Erde liegt doch draußen , auf dem schmalen Gartenstreifen zwischen Haus und Fluß . Ulmen und Linden stellen sich zu natürlichen Lauben zusammen und zwischen Apfelbäumen und Blumenbeeten hin führt ein schmaler Gang zu einer weinumlaubten Wassertreppe . Hier sitzt man , während der Wind über die Levkojenbeete fährt , und genießt die Stunde des Sonnenunterganges , dessen reflektiertes Licht eben jetzt die Spitzen der gegenübergelegenen Kiefern rötet . Das Haveltreiben zieht beinah geräuschlos an uns vorüber ; Dampfschiffe , unter glückverheißendem Namen : Fortuna und Viktoria , schießen auf und ab ; Segelschiffe , schwer und langsam , dazwischen . Und nun Gondeln mit Musik , und drüben schweigend der Wald , aus dem die Hirsche treten . Der Abend kommt , die Nebel steigen , die Kühle mahnt zur Rückfahrt und unser Boot schiebt sich durch das Rohr hin und in die freie Wasserfläche hinaus . Hinter uns , die verschleierte Mondsichel über den Bäumen , versinkt das Eiland . Mehr eine Feen- als eine Pfaueninsel jetzt ! Groß-Glienicke Groß-Glienicke In dunkler Gruft Das Gebein ; In Licht und Luft Der aufgerichtete Marmelstein . Was ungemessen Vielleicht gestrebt , Es ist vergessen , – Nur das Bild noch lebt . Die Havelufer links und rechts des Flusses weisen strichweise einen guten Lehmboden ( im Wendischen : Glin , der Lehm ) auf , weshalb wir in allen hier in Betracht kommenden Landesteilen , also in Havelland , Zauche , Teltow , vielfach den Ortsbezeichnungen : Glien , Glindow , Glienicke begegnen . In unmittelbarer Nähe von Potsdam , zu Füßen von Babelsberg , liegt Klein-Glienicke mit seinen Schlössern und seiner Brücke ; weiter nördlich , halben Wegs zwischen Potsdam und Spandau , treffen wir Groß-Glienicke , Rittergut , Filiale von Kladow , zweihundertneunundsiebzig Einwohner . Darunter , wie die Nachschlagebücher gewissenhaft bemerken , zwei Katholiken . Diese werden es schwer haben , sich paritätisch zu behaupten . Groß-Glienicke wird 1300 zuerst genannt . Um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts finden wir die Bammes hier , eine alte , westhavelländische Familie . In Groß-Glienicke saßen sie nicht allzulange . Schon 1572 erscheinen die Ribbecks , zuerst Oberhofmeister Jürgen von Ribbeck ; dann folgen zweihundert Jahre später die Winnings . Jetzt gehört das Gut der Familie Berger . Es soll hier manches erlebt worden sein , namentlich unter den Winnings . Die Kirche aber erzählt nur von den Ribbecks . Beim Eintreten in dieselbe überrascht die verhältnismäßig große Zahl von Bildwerken , namentlich in Stein . An der Wand uns gegenüber bemerken wir , dicht nebeneinander , die Epitaphien zweier Hans Georg von Ribbeck , Vater und Sohn . Der Vater , noch der Schwedenzeit angehörig , der Sohn aus der höfischen , französierten Zeit Friedrichs I. Eben diesen Unterschied zeigen auch die hautreliefartigen Steinbilder . Der ältere Hans Georg , in Brustharnisch und Beinschienen , wie ein Derfflingerscher Reiterführer ; der jüngere in einem Roquelaure mit mächtigen Aufschlägen und Seitentaschen , auf dem Haupt eine ziemlich seltsame Kappe , fast in Form einer Bischofsmütze . Das Ganze in einem bestimmten , künstlich gegebenen Farbenton : die Kappe rot gemalt . Dieser jüngere Hans Georg war ein brandenburgischer Domherr , vielleicht auch – wenn ich das Bild richtig interpretiere – ein Mann der Wissenschaft . Er tritt , einen Vorhang zurückschlagend , aus diesem hervor und legt seine Rechte auf einen Schädel . Das Ganze eine vortreffliche Arbeit , und in Auffassung wie technischer Durchführung an das berühmte Sparrdenkmal in unsrer Berliner Marienkirche erinnernd . Beide Hans Georg von Ribbeck