von Caraiskakis und Geurgios mit den verschworenen Griechen das Haus verlassen hatte , das ihnen zum Hauptschlupfwinkel diente , weil es ziemlich unbemerkt lag mitten in dem Griechenquartier und mehrere Ausgänge hatte . Da alle Hände gebraucht wurden für die Ausführung ihrer Beschlüsse , blieb die Bewachung des Hauses und des Sclaven Nursah einem alten Griechen überlassen . Doch Nursah hatte sich müde geweint , er lag auf den Matten und schlief . Caraiskakis selbst hatte die Thür des Gemaches von Außen verschlossen . Aber kaum war eine Viertelstunde vergangen und kein Geräusch mehr im Hause zu hören , so richtete der schwarze Knabe sich von seinem Lager empor , schlich auf den Zehen an die Thür und die Jalousieen und horchte hinaus . Da Alles ruhig blieb , öffnete er behend und leise die Letzteren und blickte hinaus . Das Gemach lag eine Treppe hoch und das Fenster war von einem Vorsprung des Hauses beschattet . Mit der Schnelligkeit einer Katze hatte Nursah die leichten Decken , die sein Lager bildeten , zerrissen und aneinander geknüpft und befestigte sie an den Jalousieen . Dann ließ er sich an ihnen hinab gleiten und gelangte glücklich in Hof und Garten , dessen Mauer er überstieg . In dem Gäßchen angelangt , das die Mauer begränzte , blieb er einige Augenblicke stehen , um einen Entschluß zu fassen . Er wußte , daß Eile Noth that , wollte er seinen Herrn retten , denn er hatte bei der Rückkehr der beiden Caraiskakis an der Thür gelauscht und , obschon er das Neugriechische nur sehr mangelhaft verstand , doch erfahren , daß Jener zum Tode verurtheilt war und am nächsten Morgen erschossen werden sollte . Ebenso wußte er , daß Gregor einen Versuch zu seiner Rettung machen wollte , indem er die Magazine in Brand setzte . Schon als nach der Verhaftung des Arztes der junge Mohr zu dem Freunde seines Herrn geflohen war , hatte er ganz bestimmt erklärt , daß er sich lieber selbst opfern und ein offenes Geständniß über die Art und Weise , wie er in Silistria den Spion gemacht , ablegen wollte , ehe er seinen Herrn in Gefahr ließe . Caraiskakis hatte ihn zwar durch die Versicherung beruhigt , daß eine solche nicht vorliege und der Arzt höchstens eine kurze Haft zu bestehen habe , da ihm Nichts erwiesen werden könne , aber er hatte es doch seitdem für nöthig gehalten , den Knaben nicht mehr aus dem Hause und auch dort unter Aufsicht zu lassen . Das erregte Mißtrauen hatte den Mohren jedoch wachsam gemacht und einige Worte des Bruders beim Abschied hatten seine Aufmerksamkeit erhöht . So gelang es ihm , die Wahrheit zu entdecken . Im Augenblick stand auch sein Entschluß fest , daß er sich nicht auf die Mittel der Griechen verlassen könne , sondern koste es sein Leben , selbst Alles aufbieten wollte , den Herrn , den er mit einer seltsamen Hingebung liebte , zu befreien , zu retten . Jetzt stand er , um diesen Entschluß auszuführen , von seinen Hütern befreit , in der Straße , aber zugleich auch fiel die Schwierigkeit seines Unternehmens ihm auf die Seele . Er wußte , daß nur wenige Stunden noch zwischen jetzt und dem Tode lagen , und kannte nicht ein Mal die Namen der Richter seines Herrn , an die er sich zu wenden hatte . Ebenso fiel ihm die Unmöglichkeit bei , jetzt in der Nacht bis zu einem der Befehlshaber zu gelangen , wenn dies für den armen schwarzen Knaben überhaupt möglich war . Er gedachte , wie wenig man sich überhaupt um ein Menschenleben kümmerte . Der Name des Capitains fiel ihm bei , der ihr Reisegefährte gewesen auf dem Wege durch den