romantisches Land , das mit Städten und Burgen , mit Tempeln und Begräbnissen übersäet war , und alle Anmuth bewohnter Ebenen mit den furchtbaren Reizen der Einöde und schroffer Felsengegenden vereinigte . Die schönsten Farben waren in den glücklichsten Mischungen . Die Bergspitzen glänzten wie Lustfeuer in ihren Eis- und Schneehüllen . Die Ebene lachte im frischesten Grün . Die Ferne schmückte sich mit allen Veränderungen von Blau , und aus der Dunkelheit des Meeres wehten unzählige bunte Wimpel von zahlreichen Flotten . Hier sah man einen Schiffbruch im Hintergrunde , und vorne ein ländliches fröliches Mahl von Landleuten ; dort den schrecklich schönen Ausbruch eines Vulkans , die Verwüstungen des Erdbebens , und im Vordergrunde ein liebendes Paar unter schattenden Bäumen in den süßesten Liebkosungen . Abwärts eine fürchterliche Schlacht , und unter ihr ein Theater voll der lächerlichsten Masken . Nach einer andern Seite im Vordergrunde einen jugendlichen Leichnam auf der Baare , die ein trostloser Geliebter festhielt , und die weinenden Eltern daneben ; im Hintergrunde eine liebliche Mutter mit dem Kinde an der Brust und Engel sitzend zu ihren Füßen , und aus den Zweigen über ihrem Haupte herunterblickend . Die Szenen verwandelten sich unaufhörlich , und flossen endlich in eine große geheimnißvolle Vorstellung zusammen . Himmel und Erde waren in vollem Aufruhr . Alle Schrecken waren losgebrochen . Eine gewaltige Stimme rief zu den Waffen . Ein entsetzliches Heer von Todtengerippen , mit schwarzen Fahnen , kam wie ein Sturm von dunkeln Bergen herunter , und griff das Leben an , das mit seinen jugendlichen Schaaren in der hellen Ebene in muntern Festen begriffen war , und sich keines Angriffs versah . Es entstand ein entsetzliches Getümmel , die Erde zitterte ; der Sturm brauste , und die Nacht ward von fürchterlichen Meteoren erleuchtet . Mit unerhörten Grausamkeiten zerriß das Heer der Gespenster die zarten Glieder der Lebendigen . Ein Scheiterhaufen thürmte sich empor , und unter dem grausenvollsten Geheul wurden die Kinder des Lebens von den Flammen verzehrt . Plötzlich brach aus dem dunklen Aschenhaufen ein milchblauer Strom nach allen Seiten aus . Die Gespenster wollten die Flucht ergreifen , aber die Flut wuchs zusehends , und verschlang die scheusliche Brut . Bald waren alle Schrecken vertilgt . Himmel und Erde flossen in süße Musik zusammen . Eine wunderschöne Blume schwamm glänzend auf den sanften Wogen . Ein glänzender Bogen schloß sich über die Flut auf welchem göttliche Gestalten auf prächtigen Thronen , nach beyden Seiten herunter , saßen . Sophie saß zu oberst , die Schaale in der Hand , neben einem herrlichen Manne , mit einem Eichenkranze um die Locken , und einer Friedenspalme statt des Szepters in der Rechten . Ein Lilienblatt bog sich über den Kelch der schwimmenden Blume ; die kleine Fabel saß auf demselben , und sang zur Harfe die süßesten Lieder . In dem Kelche lag Eros selbst , über ein schönes schlummerndes Mädchen hergebeugt , die ihn fest umschlungen hielt . Eine kleinere Blüthe schloß sich um beyde her , so daß sie von den Hüften an in Eine Blume verwandelt zu seyn schienen . Eros dankte Ginnistan mit tausend Entzücken . Er umarmte sie zärtlich , und sie erwiederte seine Liebkosungen . Ermüdet von der Beschwerde des Weges und den mannichfaltigen Gegenständen , die er gesehen hatte , sehnte er sich nach Bequemlichkeit und Ruhe . Ginnistan , die sich von dem schönen