finden wir auch in der Gruft der Kirche wieder . Wie sie im Schiff , in bildlicher Darstellung , nebeneinander stehen , so liegen sie hier nebeneinander . Wohlerhalten . Denn die Groß-Glienicker Gruft gehört zu den vielen in der Mark , in denen die beigesetzten Leichen zu Mumien werden . Wir steigen hinab . Der Sargdeckel des zuvorderst stehenden Hans Georg ( des Domherrn ) ließ sich ohne Mühe aufheben . Da lag er , in Roquelaure und roter Samtkappe , in allem Äußerlichen von beinahe gespenstischer Ähnlichkeit mit dem Hautreliefbilde , das ich eben im Schiff der Kirche gesehen hatte . Ganz ersichtlich hat man , bei einer erst kürzlich stattgehabten Übermalung , die Gruft zu Rate gezogen und das Mumienbild , wenn dieser Ausdruck gestattet ist , bei Restaurierung des Steinbildes benutzt . Kirche und Gruft enthalten übrigens der Epitaphien und Särge mehr , beispielsweise einer Frau von Ribbeck , geb . Brand von Lindau , einer Frau von Lattorff , geb . von Grävenitz , die alle dem vorigen Jahrhundert angehören , aber weder künstlerisch noch historisch eine besondere Aufmerksamkeit verdienen , Ein Interesse erweckt nur noch das Altarbild , richtiger die Predella desselben , die , wie so oft , ein Abendmahl darstellt . Christus in der Mitte , Johannes neben ihm ; neben diesem aber , statt des Petrus , der Große Kurfürst . Er trägt Allongenperücke , dunkles , enganschließendes Samtkleid , Spitzenmanschetten und Feldbinde . Die wunderlichste Art von Huldigung , die mir der Art vorgekommen ist . Was wollen die anbetenden Donatoren auf den Madonnenbildern des Mittelalters daneben sagen ! Sie knien doch immer zu Füßen der Madonna , oder verdrängen wenigstens niemand ; hier aber wird Petrus , wie eine Schildwacht , einfach abgelöst , und der Große Kurfürst zieht statt seiner auf . Fahrland Die Nedlitzer Fähre Die Nedlitzer Fähre In Höhe von Nedlitz geben sich an einer Schmalung drei Seen ein Rendezvous ; die Krampnitz , der Fahrlandsche- und der Jungfernsee treffen an einer Schmalung zusammen und ein viaduktartiger Bau , mit Brückentoren und Brückenhaus , führt von einem Ufer zum andern . Ein so stattliches Bild präsentierte sich hier nicht immer . Dies war vordem die bescheidene Wirkungsstätte der Nedlitzer Fähre . Jahrhundertelang fuhr hier ein schlichter Kahn über die Schmalung , erst von Vater und Sohn , dann vom Enkel und zuletzt vom Ur-Urenkel geführt . Immer desselben Namens . Die Nedlitzer Fährstelle war eine Erbstelle geworden . Schon im vorigen Säkulo war die Familie so angesehen , daß sich ihre Töchter nach Sanssouci hin mit Hofgärtnern und Hofbauräten vermählten . Die Fähr-Müllers von Nedlitz waren reiche Leute ; in Bornstädt hatten sie ein Erbbegräbnis , das größte , was der Kirchhof bis diese Stunde noch aufzuweisen hat . Die Fähre ist nicht mehr . An ihre Stelle ist die imposante Bogenbrücke getreten ; aber noch im Ausscheiden aus ihrer alten dynastischen Herrlichkeit hielt das Glück bei den Müllers aus . Die Ablösungssumme entsprach nicht nur der Fähreinnahme , die sie aufgaben , sondern vielmehr noch der historischen Macht , die sie niederlegten . An das Haus Müller kamen liegende Gründe , Geld , zuletzt auch der Brückenpalast , der auf ihrem alten Territorium , wie als Wahrzeichen ihrer früheren Herrlichkeit , ihnen errichtet worden ist . Selten wohl hat eine Fährstelle im Leben und Sterben so gute Tage gesehen . Der Königswall Der Königswall Von der Mitte der Brücke aus hat man ein ansprechendes Bild in die genannten drei Wasserflächen und die zwischenliegende Landschaft hinein . Nach rechts hin , wo die Krampnitz und der Jungfernsee ein Eck bilden , zieht sich dammartig ein Erdwerk