daß ihn eine lebendig macht . Man möchte glauben , daß Das ein Professor ist . Er demonstrirt da an den Pflanzen ... Spricht wahrscheinlich eben Latein und zeigt auf die Stäbchen , die an den Bäumen ihre Namen nennen . Wenn Das wäre , Herr Dankmar , und das Frauenzimmer ... ... Auf der Fortuna hab ' ich sie nur zweimal gesehen ... aber hernach bald hier , bald dort ... gestern Abend beim Spazierenfahren ... wieder auf den Anlagen ... Wenn der Mann nicht wissen sollte , wen er am Arme führt - ! Dankmar nahm Interesse an dieser Mittheilung und glaubte hier vielleicht ein gutes Werk stiften zu können . Steht ' s denn mit der Auguste , wie heißt sie ? Ludmer ... so schlimm ? fragte er . O , sagte Peters mit einer ablehnenden Bewegung , wer darf den ersten Stein aufheben und Gottes Gnade ist groß ! Peters ! Peters ! Was für Sprüche ! Langmüthig ist doch der Herr und dunkel sind seine Wege ... Aber wenn Eins so auf die Tanzböden läuft , solchen Heidenlärm schlägt , die Polizei in Trab bringt , nicht arbeitet , singt und jubelt , wie Die ... Dankmar griff die Gelegenheit auf , vielleicht ein gutes Werk zu stiften . Ehe noch Peters seinen ferneren Abscheu vor einem Charakter , wie ihn diese Auguste Ludmer zur Schau trug , beendet hatte , war er schon mit drei Schritten am Portal , in der Nähe Armand ' s und des Mannes mit den gelben Nankingkamaschen . Ohne sich in seinen Auseinandersetzungen - es waren botanische - stören zu lassen , lüftete dieser Fremde artig sein Mützchen mit dem farbigen Streifen ... es war ein schlanker , kräftiger Mann , gewiß doch schon hoch in den Vierzigen - in der Nähe ließen sich die kleinen Furchen des Antlitzes besser unterscheiden - die weißen Zähne , die großen hellblauen Augen gaben ihm etwas Freundliches und Gefälliges . Er wandte sich in seiner Auseinandersetzung über die Pflege der Georginen , die gerade die Blumen dieses Monats waren , gleicherweise bald vertraut auch an Dankmar wie an Louis und sprach gerade über die eigenthümliche Kunst , die Georginen durch Stoffe , die man der Erde , in der sie wachsen , beimische , z.B. Asche , nach Belieben zu färben . Es lag in seinen Äußerungen eine gewisse Kindlichkeit . Sie sind gewiß der Herr Schloßgärtner ? fragte Dankmar , ohne sich dabei den geringsten Schein von Indiskretion zu geben . Wollen Sie mich so nennen , immerhin , sagte der Angeredete und lüftete bescheiden seine Mütze . Ich habe nach Titeln nie gestrebt , lebe nun schon dreißig Jahre so mit der Natur zusammen und wenn man mich Herr Garteninspektor ruft , so hör ' ich manchmal weniger darauf , als auf meinen einfachen Namen Mangold ! Was ? Sie sind der berühmte Parkologe Mangold ? fragte Dankmar erstaunt . Parkologe ? Berühmt ? sagte Mangold . Du lieber Himmel ! Weiß man nicht , daß Sie die rechte Hand des Geheimraths von Harder sind , Alles schaffen , Alles hervorzaubern , wofür er den Namen hergibt und die Anerkennung einkassirt ? Das ist einmal so der Dienstbrauch ! Das ist in der großen Welt so wie in der kleinen ; sagte Mangold lachend . Sie haben am Rhein das Schloß Buchau hergestellt , sagte Dankmar . Sie waren im Gebirge und haben Selkenthal zu einem Paradies umgeschaffen ; Alles was in den königlichen Schlössern Schönes und Geschmackvolles sich findet , ist das Werk Ihrer Erfahrungen , die Sie in den Parkanlagen Englands sammelten ... Ganz Recht ! Englands ! Da hab ' ich meine paar Brocken aufgeschnappt , bin dann erst in die Dienste des alten Präsidenten von Harder getreten , hab ' ihm Tempelheide für ihn und seine wilden und zahmen Mitbewohner , wie eben Tannen sich ziehen lassen , eingerichtet und ging dann durch den Sohn , als er Intendant der königlichen Schlösser und Gärten wurde , in Staatsdienste . Aber wenn ich Ehre und Ruhm genieße , so weiß ich ' s nicht . Wo sollte ich Das wissen ? Ich lebe nur auf diesen einsamen Schlössern , bald hier , bald da in der Stille . In den Gartenzeitungen ... o ja , die halt ' ich mir ! ... Da werd ' ich genannt und manche Herrschaft hat mich verschrieben , um Schatten und Licht in einen Wald zu bringen - aber Das , dacht ' ich , geht doch so in der Stille hin und ich bin froh , wenn mich meine Blumen und Bäume loben . Komm ' ich des Morgens in der ersten Frühe auf meine Wiesen und der Thau glänzt mich freundlich in der Sonne an , so hab ' ich Glanz genug . Louis Armand hatte nur nicht den Muth , sonst würd ' er diesem einfachen , so still begeisterten Manne die Hand geboten haben . Dankmar aber , der Das , was er von Peters über Auguste Ludmer gehört , nun mit dem Eindruck , den er hier empfing , in der That nicht vereinigen konnte , wagte jetzt einige Fragen , die allerdings zudringlich erscheinen konnten : Bleiben Sie auch den Winter auf Solitüde ? fragte er . Nein , sagte Mangold , ich soll ja ganz von hier fort und wieder an den Rhein . Ich bekomme den Titel als Ober-Garteninspektor und werde in Buchau bleiben . Auf die Glückwünsche zu seiner Beförderung kam Mangold allmälig in das Geständniß , daß er erst noch ein Weib nehmen würde ... Ich bin nun , sagte er , sieben und vierzig ! Ein alter Knabe ! Hab ' immer in Gärten und Schlössern gelebt , fern von den Städten , fast wie ein Einsiedler . Die Leute lachen , wenn sie einen ledigen Junggesellen von sieben und vierzig Jahren sehen ! Aber wie find ' ich Bekanntschaft ? Amtsrathstöchter dünken sich hoch , Gärtnerstöchter standen mir zu tief . Wo man befehlen soll , muß man nicht schmeicheln müssen . Da war ich neulich bei unserer Excellenz , dem Intendanten , und sehe ein charmantes Mädchen über den Hof gehen . Prächtiger Wuchs , eine Staatsjungfer ! Die könnte mir schon gefallen , sagt ' ich zur Frau Geheimräthin , als sie mich neckte , daß ich noch immer keine Anstalt machte . Und wie ich in ihrem Garten eine Wasserleitung revidirt hatte und komme zurück und will mich empfehlen , sagt die alte Dame , die schon viele Jahre bei der Geheimräthin Alles in Allem ist : Mangold , das hübsche Mädchen ist meine Nichte ! Wenn sie Ihnen gefällt - dabei zog ich die Mütze und sagte : Madame Ludmer , die nähm ' ich gleich mit nach Buchau , aber man muß sie doch sprechen und rasch müßt ' es auch gehen , ich habe bis zum siebenundvierzigsten Jahre gewartet und nun aber kein langes Besinnen mehr ! Da warf sie einen Blick auf die Geheimräthin , so einen von ihren Blicken , die mehr sagen , als man gleich verstehen kann . Die Geheimräthin zog die Lippen ein Bischen verächtlich und lachte . Das ärgerte mich fast und ich sagte : Ist sie zu jung für mich ? Nein , nein , sagte die schwarzäugige Alte , die Ludmer . Wenn es Ihr Ernst ist , Mongold , muß man Das nur richtig anfassen - zweckmäßig - arrangiren .... Gut , sagt ' ich , arrangiren Sie ' s. Und da sah ich das Mädchen auf einem Ball - die Bedienten der Geheimräthin führten mich immer um sie herum ... sie war auch nur wegen meiner da - ging auch gleich fort , das war Alles abgemacht - vorher besprochen ... ich sah sie wieder ... ich sprach mich dann aus - sie