Jüngling lebhaft angezogen fühlte , hütete sich wohl des Trankes zu erwähnen , den Sophie ihm mitgegeben hatte . Sie führte ihn zu einem abgelegenen Bade , zog ihm die Rüstung aus , und zog selbst ein Nachtkleid an , in welchem sie fremd und verführerisch aussah . Eros tauchte sich in die gefährlichen Wellen , und stieg berauscht wieder heraus . Ginnistan trocknete ihn , und rieb seine starken , von Jugendkraft gespannten Glieder . Er gedachte mit glühender Sehnsucht seiner Geliebten , und umfaßte in süßem Wahne die reitzende Ginnistan . Unbesorgt überließ er sich seiner ungestümen Zärtlichkeit , und schlummerte endlich nach den wollüstigsten Genüssen an dem reizenden Busen seiner Begleiterin ein . Unterdessen war zu Hause eine traurige Veränderung vorgegangen . Der Schreiber hatte das Gesinde in eine gefährliche Verschwörung verwickelt . Sein feindseliges Gemüth hatte längst Gelegenheit gesucht , sich des Hausregiments zu bemächtigen , und sein Joch abzuschütteln . Er hatte sie gefunden . Zuerst bemächtigte sich sein Anhang der Mutter , die in eiserne Bande gelegt wurde . Der Vater ward bey Wasser und Brod ebenfalls hingesetzt . Die kleine Fabel hörte den Lärm im Zimmer . Sie verkroch sich hinter dem Altare , und wie sie bemerkte , daß eine Thür an seiner Rückseite verborgen war , so öffnete sie dieselbe mit vieler Behendigkeit , und fand , daß eine Treppe in ihm hinunterging . Sie zog die Tür nach sich , und stieg im Dunkeln die Treppe hinunter . Der Schreiber stürzte mit Ungestüm herein , um sich an der kleinen Fabel zu rächen , und Sophien gefangen zu nehmen . Beyde waren nicht zu finden . Die Schaale fehlte auch , und in seinem Grimme zerschlug er den Altar in tausend Stücke , ohne jedoch die heimliche Treppe zu entdecken . Die kleine Fabel stieg geraume Zeit . Endlich kam sie auf einen freyen Platz hinaus , der rund herum mit einer prächtigen Colonnade geziert , und durch ein großes Thor geschlossen war . Alle Figuren waren hier dunkel . Die Luft war wie ein ungeheurer Schatten ; am Himmel stand ein schwarzer strahlender Körper . Man konnte alles auf das deutlichste unterscheiden , weil jede Figur einen andern Anstrich von Schwarz zeigte , und einen lichten Schein hinter sich , warf ; Licht und Schatten schienen hier ihre Rollen vertauscht zu haben . Fabel freute sich in einer neuen Welt zu seyn . Sie besah alles mit kindlicher Neugierde . Endlich kam sie an das Thor , vor welchem auf einem massiven Postument eine schöne Sphinx lag . Was suchst du ? sagte die Sphinx ; mein Eigenthum , erwiederte Fabel . - Wo kommst du her ? - Aus alten Zeiten ; - Du bist noch ein Kind - Und werde ewig ein Kind seyn . - Wer wird dir beystehn ? - Ich stehe für mich . Wo sind die Schwestern , fragte Fabel ? - Überall und nirgends , gab die Sphinx zur Antwort . - Kennst du mich ? - noch nicht . - Wo ist die Liebe ? - In der Einbildung . - Und Sophie ? - Die Sphinx murmelte unvernehmlich vor sich hin , und rauschte mit den Flügeln . Sophie und Liebe , rief triumphirend Fabel , und ging durch das Thor . Sie trat in die ungeheure Höhle , und ging frölich auf die alten Schwestern zu , die bey der kärglichen Nacht einer schwarzbrennenden Lampe ihr wunderliches Geschäft trieben . Sie thaten nicht , als ob sie den kleinen Gast bemerkten , der mit artigen Liebkosungen sich geschäftig um sie erzeigte . Endlich krächzte die eine mit rauhen Worten und scheelem Gesicht : Was willst du hier , Müßiggängerin ? wer hat