zwischen Wald und Wasser . Dieses Erdwerk ist der Königswall , im Munde des Volks , wie all dergleichen primitive Festungswerke , die Römer- oder Räuber- oder Schwedenschanze geheißen . Ausdrücke , die historisch gar keinen Anhalt geben . Die Bezeichnung » Königswall « ist übrigens kaum besser . Drei Seiten der Umwallung , welche sich zwanzig Fuß vom Boden erheben , sind mit geräumigen Eingängen versehen , von denen zwei dem Wasser , der dritte dem Lande zugewandt liegen . Die vierte Seite des Walles – wahrscheinlich eine von der Natur gebildete Hügelwand – fällt aus einer Höhe von mindestens fünfzig Fuß steil zum Seeufer ab , und scheint auch darum keinen Zugang zu haben . Die ganze Umwallung , soweit sie künstlich ist , mißt siebenhundert Schritt , und muß viel Hände und viel Zeit erfordert haben . Es ist wohl unzweifelhaft ein alter Kamp , ein wendischer Lager-oder Verteidigungsplatz aus jenem Jahrhundert her , wo sich Christen- und Heidentum hier bekämpften . Die Deutschen hatten das Westhavelland inne ; hier in dem Waldterrain des Osthavellandes , auf der » Insel Potsdam « , von allen Seiten her durch Fluß und See und Sumpf geschützt , saßen noch die Wenden . Hier hatten sie ihre letzten Stätten , ihre ausgedehntesten Begräbnisplätze ; einzelne Striche sind mit Waffen und Totenurnen wie besäet . Das Heinenholz und der Kirchberg Das Heinenholz und der Kirchberg Eine kaum minder interessante Wegstrecke bildet das Gehölz , in das die Fahrlander Straße , unmittelbar nach Passierung der Brücke , einmündet . Dies Wäldchen führt den Namen des » Heinenholzes « und aus seiner Mitte hervor steigt der höchste Berg dieser Gegenden , der » Kirchberg « . Es verlohnt sich durchaus , ihn zu besteigen . Seine Höhe ist zweihundertundsiebzig Fuß . Das landschaftliche Bild , das sich von seiner Kuppe aus dem Auge darstellt , ist sehr schön und würde noch schöner sein , wenn nicht die Bäume , die den oberen Abhang umstehen , mit ihren Kronen allmählich über die Kuppe des Berges hinausgewachsen und dadurch einem Umblick hinderlich geworden wären . Wo er sich indessen bietet , ist er von großem Reiz und dem Wald- und Wasserpanorama nah verwandt , das ein Blick von den Müggelbergen gewährt . Wie der » Königswall « unten , so ist die » Kirchbergskuppe « hier oben ein ergiebiges Feld für die Konjekturalhistorie ; wie jener als ein Kamp der Wenden , so wird dieser als eine Opferstätte bezeichnet . Sehr leicht möglich , aber sehr schwer nachweisbar ! Was man jetzt noch auf der Kuppe des Kirchberges findet , deutet auf viel spätere Zeiten hin . Man begegnet Feldsteinfundamenten , dazu zerkrümelten Ziegel-und Mörtelresten , die , so gering sie sind , doch keinen Zweifel darüber lassen , daß hier ein Backsteinbau gestanden habe . Auch ist es noch keine dreißig Jahre , daß hier , zehn Fuß hoch , ein Mauerwerk aufragte , das unverkennbar einem christlichen Gotteshause zugehörte . Es befand sich also hier , ganz wie auf dem Kapellenberge bei Blankensee , dessen Bautrümmer überhaupt sehr lehrreich sind , eine jener weit ins Land hinausschauenden , zugleich als Wegweiser dienenden kirchlichen Warten , die symbolisch von allem Umherliegenden Besitz nahmen und der Bevölkerung verkündeten : » So weit diese Kapelle blickt , ist alles dem Christengotte untertan . « So war es unmittelbar nach der Christianisierung . Später wurden Pilgerstationen und Wallfahrtskapellen daraus , die , in der Spätgotik , die sie unverkennbar zeigen , einer verhältnismäßig neuen Zeit , oft erst , wie die Blankenseer Kapelle , dem Schluß des fünfzehnten Jahrhunderts angehören mögen . Denn die gotische Bauweise hielt sich in der Mark bis in