Untergange kleine Anzahl rette , und nicht die Resignation der zwei folgenden Zeilen erfüllt hat : Sonst in des Zeitenstromes breitem Bette Ist ihr natürlich Los , schnell zu verhallen . In der Nähe der Fensterwand steht der Schreibtisch , kein elegantes Tischchen , sondern ein schwerer , massiver Bau aus Mahagoniholz , ersichtlich » ein Krieger für den Werkeltag « . Auf ihm und zwar in der Mitte desselben , erhebt sich eine antike Doppelherme , rechts daneben ein Torso , links aber die berühmte , vom Maler Asmus Carstens herrührende Statuette einer Parze , die am Sockel die Namensinschrift des Künstlers und die Jahreszahl 1795 trägt . An der gegenüber liegenden Wand , so daß das Auge des Schreibers , sooft er aufblickte , darauf fallen mußte , befinden sich die Statuen der kapitolinischen Venus und der Venus von Milo , zwischen beiden ein Panorama von Rom und die Konstantinsschlacht , nach dem berühmten Raphaelschen Bilde . Die Gesamtheit der in diesem Zimmer vorhandenen Kunstschätze aufzählen zu wollen , hieße den Leser ermüden ; nur einer Kreidezeichnung Thorwaldsens , » Bacchus , welcher dem Amor zu trinken gibt « , sei noch , ihrer besonderen Lieblichkeit und Grazie halber , erwähnt . Von den Bildern und Statuen hinweg treten wir jetzt an die Glas- und Bücherschränke heran , die ihrem Inhalte nach , wenigstens teilweise , der Humboldtschen Zeit angehören und uns somit Gelegenheit geben , einen Einblick in die privateren Studien , selbst in die Unterhaltungslektüre des Gelehrten zu tun . Da haben wir Byrons Life and works in siebzehn und Adam Smiths » Wealth of Nations « in drei Bänden ; Loudons Encyclopaedia of Gardening und Cooks Reisen um die Welt ; Schleiermachers Predigten in acht und die Schriften der Rahel in drei Bänden ; Voltaire und Rousseau in zusammen vierundzwanzig Halbfranzbänden friedlich nebeneinander ; Goethe in einer Ausgabe von 1817 ; Bulwers Eugen Aram und Rienzi in großem Originalformat und Adelungs Wörterbuch in vier mächtigen Schweinslederbänden . Bescheiden in einer Ecke lehnen zwei der berühmtesten Werke Wilhelms von Humboldt selbst und führen , in Goldbuchstaben auf Dunkelblau , ihre wohlbekannten Titel : » Über die Kawi-Sprache auf der Insel Java « und » Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaus « . Neben dem Arbeitszimmer befindet sich das ehemalige Schlafkabinett Wilhelms von Humboldt , in dem er am 8. April 1835 starb . Der überaus kleine Raum ist gegenwärtig unbenutzt und dient nur zur Aufstellung zweier weiblicher Torsen aus parischem Marmor , die zur Zeit des ägyptischen Feldzugs ( 1799 ) durch einen französischen Offizier von Athen nach Rom gebracht und an den Kunsthändler Antonini daselbst verkauft wurden . Von diesem erstand sie Wilhelm von Humboldt . Nach dem einmütigen Urteil aller Sachverständigen gehören diese Torsen zu dem Schönsten , was wir an weiblichen Körpern von griechischer Kunst besitzen . Professor Waagen ist der Meinung , daß beide einer Gruppe von Grazien angehören , deren dritten Torso er in der Skulpturensammlung des Herrn Blundell Weld in der Nähe von Liverpool entdeckt zu haben glaubt . Wir verlassen nun die unteren Räume und steigen vom Atrium aus treppauf , um den oberen Zimmern unsern Besuch zu machen . Die Treppe selbst indes , vor allem die Art und Weise , wie Schinkel , der auch hier den Umbau leitete , alle entgegenstehenden Schwierigkeiten glücklich überwunden hat , fesselt uns noch auf Augenblicke . Die Enge des Raums schrieb ihm Verhältnisse vor , die etwas Kleines und Puppenstubenhaftes nicht vermeiden konnten , und doch glückte es ihm , durch Wölbungen hier , durch Mauereinschnitte dort , dem Ganzen den Eindruck einer lichthellen Heiterkeit zu