als möglich im Trüben fischte . Am 6. September zogen die Oesterreicher in Bukarest ein . Oesterreichs Verlangen an den deutschen Bundestag , ihm auch bei einem weiteren aggressiven Vorgehen den Rücken zu decken und seine Besetzung der Donau-Fürstenthümer als eine deutsche Angelegenheit und für Deutschland unternommen zu schützen , scheiterte jedoch an der klaren und redlichen Politik des Königs von Preußen , der sich weigerte , den unter ' m 20. April geschlossenen Allianztractat zu einer deutschen Mobilmachung gegen Rußland ausbeuten zu lassen , um von dessen Bedrängniß Zugeständnisse für Oesterreich zu erzwingen , und der die Fürsten des deutschen Bundes bewog , allen Verdächtigungen Oesterreichs , allen Drohungen der englischen und französischen Presse gegenüber sich seiner strengen Neutralität anzuschließen . Preußens Ehrlichkeit rettete Rußland - das ist eine Thatsache , die erst die spätere Geschichte würdigen wird . Den Dank - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Goldener Sonnenschein lag über dem Pontus , dessen Wogen sich gleich der Brust eines Riesen hoben , bedrückt von einer , ungewohnten Last . Auf dem Hinterdeck der Fregatte » Niger « , nahe dem Steuer , stand ein bleicher Mann , die Hand auf die Wandtaue gestützt , und schaute auf das Gewühl ringsum , das den Spiegel des Meeres bedeckte , - auf die flache Küste , die sich von hohen Bergplateau ' s im Osten und Süden her hier in Steingerüll in das blaue Meer verlief . Es war der dreizehnte September , der Jahrestag der Schlacht an der Moskwa ; - eine Armada , zahlloser und stolzer als die des spanischen Philipp ' s , bedeckte das Meer ; - die Küste vor den Augen des Mannes war die Küste von Eupatoria , die Bai von Kalamita , und der Mann mit dem kranken bleichen Gesicht der englische Baronet Edward Maubridge . Das Verdeck des » Niger « war dicht gefüllt mit Offizieren und Soldaten des 42. englischen Infanterie-Regiments von der Brigade des Generals Campbell . Das Feldgepäck lag an den Seitenwänden hoch aufgethürmt , zwischen den dichten Gruppen der Soldaten bewegte sich oft nur mühsam das Schiffsvolk und nahm sich wenig in Acht , bei Gelegenheit durch einen Tritt oder Stoß seinen Groll an den verachteten Rothjacken und Landratzen auszulassen , die seine Decke ungangbar machten . Einzelne Weiber , dieser unvermeidliche Balast englischer Truppen , befanden sich im Vorderschiff . Um den kranken Baronet drängte und lärmte es von Offizieren , die mit Capitain Warburne über die Mittel ihrer Ausschiffung verhandelten und seinen Porter tranken . Der Adjutant des Generals , der Befehle wegen der Ausschiffung gebracht und dessen Boot unten an der Falltreppe auf den blauen Wellen schaukelte , trat zu dem Baronet . » Ich freue mich , Vetter , « sagte er , » Sie so weit wieder hergestellt zu sehen , daß Sie Zeuge unserer ersten Operationen sein können . Wie ich hörte , wurden Sie durch das Messer eines griechischen Banditen in der Nacht des Lazareth-Brandes in Varna verwundet ? « » So ist es , Capitain Waller . Zum Glück glitt der Stoß an den Rippen ab , nur das dazu getretene Fieber hat mich sechs Wochen an ' s Krankenlager gefesselt . Es ist das erste Mal , daß ich das Verdeck ohne Hilfe betrete , und wahrlich , der Anblick um mich her muß ein englisches Herz beleben . « Er war in der That großartig . Die schwimmende Stadt bedeckte , in drei Linien formirt , so weit das Auge sah , das Meer : Segel an Segel , die wirbelnden Säulen von Rauch , die Flaggensignale , die tausend kreuzenden Boote gewährten ein ewig wechselndes Bild . » Haben Sie noch einige Augenblicke Zeit , Vetter , so würden Sie mich durch eine kurze Uebersicht unserer Operationen verbinden . Bei dem Treiben im Schiff war in den letzten Tagen zu keinem vernünftigen Wort zu kommen . « » Oberst Lofter schreibt seine Antwort und das dauert sicher noch eine Viertelstunde , die ich Ihnen sehr gern widme . Ich war zufällig gestern an Bord des Agamemnon , des Flaggenschiffs des Sir Edward Lyons , und hörte da ausführlich die Dispositionen . « » Vor Allem , wie steht ' s mit der Gesundheit der Truppen ? « » Im Augenblick ziemlich günstig ; es war aber die höchste Zeit , daß wir in Bewegung kamen . Bis Ende Juli waren von Portsmouth , Southampton , London , Marseille und Toulon 80,000 Mann bis Varna gebracht , aber die Cholera und die schlechte Verpflegung hatte uns im August auf 65,000 reduzirt . Die unglückliche Expedition nach der Dobrudscha hat die Franzosen allein 6000 Mann gekostet . « » Ich hörte davon . Sie begann am Tage meiner Verwundung . « » Der Zug nach der Krimm war zum August schon beschlossen , nur war man über die Landungsplätze und die Operationen selbst noch nicht einig . Sie wissen , daß am 5. die Einschiffungen begannen , am 9. trafen wir die vorausgegangene französische Flotte an den Schlangeninseln und das Gros ist seitdem vereint geblieben , 150 Kriegsschiffe einschließlich 32 Linienschiffe1 und 80 Dampfer , dazu 600 Transportschiffe . « » Wer hat die Letzteren geliefert ? « » Alle Welt , wir haben allein 73 Oesterreicher darunter . « » Kennen Sie die Stärke unserer Truppen ? « » Ganz genau . Wir zählen 32 Bataillone , 10 Schwadronen und 24 Geschütze , etwa 26,000 Mann2 ; die Franzosen 38 Bataillone , 4 Sappeur-Compagnieen und 72 Geschütze , dagegen an Kavallerie nur eine halbe Schwadron Spahi ' s , im Ganzen3 32,000 Mann ; doch ist , wie ich höre , gestern schon ein Dampfschiff nach Varna zurückgegangen mit dem Befehl für den Aufbruch der Reserven . Unsere würdigen Schutzbefohlenen , die Türken , sind 7000 Mann stark . Die Armee führt 5000 Pferde , Belagerungsgeschütze , auf 39 Tage Proviant für 65,000 Mann und 1000 Schuß für jedes Geschütz mit . Wenn Sie bedenken , daß jede dieser 14 bis 16 Batterieen mit ihrer Schmiede und ihrer Munition 30 oder 31 Wagen zählt , so ergiebt dies schon an 450 Wagen mit fast 2000 Pferden Bespannung . Rechnen Sie dazu die Wagen mit Ingenieur-Geräthschaften , die Munitionswagen , die Lazarethwagen , das Gepäck und die Kavalleriepferde , so werden Sie sich einen Begriff dieses ungeheuren Transports machen , wie die Welt noch keinen zweiten gesehen . « » Ich fürchte nur Unglück und Verwirrung . « » Seien Sie unbesorgt , die Anstalten sind vortrefflich geordnet und , ich muß es gestehen , unsere jetzigen guten Freunde , die Franzosen , Meister in Arrangements . Die Oberbefehlshaber der Flotte , die Admirale Dundas und Hamelin , sorgen nur für die Sicherheit der Landung . Kriegsschiffe sind daher nach allen Punkten detaschirt , von denen eine Störung stattfinden könnte , selbst gegen Odessa . Vor Sebastopol kreuzen seit dem 10. die Vengeance , die Retribution und die Fury . Jedes Dampfschiff hatte zwei Transportschiffe in ' s Schlepptau genommen . Sie sehen die drei Linien , welche die Schiffe drei ( englische ) Meilen lang bilden , links bis zum Cap Baba , rechts nach der Bai von Kalamita hin bis zu den Trümmern jenes alten genuesischen Forts , das Sie über dem tatarischen Dorf auf der Spitze des Hügels erblicken und das morgen der Mittelpunkt der Landung sein wird . Die Avisoschiffe trafen schon vorgestern auf den Stationen von Cap Baba bis zum Cap Lukull ein , und Lyons , der die Ausschiffung leitet , untersuchte selbst die Küsten . Die erste Linie der Schiffe bestreicht mit ihrem schweren Geschütz das Ufer weit hin und führt den größten Theil der Infanterie an Bord . Auf der zweiten befindet sich die Kavallerie , auf der dritten die Artillerie und das Gepäck . « » Wann wird die Landung beginnen ? « Der Offizier sah nach seiner Uhr . » Es muß sogleich geschehen , und wenn Sie ein erträgliches Fernrohr haben , werden Sie von hier aus sie vollständig beobachten können . Doch sollen heute nur so viel Truppen an ' s Land gesetzt werden , um festen Fuß in Eupatoria fassen zu können , das nicht stark besetzt scheint . Die Hauptlandung beginnt morgen weiter südlich und man hofft , jede Stunde 6-7000 Mann landen zu können . « » Wann wird sich Lord Raglan ausschiffen ? « » Morgen . Er hat das genuesische Fort zu seinem Hauptquartier ausersehen . Marschall St. Arnaud jedoch , der sich dort an Bord der Ville de Paris befindet , wird erst am nächsten Tage folgen . Man sagt , er sei nicht ungefährlich krank . Der Herzog von Cambridge ist bei dem Lord , Prinz Napoleon und General Canrobert sind auf dem Valery und Montebello . « » Wie weit ist der Ausschiffungspunkt von Sebastopol entfernt ? « » Sieben französische Meilen in gerader Linie , doch wird er von zahlreichen Wasserscheiden durchschnitten . « » Werden die Russen unserer Landung keinen Widerstand entgegen setzen ? « » An dieser flachen Küste wäre er unmöglich . Die Wahl , die Sir George Brown und Canrobert auf ihrer Recognoscirung im Juli getroffen , ist vortrefflich . Sehen Sie , Edward , da gehen die Signale vom Flaggenschiff des Admirals in die Höhe und da kommt auch meine Depesche . Werden Sie mit an ' s Land gehen , Vetter ? « » Ich werde vorläufig bei Capitain Warburne bleiben . « » So leben Sie wohl und beeilen Sie sich mit Ihrer Genesung , um unserem Siege beiwohnen zu können . « Er sprang in ' s Boot . Aller Augen und Aller Interesse an Bord war jetzt von der beginnenden Ausschiffung auf dem linken Flügel in Anspruch genommen . Man konnte deutlich durch das Fernrohr die Operation verfolgen . Die Ausschiffung des bestimmten Corps von 10,000 Mann erfolgte zwischen Cap Baba und der kleinen Stadt Eupatoria . Zwei französische , zwei englische Regimenter und 3000 Türken wurden in der Zeit von zwei Stunden an ' s Land gebracht . Die Boote und Fähren lagen seitlängs der Schiffe , die ungefähr 1600 Ellen sich vom Ufer befanden und an deren Bord die Mannschaften in Abtheilungen geordnet standen , wie sie mit ungeladenen Gewehren in vollem Marschgepäck die Boote betreten sollten . Sobald ein solches seine Ladung hatte , setzte es sich gegen den Strand in Bewegung , bis auf die Entfernung von etwa 50 Ellen , wo die Mannschaften in ' s flache Wasser traten und nach dem Ufer wateten , auf dem sofort die Aufstellung erfolgte . Die Pferde wurden an den Schiffswinden aus dem Raum gehoben , in See gelassen und dort von den Gurten befreit , um nach dem Ufer zu schwimmen oder zu waten , wo man sie auffing . Das Ganze - das Vorspiel des nächsten Tages - gewährte ein überaus belebtes Schauspiel . Ein französisches Jäger- und ein englisches Rifle-Bataillon waren die Ersten am Lande , Zuaven und Türken folgten . Sobald ein Bataillon festen Fuß gefaßt , wurden Tirailleurs vorgeschickt , aber nirgends zeigte sich ein Feind , bis auf einige vereinzelte Kosacken , die sich in angemessener Entfernung hielten . Man glaubte , daß sich die russische Besatzung in Eupatoria zum energischen Widerstand rüste , und General Yussuf ging mit 4000 Engländern , Franzosen und Türken vor , um dir Stadt zu stürmen , als