die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts hinein . Dorf Fahrland , sein Amtshaus , seine Kirche und Pfarre Dorf Fahrland , sein Amtshaus , seine Kirche und Pfarre Drüben Fahrlands Turm , aus dessen Luke Hörbar kaum die Abendglocke singt ! Sieh die Hirtenfrau , die Napf und Kruke Ihrem Mann nach jener Hutung bringt ; Sieh den Waldrand , wo trotz härnen Schleifen Unbesorgt die Sommerdrosseln pfeifen , – Rings Wacholdersträuche , bunt zerstreut , Deren Frucht die Julisonne bläut . Schmidt von Werneuchen Eine offene Stelle , wo nur Hagebutten und verzwergte wilde Kirschen stehen , gestattet uns auf der sonst in ihrer Aussicht beschränkten Kuppe einen vollen Blick nach Nordwesten zu . Der nächste Punkt ist Fahrland . Wir steigen , um uns den Weg zu kürzen , den steileren Abhang des Berges hinunter und nach zehn Minuten haben wir rechts und links , flach wie die Tenne , die Fahrlander Feldmark . Pappeln und Elsen fassen die zahlreichen Wege ein ; Schlickmühlen stehen an den Gräben hin , bereit um die Regenzeit , wenn alle Felder zu Inseln geworden sind , ihre Tätigkeit zu beginnen . Im ganzen eine reizlose Landschaft , gleich arm an charakteristischen wie an Schönheitspunkten . Nicht viel günstiger wirkt Fahrland selbst . Von dem dichterischen Reiz , mit dem unser märkischer Poet par excellence dasselbe zu umkleiden wußte , ist wenig zu entdecken . Wir passieren es also , um jenseits desselben den » Sipunt « kennenzulernen , der , in einem gleichnamigen Gedichte » Der Sipunt bei Fahrland « , noch über die Dorfesherrlichkeit hinaus , eine poetische Glorifikation gefunden hat . Dieser Schilderung nach mußten wir eine Wolfsschlucht oder irgendeine Lieblingsstätte des wilden Jägers erwarten , 25 aber eine mit Kropfweiden bepflanzte Niederung , die im Sommer den Charakter einer Wiese , im Herbst und Frühjahr den eines Luches hat , war alles , was sich unsrem Auge bot . Prosaische Tristheit anstelle poetischer Gruslichkeit . Wir wählten deshalb von zwei Übeln das kleinere und kehrten in das Dorf zurück , das immerhin drei bemerkenswerte Stätten hat : das Amtshaus , die Kirche und die Pfarre . Das Amtshaus , ein relativ moderner Bau , auf dessen Entstehung wir zurückkommen , wirkt so nüchtern wie möglich . Die Stelle , auf der es steht , ist aber alter historischer Boden . Hier ging die Grenzscheide , hier stand das feste Schloß » Vorland « , ein Name , der sich erst um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts in Fahrland umwandelte . Um eben diese Zeit , nachdem » Schloß Vorland « bis dahin landesherrliche Vogtei gewesen war , saßen hier die Stechows , die damals in verschiedenen Zweigen blühten und im Havellande reich begütert waren . Sie besaßen zunächst Stechow selbst , dann Satzkorn , Dyrotz , Groß-Glienicke , Heinenholz und Fahrland . Hier in Fahrland hatten sie drei Rittergüter . Im allgemeinen wird wenig von ihnen gemeldet , doch erfahren wir aus den Kirchenbüchern , daß um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts einer von der Familie lutherischer Prediger zu Fahrland war . Er hieß Hans von Stechow und starb 1558 . 26 Beinahe hundert Jahre später erfolgte dann ein Rückschlag und wir finden um das Jahr 1646 folgende Aufzeichnung : » Christoph von Stechow bekennt sich zur römisch-katholischen Lehre . Seine Mutter hält noch lutherisch aus . Gott kräftige sie . « Es ist also ersichtlich , daß ein Zweig der Stechows ebenso wie der Rochows und anderer märkischer Familien , während des Dreißigjährigen Krieges wieder katholisch wurde . Es wäre gewiß interessant , zu erforschen , was diese Wandlung herbeiführte . War es einfach ein religiöser Zug , der in der einen