leihen und endlich durch Farbe und Ornamentik diesen Eindruck bis zum Schönen und Gefälligen zu steigern . Die einzelnen Decken und Rundbögen , deren Dimensionen mehr an das Modell eines Hauses als an ein wirkliches Haus erinnern , sind mit Sternchen auf dunkelblauem Grunde geschmückt und zwei in die Wandfläche des Treppenabsatzes gemalte Kandelaber ( es war kein Raum da , um wirkliche aufzustellen ) gelten für Meisterstücke guten Geschmacks und korrekter Zeichnung . Die oberen Räume , ein Empfangszimmer , ein Saal , ein Wohnzimmer und zwei Turmgemächer , bilden ein völliges Museum und sind zu reich ausgestattet mit Kunstschätzen und Sehenswürdigkeiten aller Art , als daß mehr wie eine bloße Aufzählung des Vorhandenen an dieser Stelle gestattet sein könnte . Und selbst diese Aufzählung werde ich auf die Hauptsehenswürdigkeiten , d.h. also auf Originalwerke zu beschränken haben . Es sind das , soweit die Plastik in Betracht kommt , neben Werken der Antike , Arbeiten von Thorwaldsen , Rauch und Friedrich Tieck . Aus der Reihe der Maler aber begegnen wir : Gottlieb Schick , Karl Philipp Fohr , Karl Steuben und Wilhelm Wach . Antiken . Die Statue der Nymphe Anchyrrhoe mit einem Wassergefäß , gefunden vor Ponte Molle bei der Osteria la Finocchia . Ihren Namen ( Anchyrrhoe ) hat diese Statue nach einer Bezeichnung , welche Ennio Quirino Visconti auf einem andern , lebensgroßen , jetzt im Louvre befindlichen Exemplar derselben Statue , von übrigens viel geringerer Arbeit gefunden hat . Diese Statue hingegen zeichnet sich ebenso sehr durch das graziöse Motiv , wie durch die vortreffliche Arbeit aus . Die Statuette einer tanzenden Bacchantin mit dem Thyrsus ( der Kopf modern ) . – Das Fragment einer antiken Sarkophagskulptur , welche den Raub der Proserpina darstellt . – Der thronende Jupiter , ein Relief aus dem Palast Rondinini . – Vulkan , ein Relief , ebendaher . Ein Rund , auf dessen einer Seite sich der Kopf des Jupiter Ammon , auf der andern eine opfernde Bacchantin befindet . – Die antike Statue des Bacchus aus pentelischem Marmor . Der Kopf , nach Angaben von Rauch , ergänzt . – Die drei Parzen , ein antikes Basrelief in Marmor . Dieses Relief ist besonders durch die Art der Auffassung merkwürdig . Die sitzende Klotho spinnt , und die in der Mitte stehende Atropos schneidet den Lebensfaden ab ; die Lachesis aber steht an einem Globus und bezeichnet an demselben das menschliche Geschick . Hieran schließen sich , bevor wir zu den Arbeiten neuer Meister übergehen , jene wertvollen , wenigstens zum Teil der Antike angehörigen Geschenke , die von seiten Pius VII. , als Zeichen des Danks für wichtige , auf dem Wiener Kongreß und später in Paris ihm geleistete Dienste , an Wilhelm von Humboldt überreicht wurden . Diese Geschenke sind folgende : » Eine Säule von orientalischem Granit , die eine moderne Kopie , in grünem Porphyr , von dem berühmten Kopfe der Medusa aus dem Hause Rondinini trägt , deren Original sich in der Glyptothek zu München befindet . – Zwei andere Säulen aus rosso antico von großer Schönheit , die zwei zierliche Vasen aus jener Marmorart tragen , die den Namen giallo antico führt . – Alle drei Säulen tragen , aufgehängt an einem Kettchen , das in Erz gegossene und vergoldete Wappen Pius VII. Es besteht aus drei Feldern , in deren größerem sich das päpstliche Doppelkreuz und die Inschrift Pax befindet , während die zwei kleineren Felder drei Sternchen und drei Köpfe zeigen . Über jedem einzelnen Wappen kreuzen sich die Schlüssel Petri . Diese wertvollen Geschenke wurden an Wilhelm von Humboldt mit folgendem Schreiben überreicht : » An den Herrn Baron von Humboldt der Papst Pius VII. « . » Der so nachdrückliche Beistand , welchen Sie dem Ritter Canova 22 zu dem glücklichen Ausgang seines Auftrags haben angedeihen lassen , hat Uns nicht überrascht , denn da Wir Sie zur Genüge kennen , versahen Wir Uns mit Gewißheit , daß Sie sich der Sache Roms und Unserer Person mit Nachdruck annehmen würden . Nichtsdestoweniger fühlen Wir uns , nachdem Wir vernommen , wie viel Sie zu der Rückkehr der antiken Denkmale , Handschriften und anderer kostbarer Gegenstände beigetragen haben , verpflichtet , Ihnen in eigener Person Unsern Dank zu erkennen zu geben . Rom hatte sicherlich Ursache Sie nicht zu vergessen , der Sie sich , während Ihres Aufenthalts daselbst , so viel Liebe und Achtung erworben , es wird aber fortan noch einen andern gewichtigen Grund haben , Ihrer als des wohlverdienten Freundes des Sitzes der schönen Künste zu gedenken . Wir werden Ihnen ein dankbares Andenken für dasjenige bewahren , was Sie in dieser bedeutenden Angelegenheit gewirkt haben , wie wir Ihnen ein Gleiches für alles dasjenige bewahren , welches Sie zu Unserm Frommen in Wien getan , wie der Cardinal Consalvi Uns berichtet hat . Wir werden mit der größten Freude jede Gelegenheit ergreifen , um Ihnen Unser besonderes Wohlwollen und Unsere Achtung zu bezeugen , und werden den Höchsten bitten , daß es ihm gefallen möge , über Sie seine Gaben und seine himmlische Erleuchtung in Fülle auszugießen und Ihnen die vollkommenste Glückseligkeit zu bescheren . Gegeben zu Castel Gandolfo , den 26. Oktober 1815 , im 16ten Jahre Unseres Pontificats . Pius P. P. VII. « Ich fahre nun fort in der Aufzählung der in Tegel vorhandenen Originalwerke der Skulptur sowohl wie der Malerei . Zunächst von Thorwaldsen . Die Statue der » Hoffnung « im Stil der altgriechischen Kunst , mit der Lotosblume in der Rechten . Eine Kopie dieser Statue , von Friedrich Tieck herrührend , krönt die Säule auf dem mehrgenannten Begräbnisplatz der Familie . – Die Marmorbüste der Frau von Humboldt . – Die Marmorbüste Wilhelms von Humboldt . – Zwei Kreidezeichnungen : Maria mit dem Kinde und dem kleinen Johannes , und Maria und das Christuskind , welche sich liebkosen . Die erste Zeichnung trägt die Unterschrift : Albertus Thorwaldsen in . et del . ; die zweite : Roma , 23. Febbrajo 1818 , A. Thorwaldsen f. Von Rauch . Venus , welche dem Mars ihre von Diomedes verwundete Hand zeigt . Marmorrelief in einem Rund ausgeführt . Eine der frühesten und reizendsten Arbeiten des Meisters . – Die sitzende Statue eines jungen Mädchens , durch den Schmetterling in ihrer Rechten als Psyche bezeichnet ( zu gleicher Zeit Porträtstatue der damals ( 1810 ) zehnjährigen Adelheid von Humboldt ) . – Die Marmorbüste Alexanders von Humboldt . – Die Büsten der als Kinder verstorbenen Gustav und Luise von Humboldt . Von Friedrich Tieck . Die Statuen des Odysseus , des Achill , der Omphale und Iphigenie . – Reliefbild Alexanders von Humboldt . – Reliefbild des Grafen Gustav von Schlabrendorf . Von Gottlieb Schick . Adelheid und Gabriele von Humboldt als Kinder , Ölporträts auf einem Bilde , eines der vorzüglichsten Werke dieses leider so früh verstorbenen Künstlers . Durch das offene , weinumrankte Fenster sieht man auf Berg und See einer still heitern italienischen Landschaft hinaus . Die schlichten , einfachen Kleidchen verhüllen nur eben die jugendlichen Körper der beiden Mädchen , von denen die jüngere träumerisch mit Blumen spielt . – Das Bildnis der Karoline von Humboldt , der älteren Schwester der beiden eben genannten . In Größe , Farbe und Auffassung dem vorigen Bilde sehr ähnlich , aber nicht ganz von demselben Reiz . Von Karl Philipp Fohr ( 1818 in Rom ertrunken ) . Hagen im Gespräch mit den Donaunixen ( Federzeichnung ) . Von Karl Steuben . Das Bildnis Alexanders von Humboldt , damals ( 1812 ) zweiundvierzig Jahre alt , in lebensgroßer Figur . Vorn Basaltsäulen , im Hintergrunde der Chimborasso . Höchst brillant gemacht , aber nicht ohne Anflug von Manier . Vielleicht verlohnt es sich , und zwar speziell im Hinblick auf die zuletzt genannten Porträts , die ganze reiche Sammlung noch ein zweites Mal kurz an uns vorüberziehen zu lassen , lediglich um uns mit der Tatsache vertraut zu machen , daß neben einem Kultus der Schönheit , der unbestritten hier stattfand , zu gleicher Zeit ein Familiensinn , ein alle Glieder umschlingendes Liebesband hier anzutreffen war , das , wie in manchem andern , so auch namentlich in der reichen Ansammlung von Familienporträts einen sprechenden Ausdruck gefunden hat . Die Zahl dieser Porträts , mit Umgehung geringfügiger Arbeiten , ist siebzehn . Alexander von Humboldt : Zwei große Ölbilder von Steuben und einem Ungenannten , vielleicht Wach oder Krüger ; eine Porträtbüste von Rauch ; ein Reliefporträt von Friedrich Tieck . Wilhelm von Humboldt : Eine Büste von Thorwaldsen ; ein Relief von Martin Klauer in Rom ; ein Kreideporträt von Franz Krüger . Frau von Humboldt : Ein Ölporträt von Schick ; eine Marmorbüste von Thorwaldsen , ein Kreideporträt von Wilhelm Wach . Karoline von Humboldt : Ölbild von Schick . Adelheid von Humboldt : Ölbild von Schick ; Marmorstatue ( als Psyche ) von Rauch . Gabriele von Humboldt : Ölbild von Schick . Gustav und Luise von Humboldt : Zwei Büsten von Rauch . Therese von Bülow : Büste von Rauch . Außer den fünf Zimmern , die alle diese Kunstschätze von Meisterhand enthalten , befinden sich im obern Stockwerk noch einige andere Räume , die nicht eigentlich zu den Sehenswürdigkeiten des Schlosses gehören , aber , unter dem Einfluß des Kontrastes , bei jedem , der zu ihrem Besuch zugelassen wird , ein lebhaftes Interesse wecken werden . Hier in den Zimmern , die nach außen hin nichts zu bedeuten , nichts zu repräsentieren haben , hängen die ersten Anfänge kurbrandenburgischer Malerkunst , wie ebensoviele grob getuschte Bilderbogen an Wand und Pfeiler , und zwingen selbst dem preußenstolzesten Herzen ein mitleidiges Lächeln ab . Sinn und Seele noch tief erfüllt vom Anblick idealer Schönheit , die in hundert Gestalten , und doch immer als dieselbe eine , eben erst zu uns sprach , werden wir , angesichts dieser blauroten Soldateska , irre an allem , was uns bis dahin als Aufgabe einer neuen Zeit , als Ziel einer neuen Richtung gegolten hat , und verlegen treten wir seitwärts , um des Anblicks von Dreimaster und Bortenrock nach Möglichkeit überhoben zu sein . Mit Unrecht . Nicht die Richtung ist es , die uns verdrießt , nur das niedrige Kunstmaß innerhalb derselben . Ein Modell der Rauchschen Friedrichsstatue , eine Menzelsche Hochkirchschlacht würden uns auch vielleicht frappiert , aber doch noch im Augenblicke der Überraschung , durch ihren Eindruck auf unser Gemüt , uns ihre Ebenbürtigkeit bewiesen haben . Wir verlassen nun das Haus und seine bildgeschmückten Zimmerreihen , um der vielleicht eigentümlichsten und fesselndsten Stätte dieser an Besonderem und Abweichendem so reichen Besitzung zuzuschreiten – der Begräbnisstätte . Der Geschmack der Humboldtschen Familie , vielleicht auch ein höheres noch als das , hat es verschmäht , in langen Reihen eichener Särge den Tod gleichsam überdauern und die Asche der Erde vorenthalten zu wollen . Des Fortlebens im Geiste sicher , durfte ihr Wahlspruch sein » Erde zur Erde « . Kein Mausoleum , keine Kirchenkrypta nimmt hier die irdischen Überreste auf ; ein Hain von Edeltannen friedigt die Begräbnisstätte ein und in märkisch-tegelschem Sande ruhen die Mitglieder einer Familie , die , wie kaum eine zweite , diesen Sand zu Ruhm und Ansehen gebracht hat . Zwei Wege führen vom Schloß aus zu diesem inmitten eines Hügelabhangs gelegenen Friedhof hin . Wir wählen die Lindenallee , die geradlinig durch den Park läuft und zuletzt in leiser Biegung zum Tannenwäldchen hinansteigt . Unmerklich haben uns die Bäume des Weges bergan geführt , und ehe uns noch die Frage gekommen , ob und wo wir den Friedhof finden werden , stehen wir bereits inmitten seiner Einfriedigung , von dicht und wandartig sich erhebenden Tannen nach allen vier Seiten hin überragt . Das Ganze berührt uns mit jenem stillen Zauber , den wir empfinden , wenn wir plötzlich aus dem Dunkel des Waldes auf eine Waldwiese treten , über die abwechselnd die Schatten und Lichter des Himmels ziehen . Die Bergwand , die den Platz gegen Norden und Osten hin umlehnt , schützt ihn gegen den Wind und schafft eine selten unterbrochene Stille . Die Form des Ganzen ist ein Oblong , etwa dreißig bis vierzig Schritte lang und halb so breit . Der ganze Raum teilt sich in zwei Hälften , in eine Gartenanlage und in den eigentlichen Friedhof . Dieser besteht aus einem eingegitterten Viereck , an dessen äußerstem Ende sich eine dreißig Fuß hohe Granitsäule auf Quaderstufen erhebt . Von dem ionischen Kapitäl der Säule blickt die Marmorstatue der » Hoffnung « auf die Gräber herab . Blumenbeete schließen das Eisengitter ein . Die Zahl der Gräber , wenn ich richtig gezählt , beläuft sich auf zwölf , und wenig Raum ist gelassen für neu hinzukommende . Die Grabsteine , die sich der Säule zunächst befinden , darunter die Wilhelms von Humboldt , seiner Gemahlin und der ältesten Tochter Karoline , haben keine Inschriften , sondern Name , Geburts- und Todesjahr der Heimgegangenen sind in die Quadern des Postaments eingegraben . Die mehr am andern Ende des Gitters gelegenen Hügel aber weisen kleine Marmortäfelchen auf , die einfach den Namen und die Daten tragen und in ihrer Schlichtheit an die Stäbchen erinnern , die der Gärtner dort in die Erde steckt , wo er um die Herbstzeit ein Samenkorn für den Frühling eingelegt hat . Alle Gräber sind mit Efeu dicht überwachsen ; nur eines , der Gittertür und dem Beschauer zunächst , entbehrt noch des frischen , dunkelgrünen Kleides . Fahl gewordene Tannenreiser bedecken die Stätte , aber auf den Reisern liegen Lorbeer- und Eichenkränze und verraten leicht , wer unter ihnen schläft . Wenn ich den Eindruck bezeichnen soll , mit dem ich von dieser Begräbnisstätte schied , so war es der , einer entschiedenen Vornehmheit begegnet zu sein . Ein Lächeln spricht aus allem und das resignierte Bekenntnis : wir wissen nicht , was kommen wird , und müssen ' s – erwarten . Deutungsreich blickt die Gestalt der Hoffnung auf die Gräber hernieder . Im Herzen dessen , der diesen Friedhof schuf , war eine unbestimmte Hoffnung lebendig , aber kein bestimmter siegesgewisser Glaube . Ein Geist der Liebe und Humanität schwebt über dem Ganzen , aber nirgends eine Hindeutung auf das Kreuz , nirgends der Ausdruck eines unerschütterlichen Vertrauens . Das sollen nicht Splitterrichter-Worte sein , am wenigsten Worte der Anklage ; sie würden dem nicht ziemen , der selbst lebendiger ist in der Hoffnung als im Glauben . Aber ich durfte den einen Punkt nicht unberührt und ungenannt lassen , der , unter allen märkischen Edelsitzen , dieses Schloß und diesen Friedhof zu einem Unikum macht . Die märkischen Schlösser , wenn nicht ausschließlich feste Burgen altlutherischer Konfession , haben abwechselnd den Glauben und den Unglauben in ihren Mauern gesehen ; straffe Kirchlichkeit und laxe Freigeisterei haben sich innerhalb derselben abgelöst . Nur Schloß Tegel hat ein drittes