Balkan nach Silistria . Er war ein gutmüthiger lustiger Mann und hatte oft mit dem jungen Mohren launig geradebrecht . Aber wo ihn finden unter den Tausenden ? - war er überhaupt noch in Silistria ? - wie ihn suchen , da er nicht einmal der fremden Sprachen dieser Krieger mächtig war ? Er war hastig immer vorwärts geschritten und so in die belebteren Stadttheile gekommen , wo die Schenkhäuser und Restaurants noch immer geöffnet waren und Ab- und Zugehenden Erholung von den Beschwerden und dem Lärmen des Tages boten . Trostlos sah der Knabe sich um und dann hinauf zu den Sternen . Er wußte ein großes Geheimniß , das vielleicht Hunderten das Leben retten konnte und wollte es verkaufen für das eines Einzigen , aber wem konnte er es bieten ? Der Himmel selbst schien ihm Antwort zu geben auf sein Flehen . Indem er an dem Tschardak des » Restaurant des officiers « vorüberschlich , hörte er eine bekannte Stimme - - ein Mann mit einem Diener , der ein Pack trug , kam die Stufen herunter , er hörte , wie er diesem den Auftrag gab , die Packete nach her Karawanserai zu tragen und die Maulthiere fertig zu halten für den Aufbruch mit dem ersten Sonnenstrahl . Der Mann war Paswan , der Kiradschia . Mit einem Freudenrufe sprang der Knabe auf ihn zu - er verstand seine und der Fremden Sprache , er konnte helfen . Nursah faßte seine Hand , seine Worte überstürzten sich anfangs so , daß der Händler ihn nicht zu verstehen vermochte , bis er ihn in den Lichtstrahl aus einem der offenen Fenster zog und erkannte . » Armer Bursche , « sagte er mitleidig , » das traurige Schicksal Deines Herrn hat Dich wahrscheinlich auf die Straße geworfen und ohne Nahrung und Obdach gelassen . Du kannst mich begleiten , bis sich etwas Besseres für Dich finden wird . Heute Abend noch hörte ich vom Capitain Depuis , dem Franken , daß er morgen erschossen wird . « » Der Capitano ? - Wo ist er ? - wo verließest Du ihn ? « » Vor wenig Augenblicken dort im Kaffeehause . So lustig er sonst ist , so sehr geht ihm das Schicksal des Hekim-Baschi nahe und daß er trotz aller Bemühungen es nicht zu wenden vermochte . « Der Knabe warf sich ihm zu Füßen . » Bei dem Christus , den er mich erkennen gelehrt , o Paswan , habe Erbarmen mit mir . Ich , ich vermag ihn zu retten . Ich kann seine Unschuld entdecken , ich kann diese Franken hier retten großem Unglück . Habe Mitleid mit ihm und laß mich mit dem Capitano sprechen ! « Der Kiradschia war erstaunt , doch er war ein Mann von gutem Herzen und versprach , den Wunsch des Knaben zu erfüllen . Er hieß ihn warten und ging zurück in das Kaffeehaus . Bald kam er wieder mit dem französischen Capitain . » Frage ihn , « sagte hastig der Knabe , » ob es meinen Herrn retten kann , wenn ich beweise , daß er Nichts von dem Verrath in Silistria gewußt und ich allein die Nachrichten an die Moskows gegeben und die Boten gesandt habe ? « Der Kiradschia wiederholte die Worte des Mohren auf französisch , aber der Capitain schüttelte traurig den Kopf . » Es wird wenig helfen und der Beweis Dir schwer sein . Der Spruch des Kriegsgerichtes ist gefällt und jeder Aufschub der Vollstreckung selbst der Empfehlung des Prinzen von dem Pascha abgeschlagen . Du würdest Dich unnöthig selbst in Gefahr bringen , wackerer Bursche ; denn ich glaube , daß Dein Vorgeben blos ein freiwilliges Opfer Deiner Treue ist . « Nursah hatte mit glühenden Augen an dem Munde des Offiziers gehangen und aus seinen Bewegungen die Antwort gelesen . Er faßte krampfhaft den Arm des Kiradschia ' s. » Frage