die Plänkler die überraschende Nachricht brachten , daß sie so gut wie verlassen war . Auf die Meldung hiervon wurde beschlossen , nur ein zur Besatzung genügendes Corps , das sofort zugleich die Befestigung der Stadt beginnen sollte , hier zurückzulassen und die weitere Ausschiffung südlicher vorzunehmen . Während der Nacht lichteten die Schiffe die Anker und segelten an der Küste hinab in die Bai von Kalamita . Die » Ville de Paris « legte sich um 7 Uhr Morgens dem alten Fort gegenüber und die ganze Flotte in der vorher bestimmten Ordnung um sie her . Um 8 Uhr gab der französische Admiral das Signal zur Ausschiffung , um halb 9 Uhr wehte die erste französische Flagge am Ufer ; General Canrobert und der Contre-Admiral Bouet-Villaumez pflanzten auf der Küste die drei Flaggen auf , welche die Ausschiffungspunkte für die drei Divisionen bezeichneten . Eine halbe Stunde darauf war die ganze erste Division gelandet ; die Feld-Artillerie wurde dabei in Barken ausgeschifft . Um Mittag war die ganze französische Armee mit 20 Feldgeschützen am Ufer , am Nachmittag wurden Pferde , Kanonen und Gepäck an ' s Land gebracht . Sobald die Colonnen sich formirt hatten , schickten sie Tirailleurs voran und debouchirten das Ufer hinauf . Die Engländer begannen ihre Ausschiffung um 93 / 4 Uhr und setzten sie mit Bequemlichkeit fort , so daß am Abend erst die Infanterie gelandet war . Es war der Jahrestag des Einzugs in Moskau . Wie am Tage vorher ließ sich kein Feind sehen , um die Landung zu verhindern . Nur ein einzelner Offizier , von einigen Kosacken gefolgt , hielt ruhig und beobachtend am Strande , schien sich ausführliche Notizen zu machen und zog sich erst zurück , als die ersten Truppen landeten . Auch da noch sah man ihn mit großer Kühnheit und Ruhe in der Entfernung etwa eines Minié-Schusses verweilen und seine Beobachtungen fortsetzen . Da man noch keine Kavallerie am Ufer hatte , wurde kein Versuch zu seiner Gefangennahme gemacht . Wir haben erwähnt , daß die Engländer ihre Landung erst begannen , nachdem bereits ein Theil der französischen Infanterie ausgeschifft war . Einer der Ersten am Ufer war General Brown und er begann sofort mit seiner gewöhnlichen Furchtlosigkeit und Gleichgültigkeit gegen Gefahr die Schlucht hinauf zu steigen , welche den Bach in ' s Meer führte , und die in verschiedenen Wendungen in das sich nach und nach hebende Land hineinlief . In seiner Begleitung befand sich allein der General-Quartiermeister Airey und Beide waren so eifrig in ihrem Gespräch , daß sie nicht bemerkten , wie weit hinaus sie die Linie der Vorposten überschritten . Die Flanke der französischen Position nahm an dem Klippenhügel , auf dessen Höhe die Ruinen des genuesischen Castells sich befanden , zunächst der englischen Ausschiffung , das dritte Zuaven-Regiment ein . Die Mannschaften hatten ihre Gewehre zusammengestellt , jedoch die Ordre , beisammen zu bleiben . Plänkler waren durch die Ebene zerstreut und drangen langsam vor . Auf der halben Höhe des Hügels , der mit Offiziergruppen jeder Waffengattung besetzt war , stand der Stab des Regiments um Oberst Polkes versammelt , theils über die Ausschiffung und die nächsten Schritte der Armee verhandelnd , theils dem Landen der Engländer zuschauend ; unter ihnen der Lieutenant-Colonel Vicomte de Méricourt . » Haben Sie über die Operationen Näheres gehört , Labrousse ? « Der Commandant des ersten Bataillons zuckte die Achseln . » Ihr Freund Sazé wird Besseres wissen . Ich sehe ihn dort den Hügel herauf kommen . « Der Ordonnanz-Offizier des Prinzen benutzte in der That einen freien Augenblick , um den