Element in seinen Mauern beherbergt , jenen Geist , der , gleich weit entfernt von Orthodoxie wie von Frivolität , sich inmitten der klassischen Antike langsam , aber sicher auszubilden pflegt , und lächelnd über die Kämpfe und Befehdungen beider Extreme , das Diesseits genießt und auf das rätselvolle Jenseits hofft . Die Seeschlacht in der Malche Die Seeschlacht in der Malche Of Nelson and the North Sing the glorious day ' s renown . Thomas Campbell Die Mittelhavel , wie schon hervorgehoben , ist eine lange Kette von Seen , Buchten und Becken . Eins dieser Becken , unmittelbar nördlich von Spandau , ist die » Malche « , die so ziemlich den ganzen Raum zwischen dem Eiswerder und der Zitadelle füllt . Eine prächtige Breite , die zunächst einen Wiesenplan und , daran anschließend , den » Saatwinkel « und die Jungfernheide in Flanke und Rücken hat , während sich die Bastionen und der Rundturm der Festung in der blauen Tiefe spiegeln . Die Havelbuchtung nun , samt ihren Ufern , war in der Joachimischen Zeit , und zwar im Jahre 1567 , der Schauplatz eines » Wasser- und Landgefechts « , über das Leutinger in seiner Topographia marchica ausführlich berichtet . Diesem Berichte entnehmen wir das Folgende : Kurfürst Joachim II. , unser allergnädigster Herr , nachdem er abends spät mit seinem Hofstaate auf der Festung Spandow angekommen war , sandte , um den Bewohnern einen Schrecken zu bereiten , des Morgens ganz früh einige seiner Trabanten nach der Stadt Spandow , zum Hause des damaligen Bürgermeisters Bartholomäus Bier , welchen sie , da noch alles schlief , mit starkem Pochen an seiner Haustür erweckten . Da derselbe beim Öffnen der Tür die Trabanten des Kurfürsten erblickte und sogleich den Befehl erhielt , sich anzukleiden und die Trabanten zum Kurfürsten nach der Festung zu begleiten , erschrak er sehr und konnte sich nicht darin finden , wie er dazu käme , unter militärischer Gewalt nach der Feste abgeführt zu werden . Seine Frau , welche ebenfalls hinzugekommen war , war noch mehr erschrocken und fing schon ein gewaltiges Klagen an . Zugleich gab ihm der Anführer der Trabanten eine an die ganze Bürgerschaft gerichtete kurfürstliche Order . Der Herr Bürgermeister sandte eine Magd eiligst nach dem Stadtdiener Strohband . Dieser , in gleicher Aufregung wie sein Herr , kam halb angekleidet und in Pantoffeln herbei . Er erhielt den Auftrag , sogleich zu allen Viertelmeistern zu gehen , um ihnen den kurfürstlichen Befehl , der ebenfalls auf ein Erscheinen vor dem hohen Herrn hinauslief , bekanntzumachen . Während nun Strohband lief , um die Bürger zu bestellen , und der Herr Bürgermeister sich in aller Eile angekleidet hatte , mäßigte sich sein Schrecken , weil ihm sein gutes Gewissen sagte , daß der Kurfürst so wenig mit ihm wie mit der Bürgerschaft etwas Schlimmes im Sinne haben könne , da seines Wissens keine Sache vorlag , welche den Unwillen des hohen Herrn verdiente . Nachdem er seine Frau damit getröstet und beruhigt hatte , ging er getrosten Mutes mit den Trabanten ab . Einige alte Frauen und Mägde , welche früh aufgestanden waren , um die Kühe vor den Hirten zu treiben , als sie sahen , daß der gestrenge Herr Bürgermeister in der Mitte von Trabanten des Kurfürsten zur Feste geleitet wurde , kreuzten und segneten sich und liefen schnell , um die Neuigkeit zu hinterbringen . Jeder zerbrach sich den Kopf . Endlich kam denn auch der Krummstock , der allen Bürgern den uns schon bekannten Befehl brachte . Die Neugierde wuchs und die Frauen vergaßen ihre Morgensuppe ; aber schon um sechs Uhr morgens zog die ganze löbliche Bürgerschaft , Viertelmeister und Ratsmänner voran , zum Tore hinaus der Festung zu . Als der Herr Bürgermeister