Gebiet . Nur die hohen Mauern und Türme von Neuffen rötete die Sonne noch mit ihren letzten Strahlen , als sei dieser Felsen ihr Liebling , von welchem sie ungern scheide . Sie sank , auch diese Mauern hüllten sich in Dunkel , und durch die Wälder zog die Nachtluft , geheimnisvolle Grüße flüsternd dem heller strahlenden Mond entgegen . » Jetzt ist die wahre Tageszeit für Diebe und für flüchtige Reisende , wie wir « , sagte der Bauer , als er des Junkers Pferd aufzäumte ; » sei es noch um eine Stunde , so ist die Nacht kohlschwarz , und dann soll uns , bis die Sonne wieder aufgeht , kein bündischer Reiter ausspüren ! « » Glaubst du es habe Gefahr ? « sagte Georg , indem er seine Hand nach dem Helm ausstreckte , und das dünne Barett abnahm . » Meinst du nicht , wir sollen uns besser wappnen ? « » Laßt hängen , Junker « , rief der Bauer lachend , » solch eine Sturmhaube ist an sich schon kalt , und gibt in einer frischen Nacht nicht sehr warm ; lasset immer Euer Barett sitzen ; in dieser Gegend suchen sie den Herzog nicht , und sollten sie kommen , wir zwei fürchten ihrer vier nicht . « Der junge Mann ließ zögernd seinen schönen Helm am Sattelknopf hängen , er schämte sich , weniger Mut zu zeigen als sein Begleiter , der unberitten , nur durch eine dünne lederne Mütze geschützt , und mit einer einfachen Axt schlecht bewaffnet war . Er schwang sich auf . Sein Führer ergriff die Zügel des Rosses , und schritt voran den Berg hinab . » Du meinst also « , fragte Georg nach einer Weile , » bis hieher werden sich die bündischen Reiter nicht wagen ? « » Es ist nicht wohl möglich « , antwortete der Pfeifer , » Neuffen ist ein starkes Schloß und hat gute Besatzung ; sie werden es zwar in kurzer Zeit mit Heeresmacht belagern , aber Gesindel wie die Handvoll Reiter des Truchseß wagt sich doch nicht in die Nähe einer feindlichen Burg . « » Schau ! wie hell und schön der Mond scheint « , rief der Jüngling , der , noch immer erfüllt von dem Anblick auf dem Berge , die wunderlichen Schatten der Wälder und Höhen , die hellglänzenden Felsen betrachtete ; » siehe wie die Fenster von Neuffen im Mondlicht schimmern ! « » Es wäre mir lieber er schiene heute nacht nicht « , entgegnete sein Führer , indem er sich zuweilen besorgt umsah ; » dunkle Nacht wäre besser für uns , der Mond hat schon manchen braven Mann verraten . Doch jetzt steht er gerade über dem Reißenstein , wo der Riese gewohnt hat , es kann nicht mehr lange dauern , so ist er hinunter . « » Was schwatzt du da von einem Riesen , der auf dem Reißenstein gewohnt hat ? « » Ja , dort hat vor langer Zeit ein Riese gewohnt20 , das hat seine Richtigkeit ; dort über dem Berg , gerade wo jetzt der Mond steht , liegt ein Schloß , das heißt der Reißenstein ; es gehört jetzt den Helfensteinern ; es liegt auf jähen Felsen , weit oben in der Luft , und hat keine Nachbarschaft als die Wolken und bei Nacht den Mond . Geradeüber von der Burg auf einem Berge , worauf jetzt der Heimenstein steht , liegt eine Höhle , und darinnen wohnte vor alters ein Riese . Er hatte ungeheuer viel Gold , und hätte herrlich und in Freuden leben können , wenn es noch mehr Riesen und Riesinnen außer ihm gegeben hätte . Da fiel es ihm ein , er wolle sich ein Schloß bauen , wie es die Ritter haben auf der Alb . Der Felsen gegenüber schien ihm gerade recht dazu . Er selbst aber war ein schlechter Baumeister ; er grub mit den Nägeln haushohe Felsen aus der Alb und stellte sie aufeinander , aber sie fielen immer wieder ein und wollten kein geschicktes Schloß geben . Da legte er sich auf den Beurener Felsen , und schrie ins Tal hinab nach Handwerkern , Zimmerleute , Maurer , Steinmetze , Schlosser , alles solle kommen und ihm helfen ; er wolle gut bezahlen . Man hörte sein Geschrei im ganzen Schwabenland vom Kocher hinauf bis zum Bodensee , vom Neckar bis an die Donau , und überallher kamen die Meister und Gesellen , um dem Riesen das Schloß zu bauen . - Reitet aus dem Mondschein , Junker , hieher in den Schatten , Euer Harnisch glänzt wie Silber , und könnte leicht den Spürhunden in die Augen glänzen ! Nun , um wieder auch den Riesen zu kommen , so war es lustig anzusehen , wie er vor seiner Höhle im Sonnenschein saß , und über dem Tal drüben auf dem hohen Felsen sein Schloß bauen sah , die Meister und Gesellen waren flink an der Arbeit und bauten wie er ihnen über das Tal hinüber zuschrie ; sie hatten allerlei fröhlichen Schwank und Kurzweil mit ihm , weil er von