lachte zwar , sie war schnöde und schnippisch - sie wollte von dem Buchau nichts wissen - will auch noch nicht heran und spottet und neckt - aber sie gefällt mir ... ich schenkte ihr Dies und Jenes - ich denke doch , wenn nichts dazwischen kommt - und die Tante noch einmal recht vernünftig mit ihr spräche - so - Heirathen Sie diese - ... Der Name erstarb Dankmarn auf den Lippen ... Himmel ! dachte er während der Erzählung des unschuldigen immer von den Städten entfernt lebenden Mannes , welche Intrigue steckt hinter dieser abscheulichen Täuschung ! Und eben wollte er offen mit seiner Warnung hervortreten , den einfachen , harmlosen Mann bei Seite nehmen , schildern , welchen Gefahren er seine Ehre aussetze , als Louis , der der Erzählung nicht den gleichen Antheil gewidmet hatte , weil er unverwandt die Augen auf das Schloß richtete , rief : Da kommt Egon ! Dankmar wandte sich und erblickte Drommeldey mit Egon und den Bedienten niedersteigen . Auch Siegbert kam mit Olga und den Kindern ... Es war Dankmarn jetzt nicht möglich , das Gespräch mit Mangold fortzusetzen . Nur noch die Worte rief er ihm , als er bei Seite trat , zu : Können Sie mir keinen Gruß an Ihre Braut auftragen ? Braut ? So weit ist ' s noch nicht ! Aber ich danke Ihnen , sagte Mangold herzlich . Heut Abend komm ' ich noch in die Stadt . Wenn Einer sein letztes Feuer noch einmal zusammennimmt , gibt ' s einen Brand . Ich gehe gern auf das Café Richter . Kennen Sie Das ? In der Königsstraße ? Gewiß ! Gewiß ! sagte Dankmar . Ich komme dahin . In der bestimmten Absicht , Alles aufzubieten , was Mangold über die Gefahr , in die er sich sorglos begab , aufklären konnte , trat Dankmar dem Prinzen entgegen , voll Spannung , was dieser über seine Erlebnisse im Schlosse würde zu erzählen haben ... Es schlug nun eben sechs Uhr vom Schloß Solitüde , als sich an der großen Eingangspforte des Gartens ein Gewirr und Durcheinander von Menschen , Rossen und Wagen verwickelte . Von der aufwärtssteigenden verlängerten Allée kamen vom Schlosse herab erst einige zweispännige , dann vierspännige Wagen , zuletzt ein sechsspänniges Gefährt mit den königlichen Herrschaften selbst . Alles , was bisher im Park zerstreut gewesen war , lief und drängte sich zu der Hauptpforte , um noch diese Abfahrt mit anzusehen . Auch die kleine runde Dame , die sich hier beinahe schon wieder verspätet hätte , kam spornstreichs von der Terrasse gelaufen , in einiger Entfernung von der jungen Begleiterin mit den blonden Locken , die nur in raschen Schritten ging , nicht lief . Ob die freundliche Verbeugung der jungen Königin diesen huldigungsbeflissenen Damen vorzugsweise galt , ist schwer zu sagen . Die Damen hielten mitten in ihrer Eile auf und verneigten sich tief mit holdseligen Gebehrden , indem sie mit einer Hand gleichsam eine die andere näher heranziehen und dem Hofe mit der andern sagen wollten : Wir sind Beide da ! Endlich waren die Herrschaften abgefahren und die kleine runde Dame , in der Sanitätsrath Drommeldey sogleich Frau von Trompetta erkannte , hatte nun Gelegenheit , die minder bedeutenden Menschenkinder zu betrachten , die sie hier versammelt fand . Drommeldey lobte ihre rasche Beweglichkeit , tadelte sie aber an Fräulein von Flottwitz . Ihnen , liebe Trompetta , sagte er , kann ein solcher Wettlauf mit sechs Pferden einmal nichts schaden ; aber Sie , mein liebes Fräulein , bedürfen Schonung und verlangen keine Amazonenkur . Die Trompetta sprach nur von ihrem unglücklichen » Guignon « auf der Terrasse ... Wollten Sie , sagte Drommeldey , die Herrschaften an Ihr Gethsemane erinnern ? Ach , antwortete die Trompetta , es liegt allerdings noch auf dem Nähtische der Königin ! Man blättert darin und kann sich nicht entschließen , eine Summe daran zu wagen , die mich der Weitläufigkeiten einer Lotterie überhebt . Ich bin für die Lotterie , Frau von Trompetta , sagte Drommeldey schon im Einsteigen . Warum sind Sie für die Lotterie , heidnischer Sanitätsrath ? Geben Sie mir doch Ihren Rath ! Warum ? Weil Ihnen das Anbringen der Loose von einer vortheilhaften diätetischen Wirksamkeit sein wird . Wenn der Hof das Gethsemane nicht ankauft , ersparen Sie eine Badereise . Frau von Trompetta hielt den allo-homöopathischen Sanitätsrath fest . Es ist eine Intrigue gegen mich im Werke - sagte sie , ich weiß es - die Altenwyl - gestehen Sie mir ' s , Drommeldey ! O behüte , kein Mensch intriguirt , als ich , sagte dieser . Beruhigen Sie sich , Frau von Trompetta ! Sie haben den Titel Gethsemane ganz in meinem Sinne gewählt . Es sind in dem Ölgarten Thränen geflossen und von der Angst der Jünger ist viel daselbst gewehklagt worden . Das Schweißtuch der heiligen Veronika muß Ihre nächste Sammlung heißen . Aus diätetischen Gründen und zur Beruhigung für Ihre Freunde dürfen diese Lotterien und die Mühen des Absatzes der Loose für Sie nicht aufhören . Adieu , liebe Missionairin ! Mit diesen für Frau von Trompetta mannichfach verletzenden Worten fuhr Sanitätsrath Drommeldey , ein kluger Mann , der sich vortrefflich in seine Welt zu schicken wußte und nicht Jeden nach seiner eigenen materialistischen Seelenstimmung behandelte ( doch von Frau von Trompetta wußte er , daß ihr der Ärger und Streit über ihre erheuchelte Religiosität von größerem physischen Nutzen war ) , mit einer freundlichen Handbewegung zu Prinz Egon , rasch davon . Frau von Trompetta hörte glücklicherweise diesen Spottreden auch schon nur halb zu . Ihre kleinen neugierigen Augen verschlangen den Prinzen Egon und Dankmar Wildungen . Einer von beiden war Prinz Egon und einer Dankmar Wildungen , der Bruder Siegbert Wildungen ' s ... Das hatte sie schon durch die Bedienten herausgebracht - Aber welcher war der Eine und welcher der Andere ? Der Fürst war - Fürst , und Dankmar ein Referendar , der seines Processes wegen das allgemeine Gespräch der Stadt , die Aufmerksamkeit aller Mütter und jungen Mädchen geworden war ... Friederike Wilhelmine von Flottwitz entschied sich für Dankmar und hielt Dankmar für den Prinzen , die Trompetta meinte Dasselbe , drückte Dies aber so aus , daß sie den Prinzen für Dankmar hielt . Sie flüsterten sich , indem sie sehr umständlich in ihren Wagen stiegen , ihre gegenseitigen Vermuthungen mit lebhaften Gestikulationen zu und befahlen dem Kutscher zu halten , als er eben abfahren wollte und sie Siegbert bemerkten , der mit den Wäsämskoi ' s eben aus der Allee heraustrat . Das war ein Nicken , war ein Grüßen und Winken mit der Hand ! Die muthigen oder vielleicht nur ungeduldigen Rosse wollten weiter , aber die Trompetta richtete sich im Wagen hoch auf und gerieth so in ein taumelndes Schwanken , daß die Flottwitz sie halten mußte . Siegbert , artig wie immer , sprang hinzu , um vielleicht noch einen Befehl zu vernehmen . Adieu ! Adieu ! Adieu ! rief sie und als Siegbert am Wagenschlage stand , flüsterte sie : Welches ist denn der Prinz ? Und Ihr Herr Bruder ? ließ sich sogar die Flottwitz herab , zu forschen . Egon und Dankmar standen