ihn , « sagte er mit glühendem Gesicht , und er bediente sich der Lingua franca , gleich als wolle er den Kiradschia möglichst an einer Verheimlichung seiner Worte hindern , » frage ihn , ob sie ihn freigeben wollen , wenn ich ihnen ein wichtiges Geheimniß entdecke , eine Verschwörung , noch diese Nacht die Stadt in Flammen zu setzen ? « Der Kiradschia blickte erschrocken auf den Knaben - der Capitain jedoch , der einzelne Worte verstanden hatte , war aufmerksam geworden ; so wiederholte Jener denn wörtlich die Frage . » Diantre ! Ist dies Wahrheit oder lügst Du , Bursche ? « Der Mohr hatte den Zweifel auf seinen Lippen gelesen . » Bei der heiligen Mutter Gottes , an die ich glaube ! bei den Gräbern meiner Eltern ! « betheuerte er . » Rührt Euch Beide nicht von der Stelle , « befahl der Capitain , » ich weiß , Du verstehst italienisch . Im Augenblick bin ich wieder bei Euch ! « - Er sprang zurück in das Café , wenige Momente nachher kam er zurück mit einem Offizier . - » Erzähle diesem Herrn , was Du weißt , er spricht italienisch . « Nursah berichtete mit fliegenden Worten , ohne den Zusammenhang mit der Rettung Welland ' s zu erwähnen , daß die Griechen um Mitternacht die Magazine der Franken in Brand stecken wollten , von dem Lazareth hatte er selbst nur Ungewisses verstanden . Capitain Depuis hielt bereits die Uhr in der Hand , während ihm sein Kamerad die Nachricht übersetzte . Einige Worte genügten den Offizieren , um sich über die nöthigen Schritte zu verständigen . Während der Zweite in das Café zurück eilte , um Lärm zu machen und Meldung nach allen Seiten zu senden , zog Capitain Depuis den Degen . » Du weißt den nächsten Weg zu dem Magazin ? « fragte er den Kiradschia . » Ja , Herr ! « » Vorwärts denn und rasch , Ihr Beide weicht nicht von meiner Seite ! Ist es , wie Du sagst , und kommen wir zeitig genug , so bürge ich Dir für sein Leben . « Halb rennend verfolgten sie den Weg . Dem Unteroffizier einer Patrouille , die ihnen begegnete , befahl der Capitain , sich ihnen anzuschließen , - so , im vollen Lauf zuletzt , betraten sie den Platz und eilten nach der dunklen Masse des Gebäudes . Plötzlich strauchelte der Capitain . » Morbleu ! hier liegt ein Mensch ! « Er bückte sich , ihn zu fassen , zog aber schnell die Hand zurück . - » Es ist die Schildwache , sie ist ermordet ! « In demselben Augenblicke schoß eine Flammengarbe in die Höhe , das Lazareth an der anderen Seite des Platzes stand in Feuer . In dem hellen Schein , der sich weithin ergoß , huschten einzelne dunkle Gestalten an den Mauern und zwischen den Baracken hin . » Höll ' und Teufel ! Die Mordbrenner haben das Lazareth angesteckt . Dort fliehen sie ! hinter ihnen dr ' ein ! « Der Kiradschia hielt ihn zurück . » Das Magazin ! das Magazin ! « Ein Blick belehrte die Franzosen , daß auch hier das bübische Werk im Gange sei : zwei , drei Flämmchen schlugen aus den Dächern eines angebauten kleinen Häuschens . Der Flintenschuß eines Soldaten knallte hinter einer jener dunklen Gestalten d ' rein , die an ihnen vorüberhuschen wollte ; mit geschwungenem Degen sprang der Capitain auf eine zweite los , indem er dem Unteroffizier zuschrie , die Ausgänge des Platzes zu besetzen . Zugleich rollten entfernte Trommelschläge durch die Straßen und fanden bald ihr hundertfältiges Echo . Menschen kamen in vollem Lauf herbei , mit jedem Augenblicke mehrte sich ihre Zahl . Der Verfolgte war dem Capitain unter der Hand verschwunden . Während der Hilferuf Nursah ' s und des Kiradschia ' s bald