Freund aufzusuchen , da nur wenig Pferde erst gelandet waren und er daher keinen Dienst that . » So viel ich gehört , « sagte er auf die nach der Begrüßung an ihn wiederholte Frage , » liegen zwei verschiedene Systeme vor . Nach dem ersten soll die Armee nach der Landung eine Schwenkung nach links machen , nach der Landenge von Perecop marschiren , den Russen eine Schlacht liefern und dann , gegen die anrückenden Hilfskräfte gesichert , die Belagerung von Sebastopol vornehmen . Nach dem zweiten sollen wir uns rechts wenden , unverzüglich auf Sebastopol losrücken und es durch einen raschen Angriff nehmen , ehe Entsatz und Hilfe herbeizukommen vermag . « » Was werden wir thun ? « » Das wird in dem Kriegsrath beschlossen werden , der nach der Landung der Engländer beim Marschall stattfindet . « » Sehen Sie da , meine Herren , « sagte ein großer hagerer Offizier mit spanischem Gesichtsschnitt , » der Russe hat wahrhaftig den Teufel im Leibe . Ich glaube , er hat es auf den englischen General abgesehen . « » Wo - was giebt ' s ? « » Seit einer Stunde schon , « antwortete der Capitain , » beobachtet der Offizier dort , nebst seinen sieben Kosacken , der einzige Russe , der sich bis jetzt hat blicken lassen , unsere Ausschiffung . Da drüben den Hohlweg hinauf stiegen vor zehn Minuten zwei englische Generäle , die Klippen verhindern sie , die Nähe der Feinde zu bemerken und sie können leicht hier vor unsern Augen niedergestochen werden . Sehen Sie - der Russe hat sie bemerkt , und trifft seine Anstalten . Er scheint ein noch sehr junger Offizier , das Gegenstück zu dem Fratzengesicht an seiner Seite , - ich kann seine Mienen deutlich erkennen . « » Erlauben Sie mir einen Augenblick Ihr Glas , Capitain de Lara . « » Mit Vergnügen . « Der Spanier reichte dem Vicomte das kurze Feldperspectiv ; deutlich , mit bloßen Augen , konnten Alle der Scene folgen . Man sah , wie der Kosack neben dem Offizier mit der Lanze nach der Schlucht wies , in der man die Federhüte der beiden Generäle von Zeit zu Zeit zwischen dem Gestein sich nähernd erblickte , wie dann die Russen von den Pferden stiegen , die Einer hinter die vorspringenden Felsen führte , und wie sie zwischen diesen sich verbargen . Nur der junge Offizier blieb den Augen in seiner beobachtenden Stellung noch sichtbar . Plötzlich preßte die Hand des Vicomte fest den Arm seines Freundes . » Nehmen Sie das Glas , Sazé - blicken Sie hin - erkennen Sie ihn ? « » Die Cholera soll mich haben , wenn das nicht der Fürst ist . Die Aehnlichkeit ist übrigens merkwürdig - eben kam ich an dem Bivouac Ihrer kleinen Marketenderin vorbei und betrachtete mir das blasse Gesicht ihres verrückten Gehilfen . « Die Gefahr der beiden englischen Oberoffiziere schien übrigens auch von vielen Andern bemerkt worden zu sein , als von der Gruppe der Zuaven-Offiziere . Ein Adjutant des Generals d ' Autemarre flog den Hügel hinunter und einige Augenblicke darauf hörte man die Hornsignale des Bataillons der afrikanischen Jäger , welches am weitesten voran stand , wie sie die Tirailleurs zum Avanciren commandirten . Während die Bewegung ausgeführt wurde , sah man die beiden britischen Generäle auf dem Plateau erscheinen , plötzlich Halt machen und dann in vollem Lauf zurückfliehen . Zugleich knallten mehrere Flintenschüsse und der Rauch kräuselte sich über die Felsstücke her . Mit athemloser Spannung hing jedes Auge an dem Punkt , um die Lösung der kleinen Scene zu erkunden . Dann sah man aus dem Schutz der Steinwände den russischen Offizier mit seinen sieben Kosacken hervorjagen und quer über die Ebene auf der Straße nach Sebastopol zu