Bier auf der Festung angekommen war , wurde er alsbald dem gnädigen Kurfürsten vorgestellt , und als dieser ihm freundlichst entgegenkam , fiel ihm ein schwerer Stein vom Herzen , und er vernahm nun vom Kurfürsten , daß er sich über den kleinen Schrecken , welchen ihm sein Spaß vielleicht verursacht hätte , beruhigen möchte ; indessen wünsche er , daß die Bürgerschaft zu dem Vergnügen , welches er sich heute vorgesetzt habe , ihm willig die Hand bieten möge ; er habe nämlich ebenfalls die Berliner und Cöllner Bürger dazu beordert , daß sie auf Schiffen mit den Spandowern ein Gefecht bestehen möchten , und selbige hätten sich dazu bereit erklärt und würden wohl bereits dazu unterwegs sein ; ein Gleiches wünsche er von ihnen ; Waffen habe er mitgebracht , Schiffe möchten sie nehmen , wo sie solche fänden ; die Anordnung überließe er dem Bürgermeister , und er mache ihn heut zugleich zum Admiral der Flotte . Der Zug der Bürger kam indessen auf der Festung an . Der Kurfürst trat ihnen mit seinem Gefolge , den Herrn Bürgermeister in der Mitte , entgegen und sagte ihnen : » Lieben Kinder , Spandower ! Ihr habt wohl wer weiß was gedacht , daß ich Euren Bürgermeister entführt und überhaupt Euch so in Alarm gebracht habe . Indessen ist es so schlimm nicht . Es ist nichts weiter , als daß Ihr Euch heute mit den Berlinern zu Wasser und vielleicht auch zu Lande schlagen sollt . Waffen liegen dort , und Brustharnische und Helmhauben auch ; diese nehmt . Der Herr Bürgermeister wird alles weiter anordnen , und wehrt Euch tapfer ! « Nun wurden ihnen hölzerne Spieße , alle von einerlei Länge und Stärke , Helme und Harnische zugeteilt , damit sie sich zum Streit bewaffnen sollten . Jetzt zurückgekehrt zur Stadt , verwandelte sich der Schrecken in Jubel und alles beeiferte sich , das Seinige beizutragen , um den Spaß vollkommen zu machen . Da der neue Spandower Großadmiral wußte , daß die feindliche Berliner Flotte aus dreißig Segeln bestehen würde , so suchte er in der Eile aus den stets hier beiliegenden Stromschiffen ebenfalls einige zwanzig zusammenzubringen und solche zu bemannen ; geübte Steuerleute waren auch bald gefunden und jedes Schiff wurde mit einigen zwanzig Streitern unter einem Anführer besetzt . Auf das Admiralschiff wurde der Stadtmusikus bestellt , und so wohl gerüstet und geordnet erwarteten sie den Feind . Die Flotte hatte sich bei der Festung links , vor dem Platze an der hiesigen Schleuse , vor Anker gelegt . Auch hatte der Herr Bürgermeister die Vorsicht gebraucht , die Fischer vom Kiez zu beordern , daß sie mit ihren Kähnen bei der Hand sein und wenn einer der Schiffer und Streiter über Bord fiele denselben sogleich retten möchten . Die Anführer auf den Schiffen waren folgendermaßen verteilt : Bürgermeister Bartholomäus Bier . Burghard Margert , Otto Ruttnitz , Bastian Rucken , Jakob Marzahn , Ratmannen . Jonas Backe , Paul Schober , Klaus Strohband , Hermann Döring , Jürgen Wardenberg , Viertelmeister . Die übrigen Anführer waren die Bürger : Martin Krokow , Klaus Marreligs , Peter Damitz , Andreas Raschan , Matthis Rürmundt , Sebastian Reinicke , Veit Wenzlow , Klaus Schumann , Jürgen Rohrschneider , Kurt Kiepert , Traugott Kühnert , Gottfried Schönicke , Jonas Müller , Ignatz Rasenack , an der Zahl vierundzwanzig . Um neun Uhr endlich sah man die vereinte Berliner und Cöllner Flotte , die sich am Tegelschen See armiert und formiert hatte , die Havel herunter gesteuert kommen ; sie steuerten , den Eiswerder rechts lassend , nach der kleinen Malche , und legten sich dort vor Anker , um sich zum Streit noch besser anzuschicken und dann das Signal zu erwarten . Voran lag das Admiralschiff mit dem Berliner Wappen , einem Bären