Menschen genug herbeiführte , um für die Rettung des Magazins zu wirken , forschte der Capitain nach den Mordbrennern , da er überzeugt war , daß sie noch irgend wo in der Nähe verborgen sein müßten . Wir haben bereits gesehen , wie sie entdeckt worden . Geurgios und fünf seiner Gefährten , von den Franzosen überrascht , hatten sich in eine der Baracken geflüchtet , gewiß , in dem folgenden Gedränge zu entkommen . Die Aufmerksamkeit des Capitains verhinderte ihren Plan . Auf Befehl des Marschalls waren die Gefangenen nach dem Pascha-Konak , als dem nächsten sich eignenden Platz , gebracht worden , der sofort wieder von französischen Wachen besetzt wurde , indem man ohne Weiteres die albanesischen und kurdischen Freischaaren hinausjagte und die aus dem Lazareth geretteten Kranken hier einquartirte . Obschon das türkische Regiment in der von den Alliirten besetzten Stadt eine Null geworden , machte doch der Marschall Sali-Pascha die bittersten Vorwürfe über die schlechte Polizei , die er übe und dieser hütete sich daher wohl , von dem Vorfall im eigenen Hause zu sprechen , um so mehr , als er ihn zu seinen besonderen Zwecken auszubeuten suchte . Als nämlich durch das Geschrei Nausika ' s , der Nedela , - das sie erst erhob , nachdem sie die beiden Griechen hatte entfliehen sehen , und durch den Feuerlärm der Pascha herbeigeführt worden , hatte die Schlaue ihm allerlei Lügen von dem plötzlichen Erscheinen bewaffneter Männer bei ihr erzählt , um sich so gegen ihn und den Baronet sicher zu stellen , ohne jedoch ihre Bekanntschaft mit Caraiskakis zu verrathen , und die Aufmerksamkeit nach dem Gemach des Gefangenen gelenkt . Man fand die Thür von diesem selbst geschlossen und den Arzt noch immer mit dem Baronet beschäftigt . Die Moslems haben einen unbegränzten Glauben an die Geschicklichkeit der fränkischen Aerzte , und der Pascha überließ daher den Verwundeten , nachdem er erfahren , daß ihn einer der eingedrungenen Diebe oder Mörder verletzt , der weitern Hilfe des Doktors , indem er zwei Khawassen als Wache dazu stellte , während er selbst sich mit jener türkischen Ruhe zur Brandstätte begab , die Alles Gott anheimstellt . In dem Audienzzimmer des Pascha ' s war sofort ein Kriegsgericht gebildet worden , das die gefangenen Mordbrenner verhörte ; - Adjutanten eilten hin und her , den Oberbefehlshabern ihren Rapport zu bringen , der Konak schien plötzlich zum Hauptquartier geworden . Die Thatsachen lagen so klar , daß das Verhör der fünf Griechen nur kurz war . Das Zeugniß des Capitains bekundete , daß man sie in der Nähe des Arsenals und der ermordeten Schildwache und noch verschiedenes Material zur Brandstiftung in ihren Taschen gefunden hatte ; die Aussage Nursah ' s , daß der Plan ein verabredeter gewesen . Vier der Angeklagten leugneten auch weder die Absicht , noch die That , weigerten sich aber entschieden , ihre Freunde und Helfer und deren Verstecke zu verrathen . Nur Einer , von der wüthenden Menge übel zugerichtet , bezeichnete das Haus , in dem die Führer sich aufzuhalten pflegten und man die Beweise ihrer Verbindung finden würde , und dessen Lage der Knabe Nursah nur unvollkommen anzugeben vermocht hatte . Vergebens hatte er während seiner kurzen Aussage versucht , auf die Unschuld seines Herrn zurückzukommen , der Vorsitzende des Kriegsgerichts , nur mit der Feststellung des vorliegenden Verbrechens beschäftigt , verwies alles Weitere auf später - oder an das türkische Gericht , das den Arzt verurtheilt . Während das Kriegsgericht zur Fällung