nahe genug am Wagen , um näher zu treten . Sie hatten die neugierige Frage fast gehört , den nach ihnen schielenden Blick bemerkt , sie ließen sich vorstellen . Frau von Trompetta - Prinz Egon von Hohenberg - Fräulein von Flottwitz - Mein Bruder Dankmar - Durchlaucht , o Durchlaucht - begann die Trompetta und weinte fast . Gnädige Frau - sagte Egon betroffen . Ach ! Ach ! Ach ! Ich kannte Ihre Mutter - sie war ein Engel ; sie war meine Freundin ! Wissen Sie denn Das nicht ... Wie liebt ' ich sie ! Und diese Ähnlichkeit , Durchlaucht ! Zum Erstaunen und dem Generalfeldmarschall wie aus den Augen geschnitten ! Die königlichen Herrschaften hatten die Huld , Sie nach Ihrer Genesung zu begrüßen ! Das Auge der Königin ... Arme Trompetta ! Die Ungeduld deiner Pferde brach dies rührende Waldgespräch gerade an solcher Stelle ab ! Die Füchse waren wie ihre Herrin von den Sechsspännern angesteckt und liefen ihnen ohne Aufhaltens nach , mitten in einem Dankgebete , das die Sammlerin des Gethsemane eben unter den grünen Wipfeln der Eichen für Egon ' s Genesung anstimmen wollte - und nun kein Wort an Olga Wäsämskoi , kein Gruß , keine Frage mehr an Siegbert , und da jener Dankmar - und das Alles abgebrochen durch die wilden Rosse ! Es war geschehen , die Pferde zogen an und der ärgerliche Kutscher ließ sie laufen . Von Wilhelminen von Flottwitz blieb ein Blick an Dankmarn hängen , der Manches sagen konnte . Die rasche Wendung war der Wirkung dieses Blickes außerordentlich günstig gewesen . Weil er ganz links zur Seite ging , bekam dieser Blick eine Kraft , so zu sagen eine Emaille , die ihm so blendend in die Augen widerblitzte , daß er lachend sagte : Himmel ! War denn das Die ? Sie ? Die ? die Retterin des Vaterlandes ! Sie ... die Eine , Einzige ! Und als Siegbert sagte : Die vielbesprochene Flottwitz ! rief er : » Es blieb an mir nur noch ihr Abschiedsblick , Ein Sommerfaden an der Trauerweide hängen ! « Die wilden jungen Männer empfahlen sich den jungen Wäsämskoi ' s. Olga , entzückt von dieser Männerwelt , schlug den blauen Schleier ihres Hutes so dicht vor ihr Antlitz , daß man nichts von ihr sehen konnte als die zierliche Gestalt . Sie schien mit Siegbert zwar etwas zu schmollen , kehrte Allen den Rücken , beantwortete keine Höflichkeit Dankmar ' s , wich jeder Absicht Egon ' s , sich ihr vorstellen zu lassen , aus , saß aber im Wagen so sicher , so fertig , als wäre sie schon neunzehn Jahre , während sie doch nur fünfzehn zählte . Was hat denn Olga ? sagte Dankmar . Sie weinte ja vorhin ... Sie soll heirathen ? Nicht wahr ? O nein , sie weint , daß ich nicht in ihrem Wagen zurückfahre ... Heilige Thränen der Liebe ! spottete Dankmar . Ist doch auch dein Taschentuch deshalb feucht ? Egon aber , gleichfalls angeregt , scherzte noch mit Paulowna und Rurik . Wenn ich auch noch so schlimm bin , sagte er , so hilft das dem Papa Rudhard Alles nichts . Morgen ganz in der Frühe hol ' ich Euch Kinder aus dem Bett und lasse entweder mir oder Euch für unsere Unarten vom Papa Rudhard die Ruthe geben . Wollt Ihr ihm Das sagen ? Dieser drohende Humor schien den Kindern doch zu bedenklich ... Sie setzten sich zur älteren Schwester . Siegbert half ihnen in den Wagen . Dankmar und Egon zogen , als auch dieser Wagen abfuhr , den Hut und grüßten Olga . Diese beugte mit großer Sicherheit und vornehmer Grazie etwas den Oberkörper und blieb mit zusammengeschlagenen Armen , ein Taschentuch in der Hand , in der Ecke ihres Wagens sitzen . Peters jagte