im weißen Felde , am Vorderteil . Alle Schiffe waren mit prächtigen Flaggen und die Segelbäume und Stangen mit bunten Bändern geschmückt , die Steuerleute und Ruderer trugen runde Hüte mit roten Bändern umwunden und grüne Federbüsche . Die meisten Schiffe waren mit Zelten von buntbemalter Leinwand überspannt , doch so , daß die Streiter , welche mit denselben Waffen wie die Spandower versehen waren , sich auf den Schiffen verteilt befanden . Alles gewährte einen prächtigen , imposanten Anblick . Freude und Jubel waren unter Begünstigung des schönsten Wetters allgemein . Endlich wurde von der Bastion der Festung , auf welcher sich der Kurfürst mit seinem Hofstaate eingefunden hatte und von welcher aus er das Ganze übersehen konnte , das Zeichen zum Angriff durch einen Kanonenschuß und durch den Schall der Trompeten gegeben . Im Nu war jetzt die ganze Wasserfläche , welche den großen und kleinen Malchesee zwischen der Festung und dem Eiswerder bildet , mit Schiffen bedeckt . Unter dem Donner der Kanonen und dem Schalle der Trompeten , welche unaufhörlich vom Walle der Festung ertönten bemühten sich beide Parteien , einander so viele Schläge und Stöße zu erteilen , um wo möglich eine die andere zum Weichen zu bringen . Und wie es denn gewöhnlich zu gehen pflegt , so ging es auch hier , die Gemüter erhitzten sich zu sehr , so daß das Spandower Admiralschiff zwei von den Berliner Schiffen dergestalt überfuhr , daß deren Steuermänner ins Wasser gestoßen wurden und auch einige Streiter durch den Stoß über Bord fielen . Durch das Herbeieilen der Fischer wurden diese glücklich wieder herausgefischt . Nachdem das Gefecht zwei Stunden gedauert hatte und es , trotz der Brustharnische und der Helme , manchen blauen Fleck und Beulen gegeben hatte , auch auf keiner Seite nur ein Haar breit der Sieg gewichen war , wurde das Zeichen zum Abbruch des Gefechts gegeben und die Schiffe zogen sich unter gegenseitigen Drohungen und Neckereien ( Leutinger : » Spottereien « ) der Mannschaften in ihre vorigen Stellungen zurück . Zugleich kam der Befehl , daß der Sieg auf dem Nachmittage zu Lande entschieden werden sollte . Die Berliner verließen ihre Schiffe und lagerten sich dort auf dem Felde , » der Plan « genannt ; die Spandower gingen , um sich ihre Beulen zu besehen , einstweilen nach Hause , und die Anführer , um sich zu beraten , wie sie den Nachmittagskampf mit Ehren bestünden . Denn sie verhehlten sich nicht , daß sie bei ihrer geringeren Zahl es nur der großen Geschicklichkeit ihrer Steuerleute und Ruderer zu verdanken gehabt hätten , daß sie nicht besiegt worden wären . Auch war gewiß , daß sich die Zahl der Streiter ihrer Feinde aus der Zahl der Schaulustigen aus Berlin noch erheblich vermehren würde . Sie entschlossen sich also , einen Sukkurs aus dem städtischen Kämmereidorfe Staaken nebst den zur Stadt gehörigen Weinbergen , und was sie sonst noch aufzutreiben wußten , herbeiholen zu lassen . Die Anzahl der Berliner war , wie Leutinger versichert , über fünfzehnhundert Mann . Die Spandower dagegen waren höchstens achthundert Mann . Der Gottfried Schönicke wurde demnach in aller Stille beordert , ein Pferd zu nehmen und damit nach Staaken zu reiten , um dort die Bauern und Knechte , so viel wie anwesend wären und einen guten Knüppel führen könnten , zusammen zu nehmen , solche quer übers Feld und nach der Gegend der Valentinsinsel zu führen , um von dort auf Kähnen nach dem Saatwinkel geführt zu werden . Dann sollte Schönicke während des Gefechts , unter Begünstigung der vielen Gebüsche , durch die Haselhorst den Berlinern in den Rücken fallen . Der Schönicke führte seine Sache , da er die Kähne dort richtig vorfand , so gut aus , daß er sich