des Urtheils sich zurückzog , war Capitain Depuis mit einem türkischen Offizier kommandirt worden , mit Hilfe Nursah ' s den Schlupfwinkel der Griechen aufzusuchen und zu durchforschen . Als das Kommando sich auf den Weg machte , begann bereits die helle Nacht des Orients sich in die Klarheit jener wunderbaren Morgenröthe zu verwandeln , die Meer und Land mit ihren Farbendinten überschüttet . Die Zeit wartet nicht - die Zeit fliegt . Die Straßen waren noch gefüllt von dem Trubel der Nacht , die erbitterte Menge wich nicht von den Thüren des Konaks , sie verlangte die Hinrichtung der Mordbrenner , die ihre schutzlosen Kameraden geopfert . An andern Stellen machte sich die Bewegung bemerklich , die dem Aufbruch großer Truppenmassen vorangeht . Mit dem Aufgang der Sonne sollten die noch zurückgebliebenen Colonnen nach der Dobrudscha aufbrechen , im Laufe des Morgens die Escadre unter Segel gehen . Beim Licht des Tages gelang es Nursah , sich leichter zu orientiren und das Haus , aus dem er entflohen , zu finden . Eine unsägliche zu Angst spannte alle seine Geisteskräfte , beflügelte seine Schritte . Aber das Haus war leer - Gregor Caraiskakis und die übrigen Verschworenen hatten Zeit gehabt , es zu räumen und Alles mitzunehmen , was ihnen Gefahr bringen konnte . Die sorgfältigste Durchsuchung ergab keine Spur ; indem sie das Haus besetzt ließen , kehrten die Offiziere mit der Meldung zurück . Aber die durch die Straßen ziehenden Colonnen verzögerten ihren Weg - die Sonne war aufgegangen und warf ihre klaren Strahlen über Stadt und Meer . Je näher sie dem Konak kamen , desto größere Angst durchbebte das Herz des jungen Mohren ; sein flehender Blick wandte sich jeden Augenblick vorwurfsvoll auf den Capitain , der ihm das Leben seines Herrn versprochen , und der ihn vergebens in seiner ihm unverständlichen Sprache zu beruhigen versuchte . Schon auf dem Wege hatte sie das Gerücht erreicht , daß die Griechen zum Tode verurtheilt worden und auf Befehl des Marschalls sofort auf dem Glacis der Festung erschossen werden sollten , um die Erbitterung der Soldaten zu beruhigen . Ein wildes tumultuarisches Geschrei voll bitterer Verwünschungen verkündete ihnen , als sie näher kamen , daß die Verurtheilten bereits ihren Todesweg angetreten . Als sie den Eingang des Konaks erreichten , kam ihnen eine Gruppe englischer Matrosen entgegen , die eine Krankensänfte trugen ; daneben ging ein alter englischer Schiffscapitain , von Zeit zu Zeit sorgsam nach dem Kranken sehend . Mehrere türkische Diener begleiteten den Zug und machten Platz für ihn . Der Offizier war der Capitain des » Niger « , der Kranke , den er an Bord transportiren ließ , Edward Maubridge . Nach der Feuersbrunst in der Nacht war der Capitain mit anderen Flottenoffizieren zur Stadt gekommen und hatte den Baronet aufgesucht . Er fand ihn unter den Händen des Arztes , der die letzten Stunden seines Lebens mit einem Werke der Menschenfreundlichkeit füllte . Dieser gab ihm die Versicherung , daß für das Leben des Baronets unter der Hand eines kundigen Chirurgen Nichts zu fürchten sei , indem der Stoß des Dolches keine Lebensarterien verletzt und nur starken Blutverlust zur Folge gehabt hatte , der den Kranken auch größtentheils bewußtlos ließ . Da zugleich der Befehl des Marschalls bekannt wurde , daß alle entbehrlichen Räume des Konaks sofort zum Lazareth in Stelle des abgebrannten Gebäudes eingerichtet und benutzt werden sollten , beschloß Capitain Warburne , den Verwundeten an Bord zu bringen und ihm