Kirche keine Befriedigung fand und sie bei der andern suchte , oder war es deutsch-nationales Gefühl , Hinneigung zum Kaiser und Haß gegen Schweden , dessen bloß ehrgeizige Absichten damals bereits klar zutage lagen ? Die Fahrlander Stechows waren sehr wahrscheinlich noch 1699 katholisch , wenigstens einige von ihnen , wie aus folgendem Schreiben hervorgeht , das 1788 in Fahrland eintraf und den Kirchenakten einverleibt wurde . Das Schreiben lautete : » Herr Christoph von Stechow besaß mit seinem Bruder Johann Wolfgang von Stechow , Domherrn und nachherigem Domdechant zu Halberstadt , das Lehngut Fahrland in der Mittelmark , und verkaufte solches für fünfzigtausend Taler an den damaligen Kurfürsten zu Brandenburg , nachherigen König von Preußen Friedrich I. Anno 1699 . Herr Christoph von Stechow zog darauf nach Schlesien , kaufte daselbst Güter und ward vom Kaiser Leopold nebst seiner männlichen und weiblichen Descendenz in den alten Freiherrnstand des Königreichs Böhmen erhoben . Seine Gemahlin war Thekla Margaretha von Mönster , mit welcher er in Fahrland zwei Kinder erzeugt hat : Maria Josepha von Stechow , welche 1690 , und Franz Wolfgang von Stechow , welcher 1694 geboren wurde . Da diese Kinder in Fahrland das Licht der Welt erblickten und vermutlich in der dortigen Kirche getauft wurden , so wird um deren Taufschein ergebenst gebeten . « ( Diesem Wunsche konnte willfahrt werden . Man fand beide Kinder im alten Kirchenbuch verzeichnet und ihre Taufscheine wurden ausgestellt . ) Von 1699 ab war Fahrland kurfürstlich bzw. königlich . Kurfürst Friedrich III. ließ das alte Schloß abtragen und dafür » ein neues Schloß oder Lusthaus von zwei Etagen mit sieben Logamenten « , welches zugleich als Amtshaus dienen sollte , erbauen . Bei Herstellung desselben wurde die alte Kirche auf dem Kirchberg als Steinbruch benutzt und die schönen Gewölbe und Spitzbogen fielen , um als » Amtshaus im Kasernenstil « wieder aufzustehn . Die Kirche in Fahrland wirkt nicht besser . Sie präsentiert sich als schmuckloser Bau , in dem direkte Überreste alter Gotik so geschickt bekalkt und bemörtelt sind , daß nichts übriggeblieben ist als Wand und Fenster und der Unterbau eines Turms . Auch das Innere wirkt nüchtern . Aber der Kirchhof ist nicht ohne Interesse , besonders an der schattigen Stelle , wo er seinen Rasen in einen durch Kirche und Sakristei gebildeten Winkel einschiebt . Hier wurden die Geistlichen bestattet ; die Grabsteine erzählen davon . In Dörfern , in denen die adligen Geschlechter wegsterben , treten die Pfarrherren in gewissem Sinne an die Stelle derselben ; sie werden die Herren , jedenfalls die Repräsentanten des Dorfs , alle entsprechenden Ehren fallen ihnen zu und ihre Grabsteine fangen an , die bevorzugten Stellen innerhalb und außerhalb der Kirche einzunehmen . So auch hier . Das Pfarrhaus . Einer der Grabsteine , hochaufgemauert , gönnt , wie ein kleines Kastell , einen Überblick und zwischen schrägstehenden , dickstämmigen Maulbeerbäumen hindurch , über die alte Kirchhofsmauer hinweg , trifft unser Auge auf das still und ab gelegen daliegende Predigerhaus . Ein märkisches Haus , so einfach wie möglich , einstöckig , zwei mächtige Linden vor der Tür , die Front des Hauses von wildem Wein umrankt ; die Fensterpfeiler so schmal , daß das Ganze wie ein Glashaus aussieht , oder wie die Predigerhäuser auf alten holländischen Bildern . Über der Tür ein kurzes : Friede sei mit euch . Wir treten ein . Es ist ein historisches Haus . An eben dieser Stelle , wenn auch nicht unter diesem Dach , wurde Schmidt von Werneuchen geboren . Es entspricht in nichts dem reizenden Bilde , das unser viel und gern