dich eingelassen ? Dein kindisches Hüpfen bewegt die stille Flamme . Das Öl verbrennt unnützer Weise . Kannst du dich nicht hinsetzen und etwas vornehmen ? - Schöne Base , sagte Fabel , am Müßiggehn ist mir nichts gelegen . Ich mußte recht über eure Thürhüterin lachen . Sie hätte mich gern an die Brust genommen , aber sie mußte zu viel gegessen haben , sie konnte nicht aufstehn . Laßt mich vor der Thür sitzen , und gebt mir etwas zu spinnen ; denn hier kann ich nicht gut sehen , und wenn ich spinne , muß ich singen und plaudern dürfen , und das könnte euch in euren ernsthaften Gedanken stören . - Hinaus sollst du nicht , aber in der Nebenkammer bricht ein Strahl der Oberwelt durch die Felsritzen , da magst du spinnen , wenn du so geschickt bist ; hier liegen ungeheure Haufen von alten Enden , die drehe zusammen ; aber hüte dich : wenn du saumselig spinnst , oder der Faden reißt , so schlingen sich die Fäden um dich her und ersticken dich . - Die Alte lachte hämisch , und spann . Fabel raffte einen Arm voll Fäden zusammen , nahm Wocken und Spindel , und hüpfte singend in die Kammer . Sie sah durch die Öffnung hinaus , und erblickte das Sternbild des Phönixes . Froh über das glückliche Zeichen fing sie an lustig zu spinnen , ließ die Kammerthür ein wenig offen , und sang halbleise : Erwacht in euren Zellen , Ihr Kinder alter Zeit ; Laßt eure Ruhestellen , Der Morgen ist nicht weit . * Ich spinne eure Fäden In Einen Faden ein ; Aus ist die Zeit der Fehden . Ein Leben sollt ' ihr seyn . * Ein jeder lebt in Allen , Und All ' in Jedem auch . Ein Herz wird in euch wallen , Von Einem Lebenshauch . * Noch seyd ihr nichts als Seele , Nur Traum und Zauberey . Geht furchtbar in die Höhle Und neckt die heil ' ge Drey . * Die Spindel schwang sich mit unglaublicher Behendigkeit zwischen den kleinen Füßen ; während sie mit beyden Händen den zarten Faden drehte . Unter dem Liede wurden unzählige Lichterchen sichtbar , die aus der Thürspalte schlüpften und durch die Höhle in scheuslichen Larven sich verbreiteten . Die Alten hatten während der Zeit immer mürrisch fortgesponnen , und auf das Jammergeschrey der kleinen Fabel gewartet , aber wie entsetzten sie sich , als auf einmal eine erschreckliche Nase über ihre Schultern guckte , und wie sie sich umsahen , die ganze Höhle voll der gräßlichsten Figuren war , die tausenderley Unfug trieben . Sie fuhren in einander , heulten mit fürchterlicher Stimme , und wären vor Schrecken zu Stein geworden , wenn nicht in diesem Augenblicke der Schreiber in die Höhle getreten wäre , und eine Alraunwurzel bey sich gehabt hätte . Die Lichterchen verkrochen sich in die Felsklüfte und die Höhle wurde ganz hell , weil die schwarze Lampe in der Verwirrung umgefallen und ausgelöscht war . Die Alten waren froh , wie sie den Schreiber kommen hörten , aber voll Ingrimms gegen die kleine Fabel . Sie riefen sie heraus , schnarchten sie fürchterlich an und verboten ihr fortzuspinnen . Der Schreiber schmunzelte höhnisch , weil er die kleine Fabel nun in seiner Gewalt zu haben glaubte und sagte : Es ist gut , daß du hier bist und zur Arbeit angehalten werden kannst . Ich hoffe , daß es an Züchtigungen nicht fehlen soll . Dein guter Geist hat dich hergeführt . Ich wünsche dir langes Leben und viel Vergnügen . - Ich danke dir für deinen guten Willen , sagte Fabel ; man sieht dir jetzt die gute Zeit an ; dir fehlt nur noch das Stundenglas und die Hippe , so siehst du ganz wie der Bruder meiner