dort die nöthige Pflege zu widmen , statt ihn unter Fremden und in der Ansteckung eines Lazareths zurückzulassen . Sali-Pascha hütete sich wohl , diesem Einrichtung zu widersprechen , und Nedela sah damit ihre Absichten erfüllt , da sich Niemand um ihr Zurückbleiben kümmerte . Capitain Depuis hatte mit seiner Begleitung den Eingang des Konaks erreicht und ließ hier Nursah , im Schutz einer Wache zurück , um seine Meldung zu machen und zugleich nochmals für den Arzt zu sprechen und des jungen Mohren Eingeständniß vorzulegen . Aber er traf weder den Marschall , noch den Prinzen mehr im Konak . Dem Zurückkehrenden stürzte Nursah entgegen , den Kiradschia mit sich fortziehend . Die wilden verzweifelten Bewegungen des Knaben zeigten ihm sogleich , daß etwas Ungewöhnliches vorgegangen . » Was ist geschehen - rasch ! denn wir müssen eilen , den Befehl zum Aufschub der Execution zu erhalten , die um 6 Uhr vollstreckt werden soll . « » Es ist zu spät ! « jammerte Paswan , » alle Mühe ist vergebens , der Pascha hat die Gelegenheit benutzt , das Urtheil an dem Hekim-Baschi zugleich mit den Griechen vollstrecken zu lassen , ich sah den Unglücklichen vorüber kommen . « » Diantre ! « fluchte der Capitain , » sie können noch keine fünf Minuten Vorsprung haben , - wir holen sie ein ! Ha - die Hilfe sendet uns Gott ! « Ein Reitertrupp kam die verhältnißmäßig geleerte Straße herauf , General Espinasse mit seinem Stabe , der Kommandirende der Expedition nach der Dobrudscha , um seiner Brigade zu folgen . Der Capitain sprang an sein Pferd und salutirte . » Monsieur le Général , retten Sie die verpfändete Ehre eines französischen Offiziers ! « Der General hielt einen Augenblick an . » Was wünschen Sie , Capitain ? « Mit fliegenden Worten , während er neben dem Pferde des Generals herging , berichtete der Offizier die Vorgänge , das Wort , das er dem Knaben verpfändet für die Entdeckung des Complotts , die Geständnisse und die Selbstanklage desselben in Bezug auf die Spionage in Silistria ; endlich den tückischen Streich des Pascha ' s , der die Stunde der Execution verfrüht . Der General sann einige Augenblicke . » Ich habe von dem Verurtheilten gehört und daß man Zweifel an seiner Schuld hegte . Aber die Sache betraf die Herren Türken allein und ging uns nicht an . Jetzt steht es anders . Sie verpfändeten Ihr Wort im Namen des Kommandirenden und das muß gehalten werden , wenn es noch Zeit ist . Wo soll die Hinrichtung vollstreckt werden ? « » Auf dem Glacis am Thor von Baltschick , auf Ihrem Wege , Excellenz . « » Vorwärts , meine Herren ! Sehen Sie zu , wie Sie nachkommen , Capitain , lassen Sie aber den jungen Spion nicht von der Seite , damit wir die Sache später untersuchen können . « Der General setzte sein Pferd in Trab . Nursah lief neben ihm her , der Capitain folgte , so gut es ging . Als sie am Thore ankamen , knallte eben eine Salve . » Rechts , rechts , Herr ! « schrie der Kiradschia , der mit dem angstkeuchenden Knaben neben den Pferden herrannte , » das waren die Griechen ! - ich sehe das türkische Kommando dort ! « Der General sprengte im Galopp nach dem bezeichneten Ort durch die Platz machende Menge , die der Execution der Mordbrenner beigewohnt , an dem französischen Kommando vorüber , das um die Leichen der fünf Erschossenen aufmarschirt war - sein weißes Tuch winkte nach einer entfernteren Gruppe - - Dort stand aufrecht am grünen Wall neben einer offenen Grube ein Mann , bleich , aber fest und muthig - - Zehn Schritt von ihm traten eben zwölf türkische