zitierter Freund in seinem besten Gedichte ( » Fahrland « ) von dem zu seiner Zeit hier stehenden Predigerhause entworfen hat : Ha ! ich kenne dich noch , als hätt ' ich dich gestern verlassen , Kenne das hangende Pfarrhaus noch mit verwittertem Rohrdach , Kenne die Balken des Giebels , wo längst der Regen den Kalk schon Losgewaschen , die Tür mit großen Nägeln beschlagen . Kenne das Gärtchen vorn mit dem spitzen Staket , und die Laube Schräg mit Latten benagelt , und rings vom Samen der dicken Ulme des Nachbars umstreut , den gierig die Hühner sich pickten . Von all dem ist nichts mehr wahrzunehmen , das Haus ist hinüber wie die Menschen , die damals ihre Stätte in ihm hatten . Selbst die vorerwähnten Grabsteine , drüben zwischen Kirche und Sakristei , gehören einer anderen Epoche an , und nur einer ist da , der an jene Schmidtschen Tage mahnt . Er ist in die Kirchenwand eingelassen und seine Inschrift lautet : » Vor diesem Stein ruht Mutter und Kind . Jene war die wohlgeborene und tugendbegabte Frau , Frau Sophie Schmidtin , älteste Tochter des Königlich Preußischen Stallmeisters in Potsdam Herrn Ludwig Samson . Sie war geboren den 25. Februar 1724 , ward verheiratet an Herrn Bernhard Daniel Schmidt , Prediger in dieser Gemeinde , den 13. Juli 1751 und starb den 7. Juli 1752 , nachdem sie drei Tage vorher von einem toten Söhnlein entbunden worden , das ihr zur linken Seite liegt . » Der Grabstein Bernhard Daniel Schmidts selbst fehlt , ebenso der seiner zweiten Frau , der Mutter unseres » Schmidt von Werneuchen « . Aber während sie an dieser Stelle vergessen scheinen , leben sie doch recht eigentlich hier , und zwar mit Hilfe eines jeweilig geführten » Tagebuches « , das seit etwa hundert Jahren einen Schatz der Fahrlander Pfarre bildet . Wie zerstreute Blätter eines Romans einen Lebenslauf vor uns auftun , vielfach lückenhaft zwar , aber doch auch wieder vollständig genug , um die Personen in aller Anschaulichkeit vor uns schreiten zu sehen , so auch die Blätter dieses Tagebuches , das den Namen führt : » Die Fahrlander Chronik « . Von diesem Tagebuch , das uns vielfach auch von der Familie Schmidt unterhält , in dem folgenden Kapitel . Die Fahrlander Chronik Bernhard Daniel Schmidt Bernhard Daniel Schmidt , Pastor zu Fahrland 1751 bis 1774 Bernhard Daniel Schmidt war der Vater unsres » Schmidt von Werneuchen « . Tragen wir ihm schon um deswillen ein gewisses Interesse entgegen , so wächst dasselbe unter dem Eindruck jener Aufzeichnungen , die wir von Pastor Moritz ' , seines Nachfolgers Hand in der Chronik finden . Pastor Moritz war ihm nicht hold , konnte ihm nicht hold sein , da er unter der » legèren Praxis « seines Amtsvorgängers zu leiden hatte , dennoch tritt einem in diesem letzteren eine unverkennbar liebenswürdige Persönlichkeit entgegen . Wir geben nun die einzelnen Sätze , wie sie sich zerstreut in der Chronik finden . » Bernhard Daniel Schmidt , bis dahin Feldprediger beim Cadettenkorps , bekam die Pfarre durch Cabinetsordre und trat sie 1751 an , am 6. Februar . « » Er vermählte sich am 13. Juli ebengenannten Jahres ( 1751 ) mit Sophie Samson , ältesten Tochter des Stallmeisters Samson zu Potsdam . Sie starb am 7. Juli 1752 . « » Anfang der sechziger Jahre verheiratete sich Prediger Schmidt zum zweiten Male . Er hatte Vermögen mit der Frau und liebte Windmacherei . « » Prediger Schmidt hat die Pfarre um mehrere ihrer Einnahmen gebracht . Er nahm alles leicht . Die Tonne Most erhalte ich noch immer nicht , trotzdem sie in der Matrikel steht . Er hat ' s einschlafen lassen , wie manches andre . Wenn ihm diese Einnahme nichts war , durfte er annehmen , daß sie seinem Nachfolger