schönen Basen aus . Wenn du Gänsespulen brauchst , so zupfe ihnen nur eine Handvoll zarten Pflaum aus den Wangen . Der Schreiber schien Miene zu machen , über sie herzufallen . Sie lächelte und sagte : Wenn dir dein schöner Haarwuchs und dein geistreiches Auge lieb sind , so nimm dich in Acht ; bedenke meine Nägel , du hast nicht viel mehr zu verlieren . Er wandte sich mit verbißner Wuth zu den Alten , die sich die Augen wischten , und nach ihren Wocken umhertappten . Sie konnten nichts finden , da die Lampe ausgelöscht war , und ergossen sich in Schimpfreden gegen Fabel . Laßt sie doch gehn , sprach er tückisch , daß sie euch Taranteln fange , zur Bereitung eures Öls . Ich wollte euch zu euerm Troste sagen , daß Eros ohne Rast umherfliegt , und eure Scheere fleißig beschäftigen wird . Seine Mutter , die euch so oft zwang , die Fäden länger zu spinnen , wird morgen ein Raub der Flammen . Er kitzelte sich , um zu lachen . Wie er sah , daß Fabel einige Thränen bey dieser Nachricht vergoß , gab ein Stück von der Wurzel der Alten , und ging naserümpfend von dannen . Die Schwestern hießen der Fabel mit zorniger Stimme Taranteln suchen , ohngeachtet sie noch Öl vorräthig hatten , und Fabel eilte fort . Sie that , als öffne sie das Thor , warf es ungestüm wieder zu , und schlich sich leise nach dem Hintergrunde der Höhle , wo eine Leiter herunter hing . Sie kletterte schnell hinauf , und kam bald vor eine Fallthür , die sich in Arkturs Gemach öffnete . Der König saß umringt von seinen Räthen , als Fabel erschien . Die nördliche Krone zierte sein Haupt . Die Lilie hielt er mit der Linken , die Wage in der Rechten . Der Adler und Löwe saßen zu seinen Füßen . Monarch , sagte die Fabel , indem sie sich ehrfurchtsvoll vor ihm neigte ; Heil deinem festgegründeten Throne ! frohe Bothschaft deinem verwundeten Herzen ! baldige Rückkehr der Weisheit ! Ewiges Erwachen dem Frieden ! Ruhe der rastlosen Liebe ! Verklärung des Herzens ! Leben dem Alterthum und Gestalt der Zukunft ! Der König berührte ihre offene Stirn mit der Lilie : Was du bittest , sey dir gewährt . - Dreymal werde ich bitten , wenn ich zum viertenmale komme , so ist die Liebe vor der Thür . Jetzt gieb mir die Leyer . - Eridanus ! bringe sie her , rief der König . Rauschend strömte Eridanus von der Decke , und Fabel zog die Leyer aus seinen blinkenden Fluten . Fabel that einige weißagende Griffe ; der König ließ ihr den Becher reichen , aus dem sie nippte und mit vielen Danksagungen hinweg eilte . Sie glitt in reizenden Bogenschwüngen über das Eismeer , indem sie fröliche Musik aus den Saiten lockte . Das Eis gab unter ihren Tritten die herrlichsten Töne von sich . Der Felsen der Trauer hielt sie für Stimmen seiner suchenden rückkehrenden Kinder , und antwortete in einem tausendfachen Echo . Fabel hatte bald das Gestade erreicht . Sie begegnete ihrer Mutter , die abgezehrt und bleich aussah , schlank und ernst geworden war , und in edlen Zügen die Spuren eines hoffnungslosen Grams , und rührender Treue verrieth . Was ist aus dir geworden , liebe Mutter ? sagte Fabel , du scheinst mir gänzlich verändert ; ohne inneres Anzeichen hätt ' ich dich nicht erkannt . Ich hoffte mich an deiner Brust einmal wieder zu erquicken ; ich habe lange nach dir geschmachtet . Ginnistan liebkoste sie zärtlich , und sah heiter und freundlich aus . Ich dachte es gleich , sagte sie , daß dich der Schreiber nicht würde gefangen haben . Dein Anblick erfrischt mich . Es geht mir schlimm und knapp genug , aber ich tröste mich bald . Vielleicht habe ich einen Augenblick Ruhe . Eros ist in der Nähe , und wenn er dich sieht , und du ihm vorplauderst , verweilt er vielleicht einige Zeit . Indeß kannst du dich an meine Brust legen ; ich will dir geben , was ich habe . Sie nahm die Kleine auf den Schooß , reichte ihr die Brust , und fuhr fort , indem sie lächelnd auf die Kleine hinunter sah , die es sich gut schmecken ließ . Ich bin selbst Ursach , daß Eros so wild und unbeständig geworden ist . Aber mich reut es dennoch nicht , denn jene Stunden , die ich in seinen Armen zubrachte , haben mich zur Unsterblichen gemacht . Ich glaubte unter seinen feurigen Liebkosungen zu zerschmelzen . Wie ein himmlischer Räuber schien er mich grausam vernichten und stolz über sein bebendes Opfer triumphiren zu wollen . Wir erwachten spät aus dem verbotenen Rausche , in einem sonderbar vertauschten Zustande . Lange silberweiße Flügel bedeckten seine weißen Schultern , und die reitzende Fülle und Biegung seiner Gestalt . Die Kraft , die ihn so plötzlich aus einem Knaben zum Jünglinge quellend getrieben , schien sich ganz in die glänzenden Schwingen gezogen zu haben , und er war wieder zum Knaben geworden . Die stille Glut seines Gesichts war in das tändelnde Feuer eines Irrlichts , der heilige Ernst in verstellte Schalkheit , die bedeutende Ruhe in kindische Unstätigkeit , der edle Anstand in drollige Beweglichkeit verwandelt . Ich fühlte mich von einer ernsthaften Leidenschaft unwiderstehlich zu dem muthwilligen Knaben gezogen , und empfand schmerzlich seinen lächelnden Hohn , und seine Gleichgültigkeit gegen meine rührendsten Bitten . Ich sah meine Gestalt verändert . Meine sorglose Heiterkeit war verschwunden , und hatte einer traurigen Bekümmerniß , einer zärtlichen Schüchternheit Platz gemacht . Ich hät [ tte ] mich mit Eros vor allen Augen verbergen mögen . Ich hatte nicht das Herz in seine beleidigenden Augen zu sehn , und fühlte mich entsetzlich beschämt und erniedrigt . Ich hatte keinen andern Gedanken , als ihn , und hätte mein Leben hingegeben , um ihn von seinen Unarten zu befreyen . Ich mußte ihn anbeten , so tief er auch alle meine Empfindungen kränkte . Seit der Zeit , wo er sich aufmachte und mir entfloh , so rührend ich auch mit den heißesten Thränen ihn beschwor , bey mir zu bleiben , bin ich ihm überall gefolgt . Er scheint es ordentlich darauf anzulegen , mich zu necken . Kaum habe ich ihn erreicht , so fliegt er tückisch weiter . Sein Bogen richtet überall Verwüstungen an . Ich habe nichts zu thun , als die Unglücklichen zu trösten , und habe doch selbst Trost nöthig . Ihre Stimmen , die mich rufen , zeigen mir seinen Weg , und ihre wehmüthigen Klagen , wenn ich sie wieder verlassen muß , gehen mir tief zu Herzen . Der Schreiber verfolgt uns mit entsetzlicher Wuth , und rächt sich an den armen Getroffenen . Die Frucht jener geheimnißvollen Nacht , waren eine zahlreiche Menge wunderlicher Kinder , die ihrem Großvater ähnlich sehn , und nach ihm genannt sind . Geflügelt wie ihr Vater begleiten sie ihn beständig , und plagen die Armen , die sein Pfeil trifft . Doch da kömmt der fröliche Zug . Ich muß fort ; lebe wohl , süßes Kind . Sei [ ne ] Nähe erregt meine Leidenschaft . Sey glücklich in deinem Vorhaben . - Eros zog weiter , ohne Ginnistan , die auf ihn zueilte , einen zärtlichen Blick zu gönnen . Aber zu Fabel wandte er sich freundlich , und seine kleinen