an der Kette der französischen Plänkler hinsprengen , die erfolglos den kecken Reitern mehrere Schüsse nachsandten . » Wahrhaftig ! der Bursche verdient , zu entkommen ! Sehen Sie , wie er auf unsere Kugeln höflich salutirt - und da löst sich das Räthsel ! « - Aus der Schlucht kamen verfolgend etwa ein Dutzend britische Infanteristen hervor , die unbeachtet den Generälen nachgegangen und im glücklichen Augenblick zur Stelle gekommen waren , um mit ihrem Feuer die Kosacken zurückzujagen . Einer der Letztern - Olis , der Enkel des alten Häuptlings - wurde leicht in ' s Bein getroffen , - das war das erste Blut , das auf dem Boden der Krimm in diesem Kriege vergossen ward . Ströme sollten folgen ! 4 - - - Die Franzosen hatten am Nachmittag ihre sämtlichen Pferde und ihre Bagage an ' s Land gebracht , die Engländer aber gefeiert . Dieser Verzug der Bequemlichkeit rächte sich alsbald , denn schon am Abend änderte sich plötzlich die Witterung und von Mitternacht bis zum Morgen wütheten Windstöße und heftige Regengüsse . Die englische Armee mußte diesen Vorschmack des Kommenden unter freiem Himmel , ohne Obdach , ohne Zelte , zubringen . Die an hundert Bequemlichkeiten gewöhnten alten Generäle , Lords und jungen Offiziere lagen im Platzregen am Ufer in durchweichten Decken , statt der Kopfkissen Salzwasserpfützen , ohne Feuer , ohne Grogk , ohne Aussicht auf ein warmes Frühstück , auf einen wohlthätigen Kleiderwechsel . Und rings umher zwanzigtausend pudelnasse Bursche , die sich in ihren Schiffsräumen von der Bescheerung Nichts hatten träumen lassen . Sir George Brown kampirte die Nacht unter einem umgestürzten Karren ; der Herzog von Cambridge hatte einen ähnlichen Schlafsalon , denn die Franzosen hatten alle Räume des kleinen Dorfes und der Ruine in Beschlag genommen . Die Verzögerung rächte sich aber noch bitterer , indem das Wetter am 15. und 16. fortdauerte , und mit der Brandung der Wellen am Ufer die Ausschiffung der Pferde und Artillerie sehr erschwerte . Viele schöne Pferde gingen dabei verloren . Das nasse Bivouac übte seinen Einfluß auch auf den Gesundheitszustand aus und einzelne Cholerafälle begannen sich wieder zu zeigen . Der Kriegsrath am 15. hatte sich für den directen Marsch nach Sebastopol , dessen Nordbefestigungen man im Sturm zu erobern hoffte , entschieden . Vier Tage waren jedoch durch die Zögerung der Engländer nöthig , um die übrige Artillerie , die Pferde , das Gepäck und die Proviantvorräthe an das Ufer zu schaffen , und um die Vorbereitungen zu dem Marsch zu treffen . Diese Zeit wurde zugleich benutzt , um aus Eupatoria eine feste Stellung zu machen , in deren Schutz man nöthigenfalls die Wiedereinschiffung bewirken konnte . Dann setzte sich das Gros der Armee gegen den Almafluß in Bewegung , auf dessen Höhen , wie die tatarischen Spione die Nachricht brachten , Fürst Menschikoff seine Stellung genommen . Die Armee rückte langsam und vorsichtig vor - die Flotten begleiteten sie zur Seite . - Der General-Gouverneur von Taurien , Marineminister Fürst Menschikoff gebot in jenem Augenblick in der Krimm , außer der Flotte von Sebastopol und geringen Garnisonen in Kertsch , Baktschiserai und Perecop , nur über eine disponible Armee von 42 Bataillonen , 16 Schwadronen Kavallerie , 11 Sotnien5 Kosacken , 72 Fuß- und 24 reitenden Geschützen , im Ganzen etwa 35,000 Mann . Es wäre ein schwieriges , ja , unmögliches Unternehmen gewesen , mit diesen geringen Kräften eine ausgedehnte Küste gegen die Landung einer so übermächtigen Armee und Flotte vertheidigen zu wollen oder gar die Offensive zu ergreifen . Der Fürst beschloß daher , zur Vertheidigung Sebastopols an der ersten Wasserscheide des Weges an dem Flüßchen Alma auf den vortheilhaft gelegenen Höhen eine Defensivstellung zu nehmen , den Rückzug nach Sebastopol und zur Rechten nach den Höhen von Baktschiserai auf diese Weise sich sichernd . Es ist ein unaufgeklärtes Räthsel geblieben , warum man , nach den langen Vorbereitungen der Alliirten für die Krimm-Expedition , die sich vom Anfang August nach der Rückkehr des französischen Corps aus der Dobrudscha nochmals bis zum September verzögerte , die Krimm nicht stärker besetzt hatte , als mit einer Anzahl , die in keiner Weise siegend dem Feinde die Spitze bieten konnte . Man muß als Erklärung Folgendes annehmen . In Petersburg herrschte zunächst der Glaube , daß wenn ein Angriff auf Sebastopol versucht würde , derselbe von der Seeseite aus erfolgen werde . Hier kannte man die Stärke der Festung und wußte , daß sie gleich Kronstadt den vereinigten Flotten Trotz bieten könne . Einen Landangriff erwartete man höchstens in Bessarabien . Außerdem glaubte der Kaiser den Zustand der Communicationsmittel der Art , daß leicht bedeutende Truppenmassen rasch nach der Krimm geworfen werden könnten ; er glaubte , nachdem er seit drei Jahren nicht in Sebastopol gewesen war , die Landbefestigungen der Stadt , für die gleichfalls ungeheure Summen verwendet worden , der Art , daß sie eine Belagerung aushalten könnten ; er glaubte die Festung für ein halbes Jahr vollständig verproviantirt . Dieser Glaube des Kaisers täuschte ihn , - all ' seine Strenge hatte das Trugsystem des russischen Beamten und Lieferanten theils nur vorsichtiger zu machen , nicht zu unterdrücken vermocht . Hierzu kam , daß in diesem Augenblick die russischen Behörden in den Heerlagern der Feinde schlecht bedient waren . In Constantinopel war , wie wir früher gemeldet , der Hauptagent der russischen Interessen , Baron Oelsner , entdeckt und unschädlich gemacht worden , nachdem der Sieg der Partei des Seraskiers seine Beschützer verdrängt hatte . Ein italienischer Arzt , Aska , den der Baron gewinnen wollte , verrieth ihn . Baron Oelsner , der , um die türkische Polizei zu täuschen , deren eigenen Agenten spielte und dafür ein Gehalt von 1000 Piastern monatlich bezog , hatte den Plan eines allgemeinen Aufstandes der Christen und einer Massacre der Moslems in einer bestimmten Nacht entworfen . Den militairischen Theil des Aufstandes sollte der Engländer Planta , genannt Harrison , leiten , jener Mann , der im Norden Deutschlands eine seltsame und räthselhafte Rolle gespielt hat . Ein griechischer Schiffscapitain , Konstantin , ein Verwandter des griechischen Gesandten Metaxa , hatte es übernommen , vierzig andere Schiffscapitaine für die Sache zu gewinnen , auf ihren Schiffen Waffen und Munition nach Constantinopel zu bringen und mit sämtlichen Matrosen der vierzig Schiffe bei dem Aufstande Hilfe zu leisten . Oelsner stand durch Vermittelung des russischen Obersten Bodinianoff in Verbindung mit dem Fürsten Gortschakoff und dem Grafen Orloff , dem Freund und Günstling des Kaisers . Wir haben gesehen , wie der Ausbruch dieser Pläne durch die Gegenwirkungen der alttürkischen Partei scheiterte ; durch den Verrath des italienischen Arztes wurden die Umtriebe des Barons entdeckt und er im Serail gefangen gesetzt . Nur der Schutz mächtiger Freunde sicherte sein Leben . Eben so haben wir gezeigt , wie der Hauptagent des Barons und der russischen Interessen in Varna , im Heerlager der Verbündeten , Gregor Caraiskakis , durch die Verkettung der Umstände aus Varna vertrieben wurde . Die Nachrichten , die seitdem das