auch nichts sein würde ? Was fürchtete er ? Er stand ja bei allen Herren der Kammer und der Forst in ausnehmendem Credit ! Jene gaben ihm eine Woorte , diese gaben ihm die Planken dazu , und das alles , weil er ein so einnehmender Herr war , der ihre ganze Gesellschaft immer zu lachen machte . – Nun ist es zu spät . Bei meinem Anzuge wußte ich von diesen Dingen nichts . Die › vornehme Frau ‹ verschmähte es , mit mir darüber zu reden . « » Gleich bei seinem Amtsantritt sagte Pastor Schmidt : Von Ostern bis Johanni wird täglich , aber nur vormittags Schule gehalten ; von Johanni bis Michaeli nur zweimal in der Woche . « » Herr Schmidt stand gut zu seinem Küster . Als ihm dieser Anzeige machte , daß er am andern Tage verreisen wolle , antwortete jener : warum sagt Er mir das ? hab ich Ihm denn schon gesagt , wohin ich morgen verreisen will ? « » Prediger Schmidt hatte die Pforte machen lassen . Er pflegte durch dieselbe nach seiner Plantation oder Woorte zu gehn , in kurzem Schlafrock , à la main die Flinte . « » Pastor Schmidt liebte Wortspiele nicht nur in seinen Predigten , sondern auch bei sonstigen Vorfällen . Bei der Leichenrede von einem Weinmeister sprach er vom Weinberge und beim Tode eines Leinwebers mußte aus Hiob die Weberspule herhalten . « » Bei Pastor Schmidt war alles flott und kurz angebunden . Sein eigner Küster sagte : Und wenn ich an einem Tage an drei Orte kam , so fand ich meinen Pastor auch da . Er scheute sich nicht vor dem Teufel . Wenn er Beichte hielt , so sagte er : , heran ihr Sünder , bekennt und bessert euch ' und damit war es aus . « Hiermit schließen die Aufzeichnungen über Schmidt . Es ist kaum möglich , in zehn , zwölf Sätzen ein vollständiges Charakterbild zu geben : ein Lebemann , Jäger , Anekdotenerzähler , splendid , nie kleinlich , sich und andern es leicht machend , voll Verständnis für die Bauernnatur , derb , humoristisch und deshalb beliebt . Daneben konnte sein ernster Nachfolger nicht bestehen , dessen Leben wir nun , nach seinen eigenen Worten geben . Johann Andreas Moritz Johann Andreas Moritz , Pastor zu Fahrland 1774 bis 1794 ( Selbstbiographie ) » Ich wurde zu Magdeburg den 27. Mai 1721 geboren . Mein Vater war Bürger und Schneidermeister daselbst . Im sechsten Jahre ward ich eine vaterlose Walse . Bis 1736 war ich ins Gymnasium der Altstadt gegangen und saß in Quarta . Mein Bruder , damals Student in Halle und Mentor des jungen Frilinghausen ( er schreibt so ; wahrscheinlich Freylinghausen ) brachte mich ins Hallische Waisenhaus , wovon Pastor Frilinghausen Condirector war , und zwar unter die Waisenkinder . Es war auf Ostern . Gesund und frisch kam ich nach Halle , bekam aber gleich im ersten Jahre eine Augenentzündung und schleppte mich damit die sechseinhalb Jahre , in welchen ich alle Klassen der lateinischen Schule bis Selecta , worin ich ein Jahr saß , durchlief . Auf Michaelis 1742 ging ich einundzwanzig Jahr alt auf die Universität zu Halle und , verlassen von allem Beistand , stümperte ich mich zwei Jahre durch . Ich informirte des Tisches wegen auf dem Waisenhause . 1744 ging ich in Condition nach Siegen zu dem Baron von Host , Chefpräsidenten der Grafschaft Siegen und Teklenburg . Sein dritter Sohn war mein Eleve . Der Vater war cholerisch , sehr scharf in der Kinderzucht ; die Mutter war das Gegentheil . Sie verzärtelte den Sohn bis zum toll werden . Auch fand ich eine französische Mamsell vor , dies Kreuz aller Hofmeister . 