Begleiter tanzten fröhlich um sie her . Fabel freute sich , ihren Milchbruder wieder zu sehn , und sang zu ihrer Leyer ein munteres Lied . Eros schien sich besinnen zu wollen und ließ den Bogen fallen . Die Kleinen entschliefen auf dem Rasen . Ginnistan konnte ihn fassen , und er litt ihre zärtlichen Liebkosungen . Endlich fing Eros auch an zu nicken , schmiegte sich an Ginnistans Schooß , und schlummerte ein , indem er seine Flügel über sie ausbreitete . Unendlich froh war die müde Ginnistan , und verwandte kein Auge von dem holden Schläfer . Während des Gesanges waren von allen Seiten Taranteln zum Vorschein gekommen , die über die Grashalme ein glänzendes Netz zogen , und lebhaft nach dem Takte sich an ihren Fäden bewegten . Fabel tröstete nun ihre Mutter , und versprach ihr baldige Hülfe . Vom Felsen tönte der sanfte Wiederhall der Musik , und wiegte die Schläfer ein . Ginnistan sprengte aus dem wohlverwahrten Gefäß einige Tropfen in die Luft , und die anmuthigsten Träume fielen auf sie nieder . Fabel nahm das Gefäß mit und setzte ihre Reise fort . Ihre Saiten ruhten nicht , und die Taranteln folgten auf schnellgesponnenen Fäden den bezaubernden Tönen . Sie sah bald von weitem die hohe Flamme des Scheiterhaufens , die über den grünen Wald emporstieg . Traurig sah sie gen Himmel , und freute sich , wie sie Sophieens blauen Schleyer erblickte , der wallend über der Erde schwebte , und auf ewig die ungeheure Gruft bedeckte . Die Sonne stand feuerroth vor Zorn am Himmel , die gewaltige Flamme sog an ihrem geraubten Lichte , und so heftig sie es auch an sich zu halten schien , so ward sie doch immer bleicher und fleckiger . Die Flamme ward weißer und mächtiger , je fahler die Sonne ward . Sie sog das Licht immer stärker in sich und bald war die Glorie um das Gestirn des Tages verzehrt und nur als eine matte , glänzende Scheibe stand es noch da , indem jede neue Regung des Neides und der Wuth den Ausbruch der entfliehenden Lichtwellen vermehrte . Endlich war nichts von der Sonne mehr übrig , als eine schwarze ausgebrannte Schlacke , die herunter ins Meer fiel . Die Flamme war über allen Ausdruck glänzend geworden . Der Scheiterhaufen war verzehrt . Sie hob sich langsam in die Höhe und zog nach Norden . Fabel trat in den Hof , der verödet aussah ; das Haus war unterdeß verfallen . Dornsträuche wuchsen in den Ritzen der Fenstergesimse und Ungeziefer aller Art kribbelte auf den zerbrochenen Stiegen . Sie hörte im Zimmer einen entsetzlichen Lärm ; der Schreiber und seine Gesellen hatten sich an dem Flammentode der . Mutter geweidet , waren aber gewaltig erschrocken , wie sie den Untergang der Sonne wahrgenommen hatten . Sie hatten sich vergeblich angestrengt , die Flamme zu löschen , und waren bey dieser Gelegenheit nicht ohne Beschädigungen geblieben . Der Schmerz und die Angst preßte ihnen entsetzliche Verwünschungen und Klagen aus . Sie erschraken noch mehr , als Fabel ins Zimmer trat , und stürmten mit wüthendem Geschrey auf sie ein , um an ihr den Grimm auszulassen . Fabel schlüpfte hinter die Wiege , und ihre Verfolger traten ungestüm in das Gewebe der Taranteln , die sich durch unzählige Bisse an ihnen rächten . Der ganze Haufen fing nun toll an zu tanzen , wozu Fabel ein lustiges Lied spielte . Mit vielem Lachen über ihre possierlichen Fratzen ging sie auf die Trümmer des Altars zu , und räumte sie weg , um die verborgene Treppe zu finden , auf der sie mit ihrem Tarantelgefolge hinunter