davon . Nun wollte Egon einsteigen und sah sich nach seinem Freunde um . Louis Armand , der Tischler , stand ganz in der Ferne ... fast eingeschüchtert . Egon verstand , was ihn drückte . Mit Herzlichkeit ging er auf ihn zu und sprach in französischen Worten zu ihm : Aber , Louis - Louis Armand sah zur Erde und folgte langsam und beklommen seiner Aufforderung , einzusteigen . Dankmar sah sich noch nach Mangold um . Er war verschwunden . Siegbert schien zerstreut . Er wußte nichts von Dem , was auf der Terrasse vorgefallen war . Die Kinder hatten zwar erzählt , daß sie den König und die Königin gesprochen , aber Egon ' s Begegnung mit den hohen Herrschaften war ihm so neu , daß er , als davon nun endlich erörternd und erzählend die Rede kam , ausrief : Sagt ' ich es nicht , daß die große Welt die Zeit nicht erwarten kann , Sie im Vorgrunde zu erblicken ? Egon begann nun zu erzählen . Noch einmal sah er kopfschüttelnd auf das Schloß zurück , das von einigen Sonnenstrahlen , die sich durch die vom Winde heraufgetriebenen Wolken drängen konnten , glühend erleuchtet war . Die hohen Kronen der Bäume der Allee schwankten . Es wehte ein kühler Zug . Der Abend schien nicht so freundlich den Tag zu enden , wie er begonnen hatte . Egon knöpfte seinen Frack zu , ließ seinen Mantel über sich breiten und begann nun folgende Mittheilung : Was mir soeben widerfahren ist , sagte er kopfschüttelnd , muß ich eine merkwürdige , überraschende Ehre nennen . Es ist aber eine Ehre gewesen , die eigentlich nicht mir , sondern meinem Namen , der Erinnerung an meinen Vater galt , und in diesem Sinne , gesteh ' ich , hat mir das Erlebte auch einen ganz wohlthuenden Eindruck gemacht . Ich bin kein Aristokrat , habe aber gefühlt , wie ernst , wie bedeutungsvoll der Beruf des Adels ist , wenn er seine Aufgabe nur recht verstehen wollte . Louis Armand wandte sich und sah nach den sie verfolgenden Wolken . Ja , ja , Louis ! Ich bin nun durch und durch Aristokrat geworden ! Ihr sprecht von einer Genossenschaft des Geistes ! Ich bin ein Paladin der Tafelrunde geworden . Der Adel ist ja schon ein solcher Bund , wie ihn Dankmar bezweckt , und stellt ihn schon von Natur dar . Wenn man , um vollkommner Mensch zu sein , sich von den Menschen , wie sie gewöhnlich sind , abzusondern haben soll , so hat hier die Geschichte eine solche Absonderung schon von selbst erzielt . Richtig verstanden muß der Adel eine Aufforderung sein , sich ganz besonders auszuzeichnen ... Wo man weiß , fiel Siegbert ein , daß man die Ehre eines gefeierten Namens gleichsam wie ein Fideikommiß zu verwalten hat , wird man sein persönliches Verdienst nur in der Beförderung eines gleichsam anvertrauten objektiven Gutes finden . Man wird sich blindlings in Gefahren stürzen , weiß man doch , daß die Gattung , zu der man gehört , erhalten bleibt ! Man wird eine Linie der Thaten und Auszeichnungen schon bei seiner Geburt vorfinden , der man nur nachzugehen hat , um zu bedeutenden Zielen zu gelangen . Hätte der Adel das Bewußtsein seines wahren Werthes immer nur darin gefunden , der geborene Vorkämpfer der Volksrechte zu sein , wir würden ein solches geschichtliches Institut segnen , statt ihm für seine Anmaßung und die ausschließliche Bundesgenossenschaft mit den Unterdrückern zu fluchen . Gott sei Dank , sagte Dankmar , der ganz erstaunt zugehört hatte , daß dein aristokratischer Rebus diese Pointe hatte ! Ich glaubte schon , das berühmte Fräulein von Flottwitz hätt ' es dir mit einem ihrer