Nizams an , die Kolben ihrer Gewehre rasselten aus den Boden . So rasch der General geritten - Nursah , der schwarze Knabe , war dennoch früher zur Stelle , als er , und stürzte sich zwischen die Soldaten und seinen Herrn , diesen umklammernd und mit seinem Leibe schützend . » Rettung , Herr ! Rettung ! Du wirst leben ! « Aber der Arzt stieß ihn verächtlich von sich . » Ich mag keiner Gnade ein ehrloses Leben verdanken . Jüs-Baschi , kommt zu Ende ! « Bei diesem aber hielt bereits der General . » Sprecht Ihr französisch , Herr ? « » Du sagst es , Excellenz . « » Was wollt Ihr mit dem Mann da thun ? « » Inshallah ! Wie Gott will ! Er soll erschossen werden . Er ist ein Spion und das Kriegsgericht hat ihn verurtheilt . « » Dummheiten ! « sagte der General . » Wir können unsere Aerzte besser brauchen , als sie von Euch Türken erschießen zu lassen . Der Mann ist unschuldig und außerdem - packt Euch zum Teufel ! « Der Jüs-Baschi glotzte ihn groß an . » O meine Seele ! was soll ich sagen - der Mann , Excellenz , ist mir vom Pascha übergeben und ich muß ihn erschießen lassen . « Der General wandte sich kaltblütig zu seiner Suite , die eben herankam . » Montaigne , reiten Sie nach dem Thore zurück , das , wie ich sehe , eben das erste Regiment verläßt . Beordern Sie eine Compagnie hierher und lassen Sie den Platz mit dem Bajonnet räumen , wenn diese schmuzigen Schufte sich nicht bis dahin aus dem Staube gemacht haben . « Ohne sich weiter um den erschrockenen Moslem zu kümmern , ritt er zu dem Verurtheilten , der staunend die unerwartete Scene mit angehört hatte . » Sie sind frei , Herr , « sagte der General freundlich , » aber es wird gut sein , wenn Sie für einige Zeit ohne Zögern Varna verlassen . Doctor Maineville von den dritten Zuaven ist erkrankt und zurückgeblieben . Sie werden den türkischen Dienst quittiren und seine Stelle einnehmen . « Der Uebergang von dem Gefühl des sicheren Todes zum frischen gesicherten Leben war zu plötzlich , zu überraschend , um nicht selbst das kräftigste Herz zu erschüttern . Einige Augenblicke wankte der Arzt , wie ein Betäubter , unter dem Schlage , dann raffte er sich auf und streckte beide Hände nach dem General aus . » Excellenz - täuschen Sie einen Unglücklichen nicht - mein Name ist beschimpft , meine Ehre verloren ! ich bin als Spion verurtheilt ! « » Ich weiß , ich weiß , « sagte ungeduldig der General . » Wir wollen das später in Ordnung bringen . Ihre Rettung danken Sie dem Capitain hier und dem Geständniß dieses schwarzen Burschen da , der , wie ich höre , die ganze Spionage geleitet hat . « Der Mohrenknabe sah aus den Augen und Geberden , daß von ihm die Rede war . Er umfaßte demüthig die Füße seines Herrn . - » O Vergebung , Effendi ! Du , dem ich so viel verdanke , Dein Zorn wäre bitterer , als der Tod . « Aber der Arzt stieß ihn empört und heftig von sich , daß er weithin zu Boden taumelte . » Verräther ! Du hast meine Liebe und Güte mit Verrath Deines Herrn gelohnt , - geh ' aus meinen Augen , für immer , Bube ! « » Nehmen Sie eines meiner Handpferde , Doctor , bis wir zur Colonne kommen , « befahl der General . » Capitain Depuis , nehmen Sie den schwarzen Burschen da mit zurück und übergeben Sie ihn dem Commandant de Place zur weiteren Untersuchung . Und nun , meine Herren , vorwärts , denn wir müssen die Verspätung einholen . « Der Arzt saß bereits im Sattel des Pferdes , das ein Reitknecht ihm zugeführt . Depuis und der Kiradschia waren mit dem schwarzen Knaben beschäftigt , den die Hand des