stieg . Die Sphinx fragte : Was kommt plötzlicher , als der Blitz ? - Die Rache , sagte Fabel . - Was ist am vergänglichsten ? - Unrechter Besitz . - Wer kennt die Welt ? - Wer sich selbst kennt . - Was ist das ewige Geheimniß ? - Die Liebe . - Bey wem ruht es ? - Bey Sophieen . Die Sphinx krümmte sich kläglich , und Fabel trat in die Höhle . Hier bringe ich euch Taranteln , sagte sie zu den Alten , die ihre Lampe wieder angezündet hatten und sehr ämsig arbeiteten . Sie erschraken , und die eine lief mit der Scheere auf sie zu , um sie zu erstechen . Unversehens trat sie auf eine Tarantel , und diese stach sie in den Fuß . Sie schrie erbärmlich . Die andern wollten ihr zu Hülfe kommen und wurden ebenfalls von den erzürnten Taranteln gestochen . Sie konnten sich nun nicht an Fabel vergreifen , und sprangen wild umher . Spinn ' uns gleich , riefen sie grimmig der Kleinen zu , leichte Tanzkleider . Wir können uns in den steifen Röcken nicht rühren , und vergehn fast vor Hitze , aber mit Spinnensaft mußt du den Faden einweichen , daß er nicht reißt , und wirke Blumen hinein , die im Feuer gewachsen sind , sonst bist du des Todes . - Recht gern , sagte Fabel und ging in die Nebenkammer . Ich will euch drey tüchtige Fliegen verschaffen , sagte sie zu den Kreuzspinnen , die ihre luftigen Gewebe rund um an der Decke und den Wänden angeheftet hatten , aber ihr müßt mir gleich drey hübsche , leichte Kleider spinnen . Die Blumen , die hinein gewirkt werden sollen , will ich auch gleich bringen . Die Kreuzspinnen waren bereit und fingen rasch zu weben an . Fabel schlich sich zur Leiter und begab sich zu Arktur . Monarch sagte sie , die Bösen tanzen , die Guten ruhn . Ist die Flamme angekommen ? - Sie ist angekommen , sagte der König . Die Nacht ist vorbey und das Eis schmilzt . Meine Gattin zeigt sich von weitem . Meine Feindinn ist versenkt . Alles fängt zu leben an . Noch darf ich mich nicht sehn lassen , denn allein bin ich nicht König . Bitte was du willst . - Ich brauche , sagte Fabel , Blumen , die im Feuer gewachsen sind . Ich weiß , du hast einen geschickten Gärtner , der sie zu ziehen versteht . - Zink , rief der König , gieb uns Blumen . Der Blumengärtner trat aus der Reihe , holte einen Topf voll Feuer , und säete glänzenden Samenstaub hinein . Es währte nicht lange , so flogen die Blumen empor . Fabel sammelte sie in ihre Schürze , und machte sich auf den Rückweg . Die Spinnen waren fleißig gewesen , und es fehlte nichts mehr , als das Anheften der Blumen , welches sie sogleich mit vielem Geschmack und Behendigkeit begannen . Fabel hütete sich wohl die Enden abzureißen , die noch an den Weberinnen hingen . Sie trug die Kleider den ermüdeten Tänzerinnen hin , die triefend von Schweiß umgesunken waren , und sich einige Augenblicke von der ungewohnten Anstrengung erholten . Mit vieler Geschicklichkeit entkleidete sie die hagern Schönheiten , die es an Schmähungen der kleinen Dienerin nicht fehlen ließen , und zog ihnen die neuen Kleider an , die sehr niedlich gemacht waren und vortrefflich paßten . Sie pries während dieses Geschäftes die Reize und den liebenswürdigen Charakter ihrer Gebieterinnen , und die Alten schienen ordentlich erfreut über die Schmeicheleyen und die Zierlichkeit des Anzuges . Sie hatten sich unterdeß erholt , und fingen von neuer Tanzlust beseelt wieder an , sich munter umherzudrehen , indem sie heimtückisch der Kleinen langes Leben und große Belohnungen versprachen . Fabel