Blicke links um die Ecke angethan ... Wer war das blonde Fräulein ? fragte Egon . Das Mitglied einer sehr achtbaren Kriegerfamilie , sagte Dankmar . Die Flottwitz datiren sich auf die ersten ruhmwürdigen Entfaltungen unserer Fahnen zurück und bevölkern die Cadettenhäuser auch schon für unsere zukünftige Glorie ... Das blonde Fräulein hat den weiblichen Reubund gestiftet und steht an der Spitze der großen Demonstrationen mit wollenen Socken und patriotischer Hingebung . Sie ist eine Schwärmerin , wie nur je eine unter dem Drudenbaume saß und in einem Anfalle von landeserrettender Verzückung ausrief : Mein ist der Tzako , mir gehört er zu ! Sie vertritt die Principien der politischen Stabilität , wie die quecksilberne Frau von Trompetta die der religiösen . Und doch gesteh ' ich , in dem Blick des blonden Mädchens lagen trotz der siegreichen Reaction noch so viele höhere unbefriedigte Triebe , daß ich wohl einmal an diese weißen zarten Formen anklopfen und fragen möchte : Erlaubst du wohl , daß ich die innere Organisation deines merkwürdigen Gehirnes studire und mich überzeuge , wie man phrenologisch gebaut sein muß , um die Demokratie so gründlich zu hassen , wie es dies Mädchen bis zum Fanatismus treiben soll ! Und Egon fiel ein : Was sich in dieser Stadt nicht Alles zusammenfindet ! Was hier nicht Alles auf Unsterblichkeit oder das Narrenhaus spekulirt ! Indeß theilte er Cigarren aus und gebot dem Kutscher , trotz des sich verdüsternden Himmels , langsam zu fahren und begann wieder : Wie ich mich rückwärts an das Gitter der Terrasse lehne , treten die königlichen Herrschaften auf Drommeldey zu , den sie sehr huldvoll grüßen . Ew . Majestäten erstaunen , einen Arzt auf der Terrasse von Solitüde die reinste Luft der Monarchie schöpfen zu sehen , sagte er ... Hier mein Patient , Fürst Egon von Hohenberg , ist Schuld , daß ich ein so seltenes Glück genieße . Ich mußte mich natürlich jetzt tief verbeugen und meine Zurückgezogenheit entschuldigen . Mit großer Güte spricht die Königin von meiner Krankheit , an der jeder Fühlende theilgenommen . Der König erinnert sich allergnädigst , daß ich zuweilen bei ländlichen Festen mit ihm spielen durfte und zeigte mir an der Stirn die Narbe eines Steines , von dem er behauptete , daß ich die unschuldige Veranlassung davon gewesen wäre . Er begrüßte mich herzlich wie einen alten Kameraden und die Königin ihrerseits war nun erst recht erfreut , den hohen Gemahl so angeregt und von seinen Erinnerungen an die Jugend und die Narbe ergriffen zu sehen . Da ich etwas verlegen und einsylbig antwortete , so glaubte eine alte Hofdame , die der Königin sehr nahe stand , ich wäre vielleicht in der französischen Sprache heimischer und wußte es so geschickt einzufädeln , daß plötzlich die Conversation vom Deutschen in ' s Französische übersprang und mehre Herren , Militairs und Civilisten , Theil nahmen . Daß ich wie das sonderbarste Wunder der Welt betrachtet wurde , sah ich wohl und fühlte die Nothwendigkeit , mich nicht zu zaghaft , zu schüchtern zu gebehrden . Ich trat mit den Reminiscenzen meiner früheren , vorgenferischen Zeit mit möglichstem Nachdruck hervor . Dadurch ergab sich wie von selbst , daß sich der Zug in eine halb stehende , halb gehende Bewegung setzte , und wir unter die Orangenbäume zu wandeln kamen . Der König , der eine sehr deutsche Gesinnung prononcirte , begann auf ' s neue in den vaterländischen Lauten und Alles schien erfreut , zu bemerken , daß der Sohn des alten