deutschen Arztes von sich geschleudert und der , betäubt , mit blutender Stirn , am Boden lag . Der mitleidige Offizier hatte ihm Jacke und Tuch geöffnet und versuchte , ihn zum Leben zurück zu bringen . Plötzlich sprang er erstaunt empor . » Ein Weib , Excellenz , - es ist ein Weib ! « Der General blickte schlau und lächelnd bald auf den Arzt , bald auf die Gruppe . Es konnte kein Zweifel sein , - die Gestalt , die schwer athmend und eben erwachend vor ihnen lag , gehörte einem Weibe . Der volle üppige Busen in seiner Ebenholzschwärze quoll aus dem zerrissenen Obergewande den Blicken entgegen . Eine Schnur schlang sich um den festen kräftigen Hals und schien auf der wogenden Brust etwas Glänzendes , gleich einem Ringe , zu halten . - » Parbleu ! « sagte spöttisch der General , » das Abenteuer wird immer interessanter . Doch , Weiber , Capitain , haben stets das Privilegium des Verraths und deshalb lassen Sie die schwarze Schöne laufen , sobald sie wieder zu sich gekommen . Galopp , meine Herren ! « Dahin sprengte die Cavalcade . Einen Blick nur hatte der Arzt auf das ohnmächtige Mädchen geworfen und dieser eine ihm das Räthsel gelöst , das in dem Knaben ihm schon beim ersten Begegnen bekannte Züge gezeigt hatte . Nursah - Nursädih ! Fußnoten 1 1856 . 2 Es ist Feuer ! Cholera morbus ! Während bereits von Paris her die Krimm-Expedition im Geheimen beschlossen war und Marschall St. Arnaud seine Vorbereitungen in Varna traf , ergab sich die Nothwendigkeit , theils , um die Aufmerksamkeit der Russen von diesen Vorbereitungen abzulenken , theils , um dem weitern Umsichgreifen der Krankheiten zu steuern , die Truppen in weitern Distancen zu dislociren oder auf Expeditionen auszusenden . Die ungeheure Anhäufung von Menschen auf einem Punkte , die unerträgliche Hitze und die Ausdünstungen der Unreinlichkeiten aller Art , welche , trotz der strengsten Verbote , nach orientalischer Gewohnheit die Straßen und den Hafen Varna ' s füllten , hatten - wie wir bereits gesehen - die Cholera mit gefährlicher Heftigkeit ausbrechen lassen . Der Marschall sandte daher einen großen Theil der Flotte mit einer embarkirten Truppenzahl unter Canrobert und Sir George Brown mit geheimen Instructionen an die Küsten der Krimm ab . Diese Instructionen gingen , wie die griechischen Spione richtig ahnten , nicht auf eine Landung und einen Angriff Sebastopol ' s aus , sondern Lauf eine möglichst genaue Recognoscirung der Küsten und ihres Fahrwassers . Eine solche war um so nothwendiger , als die Russen das schlaue Manöver gebraucht hatten , Seekarten über die Ufer des Schwarzen Meeres zu verbreiten , welche absichtlich falsch und darauf berechnet waren , jeden Feind zu täuschen . Zugleich mit der Expedition zur See war eine Landexpedition gegen die russischen Truppen beschlossen worden , welche die Dodrudscha noch besetzt hielten . Diese Expedition erfüllte , wie bereits erwähnt , den doppelten Zweck , das durch die Unthätigkeit bei der Belagerung von Silistria bereits erschütterte Vertrauen der Türken auf ihre Alliirten wieder zu kräftigen und die Truppen zu trennen . Oberst Desaint , welcher die Dobrudscha durchstreift , hatte die Nachricht überbracht , daß zwischen Matschin , Tultscha und Babadagh noch 10,000 Mann russische Infanterie mit 2 Husaren-Regimentern sich befänden . 1200 Kosaken standen als Vorhut in der Nähe von Küstendsche . General Yussuf , der berühmte afrikanische Partheigänger , hatte mit Oberst Beatson eben die Organisation der Baschi-Bozuks , unter dem Namen der