ging in die Kammer zurück , und sagte zu den Kreuzspinnen : Ihr könnt nun die Fliegen getrost verzehren , die ich in eure Weben gebracht habe . Die Spinnen waren so schon ungeduldig über das hin- und herreißen , da die Enden noch in ihnen waren und die Alten so toll umhersprangen ; sie rannten also hinaus , und fielen über die Tänzerinnen her ; diese wollten sich mit der Scheere vertheidigen , aber Fabel hatte sie in aller Stille mitgenommen . Sie unterlagen also ihren hungrigen Handwerksgenossen , die lange keine so köstlichen Bissen geschmeckt hatten , und sie bis auf das Mark aussaugten . Fabel sah durch die Felsenkluft hinaus , und erblickte den Perseus mit dem großen eisernen Schilde . Die Scheere flog von selbst dem Schilde zu , und Fabel bat ihn , Eros Flügel damit zu verschneiden , und dann mit seinem Schilde die Schwestern zu verewigen , und das große Werk zu vollenden . Sie verließ nun das unterirdische Reich , und stieg frölich zu Arkturs Pallaste . Der Flachs ist versponnen . Das Leblose ist wieder entseelt . Das Lebendige wird regieren , und das Leblose bilden und gebrauchen . Das Innere wird offenbart , und das Äußre verborgen . Der Vorhang wird sich bald heben , und das Schauspiel seinen Anfang nehmen . Noch einmal bitte ich , dann spinne ich Tage der Ewigkeit . - Glückliches Kind , sagte der gerührte Monarch , du bist unsre Befreyerin . - Ich bin nichts als Sophiens Pathe , sagte die Kleine . Erlaube daß Turmalin , der Blumengärtner , und Gold mich begleiten . Die Asche meiner Pflegemutter muß ich sammeln , und der alte Träger muß wieder aufstehn , daß die Erde wieder schwebe und nicht auf dem Chaos liege . Der König rief allen Dreyen , und befahl ihnen , die Kleine zu begleiten . Die Stadt war hell , und auf den Straßen war ein lebhaftes Verkehr . Das Meer brach sich brausend an der hohlen Klippe , und Fabel fuhr auf des Königs Wagen mit ihren Begleitern hinüber . Turmalin sammelte sorgfältig die auffliegende Asche . Sie gingen rund um die Erde , bis sie an den alten Riesen kamen , an dessen Schultern sie hinunter klimmten . Er schien vom Schlage gelähmt , und konnte kein Glied rühren . Gold legte ihm eine Münze in den Mund , und der Blumengärtner schob eine Schüssel unter seine Lenden . Fabel berührte ihm die Augen , und goß das Gefäß auf seiner Stirn aus . So wie das Wasser über das Auge in den Mund und herunter über ihn in die Schüssel floß , zuckte ein Blitz des Lebens ihm in allen Muskeln . Er schlug die Augen auf und hob sich rüstig empor . Fabel sprang zu ihren Begleitern auf die steigende Erde , und bot ihm freundlich guten Morgen . Bist du wieder da , liebliches Kind ? sagte der Alte ; habe ich doch immer von dir geträumt . Ich dachte immer , du würdest erscheinen , ehe mir die Erde und die Augen zu schwer würden . Ich habe wohl lange geschlafen . Die Erde ist wieder leicht , wie sie es immer den Guten war , sagte Fabel . Die alten Zeiten kehren zurück . In Kurzem bist du wieder unter alten Bekannten . Ich will dir fröliche Tage spinnen , und an einem Gehülfen soll es auch nicht fehlen , damit du zuweilen an unsern Freuden Theil nehmen , und im Arm einer Freundinn Jugend und Stärke einathmen kannst . Wo sind unsere alten Gastfreundinnen , die Hesperiden ? - An Sophiens Seite . Bald wird ihr Garten wieder blühen , und die goldne Frucht duften . Sie gehen umher und sammeln die schmachtenden Pflanzen . Fabel entfernte sich , und eilte dem Hause zu . Es war zu völligen