Generalfeldmarschalls , der so vortrefflich Deutsch , wenn nicht zu sprechen , doch zu fluchen verstand , nicht ganz aus der heimatlichen Art geschlagen war . Unter solchen , mehr oder weniger abgerissenen kürzeren oder längeren Bemerkungen standen wir plötzlich vor den geöffneten großen Fensterthüren der untern Säle des Schlosses . Mon prince , sagte die Königin mit vieler Anmuth , finden Sie hier nicht einige Erinnerungen an Ihre Kindheit ? Was wiederhol ' ich ihre Worte ! Sie bedeutete mich , einen Blick in die Säle zu werfen und nachzusehen , ob dort nicht angenehmere Erinnerungen für mich wären , als die an einen Stein , den ich einmal unglücklicherweise an die Stirn Sr. Majestät geworfen hätte . Ich war befangen , wußte nicht , was sie meinte und trat einem der Säle näher . Die Herrschaften gingen voraus und ich erblickte ein Ameublement von größtentheils schwarzem gothischem Hausrath , der dem ohnehin der Sonne abgewandten Zimmer etwas ungemein Düsteres gab . Noch besann ich mich , was man meinen mochte , als eine kleine Uhr einen Choral zu spielen begann . Nun besann ich mich . Ich war auf Hohenberg , in den Zimmern meiner Mutter , die Erinnerungen der Knabenzeit tauchten zauberhaft in meinem Gedächtnisse auf , und ich gestehe Euch , war es die Rückwirkung meiner noch physischen Schwäche , war es die Macht der kindlichen Erinnerung , wie die kleine Uhr auf einer schwarzen Console mit weißen Marmorfüßen den frommen Choral spielte , dem ich als Knabe oft so neugierig gelauscht hatte , trat mir eine Thräne in die Augen und kaum erblickte man meine Rührung , als sich auch die Königin und alle Damen abwandten , um zu weinen . Der König ergriff zuerst gesammelt das Wort und sagte : Mein lieber Fürst , es war ein Lieblingswunsch der Königin , auf einem unserer Schlösser die Einrichtung der Fürstin Amanda von Hohenberg , von der man so viel Geschmackvolles und Sinniges gehört hatte , zu besitzen . Jetzt kennt die Königin aber kein angenehmeres Gefühl , als dem Sohne , dem schon die frommen Klänge dieser Uhr die ganze unersetzbare Seligkeit der Jugendzeit zurückrufen , die Freude zu bereiten , die Ausschmückung dieser Zimmer da wieder hin zu verpflanzen , von wo eine allzugroße Indiskretion und Übereilung unserer Seits sie vor einiger Zeit entführte , ehe noch der Befehl dazu gegeben war . Die Bewegung , die diese schönen , gar zarten und rücksichtsvollen Worte im Saale hervorriefen , war um so mehr echt , als ich bemerke , daß sie auch auf Euch einen Eindruck machen . Meine Situation , gesteh ' ich , war etwas peinlich . Sire , sagt ' ich , mich fassend , mein guter Vater war so ein braver Patriot und hat in seiner Weise dem Vaterlande und Ihrem Hause so ruhmwürdige Dienste geleistet , daß es die Güte Ihres Herzens zu sehr in Anspruch nehmen hieße , wenn ich zugeben wollte , daß Sie die kleinen Schattenseiten seines Charakters , die alle Welt gekannt hat , mit dem Mantel der Liebe bedecken wollten . Wenn dieses Zimmer Ihnen die Erinnerung an einen alten Krieger zurückruft , der ... Nein , nein ! unterbrach die Königin meine Ablehnung des sinnigen Rückgeschenkes . Ich würde mir ewige Vorwürfe machen , Prinz , wenn ich die stille Geisterspraehe , die durch diese scheinbar todten Geräthschaften eine Mutter mit ihrem Sohne reden kann , stören oder unterbrechen wollte . Nein , nein , Prinz , zur Feier Ihrer Genesung gestatten Sie uns , da wir hören , daß Sie Ihre Güter unverändert behalten haben , diese Einrichtung dort wieder aufstellen