1747 ging ich nach Halle zurück in dem frommen Vorsatz , mich den Anstalten zu widmen . Allein es war alles verändert und nach längerem Aufenthalt in Berlin nahm ich auf Ostern 1749 in Uetz eine Stelle als Hofmeister bei dem Junker von Hacke an . Nach sechseinhalb Jahren brachte ich meinen Eleven aufs Ritterkollegium und war willens , mich abermals nach Berlin zu wenden , als mir die Pfarre zu Geltow durch den Herrn Inspector Lieberkühn angetragen wurde . › Sie ist freilich schlecht , aber doch besser für Sie , als wieder eine Condition . ‹ Auf Michaelis 1756 bezog ich die Pfarre Geltow , verpachtete die Ackerwirthschaft und behielt den Garten und Weinberg zu meiner Beschäftigung . 1759 heiratete ich meine selige Frau , damals Witwe des Bürgermeisters Pauli in Werder , mit welcher ich drei Töchter gezeuget habe . Als ich auf die Pfarre Geltow examinirt und dort ordiniret wurde , war der Herr von Dankelmann Chef des Consistorii . Als wir , es war außer mir noch ein Examinandus , abtraten , sagte er zu den geistlichen Herren : › Der Moritz hat gut geantwortet und spricht gut latein . ‹ › Er ist Schulmann ‹ , erwiderte Rat Hecker , › schade , daß Geltow eine so schlechte Pfarre ist . ‹ – Mit 1756 begann der lange Krieg und seine sieben Jahre haben mich wie sieben magere Kühe ganz aufgefressen . Ich hatte verpachtet , empfing baar zweihundert Thlr . und der Preis aller Lebensmittel stieg ungeheuer im Preise ; ich lebte recht dürftig . Nach Ende des Krieges bat ich das Consistorium um eine bessere Stelle . Ich wurde angewiesen , mich wieder zu melden ; aber in dem Winkel Geltow erfuhr ich nichts , oder erfuhr es zu spät . Erst 1773 ward ich wieder rege . Der Prediger Schmidt in Fahrland war tödtlich krank , die Pfarre in großem Ruf und meine Freunde lagen mich an , noch diesen Versuch zu thun . Den 2. December 1773 starb Herr Schmidt . Schon am andern Tag bekam ich einen Expressen , schleunig nach Potsdam zu kommen , und schon am 4. December wurde die entsprechende Petition dem Könige vorgelegt und mit den gewöhnlichen Formalitäten bewilligt . Das Consistorium acceptirte die Königliche Ordre ohne Widerrede und der Geheimrath Lamprecht erklärte öffentlich , daß ich die Pfarre verdiene , worauf in der Session vom 9. December die Gastpredigt decretirt und dem Inspector Befehl zugeschickt wurde , dieselbe abzuhalten . Soweit war alles gut ; aber bald darauf veränderte sich mein Horizont ; die Menschen verkehrten meine Freude in Traurigkeit . In Fahrland entstand Unruhe aus Cabale . Die Bauern sagten : › wie lange werden wir den Mann haben , er ist ja schon alt , er ist ja nicht des Herfahrens werth . ‹ – Dies war eigentlich nur der Widerhall der Intrigue , die im Pfarrhause geschmiedet ward und deren Bolzen der Küster Kaplitz verschoß . Woltersdorf , Pastor zu Kartzow und Priort , saß auch in diesem Rath und schickte sich recht gut dazu . Der Plan war , dem Kandidaten Korthym zur Pfarre zu verhelfen , welcher dann aus Dankbarkeit heirathen sollte . Hier war also eine große Klerisei interessirt : erst die Wittwe , dann deren Schwester , die Predigerin in Döbritz , und der Küster , der von meinem Vorgänger zum Cantor präconisirt worden war , indem er nach abgelegter Singeprobe kurzweg zur Gemeinde sagte : › seht hier Euren Cantor ! ‹ Küster Kaplitz kam nach Geltow herüber , horchte meinen Küster aus und da er hörte , daß ich die Schule fleißig besuche , fürchtete er sich und dachte mit dem jungen Korthym besser fertig zu werden . Auch meine Armuth ward bei diesen Gesprächen nicht vergessen . Nach langem Zögern wurde endlich die Gastpredigt auf den 6. Februar 1774 angesetzt . Ich ging nach Worms , wie Luther . Keine lebendige Seele war , der ich mich anvertrauen konnte . Aber so viel achtete ich mich doch , daß ich dem Inspector ( Superintendent ) dem Günstling des Pfarrhauses , in der Sacristei freimütig