russische Gouvernement erhalten , waren schwankend und unsicher , und der trotzige starre Sinn des General-Gouverneurs von Taurien hatte die durch Nicolas Grivas ihm überbrachte Warnung unbeachtet gelassen . - - - - Daher kam es , daß 65,000 Mann ohne Kanonenschuß , ohne Schwertschlag an der Küste der Krimm landen konnten , daß 65,000 Mann , von einer mächtigen Flotte flankirt , an den Höhen der Alma jetzt 35,000 Russen gegenüber standen . Das Einzige , was die Russen bei dem Nahen der alliirten Flotte gethan , war die Räumung der Gegend zwischen Eupatoria , Baktschiserai und Sebastopol von allen Hilfsmitteln , und die Alliirten fanden nicht nur wenig frischen Proviant , den ihnen einige muhamedanische Tataren der Bevölkerung zuschleppten , sondern litten auch großen Wassermangel . Am 19. begann das Vorrücken der Verbündeten , die Engländer auf dem linken , die Franzosen auf dem rechten Flügel , die Türken in der Reserve . Die Kavallerie des Lords Cardigan drängte die Vorposten der russischen Stellung zurück und es entstand ein kurzes Plänklergefecht , worauf die Verbündeten Halt machten und an dem kleinen Flüßchen Bulganak , sieben Wersts6 von der Alma entfernt , für die Nacht bivouacquirten . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - An einem Bivouacfeuer der englischen Linie saßen gegen 11 Uhr Nachts noch mehrere Offiziere der schottischen Garde-Füsiliere und von Goldstream , im Gespräch über die Vorbereitungen zur Schlacht die Rückkehr ihres Führers von dem großen Kriegsrath erwartend , der in dem Hauptquartier des Marschalls , einem tatarischen Hof , gehalten wurde . Andere lagen , in ihre Mäntel gehüllt , am Boden und schliefen - vielleicht den letzten Schlaf . Am Bivouac entlang im Nachtnebel kam eine Reitergruppe . » Da sind die Schotten , Herr Kamerad , « hörte man eine tiefe Stimme sagen ; » der Capitain muß dabei sein ; Mac-Griffin wird Sie führen . Gute Nacht ; auf glückliches Wiedersehen morgen auf jenen Höhen dort . « Die Offiziere waren aufgesprungen , sie hatten die Stimme ihres Befehlshabers , Lords Bentink , erkannt und salutirten , während er vorüber ritt . Drei Offiziere , die sich von der Begleitung des Generals getrennt , kamen näher ; zwei Franzosen waren darunter . » Befindet sich Capitain Morton von den Füsilieren bei Ihnen , meine Herren ? « fragte der Adjutant . » Ah , Sie sind ' s , Griffin ! willkommen ; da werden wir hoffentlich Neuigkeiten hören . « » Da liegt der Capitain schon seit einer Stunde und schläft , wie es scheint , ziemlich unruhig . « » Goddam ! wie kann man so faul sein , wenn ein Dejeuner von Kanonenkugeln und kaltem Stahl uns erwartet . Der Angriff auf die Russen ist beschlossen , ich bringe bereits die Dispositionen für die Garde . Aber wecken Sie den Capitain , hier sind zwei französische Bekanntschaften von ihm , die ihn zu sprechen wünschen . « Die beiden Fremden waren zu Fuß und grüßten höflich die Gesellschaft ; es waren der Vicomte und der deutsche Arzt . Aber es war nicht nöthig , Capitain Morton zu wecken , denn plötzlich fuhr er , der etwas abseits lag , aus dem Schlafe empor , sprang auf und schlug mit dem Degen in der Scheide , den er im Arm gehabt , heftig in die Luft . Die Offiziere umher brachen in ein lautes Gelächter aus . » Sie träumen , Capitain ; wir fechten erst morgen mit den Russen ! « Der Eine schüttelte ihn am Arm ; der Schein des Feuers beleuchtete das blasse Gesicht des Briten , der mit wirren , offenbar noch von den Phantasieen des Traums erregten Blicken um sich starrte . » Wo ist der Hellblaue hin ? ich - sah ihn deutlich , wie er das Pistol hinter mir hob